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Verlag Langgasse 21 |2 AuSCKtbßtti „Tag»i-tt Haus" «r. 6650-53.
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den benachbarten Landorten und un Rhemgau die betreffenden Tagblatt-Träger.
„T-gil-tt-H-uS" Nr. 6650-53.
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in einheitlicher Satzform; Anzeigen; 30 Pfg.
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Donnerstag» 15. klpril 1915.
Oer ttrieg.
ver österreichisch«ungarische Tagesbericht. Russische Stellungen am Uzsoker patz erobert.
W. T.-B. Wien, 14. April. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 14. April: Die allgemeiue Lage ist unverändert.
In der Karpathenfront war in den meisten Abschnitten nur Geschützkampf im Gange. Nord- westlich des Uzsoker Passes wurde eine von den Russen vor Tagen besetzte Stellung in ihrer ganzen Ausdehnung durch den Angriff der tapferen ungarischen Jnfantrrieregimenter Nr. 19 und 26 e r- ob e r t. .
In Südostgalizien und der Bukowina herrscht Ruhe. . ,
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnaut.
ver Zusammenbruch der russischen (offensive gegen den vustla-patz.
Nr. Budapest, 14. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die Zeitung „Az Nap" berichtet über die lchte Offensive der Russen: Die Dukla-Osfensive der Russen begann im Januar und nahm Mitte März Dimensionen an, wie sie die Kriegsgeschichte in gleichem Matze nicht kennt. Jetzt kann bereits konstatiert werden, datz diese Dukla-Osfensive der Russen von gar keinem Erfolg begleitet war. Mitte Marz erhielten die Rnffen bedeutende Verstärkungen. Ihre Offensive kulminierte in der Ost er sch lacht und ließ erst jetzt nach, da die Russen sich nach ihren riesigen Verlusten retablieren müssen. Nach genauen Zusammenstellungen haben die Rüsten während dieser Offensive 6 00 0 0 an Toten und Verwundeten verloren, zu denen noch 10 000 un- veuwundete Gefangene kommen.
Rälte und Schnee ln den Uarpathen.
Sr. Budapest, 14. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Ms den: Kriegspresseguartier wird gemeldet: An der ganzen Karpathen front herrscht starke Kälte. Auf den Kampfplätzen in Ungarn und Galizien wüton, starke Schneestürme. Die Kämpfe wickeln sich immer auf der gleichen Linie, östlich von V i r a v a und westlich U z s o k, ab. Östlich mm llzsok, an der Front der deutschen Südarmee, wurden die Russen mit schweren Verlusten zu rückgeschlagen.
vle trostlosen sanitären Verhältnisse in Serbien.
W. T.-B. Zürich, 14. April. (Nichtamtlich) Der „Neuen Zürcher Ztg." wird von geschätzter Seite geschrieben: Nur langsam sickern die Berichte von den t r o st l o s e n Zuständen hinsichtlich der Unterkunft in Serbien durch, und es wäre ein Unrecht. die Berichte zu verschweigen. Nach Angaben von Ärzten lagen z. B. in einem für 16 Mann eingerichteten Raum 68 Kranke zusammengepfercht, 2 oder 3 Mann lagen in einem Bett. Die meisten waren auf Stroh gebettet und gröhtenteils ohne Wäsche und Betten. Sogar unter den Betten lagen sterbende Menschen, welche tagelang unberücksichtigt blieben. Das Blatt fährt fort: Solche Zustände beweisen nicht, datz die serbische Regierung ihr Möglichstes getan hat, um das Los der Kranken zu lindern und die Krankheiten
Soldaten!*)
Soldaten! Wir Bürger der grohen Zeit,
Wir ehren euch, wir huldigen euch;
Wir lieben in eurem grauen Kleid Das herrliche, heilige deutsche Reich!
Ihr seid des Volkes Mark und Kraft,
Seid Opfersinn und Jugendmut,
Und Tränen, die ihr sterbend schasst,
Vergoldet euer Hekdenblut.
Soldaten! Ihr Bürger der Ewigkeit,
Euch grützen wir, euch huldigen wir;
Ihr kämpft um Recht und Friedenszeit.
Daß wir verschont, drum leidet ihr.
Wo Tod und Qual und Rache stöhnt,
Da steht ihr fest, da kämpft ihr mit;
In unsern Hellen Herzen tönt Die Not der Zeit in eurem Schritt.
Soldaten! Ihr Brüder und Helden all,
Ihr Völkertrotz dem Völkerneid,
Seid vom Gemeinen bis zum Feldmarschall Tie herrliche deutsche Einigkeit!
Es tobt die Schlacht, es sinkt der Tag,
Ihr seid so arm, ihr seid so reich;
Doch wie'» auch immer enden mag:
Gott und die Sterne segnen euch!
Erich Oesterheld.
*) Von dem Verfasser des obenstehenden Gedichtes wird uitlich am Samstag im Residenz-Thealer die Erstauf- ang seiner sentimentalen Komödie „Die ctserncn Bruder" err
Morgen - Ausgabe.
so energisch wie möglich zu bekämpfen. Die P flicht einer fürsorglichen Regierung tväre es, unverzüglich für zweckentsprechende Unterkunft zu s arge n. Datz es möglich war, beweisen die Verhältnisse in anderen Staaten. Es ist tlar, datz, wo solche Zustände vorgcfunden werden, es der größten Überwindung seitens der Ärzte für ein Ausharren bedarf. Wir verstehen jene holländische Abordnung von Ärzten sehr, die wieder u m k eh r t e, und wir sind überzeugt, datz ein Arzt nichts ausrichtet, wo die einfachsten Grundlagen für die Krankenpflege fehlen. Wir erachten es für unsere Pflicht, auf diese Zustände aufmerksam zu machen und werdeir bei Erhalt weiterer Berichte mehr bcDnntgeben, damit nicht Ärzte, von Berufseifer getrieben, ihr Leben unnütz zum- Opfer bringen. __
Der Unterseebootskrieg.
Die letzte Begegnung mit weddigen.
Br. Kopenhagen, 14. April. (Eig. Drghtbericht. Ktr. B>n.) Über die Begegnung von „U 29" mit dem englischen Dampfer „Andalusia", eines der vielen Schiffe, die Kapitän Wüddigen versenkte, hat die Londoner „Daily News" von Kapitän Mall eh folgenden Bericht erhalten: Ich war der lchte, der unser Schiff verlich. Bevor ich in eines der Boote stieg, wurde ich ziemlich stark an der Seite gequetscht. Ms die Offiziere des Unterseebootes dies sähen, baten sie mich, das Rettungsboot zu verlassen und an Bord des Unterseebootes zu steigen. Das tat ich denn auch und in Kapitän Weddigens kleiner Kajüte wurde ich von der Mannschaft verbunden. Kapitän W e d d i g e n lud mich zu Zigarren und Portwein ein, und ich benutzte diese Gelegenheit, um ihm so höflich wie möglich auseinanderzusetzLn, was meine Meinung über die deutsche Politik den englffchen Handelsschiffen gegenüber sei. Weddigen antwortete gleichmütig: Es war unsere Pflicht; äber wir suchen gar nicht, Zivilper - s o ne n zu töten, denn es sind die S ch i f f e und nicht die Menschen, tue wir vernichten. Das Gesicht des Kapitäns kam mir von Photographien her bekannt vor, und ich fragte chn: Waren Sie nicht der Kapitän des Unterseebootes, das drei englische Kreuzer in der Nordsee versenkte? — Richtig, antwortete der Kapitän, ja, ich hatte damals das Kommando über ,11 9", aber jetzt bin ich der Kommandant von „11 29". — Keiner von den Deutschen, so erzählt der Kapitän Malley weiter, war uns gegenüber un liebenswürdig. Die Gemütlichkeit der Deutschen erreichte ihren Höhepunkt, als wrr schieden. Das Unterseeboot holte eine französische Bark ein und, nachdem diese zum Stoppen gezwungen war, erhielten wir Befehl, in die Boote zu gehen und mit diesen an Bord des französischen Schiffes zu rudern.
Ein weiterer neutraler Bericht über die Arbeit unserer Tauchboote.
Christiania, 13. April. Der Kapitän der Fredrikstadibark , N o r" ist aus Rotterdam in Hau gesund mit der Besatzung eingetroffen. Er erzählt: Wir verließen Fvedrikstad am 27. März mit gehobelten Breitem für Hüll. Am 31. März, mittags, äls wir uns gerade zu Tisch gesetzt hatten, wurde ein deutsches Unterseeboot in Sicht gemeldet. Wir waren da nordwestlich der Doggerbank. Das Unterseeboot war „11 19". Es hatte die deutsche Marineflagge gehißt und signalisierte: „Augenblicklich stoppen." Wir legten bei und erhielten den Befehl, die Schifsspapiere an Bord des Untersee-
Zwischen;wan;igtausendFeinden.
Skizzen aus einem deutschen Gefangenenlager.
Von Kurt Küchler.
III.
Das Wunderbarste des Lagers und gleichzeitig das erstaunliche Ergebnis einer wohlwollenden Organisation ist das Orchester.
Es besteht aus 26 Musikern, aus Künstlern und geübter. Dilettanten. Der kriegsgesangene Kapellmeister des Stadttheaters in Lille ist der Dirigent. Die Instrumente stammen zu einem kleinen Teil aus belgischer und ftauzösischer Beute. Was fehlte, wurde auf Kosten der Millionäre des Lagers gekauft. Auch ein Klavier durfte gemietet werden. Zweimal des Tags ist Übungsstunde, alle Sonntage Sinfoniekonzert in der „Festhalle", der „Fest-All", sagen die Franzosen, eine verklärende Bezeichnung für die große Halle des Waschhauses, die man für die Konzerte zur Verfügung gestellt hat. 800 Personen können hinein, Sitzplätze kosten 25 Pfennig, wer stehen will, braucht nur 10 Pfennig zu bezahlen. Die Festhalle ist bei den Konzerten immer brechend voll, der freie Platz draußen vor der Halle schwarz von Zaungästen. Der Dirigent versteht es, künstlerische und von hoher Objektivität zeugende Programme zusammenzustellen und alle künstle- rischcri Kräfte des Lagers, Solisten und Spezialisten, auszu- nutzen. Ein Vortragsmeister aus irgend einer Montmartrc- Singspielhalle macht eine Art von Conferencier. Aus den zahlreichen, von den Zeichnern des Lagers mit ornamentalem Schmuck versehenen und hektographisch vervielfältigten Pro- grammen, die ich gesehen habe, teile ich das folgende wörtlich mit:
Nr. 173. ♦ 63. Jahrgang.
bootes zu bringen. Zwei Mann ruderten mit einem Schiffs- prahm an Bord. Wir wurden sehr liebenswürdig van dem Unterseebootkommandanten und den anderen empfangen. Die Leute an Bord schienen ausgezeichneter Laune zu sein; sie spaßten, lachten, -und bedauerten, uns belästigen zu müssen, es sei aber ihve Pflicht. Sie hätten selbstverständlich nichts gegen uns. "Sie untersuchten die Schifsspapiere, behielten sie und befahlen uns, zurückzurudern, die übrigen Mannschaften mitzunehmen und das Schiff zu verlassen. Während wir zurückruderten, kam der Sandefjorddampser „Unita" in Sicht. Wir erhielten die Erlaubnis, cm Bord des „Nor" unser Mittagessen sortzuschen, während die Deutschen die „Unita" untersuchten, die Mais geladen hatte und nach Newport News sollte. Wir nahmen das Nötigste mit und ruderten an Bord der „Unita", wobei zwei Deutsche mit in unserm Boot waren. Während wir dalagen, kam der- Töns- bergdampfer „Terjeviken" vorbei, der von Kirkwall nach Rotterdam unterwegs war, was die Deutschen an Bord der „Unita" erfuhren, woraus „Terjeviken" unangetastet Weiterfähren durste. Mr sahen dann die Deutschen wieder an Bord des „Nor" gehen und die Segel niederholen. Kurz darauf sahen wir eine Rauchsäule auffteigen; sie hatten den „Nor" in Brand gesteckt. Die „Unita" brachte uns nach Rotterdam.
Für die Hinterbiiebencn des „II 29".
Der dem deutschen Volke am Ostersonntag bekannt- gegebene Ausruf der unter dem Protektorat des Prinzen Heinrich von Preußen stehenden Deutschen Luft- und Unter- seefahrt-Kriegs-Hllfskaffe hat bereits in den ersten Tagen nennenswerte Erfolge gezeitigt, so daß der Zentralausschutz in der Lage war, sofort nach Eintreffen der Unglücksnachricht über den Verlust des „11 29" dem Reichsmarineamt für die Hinterbliebenen zur Linderung der ersten Not vorläufig die Summe von 2000 M. zu überweisen.
Ein torpedierter französischer Dampfer in Plymouth eingebracht.
W. T.-B- London, 14. April. (Nichtamtlich.) Der französische Dampfer „Frederic Franc", der von einem deutschen Unterseeboot torpediert worden war, wurde von zwei Regie- vungsbarkassen nach Plymouth geschleppt. Die Mannschaft wurde gerettet.
Die englischen Seeschiffahrtsgesellschaften wandern aus!
Berlin, 13. April. (Ktr. Bln.) Einer Genfer Meldung der „Nürnb. Ztg." zufolge berichtet der Madrider „Liberal": Infolge der zunehmenden Unterseebootsgefahr beschlossen acht englische Schiffahrtsgesellschaften unter Führung der Liver- pool-Harwich-Linie die Errichtung neiuer Überseelinien in spanischen Häfen.
vie niederländische Note an England verschwiegen.
W. T.-B. Haag, 14. April. (Nichtamtlich.) Der „Rieuwe Courant" stellt nach der englischen Wochenschrift „The Eco- nomist" fest, daß die britische Presse die n i e d e r l ä n d i s ch c Note vom 19. März über die englische Kabinettsorder vermutlich auf Befehl des Zensors nicht veröffentlicht hat. Der „iMuwe Courant" bemerkt hierzu, es sei zwar bedauerlich, daß die niederländische Note in England nicht bekannt geworden sei, aber wenn das Verschweigen durch den Zensor veranlaßt sei, dann könne es nur als ein Erfolg der niederländischen Regierung angesehen werden.
Festhalle
der Kriegsgefangenen, Lager III. Sympfonie,
Chef d'Orcheftre Ernst Dauchez.
Programm:
8
Tont Paris Czardas Nr.
Lieder .
a. Dein Angesicht
b. Liederkreis Carmen (1- Partie) .
Sonate clair de lune
Violon fit Piano:
Mr. Lemercier, violon solo Lohengrin
Waldteufel
Michiels
von Schumann
(Mr. Renaud, Baryton) G. Bizct Beethoven
Wagner
28. Fevrier 1915.
Sehr hübsch ist die Geschichte vom Einkauf der Instrumente.
Der Kapellmeister vom Sladttheater in Lille, der ge- tvohnl war, bei kurzen Urlaubsgäugen von Lager zu Lager zwischen zwei Wachen mit aufgesteckteni Bajonett zu marschieren, durste allein mit dem Hauptmann in die Stadt. Dian stelle sich das Entzücken dieses Mannes vor! Er steckte freilich in seiner groben und abgetragenen Uniform ... ein Künstler, und fast ein halbes Jahr im gleichen Anzug! ... aber wie wurde der äußere Mensch für diesen Gang herausgeputzt! Bon seinem äußeren Menschen war eigenllich nur der Schnurrbart da, der das Aussehen heben konnte. So wurde denn der Schnurrbart gewichst und gespitzt, als sollte im Opernhaus von Lille eine Premiere dirigiert werden.
Mit erhobenem Haupt schritt er neben dem Hauptmann her, seine schwarzen Augen funkelten den Kranen und Mädchen entgegen.
