*8. Jahrgang.
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Fernsprecher No. 52.
Sonntag» den 3. I«„i.
Morgen ■Ausgabe.
Fernsprecher 9lo. 52.
Meg-n des Vfingstfestes -vfcheint die nächste Ausgabe am Dienstag Uachmtttag.
Volitische Urbersicht.
Obwohl wir uns allgemach der wärmeren Jahreszeit nähern, ist von dem Beginn der politischen Sommerruhe noch wenig zu spüren. Auf dem Gebiet der inneren Politik Ist es zwar vorübergehend stiller geworden, denn die Parlamente pflegen der Pfingstruhe und die parlamentarische Session nelgt sich ihrem Ende zu. Ein Werk von umfassenderer Bedeutung wird der deutsche Reichstag noch in dem kurzen Taguugsabschnitt. der ihm nach Pfingsten bcvorsteht, vollbringen, die bereits als absolut sicher zu bezeichnende Genehmigung der Flotten Vorlage. Eine weitere Thätigkeit ist von dem Reichstag schiverlich noch zu erwarten, und auf ihren dringenden Wunsch, auch das Reichsseuchengcsetz noch in, dieser Session unter Dach und Fach zu bringen, wird die Negierung verzichten müssen Im preußischen Landtag ist keinerlei größere Aktion mehr zu erwarten. Die Seeschlange der preußischen Politik, die Kanalvorlage, wird in diesem Sommer trotz aller entgegengesetzten Versicherungen nicht mehr an den parlamentarischen Gestaden auftauchcn, und es bleibt abzuwarten ob der Unternehmungsmuth der Regierung bis zu der mehrfach angekündigten Herbsttagung des Landtags so weit gewachsen sein wird, wie es zu dem Kampf um den Kanal erforderlich wäre. Wir wollen nur hoffen, daß der sagen- und kompensationsumwobene Mittellandkanal bei diesem Hin- und Herzerren nicht doch noch einmal „zu Wasser wird , aber tm körperlichen und nicht etwa im figürlichen eS bie agrarischen Gegner des Kanals wünschen.
Wahrend wir uns in Deutschland auch auf dem Gebiet der Pontlk allgemach der stilleren Saison nähern, sehen wir im Ausland noch fast allenthalben die politische Hochsaison m vollster Blüthe stehen. In nnserem Nachbarlande Oesterreich hat die chronische Krisis abermals eine außerordentlich akute Form angenommen. Trotz aller Beschwichtigungsversuche des Kabinetts Körber haben die Tschechen sich nicht bewegen lassen, von ihrer Obstruktion dre den Gang der parlamentarischen Maschine völlig ins Stocken gebracht hat, abzulassen. Die Schuld an r. bc§ Tschechenthums tragen freilich in
erster Reihe die übrigen Parteien der Rechten, welche ‘ ro & JrL er , ton * nben Redensarten nichts gethan haben, um den Tschechen die Sinnwidrigkeit ihrer jetzigen Haltung vor 3» fuhren. Vielmehr mußten die Tschechen aus dem passiven Verhallen der Mehrheit des Reichsraths die Uebcr- zeugung gewinnen, daß die Rechte im Herzensgründe mit
ihnen sympathistre. Unter diesen Umständen ist es nicht zu verwundern, wenn das Kabinett Körber die Auflösung des Reichsraths ins Auge faßt und bereits allen Ernstes davon gesprochen ivird, daß der berühmte § 14, der Nothverord- nniig^paragraph, wieder in Thätigkeit treten werde Das wäre allerdings keine Lösung, sondern ein Durchhauen des gordlicheu Knotens mit recht zweifelhaften Aussichten.
Wie der von dem italienischen Kabinett Pelloux unternommene Versuch der Auflösung der Kammer ausgehen wird, wird sich alsbald zeigen, denn bereits an diesem Sonntag finden die Neuwahlen für das italienische Parlament, statt. Das Kabinett rechnet anscheinend mit „-stimmthcit darauf, daß auch die neue Kammer ihm eine sichere Mehrheit bringen wird. Für diese Annahme spricht der Umstand, daß die Negierung in Italien gewohuheits- gemaß einen starken und vielfach wenig legalen Einfluß auf me Wahlen ausübt, sodaß eine regierungsfeindliche Mehr frri *. n ™ , 11 ben verschwindenden Seltenheiten gehört. Erst im Verlauf der Scsfion pflegt dort die Regierungs- “Rrt .abzubröckeln, da gar mancher Kandidat als ,, Minlstcriellcr" sein Mandat erzielt, um nach einer gewissen uiiftandssnst in das Lager der Opposition abznschwenken. Wenn also das Kabinett Pelloux auch eine Mehrheit er- zielen sollte, so würde das noch nichts für eine längere Lebensdauer des Kabinetts beweisen.
Einen recht schweren Stoß hat die Lebensfähigkeit des I^^^vfischen Kabinetts Waldeck-Rousseau durch heu Rücktritt des Kriegsministers Gallifet erlitten, und ob der Nachfolger Gallifets, Andre, der Mann sein wird, der das erschütterte Gleichgewicht des Kabinetts wieder her- itellcn kann, das wird als einigermaßen fraglich erscheinen müssen.. Daß das Kabinett kurz nach seinem Sieg über die Nationalisten durch sein eigenes Mitglied diese Schlappe erlitt, ist merkwürdig genug, aber die Nationalisten täuschen sich, weim sie glauben, daß sie berufen sein werden, die etwaige Erbschaft des Kabinetts Waldeck-Rousscau anzutreten
In der gleichen Hoffnung sind die Liberalen in Belg ien Ichmerzlich getäuscht worden. Das klerikale Kabinett ist aus den Wahlen, die es mit Hochdruck betrieben hatte, als Sieger hervorgp-zangen. Zur Beruhigung des Landes wird dieser Sieg freilich schwerlich beitragen, denn das einseitige Parteiregiment der Klerikalen ist am wenigsten im Stande, dem heillos verfahrenen Zustand und den politischen Wirren in Belgien ein Ende zu machen.
Im Zustande einer heillosen Verwirrung und vollkommener Auflösung befindet sich das chinesische Riesenreich. Der Aufstand der Boxer-Sekte hat einen wrartlgen Umfang angenommen und die chinesische Negierung ich als so niacht- und willenlos erwiesen, daß die Groß- Mächte sich zum militärischen Einschreiten gezwungen sahen und auch Deutschland zum Schutz seiner bedrohten Jnter- effen militärische Schutzmaßnahmen getroffen hat. Die Ereignisse in China lassen keinen Zweifel daran, daß wir
1900.
uns bereits wieder mitten in der Aufrollung der chinesischen Frage befinden, bei der man jedenfalls auf etwelche Komplikationen gefaßt sein muß. w
Seinem nahen Ende geht dagegen das blutige Kriegs, drama t n Südafrika entgegen. Nach anfänglich so rühmlich bewiesener Tapferkeit ist die Widerstandskraft der Buren unerwartet schnell gebrochen worden. Die in ihren Hoffnungen auf die Hülfe mibeier Mächte getäuschten Buren haben erkannt, daß ihre Sache verloren ist, und die Welt wird sich ttauernd mit der Thatsache abfinden müssen, daß zwei freie Staaten zu englischen Provinzen degradirt werdend T
Aus Stn -1 rmL Kan-.
Wiesbaden. 3. Juni.
Jt-JaaL
S&La" Ä nfÖ, '% Maguing'üä.w'im Gelände. TsoÖ: 1 «Äh ber.Afrikareiscnd«. 1880 :
(Nachdruck verboten.)
Vfingsten in der deutschen Dichtung.
Von Paul Pasig.
m ^ SMtfjtung lebt Pfingsten nach Goethes bekanntem Ausspruch vorzugsweise als das „liebliche Fest" fort. Lieblich wegen der innigen Harmonie, in der Natur und Geist nun in ihrer allverständlichcn Sprache zu den Menschen- $****" «den; lieblich aber auch, weil die Liebe als Herrscherin und Gebietenn nun überall triumphirt: die höchste Liebe, die im Himmel thront und in der Dahingabe des Gottes- ^hnes und der Sendung des heiligen Geistes das Werk der Erlösung vollendet hat; die Liebe der Menschen, die gerade
t n9 ^ 01 i at be§ ganzen Jahres, da alle Phantasie uberboten wird durch den Maienzauber und das vielfarbige Bluthe,ifeuer, inmitten der liebetrunkenen Schöpfung Sieg auf
^Di7ä0e!. Ult ^ b s te He^en immer aufs Neue entflammt.
rn «r S Lieder begnügen sich in der Hauptsache mit sü! b " Psingstgcschichte und ihrer Bedeutung
Sl rfSTSK r 8 ?“ ,un»ch,° nn eine L £ft S^ ( s5 gf 0 l Dete ,;, iDte Luthers „Komm, heil'ger Ge . Herre Gott" und „Nun bitten wir den heiligen Geist", ferner Heinrich Helds (um 16501 Du Geist des Lebens". besond-rs abernn"ffr..7^ geistesgewaltige Pfingstlieder: „Gott Vater " sende ^Deinen Geist", »O Du allerfüßte Freude«, vor Allem Lkck e n
zu Deinen Thoren". Michael Schirmer (st 1673) preist in
SSÄSr* u «w
O IW* das Fest mit Maien.
Lasset Blumen streuen.
Zündet Opfer an;
Denn der Geist der Gnaden Hat sich eingeladen.
Machet ihm die Bahn re.
«m die, allerdings unrichtig übersetzte. Stelle Psalm 118, 27:
,Schmücket das Fest mit Maien bis an die Hörner des
Altars" an, während Mauritius Kramer (st 1702) in dem Liede „Gott, gieb einen milden Regen" mit dem Hinweise auf die pfingstlichen Naturerscheinungen, die in Blitz und Donner so lebhaft an das erstmalige Kommen des göttlichen Geistes erinnern, den Uebergang zu den Dichtungen der neueren Zeit bildet. Wir mögen es nicht als panlheistisch vernrthellen, wenn die zeitgenössische Psingstpoesie gern an das Brausen des Sturms, das Rauschen mächtiger Baumkronen, das Zucken der Blitze, den wohlthucnden Gewitterregen und dessen reinigende und läuternde Wirkungen, die denen lm Reiche des Geistes gleichen, anknüpft. Das dichterische Bild hat überall seine Berechtigung, und einem Elias nahte nach der biblischen Erzählung Gott „im stillen, sanften Säuseln", den er vergebens im Erdbeben, im Wetter- sturme, im Blitzesfeuer gesucht hatte. So gedenkt u. A. Karl Gerok (st 1890) in seinem „Pfingstgewitter" neben der durch dasselbe aufs Neue erquickten Schöpfung der seligen Zeit jener ersten Christengemeinde in Jerusalem, von der es heißt: „Sie waren ein Herz und eine Seele". Heiliger Sehnsucht voll verlangt sein Herz nach jenem wonnigen Frühling der Kirche:
Da blühte die Liebe als Rose Dem König der Liebe zum Preis,
Die Demuth als Vellchen im Moose,
Die Keuschheit wie Lilien weiß;
Da sproßte in purpurnen Nelken,
Voll würziger, brennender Glnth,
t u Kränzen, die niemals verwelken, er Märtyrer heiliges Blut.
O.scliacr Frühliiig der Pfingsten.
Wie bist Du entschwunden so welkt Wo bleibst Du in dieser geringsten Und zwiefach erstorbenen Zeit?
Komm wieder, die Gläubigen lvarten Und hängen die Häupter so müd'.
Durchwehen den schmachtenden Garten.
Steh' ans, wie im Nord, so im Süd I
Komm wieder in den heil'gen Gewittern,
Konim wieder in säuselndem Weh'n,
Die Trotzigen komm zu erschüttern.
Die Zagenden komm zu erhöh'».
ß Marie Alexandrowiia. Kaiserin von Rußlmid Äk" * StE nnmster Arthur Adolf Graf v. Posadow-Kv-Welmer'
Glonam 1740: Aufhebung der Tortur0 "(W: Eroberung Aotimhias «!^?^^uzfahre^ 1039: st Kaiser Ko,»ad II. der Salier zu Utrecht, Gründer des Doms zu Speyer. 4. I u ni 1896 - 4 Ernekto Rosst zu Pescara der. stall Tragöde. 1859: Schlacht bei Magen ° zwischenOesterreichern undFrauzosen und Sardinier. 1832: ---Edmund v Kneghammrr zu, Landshut, österreichischer Reichskriegsministcr 181t>. Preußen erwirbt Neuvorpommern 1813- Treffen bei 1813: Waffenstillstand zu Poischwitz 17M:Schlacht beiKich
rrofii von Oesterreich, gegen die Franzosen
Schlacht bei Attenkirchen a. d. Wied, Sieg der Franzosen unter Kleber. 1764: * K. F. Köhler zu Leipzig. Begründer der bck. Leipziger Buchhandlung gleichen Namens. 1745: Schlacht bei Hohenfnedberg S,eg Friedrichs des Großen. 1680: st August bura" W vN',Magdeburg. Magdeburg fällt an Branden-
B; ^68. Alba laßt die Grafen Egino,it und Hoorn hinrichteu.
st Paps?Gr?gÄ XIII. dauern bei Sulzdorf. 1417:
». Sfsl>ngn.rttftl-eit. Nach einer längeren Pause trat am . tJ J ^rctn^al „Zum Andreas Hofer" der Vorstand des Gesangvereins „Friede" aus Anlaß des 25-jährigen Jubiläums, verbunden mit einem Gesangwettstreit am 29. und 80. Juni wieder zu einer Sitzung zusammen. Der Präsident Herr Matt theilte su't, daß wegen des Fcstplatzcs ein Gesuch an den Magistrat ge- wordeii. nber bi« jetzt noch kein definitiver Bescheid cin- sti- wdaß sich der Verein in der Vervollständiauna des ziemlich ansgedchnten Programms erheblich gehindert säbe^ Es Magistrat nochnials um einen endgültigen baldigen Bescheid anzugehen. Hieran anschließend fand die Kon- tituirung des Wohnungs- und Empfangs-, sowie des Wirth- schafts- und Vergnugungs-Ausschusfis statt. Außer den vorhandenen .Lobten Theil sehr wcrth- und kunstvollen Preisen stehen hnf?S'i b «) C Ul Erwähne,iswerth ist noch,
gemeldet habcm m au d-m Fche Z
o. Nolksbibliotstelt. Um den, sich steigernden Lefebedürfniß Mn"!'« SU tragen und die bestehenden drci^ Volksbibliotheken zu entlasten, hat der „VolkSbildungsvereui" eine vierte Volks- '^ kelngenchtct und,gestern eröffnet. Dieselbe ist haubt- achlich für die nördliche und innere Stadt berechnet und deshalb >u dem „Evangelischen Gemeindehaus", Steingasse 9, unter- Sebracht worden, wo dem Verein in dem Partcrrestock ein passendes Zimmer unter günstigen Bedingungen zur Verfügung
Was schmutzig, das werde gereinigt,
Verjüngt, was gebrechlich und alt.
Was streitet, werde vereinigt.
Dein ist ja noch Macht n„d Gewalt.
Auch Verfasser suchte in einigen Pfingstlicdern die Sprache des geistlichen und uaiürlichen Pfingsten zu deuten: sie ist ein vielstimmiger Lobpreis der Güte des Allmächiigeii, verknüpft mit der ernsten Mahnung zur eigenen Herzenserneuerung in Buße, Glaube und Liebe. So in dem Gedichte „Nun rauscht in frühlingsgrüncn Bäumen":
Kein Baum, der nicht in leisen, Wehen Die großen Thaten Gottes preist;
Kein Blümlein. das nach Himmelshöhen Uns nicht die sel'gen Pfade weist;
Kein Quell, der ninrmelnd nicht verkündet Der ew'gen Liebe Wunderkraft,
Die aller Herzen neu entziindet Und neue Herzen in uns schafft.
Darum das Pfingstgebet:
O senke Dich, D» Geist der Pfingsten.
Herab aus uns wir harren Dein,
S b . re ' c ^fl bei dem Geringsten Mit Deiner Gaben Fülle ein I Gieb neue Liebe, neue Stärke Der sehiisnchtsbangen Kreatur I Dann reifen uns die guten Werke Auf unsrer Herzen Frühlingsfliir.
Eine ähnliche Bitte spricht das tiefempfundene Sonett „Pfingstabend" von Gustav Pasig (st 1898) aus:
In mildem Glanz hat sich der Tag geendet:
Ein sanfter Purpur faßt den Himmel ein.
War' es noch jener Flammen Widerschein.
Die auf der Jünger Häupter einst gesendet?
Kein lauter Ton die heil'ge Stille schändet;
Ein fernes Glockenläuten zieht allein Noch durch die Lüfte, die so klar und rein:
Der letzte Gruß, den fromm der Festtag spendet.
Ach wohnte doch in meines Herzens Grunde.
Das ruhelos sich hebt in bangem Schlage,
Solch festlich schöne Stille für und fürI Du Geist der Pfingsten komm' zur guten Stunde.
tt C w* a llrd) , me i» % u f*en, meine Klage,
Uno schaffe ew'ae Sal>k>ntii«>>„K' '
