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«8. Jahrgang.

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Up. 227. Fernsprecher No. 52.

Mittwoch, den 16. Mai.

Fernsprecher No. 52. 1900*

Abend -Ausgabe.

an der Führung des Kampfes theilnehnien möchten. Ja, man müßte sich selber blind machen, um nicht sehen zu wollen, daß auch die Rcaieruna den Siea der nfiftrnftirm

der Theologie (Berlin), Professor De. Bertl^d Nicht (München), De. Hugo Ricmann (Leipzig), Professor Dr. Rudolf Sohm (Leipzig), Professor De. Werner Sombart

Vor dem Kampfe.

L. Krrttn. 15. Mai.

Die Obstruktion soll den varlamenlarischen Gedanken beeinträchtigen, so behauptet die konservative Weisheit, und sie thul sich etwas auf die Entdeckung zu Gute, daß gerade diejenigen Parteien, die jede sachliche Kritik des Reichs­wahlrechts „als ein Verbrechen an den Volksrechtcn zu be­zeichnen pflegen, durch ihre Obstruklionsversnche den Reichs­tag und damit auch das Wahlrecht, ans dem er hervor­gegangen, auf das Schwerste zu diskreditiren unternehmen". Dies Alles ist so falsch, daß es nur in ohnmächtiger Ver­legenheit ausgesprochen werden konnte. Die Macht von Parteien, die unwiderstehliche Macht des öffentlichen Geistes, die großartige Widerstandskraft einer heraus­geforderten Minderheit wird gerade durch das, was man im Reichstag jetzt in Ermangelung eines zutreffenden Namens Obstruktion zu nennen beliebt, auf das Glänzendste dargethan. Und hiermit steigt auch der parlamentarische Gedanke an Werth und Wichtigkeit. Wer im Reichstag das Seinige dazu thut, daß nicht unter dem Scheine des Rechts die brutale Gewalt herrscht, der verleiht dem Reichstag als einer Grundlage des nationalen Lebens erhöhte Bedeutung. Das könnte der Mehrheit ja passen, wenn sich die Minderheit ergebungsvoll abschlachten ließe. Besser ist es denn doch, nützlicher für das Gemeinwohl, wenn diese Mehrheit, da sie nicht hören will, fühlen muß, daß sie Respekt zu bekommen hat vor einer gewaltigen Strömung, die die feinsten und edelsten- Geister unseres Volkes vorwärts treibt gegen das kecke Gelüsten verrannter Dunkelmänner. Es ist schlechterdings unwahr, daß die Obstruktion den Volksvertretungen schadet. Es ist dies auch unwahr für die anderen Länder, in denen dies schneidige Werkzeug angewendet werden mußte. Ueberall, wo es zur Obstruktion gekoinmen ist, hat die Regierung und haben die Mehrheitsparteien einen gebührenden Denkzettel bekommen, aus dem sie entnehmen konnten, daß ihre Macht ein Ende hat an der Energie einer Gegnerschaft, die ihre Stütze in dem entschlossenen Willen der Bevölkerung findet. Nur scheinbar zuweilen drücken die Parteiverhältnisse die wahre Natur der Machivcrhältnisse innerhalb einer nationalen Gemeinschaft aus. Es kann geschehen, daß die Mehrheit für wichtige Gebiete des öffentlichen Lebens eben nicht die Mehrheit darstellt, und dies ist gegenwärtig bei uns in Bezug auf die Fragen der Fall, die durch die unselige lex Heinze in den Vordergrund geschoben worden sind. Stände hinter der Minderheit des Reichstags nicht der Heerbann der „Intellektuellen", so könnte der Gedanke an Ob­struktion überhaupt nicht gehegt worden sein. Die Wahrheit ist, daß der Reichstag selten so hoch in der Achtung des vornehmsten Theils der Nation gestanden har wie gerade jetzt, wo es gilt, einen frechen Angriff auf die besten Güter des deutschen Volks abzuwehren. Die Wahrheit ist ferner, daß mit ihren besten Wünschen im Lager der Obstruktion auch solche Parteien sind, die nicht unmittelbar

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mit aufrichtiger Freude begrüßen würde. Sie wird hoffentlich Gelegenheit bekommen- diese Freude zu genießen, die tvohl mit einem bitteren Tropfen versetzt, nicht aber gänzlich aus­getilgt werden kann, durch die Thatsachc, daß es leider auch die Socialdcmokratie sein wird, die sich in diesem Kampf Verdienste um das deutsche Volk erwerben wird.

* * *

Kurz vor dem Wicdererscheinen der bekannten lex im Reichstage, das für den nächsten Donnerstag bevorsteht, wird eine von über vierhundert hervorragenden Männern Unterzeichnete Erklärung ver­sandt, die folgenden Wortlaut hat: Die Unterzeichneten, die in der Pflege deutscher Kunst eine der hauptsächlichste» Aufgaben vater­ländischen Kulturlebens erblicken, nehmen mit tiefer Besorguiß die in den §§ 184 a und b der sogenannten lex Heinze zu Tage tretenden litteratur- und kunstfeindlichen Bestrebungen wahr, und halten die diesen innewohnende Gefahr auch durch die inzwischen erfolgten Abmilderungen nicht für beseitigt. Im entschiedenen Gegensatz zu Denen, welche das ernste künstlerische Schaffen der Gegenwart für etwa vorhandene sociale Krankheits- erscheinungcn verantwortlich machen, weisen sie dessen Zusaunncu- stellnng mit den gegen sittliche Ausschreitungen niedrigster Art ge­

planten Maßregeln zurück. Sie sind der Ueberzcugung, daß durch die dem Strafrichter zu gebende Machtvollkommenheit, Geld- und Gefängnißstrafen auch in den Fälle» zu verhängen, in denen ein Kunstwerk, ohne unzüchtig zu sein, das Scham­gefühl gröblich verletzt, infolge der Unbestimmtheit und Dehnbarkeit dieses neuen juristischen Begriffes dem künstlerischen Schaffen die nothwcndige Sicherheit und Frei­heit genommen werden wird. Sie befürchten, daß, wenn die kunst­feindlichen Tendenzen, wie sie von Seiten der Majoritätsparteie» in der parlamentarischen Berathuug laut geworden sind, in die Rechtsprechung übergehen, Zustände ciutreten werden, welche ein Verkümmern der Talente, ein daniit Schritt haltendes Zurück­bleiben im Wettstreit der Nationen und den Niedergang der deutschen Kunstitbung zur Folge haben müssen. Die Unterzeichneten sprechen die zuversichtliche Envartung aus, daß der hohe Reichstag und die hohen verbündeten Regierungen diesen und ähnlichen, auf Hemmung der deutschen Kultureutwickluug abzielcuden Bestrebungen ihre Zu­stimmung versagen werden. Um die bekannten Vorkämpfer der guten Sache, die Begas, Menzel,Mommsen.Spielhageu, Sudermann,Werner, Wildenbruch und Andere, haben sich noch viele namhafte Männer der Wissenschaft, der , Kunst, der Litteratur, des Verlagsbuchhandels und der Industrie geschaart. Besonders bemerkenswerth erscheint die starke Theilnahme der Gelehrten, die, ohne in ihren eigenen wissenschaftlichen Bestrebungen ähnlich wie die Künstler und Schriftsteller bedroht zu sein, sich dennoch mannhaft in die Reihen der Feinde des Kantschukgesetzes stellen. Wir greife» folgende Namen, die am besten gegen die „lex“ sprechen, unter vielen von ähnlich gutem Klange heraus: Geheimer Ncgieruugsrath Professor Busleh (Berlin), Wirklicher Geheimer Rath Professor Kuno Fischer (Heidelberg), Professor Ernst Haeckel (Jena), Pro­fessor Max Haushofer (München), Professor Dr. Wilhelm Oncken (Gießen), Geheimer Rath Dr. Mar v. Pcttcnkofer (München), Geheimer Rath Professor Dr. Max v.Seydel (München), Professor Rudolf Virchow (Berlin), Professor Ulrich v. Wilamowitz- Moellcndorf (Berlin), Gehcinirath Professor Dr. Hugo v. Ziemßen (München), Professor Dr. Karl v. Zittel (München), Professor Dr. Alfred Dooe (Freiburg), Geheimer Oberregierungsrath Ernst Diimmler (Berlin), Professor Dr. Heinrich Diintzer (Köln), Professor Dr. Friedrich v. Esmarch (Kiel), Professor Dr. Guido Hauck (Berlin), Professor Dr. Alfred Kirchhoff (Halle), Dr. A Kußmaul, Univcrsitätsprofessor («Ltraßburg), Paul Laband, Professor (Straßburg i. E.), Dr. Karl Lamprecht, Universitäts- Professor (Leipzig), Dr. M. Lazarus, Professor, Geh. Negierungs­rath (Meran), Dr. Franz v. Liszt, Professor der Rechte, Geheimer Justizrath (Charlotteuburg), Richard Loening, Geheimer Justizrath und ordentlicher Professor des Strafrechtes (Jena), Dr. Otto

lichcr Geheimrath Professor Dr. E. Zeller (Stuttgart), Professor Dr Theobald Ziegler (Straßbnrg). Wie man siebt, die ersten Gelehrte» Deutschlands. Männer, die unserem Vaterland vor der

haben

mit

ganzen Welt Ansehen und Achtung veZchnfft haben. Wen die Anhänger der lex diesen Größen entgegcnzustellen?

Die industriellen „Berliner Neuesten Nachrichten", die .

Rcgierungsstimmungen oft vertraut sind, sagen sich mit auffall.-,ider Scharfe von der lex Heinze und von dem Kampf gegen die Ob- struktion los; das freikonservative Organ sagt: „Das Centrum will seine Kraftprobe unter allen Umständcii voll durchführen. Nachdem acht Jahre lang der mit dem abschreckenden Namen lex Heinze belegte Gesetzentwurf trotz wiederholter eingehender und eifriger Versuche nicht zu Stande gebracht und man auch ohne ihn fertig werden konnte, soll er jetzt dem deiltscheii Volke auferleqt werden in einem Moment, wo in den weitesten gebildeten Kreisen sich der schärfste Entrustuiigssturm gegen die geistige Reaktion geltend macht und jedenfalls in beiden Lagern beider bis zurLcidenschaftlichkeit gespannten Kampfesstimmung eine ruhig objektive Würdigung und Entscheidung, wie sie für eine gute Gesetzgebuiig unbedingt er orderlich, nicht möglich ist. . . . Das Ceutrum weiß, daß die Obstruktion mrt erneuter Kraft einsetzen wird. Es klingt geradezu wie Hohn wenn die „Köln Volksztg." sagt: „Wie die Sache liegt, ist die llebcrwindung der Obstruktion geradezu eine Lebensfrage für eine gesunde Fortentwicklung unseres Parlaincntarismus" Als ob unser Parlamentarismus nicht schon ungesund und diskreditirt genug wäre, giebt das Centrum abermals speciell der Social- demokratie erwünschte Gelegenheit, sich unter dem Beifall zahlreicher griindsatzlicher Gegner derselben als Hort der gefährdeten Geistes- frcihcit aiifzuspielen und wirklich verdient zu machen!"

Die Druckerei des Reichstags hatte am Montag alle Hände voll zu thun, um die Seitens des social­demokratische» Abgeordneten Rechtsanwalts Heine zu r lox He inze erngebrachte Masse von neuen Anträgen in Druck zu legen. Durch die Einbringung dieser Anträge ist die abermalige Obstruktion vorbereitet. Die Ein­leitung dazu wird Donnerstag ein Antrag der Linken auf namentliche Abstimmnug bilden.

Deutscher Reichstag.

O K-rltn, 15. Mai.

Tagesordnung: Zweite Lesung der Vorlage, betreffend die Militär-Strafrechtspflege im Kinuischou-Gebiet. - 8 1 wird debattelos angenommen. Zu § 2 befürwortet Abg. Ba ssermann (iiat.-lib.) eineil auch von den Abgg. Eickhoff (freist Volksp.), Kirsch (Ccntr.) und Rickcrt (freist Ver.) mitunterzeichnetcn Antrag, die Gültigkeit des vorliegenden Gesetzes zu befristen und am 1. Januar 1906 enden zu lassen. — Der Antrag Bassermann wird augenouimeu. — Damit ist dieser Gegenstand der Tagesordnung er­ledigt. — Es folgt die zweite Berathung des Scc-lliifall- verslcherungsgesetzes. — Aba. Molkenbuhr (Soc.) befürwortet einen schon voir der Kominisston abgelehnten Antrag, hauptsächlich dahingehend, daß auch klimatische Krankheiten und die Todes­fälle auf Sec oder iin Ausland, welche nicht wahrscheinlich auf außerhalb des Betriebs liegende Ursachen zurückzuführen sind, als Unfälle im Sinn des Gesetzes z» erachten sind. — Gehcinirath Caspar bemerkt, daß bei Gleichstellung solcher klimatischer Kran^ Hellen mit den Unfällen auch in anderen Gewerben die Arbeiter Gleichstellnug der Berilfskrankhciten mit Unfällen forden würden. Weiler beiucrkt Redner, daß im 8 11 des neuen Jnvaliden- Versichernngsgesetzes die Seeberufsgenossenschaft ermächtigt sei, die ^nvalideiiversichernng der Seeleute zu überuchmen, falls sie damit zugleich eine Relikteuoersicheruug verbiiide. In welcher Weise dies geschehen könne, darüber schwebten augenblicklich noch Verhand­lungen. Der Antrag Molkenbuhr (Soc.) wird abgelehnt. S9et § 8 befürwortet Abg. Molkenbuhr Streichung der Bestimmung, wonach bei vorsätzlicher Herbeiführung des Unfalls jeder Anspruch des Verletzten oder seiner Hinterbliebenen hinfällig wird.

Zemelnus.

Es war im Nusoo nazionale in Neapel. Ermüdet vom Herumwandeln auf den Steinfließen zwischen den herrlichen Bildwerken antiker Skulptur achtete ich kaum noch der marmornen Herrlichkeiten. Selbst der sterbende Fechter konnte mich nur für einen Augenblick aufrütteln aus körperlicher und geistiger Abspannung.^ Da plötzlich fiel mein Blick ans ein wciß- lcnchtendes Marmorfragment. Ein niederblickendcs, geistvoll edles, anmuthiges Fraucngesicht, die ganze Kopfwölbnng glatt abgesprengt und vom armlosen Körper nur der Theil von der linken Schüller zur rechten Hüfte noch vorhanden. Ein geringes Bruchstück eines herrlichen Meisterwerkes, das eine Psyche dargcstcllt haben mochte, ja, ein zusammenhang­loses F r a g in e n t. Und doch, welchen Eindruck machte dieses Stück Marmor auf mich, wie scheuchte der fortwirkcnde Geist des zwei Jahrtausende todlen, unbekannten Meisters alle Müdigkeit ans mir fort, sodaß ich noch lange, lange im genußvollen Anschauen jenes Fragmentes verharren konnte.

D>e Psyche in Neapel und dann der gewaltige Herknles- torso im Vatikan fielen mir immer wieder in den Sinn, als ich^dieser Tage im Hinblick ans die zweite Festvorstellnng das Schiller'sche Demetrius-Fragment nach langer Zeit wieder einnial durchlas — auch nur ein Fragment, bas aber die künstlerische Weihe eines hehren Bildwerks, wie das der Psyche, ahnen ließ, eine Weihe, wie sie der armlose Körper der Venus von Melos ausslrömt, verbunden mit der gigantischen Kraft, die der Herkules-Torso ausprägt

Wäre Schiller wohl für einen künstlerisch wahr Empstndendcn auch nur um Fingersbreite kleiner, wenn von seinem Schaffen nichts weiter übrig geblieben wäre, als sein Demetrius-Torso? Gewißlich nicht. Freilich, es giebt leider nicht viele Menschen, die an einem unvollendeten Meisterwerk die

gleiche ästhetische Freude haben können, wie an einem fertigen. Der gewöhnliche Neugicrstricb der Masse wünscht zu wissen, wie es wohl gewesen sein könnte, wie die Figur vielleicht aussah oder welches Ende die Tragödie gefunden. Die Frage: „Kriegen sie sich", ist ja auch für die Mehrheit die einzige Frage, die sie beim Genuß eines litterarischen Werkes bewegt. So finden sich denn, solchen Ninstäuden Rechnung tragend, bald dreiste Pygmäen, die herumflickeu und hcrnm- stümpern an den Fragmenten, welche ein Riese hinterlicß, nicht bedenkend, daß begonnene Riesenarbeit nur von gleich­artigen Riesen vollendet werden kann. Ja, wenn ein Michel­angelo antike Meisterwerke in wesentlichen Theilen ergänzte, so können wir uns solchen Bestrebens freuen, und hätte ein Goethe seine Absicht wahr gemacht, aus Pietät für den verstorbenen Freund den Demetrius zu vollenden, wir hätten das so fertig gestellte Werk mit Hochachtung hingenommen, obgleich Goethes Art nicht Schillers Art war und die Klar­heit des Olympiers mit dem pathetischen Schwung Schiller'scher Beredtsamkcit nicht korrcspondirte. Aber wenn nun irgend ein Müller oder Schmidt daher kommt und mit etwas mehr oder weniger Begabung seine Torsoflickcrei beginnt, so ist das, frei heransgesagt, in unfern Augen nickt etwa Pietät, sondern ein Stückchen Heiligthumsschänderei, um die sich der todte Dichter im Grabe herumdrehen müßte. Oder kann im Ernste auch nur ein vernünftiger Mensch glauben, daß Schiller jemals einen der vielen Versuche Hütte gut heißen können, die sein Demetrius über sich ergehen lassen mußte? Es verlohnt sich für uns gar nicht der Mühe, näher auf diese Versuche einzugehen, ob die Bearbeiter nun Maltitz oder Grimm, ob sie Bodenstedt oder Gruppe, Kühne oder Sievers »der gar Heinrich Laube hießen, ob sie des Dichters Skizzirung zu folgen suchten oder freier gestalteten. Der Demetriusstoff hat schon vor Schiller manchen Dichter ge­

reizt. Der Stoff ist auch heute noch vogelfrei. Und so lassen wir eine freie dichterische Gestaltung aus Eigenem heraus, wie sie Hebbel anstrebte, vollkommen gelten, mit Ergänzungsvcrsnchen aber können wir uns nicht befreunden. Für unser Empfinden wäre es viel richtiger gewesen, man hätte, vielleicht mit einem erklärenden, poetischen Prolog oder Epilog, den Demetrius-Torso alö solchen dargeboten und den Festspielabend mit einem anderen deutschen Nieister- werk, wie etwa mit Kleists „Zerbrochener Krug", oder mit einem fremdländischen, etwa einem Moliäre'schen Stück in meisterhafter Darstellung, ansgefüllt.

Das ist unser ganz persönliches Gefühl. Aber wir haben nun mit der Thatsache zu rechnen, daß Demetrius in der Ergänzung der Frau Auguste Goetze hier zur Aufführung gelangt. Nicht voreingenommen dürfen wir trotz unseres oben entwickelten Standpunkts an diese Bearbeitung heran­treten, die uns heute nur in Gestalt eines Buches vorliegt. Wir hoben sie objektiv zu betrachten, ivenn wir dies auch nicht mit den vollen Empfindungen thun können, die uns bei der Analyse eines vollwerthigen und selbständigen Kunstwerks beseelen. Zunächst müssen wir bekennen, daß sich die Ansatz­stellen bei der Lektüre alsbald bemerkbar machen, daß wir nach dem edlen Pathos Schillers alsbald in eine Region von zum Theil recht mangelhaft gebauten, hie und da etwas platten Jamben hineingeralhen. Man fühlt mehr und mehr, daß zum Schneckengang wird, was Adlerflug geworden wäre. Wenn Etwas dichterische Mannesarbeit mar, dann war es das Schaffen Schillers an seinem Demetrius, und wenn etwas ein Männerherz erfüllen und begeistern kann, dann ist es das gigantische Streben und die Ent­wickelung des Helden dieser Tragödie. Demetrius ist ein Mannesstück im höchsten Sinne des Wortes. Und nun kommt eine vielleicht leidlich begabte Frau, eine Leipziger