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«8. Jahrgang.

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Verlag: Langgasse 27.

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Mo. 192. Fernsprecher N». 52. Ianaerstag, den 26. Apeii. Fernsprecher N«. 52. 1900.

Hiorflen^Aiisgabe«

Das Riesenrad ans der Pariser Wellausstellung.

Unter den Sehenswürdigkeiten der Pariser Weltausstellung giebt es so außerordentlich viel Sensationelles und noch nie Da- gewcscnes, daß man fast von einer ganzen Reihe von neuen Welt­wundern sprechen kann, die der staunenden Welt auf einem kleinen

Raum von noch nicht 1 gKm dargeboten werden. Unser Bild stellt eines derselben, das Riesenrad, dar; dasselbe ist an dem Westende der Ausstellung, unweit des Marsfeldes, errichtet und dazu be­stimmt, dem Publikum ans luftiger Höhe einen Blick aus der Vogelperspektive zu gewähren. Ueber die stattliche Größe desRades mögen einige Zahlen aus seinen Abmessungen dem Leser Auskunft

(Nachdruck verboten.)

Das Imperial-Institut.

(Von unserem Londoner Korrespondenten.)

Der Imperialismus, der jetzt so schreckliche und vor­läufig noch garnicht absehbare Folgen heraufbeschworen, ist '-n England nicht eine Erscheinung, die sich erst in den allerletzten Jahren in akuterer Weise bemerkbar macht. Den ersten Schritt dazu that wohl schon Beaconsfield, als er für die Königin Victoria den TitelKaiserin von Indien" er­müd und seitdem hat die Idee desEreater Britain immer größere Fortschritte gemacht. Daß dieselbe von irgend­welchen günstigen Resultaten begleitet mar, kann man aller­dings nicht behaupten. Die Bande, welche England mit Australien vereinen, werden fortwährend lockerer, und trotz "ller schönen Reden, die der kanadische Premier, Laurier, anläßlich des Jubiläums der Königin hielt, obgleich seine öroße amerikanische Kolonie ihm seitdem einige Zoll- erlcichterungen gewährt, hat es doch gar nicht den Anschein, als ob diese sich fester an daS Mutterland schließen wolle, wt Gegentheil. Sollte nun der jetzige Krieg nicht mit einem Siege Großbritanniens enden, so würden dessen Prestige natürlich furchtbar darunter leiden und dies seinen imperia­listischen Wünschen nicht gerade günstig sein.

Bereits anläßlich des ersten, des fünfzigjährigen, Jubiläums der Königin Victoria glaubte man diesen Rechnung tragen äu müssen und rief ein Institut ins Leben, das in England dem Imperialismus mehr Anhänger verschaffen und den Kolonisten allerlei Vortheile gewähren sollte. Im Volk fand die Idee jedoch von vornherein keinen Anklang. Man hielt es der ganzen Gelegenheit viel entsprechender, irgend dsn Wohlthätigkeits-Etablissement zu schaffen, ein Hospital dielleicht, welchem ausreichende Mittel zur Verfügung stünden Md das nicht wie die anderen Krankenhäuser hier alle auf

geben. Der Durchmesser beträgt 93 in, an seiner Peripherie sind 10 in ihren Achsen pendetnde Pavillons angebracht, die bei 14 in Länge einen geräumigen und luxuriösen Raum bilden. Einige Pavillons sind als Restaurants, Lesezimmer, Speisezimmer, Konzertsalons :c. eingerichtet. In 20 Minuten hat das Rad eine Umdrehung vollendet; eine verhältnißmäßig langsame Bewegung, die dem Mitreisenden Publikum aber gerade ermöglicht, die wunder­bare Aussicht über das ganze Ausstellungsgebäude nicht nur, sondern auch über die ganze Stadt Paris in aller Ruhe zu ge­nießen. Die Drehung des Rades wird durch ein um die Achse ge­

legtes Drahtseil von 5 em Dicke bewerkstelligt, welches von einer elektrischen Maschine am Erdboden in Bewegung gesetzt wird. Die Stützpunkte des Rades bilden zwei bockartige Stützen, aus zwer Doppelpfeilern bestehend, welche, wie das gesammte übrige Material, aus bestem Stahl hcrgestcllt sind. Das Gesammtgewicht des Rades beträgt 1,191,100 Kilo, die Achse all wiegt 39,600 Kilo.

die Privatmildlhäligkeit angewiesen sein sollte. Aber von oben her machten sich widerstrebende Einflüsse geltend, die Idee zur Errichtung des Jmperial-Jnstituls tauchte auf, das Englands Größe vermehren helfen würde, und wie so oft, trug das Pomphafte, Jrratiouelle über das Bescheidene, Vernünftige den Sieg davon. Ware allerdings das großartige Programm zur Ausführung gekommen, das man sich damals gestellt, so hätte wenigstens der britische Industrielle ncnnenswerthe Vortheile erlangt. Das Institut sollte eine Schule, ein Museum und eine Bibliothek sein, wo über die Kolonieen, ihre Ein­richtungen, Produkte, über die Aussichten, welche sich Dencn bieten, die dahin auöwandern wollten, die erschöpfendste Aufklärung ertheilt würde ?c. rc. All diese schönen Ver­sprechungen sind aber in den Wind verflogen, durch die Errichtung des Etablissements ist London einzig und allein um einen eleganten Klub bereichert worden, und zwar um einen Cock and hen-Club, wie man hier sagt, d. h. wo sowohl Männlein als Weiblein Aufnahme finden. Allerdings ist auch ein Museum und eine Bibliothek vorhanden, aber die Mitglieder verirren sich nie dahin. Sie ziehen cs vor, die Restaurants, Billardsäle, Rauch- oder Lesezimmer und im Sommer die Gärten aufzusuchen, wo täglich Militärmusik sich hören läßt. Wie alle Klubs, ist auch das Imperial-Institut stets, selbst am Sonntag, geöffnet, d. h. für die Mitglieder. Das große Publikum kommt nur gegen Bezahlung hinein mit Aus­nahme des Freitags, wo der Eintritt frei ist. Um noch deutlicher zu zeigen, daß man es nicht mit einem National- Jnstitut zu thun habe, dürfen die gewöhnlichen Menschen­kinder allein durch die Seitenpforte eintreteu, das große Portal ist den Mitgliedern reservirt.

Da man aber doch nicht so weit gehen konnte, die Kauf- leule, welche Informationen wünschen, jedesmal zu zwingen, einen Schilling zu erlegen, so hat man einen ingeniösen Ausweg gefunden. Die Industriellen müssen eine schriftliche

Aus Ztadt und Kund.

WieSba den. 26. April.

Jnanspruchnnhinc des Staatsschuldbuches.

Das preußische Staatsschnldbuch ist auch in dem Ende März d. Js. abgelnnfenen Geschäftsjahre Seitens der Besitzer von Schuld­verschreibungen der koiisolidirten Staatsanleihen lebhaft in Anspruch genommen worden. Die Zahl .der eingetragenen Konten betrug Ende März 1898: 21,569 über 1,288,193,100 Mk. Kapital. 1899: 22,732 über 1,292,244,450 Mk. Kapital, sie ist bis Ende März 1900 auf 26,102 über 1,385,316,900 Mk. Kapital gestiegen. Von den letzt- gedachten Konten entfallen 85,5 v. H. auf Kapitalien bis zu 50,000 Mk. und 14,5 v. H. auf größere Kapitalsanlagcn. Für physische Personen waren Ende März 1900 16,548 Konten über 624,287,300 Mk., für juristische Personen 4317 Konten über 516,166,660 Mk. ein­getragen. Die Zadl der Konten für bevormundete oder in Pfleg­schaft stehende Personen ist im letzten Jahre von 1394 auf 1723 gestiegen. Von den Zinsen ließen sich die Empfangsberechtigten halbjährlich 14,975 Posten von der Staatsschnldcn-Tilgungskasse in Berlin durch Werthbrief oder Postanweisung direkt zusenden, 4219 Posten wurden durch Gutschrift auf Reichsbank-Giro­konto berichtigt und 11,987 Posten wurden bei den mit der Auszahlung beauftragten Königlichen Kassen abgehoben. Von den Konten-Jnhabern wohnen 22,354 in Preuße», 3451 in anderen Staaten Deutschlands, 227 in den übrigen Staaten Europas, 15 in Asien, 17 in Afrika und 38 in Amerika. Das Staatsschuldbnch ist allen denjenigen Besitzern preußischer KonsolS zu empfehlen, für welche diese Papiere eine dauernde Anlage bilden, und welche Kapital und Zinsen gegen den Schaden unbedingt sichern wollen, der ihnen, solange ihr Recht von bem jeweiligen Besitz der Schuldverschreibungen und Zinsschcine abhängig ist, durch Diebstahl, Verbrennen oder sonstiges Abhandenkommen dieser Effekten nicht selten entsteht. Laufende Verwaltungskosten werden von den Konten-Jnhabern nicht erhoben. Für jede Einschrift ist ein einmaliger Betrag von 25 Pf. für jede angefangenen 1000 Mk. des Kapitalbctrags, über welchen verfügt wird (mindestens 1 Mk.) zu zahlen. Die amtlichen Nachrichten über das preußische Staats­schuldbnch, welche über Zweck und Einrichtung des Schuldbuches Genaueres ergeben, können durch jede Buchhandlung oder direkt von dem Verleger I. Gnttentag, Berlin, für den Preis von 40 Pf. oder durch die Post frei 45 Pf. bezogen werden.

Gefthichtoltnlendrr. 26. April. 1881: ch Fr. Julius Klinkhardt zu Leipzig, der Begründer der bek. Klinkhardt'schen Verlagsbuchtznndluug. 1881: f Ludivig Freiherr v. und zu Tann in Meran, herv. bayr. Heerführer. 1873: Erlaß des sächs. Volks- schnlgesetzes. 1849: Schlacht bei Komorn. 1848: Ausbruch eines kurzen, aber blutige:: Aufstandes in Krakau und Lemberg. 1812: * Alfred Krupp zu Essen (f 14. Juli 1887). 1807: Vertrag zu Bartenstein. 1799: Sieg der Russen über die Franzosen bei Cassano. 1787: * Johann Ludivig ilhland zu Tübingen, Dichter und Litteraturforscher. 1699: ch Jean B. Racine, ber. franz. Tragödiendichter. 1478: Guiliano de Medici im Dom zu Florenz ermordet.

Für manche l-e!»ü>umerte» Eltern wird eine An­deutung über die eigenartige erziehliche Aufgabe von Werth sein, die das nunmehr vollendeteHcimathhaus' des Ev. Diakonie- Vereins" in Berliu-Zchleudors zu lösen übernommen hat. Dasselbe, am Walde gelegen, birgt in seinen freundlichen Räumen das erste und bisher einzige Pensionat und Asyl für junge Mädchen ge­bildeter Stände mit krankhafter Veranlagung. Schon einige Monate,

Eingabe an das Ausknnftsbüreau machen, in ivelcher sie darlcgen, weshalb ihnen ein Besuch des Instituts wünschens- werlh wäre, und falls dieser Wunsch gerechtfertigt befunden wird, gestattet man ihnen den Zutritt zur Bibliothek und zum Museum von 11 bis 3 Uhr, d. h. zu einer Zeit, wo ihre Beschäftignng sie gewöhnlich anderswo festhält.

So ist denn der eigentliche Zweck deö Instituts, für welches so viele Millionen verausgabt wurden, vollständig illusorisch gemacht. Als Klub äst ja das Gebäude recht an­genehm. Alle Zeitungen sind da zu finden, die Säle sind groß, luftig und schön dekorirt, in den Restaurants die Speisen gut zubereitel und die Bedienung eine aufmerksame. Alle möglichen Vortheile werden den Mitgliedern geboten, darunter, wie der Prospekt ausdrücklich erwähnt, auch der, daß man seine Briefe post« reatants dahin adresfiren lassen kann. Wer also aus irgend einem Grunde nicht wünscht, gewisse Schriftstücke bei sich zu empfangender braucht nur dem Imperial- Institut anzugehören, um sich aller Schmierigkeiten, die ihm in dieser Hinsicht erwachsen könnten, überhoben zu sehen.

Trotz aller dieser Vortheile und obgleich der Beitrag ein niedrigerer ist, als selbst in den einfachen Klubs, scheint das Unternehmen kein finanzieller Erfolg zu sein, denn das Institut überschwemmt immer ganz London mit seinen Cirkularen, in denen es zum Beitritt auffordert. Auch die Schillinge der profanen Menschenkinder, welche durch die Seitenpforte in das Heiligthum eindringen dürfe», fließen nicht sehr reichlich; wenn nicht eine ganz besondere Attraktion" geboten wird, dann bleibt das große Publikum fern. Nicht daß es die Ausgabe des Schillings scheut, es hat denselben immer wieder fürExhibitions" hergegeben, die auch oft nicht viel mehr boten, als mittelmäßige Musik >m Freien, aber es zeigt so in passiver Weise seine Mißbilligung für ein Unternehmen, welches so viele Millionen verschlungen und dessen Resultat ein so klägliches ist. tz. Land.