«8. Jahrgang.
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Kentenoth und Freiziitzigkeit.
L. Lrrli», 11. Mai.
Die Leutenotfi besteht, kein Vernünftiger kann es be- 'treiten; kein Vernünftiger auch will es bestreiten. Denn man muß die Thatsachen eben gelten lassen, wie sie find. Wenn ein Uebelstand sich zeigt, so ist es das Natürliche, so ist es zugleich die Pflicht, ans seine Abstellung zu sinnen. Zur Beseitigung der Leutcnoth haben die Konservativen Vorschläge über Vorschläge gemacht, von denen einige bereits auch von der allezeit entgegenkommenden Regierung berücksichtigt worden sind, während andere verwirklicht werden sollen. Das Bündel von Anträgen, die in der vorigen Landtagsscssion auf den Namen des frcikonservaliven Abgeordneten Gamp gingen, bleibt in dieser Beziehung ein jedenfalls bemerkenswerthes Zeugniß, sowohl für die Verlegenheiten des Grundbesitzes, wie auch für die gesetzgeberische Unfruchtbarkeit seiner Bcrather. Freilich ist es auf der anderen Seite sehr viel leichter, das wahre Abhülfsmittel zu benennen, als eS auch in die Wirklichkeit übcrzuführen. Man gebe den ländlichen Arbeitern bessere Löhne, ein menschenwürdigeres Dasein, man eriuögliche ihnen mehr als bisher die Ansiedelung, und man wird den Abfluß der Landbevölkerung in die Großstädte und die Jndustricbczirke schnell genug sich vermindern sehen. Wie gesagt, das Mittel ist zweifellos gut, aber man muß anerkennen, daß seine Ausführung einige Schwierigkeiten bereiten würde. Denn nicht jeder Grundbesitzer hat die Möglichkeit zu besserer Lohnzahlung, und er kann auch nicht, selbst wenn er dazu Willens und materiell im Stande wäre, von heute auf morgen die vielfach elenden WohnungLverhältnisse auf dem Lande verbessern. Soviel jedoch ist klar: eine andere Methode, der Lcutenoth zu steuern, als die in der Aufbesserung der ganzen socialen Lage der Landarbeiter beruhende, kann bestimmt nicht zum Ziele führen. Tragikomisch geradezu wirken besonders die Versuche, den Landarbeiter durch strengere Bestrafung des Kontraktbrnchs an die Scholle zu feffeln. Wenn die Bindung an die Scholle schon bestünde, so könnte die Androhung solcher Strafen allenfalls dem Anreize zum Fortziehen enlgegenwirken. Da aber die Freizügigkeit besteht, so ist die einzige Folge der neuen Strafankündigungen, daß der Grundbesitzer es jetzt erst recht schwer hat, taugliche Arbeiter zu bekommen. Denn diese Leute leiden ja mit unter dem Gefühl, schon durch die Versagung des Koalitionsrechts gleichsam Staatsbürger zweiter Klaffe zu fein, und diese demüthigende Empfindung müßte sich steigern, wenn sie in einen neuen und noch unmittelbarer wirkenden Ausnahmezustand versetzt würden. Deshalb können die betreffenden, in der Eile und dem Zorn gemachten Gesetze einiger Kleinstaaten, zuerst des Herzogthums Anhalt, als vorbildlich so wenig dienen, daß vielmehr geradezu erwartet werden darf, diese Muster werden ans die preußische Regierung abschreckend wirken. Den stärksten Trumpf, den das Ostelbierthum auszuspielen pflegt, wenn auf die Leute- nath die leidige Rede kommt, bildet nun aber die Forderung, daß die Freizügigkeit wieder aufgehoben werde. So oft dieser angenehme Wunsch laut wird, hat man die Empfindung, daß die Einsichtslosigkeit in jenem Lager nicht einmal mehr die Grenze respektirt, wo sonst noch jedes Lebe
wesen aus natürlicher Rücksichtnahme auf sein Ich eine instinktive Klugheit beweist. Sollten es die Konservativen darauf abgesehen haben, sich die Landarbeiter vollends zu Gegnern zu mache», zu erbitterten, mißtrauischen Gegnern, so könnten sie diesem Zweck nicht besser dienen, als indem sie diese Leute vollends kopfscheu machen. Das Neueste auf dem Gebiete der Erörterungen über die Freizügigkeit ist ein bündlcrifcher Vorschlag, wonach das Heranwachsende Geschlecht mindestens bis zum 18 . Lebensjahre gezivuugcn werden soll, im Heimathsorte zu bleiben, und zwar soll die Entscheidung in die Hand der Polizei gelegt werden. Der Gedanke spielt sich sehr human auf, aber man hat cs auch hier nur mit einem Herunikurircn an den Symptomen zu thun. Wenn cs möglich wäre, der Landflucht mit Polizeimittelchen zu begegnen, so gäbe es längst keine Landflucht mehr; denn leicht wird es den Abwandcrungslustigen auch heute nicht gemacht, die Heimath zu verlassen. Trotzdem drängen sie in die. Ferne, und hierin wird sich nichts ändern, solange die wirthschaftlichen und socialen Erscheinungen fortdauern, die eben die Leute- noth so nothwendig aus sich heraus geboren haben, wie jede Ursache ihre Wirkung in sich schließt. Die gegenseitige Abhängigkeit wird aber selbstverständlich niemals verhindern, daß doch wieder verkehrte Abhülfsvorschläge gemacht werden.
Deutscher Deich stnß.
O Krriin, 11. Mai.
In Erledigung eine« schleunigen Antrages wird von, Hause die nachgesuchte Genehmigung zur Einleitung einer Privatbeleidigungsklage gegen den Abgeordneten Fischer-Sachsen verweigert. — Dann wird die Berathnng der UnfaklversichcrunKSgcsetze fortgesetzt bei dem sogenannten Mantelgesetz. Die §§ 1 und 2 werden debattelvL angenommen. 8 3 handelt von den Schiedsgerichten. Er überträgt die Funktionen der bisherige» Unfall- Schiedsgerichte auf die gemäß § 108 des Jnvaliden-Bersicherungs- gcsetzes errichteten Schiedsgerichte. — Abg. Molkenbuhr (Soc.) empfiehlt . einen socialistischcn Antrag, die Entscheidung von Streitigkeiten über Unfall-Entschädigungsiragen an besondere Kammern des Gewerdegcrichts, beziehungsweise ein noch zu errichtendes Landschöffeugericht zu übertragen. — Abg. Fahr, v. Stumm (Reichsp.) erklärt sich gegen den Antrag. Derselbe wird abgelehnt. 8 7 ordnet an, daß Beisitzer aus den betreffenden Betrieben zu den Schiedsgerichts-Verhandlungen hin- zugczogen werden müssen, sofern cS sich um Unfälle in land- und forstwirthichaftlichcn oder in Bergbaubetrieben handelt. Ein Kompromiß-Antrag Nösicke-Hitzc-Nichthofcn will in 8 7 einstweilen ein- fchalten, daß im Ucbrigen sonstige Beisitzer zuzuziehen seien. Nach Empfehlung des Antrages durch den Abgeordneten Rösicke wird derselbe angenommen. Als 8 8a will ein socialistischcr Antrag einschalten: Soll dem Verletzten nicht die volle Reute bewilligt werden, weil er in einem anderen als seinem bisherigen Beruf noch etwas erwerben könnte, so sind Sachverständige an« dem betreffenden anderen Berufszweige zu hören. Bei ß 10 beantragt Abgeordneter Hofmann-Dillcnburg (nat.-lib.) das in der Vorlage gewählte Wort: Spruchkammern durch den Ausdruck Slinode zu ersetzen. Nach kurzer Debatte wird dieser Antrag mit großer Mehrheit angenommen. 8 15 wird in der Fassung der Kommission angenommen. 8 16a betrifft die Festsetzung der für- besondere Fälle erweiterten Spruchkammern. Hierzu wird ein Abänderungsantrag v. Nichthofen angenommen. 8 20 berechtigt die Berufsgenossenschaften: 1. Einrichtungen zur Versicherung der Bc- triebsunternehmer gegen Haftpflicht zu fordern, 2. zur Organisation des Arbeitsnachweises und 8. zur Anrechnung von Ncntenzuschuß und Pensionskassen für die Mitglieder der Berussgenossenschaften, die bei ihr beamteten und versicherten Personen, einschließlich deren Angehörigen. — Abg. v. Richthofcn befürwortet einen Antrag seiner Partei auf Streichung einer Detail - Vorschrift in Absatz 2, derzufolge landwirthschaftliche Berufsgenosscnschaften j berechtigt sein sollen, eine Haftpflicht-Versicherung mit Beitritts-
zwang für alle ihre Mitglieder cinzurichten. Dieselbe Klausel beantragt a»ch Abg. Hofmann-Dillcnbnra (nat.-lib.) Mehrere Abgeordnete wollen noch durch einen besonderen Zusatz ausgesprochen wissen, daß die Bcrufsgenosscnschaftcn auch in Bezug auf diese Einrichtungen der Aufsicht des ReichsverstcherungSamt» unterliegen. Der Antrag Hofmanu wird in seinen beiden Thcilcn angenommen. Der Rest des Gesetzes gelangt unverändert zur Annahme, worauf das Haus noch der von der Kommission beantragten Resolution zustimmt, betreff« Unfallversicherung der bei Rettung oder Bergung von Personen oder Sachen Verunglückten. — Morgen 1 Uhr: Unfall-Versicherung für Land- und Forstwirthschaft. — Schluß 6 Uhr.
Preussissher Landtag.
Herrenhaus.
Kr»-«!,,. 11. Mai.
Das Herrenhaus erledigte heute zuerst den Gesetzentwurf, bctr. die Gewährung von Zwischcnkrediten bei Rentengutsbildungen, nach den Vorschlägen der Kommission. — Allgemeines Interesse beansprucht die Interpellation des Oberbürgermeisters S t r u ck m a n n- Hildesheim, betreffend Maßnahmen gegen die Kaninchenplage. Der Interpellant glaubt, daß diese Gefahr angesichts der Fruchtbarkeit der Kaninchen nicht ernst genug genommen werden wnne. _ Wo es auftrete, verschwinde der Hase. Das zahme Kaninchen wandelt sich m der Freiheit in wenigen Generationen in das Iviloe um. Deshalb müsse das Halten von zahmen Kaninchen unter polizeiliche Aufsicht gestellt werden. Die Jagd- losigkeit des Kaninchens müsse für die ganze Monarchie gesetzlich festgestellt werden. Selbst da, wo der freie Wildfang für das Kaninchen herrscht, hätte sich der Fang durch Tellereisen und das Frctttren nicht als wirksam erwiesen, weil die Handhabung dieser Maßregeln nicht einheitlich sei. Die Anwendung von Gift ist gefährlich und kann den einzelnen Grnndbesitzern nicht überlassen bleiben. Die Regierung miisse rechtzeitig auf dem Verordnungswege und auf gesetzgeberischem Wege gegen die große Gefahr der Kanrnchenplagc Vorgehen. — Oberlandesforsimcister Donner: Für den _ größten Thcil der Monarchie ist durch das Wildschongesetz von 1891 die Richtjagdbarkeit der Kaninchen festgesetzt, aber auch in Hannover und im chenioligcn Kurfürstenthum Hessen rechnet die Mehrzahl der Jäger die Kaninchen zu dem nichtjagdbaren Wild. Der Jagdberechtigte darf die Kaninchen absäiießen, der nichtsagdbcrcchtigte Besitzer darf sich jedoch ohne Anwendung von Schlingen und Gewehren der Kaninchen bemächtigen. Ob die Bestimmung des 8 23 des Gesetze« von 1850, wonach der Landrath unter bestimmten Voraussetzungen dem Eigcnthumer die Erlaubniß zum Abschuß geben kann, noch in Kraft ist, mag zweifelhaft sein. Das Landwirthschaftsministerium hält die Bestimmung darüber außer Kraft. Die Vermehrung der Kaninchen geht wellenförmig auf und ab, je nach der Stärke und Länge der Winter. Das Land- wirthschaftsministerium hat verfugt, daß die Kaninchen nach Möglichkeit vermindert werden sollen. Gerzen die Kaninchenplage wird eine Einzäunung mit einmaschigen Drahtgattern empfohlen, die aber ans 30 bis 40 Ctm. versenkt werden müssen. Im Regierungsbezirk Düsseldorf wird dies Mittel mit bestem Erfolg angewendet. In Posen bat man sogar Schutzmaßregeln für das kleinere Raubzeug getroffen, um so den Kaninchen zu Leibe zu gehen. Allerdings hat diese Sache ja auch ihre Kehrseite. Ein absolut sicher wirkender Bacillus wie gegen die Mäuscplage ist noch nicht gefunden. Die Regierung behält die Frage fortgesetzt im Auge, und es geschieht Alles, nur der Vermehrung der Kaninchen entgegenzutrete». — Graf v. Mirbach stimmt der Tendenz der Interpellation zu. Da« Kaninchen habe sich allerdings geographisch verbreitet, aber von einer besonders starken Vermehrung könne nicht die Rede sein. Es vermehre sich hauptsächlich da, wo nian die Gefahr noch nicht acnilgmd kenne und nicht gute Jägerei sei. Man dürfe auch nicht bloß den Schaden, den ein Wild verursache, in Rechnung ziehe», sondern müsse auch bedenken, welchen Nutzen man davon habe. Das beste Mittel gegen die Kanincheiigcfnhr sei die Jägerei. Private können sich durch allerlei Mittel schützen. Eine Novelle zum Jagdgesetz sei nicht erforderlich. Eigentlich mußte man auch gegen die Maikäfer Vorgehen, die mehr Schaden machten als die Kaninchen. Nur wo Unkcnntniß über die Sache herrsche, könne eine Gefahr entstehen. Damit schließt die Besprechung der Interpellation. Es folgen einige Petitionen.
Die Torpedofiottille in Singen.
Als ich gestern Morgen mit dem Schnellzug um 8 Uhr 50 Min. nach Ruderheim hinunter dampfte, um den bedeutsamen Moment der Torpedoboots-Divifious-Landung — übrigens in seiner Länge ein stattliches „Wörtlcin" — bei Bingen mitzufeiern und den Lesern des „Wiesbadener Tagblatt" so wenig oder so viel als eben möglich davon mitzutheilen, da bedachte ich in meinem Herzen Zweierlei. Erstens, daß ich als echter Binnenländer, in dessen Leben bisher eine Kahnfahrt über den Main schon ein Ereigniß bedeutete, doch eigentlich kein waschechter Flottenbcrichterstatter sein könne, und zweitens, daß die Torpedoboots-Division, die in den letzten Tagen verschiedentlich nicht ihren Kurs, wohl aber die Zeiten ihres Fahrplans geändert hatte, womöglich doch noch früher um den Mäusethurm herum und in Bingen sein könne, als ich querüber von Riidcsheim ans. Ich befürchtete das sogar sehr, als mir ein in Biebrich einsteigcnder Mitreisender, ein dickes Rentnerlcin, den sein „Flotten-Patriotismns", wie er sich ausdrückte, die ganze Nacht schon nicht hatte ruhig schlafen lassen, erklärte: „Es ist so fest wie Mecnz, daß die Torpedos schon um 11 Uhr in Bingen sind. Deshalb fahr ich ja mit dem Schnellzug, mein lieber Herrl" Der muß es wissen, dachte ich, des Mannes Stimme quoll förmlich über von sicherem Bewußtsein, eine richtige Wahrheit auszusprechen. Mein Rentner wußte es aber nicht.
In Eltville kam ein ältliches Ehepaar in unser Wagen- Abtheil gekrabbelt. Es waren Zwei, die zueinander paßten; beide nicht sehr groß, nicht sehr dick, aber ungemein freundlich. Der Herr Gemahl war, wie ich aus den Reden hcraushörte, die sich bald zwischen ihm und dem etwas neugierigen Biebricher Rentner entwickelten, ein venstonirter Schullehrer, der sich ein Dörfchen in
der Nähe von Eltville als Ort zur Verzehrung seines nicht allzu reichlich bemessenen Ruhegehalts ausgesucht hat. Aber ein vaterlandstreues Herz schlägt in des alten Herrn Brust, und er, der alte, kleine Schullehrer, ist sehr dafür, daß das Deutsch-Reich seine Größe auch auf dem Wasser würdig repräscntirt. „Auf ein paar lumpige Tausend Mark darf's da nicht ankommen", erklärte er mit einer freigebigen Handbcwegnng. Ich wollte einwerfen, daß es sich allerdings in diesem Fall nur um eine Anzahl lumpiger Millionen handele, aber prinzipiell unterhalte ich mich nicht gern viel mit fremden Leuten in engen Eiscnbahncoupös. Wenn ich reden soll, brauch' ich Raum und es dürfen keine Räder rasseln, sonst gicbt'S dununes Zeug. Und dann hat mein Herz gestern Morgen ja auch etwas von dem gesuhlt, was unser Mitreisender aus Biebrich „Flottcnpatriolismus" genannt hatte. Ich schwieg still und nur eins gefiel mir ganz und garnicht, daß der alte Schullehrer bombenfest dabei blieb: „Ich sag's Ihnen, die Torpedoboots-Division fährt schon um zehn Uhr in Bingen an. Dem L-Wirth in Eltville hat vorhin Einer aus
St. Goar tclepbonirt, eben sei die Flottille am Abfahren." — „Mein Leben nicht," schrie der Rentner, „das wär'
mir ja noch schöner. Da muß ich doch gleich 'mal in mei'm
Fahrplan nachseh'n, wann wir ankommen. Herrgott, da werd' ich die Nacht umsonst nicht geschlafen hab'n." Und als er sich in dem handlichen „Tagblatt"-Taschenfahrplänchen den Trost geholt hatte, daß wir auch in diesem Falle noch einen Vorsprung von etlichen Minuten vor der kleinen, schwarzen Flottille gehabt hätten, schüttelte er vor- und seitwärts, bangend und hoffend den Kopf, was sich sehr- wundersam ausnahm, da er, was sonst Rentner nicht zu haben pflegen, auf dem Kopfe noch ein recht wackeres, sich bei jeder Be- ! weauna des Hauptes wie ein Kornfeld im Winde neigendes Haar- !
wäldlein besaß. Eine Perücke war's nicht. Wenn aber doch, dann bitte ich den Herrn, falls er diese Zeilen liest, diese „Tag- blatt"-Rninmer seinem Perückemnachcr zu schicken. Der Mann wird mir dankbar sein für die Reklame. Nun, auch der alte Schullehrer wußte nichts, denn es wurde zehn Uhr, es wurde elf Uhr und zwölf Uhr und noch immer wollte nichts über das Bingcrloch kommen. Auch von Bingen telcphonirte man. „Aus St. Goar," lautete die Antwort, „sind sie um 10 Uhr weggefahren, in Bacbarach aber haben sie sich fester gesetzt, als sie
wollten." Der Mensch muß Glück haben. Ich habe es selten,
wenn ich'S aber habe, dann halte ich'S fest, und so machte ich eS auch in diesem Falle. Als ich eben vom kolossalen Rumpfe des zwischen Rüdesheim, Bingen und Bingerbrück verkehrenden Trajektboots aus hinaufschaute zu der mächtigen Germania auf dem jetzt auf der Rhcinseite noch kahlen Niederwaldberg und bedachte, daß es doch eigentlich ganz hübsch wäre, wenn die Riesendame dort oben heute und diese Tage einmal die Krone in der rechten Hand mit einer ordentlichen deutschen Rcichsfohne vertauschen und den seltenen und hochwillkommenen Gästen ein fröhliches Willkommen entgcgenwinken wolle, da klopfte mir Einer
auf die Schulter, und als ich mich umsah, da pries
ich den Hiiniuel, denn es war Einer, der viel, viel mehr verstand als ich von dem, was auf dem Wasser lebt und webt. So was, was man eine echte Wasserratte nennt. De» Lesern des „Tagblatt", die sich für Ruder- und Segelsport inter- essiren, ist er bekannt durch seine von großem Sachverständniß zeugenden Berichte iiber Segelregattas und einschlägige Festlichkeiten zu Wasser. Ich hatte also Einen gefunden, der mir das Verständ- niß für das, was ich sehen sollte, öffnen konnte und ich hielt mich treu an seiner Seite. Als sich uns in Bingen dann noch der
