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Dienstag» 13. April 1913.

5lbend-Ausgabe.

Nr. 170. 63. Jahrgang.

Der Urieg.

Oer Tagesbericht vom 13. April.

Die französischen Angriffe wieder überall unter schweren Verlusten zurückgeschlagen. Im Osten nichts Neues.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 18. April. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Die Franzosen behaupten, 150 Bomben ans den Seebahnhof und die Gießerei in Brügge abgeworfen zu haben; in Wirklichkeit fielen 9 Bomben.

In der Umgebung von Ostende und Seebrügge fielen Bomben nieder» ohne Schaden anzurichten.

Wir bewarfen dafür heute nacht die von Engländern be­setzten Orte Poperinghe, Hazcbrouck und Cassel.

Bei Berrh au Bac drangen die Franzosen in einen unserer Gräben ein, wurden aber sofort zurückgewor- fen. Ein feindlicher Fliegerangriff in der Gegend von Reims mißglückte.

Nordöstlich von S u i p p e s wurden gegen und wieder Ge­schosse mit betäubender Gasentwicklung verwendet.

Zwischen Maas und M o s e l setzten die Franzosen ihre Angriffstätigkeit an einzelnen Stellen mit Heftigkeit, aber erfolglos fort. Drei Angriffsversuche in den Vor­mittagsstunden bei Maie er eh, östlich von Berdun, brachen unter schwersten Berlusten in unserem Feuer zu­sammen. Die am Mittag und Abend bei Marchev unternom­menen Angriffe, bei denen der Feind starke Kolonnen zeigte, nahmen denselben Ausgang.

Ein heute bei Tagesanbruch gegen die Front R e u z e r v geführter Angriff wurde mit sehr erheblichen Berluster» für den Feind zurückgeschlogcn.

Im Priesterwalde fanden erbitterte Rahkämpfe statt, bei denen wir die Oberhand behielten.

Südlich des- Ha r t m a n n s w e i l e r Kopfes wurde gestern ein französischer Angriff abgcwiesen.

westlicher Kriegsschauplatz.

Im Osten ist die Lage unverändert.

Oberste Heeresleitung.

Der Unterseebaotskrieg.

Zwei neue Opfer der deutschen Tauchboote.

W. T.-B- Paris, 13. April. (Ütgcncc Havas.) Der fran­zösische DampferF r e d e r i c Franc" ist gestern auf der Höhe von Portsmouth wrvediert worden. Die Be­satzung ist gerettet. Der englische DampferPräsi­dent" aus Glasgow wurde Samstag bei Ed y sto ne von einem deutschen Unterseeboot versenkt; auch hier ist die Be­satzung gerettet worden.

Ein englischer Personcndampfer torpediert.

W- T.-B. London, 12. April. (Nichtamtlich.) Das britische, 9000 Tonnen große PassagierbootWayfairer" ist aus der Höhe der Scilly-Jnseln torpediert wurden. Das Schiff wurde nach Quccnstotvn geschleppt.

Deutsche Vergeltung.

W. T.-B. Berlin, 12. April. (Amtlich) Die von der eng­lischen Regierung angeordnetc Maßregelung der in treuester Pflichterfüllung in ihre Gewalt geratenen Besatzungen von Unterseebooten durch Versagung ehrenhafter Kriegsgefangenschaft und Unterbringung in Naval Detention Barracks hat die deutsche Regierung zu der G e g e n Maß­nahme veranlaßt, für jeden Gefangenen der Nntersee- bootsbesabungc» für die Dauer seiner völkerrechtswidrigen harten Behandlung einen kriegsgcsangenen englischen Offi­zier ohne Ansehen der Person in gleicher Weise zu behan­deln. Dementsprechend sind heute, am 12. April, aus Offi- zierSgrfangencnlagcrn 39 englische Offiziere in entsprechende Haft in M i l i t ä r a r r e st a n st a l t e n übergeführt worden.

Der Notenwechsel zur H-voot-Sraae.

W- T.-B. Berlin, ?3. April. DieNordd. Mg. Ztg." veröffentlicht in dein politischen Tagesbericht den Noten-: Wechsel zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten über die Behandlung der in englischer Gefangenschaft gehal­tenen Besatzung deutscher Unterseeboote. In der V e r b a l - note des deutschen Auswärtigen Amtes an die Botschaft der Vereinigten Staaten in Berlin vom 16. März wird dir die Meldung der englischen Presse hingewiesen, daß die. bri­tische Admiralität die Absicht kund gegeben habe, die in Ge fangenschaft geratenen Offiziere und Mannschaften der deut­schen Unterseeboote nicht die ihnen als Kriegsge­fangene gebührende Behandlung zuteil werden zu lassen, insbesondere den Offizieren nicht die Vorzüge ihres Dienst­grades zuzubilligen. Das Auswärtige Amt bittet die Bot­schaft der Vereinigten Staaten aus telegraphischem Wege durch Vermittelung der amerikanischen Botschaft in London bei der britischen Regierung anfragen zu lassen, ob und in welcher Weise sie die gefangengenomnienen Offizien: und Mannschaften der deutschen Unterseeboote irgendwie schlechter als andere Kriegsgefangene zu behandeln ge­denkt. Sollte dies der Fall sein, so wird die weitere Bitte ausgesprochen, im Namen der deutschen Regierung gegen ei« derartiges Verfahren bei der britischen Regierung

schärfsten Protest einzulegen und ihr keine n Z w et - : el darüber zu lasten, daß für jedes in britische Ge- ängenschaft geratene Mitglied der deutschen Unterseeboots­besatzungen ein in Kriegsgefangenschaft befindlicher eng­lischer Offizier eine entsprechend schlechtere Behandlung erfahren werde.

In der Verbalnote der amerikanischen Botschaft in Ber­lin an das deutsche Auswärtige Amt vom 6. April wird die bereits bekannte Antwort der englischen Regierung auf die Anfrage der amerikanischen mitgeteilt, wonach die ge­retteten Offiziere und Mannschaften der deutschen Untersee­booteTT 8" undU 12" mit Rücksicht auf dieNotwendigkeit ihrer Absonderung" von anderen Kriegsgefangenen in Marinearrestanstalten (Raval Detention Barracks) verbracht sind. ^

Hierauf erging am 11. April eine Note des Staatssekre» tärs des deutschen Auswärtigen Amtes an den Botschaf­ter der Bereinigten Staaten in Berlin, in welcher es heißt, die deutsche Regierung nahm mit Befremden und Ent­rüstung davon Kenntnis, daß die britische Regierung diu kriegsgefangenen Offiziere und Mannschaften der deutschen Unterseeboote nicht als ehrenhafte Gegner ansieht und sie demgemäß nicht wie andere Kriegsgefangene, sondern wie Arrestanten behandelt. Diese Offiziere und Mann­schaften handelten als tapfere Männer in Erfüllung ihrer militärischen Pflicht. Sie haben vollen Anspruch darauf, in derselben Weise wie andere Kriegsgefangene ge­mäß den völkerrechtlichen Abmachungen gehalten zu werden. Die deutsche Regierung legt daher gegen das völkerrechts­widrige Verfahren Englands aufs schärfste Verwah­rung ein. Sie sieht sich gleichzeitig zu ihrem Bedauern g e - zwungen, nunmehr unverzüglich die von ihr angekündig­ten Vergeltungsmaßnahmen auszuführen und eine entsprechende Anzahl Kriegsgefangene englischer Armec- offiziere einer gleich harten Behandlung zu unter, werfen. Wenn übrigens die britische Regierung am Schluffe ihrer Ausführungen bemerken zu sollen glaubt, daß die deut­sche Marine im Gegensatz zur britischen die Rettung von Schiffsbrüchigen unterlassen habe, so kann die darin liegende Unterstellung, als ob eine solche Rettung den deut­schen Kriegsschiffen möglich gewesen) aber von ihnen ge­flissentlich unterlassen worden sei, nur mit Abscheu zu­rückgewiesen werden. Ter Unterzeichnete bittet, dem Herrn Botschafter der britischen Regierung (in Washington) eine entsprechende Mitteilung zugehen zu lasten, auch Sorge dafür zu tragen, daß sich ein Mitglied der amerika­nischen Boffchaft in London alsbald persönlich von der Behandlung der deutschen Unterseebootsgefangenen überzeugt und über Einzelheiten ihrer Unter­bringung, Verpflegung Bericht zu erstatten. Das weitere Verfahren gegenüber den arrestierten britischen Offizieren, die vorläufig in Offiziershaft genommen werden, wür­de alsdann der Behandlung der deutschen Gefangenen an­gepaßt werden.

Berliner Pressestimmen.

Berlin, 13. April. (Ktr. Bin.) Die Mitteilung, daß 89 gefangene englische Offiziere in Militär­arrest übergefübrt worden sind, weil den in englische Ge­walt geratenen Besatzungen von Unterseebooten ehrenhafte Kriegsgefangenschaft versagt worden ist, wird von den Morgen­blättern beifällig besprochen.

DerLokalsnzeiger" sagt: Die prompte Antwort auf das brutale Vorgehen der Engländer wird bei uns allent­halben die rückhaltloseste Zustimmung finden.

In der .Kreuzzeitung" heißt es: Diese Maßnahme ist

der rückhaltlosen Zustimmung und des ungeteilten Beifalles des ganzen deutschen Volkes sicher. Hoffentlich zeigt sich das beabsichtigte Ergebnis.

In denNeuesten Nachrichten" liest man: Das Ehrgefühl einer jungen, stolzen und starken Marine hat hinter dem vor­liegenden Entschluß unserer Reichsregierung gestanden.

DieRundschau" schreibt: Das ist die einzig rich­

tige Behandlung solcher Angelegenheiten, sic mutz nur mil genügendem Nachdruck angewandt werden, und dafür haben wir ja die Mittel in den Händen. Sollte ein englischer Offi­zier für einen unserer 17-Bootleute nicht genügen, muß man deren je nachdem 2, 3 oder mehr nehmen. (Diese Ansicht, daß zur Vergeltung die Festsetzung nur je eines englischen Offiziers nicht genüge, haben wir schon vorher ausgesprochen. Man sollte ein Vielfaches nehmen. Schristl.)

DieBossische Zeitung meint: Die in Militärstrasan-

stalten übergefübrten englischen Offiziere mögen sich bei ihrer eigenen Regierung beschweren, wenn ihnen jetzt eine Behand­lung zuteil wird, die sonst in Deutschland Kriegsgefangenen gegenüber nicht der Brauch ist.

Die englische Hafensperre.

Etwa 70 Häfen ganz geschlossen.

Amsterdam, 12. April. (Ktr. Mn.)London Gazette" enthält neue Vorschriften für die Schiffahrt. Da es möglich ist, daß gewisse englische Häfen g a n z g c s ch l o s s e n werden, sollen die Schiffer scharfe Wacht halten. Zwei rote Lichter untereinander bei Nacht und drei rote Bälle bei Tage be­deuten, daß der Hafen ganz geschloffen ist.Daily Chroniele" zufolge sind die beabsichtigten Schließungen sehr umfangreich. In der Liste finden sich Namen wie Dover, Belfast, Falmouth, Portsmouth, Oueenstown, Bombay und Gibraltar. Im ganzen sind cs fast 70 Häfen.

Zur Alkoholbetvcgung i» England.

W. T.-B. London, 13. April. (Nichtamtliäi) Die Besitzer von G a st h a u S liz c n zen glauben nicht, daß die Regie­rung auch. nur zu einem beilweisen Alkoholverbot

schreitet. Sie find aber darauf gefaßt, daß die A u s s ch a nk- t u n d e n weiter eingeschränkt werden, und sind bereit, sich an einer Aktion zur Verminderung des Branntwein- genustes zu beteiligen. Die Beratung des Kabinetts hatte zur Folge, daß sich die Leute Vorräte in Whisky anlegten. Die Händler verkauften so viel, daß sie nicht genug Nachschub von den Erzeugern erhalten konnten.

AuS der Sheffielder Munitivnsindustrie.

W.' T.-B. London, 13. April. (Nichtamtlich) Die Mit­glieder des Facharbeiierverbands der Sheffielder Munitions­industrie haben ein Übereinkommen mit der Regierung ge­schloffen, nach welchem auch halbgeschulte und weib­liche Arbeitskräfte in der Industrie verwendet werden können.

Die entflohenen deutschen Offiziere wieder eingesaugen.

Br. Rotterdam, 13. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die aus dem englischen Gefangenenlager in Llansannan ent­wichenen deutschen Offiziere sind demNieuwe Rotterd. Courant" zufolge gestern bei der Bahnlinie zwischen Dar - m o u t h und H a r l e t h wieder gefangen genommen worden.

Deutschlands Protestnote an die Union.

Die Meldung desReuter-Bureaus", wonach die deutsche Regierung an die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika eine Note gerichtet habe, worin der Union vorgehalten wird, daß sie auf das Recht, der bürgerlichen Bevölkerung der kriegführenden Länder Lebensmittel zuzuführen, lange nicht so viel Nachdruck lege wie auf das Recht, den Alliierten Waffen zu liefern, und worin daraus gedrungen wird, daß die Vereinigten Staaten die Neu­tralität sorgfältiger einhalten mögen, ent­spricht, wie wir aus bester Quelle mitteilen können, den Tatsachen. Eine Note des erwähnten Inhalts ist nach Washington abgegangen, und es ist nicht schwer, die Begründung zu dem Vorgehen der deutschen Regie­rung zu suchen. Sie ist schon vor längerer Zeit in einer Auslassung derNordd. Allg. Ztg." gegeben worden, worin dem Eiuwand gegenüber, daß diese Waffenlieferungen deni Völkerrecht entsprächen, betont wurde:Selbstverständlich sind aber die Vereinigten

State» nach völkerrechtlichen Grundsätzen gleichermaßen befugt, den ganzen Konterbandehandel mit allen krieg­führenden Ländern durch Erlaß eines Waffenausfuhr­verbots zu unterdrücken, zumal der international u n- erlaubte Waffenhandel mit England und Frank­reich einen Umfang angenommen hat, der die Neutrali­tät zwar nicht der amerikanischen Regierung, wohl aber des amerikanischen Volkes tatsächlich in Frage stellt."

Auch in jener offiziösen Kundgebung war bereits darauf hingewiesen, daß die Versorgung unserer Geg­ner mit amerikanischen Waffen zu einer der st ä r k st e n Ursachen für die Verlängerung des Krieges wird, und daß sie deshalb in Widerspruch mit den wiederholten Versicherungen der Vereinigten Staaten stehe, wonach dieseeine baldige Wiederher­stellung des Friedens wünschen und dazu Mitwirken wollen". Dieser Hinweis ist ja auch in dem Bericht des Korrespondenten derWorld" enthalten, wonach Papst Benedikt zu Herrn Wiegand u. a. den Wunsch geäußert hat, daßAmerika alles vermeidet, was den Krieg verlängern kann". Diese Auf­fassung scheint eigentlich auch der zu entsprechen, die ein sehr einflußreicher amerikanischer Politiker schon am 18. August mit folgenden Worten zum Ausdruck gebracht hat, die-wir heute wieder ausgraben möchten. Die Vereinigten Staaten müssen in diesen Tagen der Seelenuot neutral bleiben, nicht nur im Namen, sondern in der Tat. Wir müssen unparteiisch sein in Gedanken wie in unseren Handlungen. Wir müssen unsere Empfindung ebenso zügeln wie unser Benehmen. Wir müssen alles vermeiden, was aus- sehen kann wie die Bevorzugung einer der kämpfenden Parteien vor der anderen." . r

Der einflußreiche oder doch hoffentlich einflußreiche amerikanische Politiker, der also gesprochen hat, ist kein anderer als der Präsident Wilson, der jene schöne Rede, die noch viel hübsche Wendungen über den Geist der Unparteilichkeit, Gradheit und Freundschaft allen Beteiligten gegenüber" enthielt, am 18. August in Washington gehalten hat. Wie steht es nun in Wahrheit mit dieser Neutralität der Tat, mit der Un- Parteilichkeit und der Gradheit? Sogar der amerika­nische Botschafter in Berlin. Herr G6rard, hat zu-

vpn müssen, cs hätte sichin weiten Kreisen der Be­völkerung der Vereinigten , Staaten das, Gefühl zu regen begonnen, daß es nicht k a i r sei, mit den Waffen- und Munitionstransporten fortzufahren, weil sie nach Lage der Verhältnisse einseitig den Gegnern Deutschlands zugute kommen." Hat sich doch eigens einAmerican Protest Committee" ^ gebil­det, um gegen die Waffenlieferungen der Union zu protestieren, und der Senator Hitchcock bat m> Kongreß