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48. Jahrgang.

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U,. 238.

Fernsprecher No. 58.

Mittwoch, den 23. Mai.

Fernsprecher No. 52.

18 ««.

Worfl«n.Au«flabe.

Die Pariser Meltaassteüung ans der Vogelperspektive.

Auf der Pariser Weltausstellung beginnt jetzt, nachdem die sümmtlichen Baulichkeiten wenigstens von außen einen fertigen Eindruck machen, der Besuch ein immer lebhafterer zu werden. In dem Innern all dieser Paläste ist freilich noch Vieles im Anfangsstadium befindlich; wir ziehen es daher vor, heute den Leser einen Blick aus der Vogel­perspektive auf die Aus­stellung werfen zu lassen.

Unsere Illustration giebt ein lebenswahres Bild aus luftiger Höhe, wir können alles Interessante übersehen.

Fangen wir im Vorder­gründe an, so erblicken wir zunächst auf dem rechten Seine-Ufer den monumen­talen Haupteingang; durch ihn gelangen wir alsbald zu dem Ausstellungsgebäude ' für historische Kunst, dem gegenüber der bei Weitem größere, stattliche Bau mit der permanenten Kunst­ausstellung liegt. Auf der zwischen beiden über die neue Alexanderbrücke führenden Avenue Nicolaus II. ge­langen wir zur Esplanade des Invalides, auf der linken Seineseite. Hier befinden sich die Ausstellungen für französische Manufaktur- waaren, Zimmerdekoralionen des In- und Auslandes, weiterhin für Bekleidung und eine Abtheilung des all­gemeinen Jndustriewesens.

Von der nächsten Brücke ab gewahren wir auf der linken Seite die Repräsen­tationsgebäude der fremden Nationen. Mit Italien beginnt die Reihe, es folgen: Türkei, die Vereinigten Staaten, Oesterreich, Ungarn, Bosnien und Herzegowina, England, Belgien, Norwegen, Deutschland, Spanien, Monaco, Schweden, Griechenland, Serbien, Mexiko, in der zweiten Reihe die kleineren Gebäude von Portugal, Peru, Persien, Luxemburg, Finnland, Bul­garien und Rumänien. Vis-a-vis hiervon, rechts der Seine, erhebt sich das stattliche Haus der Stadt Paris, unmittel­bar dahinter die Garten- und Ackerbauhalle. Kurz ehe wir zur Jenabrücke gelangen, passiren wir noch links die umfangreiche Abtheilung für Heer und Marine und rechts das malerische Alt-Paris. Von der Brücke aus haben wir zur rechten Hand den Trocadero mit der Kolonialausstellung, dem Aquarium, dem Amphitheater und den zahlreichen Ver­gnügungs-Etablissements. Wenden wir unsere Schritte nach

dem linken Ufer, so gelangen wir zur Hauptaussteüung, dem Champ de Mars. Als Entree hierzu dient uns der Eiffel- thurm, der Alles überragende. Noch weiter im Hintergrund bemerken wir den großen Himmelsglobus. In endloser Reihe fügen sich null zu beiden Seiten des stattlichen Platzes Palast an Palast. Links haben wir die Abtheilungen für Bergbau, Textilindustrie, Mechanik und Lebensmittel; rechts den großen Pavillon für Litteratur, Kunst und Wissenschaft, dann Verkehrsmittel und Brückenbau rc. Vor uns, am Ende des Marsfeldes, hat der große Elektricitätspalast seinen Platz gefunden. Ueberragt wird dieses stattliche

(Nachdruck verboten.)

Die Gewinnung des Salzes.

Je nach der Weise der Gewinnung unterscheidet man drei Arten des Kochsalzes: das Seesalz, das Steinsalz und das Quellsalz. Alles Salz aber, in welcher Form wir es auch vorfinden, verdanken wir dem Meere. Im Meerwasser sind ungefähr 3,4 Procent feste Stoffe enthalten, von denen der weitaus größte Theil, 2,6 bis 3 Procent, aus Kochsalz besteht. Es enthält so ein Kubikmeter Meerwasser ungefähr durchschnittlich 18 bis 31 Kilogramm des Salzes. Trotz dieses ungeheueren Vorraths, der im Meere sich uns bietet, wird doch nur ein kleiner Theil des Bedarfs in Europa aus dem Meerwasser gewonnen, da die dazu nöthigen Be­dingungen, flache Küstenbeschaffenheiten und warme, trockene Witterung, sich nicht überall finden. Immerhin bietet die Gewinnung des sogenannten Seesalzes an den Küsten Frankreichs, Spaniens. Italiens und anderer Länder einen beachtenswerthen Industriezweig.

Man läßt das Seewasser in die sogenannten Salzgärten, ein System größerer und kleinerer Behälter, eintreten. Zu­nächst setzen sich beim Stehen in großen, 1 bis 2 Meter tiefen Behältern die suspcntirten Stoffe ab; dann wird es in kleinere Behälter geleitet, wo bei weiterem Verdunsten des Wassers sich die am schwersten löslichen Stoffe, wie Gips und schwefelsaure Magnesia, ausscheiden, bis endlich in ganz kleinen Becken die Verdunstung vollendet wird und dabei die Auskrystallisation des Seesalzes vor sich geht. Die

Gebäude von dem Riesenrad, an welches sich an der äußersten Ecke der Ausstellung das Schweizerdorf mit seinen imitinen Alpen anschließt.

Srntsches Reich.

X Verbrecher von Keruf." Die Vorlage, betreffend die Zwangserziehung Minderjähriger, gab die Veranlassung zur Heran­ziehung all desjenigen Materials, das zur Aufklärung m der An­gelegenheit führen kann. Besonders geeignet erscheint dazu eine Statistik, welche auf Veranlassung des Ministeriums des Innern seit 1894 in Preußen über die pcriöniichen Verhältnisse derjenigen Zuchthausgesangenen geführt wird, die dreimal und öfter Freiheits­strafen erlitten haben. Hier bestätigt sich das Spruchwort nicht, daß gebrannte Kinder das Feuer scheuen, gab es doch unter den Insassen der Gefängnisse und Zuchthäuser im Zeitraum von drei Jahren nicht weniger denn 14,878, welche unter dieser Rubrik zu verzeichnen waren. Der Statistiker hat sich

nun unter Anderem damit befaßt, festzustcllen, wo diese Unglück­

lichen geboren und erzogen waren und da zeigten die einzelnen Provinzen des Reichs cm gar verschiedenes Bild. Vertheilt man dieselben gleichmäßig auf die Einwohnerzahl, so läßt sich ersehen, welche Provinzen über, welche unter die Durchschnittszahl fallen. Letztere wurde überstiegen von Ostpreußen mit 5,82, von West- prcußen mit 19,82, von Posen mit 39,65, von Berlin mit 70,99 und von Schlesien mit 75,70 pCt. Sämmtliche anderen Provinzen bleiben unter dem Durchschnitt zurück, am meisten Hannover mit 54,45, Westfalen mit 50,46 und Hessen-Nassau mit 47,20 pCt. Im Allgemeinen nimmt das „Berufsverbrecherthum"— von Berlin, das unter einem besonderen Gesichtspunkt zu betrachten wäre, ab­gesehen - von Osten nach Westen ab. d. h. je günstiger sich die Erwerbsverhältnisse gestalten und je intensiver die Schulbildung

betrieben wird, desto weniger rückfällige Verbrecher findet man. Freilich sagt mau „Brod ist Bildung", allein em sicheres Zeichen dafür, daß die Erwerbsverhältniffe allein den Menschen nicht bessern, geht aus einem anderen Zweige der Statistik hervor. Danach besaß etwa ein Zwölftel aller rückfälligen Verbrecher überhaupt keine Schulbildung, bei der größeren Halste war sie niangclhaft, und höhere Schulbildung wurde nur bei einem ver­schwindend geringen Theilc festgestcllt. Für eine bessere Gestaltung des Zwangserziehungswesens sprach unmittelbar der Umstand, daß bei mehr als Dreiviertcln aller rückfälligen Verbrecher die erste Strafthat vor das 25. Lebensjahr fällt. Was asto ein Häkchen werden will, spitzt sich bei Zeiten, und weil btc verbrecherischen Neiaunaett zu allermeist bereits im Jiraendalter hervortreten, io gilt es hier, mit allen Kräften für eine Besserung ein^utreten, denn „man muß das Bäumchen biege», solange es jung ist .

* vrnstonirt wurden in der deutschen Armee seit 1. April d. I.: 2 Gencralleulnants, 5 Generalmajore, 16 Oberste, 2Oberstleutnants, 31 Majore, 49 Hauptlente, 6 Oberleutnants, 7 Leutnants. In Summa 118 Offiziere. Kosten pro Jahr ca. 425,000 Mk. Ferner

zuerst sich absetzenden Mengen sind am reinsten und werden daher als Speisesalz verwerthet; die später sich ausscheidenden enthalten Mutterlauge und in dieser Magnestumsalze ein- geschlossen, weshalb sie sich vorzüglich zu Konservirungs- zwecken eignen.

An einigen Küsten, besonders in Rußland, benutzt man auch die Külte zur Gewinnung des Salzes, indem man Seewasser gefrieren läßt. Hierbei scheidet sich fast reines Salz aus. und man erhält, wenn auch keine Salzkrystalle, so doch eine konzentrirte Salzlösung, die dann weiter ver­sotten wird.

Bedeutend mehr Salz als auf diesen Wegen wird im bergmännischen Betriebe als Steinsalz gewonnen. Da, wo jetzt sich die großen Salzlagcr befinden, waren früher Meercsbecken, deren Zufluß nicht dem verdunstenden Wasser gleichkam. Infolge desfen schieden sich die gelösten Stoffe und mit ihnen auch das Kochsalz je nach dem Grade der Löslichkeit nacheinander allmählich aus, zuerst der Gips, dann das Steinsalz und endlich die übrigen Salze. Um welche Massen es sich dabei handelt, zeigt das Beispiel von Staßfurt, wo unter einer ungefähr 50 Meter starken Schicht sogenannter Abraumsalze, die sich durch ihren Kaliumgehalt auszeichnen, ein über 900 Meter mächtiger Block fast reinen Steinsalzes liegt.

Da aber bei dem Abbau der Hauptwerth auf die für die Landwirthschaft außerordentlich wichtigen Kalisalze gelegt wird, die Gewinnung des Steinsalzes jedoch mehr nebenbei betrieben wird, so wird der Hauptbedarf an Sveisesalz aus

den Salzquellen gedeckt, die an vielen Orten dem Erdboden entströmen. Zum direkten Versiedcn sind aber die meisten dieser Soolen ihres geringen Salzgehaltes wegen nicht geeignet, der Ertrag würde infolge zu großen Feuerungs­verbrauchs nicht lohnend sein. Man muß daher die Quellen zuerst anreichern, um sie „stedewürdig" zu machen, und erreicht dies durch das Gradirverfahren. Die schwache Soole wird auf ein Gerüst gepumpt und fließt von oben über mit Dorn­gesträuch bedeckte Wände herab. Bei diesem Prozeß, der drei- bis achtmal wiederholt wird, verdunstet ein Theil des Wassers und man erhält eine 18—25-procenlige Lösung. Zugleich aber scheidet sich auch ein großer Theil der fremden Salze, wie kohlensaurer Kalk, Gips, schwefelsaure Magnesia und andere, als Dorneustein ab. Die angereicherte Soole wird nun in Siedehäuser geleitet, wo sie in flachen Pfannen versotten wird. Bei rafchem Sieden erhält man ein lockeres, feinkörniges, bei langsamem ein grobkörniges Salz. Die Nebensalze setzen- sich dabei als Pfannstein ab und machen von Zeit zu Zeit eine Unterbrechung des Betriebs

nothwendig. . _

Da das Gradirverfahren von Wind und Wetter abhängig ist und nur zu einer mäßigen Koncentration gelangen läßt, ist es jetzt im Abnehmen begriffen. Gebräuchlicher ist jetzt die Methode, schwache Soolen in alte Salzbergwerke zu leiten, wo sie einen Theil der beim Abbau stehengebliebenen Salzstöcke auflösen, um die so angereicherten Lösungen zu versieden. Nachdem es versotten ist, wird das Salz ge­trocknet und in den Handel gebracht.

UL.