Einzelbild herunterladen
 

- . . “ r--——--

««. Jahrgang.

_letnt in zwei Ausgaben. — Bezugs-PreiS r

durch den Verlag Pia- monatl.

Post » Mk. ««» Psg- vrcrteljährli Ausgaben zusammen.

durch di« für beide

Verlag: Langgasse 27.

17,000 Abanneute«.

Anzeige,,-Preiö r Die einspaltige Petitzeile sür locale Anzeige», 15 Psg., sür auswärtige Anzeigen 25 Mg. — Reklamen die Petitzcile für Wiesbaden 50 Psg-, sür Auswärts 75 Psg.

11 Uhr Vormittags, für die Margen - Ausgabe bis__3 Uhr Nachmittags.

ti’iuc Gewähr m>eruo»nnen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Z 08 .

Fernsprecher No. 52.

Horgen«>y8gabe,

Die Schuld der Reglern«g.

Unser Pariser rv-Korrespondent schreibt uns:

Eine der bedenklichsten Erscheinungen in den politischen Kümpfen Frankreichs war von jeher die Leidenschaftlichkeit, welche die Parteien verleitet, einander alles erdenkliche Schlechte nachzusagen und dadurch das ganze Land vor der Welt in einem trüberen Lichte erscheinen zu lassen, als mit der Wirklichkeit vereinbar ist. Die herrschende Partei beschuldigt die Opposition der schwärzesten Pläne, und diese zeiht die Machthaber der schändlichsten Ver­brechen. Das Ausland, vor welchem sich die Franzosen so gegenseitig herrunterreißcn, nimmt die Uebertreibnngen häufig für baare Münze und zieht den Schluß, daß wohl beide Theile Recht haben mögen und daß der eine wie der andere nichts taugt. Auf diese Weise wird das Ansehen der Nation durch ihre eigene Schuld in der Welt herabgesetzt. Zu den besonders beliebten Mitteln der Polemik gehört es, dem politischen Gegner die Ver­antwortung für jedes allgemeine Mißgeschick in die Sckuhe zu schieben und namentlich die jeweilige Regierung sür jeden öffentlichen Unfall, selbst für Hitze und Kälte, Ueber- schwemmungen, Dürre und Brände verantivorliich zu machen. Bei dieser Geistesrichtuug hat es nicht fehlen können, daß man in der antirepublikanischen Presse behauptete, die Negierung habe die Opfer der in und neben der Weltaus­stellung dieser Tage stattgehabten Unglücksfälle auf dem Gewissen. Vergebens wird amtlich festgestellt, daß für den Einsturz des Fußstegs über die Avenue Suffren ein Privat- baumeistcr sich zu verantworten haben wird, der die bau­polizeilichen Vorschriften eigenmächtig übertreten hat; die Oppofilion verharrt dabei: es ist die Schuld der Regierung! Rocheforl nennt in seinem „Jittransigeant" die Minister ohne Weiteres Mörder. Und da die Menge bekanntlich stets geneigt ist von ihren Mitmenschen das Schlimmste zu glauben, nament­lich, wenn es irgendwo gedruckt zu lesen gewesen ist, so wird wohl für viele beschränkte Leute die Vision des Blutes an den Händen der Regierenden haften bleiben. Es sollte mich sogar nicht Wunder nehmen, wenn der Eindruck dieser fixen Idee, in Paris wenigstens, auch auf das Ergebniß der Gemeinderathswahlen vom nächsten Sonntag znrückwirken wird. „Such' nur die Menschen zu verwirren, denn sie befriedigen, ist schwer", diese Lehre Mephistos haben sich die Nationalisten, welchen nur wenig daran liegt, Frankreich zu befriedigen, getreulich zu Herzen genommen. Einer auf so ungesunden Grundlagen beruhenden Partei ist nichts natürlicher, als daß sie bei Allem, was geschieht und was nicht geschieht, die „Schuld der Regierung" heraustüftelt. Positive Resultate können freilich durch eine derartige Taktik nicht erreicht werden, denn dieselbe ist zweischneidig: heute wird sie gegen diese, morgen genau ebenso gegen die nächste Negierung an­gewandt, und die Wirkung ist, daß eine Voreingenommenheit, ein permanentes Mißtrauen gegen die Autorität überhaupt erzeugt wird,welche jedeStaatslcitungunmöglich macht und dasGemein-

Samstag. de« 6.

wesen der Auflösung zuführt. Darum sollten die gesunden, pro­duktiven und lebenskräftigen Elemente des Volkes sich der gewissenlosen Schmäh- und Berlcumdungssucht entgegen- stemmen, welche das Parteileben Frankreichs vergiftet und das Land nach außen bloßstcllt und entwürdigt. ES ist schon genug, die Negierung und die Parteien für ihr Thun und Unlerlassen verantwortlich zu machen; ihnen die Folgen der Naturereignisse und die Fehler Dritter zur Last zu legen, ist weder mit der Moral noch mit der Logik vereinbar.

Aus Stadt und Kund.

Wiesbaden. 5. Mai.

Verein für Schnlresor»,.

Am Dienstag, den 1. Mai, hielt die Ortsgruppe Wiesbaden des Vereins für Schulreform ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Zunächst erstattete der Vorsitzende, I)r. Roh mann, Bericht über die Thütigkeit des Vereins im abgeiaufeiien Jahre. Er hebt besonders hervor, daß in der letzten Zeit auch in Wiesbaden das Interesse und Verständniß für Fragen der Schulreform sichtlich gewachsen ist, und nimmt an, daß die vom hiesigen Verein in etwa 300 Exemplaren versandte verdienstvolle Broschüre von Professor vr. Lentz: „Die Vorzüge des gemeinsamen Unterbaues aller höheren Lehranstalten" in dieser Hinsicht erfolgreich ge­wirkt habe. Von einer Agitation zu Gunsten einer ein- zurichtcnden städtischen Neformschule soll noch abgesehen werden, da die nene Neatschnle in ihrem Unterbau dem Lehrplan der Reform- schule ja ohnedies entsprechen wird und die Frage erst in einigen Jahren durch die Nothwendigkeit eines weiteren, von der Stadt zu begründenden Gymnastnins brennend wird. Dann kommt Redner zu sprechen auf die Reformplcine des Kaisers und ans die Knnd- gebungsversammlung, die, von mehreren deutschen Vereinen, darnnier dem Verein für Schulreform, vorbereitet, ani 5. Mai in Berlin stattfindet. Hieran schloß sich eine lebhafte Besprechung der beiden von uns bereits bekannt gegebenen Forderungen der Kund­geb, mgsversammlung, deren Ergebniß etwa folgendes war: Von größter Bedeutung für eine gesunde Entwickelung unseres Schulwesens ist die Gleichberechtigung aller 9-klassigen höheren Lehranstalten. Man empfindet es als einen Schritt der Gerechtig­keit, daß Nealgvmnasium und Oberrealschule zu denselben Studien und Laufbahnen berechtigen sollen, wie das Gymnafium; denn wenn ein Gymnasium-Abiturient Chemie studiren oder einen tech­nischen Beruf ergreifen darf, so muß es auch einen, Abiturienten der Oberrealschnle und des Realgymnasiums gestattet sein, Theologie oder klassische Ptfilalogie zu wählen. So gut der Gym- nafial-Abiturient es fertig bimst. in den Fächern, für welche das Gymnasium weniger gut vorbereitet, das Fehlende zu ergänzen, ebenso gut wird das Entsprechende auch einem Realabituricmen gelingen. Es ist Sache der UnterrichtSbehörbc, sich in geeigneter Weise davon zu überzeugen, daß die nöthigen Ergänzungen in der Ausbildung statt- gesunden haben. Sobald die Berechtigung,, ausgeglichen sind, wird bei der Entscheidung über die zu wählende Schnigattung der „Marktwerth" des Abiturientcn-Zeugnisses (d. h. die sich an das­selbe knüpfenden Berechtigungen) keine Rolle mehr spielen, sondern jede Schnigattung wird ohne künstliche Stütze ihren besonderen Biidungswcrlh zu beweisen haben. Eine natürliche Folge der Gleichberechtigung wird dann voranssichktich der gemeinschaftliche

1841: Brand von der Franzosen, zu

Fernsprecher No. 52

lateinlose Unterbau sei». — Als Vertreter der Ortsgruppe Wie«, baden auf der Kundgebungsversammlung wird Herr Or. Roßmana abgeordnet. — Die an den Unterrichtsniinister geplante Petition, die seit einigen Tagen in de» Buchhandlungen von Bornemann (Kirchgasse), Moritz u. Miinzel (Wilhelmstraße) und Römer (Lang, gaffe) ansliegt, kann von nun ab auch in den Buchhandlungen von Jurnny u. Hensel (Wilhelmstraße) und Schellenberg (Ecke der Rhein- und Oranienstraßc) unterzeichnet werden.

- Gelchichtsiralender. 5. Mai. 1892: ff Ana. Wtlh.

v. Hofman», berühmter Chemiker, Entdecker der Anilinfarben. 1886: ff Josef Albert in München, Erfinder der sag. Aibertypie.

'mmburg bis 8./5. 1826: * ©u gerne, Kaiserin Zranada. 1831: ff Napoleon l. auf St. Helena. 1816: Einführung einer freien landskändischen Verfassung in Sachsen-Weimar, der ersten in Deutschland. 1814: Uebergabe von Antwerpen an den Grafen v. Artois. 1762: Friede zwischen Friedrich dem Großen und Rußland. 1747: * Kaiser Leopold II., zu Wien. 1528: ff Kursürst Friedrich 111. von Sachse», der Welse, auf Schloß Lochau. 1609: ff Karl II., König von Neapel,

— Rnriöt«-Ti,enter ,,Kiirs«rsaal". Im .Bürgersaal' wird man l)eute Abend Gelegenheit haben, unter Anderem da« zwar erst neu zusammengetretenc, jedoch schon an vielen Orten b«. fällig ausgenommen- Quartett „Moguutia" zu hören. Es besteht aus zivei Damen und zwei Herren und erfreute sich in Mainz nach verschiedenen Konzerten und Mitwirkungen allgemeiner Beliebtheit. Ucber die letzte Veranstaltung am verflossenen Sonntag im Restanrationssaal des Festspielhauses in Monns berichien die Wormser Zeitungen durchgängig nur Lobendes. Es durste fich sonach ein Besuch im Bürgcrsaal heute Abend sehr empfehlen, o. Kirchliches. Die größere Vertretung der Eoan.

aelischen Gcsammtkirchengcmeinde ist aus Montag, den 7. d. M., Rachinittags 5 Uhr, in die Marktkirche zu einer Sitzung berufen, ans deren Tagesordnung der einzige, wichtige Gegenstand: Ausmalung der Marktkirche, steht.

— Drnbmiinze. Zum 6. Mai, an welchem Tage in Berit« die Großjährigkeils-Erklärnng Sr. Kaiser!, und Königl Hoheit de« Kronprinzen in feierlichster Weise und in Anwesenheit unseres hohe» Verbündeten. Sr. Masestät des Kaiser« Franz Josef von Oesterreich, begangen wird, hat die bekannte Gravir- und Münzanstalt des Herr» Fr. Beyen- bach hierselbst eine Denkmünze herausaegeben, welche vielen Anklang und weitere Verbreitung finden durfte. Dieselbe ist von der Größe eines Fünfmarkstiicks und wurde unrein echt Silber und echt Gold 'geprägt. Sie zeigt auf der einen Seite d,e wohlqelungencn Portrails de« deulscben und des osterrelchisäien Kaisers, sowie des dentschcil Kronprinzen, auf der anderen sette das Königl. Schloß in Berlin, dieses ebenfalls in scharfer und getreuer Gravüre.' Die Bilduiffe sind von entsprechenden Unischrrften ein­gefaßt. Als Andenken an den bedeutungsvollen Tag wie zur Bereicherung von Münzsammlungen eignen die Medaillen sich ganz besonders.

— Tuiiil'ahi t. Der „Tnrn-Verein" unternimmt am Sonntag, den 6. d. M.. seine diesjährige Frühjahrs-Turnfahrt, und zwar über Hcßloch, Auringcn, daselbst erste Ruhepause, von da über Brem- thal Eppstein, Rossert, zweite Ruhepause, sodann über Eppenbaln nach Schloßborn, woselbst eine längere Rast geplant ist, um zum Rest der Turnfahrt sich kräftig zu stärken. Von Schloßborn geht« über den Bntznickcl. Lindenkopf, Niedernhausen und von dort wird die Bahn dann die Tnrnerschaar nach Hause befördern. Freunde der Turncrei, sowie sämmtliche Turner des Vereins sind zu dieser Turnfahrt, die noch durch die munteren Weisen des stattlichen Trommlercorps verherrlicht wird, herzlich eingeladcn.

- Zum Koot»»mgliiik bei R«dr»1,kim. Bei Canb wurde die Leiche des Studenten Franz B adi o r aus Geisenheim gelandet, die zehnte der Opfer der Katastrophe vom 17. April.

— Konti«, sverfayrr». Ucber das Vermögen des Johann Phtlipp Fuchs zun. und Julius Fuchs dahier, beide Inhaber

(Nachdruck verboten.)

Berliner Kricf.

—, den 3. Mai.

Berlin steht schon seit Tagen vollkommen unter dem Einfluß der Festlichkeiten, welche die Großjährigkeits- Erklärung des Kronprinzen und der Bestich des Kaisers von Oesterreich und zahlreicher Fürstlichkeiten mit sich bringen werden. Aus allen Wetterwinkeln Europas werden sie sich hier zusammenfinden und es wird eiwas zu sehen geben. Das ist sicher und das ist „dem Berliner sein Fall", denn die allgütige Mutter Natur hat ihn cncher mit anderen Eigenschaften verschiedenster Qualität auch mst einer eminent ausgeprägten Schaulust begabt. Für Entfaltung höfischen oder militärischen Prunkes ist der Berliner besonders empfänglich und auf diesem Gebiet werden ihm einige Nummern allerersten Ranges geboten werden. Dazu kommt, daß in den Berlinern, wenn sie auch noch so konsequent socialdemokratische und links-liberale Abgeordnete in die Volksvertretungen wählen, wenn sie auch stets bereit sind, zu nörgeln und drspektirliche Bemerkungen zu machen, doch ein warmes Gefühl für das preußische Königshaus lebt; die Massen nehmen regen Antheit an allen wichtigen Ereignissen, welche die königliche Familie betreffen, und schließlich genießt der Kaiser von Oesterreich, der viel Schweres erduldet hat, in weitesten Kreisen als Mensch und als Herrscher lebhafte Sympathieen. Tausend emsige Hände rüsten sich, zu Ehren seines Empfanges die Stadt in ein glänzendes Festkleid zu hüllen, und aus dem, was man sieht, darf man mit Sicherheit darauf rechnen, daß Frau Berolina sich dem Kaiserlichen Gast an seinem Ein­zugstag in pompöser Toitotte präsentiren wird. Ein Jahr­zehnt ist vergangen, feit er sie nicht gesehen hat. Kaiser Franz Zosef wird Frau Berolina verändert finden. Sie

hat sich üppig entwickelt. Aus einem Mauerblümchen ist eine reizvolle „femme de trente ans“ geworden, in allen Kaprizen, die dazu gehören. Den „elon“ der Straßen­ausschmückung bildet der Bau, den die Stadt Berlin auf dem Pariser Platz am Brandenburger Thor hat errichten lassen. Offiziell führt dieser mächtige Bau den Namen einer Triumphpforte. In diesem Fall sind die Berliner bei der Wahl der Bezeichnung, die sie diesem Bau beigelegt haben, außerordentlich bescheiden gewesen, denn diese so­genannte Triumph- und Ehrenpforte ist thatsächlich ein mächtiges Kastell mit hohen Thürmen. Es überragt das Brandenburger Thor um ein Bedeutendes und gewährt mit seiner Bekleidung aus Tannen, mit den mächtigen Lorbeerbäumen, die es zieren, mit dem großen Aufwand an Blumcndekorationen, mit seinen Wappenschildern, Fahnen und Bannern, mit seinen Drapericen aus schweren Brokat­stoffen und den hohen Obelisken, die es flankiren, einen wirklich imposanten und schönen Anblick. Ich fürchte aber, daß die Errichtung dieses Prunkstückes nichl ohne Nachspiel bleiben wird. 50,060 Mark hat die Stadtverordneten­versammlung für die Straßenausschmückung bewilligt — wenn es an das Bezahlen gehl, so wird es sich Herausstellen, daß der Spaß mindestens das Doppelte gekostet hat, aber das schadet nichts: „Wir haben es ja", und bei einer solchen Gelegenheit darf Berlin sich nicht lumpen lassen. Wenn schon, denn schon, und wenn bei den Nachbewilligungen einige Enirüstungsreden gehalten werden, so werden Die, an deren Adressen sie in erster Reihe gerichtet sein dürften, sie um so leichter ertragen, als sie dann bereits ihren Theil an dem österreichischen Ordensregen abbekommen haben werden, der sich zweifellos über Berlin ergießen wird. Alle Hoffnungen, mit denen man fick nach dieser Richtung hin trägt, werden natürlich nicht in Erfüllung gehen, das wäre auch ein Ding der Unmöglichkeit, denn so viele Orden giebt es gar nicht, wie der Kaiser von

Oesterreich hier los werden könnte, aber sehr Viele werden glücklich gemacht werden und manches Knopfloch wird sich aufthun dürfen. Ein internationaler Ordensregen wird sich auf den Kronprinzen niederrieseln; der Herzog von Jork bringt ihm das Hosenbaud; der Herzog von Oporto das Collier zum Schwert- und Thurm-Orden; der Prinz Christian von Dänemark den Elephanten-Orden. dessen merkwürdige Dekoration aus einem weiß-emaillirten Eiephanlen mit goldenen Sloßzähnen besteht, der eine blaue Decke mit einem Kcenz von vier Diamanten, einen Thurm mit Zinnen auf dem Rücken und einen mit einem Spieß bewaffneten Sieger auf dem Halse trägt, und der Großfürst Konstantin von Rußland bringt den Andreas-Orden, den russischen Haus - Orden. Glücklicher Kronprinz! Von allen fürstlichen Güsten, die zu den bevorstehenden Festlichkeiten hier erwartet werden, ist nächst dem Kaiser von Oesterreich der Großfürst Konstantin Konstantinowitsch wohl die interessanteste Erscheinung. Er ist Großonkel des regierenden Kaisers und Bruder jenes vielgenannten Groß­fürsten Nicolai, der, nachdem er seiner Mutter Diamanten, die sich in einem Heiligenbild befanden, „entlehnt" hatte, um sie der schönen Amerikanerin Fanny Lear zu schenken, in die Verbannung nach Turkestan geschickt wurde. Dort oder in der Nachbarschaft befindet er sich noch heute ohn« Aussicht, je wieder in Gnaden ausgenommen zu werden, denn für die kaiserliche Familie ist er todt. Großfürst Konstantin, in seiner äußeren Erscheinung ein wahrer Hüne, hat von seinem Vater, dem ältesten Bruder Kaiser Nicolaus I., die hohe geistige Begabung geerbt, durch die er fich aus» zeichnet. Er ist ein Dichter, ein wahrer Dichter, und nimmt als Lyriker vielleicht die erste Stelle unter den lebenden Dichtern Rußlands ein. Neuerdings hat er eine vorzügliche Uebersetzung des Hamlet ins Russische geliefert. In dieser Uebersetzung ist der Hamlet auch mit großem Pomp von