«erlag Lanzgasse 21
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ve««»»->rrtS fiir beide An»,«den: 70 Pfg. menatlich, M. L- vierteljLhrlich durch den Berla» Lau,gaffe 8i. ebne Bringrrl»l>n, M S — vierteljährlich durch alle deutschen Postanstalten. auSschliefflich vestellaeld- — Bezugs-Aeftelluugen nehmen außerdem entgegen: in «iesbaden die Zweigstelle Bi»- marckrmg 1». sowie die Ausgabestellen in allen Teilen »er stadt: in Biebrich: die dortigen Au«< gabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rhetngau die betreffenden Tagblan-Träger.
12 Ausgaben.
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reis für die Zeile: 15 Pfg. für örtliche Anzeigen im „Arbeitsmarlt" und „Kleiner Anzeiger
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Sonntag, 18. klpril 1913.
Morgen - Kusgabe.
Nr. 179. » 63. Jahrgang.
Oer Krieg.
Der österreichisch - ungarische Tagesbericht.
1290 Gefangene im Waldgebirge.
W.T.-B. Wien, 17. April. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 17. April: In Russisch-Polen und W e st g a l i z i e n hat sich nichts ereignet.
An der K a r p a t h e n f r o n t ist die Situation unverändert. Im Waldgebirge, wo die Russen stellenweise ihre heftigen Angriffe wiederholten, wurden 1290 Manu gefangen. Bei diesen Angriffen und bei mehreren während der Nacht versuchten Bor. stoßen erlitt der Feind wieder schwere Verluste.
In S ü d o st g a l i z i e n und in der Bukowina Geschützkampf.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnaut.
Die Lage in denRarpalhen nach russisch-englischer Darstellung.
Br. London, 17. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Der Berichterstatter der „Times" in Petersburg drahtet über die Karpathenschlacht: Das ungeheure Ringen ist noch weit Von seiner Beendigung entfernt. Rtrssffche Vorstöße.in den Beskiden haben zur Folge gehabt, daß der Feind eine enorme Tätigkeit nach jener Richtung entwickelt. In den Geländeabschnitten von Rostschok und Stry erhielten die Österreicher bedeutende Verstärkungen und versuchten in einer heftigen Offensive, die russischen Linien za durchbrechen. In diesen Abschnitten sowohl wie auch amUzsoker Patz trafen die Russen auf fehr ernsten Widerstand. Die Rüsten machen sich auf das weitere Eintreffen grotzer feindlicher Perstärkungen gefaßt. Die Petersburger „Börse n- zeitung" berichtet gleichfalls von dem Vorhandensein starker Österreichischer Truppenmengen auf dem Wege der Russen. Die Blätter schreiben in einer merkwürdigerweise gleichlautenden Note von dem Auftreten fünf neuer, voneinander unabhängiger österreichischer Armeen. (Die Angaben der Petersburger Blätter sind zweifellos willkürlich übertrieben. Nichtsdestoweniger sind sie bezeichnend, da man offenbar die russische öffentliche Meinung auf den Mitz- erfolg in den Karpathen vorbereiten will. Schriftl.)
Lin Bruder des Zaren lebensgefährlich verwundet.
Br. Basel, 17. April. (Eig. Drahtbericht, Ktr. Bln.) Den „Baseler Nachr." wird aus Petersburg gemeldet: Der kürzlich für seine Tapferkeit vor den: Feinde ausgezeichnete Grohfürst Michael, der Bruder des Zaren, ist. wie nachträglich be- kanntgegeben wird, in den Kämpfen bei Kalwarija lebensgefährlich am Halse verletzt worden.
Zum russischen Raubcinfall nach Memel.
Wie die „Tägliche Rundschau" erfährt, sind nach den bisherigen Ermittelungen bei dem letzten Ruffeneinfall in Ost- preutzen etwas über 200 Zivilpersonen von russischen Soldaten ermordet und über die doppelte Zahl schwer verletzt worden. Da die russischen Soldaten das Besitztum ganzer Ortschaften, soweit es beweglich war, gestohlen und auf mitgebrachten Wagen nach Rußland geschleppt haben, so ist der angerichtete enorme Sachschäden bisher auch nicht annähernd festzustellen.
Norwegische Erwartungen von Hindenburg.
Unter dieser Überschrift schreibt der militärische Mitarbeiter von „Aftenposten" (Chrsttiania): Schon seit ziem
lich geraumer Zeit hat man nichts mehr von dem genialen Feldmarschall von Hindenburg gehört, d. h. seit Mitte
Februar, als er seinen ganz außerordentlich glänzenden Sieg an den Masurischen Seen erfocht. Es waren „die Winterschlachten in Masuren", in welchen er die ganze 10. russische Armee geradezu vernichtend schlug._ Man ist nicht gewöhnt, länger als zwei Monate auf eine außergewöhnlich glänzende Feldherrntat von Hindenburg zu warten. Eine solche wäre also nunmehr fällig. Und die ganze Welt zerbricht sich den Kopf und wartet gespannt, was Hindenburg jetzt wohl im Schilde führen und was sein nächster Zug werden mag in dem Spiele, das er bis jetzt so meisterlich und mit solch überragender Tüchtigkeit zu leiten wußte. Wir wollerr uns nicht daran geben. Hinden- burgs Gedanken und Wege zu erforschen — es wäre ein ver- mestenes Beginnen. Doch wollen wir gewiffe Alternativen namhaft machen, die als strategisch bedeutsam in Frage kommen. Hindenburg hat sei Beginn des Krieges in einem bis dahin ganz unbekannten Maße „Eisenbahn- straregie" betrieben. Er hat mit Hilfe des außerordentlich gut entwickelten ostpreußischen Eisenbahnnetzes, das mit einem eventuellen Kriege vor Augen angelegt wurde, in einer ungemein kurzen Zeit große Truppenmaffen von einer Stelle der Front an eine andere geworfen, wo ihr völlig unerwartetes wuchtiges Eingreifen von größter Tragweite wurde. Hindenburg legte dabei eine seltene Tüchtigkeit an den Tag, wenn es galt, einen Entschluß zu faste,l. ihn konse- quent und energisch durchzusühren und zugleich das Moment der Überraschung richtig in Anschlag zu bringen und zu wägenj^da ja dieses in der Regel von größter Bedeutung zu werden pflegt. Die Siege, die von Hindenburg bis jetzt erfocht, kann man sehr wohl als „E i s e n b ah n s i e g c" bezeichnen. Auch werden seine künftigen Siege in Anbetracht der Umstände wohl auch Eisenbahnsiege werden müssen. Denn bis jetzt waren die Deutschen ihrem russischen Gegner gegenüber numerisch schwächer und werden wohl auch in Zukunft numerisch schwächer bleiben. Die Deutschen werden deshalb durch schnelle Truppenverschiebungen und durch daraufhin erfolgende Konzentration n zu siegen suchen müssen. Sie werden, mit anderen Worten, durch ausgiebige Ausnutzung ihrer Eisenbahnen ihre Stellungen dem numerisch durchaus überlegenen Feinde gegenüber zu behaupten suchen. Die nächste Feldherrntat Hindenburgs wird somit wieder ein glänzender Eisenbahnsieg werden. In Anbetracht dieser Lage der Dinge können für die deutsche Heeresleitung m Osten mehrere Kombinationen in Frage kommen. Die größten Erfolge dürfte wohl ein wuchtiger offensiver Stoß aus dein Norden in die Flanke der vor Warschau operierenden russischen Heeresmasten garantieren. Doch wäre ein solcher Vorstoß zugleich mit den größten Schwierigkeiten verbunden; denn abgesehen davon, daß die Russen unzweifelhaft außerordentlich starke Armeen hier konzentriert haben, hätten die Deutschen zugleich den Festungsgürtel an Narew. Bug und Weichsel zu forcieren, also die Festungen Nogan, Pultusk, Serogk und Novo-Georgievsk. Von diesen ist Novo-Geor- gievsk, am Zusammenfluffe von Bug und Weichsel gelegen, besonders stark und wurde während des Krieges überdies verstärkt. Daß die Deutschen fr o n t a l auf die Weichsellinie gehen, indem sie ostwärts über die Flüsse Bzura und Ramka gegen den Warschauer Festungsgürtel Vordringen, erscheint uns wenig wahrscheinlich. Wie man sich erinnern wird, wurden Ende Januar die zu diesem Zwecke gerade dort operierenden deutschen Truppen wieder zurückgenommen. Da erscheint es wahrscheinlicher, daß Hindenburg seine Truppen von der schlesischen Grenze her in das südliche Polen dirigierte, wodurch er zugleich seinen in den Karpathen erbittert gegen die russische Übermacht kämpfenden Waffenbrüdern helfen würde. Oder er sendet neue Armeen südwärts zur Verstärkung der bereits Schulter an Schulter mit den Österreichern kämpfenden deutschen Truppen. Oder —
wird er zum dritten Male gegen die N j e m enlt ni e operieren. um die Eisenbahnverbindung zwischen St. Petersburg und Warschau zu zerstören?
Die rrohlen- und Getreidenot in Russland.
W.'T.-B. Petersburg, 16. April. (Nichtamtlich.) In der „Nowoje Wremja" macht Menschikow das Zu^stätidnis, daß die Gefahr der Aushungerung Deutschlands keine großen Slüssichten habe. Deutschland produziere in Friedenszeiten etwa 75 Prozent seines Bedarfs an Getreide, der sich unter kleinert Entbehrungen für das überernährte deutsche Volk unschwer strecken lasse. Die Deutschen wollten jetzt beweisen. daß sse die stärksten Nerven hätten und dadurch unbesiegbar seren. Diese neue Art der Kriegführung werfe alle alten Kriegsregcln über den Hausen. ■■
Btenschikow erörtert die Ursache des K o h l c-it nt a h ö c l s in Rußland und nimmt an. daß nicht allein Wagemnangel die Ursache fei, sondern auch die Kohlenproduktion anscheinend versage. Er stellt dem gegenüber, daß Deutschland, obwohl es Industriestaat sei. keineswegs an Kohlenmangel leide, obwohl die deutschen Städte infolge höherer Kultur und der deutschen Eisenbahnen einen erheblich höheren Bedarf an Kohlen hätten. Er untersucht ferner, wer von den Ministern schuld daran sei. daß in den letzten Jahren nicht genügend Eisenbahnen gebaut worden und die Beschaffung von Betriebsmaterial nicht genügend vorgesehen worden sei. /
„Rjetsch" stellt fest, daß die letz tj ährt ge russr,che Ernte weit unter dem Durchschnitt ivar und in Futtermitteln eine vollständige Mißernte vorliege, so daß. trotzdem sich diö Ausfuhr um 273 Millionen Pud gegen das Jahr 1013 vermindert habe, dennoch infolge des großen Hceresbedarss eine Teuerung fiir Futtermittel und Getreide bestehe. Es komme die Desorganisation des gangen Getreidemarktes hinzu sowie der Mangel an ausreichenden Transportmitteln.
Pfeffer als Ersatz für Wutki.
Kopenhagen. 16. April. (K. B.-Z.) „National Tidende" erfährt, daß zurzeit Tag für Tag eine sehr schwunghafte Ausfuhr von feiner Frucht und Spezereien, besonders von Pfeffer, von Kopenhagen aus nach Rußland vor sich geht- Die Russen haben nämlich angefangen. Pfeffer zu kauen als Surrogat für den nunmehr verpönten Alkohol.
Des Papstes Fürbitten für die Polen.
IV- T.-B. Rom, 17. April. In einem Briefe, der die Mitteilung an den Fürstbischof von Krakau enthält, daß der Papst 25 000 Kronen für die polnische Bevölkerung gespendet habe, sagt Kardinal G a s p a r r i: Das Elend, in welchem
die ganze polnische Bevölkerung schmachtet, da sie viel mehr als jeder andere unter dem traurigen Los des Krieges zu leiden hatte und leidet, erfüllt das väterliche Herz des Papstes seit langem mit uueudlichem Schmerz und hat ihn veranlaßt, durch die persönliche Spende und einen eigenhändigen Brief dem Lande Polen den großen Schmerz seiner Seele und seine ganze väterliche Zärtlichkeit zu zeigen. Inzwischen sind neuerdings Nachrichten von so schmerzvollem Eindruck hinzugekommen, daß der Papst nicht umhin kann, von neuem dem unglücklichen Polen zu Hilft.' zu kommen, mit dem lebhaften Wunsche, ihre ungeheueren Leiden zu erleichtern. Infolgedessen sandte der Papst unaufhörlich die Bitte zu Gott, auf daß der Wohltätige Geist des Friedens wieder über der Welt leuchte. Gleichzeitig erhebt der Papst die heißesten Wünsche und glühendsten Bitten besonders zugunsten des hochherzigen polnischen Volkes, das durch alte Überlieferungen dem heiligen Stuhle so sehr ergeben und gegenwärtig durch das wahre Unglück so hart getroffen ist. Der Papst will mit seinen Wünschen und Bitten-
Nachdruck »erStten.
Das ungefungrne Lied.
Es weht ein heimlich Raunen Durch mächt'ges Traumesland:
Bald klingt's wie Krnderweinen,
Das nicht zur Mutter fand.
Bald slüstert's heiße Worte,
Wie Lieb zu Liebe flieht;
Entbebt als tiefftes Sehnen Zerrissenem Gebet.
Wie abgebrochene Töne,
Die kein Akkord geeint:
So irren tausend Klänge.
Verloren und verweint.
Das sind die Herzgedanken Unausgeklungener Lieb;
Das ist das Lied der Seelen —
Das ungefungen blieb!
MarieSauer (Wiesbaden).
Die Kriegsmenagerie.
Von Wilhelm Cremcr.
Gleich am ersten Tage nach der Mobilmachung sing das Unglück an. Ahnungslos ging Herr Neumann über die Fried- rrchstraße, als ihm jemand kräftig aus die Schulter schlug.
.Lkensch, Noumann. das ist ja ein Glück, daß ich Sie tveffe. Nämlich. Sie sind ja doch Reichskrüppel, und da
müssen Sie meine beiden Dackel in Pension nehmen. Sie sollen einmal sehen; was für Freude Ihnen die Tiere noch machen!"
„Sind Sie denn auch Soldat?" fragte Neumann und sah den dicken Fabrikbesitzer erstaunt an.
„Na, immer! Ich bin doch Landwehrhauptmann. Aber nun wollen wir gleich ein Auto nehmen und die Dackel abholen. Morgen mutz ich schon in meine Garnison."
Reumann freute sich natürlich, daß er tuenigstens iitdirekt etwas fiir das Vaterland tun konnte, und er war nur darüber beunruhigt, wie seine alte Haushälterin Wohl die vierbeinigen Gäste ausnehmen würde.
„Frau Schmidt —", begann er und zerrte die sich heftig sträubenden Tiere an der Leine in die Wohnung hinein. Aber Frau Schmidt ließ ihn den angefangenen Satz nicht erst beendigen.
„Die sollen wohl airch noch hierbleiben? Nämlich Ihre Frau Tante ist vor einer Stunde hier gewesen und hat ihre ganze Kanarienhecke herbringen lassen. Über dreißig selbstgezogene Kanarienvögel — na, ich danke. Wer soll die denn jeden Tag füttern? Und der Schmutz, den die Tiere machen —"
„Ja, verreist denn meine Tmite?" fragte Reumann etwas verwirrt.
„Nach Hannover zu ihrer Schwester. Ihr Herr Onkel ist ja doch einberufen. Und da meinte sic. da Sie ja doch imn einmal nicht mit in den Krieg müssen —"
„Ja, ja", unterbrach Neumaiin sie ungeduldig. „Na, ich werde schon einen Ausweg finden.".
Und dann besah er sich sein Arbeitszimmer, über das die Tante etivas sehr summarisch zur Aufftellung ihrer Vogek- käfige verfügt hatte. Wo sollte er jetzt noch eilten Brief schreiben, wenn sogar der Schreibtisch vollgckbaut war?
Er kam übrigens nicht dazu, über diese Frage weiter naö^udenken, denn ein wütendes Gebell rief ihn in die Küche, wo er die nächste halbe Stunde genug damit zu tun hatte, seiner Haushälterin zuzureden und gegen die beiden Dackel zu kämpfen, die offenbar mit der Übersiedelung in die fremde Wohnuiig durchaus nicht einverstanden waren.
„Ich niuß persönlich mit Onkel Fritz reden!" dachte er, denn an die Tante selbst wagte er sich nicht erst heran.
„Ra. da bist du ja!" sagte der Onkel jovial. „Meine, Frau hat mir schon erzählt, daß du dich über die Vögel so ge- frsut hast. Na. weißt du. dann kannst du auch unsere große Dogge übernehmen."
Neumann war immer eine etwas schüchterne Natur gewesen, aber jetzt raffte er sich doch zu einem Protest auf, indem: er von den beiden Dackelii erzählt.
„£>. das macht gar nichts!" beruhigte ihn der Onkel. „Mein Cäsar vergreift sich nie an kleinen Hundeii. Du mutzt ihn natürlich morgens und nachmittags je eine halbe Stunde spazieren führen, das ist er gewohnt. Also Tante bringt ihn dir 'morgen in die Wohnung."
Als Neumanu nach einer Weile den Onkel verließ, tvaren ihm alle Eintvendungen wegen der Dogge und der Kanarienvögel ausgeredet, und zu Hause mußte er der Frau Schntidt das Gehalt bedeutend erhöhen, denn sie hatte inzwischen schon ihren Schlietzkorb gepackt. Die Nacht verbrachte er leidlich.
