Verlag Langgaffe 21
„Ta-dlan-Haus".
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Samstag» 17. april 1915.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 178. 63. Jahrgang.
Oer neue Luftkrieg gegen England
Die Zeppelinangriffe auf den Tyne - Distrikt, also auf das Kohlen- und Eisengebiet Northuinberlands, und der zweite heute morgen gemeldete, in der Nacht znm Freitag mit m e h r e r e n Luftschiffen unternommene Angriff auf befestigte Küstenplätze der s ü Ä l i ch e n O st k ü st e Englands, nördlich der Themse m ü n- d u n g, gleichzeitig damit nun auch ein Flieger- Angriff in ebenso großer Nähe Londons, bezeichnen den Beginn der Sommersaison des Luftkrieges gegen England. Drei Monate lang, feit dem Angriff auf I a r m o u t h (19. Januar) hatten die englischen Küsten Ruhe vor der deutschen Luftflotte. Nun die Winterstürme, die deni Wonnemond weichen, zu Ende gehen, wird der Kampf wieder ausgenommen. Natürlich beantwortet England auch das neue Erscheinen der deutschen Lustkrerizer über britischem Boden mit scheinheiliger E n t r ü st u n g. In Wallsend z. B. ging eine Zeppelinbombe durch das Dach eines Hauses und brachte einer alten Frau leichte Verletzungen bei. Diese arme alte Frau muß nun hcrhalten, um die Tücke und den Derbrechersinn der deutschen Barbaren zu erweisen. Ob die neutrale Welt dem Lügenbureau „Reuter" noch glaubt? Über die Beschießung „unverteidigter" Orte durch Luftschiffe ist ja schon so viel hin und her geredet worden. Wir können den Engländern nur immer wie- der entgegenhalten,, daß s i e es zuerst waren, die offene Häfen unserer Kolonien beschossen, ohne vor dem Völkerrecht mit der Wimper zu zucken, daß sie es waren, die harmlose Badeorte (ihres belgischen Verbündeten) bombardierten, und daß sie ungescheut die Zerstörung unseres Handels und die Aushungerung unserer Zivilbevölkerung als das Ziel des Weltkrieges bezeichnen. Dagegen ist unser Zeppelinkrieg nur die gerechte Antwort und Rache, und die unschuldigen Menschenleben, die ihm leider zum Opfer fallen, stehen in gar keinem Verhältnis zu dem Vernichtungskamps, den Albion uns zugsdacht hatte.
Die Engländer werden angesichts dieser neuen deutschen Luftangriffe, von denen unsere Luftschiffe trotz der Beschießung durch die Engländer heil zurückgekehrt sind, sich mit Recht neue Sorgen über die Gefährdung Londons machen. Sie haben schon neulich zur Begutachtung dieses Problems einen hervorragenden belgischen Luftschisser kommen lassen uüd dieser erklärte auf Grund seiner Antwerpener Erfahrungen, es bestehe wenig Hoffnung, ein Bombardement Londons durch Zeppeline wirksam zu verhindern. Insbesondere sei. die Verfolgung der deutscher Luftschiffe durch Flugmaschinen so gut wie nutzlos, weil ein Lenkballon immer schneller höher komme als ein Aeroplan. Dieselbe Ansicht hat schon kurz vor Ausbruch des Krieges einer der ersten Fachleute Deutschlands, Dr. E ck e n e r, ausgesprochen.
Die Hoffnungen der Engländer konzentrierten sich nun bisher, da die Flugntaschinen zu versagen scheinen, aus die Beschießung der Zeppeline von der Erde aus. In diesem Punkte hat aber der Krieg so überraschende, für unsere Gegner enttäuschende Ergebnisse gezeitigt, daß man erst recht mutlos geworden ist. Der Ant- werponer Luftschiffer, den sich die Londoner kommen ließen, hat berichtet, wie die nutzlos gegen die Luftschiffe geschleuderten Geschosse wieder ans die Stadt nisderfielen und noch mehr Schaden anrichteten, als schon dem angegriffenen Zeppelin gelungen lvar. Sollte es inr Verlaufe des Krieges zu einem Lustkanrpf um London kommen, so wird die englische Heeresverwaltung die angedeutete „R ü ck w i r k u n g" ihrer Artillerie allerdings in Kauf nehnren. .Krieg ist Krieg. Aber selbst weim England seine eigene Reichshauptstadt nicht schont, um den Feind aus der Luft abzulloehren, so sind schon heute alle Fachleute der Ansicht, daß die lenkbaren Luftschiffe bei geschicktem Operieren nicht allzuviel voir der feindlichen Artillerie zu befürchten brauchen. Die große Sicherheit besitzen sie in ihrem S t a r r s y st e nt, das uns die Gegner bisher nur in sehr unzulänglicher Weise nachzuahmen verstanden. Ja, Deutschland besitzt eine Armee von Luftkriegsmitt e l n in einer Stärke und Ausbildung und mit bisher geheimgehaltenen Einrichtungen, die alle Phantasien in Schatten stellen, in denen die Eng- länder ffüher schwelgten, wenn sie an eine Luft- bekriegung Deutschlands dachten. Deutschland ist zur Luft g e r ü st e t und England ist es nicht. . Die Aussichten sind für En-gland denkbar schlecht, wir aber freuen uns, daß diese glänzenden neuen Leistungen unserer unvergleichlichen Zeppelinluftschiffe, die die Engländer vor dem augenblicklich im Vordergründe stehenden Unterseebootskrieg fast zu vergessen schienen, ihnen erneut mit Schrecken die Erkenntnis enchämmern, daß die deutsche Technik den Schutz der insularen Lage Atbions zu überwinden verficht.
Oie bisherigen englischen Meldungen.
IV. T.-B. London, 16. April. (Nichtamtlich. Reuter.) Einzelheiten über den Luftread nach Maldon fehlen noch. Die Einwohner von Lowestost wurden nm 1 Uhr früh von der Ankunft der Zeppeline unterrichtet. Man vernahm drei Explosionen und sah ein Holzlager in Flammen. Eine Frau wurde leicht verletzt; drei Pferde in einem Stall wurden getötet, über Southbold wurden sechs Bomben abge- worfsn. Die Luftschiffe kehrten seewärts zurück.
IV. T.-B. London, 16. April. (Nichtamtlich. Reuter.) Heute früh 12,10 Uhr erschienen zwei deutsche Luftschiffe über Maldon Essex und warfen vier Bomben ab, die kernen Sachschaden verursachten. Die Luftschiffe warfen ebenfalls Bomben auf das Hey br idg e-B c ck en ab. Drei Kilometer weiter wurden einige Häuser in Brand gesteckt. Die Lustschiffe folgten dem Laufe des Flusses Blackwater.
W. T-B. London, 16. April. (Nichtamtlich. Reuter.) Gegen 1,15 Uhr morgens erschien ein deutsches Luftschiff von der See her, überflog L o w e st o f t und warf drei oder vier Bomben in der Nachbarschaft ab. Dian sah in drei Kilometer Entfernung ein« Feuersbrunst. Die Ausdehnung des Schadens ist noch nicht festgestellt.
Eine flugtechnische Leistung allerersten Ranges.
Br. Haag, 17. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Ein holländisches Preffebureau meldet über den erneuten Lnftschifsangriff auf England: Nach Londoner Drahtnach
richten neigt man in Luftfahrerkreisen zu der Annahme, daß es sich bei den zwei deutschen Luftschiffen, die am Donnerstagmorgen über der Grafschaft Essex erschienen und nament- lich in Lowestoft beträchtlichen Schaden anrichteten, um di« gleichen Luftschiffe handelt, die am Mittwochabend Newcastle heimgesucht haben. In der Tat sollen Fischerfahrzeuge aus Hüll am Donnerstagmorgen zwischen dem Südende der Doggerbank und der englischen Küste ein aus Norden kommendes Luftschiff in südwestlicher Richtung fahren gesehen haben. Demnach scheinen die Luftschiffe die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag zur Fahrt von Newcastle nach Lowestoft benutzt zu haben. Sofern dies sich bestätigt, handelt cs sich bei dieser Zcppelinfahrt um eine, flugtechnische Leistung allerersten Ranges, da die Zeppeline am Mittwoch am Tage von Helgoland oder Emden aus bereits 870 Meilen zurückgelegt haben mußten und ihnen ab Lowestoft noch die Rückfahrt nach Deutschland bcvorstand.
Gleichzeitiger Besuch eines deutschen Klugzeugs über der Grafschaft llent.
W- T.-B- London, 16. April. (Nichtamtlich. Reuter.) Ein deutsches Flugzeug warf mittags über Sitting- bourne und Faversham in Kent Bomben ab.
\Y. T.-B. London, 16. April. (Nichtamtlich.) Die Bomben des deutschen Flugzeuges richteten nach einer weiteren Meldung des Reuterscheu Bureaus keinen Schaden an. (?) Das Flugzeug fuhr dann über Shcrnees auf der InselSheppey, ohne Bomben abzuwcrfcn. Es wurde beschossen, entkam aber und flog über die'See, verfolgt von einem britischen Flugzeug.
Vas Ziel unserer Lnglandsflüge.^
Berlin, 17. April. (Ktr. Bln.) Über das Ziel der deutschen Luftangriffe gegen England wird denr „L.-A." geschrieben: Da die Engländer die Aushungerung
Deutschlands als Hauptkriogsmittel bezeichnet haben, ist es natürlich' unsere Pflicht, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln die Versorgung Englands mit Lebensmitteln zu verhindern. Dazu würde die Zerstörung der Fischcrflotte van Lowestoft, die aus 111 Danipfern und etiva 600 Segelbooten besteht, nicht ioenig beitragen. Der Zeitpunkt für eine solche Tätigkeit gegen diese Flotte ist vorzüglich gewählt, da Lowestoft ein Hauptpunkt für den Heringsfang ist. Der Flug weiterer Lufffchiffe über Essex kam also London beträchtlich näher. Es wird tvohl angenommen werden können, daß die plötzlich ausgetretene Gefahr unmittelbar vor den Toren Englmrds große Aufregung hervor,rufen wird.
Der Unlerseebootskrieg.
Wie die Engländer die Völksrrechtsverletzung noch belohnen.
Die richtige deutsche Anttvort.
\V. T.-B. London, 17. April. (Nichtamtlich.) Die „Shipping Gazette" vom 26. März schreibt: Am 18. März lies der Dampfer „Thordis", der im Kanal ein deutsches Unterseeboot rammte, ein. In den Docks der Manchester Stipping Kanal Company überreichte ein Vertreter der Gesellschaft bei seiner Ankunft dem Kapitän Bell einen Brief der Admiralität in folgendem Wortlaut: „Von dem Chef der Admiralität bin ich beauftragt, Ihnen mitzuteilen, daß der König gnädigst geruhte, dem Leutnant Bell für seine Verdienste aus der „Thordis" an dem genannten Datum, und zwar für das Rammen eines deutschen Unterseebootes, das Verdien st - kreuz zu verleihen."
Damit ist der Beweis erneut geführt, daß die britische Regierung das Gebaren der Besatzung ihrer Handelsschiffe billigt und belohnt, die wider alles Völkerrecht eine bewaffnete Macht angrcifen und sich damit außerhalb jeden Lülkcrrechts stellen. Auf Warnung
und Rücksicht irgendwelcher Art können solche Fahrzeuge jetzt weniger wie je rechnen.
Englands Machtlosigkeit gegen die deutschen ri-voote.
Haag, 16. April. (R.-W. Z.) Der militärische Mitarbeiter des „Nieuwe Rotterd. Courant" stellt das vielfache Torpedieren der englischen Schiffe bei Beachy H e ad, bei der Insel Wight un>d den Scilly-Jnseln fest und schreibt im Anschlüsse daran: Offenbar hat die deutsche Marine an verschiedenen Punffen der englischen Küste Untersee- bootwachtposten ausgestellt, was im gewissen Sinne einer wirksamen Blockad e gleichkommt. Es ist sehr auffallend, daß die englffche Marine offenbar keine Mittel besitzt, um die 'Störer der englischen Seefahrt von ihren Posten zu vertreiben. Woche für Woche werden englische Schiffe nahezu an derselben Stelle in den Grund gebohrt, wo also die Unterseeboote geradezu auf der Lauer liegen. England besitzt also keine Mittel, u>n alleinfahrende Schiffe gegen die Unterseeboote zu schützen. Er glaubt jedoch, daß die Unterseeboote große englische Truppentransporte nach dem Festlande nicht werden verhindern können, weil diese vermutlich von einer großen Anzahl Schlachtschiffen und Kreuzern sowie Torpedo- booten begleitet sein werden, daß es den Unterseebooten unmöglich ist, durch den Ring hindurchsukommen.
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Erey in Holland und Dänemark;
Berlin, 17. April. (Ktr. Bln.) Der britische Staatssekretär des Äußern, Sir Edward Gr eh, war nach «irrer Meldung verschiedener Morgenblätter dieser Tag« im Haag. Er ist cmr 15. d. M. nach Kopenhagen weitergereist.
Allerhand Anfragen im Unterhausc.
IV. T.-B. London, 16. April. (Nichtamtlich) Int Unterhaus fragte Williams von der Arbeiterpartei, ob die Regierung , Schritte tun wolle, um nach dem Kriege für die Armenier eine Autonomie ähnlich der von der russischen Regierung den Polen versprochenen zu sichern. — Neil Primrüse antwortete, die britische Regierung werde die Interessen des armenischen Volkes in der astatischen Türkei im Auge behalten, es sei aber in der gegenwärtigen Phase des Krieges unmöglich. zu bestimmen, welcher Art die zukünftigen Maßnahmen sein werden Auf eine andere Anffage, ob die Regierung die Liste der absoluten Konterbande auf Baumwollgarn ausdehnen wolle, antwortete Primrvse, daß die militärischen Vorteile, die daraus erwachsen würden, einen solchen Schritt nicht rechtfertigen würden. Auf die Anfrage, ob er dem Hanse nähere Informationen über die Verschiebung der Reichskonferenz geben könne, antwortete der Staatssekretär für die Kolonien, Harconrt, er habe in Übereinstimmung mit den Premierministern _ der Dominions gefunden, daß eine normale Konferenz in diesem Jahre während der Feindseligkeiten schwierig, wenn nicht unnröglich sein toürde. Die Regierung beabsichtige jedoch, die Dominions, wenn die Zeit für eine Diskussion der Friedensbcdingungen gekommen sei, ins Vertrauen zu ziehen, und sie um ihre Meinung zu befragen.
Scharfe Angriffe auf das Offizierkorps in der englischen Presse,
W. T-B. London, 16. April. (Nichtamtlich.) Die „W e st - minst er Gazette" bespricht den Bericht Frenchs über die Kämpfe bei Neuve-Chapelle-St. Eloi und sagt: Ein Teil der schweren Verluste war bei zweckmäßigerer Leitung zw vermeiden. Wir haben kein Recht, über Männer, die fiir di« Fehler verantwortlich sind, den Stab zu brechen, aber wir dürfen erwarten, daß künftig schwierige Unternehmungen Führern anvcrtraut werden, die ihre Kraft und Umsicht in früheren Kriegstaten bewiesen haben. Das Lob, das French General Douglas Haig spendete, wird ein Echo in England finden, aber um cs voll würdigen zu können, müssen wir sicher fein, daß es nicht von Beförderungen, Auszeichnungen und Lobsprüchen fiir Männer begleitet wird, von denen bekannt ist, daß sie sich Nicht auszeichneten.
Erhöhung der Londoner Hafengebühren.
IV. T-B. London, 17. April. (Nichtamtlich.) Die Hafen- behörde gab bekannt, daß ab 1. Mai die H a f e n g e b ü h r c n für ein- "und ausgcfnhrte Güter um 20 bis 25 Prozent erhöh t werden würden. _ V j
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Das erschreckende Ergebnis der französischen Bevölkerungsstatistik.
Br. Genf, 17. April. (Eig. Drchtbericht. Ktr. Bln.) Der französische Arbeitsminister veröffentlicht eine B e- Völkern» gsstatt stik, die im ersten Vierteljahr 1915 in 82 Departements, ausgenommen die fünf von den Deutschen besetzten, ausgenommen ist. Das Resultat ist erschreckend: 3971 Geburten, 20 845
Sterbcfällc, 6445 Ehescheidungen, dazu 2600 Verheiratungen weniger als 1914. Der „Tcmps" bemerkt dazu, die Ausblicke für die Zukunft seien furchtbar. Dieses Problem möge nach Frrrt«risschluß iüe Rrsitzl
