Einzelbild herunterladen
 

klinge zum Wiesbadener Tagmntt.

Ko. 208. Worgen-Ansgalre.

Samstag» den 5. Mai.

48. Jahrgang. 1900.

(27. Fortsetzung.)

(Nachdruck verboten.)

Gin Frühlingstraum.

Roman von Johannes van Aewakk.

Ich nahm mir einen Stuhl uitd stellte ihn dicht neben den ihrigen. Ich zögerte einen Augenblick, dann erwiderte ich mit einem Seufzer:

„Ich glaube. Sie haben Recht, Margot, — und wozu soll es auch führen? ... Ich fürchte, alte Wunden auf­zureißen."

„Trotz der drei Jahre, die sie schon vernarben?"

„Ja, — trotz dieser drei Jahre."

Sie bewegte leise das Haupt.

„Und seid Ihr deutschen Männer alle so beständig in Eurer Zuneigung?" frug sic mit einem Versuche zu lächeln. „Also giebt es wirklich noch echte Männertreue auf dieser Welt?"

„Ach, — es muß wohl so sein, Margot!"

„Die Sache ist also ernsthaft, — Sie fürchten heute noch, sie wiedcrzusehen, weil . . . weil . . .?" frug sie zögernd.

„Es muß doch wohl so sein, — wie thöricht, nicht wahr?" sprach ich nachdenklich. „Sehen Sie, Margot, ich verstehe mich selbst nicht und das ist ja eben das Schlimme bei der Sache. Ich war so unglücklich, ich habe so lange gekämpft und bin nun verhältuißmüßig wieder ruhig und glücklich. — Ich hatte niemals den Wunsch. Adda wieder­zusehen, — seit Jahren nicht mehr. Ist es nicht besser für beide Theile, ich suche Mistreß Blunt nicht auf? — Ich tappe herum wie ein Narr im Finstern, ich ärgere mich selbst über meine Unentschlossenheit."

Margot saß mir ernst und schweigend gegenüber, sie hatte ihren Kopf zurückgebogen gegen die hohe Lehne ihres Stuhles, der Schatten des Lampenschirms ließ ihr Gesicht im Halbdunkel.

„Sehen Sie, Margot," begann ich nach einer Weile aufs Neue, „damals, zu Anfang, fühlte ich nur Theilnahme für daS schöne Mädchen; ihr weiches Gcmüth, ihre Ver­traulichkeit und Arglosigkeit entzückten mich, dann kam mir der Gedanke, welches Glück es sein müßte, dieses schöne Wesen zu besitzen, zu bilden. Später, als ich wußte, welche Pläne man mit ihr vor hatte, empfand ich tiefes Mitleid für Adda, — allerhand romantische Ideen spukten in meinem Kopfe. Ich glaube, ich hatte damals ein ähnliches Gefühl, wie die alten Ritter, die mit Drachen und dergleichen kämpften, um ihre Dame zu befreien und den Liebespreis aus ihrer Hand zu erhalten, — ich wollte das Fcenkind erlösen und heimführen. — Lachen Sie immerhin über mich, — ich war ein Phantast, der deutsche romantische Schwärmer stak iil mir . . . Dann wollte ich entsagen, unb dann kam jener Abend auf der Bastei, der alle meine schönen Eut- schlüsse mit einem Male über den Haufen warf . . . Seit jenem Abend liebte ich Adda mit der ganzen Gluth eines unentweihten Herzens, — wie hoffnungslos, das wissen Sie selbst.

Als ich genesen war von meinem Rücksalle damals, war Adda die Gattin eines Anderen. Anfangs war ich be­täubt, innerlich zerschmettert, ich glaubte diese Täuschung, diesen Schmerz nicht überleben zu können, ich klagte das Schicksal an, daß jene Kugel, welche meinen Arm zer­

schmettert, nicht mein Herz traf. — Dann kam daö Gefühl der Pflicht, das Gefühl, daß ich leben mußte meiner alten braven Mutter wegen, der verletzte Stolz kam hinzu, welcher mir sagte, daß Adda mich nicht liebte, mich nie geliebt hatte"-

So begann ich an jenem Abende vor Margot mein ganzes Herz auszuschülte», ihr zu erzählen von meinen Kämpfen und meiuen Qualen, von meiner endlichen Genesung, von dem Glücke, ivelches mir wieder zngelächelt halte, von der Ruhe, welche ich mir endlich errungen, und von meiner großen Freude, sie wiedergefunden zu haben, — bis wir Beide weinten >vie die Kinder und sie in Thränen ansrief:

„O mein Gott, — welch ein seltsamer Mensch sind Sie, — welch eine Sclbstqual, welch ein Kampf mit einem Schatten!"

Und dann fing ich an, Margot zu danken für alle ihre Güte und Freundlichkeit, — ich nannte sie das beste, edelste Herz, meine treueste Freundin, ach, und bei alledem ahnte ich nicht, wie dem Mädchen p Muthe war bei meinen Ge­ständnissen, und wie ihre Thränen bittere, bittere Tropfen ihres eigenen Herzblutes waren!

Welch ein Narr war ich damals, der einem Phantom nachjagte, der mit Windmühlen focht, wie der Ritter von der traurigen Gestalt, und das Glück nicht sah, welches er mit Händen greifen konnte!

Wie ist doch der Mensch so oft sein größter Feind!

Die Tanten waren nicht zu Hause, deshalb fuhr ich empor, als ich die langgezogenen Töne der Trompete ver­nahm, — nian blies die Diane in der Kaserne am Quai d'Orsay. Ich konnte schicklicherweise nicht langer bleiben, ich nahni meincn Hut und stammelte nochmals meinen Dank.

Margot reichte mir traurig ihre Hand, und als ich den leisen warmen Druck derselben fühlte, zog rch sie gerührt an meine Lippen.

Wie wunderbar, daß, als diese kleinen, zarten Finger mich berührten, es plötzlich mir in den Sinn kam, wie Margot mir damals, als ich so krank und verlassen war, jene Rose gebracht hatte!

Tiefbewegt ging ich zu Haus.

Zwölftes Kapitel.

Ich stürzte mich mehr wie je wieder in meine Arbeiten, ich wollte den Lindwurm, welcher noch einmal sein dräuendes Haupt erhob in meinem Innern, mit denselben Waffen be­kämpfen, wie ehemals.

Ich zeichnete und studirte mit eisernem Fleiß und be- gann einen großen, sehr schwierigen Entwurf. Ich sah selbst Margot nicht in den nächsten Tagen, ich wollte allein sein. Eine Art von Bitterkeit war über mich gekommen, deren ich nicht Herr zu werden vermochte. Ich grollte der Vorsehung, daß meine Leiden niemals enden wollten.

Natürlich lag mir nichts so fern, als Adda anfzusuchen in dieser Stimmung, — ich wollte sie überhaupt nicht Wiedersehen.

Man gab damals in der komischen Oper eine kleine Operette, welche allgemein gefiel, ihrer leichten hübschen Melodieen und der reizenden Ausstattung wegen, — „Le chien du jardinier“.

Eines Tages erhielt ich einen Brief von Margot durch die Post, — ich glaube, es war am dritten Tage nach

nnscrer letzten Unterredung, — worin sie nur schrieb, ob es mir angenehm sein würde, sie und die Tante Chevalucr • die Andere war eine Madame d'Alanconrt — iu tue Oper zu begleiten.

Natürlicherweise sagte ich zu und hielt am Abend gegen halb 8 Uhr mit meinem Wagen vor ihrer Wohnung in der Rnc Dominique.

Ich fand Margot und ihre Tante bereits in Toilette. Margot hatte ein hellseidenes Kleid an und trug eine einfache, große Schleife im Haar. Sie sah so hübsch ans, daß ich nicht umhin konnte, ihr dies zu sagen. Sie lächelte mir freundlich zu und schien in der That geschmeichelt, da, glaube ich, meine Angen noch deutlicher sprachen als meine

Wahrheit, Margot hatte eine Art, sich zu kleiden, — oder verlieh sie nur durch ihre eigene Amnulh ihrer Toilette einen so eigcnthümlichcn Reiz? — die Jeden entzücken mußte.

Wir brachen auf, ich führte Madame Chcvallier die Treppe hinab und hob die Damen in den Wagen. Während rch auf dem Rücksitze saß und mit der Tante plauderte, fiel es mir auf, daß Margot so still in ihrer Ecke lehnte.

Wenn das Lampenlicht beim Vornbcrfahren rn das Innere des Wagens siel, sah ich, wie hinter dem Schleier hervor ihre Augen ernst hinansstarrten, als hinge sie ihren eigenen Gedanken nach.

Wir fahren an den Tuilerieen vorüber, mußten dann eine Weile noch Qiiene machen in der laugen Wagenreihe, die zur Oper fuhr, und hielten endlich vor der Einfahrt.

Als ich die Tante durch das Foyer führte, ging Margot vor uns her, nicht wie sonst so federleicht und elastisch, sondern still, als drücke sie etwas.

„Was mag sie nur haben?" dachte ich bei mir selbst. Aber schon öffnete sich die Loge und wir nahmen unsere Plätze ein. Ich holte mein Glas hervor und schaute mich um.

Eine Fluih von Licht, ein Damenflor in den reizendsten und reichsten Toilette», funkelnd von Edelsteinen; weiße Nacken und entblößte Arme, die aus einer Wolke von Gaze und Spitzeil hervorschanten, blendeten förmlich das Auge. — Es bedurfte einiger Zeit, um es an diesen Glanz zu gewöhnen, um einzelne Ruhepunkte zu finden in diesem

reizenden Chaos. ... m

Es war ein feenhafter Anblick, diese langen Rechen schöner Frauen in den Logen, die sich bewegten und brüsteten in dem strahlenden Scheine der Girandolen und Kronleuchter, auf einem Hintergründe von Grün und Gold. Ein sanftes Rauschen und Murmeln dnrchzog den weiten Raum, ein süßes Parfüm durchduftcte ihn fast betäubend.

Nach einer allgemeinen Rnudschan fielen meine Blicke wieder auf Margot, die vor mir saß.

Sie wandte ihren Kopf herum und frug mich: „Wie ge« fällt es Ihnen?" und schaute mich an mit ihren dunklen,

tiefen Angen. .. . . , -

Mir kam es vor, als wären diese Augen heute noch größer und gläiizender als sonst und ungewöhnlich ernst, und als sähe ihr Teint im Lampenlichte am Abend bleicher

aus wie sonst. ,

Ich bog mich näher zu ihr, um mit ihr zu plaudern, dann begarin die Ouvertüre und sie kehrte sich wieder der Bühne zu.

(Fortletzung folgt.)

Media- Socken und Strümpfe.

I). ß.- Patent 86417.

1 ). R,-Patent 86417.

Das Media-Fabrikat ist das einzige, welches Feinen und Wolle derart verbindet dass das die Hautberührende eeine reinigende frottirende Wirkung tliun kann, während die äussere Wollsclncht ihre wärmende, dm schlechte Luft absondernde, die Transpiration reg.

Thätigkeit übt. ^ AnerUennilllgsS ebreiben, u. A. von dem hohen Konigl. Preußischen

Gell. Obcr-Medicinalrath Professor Dr. Pettenkofer, Professor Pr. Rubner, Pirector des liygiem. Ins N * '

wird anerkannt dass die Media-Fabrikate das gesündeste und zweckmässigste auf dem Gebiet der Fuss-Bekleidung Ilervorge i.ic i e ais e en. „mnfrme

wrrd anerkannt,^ass d* Media ^ g Garde . Regim ent .« Fass, bescheinigt, dass die während eines 1-tägigen Manövers mit seiner Compagnie

angestellten Trage-Versuche über Erwarten günstig ausgefallen sind, dass selbst nach den grössten Marschen info ge ci eigenai igen cs 59?5

Socken keine Fälle von Wnndlanfen oder Brennen der Ffisse vorgekommen seien. _ .. .

Unentbehrlich für Fussleidende, Radfahrer und Touristen. Stets trockener Fuss. \\ nndlanfen unsnogl .

In Wiesbaden nur zu haben bei

Ludwig Hess,

Webergasse 18.

Bad haus zum Kranz,

Lan^^asse »O« Kclie firaiiitplaizi

Thermal-Bäder ä 60 Pf.,

gnnz neu einjjericlitet. 2818

Moblirte Zimmer I. Etafe.

ßuvitfetie gelbe 24, weiße L^, ^chmierfelle, dunkel 20,

belle SS Pf. S-iuvotbacherstr. 71. Tel. »52.

Ufberzemsen Sie sied, dass mei»© pcBtsehlÄhd- F*fcrrfttS«r

u. Zubehdii teile ie besten un&Uboi

WW.. '

aHarWUigSten sind, j

WiedtrvefkfcafelS'****».

n...«i ir n i»1ni* ortii.ia & I

^'Haupt-Katalog gratis & franco-

August SttiKinbrsk, Einbeck

Erstes u. grösstes Spectal-Pabtraa- V ' "—

Kartoffeln, magnum bonum,

Centner 2 Mk. abzugeben bei J. Merrem, Gut Geisberg,

Franz Schirg,

1. Webergasse 1 — Nassauer Hof.

Seerohenftratze 16,

Gartenbaus 1 I. (Elektrische Bahn»

Atelier für Zahnleidende

von

Jul. Lehnhardt

Hirdigasse G, 2. Stock.

Gewissenhafte Ausführung aller operativen und technischen Arbeiten.

Streng reelle Bedienung. Sprechstunden an Wochentagen von 9 6 Uhr.

_ „ für Unbemittelte v.

" " " 1-2 Uhr.

„ „ Sonntagen v. 9—8 Uhr.

Haltestelle Drudenstraße). Agentur der Wäschc-Kabrtk von A. Bertelsmann, Bielefeld; auch sind daselbst schöne moderne ächte Schweizer Stiickereien zum Sabrikspret*,

portofrei und verzollt.

HuW.PATAKY

fra-kV-. "

\ Centrale: SerHnB.W.S^ OegrtfiHteftttg. \

(F.a. 2438/11^