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Wiesbadener Tagblstt

48. Jahrgang.

(frfdieint in stvci Ansaabcn. — Bezngs-PreiS: durch den Verlag «« Pf«- >«°»atkch, durch die Lost » Ml. «ro Pfg. viertcliahrlich für beide

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Morgen>Äusjabei

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(Nachdruck verboten.)

Ausste11m»ssp.,last füv Unlerncht. Wissen­schaft und Künste.

In beistehender Zeichnung geben wir unseren Lesern eine Abbildung des großartigen, für die Pariser Welt­ausstellung errichteten Palastes für Unterricht, Wissenschaft und Künste. Derselbe liegt auf dem Marsfeldc, unweit des Eiffclthurms, und bildet eine ganz hervorragen de Zierde der dort in einen, großen Komplex errichteten " verschiedenen Prachtbauten. Unsere Abbildung läßt deutlich die eigenartige Architektur, die dem ganzen Palast ein außerordentlich fest­liches Acnßere verleiht, erkennen, und namentlich tritt das in der Mitte befind­liche, mit einer großen Freitreppe versehene Hauptportal in imposanter Weise hervor.

Aus Stadt und Land.

Wiesbaden, 4. Ma,.

— Geschichtskalender. 4. Mai. 1897:

Brand des WohlthätigkeitSbazars m Pons.

1848: Proklamiruna der Republik in Paris.

1847' * Fürstin Mileua von Montenegro. 18-.7.

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Vereins erstattete Herr Rektor Gabel-Biebrich. Aus denselben seien folgende Daten hervorgehoben: Der Zweigvcrein zahlt

zur Zeit 58 Mitglieder mit je, 1 Mk. Jahresbeitrag: nach Abzna diverser Porti konnten crrca 57 Mk. an den Rechner de« Haupivcrcins abgeführt werden. Dem Vorstand lagen für oben erwähnte Hauptversammlung 18 Unterstutzungsgesuche vor. von denen jedoch nur 15 berücksichtigt werden konnte», und zwar 12 ans Lehrer- und 3 aus Pfarrerkreiscn; nn Ganzen gelaugten 2250 Mk. und zwar 1400 Alk. Seitens des Nass. Hanptvcremsund 850 Mk durch de» Centralvcrein, zur Vettheilmig. Die deutsche Lutherstiftung hat in den 16 Jahren ihres Bestehens ca. 600,000 Mk. nn Lehrer und Pfarrer vcrtheilen können und dadurch große» Segen ge­stiftet Die seitherigen Vorstandsmitglieder wurden wledergewahlt. Als Vertreter des Zwcigvercins zur nächsten Hauptversammlung wurden die Herren Konsistorialrath E i b a ch - Dotzheim und Lehrer

starken Banden hält die Hcimath den, der Heimweh hat. Sie läßt ihn nicht fallen und fehlen, sie führt ihn immer wieder a»> den rechten Weg — de» Heimweg zurück. So ist das Heimweh nicht nur ein Schmerz, sondern auch ein Segen. Es klingt eigenthumlich, wenn wir fordern, daß unsere Kinder wieder mehr zum Heimweh erzogen werden sollen. Manche Eltern, die es mit ihre» Kindern wohl meinen, fürchten, sich an ihnen zu versündigen, wenn sie dafür sorgen, daß ihnen die Heimath ans Herz wachst, daß ste nirgends sich wohl fühlen als daheim; sie wähnen, daß es besser sei den Kinder» die träumerische, zum Heimweh neigende Weichheit abzugewöhuen. Indessen, die Kinder müssen so erzogen werden, daß sie sich nicht nur überall fort- sondern daß sie sich auch überall wieder hcinisinden. Die schnellferllge, überall zurcchtstndciide Wctt- klugheit bietet viel geringeren Halt, als die icheinbare schwache des Heimwehs. In ruhigen Stunden mag jene aushalte», in den

schweia-Wolfenbüttel. Gemahl der Kaiserin Anna von Rußland. 1608: Gründung der prot.Union zu Auhausen. 1521: Kurfürst Friedrich der Weise läßt Luther auffangen und nach der Wartburg retten.

- Ättchdrncher-Ztt'nngsinnttng. GegenihreZu gehori g- fpit -ur Buchdrucker-Zwangsinnung zu Wiesbaden haben au Grund des 8 100 k des sog. Haudw-rkcrgcsetzes die folgenden vier Firmen: Papierwaarenfabrik Gebrüder Goer ach zu Lunburg a d. Lahn. L Schellenberg'sche Hofbuchdrucke rer zu Wiesbaden. Hofmann schc Buchdruckerei zu Biebrich a. Rh.. Gebrüder Petmecky m Wiesbaden Widerspruch erhoben und die Entscheidung >er Auffichtsbehördc angerufen. Sie haben zur Begründung

ihrer Proteste im Wesentlichen übereinstimmend daraus —, bat. ihre Betriebe nicht als Handwerksbetriebe, sondern als Großbetriebe charakterisirten, was die HandelÄammcr rn emem Gutachten bestätigte. Die Innung blieb demgegenüber dabei daß die vier Firme» beitragspflichtig seien denn wäre es anders so könnten Zwangsinnungcn für das Bnchdruckergewerbe gar nicht be­st,»,-,, Die Aussichtsbehörde nahm an. daß bei den vier Firmen alle Merkmale des Großbetriebs, wie Arbeitstheiluna zwischen Unternehmer und Gehüsten, wie unter den letzteren selbst, große ArbcitSzahl, verhältnißmäßig große Ausdehuung der Betncbs- räume und anderer stehenden Einrichtungen. unifangrelche Ver­wendung von Kraft- und Arbeitsmaschmen und großer Umfang der Produktion vorhanden seien und crkannte ans Grund des k 100k des erwähnten Gesetzes, daß die vier Firmen nicht ver­pflichtet seien, der Bllchdrilcker-Zwangsmnung nnzugchorcn.

iieferat über die in der Woche nach Ostern dieses wahres in ~in = mrfl stattgchabte Generalversammlung des Nassauischen Hanpt-

N eil mann-Sonnenberg delegirt und zu Abgeordneten für nächstes Gustav Adolfs-Hauptfest in Runkel die Herren Pfarrer Naß- mann-Ocstrich und Lehrer Wick-Biebrich bestimmt. Zum Schluß hielt Herr Pfarrvikar Bremer- Dotzheim einen hübschen Vortrag über Albert Dürer und sein Verhältnis; zur deutschen Reformation. Die Versammlnng hatte bester befucht werden dürfen. — Das Zweigvereins fest der Gustav Adolf- Stiftung für Wiesbaden-Land findet an, 1. Juli in Erbcuheim statt; Festredner wird Herr Pfarrer E rn st - Camberg sein.

63) Das Keimiueh. Es ist ein eigen Ding um das Heim­weh. Wer es als Schwache bezeichnen und tadeln wollte, wurde damit beweisen, dajz er es tiicfyt kennt. Das Heimweh pstegt die stärksten und tiefsten Naturen am meisten und gewaltigsten zu packen. Oberflächliche Naturen empfinden es kaum oder nur vorübergehend. Das echte Heimweh ist nicht etwa ein nagender Schmerz, sondern mehr eine stille, läuternde «ehnsucht. Wer Heimiveh hat. sieht das schlichteste Vaterhans in güldenem Glanz, ficht die Blumen im väterlichen Garten mitten tm Winter blühen; kurz Alles, was mit der Heimath zusauimenhailgt, er­scheint ihm umwoben von wundersamer, schier himmlischer Schone. Wer das Heimweh nicht kennt, dem fehlt e,n starker Halt: der läßt sich leicht trügen und täuschen vom Tand der unterliegt unschwer den Versuchungen. Wie oft hat nicht der Gedanke an die Heimath den ersten Schritt auf der abwärts führenden Bahn des Verbrechens verhütet! Wie oft hat ucait ein Klang aus der Heimath den zur ückge rufen, der in der ^zrre gmg!

I Wie oft hat nicht des Heimwehs stilles Sinnen und süßes Sehnen

I alle die unsaubern Regungen der Seele niedergezwungen. Wie an

bangen Stunden der Versuchung und Verzweiflung genügt sic nicht. Wer seine Kinder auch für diese Stunden fest und fettig machen will, der muß sic zum Heimweh erziehen, der muß ,dafür sorgen, daß die Heimath sie hält und nicht ga,iz von sich laßt.

— Zum Kootsungluär bei Rüdest,ei,». Bei Trechiliiigs- hausen ist die Leiche des ertrunkenen Kaplans H e u n aus Eltville geländct worden.

— Kleine Uotsten. Die Polonaise, welche gestern Abend vom Kurorchestcr gespielt wurde, ist nicht von L.Pachalski, sondern von L Pachiilski. — Als Stadtrathe find m Vorschlag ge­bracht die Herren Stadtbaurath Winter und Stadtverordneter Ehrl Thon. Es dreht sich um, einen, Ersatz für Herrn Stadt­ältesten W. Beckel. Heute Nachmittag findet die Wahl statt.

* Aus dev Umgebung. In Biebrich „begehen am nächsten Sonntag die Eheleute Wcißbindcr Johann Müller Kirchgnsse dle goldene Hochzeit. Ein kaiserliches Geschenk ist dem Jubelpaar bereits ausgehändigt worden. — Bei einer Schlägerei zwischen Burschen von Oetziugen bei Montabaur und anderen Oltschatten wurde am Ostermontag ein Bursche von Oetziugen so gestochen, daß er starb. Die Thäter. deren bis letzt vier ermittelt, find m Haft genommen worden. — ,^n Frankfurt hat ""Metzger. aebülfe Namens Nenner die unverehelichte Mouatsfrau Anna Kleinhens durch eine., Messerstich so schwer verleg daß an ihrem

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Aufkommen gezwcifelt werden kann Nach der That, brachte sich der Unmensch selbst drei Stiche m bie Brust be^dw '''deß nicht so ernster Natur sind. — I» der Kloftcrmuhle bei Kloster Arnstein

(Nachdruck verboten.)

Des Himmels Simre.

Von vr. I. Gross.

Der heitere Himmel erscheint uns blau, und zwar ist diese blaue Farbe bald heller, bald dunkler, je nach dem Zustand der Atmosphäre. Ans sehr hohen Bergen crschemt der Himmel sehr dunkelblau, beinahe schwarz.

Früher haben selbst große Gelehrte geglaubt, die Luft wäre an sich blau. Wäre diese Ansicht richtig gewesen, so müßten uns Sonne, Mond und Sterne ebenso blau er­scheinen, als wenn wir sie durch ein, blaues Glas be­trachteten. Die Luft ist farblos an sich; und wenn sie absolut durchsichtig wäre, so müßte uns der Himmel voll­kommen schwarz erscheinen, und auf diesem schwarzen Grund würden Sonne, Mond und Sterne als glänzende Punkte stehen.

Die Lufttheilchen aber restektiren das Licht, und zwar diejenigen Sonnenstrahlen, welche auf dem Wege von der Sonne bis zur Erde anscheinend verloren gehen, das heißt von der Luft verschluckt werden. Insbesondere aber werden die kurzwelligen, die blauen und violetten Strahlen »ach allen Richtungen hin, das ist diffus, refleklirl. Die Erleuchtung der Atmosphäre durch die Sonnenstrahlen ist die Ursache, daß wir die Sterne am Tage nicht sehen können. Weil die Lufttheilchen nun vorzugsweise das blaue Licht nach allen Richtungen hin zerstreuen, restektiren, deshalb erscheint uns der an sich dunkle Himmclsranm mit Blau überzogen. Je höher wir uns in die atmosphärische Luft erheben, desto dünner w.rd dieser blaue Ueberzug und desto dunkler wird uns auch der Himmel erscheinen.

Die reine Himmelsbläue wird besonders durch die in der Luft schwebenden Wasserdämpfc gebleicht, wenn sie noch nicht genügend kondcnsirt sind, um Wolken zu bilden, sondern nur feine Nebel, welche oft den Himmel wie mit einem leichten, weißlichen Schleier überziehen. Der Himmel er­scheint um so reiner blau, je freier die Atmosphäre von Dunstbläschen, Nebel und Staub ist, welche, dem Himmel da? bekannte graue Aussehen geben, wenn sie in größerer Menge vorhanden sind. Am schönsten blau erscheint der Himmel nach einem Regen, durch welchen die der Luft bci- gemengtcn, festen Bestandtheile niedergeschlagen wurden.

Die herrlichen Erscheinungen der Abend- und Morgen- röthe erklärte man dadurch, daß man sagte, die Luft laste vorzugsweise die rothen und gelben Strahlen durch, sie resteklire nur die blauen und violetten. Des Morgens und Abends haben die Sonnenstrahlen einen sehr weiten Weg durch die atmosphärische Luft zu machen, daher die rothe Färbung der durchgclassencn Strahlen. DaS kann aber nicht richtig fein, da das Blau des Himmels nicht die komple­mentäre Farbe des Abendrothes ist. Das Abendroth rührt wahrscheinlich von dem in der Luft enthaltenen Wasserdampf her, welcher eine eigenthümliche Beugung und, Brechung der Lichtstrahlen verursacht. Ein Beispiel kann dieses leicht er­klärlich machen. Wenn ans dem Sicherheiisventile einer Lokomotive eine Tampfsänle aufsteigt, sv erblickt man durch dieselbe die Sonne tief orangeroth gefärbt. Nahe über dem Sicherheitsventile ist die Farbe des Dampfes für durch- qehendes Licht eben das tiefe Orangeroth; in größerer Ent­fernung, wo der Dampf schon verdichtet ist, hört die ^arben- erscheinung auf. Die Orangefarbe des Dampfes schont einer besonderen Stufe der Verdichtung anzugehören. Bei

vollkommener Gasform ist der Dampf vollkommen durch­sichtig und farblos. Als reine, farblose, elastische Flüssigkeit giebt der Wasserdampf der Luft ihre größte Durchsichligkeit. Im NebergangSstadium aber läßt er die gelben nnd-rothen Strahlen durch und erzengt so die Erscheinung der Abend-

Abendroth und Morgengrau sind zuverlässige Propheten für schönes Wetter. Gleich nach dem Temperatur-Maximum des Tages und vor Sonnenuntergang fangen der Boden und di- Luftschichten an. durch Strahlung Wärme zu ver­lieren. Bevor sich aber infolge dessen der Wasserdampf vollständig verdichtet, durchläuft er jenen Uebergangszustand, welcher die Äbendröthe erzeugt. Des Morgens ist das anders. Die Dämpfe, welche bei Umkehrung des Prozesses wahrscheinlich das Roth erzeugt haben würden, treten nicht früher auf. als bis die Wirkung der Sonne schon lange angehalten 'hat. Dann aber ist schon die Zeit des Sonnen­aufgangs vorüber, die Sonne steht bereits hoch am Himmel. Das feurige Aussehen des Morgen-Himmels rührt von der Anwesenheit eines solchen Ueberschusses an Feuchtigkeit her, daß durch die Verdichtung in höheren Schichten wirklich Wolken entstehen, im Gegensätze mit dem Bei.reben der steigenden Sonne, sie zu zerstreuen. Das Morgenroth ist daher als Vorbote baldigen Regens zu betrachten.

Ist die Sonne Abends am westlichen Himmel ver­schwunden, so tritt nicht plötzlich die Nacht ein, sondern eine Dämmerung, welche nach Ilmständen bald längere, bald kürzere Zeit dauert. Diese Dämmerung rührt daher daß die Luft am westlichen Himmel und die ,n derselben schwebenden Wassertheilchcn ilvch von der scheidenden sonne beschienen werden, nachdem sie für unsere Augen schon ver»