#8. Jahrgang.
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Für die Aufnahme später eiugereichter Anzeigen zur
As. 194.
Fernsprecher No. 52.
Freitag, den 27 . April.
Fernsprecher No. 58.
1909.
Der Teansvaal-UavUlott auf der Pariser Wettauc.steiim?g.
In beistchender Illustration führen wir unfern Lesern den Pavillon der Transvaalrepublik auf der Pariser Weltausstellung im Bilde vor. Wenn derselbe auch keinen Clou der Ausstellung darstellt, so dürfte er doch innerhalb der Repräsentationshäuser der fremden Nationen eine der am meisten besuchten werden.
Die ganze Welt richtet seit Wochen ihre Blicke voll Bewunderung und Theilnahme nach dem Kriegsschauplatz in Südafrika, und cs ist daher erklärlich, menit sie auch den Friedensprodukten des tapferen Burenvolkes volles Interesse znmendet. Der kleine villenartigc Bau ist in schlichlen architektonischen Formen gehalten, ganz dem Nationalcharakter der Buren entsprechend. DieAusstellunginseinem Innern besteht in Darstellungen aus' dem Gebiete des öffentlichen Unterrichts, der öffentlichen Bauten, der Post- und Telegraphenverwaltung; ferner gewährt sie uns einen inter- rssanten Einblick in das Kriegswesen.
Die größte Abtheilung stell! eine ethnographische Sammlung dar, die eine Photographieausstellung in sich schließt, welche die kulturelle Entwicklung des Landes veranschaulicht.
„DjeTrinkfMen im Heere"
betitelt sich ein Schriftchcn, das ein früherer lerie-Offizicr kürzlich im Verlag bei
gcnossimien in der Bekämpfung der Unmäßigkeit zu gewinnen. Als Mann, der das Leben kennt, tritt der Verfasser übrigens nicht für Enthaltsamkeit, sondern lediglich für Mäßigkeit ein. Dem berz- crfrcueuden Genuß eines Glases Wein oder Bier in fröhlicher Gesellschaft spricht er nicht das Urtheil. Nur das „Zuviel" und das „Immerfort" findet keine Gnade.
Sehr bezeichnend läßt fick der Verfasser ans: „Es ist wahr, wir trinken, wenn wir in die Armee treten und wenn wir dieselbe verlassen, wenn wir auseinandcrgehen, und wenn wir uns Wiedersehen. wenn wir Hunger haben und wenn wir satt sind, wenn wir uns freuen, wenn wir traurig sind, wenn wir Geld haben und wenn wir keines baben, wenn wir ein Pferd kaufen, und wenn wir
Kavallerie.„ .
O. V. Bohnert in Dresden veröffentlicht hat. Diese Schrift ist ein Zeichen der Zeit. Es mehren sich im Lauf der letzten Jahre die Belege dafür, daß der Kampf gegen die Trinksitten allmählich in den einzelnen Berufsgruppen und Gesellschaftsschichten greifbare Gestalt gewinnt und Erfolge erzielt. Der Verein abstinenter Aerzte und derjenige abstinenter Lehrer bildeten den Vortrab; ein Arbeiter- Mäßigkeitsvercin, der kürzlich auf Anregung des Socialdemokraten Katzcnjtem in Mannheim gegründet worden ist, liefert einen neuen hocherfreulichcn Beweis für die oben aufgcsteUte Behauptung. Das- . .
angeführte Schriftchen möchte mm auch den Ostiziersland, der gleich hoch iil der gesellschaftlichen Achtung wie m der
Getränksteuer steht, zur größeren Mäßigkeit bekehren Oane in lnngathmiges Klagen und Moralisiren zu verfallen, ohne znuper- liche Prüderie deckt der Verfasser die traditionellen Tnnkgipflogen- heiten »iid ihre Folgen, wie sic in unserem Heer herr'chen, ans und tritt als warnender, berathender Frennd seinen Kamernden entgegen. Da er den tiefgreifenden Einfluß der Frau, der besorgten Mutter und sorgenden Gattin richtig bewerthet, wendet er sich in seiner Ansprache an die Osfiziersfranc», um sie als Bnndes-
ciu Pferd verkaufen, wenn ein Vorgesetzter zufcicden, und wenn er unzigueden war, wenn wir ein Rennen gewonnen, und wenn wir ein solches verloren haben, wen» wir angeregt sind, und wenn wir Langeiveile haben", und führt danri f»rt: „Das, was beim Arbeiter die llebermüdimg, der Wohnnngsmangel, das Fehlen einer geistigen oder künstlerischen Aufhcitcrnng nnd Zerstreuung, ist beim Gebilde!,» oft die Langeweile". Einer beliebten Entschuldigung hält er entgegen: „Der Einwand, daß ein Offizier durch den Dienst zu sehr ermüdet ist, um Abends sich_ einer geistigen Beschäftigung mit Aufmerksamkeit zmvenden zu können.
ist nicht stichhaltig, denn es giebt bekanntlich viele Arbeiter, die nach einer zehn- bis zwolfstnndigen anstrengenden TngeS- arbeit am Abend zwei bis drei Stunden in den Lesehallen durch geistige Arbeit sich beschäftigen oder öffentliche Vorträge mit anhören, sich an Diskussionen in Vereinen lebhaft mit bcthciligen und sich ans diese Weise ein oft erstaunliches Wissen nncignen. Warum sollte cs also ein Offizier nicht können, der durch den Dienst doch weit weniger angestrengt ist, als ein Arbeiter. Der Kampf um die Lebensstellung ist heute ein anderer, wie früher. Die Ailforderung an Bilduug und Wissen, welche man heute an den Offizier, im die gebildeten Stände stellt, ist nicht mehr dieselbe. Mit Konnexionen uub geselligen Formen wird nicht mehr Alles erreicht. In jeder Stelluiig gilt der Mann nur das, was er kann und leistet. Deshalb sliid 'die Anforderungen an Pflichterfüllung und Arbeitsleistung größere. Der lähmende starke Genuß geistiger Getränke ist hierbei besonders hemniend nnd iimß umso mehr
unterdrückt werden.". „Wenn einmal die heutige Trink-
fitte abgcthan sein wird, werden wir sicherlich bedeutend mehr dicnstbrauchbare Offiziere für die höheren Chargen besitzen als jetzt.
Es wird dies den Vortheil haben, daß bei diesen nicht nur di« körperlichen, sondern auch die geistigen Fähigkeiten viel mehr in Anrechnung gebracht werden als bisher. Auch ivird c? nicht mehr so viel verlorene Existenzen geben, die a>is Gesundheitsrücksichten
in den Ruhestand versetzt werden müssen, und denen z» einem anderen Beruf die nöthigen Kenntnisse fehlen. Man wird auch mehr Rücksicht ans de» mittellosen Kameraden nehmen und dl« Lebensweise im Kasino nicht nach dem Geldbeute! der Wohlhabenden, sondern nach dem der Unbemittelten einrichten."
Sehr zutreffend sagt der bayrische Regimentsarzt Dr. Leiten- storfer in ferner beachtenswerthen Schrift „Das militärische Training", „daß in einem zukünftigen Kriege dieMige Armee am meisten Aussicht auf den Sieg habe, die die' andere an Mäßigkeit und Sittlichkeit übertrifft.
Ganz besonders legt der frühere Rittmeister den Offiziers- Frauen die auf Mäßigkeit abzielendc Erziehung ihrer Kinder ans Herz. Doch hoffen tvir, daß cs der äouee pressio» der Ehegattin gelingen möge, auch manchen Herrn Gemahl aus der unwürdigen Unterwerfung unter de» Trinkzwang zu befreien, nnd daß allmählich ein Bund nicht abstinenter, aber müßiger Offiziere als Vorbild für alle ihre Kameraden nnd die Mannschaften erstehen möchte.
Krrv Stadt und L.anö.
Wiesbaden. 27. April.
Dev Wiesbadener Isiksbrldnngsverein.
Der hiesige VolkSbildungsvercin hält Freitag, den 27. d. M., im Damensaal des „Nonnenhofs" seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Es ist zu wünsche», daß die Bctheiligung eine der Bedeutung der segensreichen Vereinsbestrebungcil entsprechende werden möge, svivohl von Seiten der Vercinsmitglieder, als aller Freunde einer gesunden Entwicklung unseres Volkslebens. Es handelt sich um eine Bewegung, die immer weitere Kreise zieht. In der nächsten Woche veranstaltet die Centralstelle für Arbeiterwohlfahrts-Einrichtungen in Berlin eine Besprechung über die Erziehung deL Volkes auf den Gebieten der Kunst und Wissenschaft. Ilumittelbar vorher und un* abhängig soll gleichfalls in Berlin eine Konferenz stattfinden, an der hauptsächlich deutsche Hochschullehrer Theil nehmen und die die Begründung eines Verbandes für volksthüinliche Kurse von deulschen Hochschullehrern bezwecken. Männer wie Professor Dr. Natorp - Marburg, Professor Dr. Stumpf-Berli», Professor Dr. Plate-Berlin, Professor Dr. Lichtmerk-Hamburg und andere hervorragende Persönlichkeiten der Kunst nnd Wissenschaft stehen an der Spitze dieser Bestrebungen. Auch in nuferen Nachbarstädten Frankfurt nnd Mainz verfolgen der „Ausschuß für Volksvorlesnngcn" respektive der „Verein für Volks-
(Nachdrnck verboten.)
Zeichensprache der Seeschiffe.
Von A. Zink.
Trotz des Kaiserivvrtes: „Unsere Zukunft liegt aus dem Reere", hat der Binneitlüuder meist nur eine geringe kenntniß von all den Dingen, welche sich ans das Sec- oeseti beziebcn. So ein großes Seeschiff ist zwar eine Welt ür sich und hat sich gegen alle Eveniualitäten nach Kräften eschützl, aber es giebt auch Unfälle, gegen die cö sich klein iticht schützen kann, für die es die Hülfe anderer Schiffe unbedingt braucht. Zn diesem Zweck hat man eine nternalionale Zeichensprache erfunden, die heule auf allen Neeren in Anwendung kommt und auch verstanden ivird.
Sehr alt ist diese internationale Zeichensprache noch nicht; ie zählt noch kein halbes Jahrhundert. Erst mit dem leigenden Seeverkehr dnrch die vervvllkvmmnelstcn Dnmpf- chiffe hat sich diese Zeichensprache heranSgcbildei, die heute ür jedes Schiff unentbehrlich und auch für den Laien intcr- ssant ist.
Diese Zeichensprache, die heute von allen Nationen an- enommen ist, zerfällt in eine für das Auge und eine für as Ohr bestimmte Abtheiluitg. Der Seemann nennt sie urz die optische und akustische.
Bei der optischen Zeichensprache spielen die Farben und flagge» die Hauptrolle. Jedes Schiff, welches den Hafen erläßt, führt in der Regel drei große Flaggen. Am Vordertast weht die Flagge des Landes, dem eö zustcucrt, am -intermast flatlert die Flagge der Rhederei, welcher das Schiff gehört, und an einem Flaggenstock über dein Ruder ührt das Schiff die Nationalflagge, also die Farben seines I
Hcimathlandes. Diese Nationalflagge bient auch als Mittel zur Begrüßung eines fremden Schiffes. Man hebt und senkt diese Flagge beim Gruß dreimal nacheinander. Der Seemann nennt diese Höflichkeitsform „das Dippeil".
Die eigentliche Verständigung unler den Schiffen ans hoher See geschieht durch andere, durch besondere Flaggen von verschiedener Gestalt nnd Farbe. Von diesen Flaggen werden je nach Vedürfniß und Zweck zwei, vier oder noch mehr hintereinander an einer Leine am Top, das heißt am obersten Ende der Masten, gehißt. Mittels der Zahl und Farbe dieser Flaggen können nach dem international vereinbarten Signalbuch mehr als 30,000 Worte zusammengestellt werden. Selbstverständlich hat man zu diesen Flaggen nur die grellsten und charakteristischsten Farben gewählt. Immerhin reichen diese Farben aber nur auf eine Sehweile von höchstens 2 Seemeilen, also ans 3000 Meter, selbst bei Anwendung der besten Fernrohre.
Leider sind diese Zeichen aber selbst bei Tage nicht immer anwendbar. Bei völliger Windstille versagen sie iintnrgemäß. Sehr unsicher tverden sie, wenn der Wind von der Seite weht, woher das Schiff kommt, dem man die Mittheilung machen will, oder auch, wenn die Mannschaft dieses Schiffes in die Sonne sehen muß, um die Zeichen zu erkennen.
Für ganz besondere Fälle nnd große Gefahren hat man daher »och ganz besondere Fernsignale. So tverden die Nothsignalc: „Feiler im Schiss", »Wir sind ans Grund" oder „Ihr hegel't Euch in Gefahr" durch die drei Zeichen Ball (Kugel), Flagge (Rechteck) oder Wimpel (Dreieck) an-
0 ' I» der Nacht versagen natürlich alle genaitilten Signale,
und man verständigt sich dann durch brennende Laternen, losgelassene Nakelcu und durch bunte Flammen. Nach der internationalen Verständigung haben alle Schiffe an bestimmten Stelle» farbige Laterne», um de» begegnenden Schiffen Art und Kurs des Fahrzeuges erkennen zu geben.
Alle Dampfer tragen, zum Unterschied von den Segelschiffen, hoch am Vordermast ein Helllenchlendes, weißes Lieht, das von vorn und von den Seilen sichtbar sein muß.
Alle Schiffe, ob Dampf- oder Segelschiffe, führen rechts, am Steuerbord, ein grünes Licht, links, am Backbord, ein rothes Licht. Beide Lichter müssen so angebracht und gegeneinander abgeblendet sein, daß sie nicht irvitiren können. Aus der Lage dieser beiden Lichter zu einander oder aus der Sichtbarkeit des einen oder anderen läßt sich dann leicht die Fahrtrichinng des Schiffes erkennen. So können bei nur mäßiger Aufmerksamkeit zwei in der Nacht sich begegnende Schiffe einander ausweichen. Nur bei der Außerachtlassung der einfachsten Aufmerksamkeit kann bei ruhiger See ein Zusammenstoß statifinden.
Bei Nothfällen in der Nacht wendet nt«»- noch Feuerkugeln und große, Helle, wcilh!» sichtbare Feuer an.
Es giebt aber Witterungen, wie starker Nebel oderNegen, wo alle oplischen Signale, auch bei Tage, versagen. Oft freilich ist der Nebel nicht sehr hoch; in diesem Falle Hilst man sich damit, daß Mannschaften hoch in die Masten geschickt werde», um von dort aus, bei Tag natürlich, zn schauen, ob ei» anderes Schiff sichtbar wird. Ist dieses aber unmöglich, so treten die akustischen Signale in Kraft und Anwendung.
Diese Signale werden durch die Schallapparate hervor- gemfen, die heute auf einer ncnnenswerlheu Höhe stehen.
