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Wiesbadener TsMitt.

21 tnÄA»ttHTrh 12 Husaabeit. ..Ta,kl»tt^-Us" Nr. 6650-53.

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Mittwoch, 14. april 1915.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 171. ♦ 63. Jahrgang.

Der österreichisch - ungarische Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 13. April. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: Die seit ungefähr 20. Marz an­

dauernde russische Offensive in den Karpathen ist an der ganzen Front zum Stehen gekommen.

Als in den erbitterten Kämpfen während der O st e r- t a g e der vom Gegner mit starken Kräften versuchte Durchbruch im Laborcza- und Ondav ataI e gescheitert war, versuchten die Feinde, rm Wald­gebirge beiderseits des U z s o k e r P a s s e 3 erneut vorzudringen. Auch hier wurden in den letzten Tagen alle Angriffe der Russen unter großen Ver­lusten des Feindes zurückgeschlagen.

Die sonstige Lage ist unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschallcutnant.

Die §reude in Ungarn.

V?. T.-B- Budapest, 13. April. (Nichtamtlich.) Die Blätter drücken ihre große Genugtuung über den Bericht des Kriegs­pressequartiers aus, nach welchen! die seit dem Fall von Przemysl andauernde russische Offensive an der ganzen Kar­pathenfront zum Stillstand gebracht wurde. — Der „Pester Lloyd sagt: Die russische Losung war, zuerst einen Stotz ins Herz Ungarns und dann einen Stotz ins Herz des Deutschen Reiches zu führen. Dieser Plan ist nun kläglich gescheitert. Der Oberbefehlshaber des Zaren trieb diesmal etnie geradezu wahnwitzige Verschwendung an Menschenleben, aber seinen Scharen stemmte sich der uner­schütterliche Heldenstnn unserer Truppen entgegen, noch ins Übermenschliche gesteigert durch das Bewusstsein, dass der Kampf jetzt mehr denn je um Ungarns Gegenwart un d Zu - tu-nff sowie um Sem oder Nichtsein der ganzen Monarchie geht.

Englische Betrachtungen über die Bedeutung der Karpathenkämpfe.

W. T.-B. Lunden, 13. April. (Nichtamtlich.) Die „Times" schreibt in einem Leitartikel übe:? die jüngsten Episoden des Krieges: Die Frühling skampague hat kaum erst be­gonnen, aber die verzweifelten Kämpfe an der Ostfront um den Besitz der Karpathen kämme können kaum als Praliminaraktion aufgefatzt werden. Sie sind von größter Bedeutung und ihr Ausgang auf dem östlichen Krieg», schauplatz hängt von ihnen ab. Die Russen befinden sich noch immer auf der N or d se it e d e s Uz so ker P asse s. Man darf von ihnen nicht Wunder an Geschwindigkeit erwarten. Der Krieg wird wahrscheinlich noch Wochen andauern. Für die Alliierten im Westen liegt der Wert des Russen­druckes darin, dass die Deutschen ihrer Osffront die grösste Aufmerksamkeit schenken müssen und ihre Armee kann nicht zwischen beiden Fronten hin- und hergeschickt werden, sondern sie müssen sich auf einen Kampf auf beiden Fronten gefaßt machen.

Die letzten Reserven Rutzlands.

An der russischen Grenze, in den südlichen Gouvernements von Rußland und in Sibirien, werden die letzten Klassen der russischen Reichswehr durcb kaiserlichen Mas zur sc.for- t i g e n Gestellung aufgevufen. Nur in besonders dringlichen Fällen sollen, wie die „K. V.-Z." meldet, Reklamationen Be­rücksichtigung finden. Zu landwirtschaftlichen Frühjahrs­bestellungen sollen nach einer Verordnung des Land- wirtsckaftsministeriums Frauen in größtmöglichstem Um­fang herangezogen werden. Auch Kriegsgefangene sollen für diesen Zweck zur Verfügung gestellt werden.

Einberufung des russischen Rekruten- Jahrgangs lylb.

Den „Allerhöchsten Utas an den dirigierenden Senat" teilt „Rjetsch" vom 2. April mit: Ta wir es für nötig be­funden haben, schon jetzt die Stärke des Rekrutenkontin- gentes für 1916, welches a u tz e r t e r m i n l i ch rm Jahre 1915 zur Ableistung der Dienstpflicht einberufen werden soll, festzustellen, so haben wir m Billigung des uns vorgelegten Journals des Ministerrats hierüber auf Grund des Artikels 87 der Staatsgrunügesehe befohlen: I. Einzuberufen sind

im Jahre 1915, unter Beobachtung der von der Wehrordnung vorgeschriebenen Bestimmungen sowie der in unserem Utas vom heutigen Tage an den Senat vorgeschriebenen Ab­weichungen über Massnahmen, die mit der außerterminlichen Einberufung der Rekruten für 1916 verbunden sind, du. Personen, die der Ableistung der Wehrpflicht im Jahre 1916 unterliegen. 1 . In allen Gebieten des Reiches, die der Wehrordnung unterliegen, zur Ergänzung der Armee und Flotte: £85 000 Mann, 2. Von der ossetinischen Be­völkerung des Terekgebietes 100 Mann für die offetinischv Kavallerieabteilung, entsprechend der Allerhöchst bestätigtere Berordnung des Kriegsrates vom 10. Juli 1890. II. Die Wehrpflichtigen von 1915, die zur Ergänzung der Flotte bestimmt find, sind in die Landarmee einzuftellen. Der

dirigierende Senat hat das Erforderliche zu veranlassen, gez.: Nikolai. Die Ausführungsbestimmungen des Senats zu dem kaiserlichen Mas setzen als Einberufungstermin den 2 8. Mai fest für alle im Jahre 1895 geborenen Leute. Bis zum 14. Mai haben sie sich in die Stammrollen eintragen zu lassen. Kurze Aufschubfristen werden den in der Prüfung stehenden Studenten und den Gymnasiasten usw. gewährt.

Weibliche Feldärzte in Rußland.

Der Ärztemangel im russischen Heer macht sich immer mehr bemerkbar, so daß man sich genötigt steht, weibliche Ärzte zmn Dienst an der russischen Front her­anzuziehen. Dem „Rußkoje Slowo" zufolg« hat das Unter­richtsministerium den Anstalten für medizinisches Frauen­studium mitgeteilt, daß es sich mit der Absicht trage, Stü­de u t i n n e n von 6 bis 8 Semestern als Ärztinnen für Feldlazarette zu verwenden.

Der Hafen von Krchangel eisfrei.

Stockholm. 12. April. (K. Z.) Nachdem ein kanadischer Eisbrecher das Eis gebrochen hat, tst der Zutritt zum Hasen von Archangei geöffnet, wo diesen Winter großartige (?) Hafenanordnungen getroffen worden sind.

Österreichisch-ungarische Beratungen über landwirt­schaftliche Fragen.

W. T--B. Budapest, 13. April. Der österreichische Ministerpräsident Graf S t ü r g k h und der österreichische Ackerbauminister hatten eine Beratung mit dem ungarischere Ministerpräsidenten und ungarischen Ackerbauminister.

Eine englische Meldung über die Kriegsgefangenen in Sibirien.

W. T.-B. London, 18. April. (Nichtamtlich.) Der Be­richterstatter der „Morningpost" ist un Besitze von Nach- richten, nach welchen die deutschen und österreichisch-unga- rischen Kriegsgefangenen in Sibirien gut behandelt werden. Sie sind nicht in Internierungslagern, sondern in Bauernhäusern einquartiert. Die russische Regierung zahlt die Verpflegungskosten. Die Bauern beschäftigen die Kriegsgefangenen mit Feldarbeiten, wofür diese die ortsüblichen Löhne erhalten. Offilzijere dürfen sich frei bewogen und haben weiter nichts zu tun, als ihre Leute zu beaufsichtigen.

Der Handelskrieg gegen England.

wieder feindliche Handelsdampfer vernichtet.

Sr. Amsterdam, 13. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.)

Die „Times" meldet: Der englische Dampfer „Guernsey" ans Southampton ist etwa 3 Stunden davon entfernt am Freitag, 10 Uhr, vernichtet worden. Bon der Besatzung ertranken sieben Mann, darunter der Kapitän. Zwölf Über­lebende wurden in Southampton- gelandet. Der Dampfer war 500 Tonnen groß und hatte Mehl und Gemüse als Ladung. Rach einer anderen Meldung ist der Dampfer auf einen Felsen gelaufen, da infolge des Krieges das Leucht­turmfeuer gelöscht war.

Sr. Zürich, 13. April (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Bei der Insel Wight wurde einer aus London eingetroffenen Meldung zufolge ein französischer Dampfer, der von Nantes kam, von einem deutschen Unterseeboot ver­senkt. Die Besatzung wurde gerettet.

Zur Vernichtung des „wayfarer".

W. T.-B. Liverpool, 13. April. (Nichtamtlich.) Der torpe­dierte Dampfer „Wayfarer" wurde bei Queenstown auf Strand gesetzt.

W. T.-B. London, 13. April. (Nichtamtlich. Remter.) Bei dem Angriff auf den „Wayfarer" sind keine Menschen­leben verloren gegangen. Die Bemannung erzählt, daß sie sich etwa 100 Meilen von den Scilly-Jnseln enffcrnt befandeit und gerade Mittag gegessen hatten, als eine heftige Explosion stattfand. Alle Boote wurden schnell ausge­setzt. Die Mannschaft ruderte zwei Stunden aus einer ziem- sich bewegten See, bis ein K o h l e n s ch i f f erschien, sie auf­nahm und den „Wayfarer" ins Schlepptau nahm. Das Unter­seeboot wurde nicht gesehen.

Die Prämie für Versenkung von „17 12".

W. T.-B. London, 13. April. (Nichtamtlich) Der Fisch- d a m p f e r „S t r a h i s l a" aus Leith erhielt von der Admi­ralität den Preis von 120 Pfund für das versenkte Untersee­boot „II 12".

Die englischen Maßnahmen gegen den deutschen Handel.

W. T.-B. London, 13. April. , (Nichtamtlich) Reuter mel­det aus Washington: Das Staatsdepartement fordert die

Kaufleute und Importeure auf, der britischen Botschaft die Dokumente über Güter vorzulegcn, die in Deutschland vor dem 1. Mürz gekauft und bezahlt worden sind. Die britische Botschaft gab die Zusicherung, daß solche Güter unbehin­dert eingeführt werden könnten.

Fortgesetzte Durchsuchung der italienischen Schiffe durch die Engländer.

Rom, 12. April. (K. B.-Z.) Das italienische Schiff „A m e r i k a", von New Uork kommend, ist in Neapel an­gekommen. Bei Gibraltar holten die Engländer nach ein­gehender Durchsuchjung des Schiffes zwei Deutsche, Jakob Cornelius und Anton Obresian (?), von Bord herunter.

Zur Sperrung der britischen Häfen.

W. T.-B. London, 13. April. (Nichtamtlich) Das Presse- buveau verständigte die Kapitäne der Handelsfahrzeugc, daß, wenn sie sich britischen Häfen nähern, in denen der Prüsungs- dienst stattfindet, sie sofort das Unterscheidungssig­nal des Schiffes hissen sollten, sobald sie der Überwachungs» Kämpfer auffordert.

Die Einschränkung der englischen Küstenschiffahrt

bespricht „Manchester Guardian" vom 3. April. Nicht nur zu Ostern haben die Paffagierdampfer zwischen Liverpool und Nord-Wales ihre Fahrten abgesagt, sondern sie werden während der ganzen Sommersaison über­haupt nicht verkehren.

Ein neuer Dienst der Harwichlinie.

W. T-B. Berlin, 13. April. (Nichtamtlich.) Das „B. T." meldet aus Rotterdam: Me Harwichlinie hat einen neuen Dienst nach England für Transporte von Flüchtlingen eröffnet. Gestern abend ist ein Dampfer mit 500 Flücht­lingen nach Harwich abgegangen. Englische Torpedo« j ä g e r begleiteten den Dampfer.

Die erfolglosen englischen Flieger.

IV. T.-B. London, 13. April. (Nichtamtlich.) Der Flotten» berichterftatter der „Times" schreibt über den Transports der Unterseeboote von Antwerpen nach der Rordseeküftm Der Transport durch die Kanäle und die Schleusen ist möglich, wenn aber unsere Flieger, wie wir hofften, bei ihrem ArMiff auf die Werst in Antwerpen erfolg- reich gewesen wären, wären nicht, wie gemeldet, drei deutsche Unterseeboote auf diesem Wege nach der Westküste gebracht worden.

Zur Wiedergefangennahme der geflohenen deutschen Offiziere in England.

Sr. Amsterdam, 13. April. (Eig. Drahkbericht. Ktr. Bln.) Londoner Zeitungen berichten Einzelheiten über die Wiederfestnahme der aus einem englischen Ge­fangenenlager entflohenen beiden ^deutschen Offiziere. Mefe haben es fertig gebracht, sieben Tage lang der Meute von

5 0 0 00 Polizisten zu entgehen, obwohl beide der englischen Sprache nicht ganz mächtig waren. Sonntagnach­mittag wurden die Offiziere an der Merioneth-Küste in Wales verhaftet. Sie wurden von einem Flnßwächter beobachtet, als sie in das Tal hinabstiegen. Der Wächter be­nachrichtigte sofort die Polizei. Ein Polizist nahm beide fest, legte ihnen Handschellen an und beförderte sie in einem Wagen nach Harleth. von wo aus sie später der Mili­tärbehörde übergeben wurden. Me Offiziere hatten noch ungefähr sieben Pfund Sterling bei sich. Sie erklärten, sie wären sicher entkommen, wenn das Wetter nicht so schlecht gewesen wäre.

England vor Parlamentswahlen.

W. T.-B- London, 13. April. (Nichtamtlich.) Der Par­lamentsberichterstatter des „Daily Chronicle schreibt: Ire

den nächsten Wochen müssen wichtige Verhandlungen über bie nächsten Parlamentswahlen zwischen der Regierung und der Opposition stattfinden. Die nächste Legislatur­periode läuft im Januar ab und es ist ungewiß, ob der Krreg dann beendet fern werde. Die Regierung müsse für beide Möglichkeiten sorgen und eine Vereinbarung mit der Op Positron treffen, da die Aufftellung der neuen Wahlregister im Juli anfangen müsse. Es geht nicht an, daß die kämpfenden Briten des Wahlrechts beraubt wer­den. Das Wahlgesetz muß daher geändert werden. Es bestehen große Bedenken gegen einen Wahlkampf während des Krieges. Die einzige Möglichkeit wäre die Verlänge­rung der Legislaturperiode durch eine Änderung der Parlamentsakte von 1911. Die Wahl könnte in diesem Falle frühestens drei Monate nach dem Kriege stattfinden. Zweifellos redet die Opposition ein Wort dabei mit. Man erfahrt, daß die Führer der Opposition dem Gedanken einer Konferenz zu stimmen werden und die Opposition würde den Plan, die Wahl bis nach dem Kriege hinauszu- schieben, annehmen, aber wünschen, daß die Wahl spätesten«

6 Monate nach dem Kriege stattfinde.

Die Ausstandsgefahr in der englische» Baumwoll- Jndustrie.

Weckschastsverbände aller Arten von Arbeitern, die in der Baumwolliudustrie tätig sind, haben nach den „Basler Nachrichten" vom 8. April wegen der Ablehnung einer 19- prozentigen Lohnerhöhung die schriftliche Abstim­mung über die Proklamierung eines allgemeinen Aus- st q n d e s beschlossen. Er würde in den ersten 14 Tagen über 200 000 Mann umfassen.