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«8. Jahrgang.

» eint in zwei Ausgabe». — Beziigs-PreiS r den Verlag 5« Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. BÖ Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusanunen.

Verlag: Langgasse 27.

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IMorgen-Ausgabe.

WP* Wege» des Frohnleichnamtnges eeschelnt die nächste Ausgabe am Freitag Nachmittag.

Die Vagode von Uischnon auf der Uariser Weltausstellung.

Wie in ein Märchen aus Tausend und eine Nacht fühlen wir uns versetzt, wenn wir mitten aus dem modernen Aus­stellungsgetriebe des Champ de Mars hinüber nach dem

Trocadero wandeln. Eine orientalische Pracht und ein echt orientalisches Leben umgiebt uns mit einem Schlage, gleich ® tr r P at *} tx Seine den indischen Ocean überschritten hatten. Es ist aber nicht etwa bloß ein sogenannter Aus­stellungsorient, nein. Alles, was wir auf der Weltausstellung von 1900 in Paris zu sehen bekommen, ist ein wirklicher, lebenswahrer Ausschnitt aus dem Kulturleben des fernen ^ we 'j tcn ^sselt uns unter den mannigfachen

grotesken Bamverken die Pagode von Vischnou in Französisch- vinmeii. Ein Tempel, der genau dem fernen Original nach­

gebildet ist, ein Meisterwerk des Architekten Simil. In 1 unserer Illustration findet der Leser das originelle Bauwerk zur Darstellung gebracht. Sein Aeußeres verräth schon den Tempel und im Innern finden wir ein Heiligthum der Indier, wie es schöner nicht gedacht werden kann, wir wohnen den indischen Religionsübungen mit bei, wir sehen Fakire und Priester, und wir hören jene eigenartige schwermüthige Musik, ohne welche sich der Indier seinen Tempel nicht denken kann. Aber nicht bloß in diesem Sinne werden uns in der Pagode die heidnischen Gebräuche und Sitten veranschaulicht, wir finden auch alle möglichen anderen Darstellungen. Da läßt ein Fakir durch seine schauerlichen Künste den Zuschauern die Haare zu Berge stehen, dort erregt eine Gruppe herrlich

gebauter Hindus, die in Form und Farbe Broncestatuen gleichen, durch ihre phänomenalen Akrobatenkünste allseitige Bewunderung, wieder anderswo werden wir durch einen äußerst decenten und graziösen Tanz von einer Korona gluthäugiger Hindudamen entzückt. Kurz, wir gewinnen durch einen Besuch der Pagode und dessen, was dazu gehört, einen Einblick in das Volksleben der Indier, den wir nicht so leicht aus unserer Erinnerung verlieren werden. Es versäume daher Niemand, der nach der Pariser Weltausstellung reist, den Trocadero mit zu besuchen.

(Nachdruck verboten.)

Frohnlelchnam.

Kulturgeschichtliche Skizze.

Am Donnerstag nach Trinitatis begeht die katholisch Christenheit ein Fest, welches im Laufe der Zeit der Glanz Punkt der Kirche geworden ist. Sein Name stützt sich ar das altdeutsche Wort krö, kröne, welches „Herr" bedeute ml?)! p aI fe untcr Frohnleichnam ein Fest zu verstehe, nsö>nn Andenken an den „Leichnam des Herrn" gefeici h ‘ 1 ihn, der siegreiche Glaube der Verwandlun

", ^ gesegneten Brodes - tu den Leib Chris * f ^ ru f C r so wäre es wohl naturgemäßer gi

w!.ic-e.. eS J! 10 ” . “ m Gründonnerstage, als am Tage dc x "fl des heiligen Abendmahls,' zu feiern; indessen sa davon ab, weil der betreffende Tag der Charwoch " n ü 11 Erhand Bräuchen ausgefüllt war.

s. e r die Entstehung des Festes erzählt man sic Ee ^online Legende: Im Kloster auf dem Berg

a,. ! 1 de' Lüttich lebte eine fromme Nonne Namen So oft sie betete, sah sie den vollen Mond m sodaß er sein volles Licht nicht halt, d,n n»rschemung fand ihre Erklärung dadurch, daß ma , d. "is die Kirche deutete und die Lücke als de imifcip Dostes jur Einsetzung des heiligen Abend

s«K>,n„' • le limine Heilige beschloß nun, auf die Ein nficfm!L eilU L!? Iti,tn Festes zu dringen, begegnete aber har!

widerstand, den man namentlich dam! KtW« *' daß die Kirche schon einen Ueberflnß a v ‘“flen habe, überdies werde die Einsetzung de

Abendmahls auch schon am Gründonnerstag gefeiert. Auch Julianas persönliche Verwendung beim Bischof hatte keinen Erfolg. Da bewirkten die Heiligen Peter, Paul und Servatius, daß die gute Schwester nach ihrer Rückkehr ein neues Gesicht hatte. Als sie einst die Pforte einer Kirche offen fand, ging sie hinein und betete vor dem Kruzifix. Da gerieth sie in Verzückung und sah, wie alle Engel und Heiligen den Erlöser auch umgaben, vernahm sie eine Stimme, daß das Fest des allerheiligsten Sakraments bald in der ganzen Christenheit gefeiert werden solle. Durch den Archidiakonus Jakobi Pantaleon von Trohes bewirkte sie beim Bischof Robert von Lüttich, daß im Jahr 1246 die Feier des Festes im Bisthum Lüttich angeordnet wurde. Als Jakobus Pantaleon untcr den, Namen Urban IV. den päpstlichen Stuhl bestieg, ließ er 1264 in einer Bulle die allgemeine Feier des Frohnleichnamsfestes verkündigen. Der berühmte Thomas von Aquino erhielt den Auftrag, das Officium und die Hymne für dieses Fest zu verfassen.

DasFrohnIeichnamsfest drang jedoch anfangs nicht recht ins Volk ein, weil der damals müchlige Orden der Franzis­kaner sich gegen die Feier desselben erklärte. Erst Clemens V. bestätigte die Bulle Urbans auf dem Konzil zu Vienne im Jahre 1311 aufs Neue und sei» Nachfolger, Johann XXII., führte 1317 die noch heute damit verbundene Prozession ein, welche jedoch in Frankreich und Elsaß-Lothringen auf den folgenden Sonntag verlegt ist. An vielen Orten werden sogar zwei Frohnleichnanisprozessionen abgehaltcn, eine am Fest selbst, das am Bodensee unsers Herrgotts Tag heißt, nnd die andere am Sonntag nachher.

Um den Glanz des Frohnleichnamsfestes zu erhöhen,

Aus Stadt und Zand.

Wiesbaden, 14. Juni.

v. Aofnachrichten. Gestern Vormittag sind die beiden Kinder Sr. Kaiser!. Hoheit des Großfürsten Paul von Rußland, von Kreuznach kommend, wo sie sich zur Kur befinden, hier cingetroffcn, um ihren Urgroßvater, Se. Majestät den König von Dänemark, im „Park-Hotel" zu besuchen. Nach dem Frühstück machte der König mit dcn Kindeni eine Spazierfahrt nach dem Neroberg und der Griechischen Kapelle, welch letztere auch im Innern besichtigt wurde. Um 5 Uhr 39 Min. reisten die Urenkelkinder des Königs (ein Knabe nnd ein Mädchen) mit ihrer Begleitung wieder nach Kreuznach zurück. — Gestern Mittag trafen, von Schwalbach kommend, die regierende Fürstin von Schaumburg-Lippe und deren Schwester Großfürstin Constantin von Rußland hier ein. machten der Herzogin Wera von Württemberg im „Viktoria-Hotel" nnd dem König von Dänemark im „Park-Hotel" Besuche und kehrten dann nach Schwalbach zurück. — Voraussichtlich wird heute Mittag nach 1 Uhr Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich von Schloß Friedrichshof hierherkommen, um Sr. Majestät dem König von Dänemark einen Besuch zu machen. Die Rückreise der Kaiserin dürfte mit dem Schnellzug um 5 Uhr erfolgen.

o. Abschied. Herr Stadtbaudirektor Baurath Winter, welcher die Geschäfte des Chefs der städtischen Bauverwaltnng auch nach dem Termin seiner Pensionirung, 1. April c., bis zu dem vor wenigen Tagen erfolgten Eintritt seines Nachfolgers, des Herrn Stadtbauraths FrobeniuS, führte, hat sich gestern von fedem einzelnen der zahlreichen Beamten der Bauverwaltung, an deren Spitze er 11 Jahre lang gestanden, verabschiedet.

— Rasenfest. Für das am nächsten Sonntag geplante Fest sind die Vorbereitungen schon in vollem Gange. In einem kühlen nnd gedeckten Raum wird auch ein größeres Büffet mit Bier und sonstigen erfrischenden Getränken eingerichtet sein, wie es denn überhaupt an Sitzgelegenheiten an schattigen Plätzen nicht fehlen wird. In überaus liebenswürdigster Weise bemühen sich die Herren Weber u. Co., das Fest in jeder Weise reizvoll zu gestalten, so z. B. wird auch der Destillntions- apparat in voller Thätigkeit sein nnd Rosenöl und Roscnwasscr an Ort und Stelle bereite», um gleich mitgenommen zu werden. Be­kanntlich hat das Rosenöl die Eigenschaft, seinen Dust jahrelang zu bewahren; ein Tropfen genügt, um einen Gegenstand für lange Zeit mit dem wunderbar feinen Bouquet zu versehe». Das Rosenöl, das bekanntlich sehr kostbar ist, wird auf dem Feste durch besonder« Vorrichtung auch tropfenweise verabreicht, für die Damen eine Gelegenheit, sich Fächer. Schirme und sonstige Toilettegegenstände durchduften zn lassen. Die Ausstellung von Schnittrosen verspricht eine selten schöne Blüthcnlese zu werden. Da die Beschickung derselben durch Gärtner ausgeschlossen ist, auch keine Konkurrenz oder Prcisvertheilung damit verbunden ist, wird dem kleinen und großen Gartenbesitzer Gelegenheit geboten, mit seinen sorgsam gepflegten Lieblingen Staat zu machen und dabei noch einem gutenZweck dienlich zu sein. Die Ausstellungskasten stellt die Firma Weber unentgeltlich zur Verfügung. Dieselbe hat auch in zuvor­kommendster Weise für Moos und Ausschmückung Sorge getragen. Solche Rosenbesitzer, welche kleinere und größere Sortimente zur Ausstellung schicken wollen, werden gebeten, dieselben möglichst mit Namen versehen erst Sonntag Früh zu schneiden und zwischen 8 und 9 Uhr zur Feststätte hin besorgen zu wollen.

— Uatneknn-e. Im hiesigen naturhistorischen Museum ist mit der fiir den Sommer geplanten successiven Ausstellung der berühmten v. Gerning'schen Jnsekten-Sammlung be­gonnen worden und kommen zunächst die Schmetterlinge zur Be­sichtigung. Obwohl dieselben schon etwa hundert Jahre alt sind,

bildeten sich schon früh besondere Genossenschaften, die sogenannten „Corpus-Christi-Brüderschaften", deren Mit­glieder in Festgewändern unter Vorantragung schöner Fahnen und Kreuze, mit Kerzen in der Hand, der Prozession folgen mußten. Die Zünfte und Gewerke verpflichteten sich zur Uebernahme gewisser Rollen bei den dramatischen Aufzügen, die mit der Prozession verbunden wurden. Der König von Neapel und Sizilien, Renatus von Anjou, stiftete schon als Herzog von Lothringen eine Prozession, bei welcher die Ge­schichte der ganzen Bibel handelnd dargestellt wurde.

Wenn auch der Pomp der Darstellungen aus der biblischen Geschichte fast überall verschwunden, so sind dennoch die erhebenden Gesänge, die mit Blumen geschmückte» Altäre, welche im Freien stehen, und das Grün, in welchem alle Straßen prangen, durch die der Zug geht, vollkonimen ge­nügend, um in dem Zuschauer einen tiefpoetischen Eindruck zu hinterlassen, zunial Geistliche und Laien miteinander wetteifern, die FrohnleichnamSprozession zu der schönsten und großartigsten Kirchenceremonic des ganzen Jahres zn machen.

Die Altäre, welche vielfach in den Straßen aufgebant werden, scheinen im Zusammenhang zu stehen mit den Leidensstationen Christi auf dem Kalvarienberg (Golgatha). Dort, wo die Natur dem Feste zu Hülfe kommt, verlegt mau die Altäre, welche mit Blumen, Laub- und Tannen­zweigen geschmückt sind und mit ihren Bildern Scenen ans der Leidensgeschichte Christi darstellen, mit Vorliebe auf die benachbarten Berge, z. B. in Kissingen, wo sogar zwölf Kapellen auf einer Höhe vorhanden sind. Unter Musik oder Gesang und entblößten Hauptes bewegt sich die