Sette Ä. 6. Jnni ISO©.
Wiesbadener Tagblatt (Morgen-Ausgabe). Verlag: rkanggasse 27 .
48. Jahrgang. No. 238,
— Alldeutsche« Uerbarrd. Die Ortsgruppe Mainz hat
ihre Vorbereitungen zu dem in der Zeit vom 6—8. Juni l. I. stattfindcnden Alldeutschen Verbandstag beendigt. Sie glaubt, Alles gethan zu haben, was in ihren Kräften stand, um einen glänzenden Verlaus des Verhandstags zu getvährieisten. Da auch die zweite Vorbediirgung hierzu erfüllt ist: eine große Betheiligung ans allen Gegenden des Deutschen Reiches, kann auf ein volles Gelingen dieser eine Wille interessanter Gegenstände bietenden Veranstaltung gerechnet werden. Außer den bereits von uns bezeichneten Führern der alldeutschen Bewegung haben n. A. folgende hervorragende Männer in den letzten Tagen ihre Theil- nahme angemeldet, wie Geh. Hofrath Prof. Dr. Stintzing-Jena, der Vorsitzende des thüringischem'Gau-Verbands, Dr. Guntrum- Schultheise-Stuttgart, ein nationalpolitischer Schriftsteller von Ruf, Dr. Reismann-Grone aus Essen, Herausgeber und Eigenthümer der Rheinisch-Westfälischen Zeitung, Rechtsanwalt Dr. Kühlenbeck- Jena, ein Jurist von großem Rufe, Vorsitzender der Ortsgruppe Jena, u. A. m. Sehr erfreulich ist. daß die benachbarten Universitäten und technischen Hochschulen eine starke Vertretung der dem alldeutschen Verbände angehorigen studentischen Korporationen in Aussicht gestellt haben, wie auch zahlreiche andere nationale Vereine und Verbände Vertreter zum Verbandslag senden werden. Nach alledem wird sicherlich der erste alldeutsche Verbandstag am Rhein eine eindrucksvolle nationale Kundgebung werden und allen Theil- nehmern den Besuch reichlich lohnen.
— Der Allgemeine Derel» fttt Nrebrstrruug der Lrirnenkleiduug hält vom 13. bis 16. Juni in Frankfurt a. M. die erste Versammlung seines Hauptvereins (Berlin) und sämmtlicher
ä weigvereine ab. Gleichzeitig findet eine Ausstellung von Reform-, Port- und Reisekleidung statt, für welche zahlreiche Anuieldungen eingelaufen sind. Die Tages- und Festorduung ist festgesetzt wie folgt: Mittwoch, den 13. Juni, Vormittags 1l Uhr: Eröffnung der Ausstellung in der „Loge Karl". Abends 8 Uhr: Begrüßung der Gäste im „Hotel Schwan" mit nachfolgendem Abendessen. Donnerstag, den 14. Juni, Vormittags ll*/s Uhr: Oeffentliche Sitzung in der „Loge Karl", Begrüßung, Berichterstattung der Zweigvereine, Diskussion über Antrag Mainz bezüglich Förderung und Propaganda von Sport- und Bewegungsspielen und über Antrag Frankfurt bezüglich Einführung von Reformkleidung beim Turnunterricht und bezüglich Vorschlag zu Vorträgen für Heranwachsende Schülerinnen Seitens des Vereins. Vit Uhr: Mittagessen im Palmengarten. 6 Uhr: Vortrag der Frau Prof. Seler von Berlin über „Was wir wollen" und des Herrn Dr. mell. Fulda von Frankfurt a. M. über ^Modethorheit und Modereform" mit Vorführung von Lichtbilder». Freitag, den 15. Juni, Vormittag« 9 Uhr: Besichtigung der Stadl und Schenswürd gleiten, später gemeinschaftliches Mittagessen. Abends 6*/* Uhr: Vortrag des Herrn Dr. nwä. Mechanik von Mainz über „Abhärtung und Meldung der kleinen Kinder" mir Erläuterung an großen Babypuppcn, Schlußfrier, Diplomvercheilung, aemeinschaft- liches Abendessen. Samstag, den 16. Juni, Abends 7 Uhr: Besuch der Oper.
— Klumen-Ausfielluuq. Wie wir soeben erfahren, findet in den letzten Tagen dieser Woche wieder eine der beliebten Blumen- Ausstellungcn in Niederwalluf statt. Dieselbe ist gänzlich in den Dienst der Wohlthätigkeit gestellt, da der Gesammlerlrag des Eintrittsgeldes dem Eomilö der Lungenheilstätte zur Verfügung gestellt wird. Die Firma Goos u. K a e n e m a n n veranstaltet die Ausstellung in dem Saale des Gasthauses „Zuin Schwan" in Niederwalluf und die Schau wird Taufende Blumen der chinesischen
S aeonien (Pfingstrosen) in mehreren Hundert Spielarten umfassen.
m Jahre 1897 erhielten die Paeonien dieser Firma auf der großen Hamburger Ausstellung die große goldene Medaille.
— Me kluge Henne. Im „Nassauer Boten" erzählt ein Korrespondent: Die Zahl 13 ist eine Uiialücksznhl. Das wissen die Menschen. Daß es aber auch Thiere giebt, welche die Zahl 13 für eine Unglückszahl halten, dürfte Wenigen bekannt fein. Darum halte ich die nachstehende Geschichte für interessnnt genug, um sie mitzuthellen. Vor vier Wochen legte der Landwirth W. einer Gluckhenne 13 Eier unter. Denn daß die Zahl der Bruteier eine ungleiche sein muß, gilt als ausgemachte Wahrheit. Aber unsere Henne, die aufgeklärter sein mochte, als die andere», war mit dieser Zahl nicht einverstanden. Als sie die Eier nachgezählt und die Unglückszahl 13 herausgebracht hatte, schüttelte sie bedenklich das Haupt und fragte sich: was ist zu machen? Ein Ei aus dem Rest herauszriwerfen, wäre ebenso unhöfiich gewesen, als wenn die Menschen von 13 Gästen, die am Tische fitzen, einen herauswerfen wollten. Da machte sie es denn, wie die Berliner es in solchen Fällen zu machen pflegen. Sie holen sich uoch einen Gast herbei, um die Unglückszahl 13 verschwinden zu lassen. Ob der Henne diese Berliner Sitte bekannt war, kann ich freilich nicht sagen. Aber Thatsache ist, daß sie noch schnell ein Ei hineinlegte, sodaß es gerade l4 waren. Nun war sie ohne Sorgen. Unverdrossen lag sie dem Brutgeschäft ob, und als die Zeit von 21 Tagen verstrichen war, kamen aus den 14 Eiern 14 lebendige Jungen zur Welt. Die Geschichte ist nicht erfunden, sondern hat sich wirklich zugetragen.
— G«in,irren. So nennt man das unreife Korn des Dinkels oder Spelzes (Triticum spelta). Das Mehl von den unreifen Körnern dieser Weizenart wird zur Herstellung von Suppen re. verwendet und besitzt einen feinen, äußerst aromatis hen Geschmack. Sobald die Aehren des Spelzes einen gelblichen Schein bekommen, das Korn aber milchig und klebrig wird, so ist die Zeit für die Arünkerngewinnuug gekommen. Die Aehren werden vom Stroh getrennt und möglichst sofort gedörrt. Die Darren haben, so
schreibt der Prakt. Wegweiser, Aehnlichkeit mit Rauchmalzdarren; ein zu starkes Dörren ist zu vermeiden und fleißiges Wenden uöthig, damit keine Körner anbremien. Der Dörrprozeß dauert ungefähr zwei Stunden. Nach dein Dreschen kommen die Körner in die Mühle, wo sie auf'dem Gerbgangr enthülst werden, um nach dem Gerben verkauft zu werden. Wichtig ist es, den richtigen Zcitpuntt für die Ernte zu treffen; zu frühes Einernten giebt zu kleine Körner, zu spätes eine weniger gute Qualität. Der Grünkern muß seinem Namen entsprechen und vollständig grün sein, wenn er die besten Preise erzielen will; diese betragen 30 Mk. pro 50 Kilo und darüber.
— Reinen HoniH hat die Eigenschaft, daß er zur kalten Jahreszeit gleichmäßig krystallisirt — ein untrügliches Kennzeichen von seiner Echtheit —, während die anderen imter dem Namen Honig angepriesenen Surrogate diese Eigenschaft nicht besitzen. Das honigverbrancheude Publikum gervöline sich deshalb daran, den Honig nur in krhstallisirtem Zustand zu kaufen und mache denselben durch Einstellen der Büchsen oder Gläser in warmes Wasser selbst flüssig vor dem Genuß. Wer ganz sicher gehen will, ob er reinen Naturhonig hat, löse eure kleine Menge Honig in reinem Spiritus auf; denn echter, naturreiner Honig lost sich völlig darin auf, ohne einen trüben Niederschlag zu hinterlassen. Die Farbe des Honigs ist kein entscheidendes Merkmal der Echtheit und Güte desselben. Sie ist bedingt durch die Wüthen, von denen derselbe gesammelt worden ist, auch von der Bodenbeschaffenheit des Standortes der honigenden Pflanzen. Bei der Beurtheilung des Honigs muß daher die Farbe unberücksichtigt bleiben und der Geschmack entscheidend sein.
* Frankfurt a. W., 5. Juni. Die Kronprinzessin von Schweden ist auf der Durchreise nach Franzeusbad hier eiugctrossen und im „Frankfurter Hof" abgestiege».
* Aus de« UMKetmug. In nächster Zeit wird das Denkmal für den verewigten Bischof Dr. Klei» im Dome zu Limburg aufgestellt werden. — In Friedrichsseaen feierte am 1. Jnni Herr Obersteiger Ndami sei» 25-jähriges Dieustsubilaum. — Bus dem Hünerköppel bei Laubuseschbach, ans tom der Sage nach die Hunnen ein Lager errichtet hatten, ist ein AusstchtSthunn errichtet worden. — In Wölferlingen starb der langjährige Gemeinderechner Herr Wilh. Friedrich Griebliug im 49. Lebensjahre. — Bei Weil Münster wurde der Bahnbedienstete Friedrich OckiS von dort überfahren. Der Schwerverletzte kam nach Gießen in die Klinik. — Herr Gefängnißdirektor Migula in Glllckstadt, früher in Wiesbaden, ist an Stelle de« verstorbenen Herrn Direktors Streitke an das Staatsgefängniß in Preungesheim versetzt worden. — Bei einem Gewitter am Samstag schlug der Blitz in die evangelische Kirche zu Biebrich. Der Blitz fuhr ton Blitzableiter entlang und beschädigte nur das Dach. — In Ebern - h a h n stürzte eine im Betriebe befindliche Thongrube zusammen lind begrub einen Arbeiter. Die Rettungsarbeiten wurden sofort begonneii, doch war wenig Hoffnung vorhanden, daß man den Verunglückten »och lebend zu Tage fördern würde. — Bei Dodenhausen wurden drei Einwohner iusolge Durchgehens der Pferde aus dem Wagen geschleudert. Einer derselben blieb sofort todt, die beiden anderen wurden innerlich schwer verletzt. - JJli Siegen wurde ein Eiseubahubeamter durch umherfliegende Stücke eures Böllers, der zur Begrüßung des Herrn Handel«,niuisters Brcheld abgefeuert werden sollte und dabei zersprang, getödtet. — In Mainz verübte eine scheußliche Rohheit ein 19-jähriger Dmu- bursche in einer Brauerei. Aus Zorn darüber, daß ihn ein Hund anbellte, faßte er das Thier, trug es über den Hof und warf es in die lodernde Gluth unter den Braukessel, wo der Hund bei lebendigem Leib verbrannte. Der rohe Kumpan wurde selbstverständlich angezeigt. — In Hachenburg wurde in der letzten Stadwerordnelen-Bersammlung der seitherige Beigeordnete Winter einstimmig wiedergcwählt. Au Stelle eines nach dem bestehenden Wahlturnus ausscheidenden MagrstratSniitglioves ist der Stadtverordnete Carl Pickel neu gewählt worden.
Kermjlchres.
* Die Kaiserin Hai als Amateurphotographin eine ganz bejondere Fertigkeit erlangt und sie läßt kein Greigniß bei
S of vorüberaehen, das nicht von ihr im Bitd fcstgehalten wäre.
o erschien sie am Freitag nach Beendigung der Parade im Lustgarten zu Potsdam an einein Erkerfenster de« Studtschloffes, mu verschiedene Aufnahmen der im Lustgarten zur Kritik um den Kaiser versammetten Offiziere zu machen. Auch einzelne Gruppen de« Paradepnblikums wurden von der Kaiserin Photographin; als die Zuschauer die Absicht der hohen Frau mertten, blieben sie, um die Aufluch,ne zu erleichtern. unbeweglich stehen, die Kaiserin danfte für diese Aufmerksamkeit durch eine Verbenguug. Ihr besondere« Interesse erregten die im Lustgarten nicip wert vom Stsdtschioß ausgestellten Zöglinge des Potsdamer großen Waifeuhanse» (Mili- tärwaiienbanSs, die zum ersten Mal mit ihren neuen Kvpibe- deckuiigen, schottischen Mutzen mit Doppeikakardcn, erschienen waren, Auch diese Gruppe hielt die Kaiserii, auf der phowgiaphiichen
f lotte fest. Ganz besonderes BcrWÜgen schien e« der hohen rau zu bereiten, die Prinzen «i phologcaphiren. Der Kronprinz wurde in Gesellschaft der drei Offizier«, die mit ihm gemeiusam das Examen bestanden hatten, ausgenommen, die anderen Prinzen des königlichen Hauses dagegen in dem Augenblick, als fie nach beendigter Parade neben einander hergehend m das Schloß zurück- kehrten.
* Dom Kronprinzen. Im Offiziersexamen hat der Kronprinz, der am 29. Mai im Stadtschloß zu Potsdam mit drei Fähnrichen, V.Hocbberg, v. Sommerfeld undSteinböiner,gemeinsam geprüft wurde, nach der „Kreuzztg." so hervorragende Kenntnisse bewiesen, daß ihm das Pnrdikal „vorzüglich" zuerthcilt werden konnte. Zu der Prüfung vor dem Präses der Ober-Militär-Examinatious-Kommission, General Scheel, waren außer dem Kommandeur der Kriegsschule all« diejenigen Offiziere der Kriegsschule befohlen worden, die den Kronprinzen unterrichtet hatten. Alle diese Offiziere wurden auch zur Frühstückstafel befohlen und nach deren Schluß der Kaiserin vorgestellt. Nach der Potsdanier Parade am Donnerstag erhielten alle Offiziere aus der Hand des Kronprinzen Ordensauszcichnungen. Bei der darauf folgenden Meldung reichte der Kaiser den Offiziere» die Hand mit dm Worten: „Der Vater bedankt sich".
" Geschenk des Schah uon Uersten an den Kaiser. Vor der Galatafel, die am Donnerstag im königlichen Schlosse stattgeftmdeu hat, nnlim der Kaiser, wie schon kurz berichtet, durch den persischen Gesandten. General Mirza Reza Khan, als Geschenk des Schahs zwei prächtige persische Hengste entgegen. Beide Thiere zeichnen sich durch einen bis zur Erde reichenden Schweif aus. Aenßerst interessant ist die Ausrüstung, mit der der Schah sic hat ausstatten lassen; es ist ein halbes Waarcnmagazin. Brannledernes prachtvolles Zaumzeug, der Nnsenriemen von metallischem Silber in vier Ketlenbügeln, Brust- und Nückendecken eine Unzahl, zumeist dick wie persische Teppiche-und auch ähnlich gemustert; auch dünnere feine Decken sind darunter, die sich wie Frottirtücher anfühlen. Kostbar find auch zwei Paar Zügel von weißer Farbe, handbreit und mit roth eingewebtcu Mustern, die jeder wohl dreißig Meter Länge haben.
* Mie man fite st ist „Rekln,»«" machen kann. Der
„Fasteukünstler" L>ucci demmlirt in italienischen Blättern das Gerücht von seiner angebiich in Lille erfolgten Verhaftung wegen eines Verbrechens gegen die Sittlichkeit. Er befindet sich gegenwärtig in Florenz und werde demnächst nach Paris komnien, um dort während derAnsstelluiig längere Zeit vor versammeltem Volke zu fasten. Sncci läßt dnrchblicken, daß die Nachricht von seiner Verhaftung von ihm selbst in die Presse lnncirt worden ist. Er wollte sich ein wenig interessnnt machen und die Aufmerksamkeit des Publikums auf fein bev rstehendes Auftreten lenken. Es gehört allerdings ein seltsamer Geschmack —der verdorbene Geschmack eincs^ Provisionsfnsters - dazu, sich selbst eines Verbrechens gegen die Sittlichkeit zu bejchuidigen. und zwar ausschließlich zu Reklame- zwecken.
* Ehre Tranung mit Kinderuilsen im New Uorker
Kigfi-Kise. Die beabsichtigte Trauung der als Künstlerin wie als FrauenschönHeit gleich gefeierten Bildhauerin Frau Klio
t inton-Huncckrr, die in der fashionablcn protestantischen Episkopal- rche „Zur hiinmlischei, Ruhe" in New-Aork am 16. Mai statt- findeii sollte, mußte unterbleiben, weil der betreffende Geistliche erfahren hatte, die Braut sei eine geschiedene Frau! Die ganz« Hochzeitsgesellschaft war bereits in der Kirche versammelt, als der Herr Reverend das Brantvaar zu sich in die Sakristei entbieten 1>eß., „Ist Ihre Braut eine geschiedene Frau?" begann da« Verhör des Herrn Pastor« an den Bräutigam, einen reichen jungen Mann Namens Bracken. „Sie ist meines Wissens eine Wittwe. Doch was chut das zur Sache?" war die Antwort. Hierauf gestand die Braut unter Thränen, daß sie allerdings keine Wittwe, sondern „nur geschieden" sei. „Dann kann ich Sie nicht trauen. Ick, traue keine geschiedenen Frauen und erlaube auch nicht, daß geschiedene Frauen in meiner Kirche getraut werden", lautete die verblüffende Entscheidung des Über die „Himmlische Ruhe" gesetzten Seelsorgers. Wie eine Bombe siel diese Ankündigung in die Masse der Hochzeilsgäste und schaulustigen Kirchenbcsueher. Doch faßte sich der Bräutigam rasch, indem er ankündigte, die Trauung würde im Lokale von Dclmonico, wo das Festmahl bestellt wurde eine Stunde spater vollzogen werden. Und so geschah es in der That. Die ausgejandten Boten hatten schon in Bälde einen anderen Reverend aufgegabelt, der sich zur sofortigen Vornahme der Kopulation bereit erklärte. So hotte der Zwischenfall nur eine peinliche Störung, iowie das allseits beschämend empfundene Bewußtsein der Betbeiligten zur Folge, daß selbst die freie Luft Amerikas gegen llndaldsanikeit keinen genügenden Schutz abgiebt.
* Gin Such snr Kammerdiener. In der „Wiener Abendpost" lesen mir: „Der deutsche Kammerdiener steht nach maßgebender Ansicht seinem vielgerühmten britischen Kollegen nicht nach, bedarf jedoch der richtigen Anleitung, da er nur in Ausuahmefüllen natürlichen Ehic besitzt. Prinz Renß j. L. Heinrich XXVIII. entwickelt das Wesen eines „korrekten Dieners" in einem soeben erschienenen Büchlein, das sich angenehm liest und für Herren und Diener gleich beherzigenswerthe Winke enthält. Was wahrhaft vornehm ist, wird mit sicherem Takte dargclegt, aber keineswegs die ' veraltete Vornehmheit und steife Migrierte der vergangenen Jahrzehnte. Hier handelt es sich vor Allem um zeitgemäße Eleganz. Die äußere Erscheinung, Frisur, Barttracht, Liviöc. Krawatte des Kammerdieners wird genauer Inspektion und Kritik unterzogen. Di« Weste muß im Gegensatz zum Frack bunt sein, roth oder gelb. Beim Diner werde nur in Strümpfen und Schuhen servirl. Die Gamasche muß au« graubraunem Tuch sein, nicht farbig, die Knöpfe aus Perlmutter. Metallknöpse mit ausgeprägtem Wappen sind hie« unstatthaft. Weiße Strümpfe gellen dem Aiiior als nicht mehr ,modern". Das Diner, da« höchstens eine Stunde währen darf, muß sich vollkommen lautlos abspielen. Die Dienerschaft hal sich nicht schnell, sondern gemessen und würdig zu bewegen.
aus gefaltetem Krepp und Tüll vorhanden, schwarz zu dunklen Kleidern, weiß zu Hellen.
Die Krawatten-Ringe sind immer größer geworden; ein Schild von 4 1 /» —5 om Höhe, das de« ganzen Schiffer-
Kleid mit Westentheilen. Kleid mit Zierstichen.
Knoten deckt, ist augenblicklich keine Seltenheit. Die Abb. 22 der Modenwelt vom 15. Juni zeigt deren zwei in dieser Größe, eines aus oxydirtem Silber, zwei liegende Elfen darstellend, das andere aus Stahl-Facetten mit Anhänger.
Der dritte, geöffnet gegebene Ring ist zierlicher und besteh! aus oxydirtem Meinst, mit Türkis«« besetzt.
Die ausführlichen technischen Beschreibungen zu den hier im Kleinen wiedergegebenen Illustrationen, wie die Schnitte zu denselben sind in der genannten Nummer der Mvden- welt enthalten. Sämmtlicbe Schnitte können aber auch gegen Einsendung von 59 Pf. für Porto und Spesen direkt vom Schuittmnfter-Aielier der „Modeuwelt" und „JLustnrten Fraueu-Zeitung", Berlin W. ss , Potsdamerstrabe 38. bezogen werden.
Ans Annit und Leken.
li. Ffankfueter Theater - Perionalien. Herr Georg Weber feierte in diesen Tage» sein L:>-jähriges Jubiläum, gleichzeitig mit dem Tag seiner 40-jahriaeu Buhneulhüligteil; er saug den „Ritter aus Schwaben" ans „Waffenschmied" und wurde mit einer Fülle von Ovationen geehrt, die von der Beliebtheit de« Künstlers da« glänzendste Zeuzniß ablcgten. — Unser Heldendarsteller Herr Di egetm ann hat einen Engagcnient-Antrag an das Burgtheater in Wien erhalten; er spielt dort noch in diesem Monat den „Teil". Ebenjo werde» wir voraussichtlich unser» Baßbusfo Herrn Mantler an das Hoftheater in München verlieren, das ihm einen Vertrag angeboten hat.
* Lrmlkftn'ter Ktndltheatee. (S pielpl an.) Opernhaus. Mittwoch, den 6. Juni: „Fledermaus". Donnerstag, den 7.: „Figaros Hochzeit". Freitag, den 8.: Geschloffen. Snmstaa, de» 9.: „Der fliegende Holländer". Sonntag, den 10.: „Fra Diavolo". Montag, den 11.: Geschlossen. — Schauspielhaus. Mittwoch, den 6. Juni: „Als ich wiederkam". Donnerstag, den 7.: „Fuhrmann Heuschel". Freitag, den 8.: „Ehre". Samstag, den 9.: „Torquato Tnsso". Sonntag, den 10.: „Zaza". Nloulag, den 11.: „Tartuffe". Hiernuf: „Eingebildete Krgnke".
* „Die Kmtft »eePachklüthe t« Italien n»U»Kpa»ien" bettlet sich der eben erfcljicuene vierte Baud der kunstgeschichtlichen Darstellungen von Adolf Philippi. (Leipzig und Berlin, E. Ä. Seemann. Preis 5 Mi.) Er behandelt das Barockzeitalter, die Malerei der Curacci und ihrer Genossen, die fremden Maler, die gleichzeitig in Rom wirkten (Eisheimer, Pousfin, Claude Lorraiu); im zweiten Theile wrrd die durch Vclazqucz
und Murillo herbeigeführte Kunstblüthe Spauirus dar- gesteitt. In dem ersten Theile tritt die Fähigkeit Phtiippir einen vieigestalttgen, zerflatternben Stoff wirksan, zu gliedern und durch die Darstellung zu ersetzen, was der Materie an Reiz fehlt, eftreulich hervor. Der Ehnrakler der Zeit, die verschiedenartigen Bestrebun«n und Beeinflussungen, die sich auf den Gebieten der bildenden Kunst nach MichelangeioS Tod infolge der Gegenreformation in Italien geltend machen, zu schildern, ist keine kleine Aufgabe, Ivcil die vrele» kleinen Lichter Reflexe nach allen Seiten au«- senden, die die angebrochene Abenddäuinierung der Kunst mehr verratben, als verscheuchen. Me Meteore und Kometen ziehen diese Nnchgeborenen am Kunsthinimel Italiens einher; aber ihr Liclu erhellt- die Laufbahn neuer Pfadfinder im Reich der bildenden Kunst: Rubens mid Belazguez. Biel lohnender war die Darstellung der Enttvickiung der spaniichen Kunst, deren Hauptnieister, Belazquez und Murillo, zu den stolzesten Namen der Geschichte der Malerei zählen. Länger als dreihundert Jabre ist Belazquez todt und noch muiier scheint sein Ruhm zu wachsen; neuerdings preist man ihn als den objektivsten aller Maier. Murillo dagegen ist vielleicht der univfte Farbe,rkünstler. den es gegeben hat. Die Eharnkteristik dieser beideil einander entgegengesetzten, bedeutenden Individualitäten ist dem Verfasser in glänzender Weste gelungen. Seim- knappe, aus selbständigem Nrchcil beruhende Darstellung wird durch eine große Zahl von Illustrationen (152) uuterstntzt. deren Auswahl schon dt« eigenen Wege, die der Verfasser zu gehen gewohnt ist. verräth.
* Die tptnunhmrn de« («Huvammrreaucr sind, wenn man den Angaben Wiener Blätter vertrauen darf, sehr beträchtlich. Im Spicljahr 1880 haben die Oberumu'rrganer für die Paitlons- sptele genau 336,596 Mk. und 84 Pf. eiligenranmen >md aus- gegeben ; von dieser Summe wurden u. A. für d« Herstelttntg des Theater« und der Garderobe gegen 80,000 ÜKf., Mr gemeinnützige Zwecke Bauten, Anlagen und Gtifttnigen 100/Mi Mk. und für Honorare an die Bütlvirkendcn 110,000 Mk. ner- tvendet. Im Jahre 1890 bezifferten sich die Gesannnt- einnahmen ans 695,000 Mk., die nach Abzug eines Reserve- fotlds von 5000 Mk. fast vollständig verbraucht wurden. Der Neubau kostete damals 200,000 Mk., für gemeiimützizrc Zwecke — für tz - uuma eines Krankenhauses, für KnnaliMion, fiir Lfirf- besserung aer Lchrergebälter re. - wurden 200,000 Mk. ausgegebpn. Die Hauptaufgabe, 242,88« Mk., erforderten diesmal die Mit- wirkcudeil. Das Hvchsthonorar von 2000 Ml. erhielt der Christas Mayr, 6 Darsteller bezogen je 1300, 41 je 1000, 138 je 500 und 191, hauptsächlich Kinder, je 40 Mk. Für dieses Jahr ist, fall»
