«8. Jahrgang.
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Worgen-Ausgah*.
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Die Amnestiefrage in Frankreich.
Unser Pariser v-Korrespondent schreibt uns unterm 2. d.: Mit 238 gegen 34 Stimmen hat der Senat die Amnestievorlage genehmigt, die nunmehr in ihrer veränderten Form vor die Abgeordnetenkammer gelangen wird. Der Erfolg, den die Regierung mit ihrem Entwurf im Luxemburg-Palast gehabt hat, ist zu einem großen Theil der Beredtsamkeit des Ministerpräsidenten Waldcck-Ronsscau zuzuschreiben. Sehr geschickt wies dieser auf das Beispiel des Staatsmanns Gambetta, seines Meisters, hin, der die Amnestirung der Kommune - Ereignisse mit der Erklärung durchsetzte, man müsse im Interesse des Vaterlandes einen Schleier über alle Schivächen, Feigheiten und Ausschreitungen werfen. Das Land erwarte dies auch jetzt von seinen Vertretern. Die beantragte Ausdehnung der Amnestie auf die Verurtheilten des vorjährigen Komplottprozesses wies er als verfrüht zurück, da diese und ihre Anhänger weder ihre Handlungen bereuten, noch abzurüstcn geneigt seien. In der That zeigen sich die Nationalisten herausfordernder und gewaltthätiger als je. Wurde doch erst gestern Nachmittag von ihnen beim Verlassen der Madcleine- kirche, wo sie dem verstorbenen Anwalt Falatenf, dem Ver- theidiger Dörouledcs. eine Trauerfeier veranstaltet hatten, ein Vorübergehender überfallen und blutig geschlagen, weil er es gewagt hatte, auf ihre Rufe: „Vivo Deroulödo!“ mit einem Hochruf auf die Republik und auf Loubet zu ant- ivorten. Merkwürdiger Weise ließ die Polizei die auf frischer That Verhafteten sofort wieder frei. Das kann diese Partei nur ermuthigen, auch weiter die Andersdenkenden einzuschüchtern, obgleich doch ihre Vertreter im Pariser Gemeinderath, wie sich bei der Büreauwahl gezeigt hat, nur über eine Mehrheit von 4 oder 5 Stimmen verfügen, eine Mehrheit aus Monarchisten und nationalistischen Republikanern und Socialisten, die sich wohl auf einige Namen einigen konnte, aber bei sachlichen Fragen nothwendig in die Brüche gehen uiuß. Nichtsdestoweniger verharren gewisse deutsche Blätter, die von hier schneidig, aber beharrlich falsch informirt sind, unentwegt darauf, die Prahlerei der Nationalisten, sie seien im Stadthause 51 Mann stark, für baare Münze zu nehmen. Der beste Beweis der Ungefährlichkeit dieser mit dem Gelde der Orleans unterhaltenen Bewegung ist eben, daß man die Zeit für eine Amnestie gekommen erachtet und sogar den Staatsstreichhelden wenn nicht die sofortige Amnestie, so doch die Begnadigung in Aussicht stellt. Unter dem Eindruck der Weltausstellung ist die allgemeine Tendenz der Milde vorherrschend, man betrachtet die Staatsverbrecher als ungezogene Jungen, denen man wehren, die man unschädlich machen, überwachen
muß, für deren Thun man aber mildernde Umstände sucht. Sogar dem General Mercier (der sich im Senat über seinen Fall merkwürdig vorsichtig äußerte) kommt diese versöhnliche Stimmung zu Statten. Wenn nicht seine Anhänger durch Herausforderungen die Volksvertreter anfs Neue reizen, so dürfte die Kammer — freilich unter lebhaften Verwahrungen — ihrerseits die Amnestie gleichfalls gutheißen. Ein Beispiel hat ihr bereits der neue Kriegsminister, General Andre, gegeben, indem er zu seinem Amtsantritt alle Disciplinarstrafen erlassen hat. Diese Verfügung hat ihn natürlich in den Kasernen sehr populär gemacht. Eine zweite Verfügung, welche seines Vorgängers Verbot für die Offiziere, außerhalb des Dienstes tn bürgerlicher Kleidung auszugehen, wieder aufhebt, wird gleichfalls günstig beurlheilt. Das Verbot wäre eine ausgezeichnete Maßregel gewesen, wenn es hätte strikt durch- geführt werden können. Allein die Befehlshaber der Truppen, körper drückten beide Augen zu und die Vorschrift ist nicht beobachtet worden. Da war es schon besser, sie ausdrücklich zurnckzuziehen.
Aus Stadt und Land.
W iesba den. 6. Juni.
... ~ Wrkchichtstralendc»-. 6. Juni. 1896: Sieg der Eng. ander über die Mahdisten bei Firkct. 1884: Annam kommt unter franwftfche Schutzherrschast. 1873: tAdmiral Prinz Adalbert von Preuhcn, der erste Admiral der deutschen Flotte. 1867: Mord- versuch m Baris auf Kaiser Alexander II. 1861: st Graf Camillo B«rfo di Ciwour, italienischer Staatsmann. 1836: ff Anton. König von Sachsen. 1794: Niederlage der Polen unter Kosciuszkö bei GzcEoc^n. 1533: -j- Ludcwico Ariosto zu Ferrara, einer der größstn Dichter Italiens. 1523: Auflösung der Kalmar'schcn Union, der Vereinigung der drei nordischen Reiche zu einer Monarchie.
fiir das Lyosprrlc-ttal des
Königlichen Theaters findet, wie schon erwähnt. Donnerstag, den '• •'<r att cm J'ttendant Kammerherr v. Hülsen bat in
Warzigster Weise den Benefizianten eine Aufführung der <£. M. ö. Weber scheu Oper „Oberon" überiaffen, welche durch ihre neue Bearvelstmg und wahrhaft feenhaften Dekorationen bet den vorherigen Aufführungen bereits die größte Sensation erregte. Die Bcictznng der Partieen ist zum größten Theil dieselbe, wie bei den vergangenen Festspielen, sodaß dem Chorpersonal Gelegenheit ae- aeben wrr-, emem kunstsimugen Publikum einen höchst genustreichen Theater-Abend breten zu können. Fräiüein Plaichinger, welche sich als Vertreterin der „Rezia" die größten Svnipathieen ■u S Publikums erworben, hat in liebeaswürdigster Weise
ihre Mitwirkung zugesagt, und unser beliebter Heideuteuor Herr Krauß wird die Partie des „Hüon" überuchmeu. Die Vesetzuna der ubrrgen Partteen und Rollen ist die vorzügliche geblieben wie stither und wollen wir Fräulein Wallner und Fräulein Robinson, sowie die Herren Reiß und v. Man off ganz bc- sondeos erwähnen, welche sich als Fatime, Meermädchen/Oberon und scherasmm bereits auf das Glänzendste bewährt haben. Die Leistungen des Chorpersonals anerkennend, wünschen wir den Biuiefizianten nochmals neben einem künstlerischen auch einen pekumaren Erfolg.
« MntstalU,-Theater. Infolge des im Kurpark statt- indenden GartenWes läßt die Direktion des Walhalla-Theaters heute Mittwoch die Vorstellung ansfallen und dafür das Theater-
Orchester bei freiem Entree konzertiren. Bei ungünstiaer Witterung jebocf) findet Vorstellung in bisheriger Weise statt
— Die Ktadtverordneten sind auf Freitag, den 8 ^uni' Nachmittags 4 Uhr, tn den Bürgersaal des Rathhauscs zur Satzung emgeladen. Tagesordnung: 1. Einführung und Verpflichtung des StadtbaiirathS Fwbemus. 2. Aenderung des Fluchtlinien-
a, ^ t ur - beu ci? lft i rifl: 3. Bauliche Aenderung eines
Aufzugs im Theateraebaude. 4. Vorlage, betreffend die Neu- pstasterung der Moritzstraße. 5. Auswahl des Bauplatzes für eine zweite Rcalichiile. 6. Ein Baugcsuch, betreffend die Errichtung e»ies Wirtlstchnfts- und Luftkur-Gebäudes an der Aarstraße. 7. Borlage bctr. Aenderung der Hundesteuer-Ordnung. 8. Ueber- tragung von im Vorjahr genehmigten, aber noch nicht verausgabten Etatsposten auf das ^ahr 1900 9. Verkauf von Feldwegflächen an der Wallufcr- und an der Bulowstraße. 10. Esti Gesuch um Gewährung enws Beitrags zur Errichtung eines Denkmals für Hoffman» von Fallersleben 11. Desgleichen zur Schmückung der Klicaeigiabcr bei Mew 12. Ankauf von Wiesengelände an der Walkmnhlstraße. 13. Desgleichen von Domäneugelände an der Mnmzerstiaße. 14. Antrag ans Gewährung einer Zuwendung an eine,, ausge chledenen Bediensteten des städtischen Krankenhauses. 15. Neuwahl eines Armenpflcgers. 16. Wahl einer Kommission zur Prüfung des Entwurfs über bauliche Aenderungen und Erweiterungen des Theateracbändes. 17. Wahl von vier Mitgliedern cincr aemischten Kommiss,on zur Führung von Verhandlungen in der Bahichofsangcleaenheit. 18. Bericht der bestellten Kommission.
nach Erbcnheim°"^' b " Vorortbahnen nach Mainz und
>< Schmeitel-li„gs- u,,d Käsersammluiigc». Die plötzlich eingetretcne sommerliche Witterung hat wie mit einem einzigen Zauberschlage das niedere Thierlcben zur vollen Entwickelung gebracht. Wohin man blickt, da zappelt und krabbelt, da zirpt und summt es. Alle die kleinen Wesen freuen sich auf ihre Art, daß die gütige Sonne sie wach geküßt von langer Erstarrung im sicheren Versteck. Kurz nur ist meist ihre Daseins, freude: nur wenige von ihnen leben monatelang; der
aiidercn Leben zahlt nur nach Wochen, ja sogar nach Tagen oder Stunden Und das bischen Dasein, so sollte man glauben, würde ihnen doch der Mensch lassen, dem doch - mit diesem Maßstab gemessen - ein langes Leben vergönnt ist. Aber er thut das nicht immer, besonders haben sich Käser und Schmetterlinge über ihn zu beklagen. Lue gelten als das beliebteste Saminelobjckt der Knaben, die dann an ihnen ihre „Wissenschaft" bereichern wollen. Die Sache wäre noch zu entschuldigen, wenn die Sammler den kleinen Thieren mit geübter Hand einen raschen Tod geben könnten. Meistens aber müssen sich die armen Wesen zu Tod zappeln und nur ganz wemgc sind nachher noch so gering schadhaft, daß sie einen Platz m der Sammlung finden; die meisten werden weqqeworfen. Diese Sammlungen, von Sachkennern angelegt, sind wohl dazu geeignet, ein Bild von der niedere» Thierwelt zu geben; wird aber die Behandlung der Thiere und die Anlegung der Sammlungen nicht richtig verstanden - und das ist in den meisten Fsi.'len so — dann sind die Kaser oder Schmetterlingsknstcn an den Wanden nichts anderes als armselige Leichenhallen/ deren Anblick uns abstoßen muß. Welchen „wissenschaftlichen" Gewinn hat der Knabe z. B. davon, wenn er einige Jahre hindurch Alles mordet, was ,hm an Kasern in den Weg lauft, wenn er sie dann »ach ihrer Große unter Glas und Nahmen bringt? So wird cs doch gewöhnlich gemacht daß ein gekaufter Herknleskäfer oder ein Hirschkäferpaar ,n der Mitte seinen Platz nimmt und die übrigen sich spiralig um denselben grnppiren. Da sind denn doch Bildertafeln mit erläuterndem Text vorzuziehen; die Thiere aber beobachte man draußen in ihrem Leben und Treiben. Das wird ihm eine reinere Freude gewähren, wenn der Knabe bei seinem Umgang mit der Natur nicht vergißt, daß auch das kleinste Thier ein Anrecht auf Schonung hat.
Neue Müden.
Krrll», Ende Mai.
Vom Bolero ist immer wieder Neues und Interessantes zu erzählen, besonders nachdem er sich auch so praktisch zur Auffrischung des älteren Kleiderbestandes erwiesen har. Fast
Kleid mit aus- Tüllkleid
geschnittenem Bolero. mit Dovvelärmeln.
jedes Waschkleidchen will jetzt seinen Bolero aus der Spitze oder der Stickerei, womit es ausgestatket ist, oder man markirt znm Mindesten die Form des Bvlero durch Besatz. Ein einfacher weißer Tuch- oder Chevivtrvck wird zu einem hoch eleganten Anzug durch einen Bolero aus Spitzenstoff über abstechendem Futter oder aus Slickerei; weiße Röcke aus plissirlem Mull, Musselin oder Krepp verbinden sich mit einem Bolero ans bunt geblümtem Foulard, Liberty-Satin oder Damast; zu einer mit schwarzen Chantilly-Spitzen garnirten Toilette besteht er aus Chantilly. Leichte Seidciiktcider, besonders Foulard und Liberty-Satin, erhalten, gewissermaßen als selbständige Konfektion, einen einfarbigen Tuch-Bolero genau in der Nuance des Grundtones des Kleides. Damit hier der Schulterkragen knapp anliegt, hat man einen sehr gelungenen Versuch mit der ausgearbeileten Achsel gemacht.
Zu Jackenkleidern aus festem Gewebe kommt auch die häufig über einem Jabot geöffnete Weste aus Piquö, gesticktem Leinen oder Seide als Ergänzungsmittel in Betracht. Sehr chic ist die glatte oder gestickte weiße Seidenweste, noch eigenartiger die Weste Louis XV., welche, hinten wie eine Herrenweste gearbeitet, unter dem kurzen Bolero hervorkommt.
Ebenso häufig wie das Schwarz — zumal in Gestalt von Sammctband und Sammelband-Durchzng — und das Weiß vorwiegend als Vorstoß oder Formblcnde aus Tuch oder Seide zu Ausstattungszweckcn auftritt, ebenso häufig verbinden sich beide Töne an einem Anzug oder einem einzelnen Toiletten - Gegenstand, an Hüten, Schirmen, Blusen k. Hervorragend mvdegerccht sind z. B. weiße, oder weiße, schwarz getupfte Musselin-Kleider mit schwarzem Spitzenbesatz, denen man, um ihnen den Charakter der Halbtrauer zu nehmen, farbigen Gürtel und Hals-Garnitur giebt. Die weiße Bekleidung der Schirme zeigt gern tnch- förmige Auflage aus schwarzen Spitzen oder aus schwarzem Seiden-Filet mit Fransen, zwei oder drei bogige Spitzen- Bordüren oder nur schwarzen Fransen- oder Langueiten» Abschluß; der Stiel besteht aus weiß lackirtem Holz.
Für elegante Umhüllungen tritt die Mantille, ein kleiner Kragen mit langen Echarpes, mehr und Mehr in den Vordergrund. Im Allgemeinen in Schwarz aus Seide mit
Panama-Kleid mit Bolero. Straßen- oder Sport-Anzug Hut mit Band schleife. Weicher Filzhut mit Pose.'
Spitzen- oder Krepp-Volants hcrgcstellt, wirkt sie besonders chic aus -infarbigem, zur Toilette passendem Taffct (siehe Abb. 65 der Mvdcnwelt vom 15. Juni). Für warme Tage sind winzige kleine Kragen mit Echarpes oder Boa-Enden
