Wiesbadener Tsgblaü.
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Nr. 172. . 63. Jahrgang.
Mittwoch, 14. April 1915.
Abend-Ausgabe.
Der Krieg.
Oer Tagesbericht vom 14. April.
ALe französischen Angriffe wieder mißglückt. Die Lage im Osten unverändert.
W- T.-B. Großes Hauptquartier, 14. April. ^Amtlich.)
westlicher Uriegsschauplay.
Eiu nächtlicher feindlicher Borstoß bei Berry au Bac scheiterte. Nordwestlich von B e r d u n brachten die Franzosen gestern Minen mit stark gelblichem Rauch und erstickend wirkender Gasentwicklung gegen unsere Linien zur Anwendung.
Zwischen Maas und Mosel wurde weitergekämpft. Bei einem starken französischen Angriff gegen dir Linie Maiserey-Marcheville drangen die Franzosen an einer schmalen Stelle bei Marcheville in unsere Stellungen ein, wurden aber durch Gegenangriffe bald wieder hinausgeworfen. An der übrigen Front brach der Angriff bereits vor unserer Stellung zusammen. Zwischen C o nr b r e s und St. M i h i e l fanden gestern nur A r t i l - leriekämpfe statt.
Im Aillywaldc wurde »ach erfolglosen feindlichen Sprengversuche« drei feindliche Angriffe zurückgewiesen. Ein Angriff beiderseits der Straße Essey-Flirey scheiterte westlich dieser Straße und führte östlich derselben zu Nahkämpfen, in denen unsere Truppen die Oberhand behielten.
Im Priestcrwalde fanden keine Kämpfe statt.
In den B o g e s e n mißglückte ein französischer Borstoß gegen den Schneifenriedkopf, südwestlich von Mezeral.
Gestlicher rrriegsschauplatz.
Die Lage im Osten ist unverändert.
Oberste Heeresleitung.
Die Kriegslage im Westen und Osten.
(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)
S. Berlin, 14. April. (Ktr. Bln.) Die militärische Lage tm Westen und Osten wird, wie wir Mitzuteilen ermächtigt werden, an maßgebender Berliner Stelle als durchaus günstig und zufriedenstellend angesehen.
Die angcknndigte französische Offensive zwischen Maas und Mosel ist, wie ja auch aus den amtlichen deutschen Berichten hervorgcht und selbst aus der französischen Berichterstattung wenigstens zwischen den Zeile« heransgelesen werde» kann, völlig gescheitert. Wenn demgegenüber z. B. in dem französischen Bericht vom 10. 4!pril behauptet wird, dir Gesamtheit der deutschen Stellung bei E P a r g e s befinde sich in de» Händen der Franzosen, so muß festgestellt werden, daß die Höhen bei Eparges überhaupt niemals in deutschem Besitz gewesen sind und um diese Höhen auch nicht gekämpft worden ist. Die Höhen von C o m b r e S, um die gestritten wird, und auf denen wir unS behauptet haben, liegen zwar unmittelbar in der Nähe von CpargeS, sind aber von ihnen durch einen Bachlauf getrennt. Die Angaben der Franzosen, die Deutschen hätten bei Eparges 30 000 Mann verloren, sind ebenfalls völlig falsch. Im ganzen Abschnitt gibt, wie sestgestellt werden kann, die Lage genau so zur Befriedigung Anlaß wie an allen anderen Stellen der Westfront.
Ebenso günstig hat sich die Lage im Oste n gestaltet, wo die österreichisch - ungarischen Truppen sowohl wie die deutschen in der letzten Woche fühlbare Fortschritte gemacht haben. Die K a r p a t h e n f r o n t ist f e st in unsere» Händen und östlich dem Laborczatal wie im Ondavatal sind unsere Truppen sogar bereits zur Offensive übergegangen, und diese Offensive hat auch schon Fortschritte gemacht.
Lin italienischer Sachverständiger über die Kriegslage.
Der für uns günstige Stand.
W. T.-B- Zürich, 13. April. (Nichtamtlich.) Die „Neue Zürcher Zeitung" gibt einen Auszug wieder aus einer bemerkenswerten Unterredung des Kriegsberichterstatters der ententefreundlichen „Gazetta bei Popolo", namens Cipolla, mit einem hohen italienischen Offizier, dessen Name verschwiegen werden müsse, über die Lage auf den Kriegsschauplätzen, die dem Berichterstatter selbst überraschend vorkommt. Der Einbruch in Ungarn schein: dem Geftagten keineswegs bevorstehend. Die Gerüchte über einen Sonderfrieden zwischen Österreich-Ungarn und Rußland sind sehr absurd. Die militärische Lage der Russen sei ernstlich vom österreichischen rechten Flügel bei Uzsok bedroht. Es sei nicht ausgeschlossen, daß Hindenburg seine Stellung an der ostpreußischen Grenze, so stark habe befestigen können, daß er mit bedeutenden Streitkräften den Österreichern zu Hilfe eilen könnte. Der Kernpunkt der militärischen Lage liege in dem von den Deutschen großartig befestigten Belgien. Der Ausgang des Krieges sei abhängig von der inatcricllen und moralischen Lage im Stuiexo der am Kriege beteiligten Länder.
Kein Zonderfriede.
O Berlin, 13. April.
Sonderbare Sorgen lnachen sich manche vortreffliche Menschen und schlechte Musikanten tn zwei verschiedenen Ärgern. In dem einen Lager wird befürchtet, daß die anderen zur Verständigung mit Rußland bereit seien, um die ganze Wucht unseres Angriffs gegen England richten zu können; die anderen haben wieder den Verdacht, daß der Gedanke einer Versöhnung mit England Wurzel schlagen könnte, und daß so die einstweilen noch tastenden Versuche, zu eineni Ausgleich mit Rußland zu gelangen, durch eine neue Rückendeckung nach Westen hin hintertrieben werden möchten. Dies Gerede hüben und drüben würde eine Betrachtung nicht verlohnen, wenn die Befürworter einer Verständigung mit England nicht die bestimmte Behauptung äußerten, es würde neuerdings ein förmlicher und anscheinend geradezu planmäßiger Feldzug für einen Sonderfrieden mit Rußland geführt. Gegen solche offenen und verschleierten Pläne also richtet sich die besorgte Meinung derer, die, wenn denn doch einmal gewählt werden soll, lieber einen W e st b l o ck als einen Ostblock wollen. Wir besprechen diese Auseinandersetzungen mit der Absicht, von der öffentlichen Meinung eine Beunruhigung fernzuhalten, für die uns schlechterdings kein Grund vorhanden zu sein scheint. Wir haben nirgends bisher wahrgenommen, daß die angebliche Absicht, eine Brücke nach Petersburg hin zu schlagen, an einer verantwortungsvollen Stelle besteht, weder in politischen noch in militärischen Kreisen. Wir sehen überall nur die unbeugsame Entschlossenheit, mit jedem unserer Feinde gleichermaßen gründlich abzurechnen und den Kampf nicht eher einzustellen, als bis sie allesamt so geschlagen sind, daß ihnen die L u st zur Wiederholung eines Welt- geschichtlichen Verbrechens für lange Zeit vergeht. Wir müssen ausnahmsweise dem „Vorwärts" zustimmen, wenn er schreibt: „Wollen die Gegner der Parole gegen England einen Erfolg davontragen, so müssen sie aus der Tatsache, daß letzten Endes der deutsch-englische und der deutsch-russische Krieg derselben Quelle entsprungen und organisch miteinander verbunden sind, die nötigen Konsequenzen ziehen." sich der „Vorwärts" dabei denkt, braucht uns hier mch.s anzugehen: in unserem Sinne heißt es und soll es heißen: unsere Ausgabe ist es gar nicht, die politische und die, geschichtliche Verantwortung Rußlands hier und Englands dort so abzuwägen, daß wir daraus eme verschiedenartige Behandlung der beiden Mächte zu folgern haben. Die Verantwortung ist dieselbe, und so muß unser Verhalten auch dasselbe nach beiden Richtungen hin sein. , ^zst das alles selbstverständlich, muß das der alleinige Ausdruck des Volkse m pfindens sein, so ist es freilich noch nicht selbstverständlich, daß an den leitenden Stellen ebenso gedacht wird. Es wäre möglich, daß man die Dinge dort anders ansieht. Aber, um es zu wiederholen, diese Möglichkeit ist nach unserer gutge- gründeien Überzeugung keine Wirklichkeit, . sondern . wir dürfen die Gewißheit haben, daß m dieser Kernfrage kein Unterschied zwischen Re - g i e r u n g und Volk vorhanden ist. Wir dürfen weiter darauf vertrauen, daß auch die gelegentlichen Äußerungen von mehr menschlichem als _ politisch bestimmtem Wohlwollen für Frankreich keinen Einfluß auf die Entschließungen unserer politischen und unserer Heeresleitung haben werden, wenn der Zeitpunkt gekommen sein wird, wo die Feinde die Zeche bezahlen sollen. Run aber liegt es so, daß die Erörterungen darüber, wie wir mit dem Dreiverbände abzurechnen haben, darum -in der Luft schweben, weil eine d e u t- I i ch erkennbare Neigung zum Frieden auf der Gegcnsefte noch nicht besteht. Zwar können wir an- nehmen, daß in allen drei Hauptstädten und in allen drei Gcneralstäben die U nw a h r s ch e i n l i chk e i t, die erlittenen Einbußen wett zumachen, längst erkannt worden ist, aber es ist psychologisch begreiflich, wenn immer noch auf eine Wendung des Kriegsglücks gehofft wird, und solange wir keinen wirklich entscheidenden Schlag geführt Haben, innß den Feinden der Verzicht aus Fortführung des Krieges in der Tat schwer fallen; wir können diesen Verzicht nicht so bald erwarten, zumal nicht nach der besonderen Beschaffenheit der Kriegslage zwischen Rußland und Österreich-Ungarn. Es ist nach alledem wirklich nicht nötig, daß wir uns schon heute den Kopf darüber zerbrechen, wie wir es mit Rußland auf der einen und mit England auf der anderen Seite halten sollen. Wir müssen k ä in p f e n, das ist, um ein vom Fürsten Bülow gern gebrauchtes Zitat anzuweu- den, die Forderung des Tages, es ist die c i n z i g e, uns gegenwärtig gestellte Forderung.
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Englische Hoffnungslosigkeit über die Zukunft . Belgiens.
Br. Rotterdam, 14. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Über die Zukunft Belgiens schreibt die „Times" ziemlich pessimistisch, mau nehme in den militärischen Kreisen Englands an, daß Antwerpen durch die Deutschen nunmehr zu einer stärkeren Festung gemacht worden sei, als es vorher war. Dasselbe gelte auch von Lüttich und N a m u r. Man sei in England sogar der Ansicht, Antwerpen wurde sich länger halten können als Metz. Auch die Besestigungswerke von Lüttich wurden während der letzten vier Monate bedeutend verbessert.
Die Angst vor der Wahrheit.
Berlin, 13. April. (Ktr. Bln.) Seit dem 6. d. M. müssen alle schweizerischen Zeitungen, wie „L'Jmpartial" vom 9. April berichtet, gleichviel nach welchem Orr Frankreichs sie bestimmt sind, über P o n- t a r l i e r gehen, wo ein Z e n s u r b u r e a u üie Verbreitung unliebsamer Nachrichten verhindert. Eine ähnliche Maßregel ist bezüglich der italienischen Zeitungen getroffen worden. Das Eintreffen der Zeitungen an ihrem Bestimmungsort wird dadurch er« hMich verzögert.
Verfilmung der französischen „Heldentaten".
Br. Amsterdam» 14. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die „Times" meldet aus Paris: Die fran- zösische Regierung wirb, um die neutrale Welt über die Leistungen des französischen Heeres zu unterrichten, eine Reise von Kinematographen längs der ganzen französischen Linie organisieren. Tn« Nachfrage nach deutschen Kriegsfilmen in Amerika und anderen neutralen Staaten beweist, daß großes Interesse für photographische Kriegsaufnahmen sei. In einigen Wochen dürften schon französisch« Films m England zu sehen sein.
Die englischen Munitionsschwrerlgketten;
W. T-B. London, 13. April. (Nichtamtlich. Reuter.) In einer öffentlichen Rede erklärte Lord D u r h a m, im Anschluß an einen Besuch, den er an der Front gemacht habe, habe Feldmarschall French ihm das dringende Bedürfnis an Schisßvorrat nahegelegt. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, meinte der Feldmarschall, können wir sehr wohl Sie deutschen Linien durchbrechen. Allein wir brauchen mehr Geschosse. Ich muß den Feind in seinen Stellungen beschießen und immer wieder beschießen, ohne auf die Kosten achten zu müssen, denn auf diese Weise wird das Leben unserer Tapferen verschont bleiben.
(Also selbst wenn, wie bei Neuve Ehapclle, 48 englische Bataillone gegen 3 deutsche stehen, scheint dem englischen Oberbefehlshaber ein Durchbruchsversuch nicht geheuer, so schreibt die „Köln. Ztg." hierzu. Er braucht noch mehr und immer mehr „Trommelfeuer". Seine Äußerung illustriert aufs drastischste, wie w i r k s a m Amerika durch seiue Munitionslieferung aus der Seite unserer Gegner mitkämpft und wie hoch dessen Beihilfe i» England eingeschätzt wird.)
vke französischen Tagesberichte.
W. T.-B. Paris, 13. April. (Nichtamtlich.) Das heute, nachmittag um 3 Uhr ausgegebene amtliche Communiqu« lautet: Zwischen dem Meere und der Aisne sind nur einige Artillerieaktionen zu melden. Wir bemächtigten uns eines Schützengrabens östlich von Berrh-au-Bac. In den Argonnen fanden Minenkämpfe und Kämpfe mit Bomben und Handgranaten von Schützengraben zu Schützengraben statt. Zwischen der Maas und der Mosel war der Tag verhältnismäßig ruhig. Wir gelangten au verschiedenen Stellen bis zu den Drahthindernissen der feindlichen Verteidigungssiellung.
Der gestrige Abendbericht teilt mit, daß der Tag aus der ganzen Front ruhig war und fahrt fort: Wir behaupteten und befestigten unsere Stellungen aus verschiedenen Stellen, an denen wir seit 8 Tagen vorrückten. Unsere Flieger -beschossen erfolgreich einen Militärschuppen in Vigneulles (Woevre) und zerstreuten nicht weit davon ein aus dem Marsch befindliches Bataillon.
Poincarä im belgischen Hauptquartier.
W. T-B. Paris, 13. April. (Nichtamtlich.) Präsident Poincare hat Paris am Sainsiagabend verlassen, um den Truppen cm der Nordfront einen Besuch abzustatten. Er begab sich darauf nach der Front in Belgien, wo er die Front bis Nieuport besichtigte. Im belgischen Hauptquartier traf Poincar« mit dem belgischen König zusammen. Er kehrte sodann über Dünkirchen, wo er eine Parade über die Garnison abhielt, nach Paris zurück.
Ein Ostergcschenk des bclgischeu Königspaares a» die Soldaten.
Havre, 13. April. «Frkft. Ztg.) Anläßlich des Osterfestes hat das belgische Königspaar, so nieldet die «Agence HavaS", den belgischen Soldaten ein niit seinem Namcnszug versehenes Nähetui geschenkt
