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Beilage

Uo. Ä36. Morge«-An»s«dr. _

(6. BortMun«.) (Nachdruck Mibotm.)

Auf Grünweide.

Roman von K.

Beide lachten. Da ertönte wieder das Läuten der Bahn- hofsglocke. Die junge Danie beeilte sich, aus dem Coups zu kommen. Herr von Heilwitz nahm nun thatsächllch Ab­schied und der Zug brauste davon.

„Darf ich dem Fräulein das Gepäck besorgen?" fragte

ein h-rantretender Koffertrüger. _ . _

^Rein, ich werde hier erwartet. Kennen Sie den Herrn

Reimer Hartmann?"

„®oni Gute Grünweide? Ja. Dort an der Thur des

Wartezimmers, jener große Herr."

Die junge Dame schlug den Schleier zurück und blickte

^ U1 'm der alte Herr mit den grauen Haaren. Ich danke."

„Donner! hat die Angen. Der trüge ich den Koffer umsonst," murmelte der Gepäckträger. Das lunge Madche ging raschen Schrittes durch die Menge. Die neckische Laune wich Plötzlich tiefer Erregung, °ls sie sich He«n Hartma n näherte. Er stand unter dem blendenden Gas cht -n'-r Laterne, aber das Antlitz wurbe von dem buntkremp g Iägrrhut beschattet. Auf das ihr,ge st-I es v°ll und l,ell. Das war also ihr Vormund, ihres Vaters geliebter Freund. „Marietta?" sprach er fragend, begrüßend, als st- vor

licke Aufwallung schwellte ihr Herz. »Äff*® rstf sie. u?,d dabei hob sie sich auf die Fußspitzen und^kübt- ihn, „erkennst Du denn wirklich die kleine Marietta wieder?"

'ähneln Ihrem Vater außerordentlich." antwortete er verwirrt, und ruhiger fügte er hinzu: „Ali ^onelli.' grünen habe ich Sie wiedererkannt." ^ . „

Um so leichter, da Sie mich erwarteten, Herr Hartmann. Eine Empfindlichkeit lag in ihrem Ton. die nicht mitzzuver- stehen war und als gerechtfertigt von ihm^erkannt wurde.

„Bitte," sagte er freundlich, „bleiben Die beim „Onkel Reimer," der bin ich doch immer für Sw gewesen. #

, Das will ich, wenn ich auch mein Recht behalte.

Aus der kleinen Marietta ist eine Dame geworden. Sie richtete den Blick voll auf ihn. Es waren große, braune Sterne, auf bläulich-weißem Grunde, die mandel­förmig von langen, gebogenen Wimpern geschmückt wurden.

„Diese Dame aber," wiederholte sie Mttsch, und «n wenig Aerger tönte auck hindurch, „diese Dame ist bwger immer mit dem „Du" angeredet und immer nur wie ein Kind behandelt worden, stände fie sonst so gehorsam vor

bleiben wir denn Beide dabei/ lenkte Reimer ab. "Ja und warum denn auch nicht!"

Aus' dem Schatten eines Strebepfeilers trat zu den Redenden eine Frauengestalt, Hermine t 9 „

„Haben Sie auch Besuch erwartet, Frau Landratym.

^^Envartet, aber nicht empfangen/ «utwortete sw. „Meine Freundin ist ausgeblieben. — ^hr junges Mund , nicht wahr?" ^

Der Gutsherr stellte die Damen vor, dann entfernte er sich, um das Reisegepäck auf den vor dem Bahnhofe

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^“lUbSÄ Antlitz des jungen Mädchens flog jähes Rotb daö dem forschenden Auge Hermiuens nicht entging, denn Beide befanden sich jetzt im hellerleuchtelen Warlesaal.

«urnen Sic nicht," fuhr sie fort, „daß ich Ihnen, fremd wie mir uns sind, sogleich meine kleinen Beobachlungen mittheile, aber ich habe den Wunsch, Ihnen eine ebenso treue Freundin zu werden, wie ich es den Hartmann^ bin. Wenn ich Ihnen daher, liebes Fräulein," ihre Stimme senkte sich zu flüsternder Vertraulichkeit herab, „einmal einen Dienst leisten. Ihnen gefällig sein kann - Sie können ans meine Verschwiegenheit bauen."

Marietta hob erstaunt den Kopf.

„Sie find sehr gütig, Frau Landrathm, sagte sie kalt, aber an mir wird sich Ihre Verschwiegenheit nicht er- proben, denn ich habe eben keine Geheimnisse.

Jetzt erschien Herr Hartmann in der Thur.

Wie doch ganz anders," sprach sie zu diesem mit lächelndem Erstaunen, „sähest Du in meiner Vorstellung aus. Voller Runzeln und Fältchen, wie mein Vater und — sie lachte — „verzeih mir, auch viel, viel würdiger. Vorhin auf dem dunklen Perron konnte ich nicht bemerken, wie gut, wie außerordentlich gut Du Dich konservirt hast,

Sie hatte mit dieser Bemerkung unbewußt die einzige verwundbare Stelle, die Achillesferse an Reimer berührt. Das Blut stieg ihm in die gebräunten Schläfen

.Sehr verbunden für dies Kompliment aber, ^ der Wagen wartet, ist es Dir recht, so fahren wir setzt.

Die Landräthin lächelte triumphrrend, das wird er ihr niemals vergessen, dachte sie; welch unliebenSwurdiges Mädchen, mit welch hochmüthiger Kälte sie mein freuiidliches Entgegenkommen vergalt!

VII.

Ein klarer Sternenhimmel breitete sich über die weite, einsame Winterlandschaft, durch welcheman fahren mußte um nach Grünweide zu gelangen H^de reckci w-chse ten mit hügeligen Waldungen ab, und wie ein Spiegel blitzte das zu glattem Eis gefrorene Wasser eines großen, schilf­bewachsenen Weihers vom Waldessaum herüber, tftrn blinkten bereits kleine Lichter des Dorfes und wie ein Riese hob sich die schwarze Thurmrume von der klaren

2uf ®e sibirisch kalt und wie unleidlich einsam und still das hier ist dachte die junge, verwöhnte Stadtdame und zog fröstelnd der! seidenen, pelzgefütterten Mantel um sich. Als aber der Wagen durch das Dorf rollte, lehnte sie sich aus dem Fenster, denn wechselnde Bilder, einer latema magica gleich, glitten an ihrem Auge vorüber. Ach, eS war

ja Weihnachtsabend, wo Kindern, die Ettern hattenl. in,Liebe beschecrt wurde und waren sie noch so niedrig geboren

arm. Das sah sie ja hier. cvlwistbäume

Hinter blinden Scheiben leuchteten die ) 1 •

Wie froh die Kindergesichter blickten, welch »lu-kUch«- Auf- lauchzen! und dort saß ein altes Ehepaar den Rosenkranz betend; wie das friedlich und glücklich auSsah! Jetzt nu ein Tanncnzivciglein, mit drei kleinen Lichtern besteckt,

Kinder saßen darum und aßen Aepfel. Dahinter stand eine junge Bauersfrau, aber sie weinte. Da also war doch das

^^Run bog der Wagen in die Kastanien-Allee, eine Wendung um das Haus und man war am Ziel......

„Du kommst mir vor wie ein großes Knrd, saate drinnen im Wohnzimmer Fräulein Annette spöttelnd zu ihrer Schwester, die bei Ankunft deS Wagens Mit fast jugendlicher Hast die Kerzen an einem Tannenbanm anzu­zünden begaiin, der schlank und grün sich m der Mitte des Zimmers aus dichtem Moos erhob. Würziger Tannen rf durchzog die Stube und gemüihlich summte die Wasser­maschine auf dem Theetisch, an den Annette hinter einem mächtigen, grünen Lichtschirm sich zurückgezogen.

„Bille, Herr Volontär, zünden Sie doch die ob reu Lichter an," bat Sophie, die Bemerkung ihrer Schwester ignorirend. indem sie einem außerordentlich hageren, langen jungen Mann ein Schwefelholzchrn reichte, „ schnell, schnell, bitte, ich höre den Wagen kommen. Hier

l?t Mnölhig, Fräulein Hartmann. Arm reicht so hinauf/

antwortete dieser in abgerissener Sprachweffe

Kinderei!" murmelte Annette ärgerlich, schob den Lichtschirm aber vollständig bei Seite, als die Erwarteten

Sichtlich überrascht blieb das junge Mädchen auf der

Schwelle stehen. Sie halte geglaubt, Verzicht leisten zu müssen auf jegliche Weihnachtsfreude, die ihr imn ja doch zu Theil wurde. Ein Durst nach verwandtschaftlicher. itu- eigennütziger Liebe hatte sie stets gehabt, Heimathsgefu i e N tarne» «.,»»>. Di- 3eil, m ^

hörte, lag ja so fern, und nun ergoß sich der Zauber diesem

Ersehnten, Unbekannten über sie.

Sei uns willkommen, Marietta," sagte Herr Hartmann, betrachte dies Haus als Deine Heimath, verweile daun, so lange es Dir gcsällt, und möge sie Dir lreb werden.

^'^Die^ganze "bewegte Innerlichkeit zeigt- sich bei Marietta im feuchten Glanze ihres Auges Ab-rihreEmpfindungen wechselten so schnell wie die Farbe ans dem^An«T. welches von südlichem Teint, aber so zart war, daß das feine Adern newebe überall sichtbar durchschimmerte.

Als Sophie das große, stattliche Mädchen mit warme»

Herzlichkeit in ihre Arme geschlosst», *11'*. ‘ 1

den Dank für die freundliche Weihnachtcuberatchunz. . dem Bewußtsein, dagegen mtngurrt zu haben. «U etwL peinlichem Gefühl entgegengenommen. wurde auch vor Bat N'iär Herr Bohne, als der Sohn eines älteren F'.ct.nvcs

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kleinen, spöttischen Geistern weichen, die e* gewohnt waren, rücksichtslos über ihre Lippen zu treten, i (Forffetzmik, sölgt.I

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