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*8. Jahrgan«.

» eint in zwei Nnsaobcn. — Bezugs-Preis:

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IV,©©© Kvomienlelr.

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nächsterscheiucnden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

N- 814.

Fernsprecher Wo. 52.

Mittwoch, heu 9* Mai.

Fernsprecher Wo 52.

1900*

■Sorgen »il&asfpafo©-

Der GlekIrreiMs-Vttvilloi, auf der Pariser Meltausstettiittg.

Unter den zahlreichen Prachtbauten der Pariser Welt­ausstellung wird der bcistehend unfern Lesern im Bilde vor- gefsthrte Elektricitätspalast eine künstlerisch hervorragende Stellung einnehmen; auch das Wasserschloß mit seiner dreißig Meter hohen Kaskade wird eine besondere Anziehungskraft ausüben. Es hat der Her­stellung eines gaitzen großen Kanalsystems bedurft, um die enormen Wassermassen herbei­zuführen, die über die mächtigen, mühlensteinartigen, die ver­schiedenen Terrassen bildenden Felsblöcke herabsprudeln und sie in sicheren Bahnen nach der Seine abzuleiten. Nun denke man sich beim Einbruch der Nacht diesen Kolossal­wasserfall nicht nur selber durch eine Menge unsichtbarer Licht­quellen erleuchtet, sondern auch von oben durch ein Lichtmeer bestrahlt, das der dahinter in phantastischen Formen zum Nachthimmel emporstrebende Elektricitätspalast über ihn ausgießt. — Im Elektricitäts­palast soll der Besucher der Ausstellung einen Ueberblick erhalten über Alles, was auf dem Gebiete dieser jungen Wissenschaft bisher geleistet worden ist. Rechts und links schließen sich an sein Haupt­gebäude große Gallerieen an.

Erbauer des Elektricitäts- palastes ist der französische Ingenieur Henard. — Das Wasserschloß ist das Werk des Architekten Paulin.

Aus Stadt und Gand.

Wiesbaden, 9. Mai.

— Geschlchtskalendrr vom

9. Mai. 1873: ch John Stuart Mill, berühmter engl. National­ökonom. 1870: + Prinz Friedrich von Württemberg. 1864: Seegefecht bei Helgoland zwischen Dänen und Oestcrreichern. 1849: Blutige Erhebung in Iserlohn. 1848: Kapitulation der Polen bei Bardo. 1805: f Friedrich v. Schiller. 1781: * Friede. Struve in Neustadt in Sachsen, Begründer der künstlichen Mineralwasserfabrikation. 1760: ch Nicolans Graf v. Zinzendorf zu Herrnhut, Stifter der evangei. Brüdergemeinde. 1737: * Christoph v. Koch zu Buchsweiler, verdient um die Wieder­herstellung der Straßburger Universität. 1688: ch Friedrich Wilhelm der große Kurfürst, zu Potsdam.

o. S. K. jj. der Mroghrrzog van Kachsrn-Wrimav

hatte gestern I. K. H. Frau Prinzessin Luise von Preußen nebst Gefolge zum Diner geladen.

— Kon der Warkodurg. AusBraubach, 5.Mai,wird uns berichtet: Im „Hotel zum Kaiserhof" fand heute eine zahl­reich besuchte Versammlung statt, die von der Vereinigung zur Er­haltung deutscher Burgen einberufen war, um an diesem Orte, an dem sich die Vereinigung durch Erwerbung der Marksburg be- heimathet hat, eine Ortsgruppe zu gründe». Den ergangenen Einladungen waren unter Anderen gefolgt der Herr Negierüngs- prästdent v. Hövel, Geheimer Baurath Lanner, Ingenieur Andre,

Gustav Selfgmaun au? Koblenz, Negiernngs- und Baurath Angel- roth aus Wiesbaden, Kreisbauinspektor tzstock ans Rüdesheim, Konnnerzienrath Koch aus St. Goarshausen, Rittmeister d. R. Leinhaas aus Cronberg, Oberrentmeister Pfeil ans Moselkern, Neutucr Walter von Gutenfels (Caub), Bürgermeister Ncusch, Rentner Lessing, Fabrikbesitzer Stadclmanu aus Oberlahnstein und aus Braubach selbst Bürgermeister Schulte, Amtsgerichtsrath Dr. v. Szoldrskn, Dekan Wilbelmi, Dr. Romberg, Professor Jacobs,

Bnrgbesitzcr und RcntnerHcbcrlcin rc. AlsVertreter der Vereinigung waren aus Berlin gekommen Herr Geh. Obcrreqieru ngsra th v. Bremen, Architekt Bodo Ebhardt und der Schriftleiter des „Burgwarts" C. Krollmann. Nach erfolgter Bewillkommnung der Erschienenen Seitens des Bürgermeisters Schulte Nainens der Stadt Braubach eröffnete Herr Gcheimrath v. Breme» die Sitzung, begrüßte die Erschienenen und entwickelte die Aufgaben der Vereinigung zur Erhaltung deutscher Burgen im Allgemeinen und im Besonderen in Beziehung auf Braubach und die Marksburg. Letztere geht in den Besitz des Vereins über, welcher beabsichtigt, die schöne und im Großen und Ganzen wohl erhaltene Burg wieder in guten Stand zu bringen, im Laufe der Zeiten ruiuirte Thcile, wie das Innere der schonen gothische» Palas, die obere Hälfte des gewaltigen Bergfrieds wieder hcrzustellen, ohne die Substanz des vorhandenen Bauwerks irgendwie zu verändern und das Ganze dem großen Publikum wieder zugänglich zu machen als ein Mnster- bauwerk mittelalterlccher Befestiguugskunst. Im Laufe dü Zeit sollen die wiederhcrgestellten Jnnenränme derart nns- gestnttet werden, daß sie eine geschichtlich getreue Wieder­abe einer mittelalterlichen Burg iuit Hausgerath, Waffen rc. ildcn, auch eine Bücherei und Archiv für mittelalterliche Kriegs- und Baugeschichte aufnehmen. Es soll auch Fürsorge ge­troffen werden, daß in einer guten Wirthschaft das Publikum me nöthige Verpflegung erhält. Hierauf hielt Herr Bodo Ebhardt einen ausführliche» Vortrag, in dem er die Marksburg nach historischen und bankünstlerischen Gesichtspunkten betrachtete und die nöthigen Wiedcrhcrstellungsarbeiten an Grundrissen und einem Wiederherstellnngscniwnrf beleuchtete. An den darauffolgenden lebhaften Verhandlungen betheiligtcn sich die Herren Regierungs­präsident von Hövel, Gcheimrath von Bremen, Geh. Banrakh Lanner, Bodo Ebbardt, Konnnerzienrath Koch, Bürgermeister Schulte rc. Die entwickelten Absichten der Vereinigung fanden die allgemeine Billigung der Versammlung und sämmtlrche Anwesende traten der Vereinigung bei. Ans den anc Rhein einheimischen Herren wurde alsbald eine Ortsgruppe koustituirt und Herr Bürgermeister Schulte als Vorsitzender gewählt, welcher vorläufig mit einem Aus­schuß, bestehend ans den Herren Geh. Banrath Lanner aus Koblenz und Konnnerzienrath Koch aus St. Goarshausen, die Geschäfte über­nehmen wird. Der Vorstand der Gruppe soll demnächst sodann durch Kooptation einiger anderer Herren ans Braubach erweitert werden. Ein großer Theil der anwesenden Herren unternahm sodann unter der fachmännischen Führung des Herrn Bodo Ebhardt eine Besichtigung der Burg, deren wundervolle Lage und reizvollm Bauten bei dem herrlichen Wetter, namentlich bei den Fremden, die lebhafteste Bewunderung erregte. Der bisherige Pächter der Burg, Herr Major v. Mechow, wird nach Vertrag mit der Vereinigung die bisher von ihm bewohnten Räumlichkeiten und einige Garten- anlagen zu seiner Verfügung behalten, im klebrigen wird die ge- sammte Burg in Zukunft von der Vereinigung verwaltet und deqr Publikum gänzlich zugängig gemacht. Noch im Laufe des Monats wird voraussichtlich eine gut geleitete Gastwirthschaft oben einge­richtet werden. Nach Besichtigung der Burg kehrten die Herren zu einem gemeinschaftlichen Mahle ini Kaiserhofe zurück.

— Milchlmranstalt nennt sich heutzutage manches land- wirthschaftliche Gehöft, aber bei näherer Betrachtung fehlen die Grundprinzipien, welche au eine solche Anstalt gestellt werdest. Gesunde Kühe in gleichmäßig tempcrirteu, Hellen Stallungen, bei guter Pflege und Fütterung, das sind Forderungen, welche dir Hygieine stellt, die sich aber in Wirklichkeit selten vereint findest. Diesen Anforderungen sucht die Milchkuranstalt von W. Kraft hier auf jedmöglichc Art und Weise gerecht zu werden. Der Kenner, welcher diese Anstalt einer Besichtigung unterzieht, wird sich freuest, daß auch ans der Mitte hiesiger Landwirthe einer aus der alltäH liehen Reserve herausrückte und eine Anstalt ins Leben rief, welche der Menschheit zum Wohl und Segen gereicht.

— Patentwesen. Auf dem Gebiete der Gaskoch-Appnrate ist durch die von Herrn Dreßen, in Firma W. Pritze r, GrabeH straße 14 hier, konstruirte Neuerung lvrcder ein großer Fortschritt zu verzeichnen. Wie uns das Patcnt-Büreau Ernst Franke hier schreibt, welches auch die Patent-Ertheilung unter Nr. 111,835 aqf den Apparat erwirkt hat, zeichnet sich derselbe wie folgt aus: Alks dem die Flammenkörper tragenden Untersatz ruht eine Extra-Herh- platte, die jedoch hohl und mit Wasser gefüllt ist, also gleichzeitig ein Wasserschiff bildet, was zur Vergrößerung des Wasserquantums noch einen Aufsatz mit Deckel haben kann. lieber den Stellen der Flammkörper besitzt die Herdplatte bezw. das Wasscrschiff geeignet große Aussparungen, in die ein Stern von Röhrchen als Rost

(Nachdruck verboten.)

StreMge durch die Pariser Weltausstellung.

Von Paul Liuvenberg.

IV.

m russische« Asien. — Von der sibirische« Eisenbahn. — ei den Samojeden. — Die buddhistische Ausstellung deö

Fürsten Uchtomöky. — Von Moskau nach Peking.

Ein rechts liegender Saal ist dem Kaukasus gewidmet, auch hier ist besondere Bedeutung den Bodenprodukten, den Mineralien und naturgeschichtlichen Sammlungen bcigelegt, daneben lernen wir Land und Leute in Gemälden, Photo- raphieen, Modellen, plastischen Gruppe» kennen, die frucht- aren Gebiete wechseln ab mit den starren eisumhüllten Gebirgsspitzen, auf deren schmalen Pfaden Soldatentrnpps patrouilliren oder die Negiernngsbeamten begleiten. In einem benachbarten Saal werden wir mit der Petroleum- und Naphtha-Gewinnung in Baku vertraut gemacht, große Wandgemälde schildern uns Landschaft und Gebäude, unter denen nicht der Tempel der Feueranbeter fehlt, und zahllose Modelle der industriellen Anlagen veranschaulichen uns den Betrieb der letzteren aufs Eingehendste.

Die vom Haupksaal links liegenden Räume führen uns nach Sibirien und den nördlichsten Gebieten Russisch- Asiens, wobei ein breiter Platz der Großen Sibirischen Eisenbahn Vorbehalten ist. Auch hier ist aufrichtige An­erkennung zu zollen, in welch klarer und übersichtlicher Weise durch Karlen, Pläne, Abbildungen, durch Modelle der Krücken, der Ueberwindung aller Bodeuschwierigkeiten,

der Bahnhöfe rc. das gewaltige Werk uns vor Augen ge­führt wird. Und des letzteren Bedeutung wird verstärkt durch die Sammlungen von Früchten, von Getreidearten, von Hölzern und Mineralien, die aus jenen unendlichen Gebieten stammen, welche die Bahn erschließen wird, einen völlig neuen Faktor in den Weltverkehr bringend und in wirth- schafllicher Beziehung wahrscheinlich Umwälzungen hervor­rufend, die sich heule in ihren vielen Einflüssen noch gar- nicht ermessen lassen.

Auch des Schul- und Kolonisationswescns ist gedacht worden, der Ansiedlungen der Zwangsverschickten, der Sträflingsthätigkeit in den Minen, der neuen Dampfer- Verbindungen ans Strömen und Seen — man fühlt ordent­lich, daß hier, möchte man sagen, ein neuer Weltiheil auf- gethan wird, von dem man bisher so wenig Richtiges und so vieles Falsche vernommen!

Eine ganz andere Scenerie plötzlich in jenem Saale, der uns die nördlichsten asiatischen Länder veranschaulicht: die Wände sind zum Theil mit den seltensten Fellen bedeckt, mit den Waffen und Geräihschaften der Samojeden, mit gemalten und plastisch wiedergegebenen Episoden ihres Thun und Treibens, das wir auch in zahllosen kleineren Dar­stellungen kennen lernen, daneben in ihren von Rennthieren gezogenen Original-Schlitten, in den lederbezogenen Canoös, in der Ausbeute ihrer Jagden. Und welch eine Ausbeute! Eisbären von erstaunlicher Größe, Wölfe, Schnee- und Blaufüchse, Ottern, Hermeline, Zobel, dann Raubvögel jeder Art, Robben, Fische rc. Von der verschwundenen Thierwelt aber berichten uns die ungeheuren Zähne des Mammuth, |

fünf und sechs Meier lang, ausgezeichnet erhalten in den Thon- und Eisschichten jener Gebiete, über denen der russische Doppelaar herrscht.

Wieder ein überraschend neues Bild im Nebensaal: hier hal Fürst E. Uchtomsky, gleich hervorragend als Forscher, Schriftsteller und Publizist, seine umfassenden buddhistischen Sammlungen, die er auf vielen mühseligen und gefährlichen Reisen aus den Grenzgebieten der Mongolei und Mandschurei, wie Tibets, heimgcbracht und die einzig in ihrer Reich­haltigkeit und wissenschaftlichen Bedeutung sind, zur Schau gestellt. In seinen verschiedenen Vertretungen und geschicht­lichen Abstufungen lernen wir den Buddha-Kultus kennen, hauptsächlich in einer Fülle Buddha- und buddhistischer Götter- und Heiligen-Figuren, aus Gold, Silber, Bronce gefertigt, oft von bewnndcrnswerlher Arbeit, die das Er­staunen der Künstler und Kunstverständigen erweckt. Wenn einzelne dieser auf ein ehrwürdiges Aller zurückblickenden Buddha-Gestalten mit dem mildversöhnenden Lächeln in dest erzenen Zügen erzählen könnten — welch eine Vergangenheit würde vor uns erstehen, welche Tiefe religiösen Lebens, welche Reinheit menschlichen Empfindens würden mir kennen lernen! —

In demselben Saal sind noch in der gleichen Weise, wie im vorerwähnten, die Völkerschaften von Jakust und TobolA vertreten, dann die in kaiserlichem Besitz befindlichen, auS Sibirien stammenden Mineralien, theils im Rohzustände, theils zu Vasen, Tellern. Schränkchen rc. verarbeitet, darunter, ganz wunderbare Stücke von unbemessenem Werth, litt!),** die Säle verlassend, an einer Kolonie russischer Blockhäuschtzu