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«». Jahrgang.

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Verlag: Lauggasie 27.

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Politische Ueliersrcht.

3m Reichstag wird mit Dampfkraft gearbeitet, denn das noch zu bewältigende Pensum ist groß und die Zeit bis Pfingsten verringert sich täglich um 24 Stunden. Mit­leidslose Gemüther erzählen freilich bereits, daß der von der Mehrzahl der Volksvertreter mit Sehnsucht erwartete Reichslagsschluß nicht vor Pfingsten erfolgen, sondern daß die Tagung noch nach Pfingsten eine kurze Fortsetzung er­leben soll. Freilich, wer die Frequenzverhälknisse im Reichs­tag kritischen Blickes betrachtet, der wird sich kopfschüttelnd fragen müssen, wo der Muth zu der Annahme hergenommen werden soll, daß nach Pfingsten ein beschlußfähiges Haus znfammenzubringen sei. Jedenfalls erscheint es zur Zeit als ein nicht leicht zu lösendes Problem, wie all die wichtigen Vorlagen und Streitfragen, welche den Reichstag noch be­schäftigen, in so naher Zeit zu glücklichem Ende gebracht werden sollen. Zwar hat die umfangreiche Unfallverstcherungs- novelle sich ihrer Erledigung erheblich genähert und auch die Flottenvorlage dürfte in naher Zeit in den sicheren Hafen gebracht werden. Dagegen hat die schon als sicher verkündigte Einigung über die Fleischbeschau- vorlage unterdeß einen erheblichen Riß bekommen und die Aussichten für ein Kompromiß zwischen der Regierung und der Reichstagsmehrheit scheinen sich verschlechtert zu haben. Sind hier neue Schwierigkeiten ausgetreten, wie sie in dem berühmt gewordenen Schlagwort des Bundes der Landwirthe, „nur Flotte, wenn kein Pökelfleisch!", ihren Ausdruck ge­funden haben, so kommt noch dazu, daß das Centrum be­züglich der lex Heinze auf seinem Schein bestehen will, obwohl doch der allgemeine Widerstand gegen diese von dem Centrum nach seinen Herzenswünschen zurcchtgestutzte Vor­lage die Mehrheit des Reichstags darüber belehren sollte, daß sie hier auf bedenkliche Abwege geralhen ist. Trotzdem möchten wir es noch bis auf Weiteres als nicht wahrschein­lich ansehen, daß das Centrum analog der vorher erwähnten bündlerischen Parole allen Ernstes die Forderung aufstellen wird: nur Flotte, wenn lex Heinze! Denn es wäre wenig geeignet, die politische und parlamentarische Stellung des Centrnms zu verbessern, wenn es sich mit dieser Offenheit zu den Grundsätzen einer Geschäfts- und Handelspolitik be­kennen sollte.

Während es im deutschen Reichstag bisher noch recht friedlich hergeht, wobei manch Einer an die Stille vor dem Sturm denken mag, hat im österreichischenReichsrath bereits das wilde Kriegsgetümmcl seinen Anfang genommen. Der Sprachengesetzentwurf, welchen das Kabinett Körber eiugebracht hat, konnte Niemanden ganz befriedigen. Das Kabinett Körber hat sich nicht an eine umfassende Lösung der Sprachenfrage herangewagt, sondern sich mit einigen Theilzahlungen begnügt. Aber diese Theilzahlungen werden nirgends als baare Münze anerkannt. Die Deutschen sehen sich in einem Theil ihrer Hoffnungen enttäuscht und sind außer Stande, sich mit der von dem Kabinett vor- geschlagcnen Regelung des Sprachenstreites zu begnügen.

(Nachdruck verboten.)

Berliner Plaudereien.

Kerlin, 11. Mai.

Der Lärm der Feste ist verrauscht, der Jubel ver­klungen und Berlin hat wieder seine etwas nüchterne ge­schäftsmäßige Alltagsphysiognomie angenommen. Nur der große Triumphbogen steht noch. Offenbar können die städtischen Behörden sich nur schwer mit dem Gedanken vertraut machen, ihn abbrechen zu müssen. Außer ihm erinnert an die Reihe von guten Tagen, die der Berliner, Goethes bekanntem Spruch entgegen, reckst leicht ertragen hat. nichts, als der entsetzliche Staub, der alle Welt in den Hauptstraßen Berlins belästigt. Wir sind hier freilich während der Fest­tage in einer hochgradig vergnügten Stimmung gewesen, aber doch nicht so karnevalistisch angehaucht, daß es jetzt wie am Aschermittwoch heißen müßte: „Gedenke, daß Du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst". Dieser Zustand all­gemeiner Verstaubung, in dem sich Berlin zur Zeit befindet, ist etwas ganz Neues, Ungewohntes. Einst, in besseren Zeiten, durchzogen alltäglich zur bestimmten Stunde die städtischen Sprengwagen die belebtesten Straßen, ihr Naß allüberall spendend, wo es nöthig war, und manchmal, wenn man sich nicht versah, auch wo es nicht nöthig war. Da­mals galt Berlin für die reinlichste Großstadt der Welt. Seit Kurzem ist es anders geworden. Die wohlthätigcn Wagen dürfen ihre erfrischende Thätigkeit nicht mehr am Tage ausüben, sie sind zu lichtscheuen Nachtschwärmern ge­worden, welche nun im Dunkel den Staub der Straße löschen. Natürlich ist am Morgen Alles wieder trocken, und sobald der Niesenverkehr der Hauptstadt beginnt, durch­wühlet der mit allerhand — Ueberbleibscln von Pferden 2C. vermischte Staub sonneuverdunkelnd die Lüfte, um endlich

Noch weit unzufriedener aber sind die Tschechen, für deren maßlose Begehrlichkeit die im Reichsrath eingebrachtcn Vor­lagen allerdings kein Pflaster auf die ihnen'durch die Auf­hebung der Sprachenverordnungen geschlagene Wunde be­deuten konnte. Die Tschechen haben denn auch alsbald die von ihnen angeküudigte Obstruktion in rücksichts­losester Weise in die That übertragen. Unter diesen Um­ständen ist auf einen gedeihlichen Fortgang der parla­mentarischen Arbeit nicht zu rechnen, da die Tschechen sich schwerlich so bald eines Besseren besinnen werden. Denn es ist schwer, Vernunft anzunehmen, wenn man keine hat!

Mit nicht geringerer Sorge, als sie in Oesterreich von dem Kabinett Körber dem Fortgang der parlamentarischen Aktion enlgegengebracht wird, sieht in Frankreich das Kabinett Waldeck-Rousseau der Kammertagung ent­gegen, welche am 22. d. M. beginnt. Der Ausfall der Gemeind erat Hs wählen hat das Kabinett, welches bis­her voll kühnen Muthes war, mit Bangigkeit erfüllt, denn wenn auch die Wahlen in der Provinz zu Gunsten der Republikaner ausgefallen sind, so ist doch der unleugbare Erfolg der Nationalisten in Paris immerhin ein recht bedenk­liches Sturmzeichen. Denn wenn auch Paris nicht Frankreich ist, so ist es doch das Herz der Republik, und oft genug ist schon in Paris mit Erfolg eine Politik gemacht worden, welche nicht den Anschauungen der Mehrheit des Landes entsprach. Die endgültige Entscheidung über die Gcmeinde- rathswahlen wird freilich erst in den an diesem Sonntag stattfindenden Stichwahlen fallen, welche darüber entscheiden werden, ob das Regiment der Hauptstadt in die Hände der nationalistisch-chauvinistischen Gegner der Republik über­gehen soll.

Noch weit unruhiger und bewegter als in Frankreich, wo immerhin die Sorge um das Gedeihen der Welt­ausstellung die erregten Gemüther im Zaum hält, geht es zur Zeit in Spanien her, wo die Durchführung der er­neuten Sicuergesetze, besonders in Katalonien, zu einer revolutionären Bewegung geführt hat, welche sich gegen das konservative Kabinett Silvela, in letzter Linie aber gegen die Dynastie selbst richtet Das Kabinett Silvela wird Mühe und Noth haben, dieser Bewegung, welche schon bedenklich weit um sich gegriffen hat, Herr zu werden. Den gleichen Ursachen ist die aufständische Bewegung in Bulgarien entsprungen, wo die Stenerüberbürdung zu blutigen Empörungen der Bauern geführt hat. Den Bauern wird ihr Widerstand freilich nichts nutzen, denn Fürst Ferdinand braucht Geld, und der „weiße Czar" hat für Bulgarien nur Liebesbelheuernngen, aber kein Geld übrig. Der Pumpvcrsuch des Fürsten Ferdinand ist an der Newa auf ein mitleidsloses Nein gestoßen.

Zu den vergnügtesten Europäern gehören zur Zeit die Engländer, denn die Dinge auf dem südafrikanischen Kriegsschauplätze haben sich in letzter Zeit für sie gut abgewickelt. Vor der Grenze der Transvaal-Republik ist schwerlich auf einen hartnäckigen Widerstand Seitens der Buren zu rechnen, welche ihre stärksten Hoffnungen jetzt auf eine Einmischung der Vereinigten Staaten von Amerika richten. Aber auch um diese Hoffnung ist es leider schwach genug bestellt.

auf den Hüten, Kleidern und Gesichtern der Passanten, in ihren Kehlen und Lungen einen dauernden Ruheplatz zu finden. Hoffentlich wird diesem unerquicklichen Zustand baldigst ein Ende gemacht, sonst dürfte die allgemeine Völker­wanderung, die alljährlich zur Reisezeit so Viele aus Berlin hinweg führt, in diesem Jahre noch früher beginnen als sonst, und dabei würden viele Leute nicht auf ihre Kosten kommen: zunächst die Ausstellungen.

Die große Berliner Kunstausstellung in dem Glas- und Eisenpalast am Lehrter Bahnhof hat ihre Hallen dem Publikum geöffnet. An Kunstwerken ist eine große Zahl vorhanden, aber trotzdem nierkt man den Einfluß der Weltausstellung: „Man sieht Viele, die nicht da sind". Die brillanten Spanier und Italiener glänzen durch völlige Ab­wesenheit, die Franzosen sind mit recht mäßigen Werken vertreten. Der Charakter der Ausstellung ist in diesem Jahre überwiegend germanisch: Deutsche, Dänen, Schweden, Norwegen, Holländer und Schotten sind reichlich vorhanden, aber so viel Treffliches sie auch ausstellen, so liegt es doch in der Natur der Sache, daß über dem Ganzen ein leiser Hauch von Einförmigkeit schwebt. Von den großen Münchener Malern fehlen gerade diejenigen, deren Bilder durch eine starke Eigenart hcrvorstechen, nur Lenbach hat vier herrliche Portraits ausgestellt: Virchow, Mommsen, Delbrück, Lingg. Ueberhaupt sind Portrait und Landschaft vorherrschend. Dem symbolischen Gemälde, das aber auch schon nicht mehr in der aufdringenden Extravaganz austritt, wie in früheren Ausstellungen, hat das historische Gemälde weichen müssen, das fast nur noch als Schlachtenbild — wie z. B. der prächtige „Kampf um die Fahne in der Schlacht bei Heilsberg 1807" von Adalbert v. Kossak — oder als bestelltes Dekorationsgemälde vorhanden ist. Ein solches oder vielmehr einen Cyklus solcher Malereien hat Hugo Vogel für

Aus Stadt und Land.

Wiesbaden, 13. Mai.

— Grschichtslralendm 13. Mai. 1897: ch General fr Freiherr v. Kottwitz in Stuttgart, heldenmükhiger Führer der hanseatischen Brigade in, dcntsch - französischen Krieg. 1871: + Francois Ander, französischer Opernkomponist („Die Stumme von Portici" u. A.). 1864: Londoner Friedenskonferenz vom 13. Mai bis 36. Juni 1849, Milirärmeutcrck in Karlsruhe. 182»:

* Alfred v. Krcmer zu Wien, hervorr. Orientalist 1809: Napoleons zweiter Einzug in Wien. 1801: Frieden zu Luneville. 1702:

* Papst Pius IX. zu Sinigaglia. 1717: * Maria Theresia, deutsche Kaiserin, zu Wien. 1634: Sieg der Sachsen über die Kaiserlichen unter Colloredo bei Liegnitz. 1534: Philipps von Hessen Sieg bei Laufen. Wiedereinsetzung Herzogs Ulrich von Württemberg. 1415: Konzil zu Kostnitz.

- Der «irrte Sonntag „ach «Mim» führt den lateinischen

Namen „«bantatv (t>. h. „finget"), nach Psalm 98 Vers 1: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er thut Wunder". Dieser Vers wurde als Stück der Liturgie beim Beginn der Messe (lateinisch) gesungen.

c>. Festspiele. Um vielfachen Anfragen zu entsprechen, sei darauf hingewiescn, daß für die Kaiser-Festvorstellungen im König­lichen Theater für die Besucher des 1. Ranges und des ParquetS Gesellschafts-Anzug (Herren: Frack und weiße Binde eventuell kleine Uniform, Damen: ausgeschnittene oder halbhohe Kleider) vorgcschrieben ist.

— Torpedostottillr. Wie uns mitgetheilt wird, ist an Herrn Kapitänlentnant Funke, den Kommandeur der auf dem Rhein befindlichen Torpedoflottille, die Anfrage ergangen, wann derselbe Sc. König!. Hoheit den Gr oß Herzog von Hessen morgen Montag Vormittag in Bingen abholen könne, da der Großherzog die Fahrt nach Mainz auf dem Torpedo mitmachen will und in Mainz die Offiziere bei Tafel im Palais etwa um 1 tthr zu sehen wünscht. Durch dieses Vorhaben des Großherzogs, das natürlich zweifelsohne zur Ausführung kommt, erhält dicTorpcdo- fahrt nach Mainz eine erhöhte Bedeutung. Der Empfang unserer Blaujacken am Rhein wird dadurch an Herzlichkeit und Interesse nur noch gewinnen. — Biebrich wird die Flottille am Montag Vormittag zwischen 10 und 12 Uhr passiren. Von Mainz aus wird ein Remorqueur von Disch den Gästen bis Biebrich entgegen­fahren und die Flottille nach dort geleiten.

— Walhalla-Theater. Seit Eintritt kühlerer Witterung hat das Walhalla-Theater täglich den Besuch zu verzeichnen, der ihm in Anbetracht des so vorzüglichen gegenwärtigen Programms nur zu wünschen war. Dies Programm ist, wie selten eines, ge­eignet, zu erheitern und zu unterhalten, und so findet es auch bei dem verwöhnten Fremdenpublikum größten Beifall. Besonderes Interesse erwecken seit einigen Tagen zwei neue „lebende Photographieen", deren eine eine Schaar Buren auf dem Marsch zeigt, die andere einen englischen Transportzug beim Uebergang über den Tngcla. Die Aufnahme beider Bilder Seitens des Publikums ist allerdings eine sehr verschiedene. —

§ eute Sonntag finden, wie geivöhnlich, Matinöe, Nachmittags- amilien-Vorstellung und Abend-Vorstellung statt. Es sei besonders darauf aufmerksam geinacht, daß das viel gelobte Programm nur noch diesen einen Sonntag zu sehen ist.

* Der Wiesbadener Kaismnoche, hauptsächlich auch in Hinblick auf die Sportveranstaltungen, widmet die soeben erschienene Nr. 6 der vornehnien, neuen illustrirten Zeitschrift für Sport und Gesellschaft, offizielles Organ des „Deutschen Sport-Verein" (Berlin), ein eingehendes Feuilleton, das mit einer Fülle fein ausgeführter Portraits der bei den Veranstaltiingen maßgebenden oder hervor- tretcnden Persönlichkeiten gcschniückt ist. Neben dem Intendanten

das Stäudehaus in Merseburg geliefert: 1. Bild: Heinrich der Vogler und die die Kaiserkrone überbringende Deputation. 2. Bild: Otto der Große, am Elbufer bei Merseburg landend. 3. Bild: Heinrich der Vogler in der Schlacht bei Merseburg gegen die Ungarn. Es sind prächtige Gemälde in breiter realistischer Ausführung, die ebenso, wie die von Vogel ausgestellten Bilder, das große Können dieses Meisters auf jeglichem Gebiet erweisen. Einen wunderbaren Eindruck macht die Kollektiv-Ausstellung des genialen Landschafters Eugen Bracht. Dreiundvierzig Bilder hat er ausgestellt, nach fast sümmtlich aus der Mark Brandenburg stammenden unscheinbaren, reizlosen Vorwürfen, aber jeden derselben hat der Maler durch seine geistreiche Auffassung interessant ge­macht, jedem einen Reiz in der Beleuchtung der Stimmung gegeben, wie man ihn so tief und innig nur noch bei Böcklin und den Seinigen findet. Wenige Tage nach der Großen Kunstausstellung ist auch die der Sezesstonisten in dem kleinen Knnsttempelchen in Charlottenburg eröffnet worden. Es ist nicht Vieles da zu sehen, etwa 420 Nummern gegen 2300 der Großen Kunstausstellung, aber unter diesen Wenigen sind Namen wie Böcklin, Thoma, Liebermann und Uhde als Maler, wie die der bedeutenden Bildhauer Meunier, Tuaillon, Gaul. Daß auch diesmal neben vielem Vorzüglichen und Neuen auch viel Neues da ist, das um der Neuheit wegen einen Platz gefunden hat, kann ja nicht geleugnet werden, immerhin läßt bei den meisten dieser jüngeren Künstler der trübschäumende Most auf klares Wasser hoffen.

Dem vornehmen Berliner Klub leben ist durch die Eröffnung des Deutschen Automobilklubs, der dieser Tage sein kosigeS, mit höchster Eleganz ausgestattetes Heim in der Sommerstraße bezogen hat. eine neue Stätte eröffnet worden. Dieser Klub hat einen entschiedenen Stich inS Internationale.