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Wiesbadener Tagblatt.

«8. Jahrgang.

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Fernsprecher N». 52.

Montag, den 11. Juni.

Fernsprecher No 52.

1800.

Abend -Aus gabe.

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China und die Machte.

Die feierlichen Versprechungen der chinesischen Central­regierung, den Aufstand der Boxer binnen kürzester Frist niederzuschlagen, haben genau den Werth gehabt, der ihnen vernünftiger Weise nur zugeschrieben werden konnte, nämlich gar keinen. Trotz aller angeblichen Anstrengungen der Centralregierung, den Aufstand der Boxer zu unterdrücken, hat dieser vielmehr an Umfang gewaltig zugenommen und die Hauptprovinz Chinas, Petschili, ist durch die Rebellen ernst­lich bedroht. Wir sagten, „die angeblichen Anstrengungen". In der Thal kann gar kein Zweifel darüber bestehen, daß die chinesische Centralregierung mehr oder weniger offen — in letzter Zeit aber offenbar „mehr" — mit den Boxers sympathisirt. Immer deutlicher zeigt es sich, daß die erst in neuerer Zeit entstandene fremden- und reformfeindliche Sekte der Boxer entweder eine direkte Schöpfung der jetzt regierenden Kaiserin-Wittwe und ihrer Berather ist, oder sich wenigstens des „allerhöchsten Protektorats" erfreut.

Nur auf diese Weise ist es zu erklären, daß die chinesische Centralregierung lange Wochen hindurch dem Treiben der Boxer thatenlos zugesehen und es geduldet hat, daß der Aufruhr allenthalben in eine umfassende Fremdenverfolgung ausartete. Als dann die Mächte der chinesischen Negierung ein Ultimatum stellten und rund heraus erklärten, daß, wenn die chinesische Regierung nicht für den Schutz der Fremden sorge, sie diesen Schutz selbst in die Hand nehnken würden, sah sich die Kaiserin-Wittwe allerdings zu einer Aenderung ihrer Taktik genöthigt. Es mochte wohl bei der alten, aber energischen Dame die Erkenntniß dämmern, daß die Einmischung der Mächte in die inneren Angelegenheiten Chinas leicht der Anfang vom Ende sein und der ohnehin wacklige Thron der Mandschu - Dynastie dabei leicht in die Brüche gehen könnte. Der Roth gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, erließ die Kaiserin-Wittwe den Befehl an den Vicekönig der Provinz, den Bund der Boxer unverzüglich zu unterdrücken, was selbstverständlich nicht erfolgt ist, da es natürlich weder der Kaiserin noch dem Vicekönig mit diesem Befehl Ernst war. Nunmehr wird aus Peking von einem zweiten kaiserlichen Edikt be­richtet, welches den Boxers Lob erlheile und das Vorgehen derjenigen chinesischen Truppen tadele, welche die Boxer an- griffen und tödteten. Als unmöglich wird man es nicht hinstellen können, daß ein solcher Erlaß wirklich ergangen ist. In diesem Fall würde der erste Erlaß den offiziellen, zur Kenntnißnahme für die Mächte bestimmten, darstellen, während der zweite eine „Verordnung zum inneren Gebrauch" bedeutet, im Gegensatz zu jenem ersten, der den Vermerk „äußerlich" zeigt!

Jedenfalls kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Centralregierung im Grunde des Herzens die Ziele der Btzxer theilt und daß von ihr deshalb, wenn sie auch sich äußerlich dem Zwang der Mächte fügt, ein energisches Vor­gehen gegen die Boxerbewegung nicht zn erwarten ist. Es war deshalb ein Gebot der Nothwendigkeit, daß die Mächte nicht länger zögerten, die Aufrechterhaltung der Ordnung in China und den Schutz der Christen selbst in die Hand zu nehmen. Aber die bisher getroffenen Maßregeln reichen noch nicht aus, diesen Schutz und die Anfrechterhaltung der Ordnung zu garantiren. Dies kann mit Erfolg nur ge­schehen, wenn alle Mächte sich zu einer gemeinsamen, energischen Aktion in großem Stil vereinigen, um der gelben Rasse den Beweis zu liefern, daß die weiße Rasse wenigstens dann einig ist, wenn es sich um den Schutz der bedrohten Interessen der Kultur handelt.

Mit dieser Beweisführung sieht es aber bisher noch recht trüb aus, und statt der Einigkeit der Mächte sehen wir bisher Uneinigkeit und Mißtrauen. Die Russen und Franzosen mißtrauen den Engländern und die Engländer den Russen und Franzosen. Die Amerikaner haben Miß­trauen gegen alle europäischen Mächte, und die Zwietracht zwischen Rußland und Japan, welch letzteres von den Engländern als Sturmbock gegen Rußland benutzt wird, droht sich allgemach zu einem scharfen Konflikt zu entwickeln. Diesen Konflikt sucht England zu begünstigen, welches, mit allen Streilkräften in Südafrika gefesselt, außer Stande ist, selbst in China, wo es früher dominirte, ein entscheidendes Wort zu sprechen.

Diese bedauerliche Uneinigkeit der Machte bedeutet für die fremden- und reformfeindliche chinesische Regierung eine stärkere Stütze, als das chinesische Heer, welches an Zahl groß, an Qualität aber absolut minderwcrthig ist und selbst, wenn es mit den Boxers gemeinsame Sache machen würde, außer Stande wäre, einem energischen Eingreifen der Mächte Widerstand zu leisten. Wenn die Mächte sümmtlich ihre wahren Interessen, welche zugleich die der Kultur sind, er­kennen wollten, dann würden sie sich zu einer gemeinsamen kräftigen Aktion vereinigen, um entweder den Wirren in CH na ein für alle Mal ein Ende zu machen oder aber den

Zusammenbruch des chinesischen Riesenreiches, welches doch unaufhaltsam seinem Zerfall entgegengcht, zu beschleunigen. Im Interesse der Civilisation märe es dringend zu wünschen, daß eine solche Einigung, um deren Zustandekommen sich in erster Reihe die deutsche Negierung bemüht, endlich erzielt würde, bevor die chinesische Frage zu einer Schärfe an- wüchst, die nicht nur den Frieden Asiens, sondern auch den Europas bedrohen könnte. Aber die bisherigen Erfahrungen, die mir mit der sogenannten „Einigkeit Europas" gemacht haben, sind leider nicht geeignet, uns mit irgend welchem Optimismus zu erfüllen.

Deutsches Reich.

Vom evangelisch-socialen Kongreß.

Das öffentliche Interesse an den Verhandlungen des evangelisch-socialen Kongresses nimmt mit jedem weiteren Jahre mehr ab. Daß die Erwartungen, die vor einem Jahrzehnt auf den Kongreß gesetzt worden sind, sich jemals würden erfüllen können, hätte allerdings nur eine ziemlich oberflächliche Anschauungsweise vorauSsetzcn können, die da meint, daß sich die großen socialen Probleme durch freund­liches Zureden und menschliches Wohlwollen ganz von selbst würden lösen lassen. Immerhin hat der Kongreß in

früheren Jahren eine Summe von Geist und Energie, von

frischem Wagemuth und freudiger Hingabe an die Aufgaben der Gegenwart bekundet, Eigenschaften also, die wenigstens die zustimmende Theilnahme der Gebildeten rechtfertigen durften. Man kann ja nicht sagen, daß diese_ Theil­nahme jetzt nicht mehr am Platze sei, nur hat sie ganz beträchtlich nachgelassen, und zwar mit Fug und Recht. Denn es kommt bei den Berathungen erfahrungsmäßig nichts Besonderes heraus. Auch diesmal versprechen wir uns nichts von den Unterhaltungen, deren Schauplatz Karlsruhe ist. Denn was liegt wohl daran und was ist damit ge-

than, ob nach langer Debatte eine magere Resolution an­

genommen wird, in der allerlei vollkommen Belangloses hin- und hergercdct wird darüber, wie der evangelisch-sociale Kongreß die Entfremdung der schulentlassenen Volksjugend gegenüber dem religiösen und nationalen Gemeinschaftsleben ansieht, und ob der Kongreß glaubt, durch Jünglingsvereine, sonstige stärkereBeiheiligungderKircheugemeindenrc. die Heran­wachsende Arbeiterjugend den socialdemokratischen Einflüssen entziehen zu können! Nicht das Geringste liegt daran. Auch die Beklemmungen des Gewissens, denen sich mehrere Kongreßtheilnebmcr durch den Zwiespalt zwischen Christen­thum und kolonialer Ausbentungspolilik ausgesetzl fühlen, sind in höchstem Maße gleichgültig, wenn man sie vom Standpunkt . des praktischen Lebens aus würdigt. Den gewaltigen Wirthschaflstendcnzen, die über die deutschen Grenzen hinaus in die Ferne wirken wollen, wird es sicherlich nichts ausmachen, ob die Pfarrer Lcpsius und Christlieb Kompromisse zwischen Wellmachtpolitik und Christenthum zu erkünsteln versuchen. Besser jedenfalls und unbefangener, wenn auch freilich sehr wenig „christlich", greift Pfarrer Naumann diese heiklen Fragen an, indem er höchst realpolitisch der Meinung ist, daß die Politik, namentlich die auswärtige, einer „christlichen Fundamentirung" widerstrebe, daß es sich hier einzig um Machtsragen handele, die sich christlich nicht begründen ließen. Wolle man das doch versuchen, so komme man zu einer Unehrlichkeit des Denkens, wie sie der englischen Politik mit Recht vor- geworfen werde. ES gefällt uns, daß ein Geistlicher so spricht; zum Wenigsten der Vorwurf der Heuchelei ist Herrn Naumann nicht zu machen.

* * *

* Hof- ,„,d Personal - Nachrichten. Der bisherige Kolonialdircktor v. Buchka bleibt, nach den „Bcrl. N. N.", nur »och bis Ende dieser Woche in seinem Amt und tritt dann einen Urlaub an. An leitender und amtlicher Stelle besteht die Absicht, ihm eine seinem bisherige» Rang und Einkommen möglichst ent­sprechende Stellnng im Rcichsdienst zu verschaffen. Der neue Kolonialdirektor S tübcl wird voransstchtlich im August m Berlin eintresfen, um dann sofort sein neues Amt zu übernehmen. — Die Samstag ansgcgcbenc amtliche Nachricht über das Befinden des Königs Otto lautet: „Das Allgemeinbefinden Sr. Maiestat ist befriedigend; der Furunkel nahezu geheilt; Gehen und Stehen fast normal. Wenn keine Aenderung des Befindens eintritt, unterbleibt die Ausgabe weiterer Nachrichten."

* Kerlin, 11. Juni. Wie eine Lokal-Korrespondenz meldet, haben in der Nacht zum Samstag unter Ausschluß der Ocffentlichkeit fünf Versammlungen von Straßenbahn-Angestellten stattgefundcn, die angeblich sehr stark besucht waren, obwohl die Direktion vorher die Angestellten vor der Theilnahme gewarnt habe. In den Versammlungen seien Vorwürfe, daß die Direktion die bei der Einigung übernommenen Verpflichtungen nicht einhalte, erhoben und allerlei diesbezügliche Beschwerden vorgebracht worden. Es sei beschlossen worden, gegen das Vorgehen der Direktion entschieden Front zu machen, und in vier Versammlungen seien auch bereits Beschwerde-Kommissionen gewählt worden, welche sich mit, der Direktion in Verbindung setzen sollen. Wie der „Lokal-Anzeiger von zuständiger Seite erfährt, wird die Dlrektlon demnächst mit einer öffentlichen Kundgebung hervortreten, in welcher sie sich gegen die in den Versammlungen erhobenen Vorwürfe zu rechtfertigen gedenkt. Freitag sind etwa zehn Beamte entlassen worden die trotz des Verbotes die agitatorische und aufreizende Thatigkelt fort­gesetzt haben.

EineJnterpellation Lieber imAbgcordnetenhause lautet: Ist die Regierung im Hinblick auf das am 17. April zwischen Rüdesherm ’ und Bingen vorgekommene beklagenswerthe Unglück bereit, Maßregeln zu ergreifen, die den durchaus iiiizulänglichen Trajektverkehr zwischen Rndesheim und Bingen den heutigen V-rkehrsverhältnisfen entsprechend gestalten? Auch ferner ersucht Dr. Lieber den Minister für öffentliche Arbeiten um eine Erklärung, wie er die Transport- und Schiffahrtsverhältnisse um Frankfurt a. M. zu verbessern gedenkt.

Nach einer Meldung der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" entließ die Regierung von Siam den Gouverneur, welcher die Verantwortung für die ungerechtfertigteil Polizei-Maßnahmen gegen den im Oktober vorigen Jahres verhafteten und im Ge- fängniß mißhandelten Reichsangehörigcn Otto Eckert zu tragen hatte. Eckert erhielt von der Regierung von Siam eine Ent­schädigung von 24,000 Mk.

* Rundschau im Reiche. Aus Hannover, 9. Juni, wird der „Franks. Ztg." gemeldet: Bis jetzt sind 150 leichte und über 30 schwere Verletzungen bekannt geworden. Die von Bürgern veröffentlichten Details über das Vorgehen der Schutzleute spotten aller Beschreibung. Ein Major vom Militär-Rcitinstitnt wurde trotz Uniform nut Klingen bearbeitet. Die Polizeileitung ist der Situation offenbar nicht gewachsen, die Erregung der Offiziere und der Bürgerschaft ist ungeheuer.

Deutscher Reichstag.

Kerlin, 9. Juni.

Die Berathung der Novelle zum Stcmpelgesetz, zunächst des Tarifs, wird fortgesetzt bei dem von der Kommission auf eins pro Mille festgesetzten Umsatzstempel auf Kuxe. Ein Antrag Richter (freis. Volksp.) will diesen Satz auch auf drei Zehntel herabsetzen. Abg. v. K a r d o r f f (Reichsp.) plaidirt für denselben Stempel, wie bei Grundstücksverkäufen, also eins pro Mille. — Abg. Richter (freit. Volksp.) befürwortet seinen Antrag. Ein Kuxentheil lasse sich mit einem Grundstück nicht vergleichen. — Abg. Aren d t (Reichsp.) polemisirt gegen die Socialdcmokraten. die der Abg. Gröber mit Recht die Schutztruppc der Börse genannt habe. Redner tritt für den Kommisstonsbeschluß ein und meint, ani besten würde cs aber gewesen sein, wenn die Regierung Deckungs­vorschläge ansgearbeitet hätte. Leider sei dies aber nicht geschehen. — Abg. Richter (freis. Ver.) verweist auf die Essener Handels­kammer, die sich entschieden gegen einen so hohen AuSnahmestempel auf Kuxe ausgesprochen habe. Wolle man jemals Interessenten höre», so sei das doch wahrlich hier berechtigt. — Abg. Freiherr v. Stumm (Reichsp.) erklärt sich hier ebenfalls gegen den Kom- mijsionsbeschluß, so schwer es ihm auch falle, sich ui Gegensatz zu feinen Freunden zu setzen. Man habe wahrlich allen Aiilaß, den soliden gewerkschaftlichen Gewerkschafts-Bergbaubetrieb gegenüber demjenigen auf Aktien zu begünstigeil. — Abg. Müller-Fulda (Centr.) hält diese Befürchtungen des Vorredners für übertrieben. Die Debatte wird geschlossen, lieber den Antrag Richter wird durch Vornahme des Hammelsprungs abgestimmt. Der Antrag wird ab- gelehnt, und zwar mit 126 gegen 99 Stimmen. Weiter folgt eine Debatte über die Bestimmung bezüglich der Stempel-Befreiung. — Abg. Richter (freis. Volksp.) beantragt, die nach den, gegenwärtigen Gesetz bestehende Befreiung für Objekte von höchstens 600 Mk., welche die Kommission aufgehoben, wieder herzustcllen. Der Antrag wird abgelehnt. Die folgende Tarifnummer „Verdoppelung des Stempels auf Lotterieloose" wird genehmigt. Bei Nummer sechs, Schiffsfrachturkundcn eine Mark, jedoch für Kounossemente im Ver­kehr zwischen inländischen Häfen und ausländischen, der Nord- und Ostsee, des Kanals oder der norwegischen Küste nur zehn Pfennig, be­antragt Abg. Richter (freis. Volksp.), die ganze Nummer zu streichen, event. aber den Verkehr, für den die Kommission den Zchnpfeniiigstempel vorschlägt, ganz stempelfrei zu lasse». — Abg. Frese (freif. Ver.) erklärt, den Vorschlägen der Kommission seine Zustimmung nicht versagen zu können. Er selbst hätte sehr gern die Mittel auf anderen Wegen aufgebracht, so besonders durch eine Reichsvermögensstener. Dies sei aber nicht durchzusetzen gewesen; weil er, Redner, eine Vergrößerung der Flotte wünsche, stimme er den hier gemachten Vorschlägen zu. — Abg. Semler (nat.-lib.) erklärt sich in gleichem Sinne. — Abg. Richter (freis. Volksp.) meint, den jetzigen Stempel-Beschlüssen würden weitere folgen. Mit kleinen fange man an, mit großen höre man auf. Die beiden Richter'schen Anträge werden abgelehnt. Damit ist der Tarif erledigt. Beim Stempelgesetz selbst wird ein Antrag Wörle, es für die inländische» Wohlthäligkcits-Lottericen auch noch das ganze Jahr 1901 hindurch bei dem bisherigen Stempel zu belasfen, nach kurzer Debatte angenommen. Artikel 8 dehnt die behördliche Rcvistons-Befilgniß und -Pflicht auf alle Personen aus, welche abgabepflichtige Kauf- und Anschaffungsgeschäfte oder Schiffs- Verfrachtungen gewerbsmäßig betreiben oder vermitteln. — Abg. Richter (freis. Volksp.) beantragt, diese Bestimmung zu streichen. Eine folche Ausdehnung der Revisionspflicht sei ganz über­flüssig. — Abg. Frese (freis. Ver.) pflichtet dem bei; er hält diese Bestimmung auch für belästigend und erniedrigend. — Abg. Müller-Fulda (Ctr.) empfiehlt ein Festhalten an den Kom­mis sionsbeschlüsscn. Abg. R i et) t e r (freis. Volksp.) warnt davor, solche Vorschriften noch dazu aus der Initiative des Reichstags heraus zu befchließen. Abg. v. Siemens (freis. Ver.) bezweifelt auch, ob es richtig sei, soweit zn gehen, die Behörden zn ermächtigen, jeden Augenblick auch jedem kleinen Kaufmann auf dem Lande in die Bücher zu gucke». Die Abgg. Heim (Ctr.) und Gröber (Ctr.) treten für den Kommisstonsbefchluß ein. Der Rest des Gesetzes wird, nachdem der Antrag Richter abgelehnt, unverändert nach den Conituisstoiisbeschlüsscn angenomntcn. Es folgt die zweite Lesung der Novelle zmil Zolltarifgesetz. Punkt 1 der Kommissions- beschlüsse, der Zoll für Sclnvcfcläther, wird debattcloS an­genommen. Bei 2 a, Bier 6 Mk. (bisher 2 Mk.) bittet Abg. Eickhoff (srcif. Volksp.) um Ablehnung, indem er u. A. auch vor den handelspolitischen Konsequenzen einer solchen Zoll- erhöhung, warnt. Der erhöhte Bierzoll wird »ach weiterer Debatte angenommen. Desgleichen der Zoll auf Liköre (bisher 180 Mk., künftig 240 Mk.). ferner wird der Zoll auf alle übrigen Brannt­weine erhöht und schließlich auch derjenige auf Schaumweine von 80 auf 120 Mk. Der Termin für das Inkrafttreten der neuen Zölle wird auf den 1. Juli 1900 festgesetzt. Endlich wird noch die Resolution, betreffend die Besteuerung inländischer Schaumweine, sowie Dcklarntionszwang für dieselben, angenommen. Montag 12 Uhr: Interpellation Albrecht (Soc.), betreffend einzelstaatliche Strafgesetze gegeil den Kontraklbrnch, Seuchengesetz. Handels- Provisorium mit Englaitd, Wahlprüfungen. — Schluß nach 7‘/» Uhr.