I. Beilage jum Wiesbadener Tagblatt.
Uo. 224. Morgen-Ausgabe.
Dienstag, den IS. Mai.
48. Jahrgang. 1900.
(Schluß.)
(Nachdruck verbot«!.)
Gin Fruhlingslranm.
Noma» von Johannes van Pewalk.
„Da bin ich wieder," — (ich fuhr empor aus meinen schmerzlichen Gedanken) — „hoffentlich gefalle ich Ihnen so besser!"
Adda kam lebhaft und zutraulich heran und setzte sich neben mich. Ihre Blicke, ihr Lächeln baten wieder um ein kleines Kompliment.
Wider meinen Willen muhte ich mitlächeln über diese Naivität, und sie legte dies offenbar zu ihrem Vorthcil aus. —
Adda hatte sich schnell ein Neglige von blauem Kaschemir übergeworfen, welches, nur von einem Gürtel umspannt, ihre schönen Glieder leicht umfloß und hinten in einer langen Schleppe endigte.
Den Fez hatte sie abgelegt, die Schminke entfernt und ihre langen herrlichen Locken waren nur flüchtig mit einem blauen Bande am Hinterkopfe anfgebunden.
Vorn unter den Falten schauten die kleinen Füße in zierlichen Hackenschuhen und weißscideuen Strümpfen kokett hervor. — Sie hatte kaum zehn Minuten gebraucht, um diese Metamorphose vorzunehmen, und sie sah verführerischer aus wie je.
Ich wurde förmlich verwirrt von dieser überwältigenden, sinnlichen Schönheit. Die Gemalt derselben war so groß, daß sic ein jeder Mann emfinden mußte.
„8b bion, mon arni," Hub sic nach einer kleinen Wrile an, nachdem sie sich an der Macht ihrer Reize geiveidet hatte, „nicht wahr, nun ist Ihnen wieder besser?"
Sie ergriff meine Hand und warf mir einen langen, unerklärlichen Blick zu, während rin Seufzer ihre rosigen Lippen spaltete.
„O, wie freue ich mich, Sie nach so langer Zeit endlich wieder zu haben, Charles!" sprach sie. „Wie viel habe ich Ihnen zu erzählen! Ich habe mich so sehr gefreut, mit Ihnen allein zu sein!"-—
So redend ergriff sie meine Hand und lehnte ihren Kopf leicht an meine Schulter. — Ich wagte kaum zu athmen und litt es still.
Ihre Stimme wurde allmählich immer schmeichelnder und verlockender, und ihre Augen erhielten einen feuchten, schmachtenden Glanz, wie ich ihn niemals früher bei ihr gesehen hatte, als sie leise fortfuhr:
„Wie lange ist es doch her, Charles, seit wir damals . . . Sie erinnern sich doch noch der schönen Stunden in Dresden? . . . Wie? . . . Ach, wir waren rechte Kinder, nicht wahr? ... Sie waren immer so ernst. — Wie oft haben Sie mich damals gescholten wegen meiner Unbedachtsamkeit, Charles! Wissen Sie wohl noch, wenn wir Abends
allein im Mondenscheine im Garten umherioandelien, und die gute Tante nicht ahnte, daß Sie mir so schön die Leviten lasen dort unten? Und dann ... als wir an meinem Geburtstage so mitten in der finsteren Nacht dort auf dem Felsen standen, ganz allein am Geländer und Sie
mich küßten, mon arni! O, wie romantisch mar das!-
Ja, wie das manchmal doch hernach so ganz anders kommt, als man cs sich geträumt hat, — wie sonderbar einem das Leben doch mitspiclt bisweilen!"
Der Mensch denkt, Gott lenkt!-
„Sie wurden gleich hinterher so sehr krank und ich
wurde Mistreß Blunt-helas! . . . Sie wissen nicht,
was ich damals gelitten habe!"-
Ich saß ganz still mit zuckendem Herzen und hörte zu.
„Apropos," suhr sie fort, „Sie halten mich doch nicht etwa für glücklich, Charles? 0 mon Dien, — ich bin es
nicht und war es nie 1-Ach. eine junge Frau und
ein so alter Mann ... es thut wahrlich nicht gut! — Man müßte nie so etwas leiden!"
Sie seufzte wieder und lehnte eine Weile still an meiner Schulter. Sie spielte mechanisch mit meinen Fingern.
„Finden Sie nicht, daß Mister Blunt außerordentlich gealtert hat, Charles?" sprach sie dann plötzlich und richtete sich auf. „Nicht wahr? Er geht stark bergab, seine Gesundheit ist alterirt, — ich muß das wissen! — Aber warum sehen Sie mich so an, won arm? — Ach, ich weiß schon, Sie wollen mich wieder schelten. — Vielleicht haben Sie Recht! — Schelten Sie mich, schelten Sie mich tüchtig, Charles, aber bitte, halten Sie mich nicht für schlechter, als ich wirklich bin, — Sie sollen nicht schlecht von mir denken,
— Sie sollen, — Sie dürfen es nicht!"
Also diese Redensart, — diese eine hatte sie nicht vergessen! Gerade so sprach sie damals zu mir in Dresden, wenn ich sie ausschalt, — damals, als sie noch die rosige Adda war und ich sie liebte. — Ich weiß nicht, was mich so ergriff, als dieses seelenlose, leichtfertige Geschöpf diese Worte sprach, aber mir kamen beinahe die Thränen in die Augen und langsam wandte ich mich ihr zu.
Sie sah kaum, daß mein Auge das ihre suchte, als sie mich leidenschaftlich umschlang und an sich drückte.
„Charles, lieber, theurer Charles!" murmelte sie in mein Ohr. „Sieh, Charles, — ich liebe, — ich liebte nur Dich,
— o glaube es mir! — Ich will Dein sein, — jetzt . . .
allezeit, sag Du, was ich thun soll! Sich, — Blunt ist alt, wir Beide sind noch jung . . . O Charles, denke doch! O schau nicht fort! Sieh' — sie drangen damals Alle in mich, und ich, ich war so jung noch ... ein Kind, ich gab endlich nach, aber bei Allem, was mir heilig ist, — ich liebte Dich, — nur Dich! Ich will Dein sein . . . Charles!"-
Sie hing an meinem Halse und küßte mich mit leidenschaftlicher Gluth, ihre Lippen verbrannten mich fast. — Ich
litt es-ich saß da, kalt, entsetzt, als ob eine
Schlange mich umringelte, und starrte wie in einen Abgrund. — Mein Herzschlag stockte. — Eine Weile war ich wie gelähmt, meine Muskeln, nieine Glieder versagten mir den Dienst. Endlich gewann ich die Kraft, mich frei zu machen aus den Umschlingungen dieses Weibes.
Mit einem Aufschrei sprang ich empor, stieß ich sie zurück und eilte davon wie von Furien gepeitscht.
Unseliges, herabgewürdigtes Geschöpf!
Ich lief athemlos, wie ein Verfolgter, bis ich zu Margot kam, die mich erschrocken bei sich cintreten sah.
Ich war ganz außer mir, mit thräncndcn Augen warf ich mich ihr zu Füßen.
„Fordere von mir, was Du willst," rief ich in höchster Erregung, „nur das Eine nicht, daß ich jene Frau miedersehe!" —
Sie hob mich auf.
Seitdem sah ich Mistreß Blunt nicht mehr.
Wenige Wochen später feierten Margot und ich in der Stille unsere Verlobung und zu Weihnachten führte ich mein junges Weib heim nach Deutschland.
Zwei Jahre sind verflossen seitdem.
Onkel Blunt ist todt; er starb während der Belagerung an einer Indigestion in ziemlich zerrütteten Vermögensverhältnissen.
Die gute Tante Chevalller schrieb uns später, daß Mister Howard seitdem aufs Neue um Adda geworben und daß sie eingewilligt hatte, sein Weib zu werden. — Ehe noch das Trauerjahr zu Ende war, haben sie geheirathet und leben nun auf einem ihrer Schlösser in Schottland. Es ginge das Gerücht, fügte die Tante hinzu, daß Adda dort auf Befehl ihres eifersüchtigen Gemahls nur noch hohe dunkle Roben tragen dürfte, gleich einer Chatelaine aus dem vierzehnten Jahrhundert, und daß sie überraschend schnell die leichten Gewohnheiten einer Pariser komme än monäe mit der strengen Miene einer schottischen Edelfrau vertauscht habe, ja sie zweifelte nicht daran, so schloß sie ihren Bericht, daß die belle moscovite in wenigen Monaten schon starke puritanische Regungen in sich verspüren würde, wenn ihr Gemahl, der gestrenge Mister Howard, ihr das vorschriebe, und wenn sie glaubte, daß es ihr gut zu Gesicht stünde.
Margot lächelte ein wenig, als sie diese Stelle las, ich aber empfand nur eine schmerzliche, beinahe wehmüthige Rührung.
„Arme Adda!" rief es in mir, „schön und haltlos wie die Welle, wohin werden die Stürme des Lebens Dich noch verschlagen?"
Mein Jugendtraum, ein welkes Blatt vom Reif befallen, verweht im Winde . . . aber ich bin glücklich, denn Margot ist mein!
21 Websrgssse.
Telephon 700.
Ch. Hemmer
Blusen u. Unterröcke.
Webergasse 21,
Parterre n. I. Elase.
aus carrirtem und gestreiftem
Hpmrlhhi<?p
liumumuuu xereal, nur neue schöne Muster, mit 4 Falten und abnehmbarem ^ 20
Kragen,
2.50 und
Hemdbluse - aus feinem Percal in feinen
Mustern, breiten Falten, mit Unter- ft ft ft tritt und abnehmbarem Kragen v, v V
HemdblUSe aus prima Zephir, feinste Confection, mit elegantem abnehm- h ßP barem Stehkragen, TaW*#
Hemdbluse
aus einfarbigem prima Zephir und Battist, in rosa, hellbau und lila, feinste Confection, Vordertheil elegante Falten und und Blenden, abnehmbarem Kragen, C C A
5.75 und ÖU
Hemdbluse
aus prima weissem Battist und Zephir, fste. Confection, Vordertheil in vielen kleinen Fältchen abgesteppt, mit und ohne Stickereien, abnehmbarem C ^ Ef Kragen Stück 10.—, 8.—, 6.50 u. Oa/vl
Hemdbluse
aus prima englisch. Pique, feinste Confection, Vordertheil in eleganten ß "1P Falten, abnehmbarem Kragen, Ua / U
Blusen
zum Selbstfertigmachen, mit genügendem Stoff, Vordertheil ganz mit feinen Fältchen, Hohlsäumchen,
Stickereien oder Spitzen-Einsätzen reich garnirt, Mull 4.75, Battist 5.75,
Cachemire 6.75, reine Seide 19.75 75
Unterröcke,
Alpacca mit Volant und Soutache oder Tressen- Garnirung in allen modernen Farben ft ft P! 10.75, 9.75, 7.85, 6.50, 5.50, 3.50, £.ÖD
Unterröcke,
weisser Battist mit hohem eleganten Valenc. - Einsatz und Spitzen-Volant, reich garnirt, “7 C 19.—,16.50,14.—,12.50, 10.75, 8.25, / . / Ü
Stickerei-Unterröcke
14.—, 12.60, 10.80, 9.75, 8.25, 7.50,
6.60, 5.—, 4.75, 4.—, 3.75, 3.35, fl rtC 2.85, 2.—, 1.75, l.£Ö
Reform-Corsett
6979
für Damen
aus feinem Satindrell mit Fischbein, ft ft ft sehr solide Ausführung,
FLEISCH-EIWEISS
ervörra^endes Kräftj&imgSmiifel
w
