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Verlag: Langgasse 27.

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Morgen ■fliisgab6

(Nachdruck verboten.)

Die neue russische Hafenerwerbnng in Dstasien.

In zielbewußter Weise ist Rußland unablässig bemüht seine Machtsphäre in Ostasien weiter auszudehnen und zu befestigen und eine neue Etappe auf diesem Wege bezeichnet di! Üben eingetroffene Nachricht, daß Rußland von Korea den Hafen Masampo durch Vertrag erworben hat.

Dem Hafen unmittelbar vorgelagert liegt, wie aus dem oberen Theile unserer Karte zu ersehen ist. die Insel Corgado. Rußland hat nun in dem Vertrage erreicht, daß kein Theil von Corgado anderweitig veräußert werden darf. Dieses Vorgehen zeigt, daß Rußland eine Anwart­schaft auch auf diese Insel beansprucht, die von hohem strategischen Werthe ist, da sie den Hafen von Ma>ampo beherrscht. Masampo selbst soll, weil am südlichsten gelegen, während des Winters das Hauptquartier der russischen ostasiatischen Flotte werden. , ua

Im japanischen Kriegsministenum zu Tokio haben bereits

Der Hafen Masampo liegt unweit Fusan, westlich von dieser Stadt, an der Südküste Koreas, also etwa auf halbem Wege zwischen Wladiwostok und Port Arthur. Unsere beistehende Karte enthält unten rechts eine Uebersicht des hier in Betracht konimendcn ostastattschen Gebiets, aus welcher die hohe strategische Bedeutung Masampos hervor- aeht. Masampo beherrscht den Verkehr Japans mit Korea nahezu vollständig und liegt dabei, wie .erwähnt, tn der Mitte zwischen den beiden russischen Knegshasen nt Ost. asten. Zum Kriegshafen ausgebaut wurde Masampo die beherrschende Stellung Rußlands rm Norden Ostasiens sehr verstärken und könnte ein Pfahl im Fleische Japans oder - anderer Mächte werden, die neben Rußland eine Macht­stellung in Korea oder einem sonstigen Punkt Nordostastens erstreben.

Konferenzen stattgefunden, die sich mit dieser Angelegenheit eingehend beschäftigten. Schon in der letzten Februarwoche entsandte die japanische Regierung, wie jetzt durch briefliche Meldungen aus Kobe bekannt wird, zwei Schlachtschiffe, drei Kreuzer, ein Küstenvertheidignngsschiff und zwei Kanonen­boote nach dem großen militärischen und Marinecentrum Kure, von wo in etwa zwölfstündiger Seefahrt Korea zu erreichen ist. Daß Japan entschlossen ist, seinen Einfluß m Korea nicht gewaltsam durch Rußland verdrängen zu lassen, er­scheint verständlich, denn es verlöre damit die Hauptfrncht eines Sieges über China. Als der chinestsch-iapanffche Krieg am 17. April 1895 durch den Frieden von Shimonoseki beendet wurde, war die erste der von Japan gestellten Friedcnsbedingungen die Anerkennung der Un­abhängigkeit Koreas durch China und die zweite die Ab­

tretung der Halbinsel Liaotong an Japan. Die Vertreter Deutschlands, Frankreichs und Rußlands erhoben gegen diese Bedingungen Einspruch mit der Begründung, die Ab­tretung der Halbinsel Liaotong wäre eine fortwährende Be­drohung Pekings, gefährde die Unabhängigkeit Koreas und stehe der Aufrechterhaltung des Friedens im äußersten Osten entgegen. Japan gab nach. .

Der einzige Länderzuwachs, den Japan aus seinem Krieg mit China davontrug, bestand in den Fischerinseln und der Insel Formosa. Port Arthur ist mittlerweile in russischen, Wei-hai-wei, wo die Japaner am 2. Februar 1895 einen entscheidenden Seesieg über die Chinesen errungen hatten, in englischen Besitz gelangt. Rußland und England beherrschen dadurch die Straße von Tschili und den Eingang in das innere gelbe Meer, das für Japan verschlossen ist. ^ _ . , . .

Der neue russische Hafen ist von der Natur sehr be­günstigt. Er hat ein sehr tiefes und genügend breites Fahrwasser, eine geschützte Außenrhede und ist selbst von schützenden Hügeln umgeben. An seinem iunern Theil be­findet sich ein koreanisches Fort. Der Ausbau des Hafens zu einer großen Marinestation läßt sich sehr gut bemerk,telligen.

Ausland.

Serbien von heute.

Jeder Kenner serbischer Verhältnisse, der während der Verhandlungen des Hochverrathsprozesses die Artikel der politischen Tagespresse verfolgte, konnte nur den Kopf schütteln und fragen: Ja, ist denn Serbien irgend eine neu entdeckte Kolonie am Pol? Wie ist es möglich, daß so durch und durch falsche Anschauungen bestehen können über ein Kulturland, das man in 24 Stunden mit der Eisenbahn erreichen kann? . . . Ganz besonders excedirten Journalisten in Paris, die offenbar bemüht waren, den Nachweis zu führen, daß Serbien noch zu den „halbwilden" Staaten gehört. So viel wir uns erinnern, war es nur ein Blatt

in Deutschland, welches in einer thüringischen Residenz er­scheint. das offenbar authentisch über die Vorgänge in Serbien berichtete. Es ist deshalb ein soeben ,n Belgien erschienenes Buch mit Genugthuung zu begrüßen, das eine Schilderung des heutigen Serbien giebt, nicht, wie cs sich in den Köpfen einiger phautasiebegabter Schriftsteller malt, sondern wie es ist. Wtr wollen nicht behaupten, daß die Schilderung der Verfasser Lazard und Hogge eine photo­graphisch treue ist. vielmehr tritt hier und da wohl das Bestreben hervor, bei einzelnen Persönlichkeiten die Kritik milde walten zu lassen. Indessen, was z. B. den König Milan anbenifft, da müssen wir den Verfassern Recht geben. Milan kann nach unserer Ansicht wie Maria Stuart von sich sagen: „Ich bin besser als mein Ruf". Wenn man m moralischer Ueberempsindlichkeit den Splitterrichter spielen will so braucht man nicht nach Belgrad zu gehen, ich meine, man findet das znm Splitterrichten erforderliche Material auch an anderen Höfen, selbst denen der freiesten und allcrsreiesten Republiken. Es gilt heute noch, was man seiner Zeit von Troja sagte: „Peccatur mtra et extra! Was von König Alexander gesagt wird, wollen wir nutzt analyfiren, da wir bisher der Ehre einer persönliche» Be­kanntschaft mit dem jungen Monarchen noch nicht theilyaslig geworden sind. Wenn es erlaubt ist, nach den Akten der Regierung zu urtheilen. so wäre in der That wohl kann

Warum ist der Jucker suß?

Das ist wieder einmal eine rechte Kinderfrage! wird gewiß mancher Leser sagen und wird hintttdrein doch ruaeben müssen, daß ein Kind, das eine solche Frage stellen würde, dadurch mehr natürliche Empfindlichkeit für die Räthsel der Welt verriethe wie die meisten erwachsenen Menschen mit ihrem mehr einseitig entwickelten Verstände. Eine der bedeutendsten wissenschaftlichen Zeitschriften der ganzen Welt brachte neulich einen Aufsatz, der mit den Morten begann: Mit all den enormen Fortschritten, die juf physikalischem und chemischem Gebiet in der Erkenntmb von der Zusammensetzung der Materie gemacht worden sind, Z wir doch nicht im Stande, eine vollständige Antwort auf eine so einfache Frage zu geben, wie die, warum der Zucker süß ist. Die Chemie des Zuckers giebt kaum eme Andeutung für den Weg einer Erklärung, aber die Süße ist ohne Zweifel ein Zustand, wo der Aufbau oder, m.l wissenschaftlichem Ausdruck, die Konstitution des betreffenden Stoffes für diese besondere physikalische Eigenschaft m höherem Grade verantwortlich ist als dessen Zusammen­setzung aus so und so viel chemischen Elenienten in be­stimmten Verhältnisse» ihrer Menge. Der Geschmack ist eine subjektive Fähigkeit, deren Empfindungen allerdings n dem ganzen Menschengeschlecht übereinstimmend zu sem scheinen, die aber doch nicht so fein sind, um bestimmen zu können, worauf der eigenartige Geschmack der einzelnen Stoffe beruht, und dasselbe ist mit unserem Geruchsinn der Fall. Daß die Eigenschaften der Körper, die wir durch

unseren Geruch oder unseren Geschmack wahrnehmen, ein | tiefes Geheimniß bedeuten, kann an einem Beispiel leicht gezeigt werden. Terpentin und Rosenöl haben eine völlig gleiche chemische Zusammensetzung wie auch viele der übrigen sogenannten essenziellen Oele, das heißt, die Art und die verhültnißmäßige Menge der Elemente, aus denen sie be­stehen, ist dieselbe. Nun wird doch aber wahrscheinlich Niemand nur einen Augenblick daran zweifeln wollen, daß der Geruch von Rosenöl mit dem von Terpentin garnicht zu vergleichen ist. In der Komposition dieser Stoffe aus ihren Grundstoffen kann demnach die physikalische Eigenschaft eines bestimmten Geruchs nicht begründet sem. Die moderne Chemie ist vielmehr geneigt, die Entstehung eines bestimmten Geruchs oder Geschmacks an einem Stoff aus erner eigen- thümlichen Anordnung der einzelnen Atome zu erklären. Mil anderen Worten: die zusammensetzenden Grundstoffe bleiben dieselben, aber sie sind sozusagen bei den verschiede,>en Körpern in eine verschiedene Stellung zu einander gebracht, sodaß, trotz einer gleichen chemischen Zusammensetzung, ver­schiedene physikalische Eigenschaften entstehen Als, er­klärender Vergleich könnte die triviale Thatsache angesnhrt werden, daß aus einer bestimmten Menge von Baumaterial, also aus einer festgesetzten Zahl von Ziegelsteinen und Brettern rc., einerseits ein höchst plumper und schwerfälliger, andererseits rin künstlerischer und zierlicher Bau zusammen- gefügt werden kann. Ebenso ist es auch denkbar, daß atw denselben Stoffen zwei chemische Körper gusammengesetzt werden können, von denen der eine süß, der andere bitter ist. Zucker ist nun nicht der einzige bekannte Stoff, der die

Eigenschaft besitzl, suß zu schmecken, aber allerdings der einzige dieser Art, der in der Natur vorkommt. Daher findet man auch den Glauben weit verbreitet, daß ein Stoff Zucker enthalten muß, wenn er süß schmeckt, diese Annahme ist aber gänzlich irrig. Glycerin ist süß, enthält aber keinen Zucker, Saccharin ist 500 Mal süßer als Rohrzucker und doch ein besonderer chemischer Körper ohne eine Spur von Zucker in seiner Zusammensetzung. Immerhin ist es wahr­scheinlich, daß trotz der chemischen Verschiedenheit in dem Aufbau dieser Körper eine gewisse Aehnlichkeit besteht, in­dem eben die Atome, die kleinsten Theilchen, die den ganzen Stoff bilden, verschieden zu einander gestellt sind und in einer besonderen Gruppirung dem Körper eben die Eigen­schaft der Süßigkeit geben. Einen gewissen Anhalt zur Bestätigung dieser Theorie hat die Forschung auch bereits gegeben. Im Glycerin nämlich sind die Atome des

Kohlenstoffs zu je drei gruppirt und m allen übrigen Stoffen von süßem Geschmack tn .solche

Gruppen, die ein gerades Vielfaches der Zahl drei dar- stellen, so in Traubenzucker und in Saccharin zu je sechs, im Rohrzucker, Milchzucker und Malzzucker zu je zwölf. Diese Thatsache steht möglicher Weise rm Zusammenhang mit der physikalischen Eigenschaft der Süßigkeit, die jenen Stoffen gemeinsam ist. Die Anordnung der Atome in einen Körper ist ivahrscheinlich überhaupt von grundlegender ungeheurer Bedeutung, denn sonst wäre die Thatsache gar nicht zu erklären, daß von zwei Stoffen, die genau dieselbe chemische Zusammensetzung haben, der eine ganz harmlos ist. und der andere ein furchtbares Gikt. , Vr. T.