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Ro. »01. 48. Jahrgang.

Wieslradcuer Lagblatt (Adeud-Ausgabe). Berlag: Lauggafse 27.

1. Mai 1»0W. Weite 3.

Meister der edlen Kochkunst und das dürfte uiufo mehr intercssiren, als es minder allgemein bekannt. Er ver­stand zu kochen, tmb mit einer Sachkenntnis,, einem Eifer und einer Begeisterung hautirte er in der Küche, wie cs der erste Pariser Chef nicht löblicher vermag. Spezialitäten waren , namentlich für ihn die Zubereitungen österreichischer und ungarischer Rational- Speiscn: .Gonlasz".Paprika-Hähndl" re. waren hochgepriefene Meisterlcistungen Wilhelm Jahns. Aber auch die Finessen der

e rster Küche verstand er herzurichtcn, das, es eine Art >oar. Zur öffnung des neuen Kgl. Hosthcaier» zu Wiesbaden erzählt v. H.: Am 16. Oktober 1894 hatte der Intendant Kammerhcrr v. Hülsen alle Mitglieder desDeutschen Bnhncuvereins" ge­laden. Sie waren auch ziemlich vollzählig erschiene», und c« wurde ihnen zu Ehren am nächsten Tag von dem Oberbürgermeister ein sogenanntes Festmahl im Rathhau» zu Wiesbaden veranstaltet. (L>ics ist ein Jrrthnm: im Rathhaussaal hat bis jetzt hier über- liaupt noch feiu Fest stattgefuudcn. Das erwähnte Festmahl wurde im Kurhaus gegeben. Die Red.) Ein Magistraisbcamtcr hatte jedoch die drei Bühneugcwaltigcn aus Wien: den General- Intendanten Excclleiiz Baron v. Bezccnh nebst seine» beiden Direktoren, dem jetzt dahingegangouen Hofoperu-Dircktor Wilhelm Jahn und dem Burgthcater - Direktor vr. Max Burckhardt. übersehen und vergas;, ihnen Einladungskarten zu schicken. Die drei gemüthlichni Wiener Herren faßten aber diesen tragischen Fall von der heiteren Seite auf und nahmen mit großem Ver­gnügen die Einladung des bekannten liebenswürdigen Dr. Aibert WiIhelmj an, anstatt im Wiesbadener Rathhaus in seinen bc- cühmten Weinkellcrcien zu Hattenheim ein fröhlich-feuchtes Frühstück einzunehmen. Bald halte sich die kleine anScrwählte Gesellschaft vurch die verschiedenen Hauptjahrgärige der berühmte» Kellereien hindurchgckostet, als Direktor Jahn vor einem kolossalen Fast mit vcrstündnistvoller Miene Halt niackste und den Kcuuerausspruch machte: Bei dem bleiben wir!" Auf dem Fast stand mit großen Lettern: 1846. Es war ein markdurchgliihender Tropfen! Alsbald stellte sich aber ein allgemeines Gefühl des Hungers nach einem Imbiß bei den Gästen ein, dem zunächst Direktor Jahn beredten Ausdruck verlieh. Er setzte den gastfreien Wirtb in keine geringe Verlegenheit, denn seine Leute in dem abgelegenen Keller hatten allesEßbare" ver­gessen. Plötzlich sprang Jahn von seinem Sitz, blickte durch das Fenster starr hinaus und schrie trinuiphireud:Da laufen ja einige prachtvolle Hühner, herein daniit!" Im Nn waren die Thierchen geschlachtet und gerupft. Jahn hatte sich schon die blaue Schürze einer Kcllcrfcc umgebundcn und hautirte mit der nämlichen Sach- und Fachkenntniß wie seinen Dirigentenstab den hölzernen Kochlöffel, lchälte eifrig einige aus dem Garten ausgcrupfte Kartoffeln und bald stand eine niächtige dampfende Thonschüssel mit den herrlichsten Hühnern aus dem gastlichen Tisch. Direktor Jahusiröthliches Gesicht strahlte vor Wohlbehagen, Lebcnsfreudigkeit, und die kleinen Aenglein blinzelten hinter der goldenen Brille voll Seelenvergniigen. Von außen ertönten kehlfrische Lieder der Winzerinnen, die eben bei der Weinlese waren, burrf) die offenen Fenster, und die Theatergcwaltigeu hatten bald vergessen, daß sic von der Wiesbadener Festtafel ausgeschlossen waren.

SO-jahrige« Jubiläum lut* Freiwillige» Feuer­wehr. In der am 30. April d. Js. stattgehabten Sitzung des geschäftsführcnden Ausschusses für das 50-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Wiesbaden wurden als Festtage der 4. und 5. August festgesetzt. Das Fest soll, dem Charakter der Frei­willigen Feuerwehren, welche sich das hohe und edle Ziel gesteckt haben, ihren Mitmenschen in der Stunde der Roth und Gefahr helfend zur Seite zu stehen, entsprechend in einfacher' prunkloser, aber feierlich-ernster Weise begangen werden. Das Programm wurde wie folgt festgesetzt: Samstag, den4.August, Nachmittags 4 Uhr: Festakt. Abends 8 llhr: Kommers. Sonntag, den 5. August, Vormittags, soll an den Gräbern der Herren Krempel und Zollmann eine entsprechende Feier stattfindcn. Um 11'/- Uhr: Parade. Aufstellung der gcsammten frei­willigen Feuerwehr mit Schul- und Angriffs - Uebung ans dem Marktplatz. Nachmittags 2'/- Uhr: Festzug nach dem Festplatz Unter den Eichen", woselbst dann ein Volksfest abgehalten wird. Die Arrangining ruht in den besten Händen und bietet eine Garantie für das Gelingen des Ganzen.

Gin Ggidy-Denkmal ist am Sonntag Nachmittag auf dem alten Kirchhofe in Potsdam enthüllt worden. Das Denkmal besteht ans einem Über 3 Meter hohen Granitbiock, dessen oberer Theil das Medaillonportrait des Entschlafenen mit seinem Wahl­spruche:Liebe ist Kraft", Worte nach seiner Handschrift hergestellt, enthält. Darunter rankt sich über den Granitblock ein großer, ans Gußeisen gefertigter Eichcnzweig. An den unteren Theil des Blockes lehnt sich eine Tafel aus schwarzem Marnwr mit der Inschrift: M, v. Egidh". Ferner ist ein Gedenkstein aus schwarzem Marnwr

Torpedostottille auf drin Rhein. Wie aus

Wilhelmshaven vom Sonntag gemeldet wird, ist die »ach dem Rhein bestimmte Torpedoboots-Division unter ^cm Befehl des Kapitän­leutnants Funke Vormittags 10 Uhr in Sec gegangen. Die Division besteht aus dem Divisionsboot I) 4 und den Torpedobooten 8 7,8, 9 und 8 17, 18, 20. Der Nciseplan ist folgendermaßen: Die ganze Division ninimt nach Anlaufen der niederländischen Häfen slticuwendiep, Holk van Holland und Rotterdam Aufenthalt i» Emmerich und Köln. Während das Divisionsbootv 4" dort verbleibt, besuchen die 68"-Boote Koblenz, Niidcsheim und Bingen. Auch in Wesel soll die Division anleaen; hier wird ein großer Empfang vorbereitet. Wie diePost meldet, wurde infolge zahlreicher un Neichsmarineamt cingelanfcner Anregungen all maßgebender Stelle beschlossen, die Torpcdobootflottille, wenn ver Wasserstand cs erlaubt, bis Straßburg fahren zu lassen. Ueber me einzelnen Fahrzeuge der Flottille gicbt dasBert. T." folgende Auskünfte: Das Divisionsbootv 4" hat die Länge von 56'Meter, eine Breite von 6,5 Meter und einen Tiefgang von 3 Meter bei 300 Tonnen Wasserverdrängung. Die Besatzung zählt 45 Mann, darunter vier Offiziere,v 4" ist eines unserer ältesten Divifionsboote cs wurde 1888 gebaut und besitzt die Größe unserer neuesten Hochsec-Torpcdo- boote, von denen sich zwei Serien,8 90" bis8 101", auf der Plbinger Schichauwerft im Ban befinden. Die Maschinen- leistnng übersteigt 2000 Pferdekräfte. Sämmtliche sechs Torpedo­boote stammen ans der ersten Zeit des Torpcdobootsbanes. Sie sind um die Mitte der achtziger Jahre gebaut und haben bet einer Länge von 36,8 Meter ein Deplacement von je 85 Tonnen und eine Besatzung von je 15 Mann. Ihre Geschwindigkeit beträgt 19 Seemeilen. Die 8-Boote find trotz ihres hohen Alters verhältniß- mäßig sehr seetüchtig und fanden bisher als Schnltorpedoboote Ver­wendung. Hochscetorpedoboote im modernen Sinne sind sie nicht. -Die Torpedobootsflottille hat eine Geiammtbesatzung von 135 Mann. Es sind lauter geschulte und erprobte Leute, hnuptsächlichZwölfjährige. Der Divisionschef, Kapiiänlcntnnnt Funke, war bereits im Herbst 1898 Kommandant vonv4" und zeichnete sich damals durch eine hoch­herzige That aus. Während der Flottenmanöver unternahmen die Torpedobootsflottillen eine Fahrt von Danzig nach Kiel und wurden unterwegs von einem heftigen Sturm überrascht. Das Torpedoboot8 85" erhielt ein schweres Leck und sank rasch, v 4", das sich in der Nähe befand, steuerte auf die Unfallstelle zu und rettete trotz der hohen See die ganze Besatzung. Käpitän- leutnant Funke betheiligte sich in hervorragender Weise an dem Rettungswerk.

Jubiläum. In der Familie des Herrn Generaldirektors Eduard Stolzenberg Hierselbst feiert heute, am 1. Mai 1900, die

E aushälterin Elisabeth B u r k a r t das seltene Fest ihres 40-jährigen ienstjubilättms. Elisabeth Burkart, gebürtig in Eisenberg, bayrische Pfalz, trat am 1. Mai 1860 in Diensten bei genannter Familie ein und hat derselben in dieser langen Zeit ununterbrochen in sorg­samster Anhänglichkeit unermüdlich ihre Dienste gewidmet und

I Freud »ud Leid niit allen Mitgliedern i» unerschütterlicher Treue I gctheilt. Die Jubilarin hat durch ihr braves, inusterhafte« Wirken nicht allein die Hochachtung der ganzen Familie Stolzenberg er­worben, sondern auch aller Derer, welche sie in ihrem 40-jährigen Dienste kennen gelernt haben.

o. Die Mnifrirr i»n* Arbeiterschaft macht sich in diesem Jahr im öffentlichen Leben noch weniger bemerkbar als sonst. Die übliche Fcst-Vcrsainmlnng wurde heute Vormittag in der Wirthschaft des Herrn Koob in der Herma»,straße abgehalten, und zwar in- einen, Lokal, das bet Weitem nicht ausreichte. Hier hielt Herr Quint von Erbeuheim eine längere Rede, worauf die Ver­sammlung die »bliche Resolution zu Gunsten des Achtstundentags faßte. Das Programm des Tages sicht noch für heute Nachmittag eine» Ausflug nach Dotzheim und für heute Abend eine Gewerkschafts- Versammlung in denDrei Königen" vor.

1l. 8. Leipzig, 30. April. (Reichsgericht.) Wegen Er- prcffung war am 14. Februar dieses Jahres der Kaufmann Wrzesnicwski vom Landgericht Wiesbaden zu einer zwci- monatlichen Gefängnißstrafe verurtheiit worden. Der Angeklagte focht dieses Uriheil mit dem Rechtsmittel der Revision an und rügte zur Rechtfertigung desselben Verletzung niatcriellcr Rechts­normen. Der Angeklagte verdiente nämlich sein Geld u. A. auch durch die Uebcrnah'mc von Hans- und Güterverkäufen. Bei einem solchen Gutverkauf hörte er zufällig, daß ein Graf Draskowitz sein Gut z» verkaufen beabsichtige. Sofort begab er sich zu demselben und verlangte von ihm Aufschluß über den Bestand des Gutes. Der Graf erschrak nicht wenig und erwiderte ihm, daß er nie die Absicht gehabt hätte, sein Gut zu verkaufe». Wrzesniewski hatte nämlich die Geschichte, die ihm scmGeschäflsfrennd" erzählt hatte, für wahr gehalten und sah sich bereits im Besitze von Tausenden, die er bei dem Gutsverkauf verdienen würde, da man ihm auch von der glänzenden finanziellen Lage des gräflichen Gutes erzählt hatte. Da er sich nun so furchtbar getäuscht sah, beschloß er, sich wenigstens etwas von dem erhofften Vermögen zu retten. Der Angeklagte versicherte darum mit fester Stimme dem Grafen, er habe Papiere in Händen, die ihm den Verkauf garantirtcn. Er habe sich darauf verlassen und deshalb andere Gntsvcrkänfc auf- gcgeben, wodurch ihm nun ein Schaden von 40,000 Mk. erwachsen sei. Es sei deshalb recht und billig, wenn er Schadenersatz ver­lange. Der Gras erklärte ihm rund weg, daß er sich ans gar nichts cinlassen könnte, da er ja nie sein Gut hätte ver­kaufen wollen. Der Angeklagte erwiderte ihm, wenn ihm nicht telegraphisch 3000 Mark bei dem Bankhaus Bcrlö in Wiesbaden angewiesen würden, Anklage gegen den Grafen er­heben zu muffen. Dieser kam ihm jedoch zuvor und verklagte ihn wegen versuchter Erpressung. Der Angeklagte führte in seiner Revision ans, daß er die Erzählung feines Geschäftsfreundes für wahr gehalten hätte. Er habe sich deshalb auch bereits mit einem Bankier in Verbindung gesetzi und jederzeit die Ansicht gehabt, daß der Graf gerade ihn das Geld nicht habe verdienen lasten wollen. Der erste Strafsenat konnte sich jedoch ebensowenig von der Unschuld des Angeklagten überzeugen und verwarf deshalb die Revision und legte dem Beschwerdeführer die Kosten des Rechtsmittels auf. Wegen Verleitung zum Meineid hatte da? Landgericht Wiesbaden an, 26. Februar d. I. den Metzgcrvurschen Heinrich St cm ml er vcrnrtheilt. Der Angeklagte focht das urtheil mit dcm Rechtsmittel der Revision an und rügte zur Rechtfertigung desselben Verletzung materieller Rechtsnormen. Der Angeklagte war nämlich im Novcinber v. I. i» Langen schwalb ach mit dcm Zeugen Schilf in einen Wortwechsel geräthen und hatte ihn, eine schallende Ohr­feige gegeben. Daraufhin versetzte ihm Schilf einen Schlag mit einem L-chlagring, der ihn niedcrstreckte. Am nächsten Tage sagte er dem Zeugen Bleckenstcin,'er solle, wenn er vor Gericht käme, aus- sagen, daß Sckiils itm zuerst geschlagen habe. Man könne ihn ja nie bestrafen, wem, er etwas Falsches gesehen habe. Darin wurde die Ver­leitung zum Meineid erblickt. Der Angeklagte, der überdies noch nicht strafmündig ist und deshalb mit einer kurzen Gefängnißstrafe wcgkam, während er sonst mindestens ein Jahr ins Zuchthaus hätte wandern müssen, führte in seiner Revision aus, er habe mit seiner Anffordmmg, die Unwahrheit zu sagen, den Zeugen Schilf nicht zum Meineid verleiten wollen, da er seine Worte nur in Bezug auf eine kleine gerichtliche Voruntersuchung gesagt habe. Der erste Strafsenat erkannte die Ansfübrnngen des Angeklagten a»nd hob deshalb das Urtheil der Vorinstanz auf, mit der Maß­gabe, daß nicht festgestellt sei, daß der Angeklagte den Zeugen wirklich zum Meineid habe verleiten wollen. Die Kosten des Rechtsmittels wurden der Staatskasse auferlegt.

Postalisches. Während bisher nur Sendungen mit einer Wcrthangabe bis zu 3000 Mark den Empfängern durch die Geld­briefträger zugcstellt wurden, Sendungen mit höherer Wcrthangabe aber von der Post nbgcholt werden mußten, sollen nach einer An­ordnung des Staatssekretärs des Reichspostamts künftig Werth- senduilgen bis einschließlich 6000 Mark im Ortsbestellbezirk der Posta,,staltcn bestellt werden. Nur wenn besondere Umstände es nöthig erscheinen lassen, sind die kaiserlichen Oberpostdircktionen ermächtigt, für einzelne Orte oder Bcstellgänge die jetzige Werth- grenze beizubehalten.

Die alten Kriefniarlren sind setzt znm größten Theil aufgebraucht. Nach einem Ausweis der Rcichsdruckerei sind bei dieser die Bestände von folgenden Wcrthzcichcn der älteren Art erschöpft: Briefmarken zu 3, 5, 10, 20 und 50 Pf., Postkarten zu 5 Pf., Postanweisungen zu 10 und 20 Pf. Es gelangen von diesen Sorten nur noch Werthzeicheu mit dem Bilde der Germania von der Reichsdrnckcrei znr Vertheilung. Sobald die Bestände bei den Ober-Postdirektionen und den Verkehrsanstalten ganz verkauft sind, gelangen dann ausschließlich Werthzeicheu der neueren Art z» den angegebenen Wertheu in Verkehr. Auch die übrigen Werihzeichen dürften im Laufe dieses Jahres den Wechsel erfahren, sodaß mit dem Ablauf des Jahres die neue, wenig schöne'Germania-Marke allgemein cingesnhrt sein wird.

Kleine Dotixen. Die Mitglieder desVereins für Naturkunde" unternehmen morgen (Mittwoch) die erste botanische Exkursion über Dotzheim und Umgebung nach dem Spitzenstein und zurück über Schierstcin. Der Abmarsch erfolgt um 2 Uhr Nachmittags von der Ringkirche aus. Auch Gäste und Freunde sind willkommen. Der Stcnnn- und RingklubAthletia" hat auf den, am Sonntag, den 29. April, stattgcfnndenen Atbleten- Wettstrcit in Mannheim wieder einen schönen Erfolg zu verzeichnen. Es erhielt das Mitglied Herr Wilhelm Krämer im Ringen zweiter Klasse den zweiten Preis, bestehend in echt silberner Medaille nebst prachtvollem Diplom, unter starker Konkurrenz.

Konncnberg, 00. April. Das neue Schuljahr wurde verflossene Woche begonnen; 51 Schüler wurden entlassen und 72 neu ausgenommen; eine weitere Lehrkraft muß daher auch für hier in nächster Zeit berufen werden. Herr Dr. Rüb wird am 11. Mai in hiesigem R:thhans die Impfung vornehmen. Die Masern- epidemie, welche in den Monaten März und April sehr stark ausgetreten war, kann als erloschen betrachtet werden. Glücklicher­weise sind keine Opfer derselben zu verzeichnen. Unsere Gemeindevertretung wird sich in ihren nächste,, Tagungen mit der L i ch t - und W a s s e r f r a g e beschäftigen. Hoffent­lich führt unser Herr Bürgermeister Schmidt auch diese An­gelegenheiten zu allseitig befriedigendem Ziele. Der Po stv er kehr an hiesigem Platze hat sich bedeutend gehoben; vor einiger Zeit mußte ein weiterer Briefträger angestellt werden. Am 1. und 2. Juli feiert unser GesangvereinConcordia" sein 25-jährigcs Jubiläum; die Vorbereitungen hierzu befinden sich iw vollsteil Gange. Mit der Aufstellung der neuen Kirchenorgcl in der hiesigen katholischen Kirche ist augenblicklich Herr Orgelbauer Keller Nachfolger ans Limburg beschäftigt. Das hübsche Werk wird eine weitere Zierde der netten Kirche bilden. Die Kosten des Werkes sollen nahezu 3600 Mk. betragen.

Ir. Gronderg, 1. Mai. Seine Majestät der Kaiser traf heute Vormittag 8 Uhr 10 Minuten mit kleinem Gefolge ans hiesigem Bahnhof ein. Zum Empfang waren Prinz und Prinzessin

Adolf bo» Schanmburg-Lippe anwesend. Der Kaiser fuhr durch das festlich beflaggte Städtchen. Um 11 Uhr besichtigten der Kaiser und die Kaiserin Friedrich da» alte Schloß. Die Rückreise erfolgt heute Abend 9 Uhr 30 Minuten.

* Rndesheim, 30. April. Oberhalb Aßmannrhausen ercignele sich heute Abend ein Wagen»»glück, indem die Pferde durch­gingen. Fünf Fremde (drei Damen, ein Herr und ein Kind) sprangen nb und erlitten erhebliche Verletzungen. Da» Fuhrwerk kam führer­los hier an. (Rhcing. Anz.)

cf Cassel, 30. April. Der unter dringenden VerdachtSgriindc» verhaftete Arbeiter Georg Waging, ein Mann von 29 Jahren von hier, hat den schauerlichen, an seiner eigenen Schwägerin begangenen Mord nach anfänglichem Leugnen heute endlich schrittweise rin­ge st an den. Pfläging räumte unter Thräncn die an dem besten» beleumundeten jungen Mädchen begangenen Schcußlick,kciten ein; er will aus Roth gehandelt haben, er hätte kein Geld gehabt und der Haushalt (seine Frau sei im Kindbett gewesen) habe so viel Geld gekostet. Seine Frau tvar die einzige Erbin der Schwägerin, welche ca. 600 Mk. auf der Sparkasse hatte. Pfläging hat schon dreimal gestohlen und ist mit Zuchthaus schon vorbestraft.

A Main?, 1. Mai. Rhcinpegel: 1 m 34 cm Vormittag» gegen 1 i» 37 cm am gestrigen Vormittag.

Der Krieg in Südafrika.

hl Kerlin» 1. Mai. Nach einer Meldung an? London wurde au» Thabanchu Sonntag Abend 6V» Uhr tclegraphirt: Der Feind bat sich nicht weit zurückgezogen. Die Buren stehen noch in ansehnlicher Zahl ,m Norden und Osten. Ihre Flanken sind durch Artillerie gedeckt. Den größten Theil des heutigen Tages ijber bescbossen die Engländer die Buren, während die berittene Artillerie vorrucktc. General Dewct machte einen Versuch, den östlichen Flügel der Engländer zu umgehen, aber die Kavallerie vereitelte den Ver)- snch. General French führt hier den Oberbefehl.

. Kerstin, 1. Mai. DerLokal-Anzeiger" meldet an» London: Ans Kapstadt wird berichtet, daß sich Jamesön vom Typhus erholt hat und als Parlamentskandidat für Kimverley in Aussicht genommen wird. Nach einem Telegramm desselben Blattes aus Wien wird Oesterreich-Ungarn in Betreff der bei der Explosion in Johannesburg uwgekommenen Oestcrrcicher Enst schädignngsanspriichc erheben.

Petersburg, 30. April. In einem Leitartikel über die englisch, portugiesischen Beziehungen äußert sich dieWwoje Wremja" in scharfer Form über den Nentralitätsbrnch durch Portugal. Da» Blatt ,veist auf die in dem Vertrage von 1891 enthaltene Bcstinummg hin, nach welcher englischen Truppen der Durchmarsch durch portll- giesisches Gebiet nur zur Verthcidignng von Rhodesia gestaltet ist. Die Truppen Carringtons durften sich mithin nur bereimo ver­halten, andernfalls läge ein Bcrtragsbruch vor. (Franks. Ztg.)'

88,584 Kchiiler der oberen Klassen der Ncw-Aorker Volks» schulen haben eine Sympathie-Adresse an Präsident Krüger unser» zeichnet und Einen aus ihrer Mitte, einen 16-jährigen Knaben, damit nach Pretoria geschickt. Als der anserwählte Bote, für den seine Mitschüler das Reisegeld znsammcngesteuert, sich einschiffte, wurde er von Tausenden derselben begleitet, die ihm laute Hochrufe für die tapferen Buren mitgaben.

Letzte Dachrichter».

' DevelLenbüre-u Ceroia.

K erlitt, 1. Mai. Ueber den Inhalt des in der Fleisch» beschaufrage vorbereiteten Kompromisses verlautet soviel, daß das Verbot der Einfuhr von Wurst' von den ver» kündeten Negierungen zugcstanden worden sein soll, dagegen die Konserven frei hereingekassen werden sollen. DaZ Pökelfleisch wird höchst wahrscheinlich eine differente Behandlung erfahren.

Koriin, 1. Mai. Am Tage des Empsangs des Kaiser- Fra uz Josef in Berlin werden Reichstag und Abgeordnete^ Haus die Plenarsitzungen ansfallen lassen. Reichskanzler Fi'ttst Hohenlohe ist gesiern Abend, über Köln kommend, m Berlik» wieder eingetroffen.

hd. Paris, 30. April. Eine neue Katastrophe ereignete sich heute Nachmittag in der Welt-Ausstellung. In beut großen Festsaal stürzte ein Gerüst zusammen, wobei drei Personen gelobtet und mehrere verletzt wurden. Die Aufregung in der Ausstellung ist unbeschreiblich.

Gra;, 1. Mai. Vom Hochb.uitsch stürzte ein Wiener Student ab und erlitt schwere Vertetznngen.

Doiksrvirthschaftliches.

Fruchtpreiso, nntgetheilt von der Preisnotirungsstelle der Landwirthschaftskanuner für den Regierungsbezirk Wiesbaden am Fruchtmarkt zu Frankfurt a. M. Montag, den 30. April, Nachmittags 12V- Uhr. Per 100 'Kilogramm gute marktfähige Waare, je'nach Qualität, loco Franksiirt a. M.: Weizen, hiesiger, 16 Mk. 50 Pf. bis 16 Mk. 60 Pf., Roggen, hiesiger, 15 Mk. 85 Pf. bis 15 Mk. 60 Pf., Gerste, Ried-und Pstilzer- (neue), 15 Mk. 25 Pr. bis 15 Mk. 50 Pf., Gerste, Wctteraucr-, 15 Mk. 25 Pf. bis 15 Mk. 50 Pf., Hafer, hiesiger (alter), Mk. Pf. bis Mk. Pf., Hafer, hiesiger (neuer), 14 Mk. 75 Pf. bis 15 Mk. Pf., RapS, hiesiger, - 'Mk. - Pf. bis - Mk. - Pf.

Geldmarlrt. Coursbericht der Frankfurter Börse vom 1. Mai, Mittags 12'/- Uhr. Credit-Mtien 228.30, Disconto - Commandit 187.70, Staatsbahn 136.50, Lombarden 27.20, Gotthardbahn - Aktien 142., Ccntralbahn 145, Nord» osibahn 91.20, Union-Bahn 80.50, LanraHütte-Aktien 263.50263, Gelscnkirchener Bergwerks - Aktien 218217.25, Bochumer 257256,

t arpencr 228.50 228, 8-proc. Mexikaner, Italiener 95.30, resdcner Bank 157., Dannstädter Bank, Berliner Handels- Gesellschaft 162.80, Deutsche Bank 202.10, 4-proc. Spanier 72.80, 3-procentige Portugiesen. Tendenz: beruhigt. Hibernia 240.

Wien, 1. Mai. Oesterr. Credit - Aktien 733.50, Staats» bahn-Aktien 643.25, Lombarden 115.. Dlarknotcn 118.35.

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