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Verlag: Langgasse 27.

«8. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe». — BezngS-PrciSr durch den Vcrlaa »«» Pf«. monatlich, durch die Post » Mk. ««» Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusamnien.

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U0. 202. Fernsprecher Na. 52. Mittwoch. de,I 2. Mai. Fernsprecher Ra. 52. 1900.

K«oi°NSN-Äuss«Ks.

§>Alt-Vnris"

auf der Ua^ifer Meltnnsstellrmg 1900.

Beistehend geben mir unseren Lesern ein getreues Bild von „Alt-Paris", welches einen der Hauptanziehungspunkte auf der Pariser Weltausstellung bilden wird. Dieser direkt an der Seine gelegene Theil der Ausstellung steht zur Hälfte auf einem Pfahlrost und ans einer 15 Pariser Fuß über dem normalen Niveau des Flusses liegenden Plattform. All-Paris wird durch eine systematische Aueinauderfügung von Gebäuden der französischen Hauptstadt ans dem Mittelalter, der Renaissancczeit, dem 17. und 18. Jahrhundert gebildet, welche Bewohner in den historischen Trachten der jeweiligen Zeit, die sie repräsentiren, be­herbergen. Auch werden hier historische Umzüge gehalten werden und mittelalterliche Feste und Theateraufführungen aus den vergangenen Jahrhunderten zur Darstellung gelangen. Abends und Nachts wird das ganze Gebiet, der Jetztzeit entsprechend, elektrisch erleuchtet. Einen sehr hübschen Anblick gewährt die Gesammtanlage von Alt-Paris besonders für den Beschauer, welcher sich auf dem jenseitigen Ufer der Seine befindet, und wirkt mit seinen alter- thümlichen Dächern und Giebeln, Erkern und Thürmchen wohlthucnd auf Auge und Gemüth. Dem Sinne nach entspricht dieser Theil der Pariser Ausstellung dem „Alt- Berlin" auf der Berliner Gewerbe­ausstellung 1896, ist jedoch in weit groß­artigeren Dimensionen gehalten.

Ans Stadt und Kand.

Wies baden, 2. Mai.

- Geschicks Kalender. 2. Mai. 1896: ch Julius Sturm, einer der volksthümlichsten Dichter. 1864: f Giacomo Meyerbeer zu Paris, berühmter Opernkomponist. 1848: Kampf zwischen preußischen Truppen und polnischen Insurgenten bei Wreschen. 1813: Schlacht bei GroßKrschen,

Rückzug der Verbündeten über die Elbe. 1729:

* Katharina II.. Kaiserin von Rußland, zu Stettin.

1601: * AihanasiuS Kircher zu Geisa, der Erfinder der Datsrna nmgioa und des Brennspiegels. 1519: ch Leonardo da Vinci auf dem Schieß Clot bei Amboise, einer der größten bildenden Künstler. 1459: f Antonius der Heilige, Erzbischof von Florenz.

— Preisausschreiben. In der vorjährigen Versammlung des „Deutschen Bereins für öffentliche Gesundheitspflege" hat Herr Professor I),-. Heim-Erlangen einen Vortrag gehalten über „Das Bedürsniß größerer Sauberkeit im Kleinvertrieb von Nahrungs­mitteln". Um die Aufmerksamkeit weitester Kreise auf diese in

8 ein Grade wichtige Frage zu lenken, wünscht der Ausschuß des itschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege auf dem Wege des Preisausschreibens eine größere Zahl von Aufsätzen über diesen Gegenstand zu erhalten, welche sich zur Aufnahme in die Unter- haltungs-Tagcspresse, oder auch zur Aufnahme als Lesestück in deutsche Volksschullesebücher eignen. Diese Aufsätze sollen 1. kurz

des Vereins, welcher die preisgekrönten Aufsätze im Druck veröffent­lichen und deuHerausgebern vonUnterhaltuugs-Tagesblättern und von Schullesebüchern zum Abdruck kostenfrei zur Verfügung stelle» wird. Die Aussätze sind bis zum 1. Oktober 1900 an den ständigen Sekretär des Vereins, Geh. Sanitätsrath Dr. Spieß in Frank­furt a. M., kostenfrei einzuseuden, von welchem Abdrücke des Vor­trages von Prof. Heim nebst der sich daranschlicßeudcn Diskussion in einem oder mehreren Exemvlaren auf Ansuchen kostenfrei be­zogen werden können. Der Name des Verfassers eines einzu- sendenden Aufsatzes ist in einem mit einem Kennwort versehenen verschlossenen Briefumschlag der mit dem gleichen Kennwort ver­sehenen Handschrift beizufügeu. Die deutsche Tagespreise, die deutschen medizinischen, hygieinischen und pädagogischen Zeitschriften werden im Interesse des gemeinnützigen Zweckes i»n kostenfreie Veröffentlichung dieses Preisausschreibens gebeten.

könne, um ihre Erfindung für Deutschlands Flotte und Heer zu sichern. Die mir vorgelcgten Beschreibungen, die sich besonders auf die Verwendung von Wasser - Sprengpatronen für die Geschütze der Flotte und Verthcidignngsbauten ec. beziehen, wobei auch vorgesehen ist, daß ganze Batterieen gleichzeitig durch maschinelle Betriebe mir diesen am Ort, z. B. auf Schiffen, her- gestellten Geschossen geladen und entfenert werden können, wodurch die Zahl der Bedienungsmannschaften, solvie die Kosten der Munition bedeutend verringert würden, sind wohl werth, von ent­sprechenden Fachleuten näher geprüft zu werden, um die Durch­führung der ganzen Erfindung dem Interesse Deutschlands näher zu bringen. Es ist zu bedauern, daß der Dame kein Gehör ge­schenkt wurde, als sie sich in den achtziger Jahren an hohe und höchste maßgebende Kreise in der Sache gewandt hatte. — Dem eigentlichen Erfinder wird eben, wie die Geschichte lehrt.

sein (2 bis 3 Druckseiten Volksschullescbüchcr dem

. r?

ln, Lebensalter von 9 bis 14 Jahren angepaßt sei» und 3. auf die verschiedenen in dem Vortrag von Professor Heim be­rührten Punkte sich beziehen. Es sollen Preise von 50 bis l00Mk für den einzelnen Aufsatz, im Gesannntbetrag von 2000 Mk., ver­geben lverdcu. Das Preisrichteramt werden nusübcn die Herren Dr. Erwin v. Esmnrch, Professor der Hygieine in Güttingen, Di\ Ludwig Heim, Professor der Hygieine in Erlangen, Dr. E. Leut, Geheimer Sanitütsrath in Köln, Dr. Matthias, Geheimer Regierungsrath und Vortragender Rath im Königlichen preußischen Kultusministerium in Berlin, und Dr. A. Spieß, Geheimer Sani- rätsrath und Stadtarzt in Frankfurt a. M. Die von den Preis­richtern eines Preises würdig erkauiiten Aufsätze werden Eigenthum

je ca. 400 nngsvcrmögen

Worten), 2. für von Schulkindern

. — Flüssige First als Sprengmittel. Es wird uns ge­schrieben: In Ihre», geschätzten Blatte vom 27. April d. I. er­wähnten Sie die Neuheit einer sensationellen Erfiudnug, deren Entdecker der italienische Oberst Carnara sei und die sich auf da« Verfahren bezieht, comprimirtcs und gefrorenes Wasser durch Elektricrtät zum Sprengen zu bringen und dadurch ein Ersatz der bisherigen Sprengstoffe auf dem billigsten Wege hergestcilt wäre und dieselben an Gewalt noch bedeutend übcrtrafe. Das Vorrecht diese Erfindung schon vor Jahren gemacht zu haben, besitzt ein« bereits längere Zeit hier wohnende Dame, welche die Tochter eines höheren Artillerie-Offiziers ist. Betreffende Dame, jetzt Albrecht- straße 32 wohnend, hat mich auf Veranlassung eines meiner Clienten uni Rath gefragt, wie sie ihre Prioritätsrechte gegenüber den, ge­nannten italienischen Oberst aufrecht erhalten resp. geltend machen

Ans Kimß und Keben.

Dr. T. Di« Geographie auf der Pariser Welt­ausstellung. Die geographische Abthcilnng der Pariser Welt­ausstellung wird ganz besondere Sehenswürdigkeiten enthalten, von denen schon jetzt viel zu sehe» ist, mau soll darin eine Uebersicht über die Forschritte der Erdkunde während des 19. Jahrhunderts finden. Ein ungeheuerer Saal ist für Karten, kosmographische Instrumente und Statistik bestimmt. Vor Allem fällt dort eine Karte ins Auge, die von der amerikanischen Gesellschaft der Pacific- Eisenbahn gesandt worden ist. Sie besitzt wahrhaft riesenhafte Verhältnisse und bedeckt für sich allein fast völlig eine Wand der ungeheueren Halle. Sie stellt die lange Route der Eisenbahn zwischen New-Iork und San Francisco quer durch das ganze nordamerikanifche Festland im Relief dar. Es fehlt darin nicht ein einziger Berg, nicht eine einzige Brücke, nicht ein Wasserlauf. Die Stationen und Bahnhöfe sind durch kleine elektrische Lampen bezeichnet, die bei Dunkelheit weiße und rothe Lichter aussenden und der Karte ein eigenthümliches Aussehen verleihen. Zweifellos wird dieses Kunstwerk einen der Hauptanziehungspunkte der geographischen Abtheilung bilden. Sehr beachtenswerth find ferner die Pavillons der Kolonicen, die ebenfalls zur geographischen Abtheilung gehören, iS sollen sich darin alle Etappen der französischen Kolonisation im 19. Jahrhundert verfolge» lassen. Man sieht dort alle kolonisa­torischen Ereignisse, alle kolonialen Produkte, alle völkerkundlichen Eiacnthumlichkeiten der verschiedenen überseeischen Länder Revue paffiren. Auf dem ungeheuren Platz des Trocadero erhebe» sich diese Kolonialpavillons mit ihrem bizarren Gewimmel wenig be­kannter Völker und ihren Attributen exotischer Länder. Der Sudan, der Senegal, das Gebiet der Wüste Sahara, Algerien und Tunis, die Somaliländcr, die Inseln der Comoren, Madagaskar, Jniier- asten, Annam, Cambodja, Toukin, Oceanien, Dahonie und Guyana ■ — alle haben ihre eigenen Pavillons und ihre besonderen Aus­stellungen.

. frl De» Ueitmeqer-Preis, der bekanntlich außer

einer goldenen Medaille aus der Geldsumme von 1200 Mk. besteht, ktregt m seiner diesjährigen Ausschreibung durch den Verein »entscher Maschinen-Jngenicure auch im Auslände das größte Auf- lehrn. Als Aufgabe ist diesnial die Ausarbeitung eines Planes

für eine elektrische Eisenbahn zwischen zwei in beträchtlicher Ent­fernung befindlichen Orten gestellt, die ansschließlich von Zügen mit einer stündlichen Geschwindigkeit von 200 Kilometern und in schneller Aufeinanderfolge ohne AufenthaltSstation befahren werden soll, jeder Zug soll mindestens 150 Fahrgäste aufnehincu können. Die Bedingungen wurden in „Glasers Annalen" veröffentlicht, der Wettbewerb wird am 6. Oktober geschlossen werden, sodaß die Entscheidung über den Preis im November gefällt werden kann. Oberbanrath Wichert, einer der Preisrichter, veröffentlicht einige Auslassungen über dieses Thema. Das Problem ist von be­sonderem Interesse für die Gegenwart, da das neue Jahrhundert, an deffen Beginn wir jetzt stehen, voraussichtlich eine praktische Losung bringen wird. Der Bau von Eiscnbalinen, die besonders fiir leichte Züge von schneller Anfciuanderfolge und außerordent- lichcr Geschwindigkeit bestimmt sind, ist bisher nnr vorübergehend berücksichtigt worden, dennoch liegt er auf der Bahn der zukünftigen Entwicklung. Aber erst die Zen, Stndinm und Experimente können beweiie», ob die praktische Lösung möglich ist oder nicht. Die Unter­suchung hat sich besonders sorgfältig mit der Herstellung der End- bahnhdfe zu beschäftigen und den nothwendigen Einrichtungen, um Züge mit 200 km Geschwindigkeit ohne Gefahr und ohne Verwirrung zu leiten. Da so große Geschwindigkeiten bisher noch niemals erzielt worden sind, so kann die Untersuchung zu dem Nachweis führen, daß ihre Erzielung überhaupt un­möglich ist. ^ Absichtlich ist in dem Preisausschreiben keine bestimmte Länge für die Eisenbahn angegeben. Einen An­halt für die Lösung giebt die Erfahrung in den Vereinigten Staaten, wo Geschwindigkeiten von 150 Ion in der Stunde bereits erreicht worben sind. Von großer Wichtigkeit ist dabei das Studium des Luftwiderstandes, der bei einer so rapiden Fahrt zu überwinden ist, daneben ist die Frage genügend wirkender Bremsen selbst­verständlich ein ganz wesentlicher Punkt. Ohne Zweifel hat das Preisausschreiben das große Verdienst, daß es die Änregnug zu Forschungen nach einer Richtung gegeben hat. in der noch ein weites unbearbeitetes Feld für die Technik der Zukunft offen steht.

* Die „parlamentarische Obstruktion". Diese Ein­richtung ist keineswegs, wie man gewöhnlich glaubt, eine „Errungen- schaft der Neuzeit". Schon im Jahr 60 vor Christus hielt der alte Cato im römischen Senat eine Obstruktionsrede. Plutarch

berichtet uns davon in seiner Biographie Cäsars. Als Cäsar im Juni 60 sieg,eich aus seiner Provinz Spanien nach Italien zurück- kchrtc, wünschte er im Triumphe seinen Eiuzug in Rom zu halten und sich um das Konsulat zu bewerben. Da nun Die, welche einen Triumphzug nachsuchten, außerhalb der Stadt bleiben, Dic- jeniger aber, die sich um das Konsulat bewarben, dies in der Stadt thun mußten, so schickte Cäsar an den Senat und bat um die Erlaubniß, abwesend durch Vermittlung seiner Freunde als Bewerber auftrelen zu dürfen. Diese Absicht wurde von Cato aufs Heftigste bekämpft. Zuerst wies er daraus hin, daß ein solcher Wunsch mit den Gesetzen unvereinbar sei. Als er aber sah, daß viele Senatoren fiir Cäsar gestimmt waren, griff er zur Obstruktion: Er brachte den ganzen Tag mit Reden hin, sodaß kein Beschluß gefaßt werden konnte. Sein Ziel erreichte er jedoch »ur zum kleinsten Theil. Cäsar entsagte einfach dem Triumph und bewarb sich erfolgreich um das Konsulat, lieber die Bcnrthcilung, die Catos Auftreten fand, sagte Plutarch: Zuerst hielt man ihn fiir einen unangenehnien Menschen und Störenfried, später aber wurde er als verständiger Rathgeber anerkannt.

g. Petersburg, 28. April. Feiertage in Petersburg und Feiertage in anderen großen ausländischen Städten haben mit­einander so gut wie nichts gemein. Das festliche Gepräge, welches in letzteren dann die Straßen zeigen und z» dem sowohl die Arbeiter- als die Bürgerklassen beitragen, die sich friedlich »lit- eiiiander mischen, ist hier nicht zu merken, im Gegentheil bietet sich dem Beobachter ein viel widerlicher Anblick, weil die Anzahl der Betrunkenen eine weit größere als au gewöhnlichen Tagen. In den letzten Jahren ist darin, soweit die besseren Stadtthellc in Frage kommen, eine Abnahme bemerkbar. Aber man muß nicht glauben, es sei dies der Einführung des Branntweinmonopols zuzuschreiben, der Grund ist darin zu suchen, daß viele Volksvergnügungen jetzt aus den inneren Vierteln der Stadt in die äußeren verlegt worden sind. Dort trifft man die „schwankenden Gestalten" denn auch in großen Mengen. Eine airdere Zerstreuung wie die Straße oder Schenke kann sich eben der kleine Mann hier noch immer nur in den seltensten Fällen leisten, trotzdem man es, wie zugegeben werden muß, in dieser Hinsicht jetzt an Bemühungen nicht fehlen läßt. In anderen europäischen Hauptstädten ziehen die Arbeiterfamilien am Tage ins Freie hinaus und füllen am Abend die kleinen Theater,