Einzelbild herunterladen
 

Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe». — Beziigs-PrciS: durch den Verlag So Pfg. monatlich, durch die Post L Mk. «« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

Abonnenten.

«lnzetgen-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 1-, Pfg., für auswärtige «zeigen 25 Pfg. - Reclamr» die Petitzcile für Wiesbaden 50 Pfa. für Auswärts 75 Pfg.

Morgen ■Ausgabe

(Nachdnick verboten.)

DeutscheAckerlianKolonleen in Argentinien.

Von Nr. Althoff.

Der harte Kampf um das Dasein oder kaufmännischer Unternehmungsgeist treiben alljährlich viele Tausende von Deutschen aus den engen Grenzen des Vaterlandes hinaus in die weite Welt, um in der Ferne eine neue, bessere Hci- math zu suchen. Hat auch die überseeische Ansloanderung in den letzten Jahren im Verhältniß zur Zunahme der Be­völkerung etwas nachgelassen, so belief sich immerhin noch die Zahl der Auswanderer nach den Zusammenstellungen des Kaiserlichen Statistischen Amts in Berlin in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres — weitere Nachweisungen «egen noch nicht vor — auf 11,544 Personen. Wie aus der angegebenen Statistik ersichtlich, stellten die größte Zahl der Auswanderer die Provinzen Posen, Brandenburg und Hannover, also Landestheile mit überwiegend ackerbau­treibender Bevölkerung. Für die bäuerliche Änswanderung kommen unsere eigenen Kolonieen und Schutzgebiete vorerst noch nicht inVetracht, einestheils, weil sie nach ihren geologischen und klimatischen Verhältnissen sich nur theilwcise zur land- wirthschaftlichen Besiedelung eignen, andcrentheils, weil leider noch oft ein unbegründetes Mißtrauen die auswanderungs­lustigen Deutschen im Mutterland abhält, ihr Glück in den deutschen Kolonieen zu versuchen. In Nord-Amerika be­ginnen sich erklärlicher Weise die Ansiedelungsverhältnisse allmählich immer schwieriger zu gestalten, nachdem es bisher Jahrzehnts lang das gelobte Land aller Auswanderer ge­wesen ist. Dagegen lenkt sich der Strom der Auswanderung mehr und mehr nach Süd-Amerika, wo noch viel jung­fräulicher Boden der Ausschließung harrt. Eine große Zahl von Deutschen hat hier schon ihre zweite Heimath gefunden, und deutsche Sprache, deutsche Sitten und Gebräuche und deutsche Kulturarbeit begrüßen vielerorts den Reisenden. Namentlich in der brasilianischen Provinz Rio Grande do Sul sind ganz deutsche Städte und Dörfer entstanden, z. V. Blumenan, Hamburgerberg rc., und meilenweit kann man hier über Land reiten, ohne eine andere Sprache als die deutsche reden zu hören.

Weniger bekannt dürfte es sein, daß auch Argentinien eine Reihe von deutschen Ackerbankolonieen besitzt. Sie unterscheiden sich zwar von denen in Brasilien sehr erheblich darin, daß sie nicht, wie jene, ausschließlich von Deutschen besiedelt sind, sondern daß regelmäßig auch eine Zahl von französischen, italienischen und russischen Kolonisten zu ihnen gehört. Gleichwohl ist die Gewohnheit, einige Kolonieen hier in Argentinien als „deutsche" zu bezeichnen, insofern nicht unbegründet, weil in ihnen thatsächlich das deutsche Element übermiegt nnd deutsche Sitte und Eigenart diesen Kolonieen eine» bestimmten Charakter aufprägt.

Solche Kolonieen finden sich fast ausschließlich in der argentinischen Provinz Santa-F6, der eigentlichen Korn­kammer Süd-Amerikas. Diese Provinz hatte nach dem

letzten Ackcrbaucensus von 1895 eine Anbaufläche von

1.031.000 Hektar, während die sonst für den Kornbau Süd- Amerikas in Betracht kommenden Provinzen Buenos-Aires, Entre-Rios und Cordoba Anbauflächen von nur 367 400

292.000 und 294,000 Hektar aufmeisen können. Ein nicht unbeträchtlicher Theil dieser Anbaufläche Santa-Fos ist durch deutsche Kulturarbeit aufgeschlossen worden. Im viahre 1856 wurde hier die Ackerbaukolonie Esperanza ge­gründet mit einem Flächenraum von 11,378 Hektar Mit dem Aufblühen der Landwirthschaft folgten bald andere deutsche Kolonieen, von denen hier namentlich Humboldt mit 14,984 Hektar, Grntly mit 13,500 Hektar und San Carlos mit 23,630 Hektar zu rünnen wären. Wenn auch dem räumlichen Ilmfang nach die kleinste unter den genannten, ist doch Esperanza die bedeutendste deutsche Ackerbaukolonie geblieben.

Man erreicht Esperanza von der Provinzialhauptstadt Santa-^ö de la Vera Cruz ans in etwa einstündiger Eisen­bahnfahrt nach westlicher Richtung. Den Mittelpunkt der Kolonie bildet eine gleichnamige Stadt mit (1887) 2652 Ein­wohnern, während die Kolonie im Ganzen (1887) 4426 Ein­wohner zählte. Die Bewohner der Stadt werden „Plätzer" genannt im Gegensatz zu den aus dem „Kamp" wohnenden Kolonisten. Gut ‘fe bet gesammten Bevölkerung sind deutscher Abstamninng, wobei allerdings zu bemerken ist, daß die deutsch redenden Schweizer den Deutschen zngezählt werden, während man die französisch sprechenden Schweizer als Franzosen zu bezeichnen pflegt.

In der Stadt befinden sich die verschiedenen Geschäfte und industriellen Anlagen, welche mit der Landwirthschaft im Zusamnicnhang stehen. Besonders erwähnenswerth ist, außer niehreren großen Dampfmühlen, eine umfangreiche Eisengießerei in deutschen Händen, von der jährlich viele Hunderte der hier gebräuchlichen zweischarigen Eisenpflüge, eisernen Eggen und Breitsämaschinen fertiggestellt werden.

Auch den Mittelpunkt des geistigen nnd geselligen Lebens der Kolonie bildet die Stadt. Hier finden wir eine große deutsch-protestantische Kirche mit einfacher, aber sehr ge­fälliger Ei'.lrichtung. Sie erfreut sich eines regen Besuchs. Beim Gollesdicnst versieht ein Kolonist unentgeltlich die Dienste des Organisten, und sogar ei» Kirchcnchor dient zur Erbauung der Gemeinde. Auch eine deutsche Privatschule findet sich am Ort neben verschiedenen öffentlichen Volks- chulen. — Dem geselligen Leben der Deutschen in der Kolonie dient das „Deutsche VereinshauS". Es ist ein großes einstöckiges Gebäude an der Hauptstraße, dessen Auf­schrift schon von Weitem dem Fremden das lleberwiegen dcs^dcutschcn Elements in der Kolonie und den Zusammen­halt der Deutschen ankündigt. Den Hauptthcil deL Gebäudes bildet ein großer Saal, ausgeschmiickt mit den Büsten der drei deutschen Kaiser, einem Bilde Bismarcks und ver­schiedenen patriotischen Bildern. Die Fahne des deutschen Vereins wird hier im Glasschrank verwahrt. Der Verein besitzt sogar eigene Gesangbücher und eine eigene Bibliothek. Hier findet auch jeder Deutsche bequemes Nachtquartier und gute Verpflegung nach deutscher Art.

Vom Thurme der protestantischen Kirche genießt man

einen herrlichen Rundblick über die Ortschaft und seine Umgebung. Schnurgerade, breite Straßen bilden regel­mäßige Häuservierccke. In der Mitte liegt die „Plaza" ein mit schattenspendenden Bäumen bepflanzter Rasenplatz' in dessen Mitte die Kapelle des Städtchens Abends musizirt und auf dem die Eüiwohnerschaft, ,,«I puoblo" namentlich die Damenwelt, nach des Tages Last und Hitze ihren abend­lichen Spaziergang macht. Am Hauptplatz liegen die beiden Kirchen des Orts, außer der protestantischen noch die Jesuitenkirche, und das Rachhaus. — Die Häuser sind nach andalusischer Art gebaut, also sämmtlich nur einstöckig mit geringer Front nach der Straße, aber mit einen,'sehr schönen Hofe und großem Garten. Diese Bauart entspricht den klimatischen Verhältnissen am besten und ist daher auch von den Deutschen angenomnien morden. So zieht sich die Stadt sehr weit hin, in ihrer Regelmäßigkeit nur ab nnd zu durch eine Fabrikanlage unterbrochen. Während die Stadt im Acußercn vollkommen den Charakter jeder anderen südamerikanischen Stadt zeigt, gewährt schon der erste Blick auf die Umgebung der Stadt eine bedeutsame charakteristische Verschiedenheit.

Aus Kindt nnd §nnd.

Wiesbaden. 3t. Mai.

- Geschick,tslnrlender. 31. Mai. 1878: Untergang des „Großen Kurfürsten" bei Folkestone. 1849: Niederlage der Dänen bei AarhuS. 1838: »Karl Keil, der Schöpfer des Bremenser Kriegerdenkmals 1817: * Georg Herwegh zu Stuttgart, politischer 1809: f .jofepl) £mt)b,t zu Wien, einer der bedeutendsten Tondichter. 1809: Einnahme von Stralsund durch Holländer und Danen. Ferdinand v Schill findet den.Heldentod. 1756: »James Currre, Erfinder der Kaltivasserkur. 1750: * Karl v. Hardenberg M Esscnroda m Hannover 1740: f Friedrich Wilhelm 7., König von breußeii, zu Potsdam. Thronbesteigung Friedrich des Großen. 1689 : Zerstörung von Oppenheim a. Rh. durch die Raubschaaren Ludwigs XIV. 1664: * Kardinal Alberoni, berühmter spanischer Staalsinuiistcr. " '°

— Der Kurllm-s-A,«. Ein glücklicher Zufall hat es gewallt daß vor Kurzem Herr Wilhelm Bö ckinann, K. Banrath, Mit­glied der weltbelannten Baufirma Ende & Böckmann, u. 31. bekannt durch die glückliche Durchführung der Umgestaltung des zoologischen Gartens in Berlin, eine Badekur in Wiesbaden durchmachte, und daß es hiesigen Bürgern gelang, ihn für die Frage: „Wie kommen wir zu einem neuen Kurhaus?" zu iutercssiren. Bald hatte Herr Böckmann den Kern der Frage erfaßt, und die Vorschläge, die er in maßgebenden Kreisen andentete, fanden so entschieden Beifall, daß sich derselbe bereit finden ließ, seine hier in Wiesbaden schnell gefer­tigten Skizzen in einer Broschüre zusauuneu zu fassen nnd zu erläutern. Exemplare, als Mannscript gedruckt, sind zunächst den, Magistrat, den Stadtverordneten, sowie einigen Herren Architekten, mit denen der Verfasser in Wiesbaden über die Sache verhandelt hatte, zu­gänglich gemacht worden. Eine Anzahl Abzüge davon wurden aber anch dem Comitö für das neue Schillcrdcnkmal zum Geschenk ge­macht, die diese demnächst durch den Buchhandel zu», Verkauf bringen wird. Wir hatten Gelegenheit. Einsicht in die geschmack­voll ausgestattete, übersichtliche Abhandlung zu nehmen, der ein Sitnationsplan, eine perspektivische Ansicht und Zeichiiiiiigeu für Provisorium, für Ober- und Untergeschoß beigegcben ist. Wir theilen daraus vorläufig Folgendes mit: Der Verfasser stellt an

(Nachdruck verboten.)

Astronom. Erscheinungen im Juni 1900.

Der Name des nenen Monats hängt mit dem lateinischen jnvare (----helfen) zusammen. Der Juni ist der Mona», der dem Getreide zum Gedeihen verhilft. „Im April gehen die Halme ans, im Mai wachsen sie und im Juni gedeihen sie. Die alte Bezeichnung für Juni war Brachmonal. Die Sonne, heute von uns 20.252,000 Meilen entfernt, gelangt am Spätabend des 21. ins Zeichen des Krebses. Damit nimmt der astronomische oder kalendermüßige Sommer seinen Anfang. Der längste Tag und die kürzeste Nacht des ganzen Jahres sind gegeben. Die Sonne steht am 1. Mittags 12 Uhr für Wiesbaden 61° 50' 6", am 21. dagegen 63° 12' 42" hoch über dem Südpunkte des Horizonts. Die Zeitgleichung beträgt am 1. — 2 Min. 27 Sek., am 11. — 0 Min. 42 Sek., am 21. -j- 1 Min. 25 Sek. und am 30. -j- 3 Min. 21 Sek. — Der Mond ist Vollmond am 13., Neumond am 27. Er steht in Erd­ferne am 5., in Erdnähe am 19. Auf den 13. füllt eine Mvndfinsterniß, die indessen überaus unbedeutend ist.

Von Planeten kann zunächst Venus gesehen werden. Sie steht am westnordwestlichen Himmel, leuchtet zu Anfang des Monats noch im höchste» Glanz, ist aber nach vier Wochen nicht mehr sichtbar. Als Abendstern hat sie uns seit dem Dezember v. I. geschienen; als Morgenstern wird sie uns in der zweiten Hälfte des Juli mit ihrem strahlenden Licht erfreuen. Nach einer langen Rast erhebt sich gegen Ende des Juni des Morgens im NO. der röthliche Mars. Er wird von da an früher und immer früher aufgehen. Sehr günstig wird er im koiilmenden Herbst und Winter zu beobachten sein. Jupiter, der größte Planet, ist in den nächsten vierzehn Tagen noch die ganze Nacht hindurch zu scheu; am E,»de des Monats geht er schon vor Tages­

anbruch im SW. zur Rüste. Seine vier größeren Monde sind schon im Feldstecher gut zu beobachten. Saturn kann bis zum 23. bis gegen Morgen, hierauf die ganze Nacht hindurch benierkt werden. Die große Achse seines schon in einem mäßigen Fernrohr sichtbaren Ringgebildcs erscheint 2,251-mal so groß als die kleine. Der in grünlichem Licht schimmernde Uranus, der mit unbewaffneten Angen schwer zu finden ist, erhebt sich gegen Mitternacht im 880. — In Mond nähe befinden sich Jupiter am 11., Saturn am 13. und Uranus am 14.

Wir betrachten den F i x ster nh i m m e l der Dämmerungs- Verhältnisse wegen in einer spüteren Abendstunde als sonst. Er gemährt am 1. um 11'/-, am 15. um 10'/- und am 30. um 9'/- Uhr das gleiche Bild. Auf der westlichen Hälfte steht hoch über uns das Bild der Krone, die einen gegenwärtig nach N. zu offenen Halbkreis bildet. Dieser, das Diadem der Ariadne, besteht aus acht Sternen, deren hellster Gemma genannt wird. Westlich von ihr erblicken wir das Bild des Bootes mit dem röthlichcn Arkturus. Südwestlich davon erkennt nian im Bilde der Jungfrau die in weißlichem Lichte funkelnde Spi ka. Der leicht zu findende Große Himmelswagen, der sich wie der Kleine- Wagen rückmärts um den Nordpol des Himmels bewegt und die Deichsel nachzieht, verfolgt zur Zeit eine nörd­liche Richtung. Westlich von ihm sendet Regulus im Löwen sein bläulich weißes Licht zu uns herauf. Tief am nordwestlichen Himmelsrande verabschieden sich die Zwillinge Kastor und der hellere Pollux, während im N. die in gelblichem Lichte funkelnde Kapella im Fuhr­mann uns mit ihren Strahlen erfreut. — Ans der Ost- hülfte des Himmels schimmert tief im 8. der düstervolle Antares im Skorpion. Ares ist die griechische Bezeichnung für Mars; „Antares" sagt uns daher, der Stern sei an Farbe dem Mars vergleichbar. Ziemlich über nns, nur ein

wenig östlich, flammt die bläulichivciße Wcga in der Leier. Zwischen ihr und der oben besprochenen Krone dehnt sich das mächtige Bild des Herkules aus. Südöstlich von der Wega, hart am östlichen Zweige der Milchstraße, die im N. emporsteigt, sich bei dem ziemlich hellen Sterne Dencb im Schwane» gabelt und in. Ganzen eine südliche Richtung verfolgt, flackert Atair in, Adler. Dieser Stern bildet mit Dcneb und Wega so ziemlich ein glcichschenkeliges Dreieck mit der Spitze im Atair. In der Nähe des letzteren erkennen wir das kleine Bild des Delphin, dessen fünf Sternchen scheinbar dicht bei einander stehen' Im NO. begrüßen wir dieKassiopeja, an die sich weiter nordöstlich die Andromeda lehnt. Jene leitet südwestlich zum Polarstern. Er hat seinen Stand so ziemlich in der Mitte zwischen Mizar, dem hellsten Sterne in der Dcichiel des Gr. Wagens, und dem mittlere» Sterne der Kassiopeja und ist jetzt 1° 13,4'vom Nordpol des Himmels entfernt. — Au Sternen 1. Größe sind gleichzeitig acht sichtbar: Antares, Arkturus. Atair, Kapella, Pollux, Regulus, Spika und Wega.

Der Durchgang durch die obere Mittagslinie vollzieht sich in der Nacht des 1. bei Spika 8 Uhr 52 Min. Abends Arkturus 9 Uhr 43 Min., Gemma 11 Uhr 2 Min., Antares 11 Uhr 55 Min., Wega 2 Uhr 9 Min. Früh. Durch die untere Biittagslinie ziehen in derselben Nacht der Polarstern 8 Uhr 52 Min. Abends und Kapella 12 Uhr 45 Min. Früh. In jeder nächste» Nacht erfolgen Aufgang. Durch­gang und Untergang der Fixsterne um 3,93, also fast 4 Minuten früher.

Sternschnuppen pflegen im Juni anszugehe» am 7. vom Skorpion, an, 13. und 20. vom Cepheus, am 15. vom Schwan und Herkules und am 26. von der Andromeda Das weniger bekannte Bild des Cepheus befindet sich am 1. Abends 11'/- Uhr gerade östlich vom Polarstern, dicht am Westrande der Milchstraße. vr 1t