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Wiksbs-eilkr Tsabtstt.

*8. Jahrga,,«.

Erscheint in zwei SlnS-nbcn. — Bezugs PrciS: durch den Verlag L« Pfg. monatlich, durch die Post * Ml. BO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgabe» zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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Mo. 246.

Fernsprecher No. 52.

Dienstag, den 29. Mai.

Für die Aufnahme später eiugereichtcr Anzeigen zur

Fernsprecher Wo. 62. 1906.

Morgen-Ausgabe.

Politisches aus England.

Unser Londoner n-Korrespondcnt schreibt uns unterm 26. Mai: Wenn die Negierung noch einen Zweifel bezüglich der Popularität ihrer Politik hegen konnte, so dürfte derselbe nun­mehr geschwunden sei». In dieser Woche fanden nämlich zwei Nachwahlen, die eine auf der Insel Wight und die andere in Manchester, statt, die beide in der überraschendsten Weise zu Gunsten der Unionistcn verliefen. Namentlich letzterer Platz war von ganz besonderer Wichtigkeit, da er bisher stets als eine der Hauptvestcn der liberalen Partei galt. In 1895 veranlagte es unter den Unionistcn ungeheueren Jnbel, als einer ihrer Kandidaten, der Marquis v. Lorne. in dem Wahlbezirk von Süd-Manchester mit 7°8 Stimmen den Sieg über seinen liberalen Gegner davon­trug. Anläßlich des Todes seines Vaters, des Herzogs von Argyll, dessen Rechtsnachfolger er ist, mußte er seinen Sitz im Hause der Gemeinen mit einem in dem der Lords ver­tauschen, und daher die Nachwahl. Der neue nnionistische Kandidat siegte gestern mit der Ungeheuern Mehrheit von 2039 Stimmen. Es ist das ein schwerer Schlag für die Liberalen und läßt es außer Frage erscheinen, daß nach den kommenden Gemeindewahlen nur noch einige wenige Trümmer der einst so hervorragenden Partei in das Unterhaus znrüekkehren werden. Wie das neue Parlamentsmitglied Mr. Peel in einer unmittelbar nach der Wahl an die versammelten Volksmassen gerichteten Ansprache selber erklärte, verdankte er seinen Erfolg der Begeisterung, die er für die südafrikanische Politik der Regierung an den Tag legte. Es dürfte das wenigstens noch ein Trost für die den Krieg mißbilligenden Liberalen sein, doch muß es auf der anderen Seite eigentlich auch ihr Vertrauen in die Intelligenz des Volkes erschüttern, dem einen immer größeren und direkteren Antheil an der Gestaltung seines eigenen Geschickes zu sichern sie doch unablässig bemüht sind. Im innersten Herzen werden wohl nun viele von ihnen zu der Einsicht gelangen, daß sie es eben nur mit dem großen Dmnmkopf mit dem Namen „man" zu thun haben, der bereitwilligst nach der Pfeife Derer tanzt, die nicht etwa seine edelsten Regungen, sondern seine niedrigsten Leidenschaften zu erregen verstehen. Keine Lüge ist für ihn zu durchsichtig, kein politischer Charlatan zu er­bärmlich. Er hat Blut gerochen, und es gilt, seinem rohe», viehischen Uebergewichte Geltung zu verschaffen. Kein einziger der s rgenannten Patrioten denkt daran, die Gerechtigkeit der englischen Sache auch nur einen Augenblick ernstlich zu er­wägen, und für Diejenigen, die etwa ehedem einige Bedenken hegten, weil sie nicht recht einsehen mochten, weshalb die ganze britische Nation wie eine wilde Mente auf das kleine brave Burenvolk gehetzt werden sollte, erfand man die

i Mär von den finsteren Plänen der 30,000 schlichten Bauern zur Zerstörung des englischen Niesenreiches. Die hiesige Presse spricht jetzt äußerst zuversichtlich über das un­mittelbare Ende des Krieges und endlichen Frieden für Südafrika. Und dennoch ivird der Friede daselbst nicht mit dem Jubel über irgend eine ausschlaggebende Niederlage der Buren kommen. Kehrt er überhaupt jemals ein, dann wird es erst nach vielen Jahren englischer Militärherrschaft und theilwciser Ausrottung des Holländer-Elementes ge­schehen. Patriotische Hoffnungen treiben, wie religiöse Zuversicht i», Falle von Individuen, in Drang­perioden unter Völkern oftmals die tiefsten Wurzeln. Darum führen zum Beispiel die Filipinos den grausamen ungleichen Kampf gegen die Amerikaner unermüdct fort. Vielleicht werden auch die Buren dasselbe thun, wenn ihre Regierung längst verschwunden und ihr Land aunektirt ist. Die beste Garantie für den Fortbestand eines Reiches bildet die Harmonie, die Zufriedenheit seiner einzelnen Theile. Ob die Transvaaler und Freistaatler wohl je unter der englischen Herrschaft zufrieden sein und diesen schändlichen Krieg vergessen werden? Wohl kaum, denn selbst die Holländer der Kapkolonie blieben stets Fremde im britischen Reiche.

Aus Stützt nutz Kund.

Wiesbaden, 29. Mai.

Lshrer-Wlttwen- sind Waisenkaffc.

Wir erhalten folgende Zuschrift: In dem Bericht des „Wies­badener Taablatt" über die letzte Stadtvcrorduetensitzuug ist mit- gctheilt, daß sich die Stadt Wiesbaden der neu zu gründenden Bezirks-Wittwen- und Waifenkasse für die Hinterbliebenen der Lebrcr an öffentlichen Volksschulen angeschlosscn habe. Die Auf­fassung der Verhandlung Seitens eines anderen hiesigen Bericht­erstatters ist zwar gerade die entgegengesetzte, doch geht aus seinen ferneren Ausführungen für de» Kundigen hervor, das; nicht er, sondern der „Tagblatt"-Berichterstatter Recht hat. An der Be­handlung des Gegenstandes »mjj Einzelnes in Erstaunen versetzen, was nicht ganz mit Stillschweigen übergangen zu werden verdient. Zunächst fällt das Schweigen des Herrn Stadlvcrordnctcn-Vorstehers auf, der als Mitglied der Schnldepntation doch die beste Gelegenheit hatte, bei den grundlegenden Verhandlungen die Interessen der Stadtverordneten zu vertreten. Die Auskunft, die Frist sei zu rechtzeitigen Verhandlungen zu kurz gclvescn, muß den alten Wunsch der Lehrerschaft nach einem Vertreter aus ihren eigenen Reiheli in der Schnldepntation aufs Nene Hervorrufen; ohne Zweifel würde ein solcher vom 4. Dezember bis zum 12. Mai, also in 5 Monaten und 8 Tagen genügend Zeit gefunden haben, sich mit der Materie zu befassen. „Eine frühere Vorlage würde materiell an der Sache nichts geändert haben", und da auf diese Weise das Materielle so vollständig bei Seite geschoben ist, so bleibt das Ideale der Angelegenheit nichtsdestoweniger bestehen. Die Schuldeputationen der größeren Städte — auch die der unseren — wachen sonst bei jeder Gelegen­heit ängstlich darüber, daß ihr eigener Einfluß auf die Gestaltung des städtischen Schulwesens nicht durch den Staat beeinträchtigt werde; in diesem Falle hat man sich die Gelegenheit entgehen lassen, diese Gesinnung zu bethätige». Eine ideale Seite hat die Sache aber ganz besonders für die Lehrerschaft. Die neue Kasse ist so viel

ungünstiger, als die alte »afsauiiche vom Jahre 1819, daß von den etwa 1800 Lehrern unseres Regierungsbezirks iveit über 100 cs vor- zogen, trotz niateriellcr Opfer in der alten Kaffe zu verbleiben. In Wiesbaden wird kaum der vierte Thcil der Lehrerschaft in die neue Kasse eingctretc» sein. Z» diesen beiden Kassen tritt nun in nächster Zeit noch eine dritte, welche die Stadt trotz ihres jüngsten Beschlusses nun doch in allernächster Zeit gründen muß. Der Um­stand, das; die alte Pensionskasse keine neueiiitretenden Mitglieder mehr ausnimmt, und der fernere, das; die Lehrer an den Mittelschulen von der neue» Kasse ausgeschlossen sind, niacht eine städtische Kaffengrnndnng nothwendia. sobald die erste Versetzung eine« Lehrers von der Volksschule au die Mittelschule, die Vorschule oder die höhere Mädchenschule stattfindet. Nun gicbt sich die Lehrerschaft wohl kaum dem Gedanken hin, daß eine städtische Wittlven- und Waisenkasse für sie günstiger gcivordcn wäre, als es die neue staatliche ist, doch dürfte der Wunsch begreiflich sein, daß in dem Punkte der Hmtcrblicbenen-Vcrsorgung die Lehrerschaft nicht in drei Lager gespalten tverde, wie das nun geschehe» ist. Besonders befremden aber muß der Beschluß der Schnldepntation, wenn man bedenkt, daß durch eine eigene Kassengrnndnng — ohne materielle Opfer, wie sie selbst eingcsteht — den Lehrern an den Mittelschule» eine schwere pekuniäre Last abgenommen worden wäre. Müssen diese doch den bisher gezahlten Beitrag — bis zu 108 Mk. für Lehrer, bis 129 Mk. jährlich für Rektoren — nun wohl bis an ihr Lebens­ende weiter entrichte». _

— Geschick,tat,„lende»-. 29.Mai. 1897: ch Prof. v,-. Julius v. Sachs in Würzbnrg, einer der hervorragendsten Botaniker. 1871: Beendigung des Konnnune-Anfstandcs in Paris. 1846: * Albert Georg Graf Apponyi, hervorragender ungarischer Politiker. 1630: * Karl II., König von Großbritannien. 1588: Anslans der span. Armada gegen England von Lissabon ans. 1453: Eroberung Konstantinopels durch Mohammed II. 1176: Sieg der Lombarden über Kaiser Friedrich I. bei Liegnano.

— Uclier eine schneidige Radlertour dev Heinrich von Preuße» wird aus Darmstndt Folgendes ge­meldet: Bald nach seiner Ankunft bei seiner Mutter, der Kaiserin Friedrich, ans Schloß Friedrichsbof bei Cronberg reifte in dem Prinzen Heinrich der lebhafte Wunsch, bei dieser Gelegenheit auch seine hessischen Verwandten auf ihrem Jagdschlößchen Wolfsgarten zu besuchen. Ilm dabei auch seinem Licblingssport, dem Radfahren, huldigen zu könne», bestieg der Prinz eines schönen Vormittags ein Stahlroß und fuhr, nur von feinem Adjutanten, dem Kapitän- entnant Müller, begleitet, von Friedrichshos über Frankfurt a. M. durch die schönen hessischen Wälder seinem Ziele zu. Da den großherzoglich hessischen Herrschaften der beabsichligte Ausflug ihres hohen Verwandten absichtlich nicht genielbet worden war, so hatten sie, wie gewöhnlich, mit ihrem Gefolge bereits im Speisesaal Platz genommen, als plötzlich die Thür anfsprang und ohne jede An­meldung Prinz Heinnch nebst Begleiter auf seinen auf das Freudigste überraschten Schwager mit den Worten zneilte: „Habt Ihr für uns auch noch etwas übrig?" Nach herzlicher Begrüßung stärkten sich die beiden Radfahrer nach Kräften und fuhren »ach mehr­stündigem Aufenthalt auf demselben Wege wieder nach Friedrichs­hof zurück.

— Lorrley-Kergfest. Wir tragen dem Bericht über dieses Fest des „Turngans Süd-Nassau" noch Folgendes nach: 85 Wett­turner wetteiferten int Weitsprung, Hochsprnng und Schlcuderball- werfen um den SiegcSkranz. Die in diesem Jahre erreichten Höchst­leistungen betrugen im Wcitsprnng5,80 m (Karl Bruns-NndcShcim), im Schlciiderballwerfen 360- »> (Adolf Stattmann-Hochheim >md Schüler Fr. Bergmann-St. Goarshausen), im Hochsprnng 1,55 iu (Schüler H. Schiichter-St. Goarshausen). Das Ergebnis; des Wett- turncns war: I. Preis mit 21‘/ 2 Punkten G. Derstroff, T.-G.- Winkel, 2. Preis Karl Faust-Johaunisbcra, H. Kleber-Biebrich und | A. Staltniaiin-Hochheim, 3. Preis Jos. Günther-Winkel, 4. Preis

(Nachdruck verboten.)

StreMge durch die Pariser Wellnnsstellnng.

Von Pont Lindeuverg.

VII.

Die Nicolans-Avenue. — Ihre Velde»» Paläste. — Das Kleine PalaiS. — Erinnerungen früherer Zeiten. — Die Leistungen des fra»»zöstsä»en Kunstgcwcrbes. — Der Ge­schmack »es Mittelalters. - Wachsen des Luxus. — Von Ludwig XIV. bis Ludwig XVI. und Marie Antoinette.

Zu den schönsten Theilen der an malerischen Anblicken so reichen Ausstellung gehört die neugeschaffcne, breite Nicolaus-Avenue, die dem russischen Kaiser zu Ehren ge­tauft wurde und die eine bequeme Verbindung herstellt zwischen den Champs-Elysees und dem Juvalidendom über die prachtpolle Alexanderbrücke. Der Eindruck, den mau an einem sonnenfröhlichen Tage gewinnt, wenn man die Avenue von den Champs-Elysees her betritt, ist ein ganz berückender; von bun­testem, wechselndstem Leben und Treiben ist diese gewaltige Allee erfüllt, die mit schönen, erfrischenden Eartcnanlagen, mit hochragenden Palmen, mit blühenden Fliedergebüschen und rauschenden Springbrunnen geschmückt ist, zwischen und vor denen erlesene Kunstwerke und zahllose Ruhebänke Platz gefunden; rechts erhebt sich in weitgestrcckten stolzen Formen das Große, links das zierlich-reizvolle Kleine Palais, beide in gelblich-leuchtendem Sandstein aufgcführt und mit reichster bildnerischer Zier versehen; zwischen ihnen schweifen die Augen hin zu der prunkend gestalteten Alexander-Brücke und der hinter ihr sich öffnenden weißen Palaststraße der Jn- validen-Esplanade, die ihren wirkungsvollen Abschluß erhält durch das altersgraue, massige Jnvalidenhaus mit der niächtigen goldglänzenden Kuppel über dem Dom, in welchem die sterblichen Reste des ersten Napoleon ruhen!

Mit Aufwendung aller nur zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte, mit Zurhülfenahnie der Nächte wurden die Jnnenräume der beiden erwähnten Palais derart gefördert, daß vor Kurzem durch den Präsidenten Loubet die Eröffnung stattfinden konnte. Man halte viel erwartet von diesen Glanzstücken der Ausstellung, aber als man an jenem ersten Tage diese Säle, diese Hallen und Gallerieen durchwanderte,

da wurden doch die weitestgehenden Hoffnungen noch übcr- troffen, und der Stolz der Pariser auf diese beiden, aus edelstem Material und unter glücklichster Unterstützung der schönen Künste errichteten Palais, welche die Weltausstellung überdauern, sowie ihren überaus reichen Inhalt, wie ihn kein anderes Volk, kein anderes Land der Erde bieten kann, ist ein durchaus gerechtfertigter.

Das Kleine Palais birgt geschichtliche, ans staatlichem und privalcm Besitz stammende Erinnerungen von der frühesten Zeit an, die kunstgewerblichen Arbeiten rc. des Mitielalters bis zum Beginn der ersten Revolution, das Große Palais zunächst die besten Werke der sranzösischen Malerei und Bildhauerkunst wie der verwandten Zweige von der Revolution an bis zur Gegenwart und die Kunst- Ausstellungen der frenlden Staaten, die sich bemühten, das Würdigste und Kennzeichnendste der ualionalen Kunst­richtungen zur Schau zu stellen — für den, der mir das leiseste Interesse für die Kunst hat, für die künstlerische Entwickelung des trotz aller politischen und socialen Um­wälzungen stets reichen, stets knuslfreudigen und kunst- schaffenden Frankreich, bietet ein Besuch der beiden Gebäude immer neue Anregung, immer neuen Genuß, und mit glück­bringender Bewunderung läßt man all das Große, Schöne, Erhebende auf sich einwirken, das hier in geschicktester Weise vereint worden ist.

Wenden wir uns zunächst dem Kleinen Palais zu, das, nach den Plänen GiranltS errichtet und 7000 Quadral- meter bedeckend, durch seine graziösen Formell erfreut; die Mitte bildet eine weite, von luftiger Kuppel gekrönte Thor­halle. deren.überdachtes Giebelfeld ein belebtes Hochrelief: „Paris, die Künste schützend", schmückt, während die zum Eingang führenden Treppenstufen von zwei anmulhigen Gruppen: „Flora mit ihren Kindern" und „Die Seine mit ihren Nebenflüssen" begrenzt werden. Zweiunddrcißig mit jonische» Kapilälen versehene Säulen, zwischen denen sich über den hohen Fenstern Reliefs mit Beziehung auf Knnst und Kunsthandwerk hinziehen, nnterbrechen die Vorderseite, die von je einem Pavillon abgeschlossen und oben durch eine leicht gehaltene Balustrade ge­

krönt wird. Von der Treppe ans gelangt man in den vornehmen Kuppelraum, dessen untere Wände mit buntem Marmor bekleidet, die oberen Fläcden aber weiß und reich ornamcnlirt sind, allegorische weibliche Gestalten stehen in de>: von Blattpflanzen umrahmten Nischen, in der Mitte hält auf seinem Schlachtroß ein Ritter in der Turnicr- rnstung Franz I. Wacht. Hinter diesem Eingangsraum liegt ein runder, von marmorner Säulenhalle umgebener Garlcii, um den zweifache, weiße, im Renaissance-Stil auSgeschmücktc Gallerieen gehe», welche spälcr Mnsenms- zwccken dienen werden; jetzt sind die Wandflüchcn zum Thcil mit den herrlichsten Gobelins bespannt, cs fehlt nirgends an Gebüschen wie Ruhesitzen, von den Fenstern der äußeren Gallerte blickt man überall ans die Garten- anlagcn draußen und deren Blumen- und Blüthenpracht.

In linker Richtung wandernd, treffen wir ans die Funde der gallisch-römischen Zeit, meist Gräbern entnommen, ans Waffen und Schmucksachen bestehend, unter letzteren viele goldene Arm- und Halsspangeu, gelegentlich mit Verwendung von Edelsteinen, die auch geschickt bei Haarnadeln und Ringen angebracht wurden, eine Sammlung von Glas- waarcn zeigt schöne Formen und zarten Schmelz, daneben fehlt's nicht an steingehanenen Götterbildern, denen die Be­wohner der einstigen Lutetia, deS heutigen Paris, ihre Ver­ehrung gezollt, hatte sich doch dort, wo jetzt die Notre Dame- Kirche steht, ein von den Seincschiffern errichteter Tempel des Jupiter erhoben, der ans Veranlassung des Tiberius entstanden. — Auf Jahrhunderte hinaus fehlt es dann an erhalten gebliebenen Erinuernngen ehemaliger Zeiten; während der Raubzüge der Normannen wurde mehrfach Paris eingeüschert, zerstört oder von schweren Seuchen und Hungersnölhen heimgesucht, und auch nur glücklichen Zufällen mag es zu danken sein, daß aus den Stürmen des X. und XI. Jahrhunderts jene hier aufbewahrlen Gewebe, Messing- sachcn, Holz- und Elfenbeinschnitzereien, Schmiedearbeiten gerettet wurden, schwerfällig in Gestaltung und Ausführung.

Dann, in den nächsten Jahrhunderten, tritt die Kirche beherrschend mit ihren Schätzen gnf, der Marien-Knltus und die Verehrung der Heiligen eifert Künstler und Kunst«