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- -1 Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts. s

Nr. 89. Samstag, 17. ftprU.___

lSchlutzä

Var adlige Zreihaur.

Roman von Albert Peterfen.

Nachdruck verboten.

Am nächsten Vormittag begab Fräulein Wilmsen sich zum Advokaten.

Hans Gentzen saß gerade in ferner Schreibstube und las freudig in der Zeitung den Bundesbeschluß vom 17. September, daß die deutschen Staaten dre Herzogtümer Schleswig°Holstein gegen etwaige Über- griffe und Angriff« der Dänen mit den geeigneten Mitteln schützen wollten.

Als Grethenfraucke eintrat, erhob er sich und bot ihr einen Stuhl. Er hatte seit seiner Studentenzelt eigentlich eine leise Abneigung gegen dienapoleon­freundliche" Familie Wilmsen, und mit kühler Höflich- feit fragte er nach Grethenfrauckes Wünschen.

Sie setzte ihm ihren Plan auseinander und bat ihn um Vorschläge. ....

Ein gutes Werk, Fräulein Wrlmsen", sagte er, ein segensreiches Werk. Und die gesetzlichen Formal:- täten werden leicht zu regeln sein."

Als Grethenfraucke nach einer halben Stunde, die Advokatenstube verließ, war die Zukunft des adlrgen Freihauses entschieden.

Sie atmete auf; das war geschehen, konnte nicht rückgängig gemacht werden, und inochte der alte Vetter Friedrich auch noch so toll schimpfen, daß die Gicht und alte Jungfern die dümmste Einrichtung auf Erden seien.

Ein fast fröhlicher Zug lag über Grethenfrauckes Gesicht, als sie jetzt in die Langenharmstraße einbog.

Ans Tilde Tiedemanns Hänschen trat gerade Nawersch Waschwief.

Nun, wie gcht's?" fragte Fräulein Wilmsen m ihrer freundlichen Art.

Ach, ach, mich geiht das gut", antwortete die Alte, den greisen Kopf wiegend,aber da binnen. Trurig, bannig trurig." -

Und Nawersch Waschwief weinte bitter über ihre Nachbarin, nrit der sie seit Jahrzehnten in kampfreicher Freundschaft lebte. , .....

Grethenfraucke trat in die kleine Stube. Trlde saß geduckt im Lehnstuhl und starrte vor sich hin. Sie schien die Eintreten-« gar nicht zu bemerken.

Guten Tag, Tilde", grüßte Grethenfraucke.was fehlt dir denn? ^ .. , . .

Tilde horchte auf. Sie erkannte Fraulein Wilmsen und rief, schrie:Wo ist er? Wissen Sie was von ihm? Wo wo?" Ä r ^ .. .

Grethenfraucke senkte den Kopf.Ich weiß nicht, Tilde."

Die Alte brach in Tränen aus.

Mer Tilde, warum glaubst du denn 'gleich das Schlimmste? Warte nur, er will erst weiterstreben, und wenn er sein Ziel erreicht hat, dann wird er wre- derkomnien." . ^ ....

Grethenfraucke glaubt selbst nicht, was ste da sagt, <cher sie sicht, wie die alte Frau sich aufrichtet, wie ihre Augen plötzlich strahlen.

So? Meinen Sie das? Ja, wenn Sie das sagen! Ja, ich weiß, er wird wiederkommen, ganz reich, und dann wird er das Freihaus kaufen. Ach, Fräulein, ja, dann verkaufen Sie ihm das doch? Ja, das tun Sie", und ohne auf Antwort zu warten, fährt Tilde Tiedemann im Selbstgespräch fort,ja, das adlige Frei- haus. Und ich werde bei ihm wohnen oder er nimmt sich eine schöne Frau und dann wie wird Nawersch Waschwief sich ärgern." ^ . 0

Grethenfraucke starrt die Alte an. Redet sie wirr? Und ist es ihr größter Triumph, daß die Nachbarin sich ärgern wird, die eben so bitterlich über Tildes Zustand weinte? ,

Eine seltsame Welt", denkt Grethenfraucke.

Henning Tiedemann stand zornrot hinter dem Ladentisch. So etwas mußte man sich bieten lassen! Dieser dumme Junge, eben zwanzig Jahre alt, -aber bucklig und erst seit Ostern aus der Kaufmannslehre, sagte ihm, dem einstigen Leiter eines großen Geschäftes: Na, wissen Sie, Tiedemanm freundlich sind Sie ge­rade nicht gegen die Kunden."

Was ging den dummen Lassen das an. Er war ja zwar der einzige Neffe der Frau Mohr und würde sie wohl mal beerben, aber das gab ihm nicht solche Rechte.

Und Frau Mohr setzte den Jungen nicht zurecht? Litt, daß ihr treuer Mitarbeiter so gekränkt wurde? Ja, die Witwe wurde alt, das war es. Sie mochte kerne Spektakelie" leiden und schwieg.

Aber in Henning kochte es.

Ich hätte mich schon längst nach einer anderen Stellung umsehen müssen", murmelte er grimmig,ver- sitzt man hier seine guten Jahre." ,

Doch der Zorn verrauchte, und Hennmg Tiedemann blieb, blieb Wochen, Monate und die Zeit ging dahin.

An einem Morgen im Febrnar mußte Henning allein im Laden stehen. Witwe Mohr hatte das Bett nicht verlassen, ste fühlte sich matt nnd klagte irber hef- tige Brustschmerzen.

Er schickte sofort zum Arzt. Die Alte tat ihm leid, und dann was sollte werden, wenn sie nicht mehr tväre?

Der Arzt konstatierte eine heftige Erkältung. Hen- ning atmete auf.

Aber seine Hoffnung sollte doch nicht m Erfüllung <when. Frau Mohr verließ gegen den Willen des Arztes zu früh das Bett, ihr Zustand verschlimmerte sich, und eines Tages wußte Henning Tiedemann, daß der Neffe der Witwe das Geschäft übernehmen und ihn fortschicken würde.

Und er zählte seine kleinen Ersparnisse rmd rüstete sich mutlos zu neuem Wandern.

Aber durch das meerumschlungene Land zitterte schon die bange Erwartung der kommenden Ereignisse.

Wird der Kopenhagens Pöbel den König zwingen, die Herzogtümer zu vergewaltigen? Werden die SchleS-