1. Beilage zum Wiesbadener Taablatt.
Mo. 232. Mor-en-A,l»-la1»e.
K«mstas» den 1V. Mai.
48. Jatzrgchttg. 1W-).
(3. Fortsetzung.)
(Nachdruck verboten.)
Ans Oriinmeide.
Roman von K. ^akmc-Z'aysen.
„Sie wollen mich nicht verstehen, Reimer, und es ist Bitterkeit und Trotz, weßhcilb Sie es nicht wollen."
„Ich verstehe nur den Ton nicht, den Sic auzuschlagen belieben, Frau Landräthin, und weiß nicht, warum Sie eine Saite berühren, die längst verklungen."
„Warum?" Hermine senkte den Blick, zaghaft, leise, mit tiefeni Erröthcn sagte sie: „Weil ich bekennen möchte, daß cs mich reut, wie ich einstmals gehandelt."
„Ich erkenne die Selbstüberwindung, die Ihnen dies Eingeständniß kosten mag, vollkommen an, ohne jedoch eine Begründung dafür zu finden," antwortete der Gutsherr mit derselben abweisenden Kälte und Unnahbarkeit wie von vorhin.
In Herminens Antlitz wechselte plötzlich der Ausdruck. Soeben ein Bild holdester Beschämtheit und Demuth, ver- ricthen die znsammengeprcßten Lippen, die zitternden Nasenflügel, das voll aufgeschlagene blitzende Auge den Kampf des Innern, den verletzten Stolz, die tiefe, zornige Beschämung, von einem Manne zurückgewiefen zu sein in die Grenzen der Weiblichkeit, die sie in der Ueberzeugung unfehlbaren Sieges überschritten, weil sie geglaubt, noch die ungeschmälerte Macht des Dereinst über sein Herz zu besitzen.
Sie zog mit zitternder Hand den Schleier über das erregte Antlitz, damit es nicht Berrätherin ihrer Gefühle werde, über ihre Sprache verlor sie nicht einen Augenblick die Beherrschung.
„Mein Gott," sagte sie leichthin, „nicht Sie, nur ich konnte an die Vergangenheit knüpfen, und ich that es, weil ich zu wissen wünschte, ob Sie vergessen, mir verziehen
haben. Nun dies so ist, giebt mir diese Gewißheit die
ganze Unbefangenheit wieder, die meiner Freundschaft zu Ihnen immer noch gefehlt hat."
Dabei reichte sie dem Gutsherrn lächelnd die Hand zum Abschied, die er jetzt ohne Zögern und mit der Bemerkung ergriff, Frau Landräthin könne auf ebenso unbefangene
Freundschaftserwidernng rechnen. Dann begleitete er die junge Frau hinaus, noch ein herzlicher Abschied von
Fräulein Sophie und der Schlitten glitt schnell und leicht mit seiner Besitzerin in den Abend hinaus.
IV.
Hartmann kehrte wieder ins Zimmer und auf seinen alten Platz zurück. Er zog ein Taschenbuch hervor, blätterte darin, notirte Verschiedenes, ohne zu bemerken, daß die alte Dame oft und forschend zu ihm hinübersah. Endlich trat sie an ihn heran, legte die Hand auf seine Schulter und sagte liebevoll: „Reimer, zürnst Du mir?"
„Gute Tante, worüber?"
„Daß ich — vorhin —"
„Daß Du mir mein Junggesellenthum vorgeworfen? Beste Tante, das war ja nur eine Variation eines oft gehörten Liedes. Es ist ja Dein einziger Lebenskummer, daß Du mich nicht zu einer Heirath bewegen kannst."
Fräulein Sophie seufzte.
„Wie so ganz anders hast Du Dich entwickelt, als Du nach Anlagen und Neigungen im Jünglingsalter zu werden
versprachst," bemerkte sie, „Familienleben hatte hohen Werth für Dich, und jetzt — Du bist ein ernster, abgeschlossener, einsamer Mann geworden."
„Ein mit seinem Lcbensschicksal vollkommen zufriedener Mann, der an der fürsorglichen Liebe seiner Tante volles Genüge findet," verbesserte Reimer, indem er die Hand der kleinen Dame ergriff.
„Reimer, bist Du blind? Kannst Du, willst Du nicht sehen?"
Der Neffe lächelte spöttisch.
„Doch! Aber Du weißt, der Fisch, der einmal au der Angel gehangen, beißt nicht zum zweiten Male wieder an."
Fräulein Sophie entzog ihm unwillig ihre Hand.
„Ich verstehe Dich nicht und kann nicht glauben, daß die schöne, geprüfte Frau so herben Spott verdient Verleugne doch nicht ganz Deine Herzensgüte und alle jugendlichen Gefühle, die Du doch mit vierzig Jahren unmöglich schon verloren haben kannst."
„Alle jugendlichen Gefühle!" wiederholte er, „das ist cs eben. Was gestorben ist, kann nicht wieder auflebeu. Du greifst mich hart an. aber das kann niich nicht wundern, denn Du kennst nichts von dem Gemüthslcben meiner V-r- gangenheit. — Jugendliche Gefühle! Sieh hier —", er strich mit der Hand durch sein graues Haar, „das ist' der Fluch meiner Jugend gewesen! Das hat mir die kalten Sinne gemacht! Mit zwanzig Jahren, den Haaren nach, schon ein alter Mann zu fein! Von der Mitjugend angesehen zu werden wie — ja, wie ein väterlicher Freund, wie ein — gut conservirter alter Onkel! Das ist mir begegnet zu einer Zeit, als meine Pulse so feurig schlugen, wie die anderer Jünglinge. Von da an hatte' ich meine Jugend verloren. Das war eine Entnüchternng fürs ganze Leben. — Ein Jeder hat in seinem Lebensbuch wohl ein Blatt, dessen Schrift mit seinem Herzblut geschrieben ist, die wieder und wieder gelesen wird, bis die Zeit sie auslöscht, oder die Thräneu, die darauf gefallen; daun wird sie unvertilgbar >m Gcmüth weiterlebcu. Ich habe ein solches Blatt aus meinem Lebcnsbuch heransgelöst, da es nicht werth war, wicdergelesen oder gar beweint zu werden, wenn auch die Schrift dazumal mein ganzes Herz ausgetrunken. — Du wirst jetzt begreifen, daß ich „die schöne, geprüfte Frau" nicht aus „Herzcnsgüte" heirathen kann. Daß ich ein Junggeselle bleibe, ist eine abgemachte Sache, woran Du Dir selbst kein geringes Verdienst erworben. Lassen wir indessen die längst vergangene Zeit. Ich wünsche noch vor der Nachtruhe Verschiedenes mit Dir zu besprechen. Hast Du Dich nach dem armen Baumann im Dorf erkundigt, der im Dienst der . . . scheu Bahn verunglückte? Er wird durch die Amputation des Armes wohl für jegliche Arbeit untauglich geworden sein?"
Sophie bejahte zerstreut. Sie konnte ihre Gedanken nicht sogleich auf andere Interessen lenken. Was der Neffe andeutete, hatte sich vor Jahren, vielleicht gar vor ihren Augen, ausgekämpft. Aus den unbestimmten Linien bildete ie sich einen Nahmen, in welchen die Gestalt der jungen Frau hineinpaßte. Aber dies belebte eher ihre Hoffnungen, als daß es dieselben zertrümmerte.
Reimer ließ ihr jedoch keineZeit zu weiteren Kombinationen, er fuhr fort:
„Banmann hat mich um Anstellung irgend welcher, wenn
auch der geringsten Art bitten lassen. Ich habe keine, was ist da zu machen?"
„Ueberweise ihn der Armenkasse im Dorf, wenn er brodloS ohne sein Verschulden geworden ist."
„Das ist es eben, was ich nicht wünsche. Der Vater dieses Mannes hat dem meinen seiner Zeit pflichttreu gedient. daher habe ich ein Interesse an ihm. Er soll nicht als Armer im Dorf verpflegt werden."
„Ja, was aber denn?"
„Als Schenncnvogt wäre er vielleicht zu verwenden."
„Aber den hast Du ja bereits."
„Allerdings. Der alte Böhm bekommt's dann recht bequem. Gleichviel — ich werde diese Einrichtung treffen. Du könntest ihm dies durch den Hausknecht sagen lassen, weil er sich sorgt. Laß zugleich den Schäfer wissen, daß ich sein Anliegen gewähre und zum Frühling die Wind- und Regenscite seines Häuschens erneuern lasse. Das ist zwar noch keine Nothwendigkeit, weißt Du, aber er hat eine brustleidcnde Frau, deßhalb setze ich den Neubau einige Jahre früher an."
„Thu' das, guter Reimer."
„So, und nun gute Nacht, ich will noch zum Thurm hinauf, es wird da eine unruhige Nacht für Gottfried geben."
Kurze Zeit nach dieser Unterredung schritt Hartmaun, mit der Geige unter dem Arm, über den blendenden Schnee des Hofes, dem Thurme zu.
V.
Das Gut Rosenau grenzte an Grünweide und stand weder an Ausdehnung noch an Fruchtbarkeit diesem nach. Auch das Wohnhaus, dessen blendend weißes Gemäuer weithin schimmerte, zeigte dieselbe Solidität und Geräumigkeit wie jenes, nur daß eS weit komfortabler und moderner eingerichtet war, seitdem die junge Wittwe mit ihrem eleganten Haushalte hineingczogen. Sie bewohnte mit ihrem einzigen Kinde, einem achtjährigen Mädchen, den ganzen oberen Stock, während sich der alte Vater mit den einfachen Räumen des Parterre begnügte. Unten in dem gemeinschaftlichen Speisezimmer traf die Familie zu den Mittagsund Abenduiahlzeitcn zusammen; im klebrigen führte die Landräthin ein ganz von dem Haushalt des Vaters abgesondertes, aber keineswegs zurückgezogenes Leben, denn sie lieble heitere Festlichkeiten und hatte in der naheliegenden Garnisonstadt Verbindungen zur Genüge, Gastlichkeit und geselligen Umgang genießen und erwidern zu können. Ihren Freundinnen auf Grünweide erklärte sie zwar, dies geschähe zur Aufheiterung des alten Vaters, thalsächlich aber kümmerte sie dessen Wille und Wünsche gar wenig. Im Gegentheil, seine Anwesenheit wurde ihr häufig durch sein ungenirtes, gerades Wesen peinlich, wenn sie vornehmen Besuch bei sich sah.
Indessen gab ihr das Zusammenleben mit ihm doch die Gelegenheit wieder, mit der Welt anzuknüpfen und, wie diese sich boshaft zuflüsterte, neue Bewerber um sich zu versammeln. Die Annahme hatte ihre Berechtigung, wenigstens in der ersten Zeit nach abgelegter Trauer, eine Trauer, die sich nur in dem Schwarz der Kleidung kund gab, während die Seele, nach mehrjähriger Knechtschaft, das Gewand erlösender Freude trug.
(Fortsctzung folgt.)
D. R.-Patent 86417 .
Media-Socken und Strümpfe.
D. ß.- Patent 86417 .
. . . Media-Fabrikat ist das einzige, welches Leinen und Wolle derart verbindet, dass das die Haut berührende eigens präparirte Leinen
Thäti keiTübt ^ 10t ^ ren< ^ e ^ r ^ un S ^ lun kann, während die äussere Wollschicht ihre wärmende, die schlechte Luft absondernde, die Transpiration regelnde
c , A . * n hunderten Anerkennungsschreiben, u. A. von dem hohen Kiinigl. Freussischen Kriegsministeriuni, Medicinal-Abtheilung treu. Ober-Medicinalrath Professor Br. Pettenkofer, Professor Br. Kubner, Director des hyglein. Instituts, Professor Br. Seifert etc. wird anerkannt, dass die Media-Fabrikate das gesündeste und zweckmässigste auf dem Gebiet der Fuss-Bekleidung Hervorgebrachte darstellen.
Her f Hauptmann v. Biilow, 2. Garde-Regiment zu Fuss, bescheinigt, dass die während eines 31 -tägigen Manövers mit seiner Compagnie anges e cn 1 rage-Versuche über Erwarten günstig ausgefallen sind, dass selbst nach den grössten Marschen infolge der eigenartigen Beschaffenheit der Media- oocken Keine Falle von Wundlaufen oder Brennen der Fiisse vorgekommen seien. 5975
Unentbehrlich für Fussleidende, Radfahrer und Touristen. Stets trockener Fuss. Wundlaufen unmöglich.
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Es ist eine bekannte Thatsache, daß Brucheinklemnulngcn oft einen tödtlichen Ansgang nehmen.
Um derartige Falle zu verhüten, empfiehlt es sich, ein Bruchband zn tragen, das genau angepaßt ist. Mein Bruchband ist ohne Feder, kein Gummi, kann begneni Tag und Nacht getragen werden. Empfehle jedeni Leidenden einen Versuch damit zu machen; selbst die schwersten Brüche halte zurück. Gleichzeitig empfehle meine Leibbinden, Nabel-, Vorfall-Bandagen.
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3. A. Saenger, Bruchsal (Baden).
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