* 9 . Jahrgang.
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A«. 19».
Fernsprecher No. 52.
Mittwoch, de» 23. April.
Fernsprecher No. 52
1900.
Morgen-ÜMSgalfoe.
Der deutsche Schiffahrtspoi»il!ou auf der Pariser MeltauvsteUnng.
Wiederholt ist in der französischen Presse darauf hingewiesen worden, in welch hervorragender Weise sich das Deutsche Reich auf allen Gebieten an der diesjährigen Weltausstellung bethciligt hat. Mit besonderer Genugthuung muß es uns aber berühren, wenn wir mit unserer Schiffsbautechnik einen der ersten Plätze einnehinen, da wir erst ans eine kurze Geschichte von wenigen Jahrzehnten in derselben zurückblicken. In unserer beistehenden Illustration findet der Leser den Pavillon, in dessen Innern eine große Anzahl von Schiffsund Maschinenmodellen aller Schiffskategorieen ausgestellt find; und zwar haben sich hieran nicht nur die Kriegsmarine, sondern auch eine Reihe unserer großen Schiffahrts- ^sellschaften, wie der „Norddeutsche Lloyd", die „Hamburg- Amerika-Linie" und außerdem mehrere große Werften betheiligt. In origineller und äußerst geschmackvoller Weise ausgeführt, verräth das Gebäude schon von außen seinen maritimen Charakter. Der Unterbau stellt ein in niederdeutschem Stil gehaltenes Haus dar, dessen Fassaden, statt mit Stückarbeiten und plastischen Darstellungen, mit allen möglichen Martnebildern geschmückt ist. Von dem, mit einem Holzgeländer umgebenen Dach erhebt sich in stattlicher Höhe ein Leuchtthurm, eine Nachbildung des Aothersandleuchtthurms in der Wesermündung. Auch das eigentliche Leuchtfeuer fehlt nicht. Ein mächtiger Scheinwerfer ist auf dem obersten Theil des Thurme« angebracht, der mit seinem elektrischen Licht das Äusstellungslerrain auf weithin beleuchtet; vornehmlich soll aber durch denselben für die nöthige Helligkeit auf der Seine gesorgt werden, damit Abends m der Dunkelheit bei dem riesigen Schiffs- und Bootevcrkehr thunlichst Unfälle vermieden werden. So dient der deutsche Schiffahrtspavillon in einer Weise dem Allgemeinwohl auf der Ausstellung, sodaß die Bewunderung, welche ihm schon jetzt von der Ausstellungsleituug gezollt wird, durchaus berechtigt ist.
Aus Stadt und Land.
Wiesbaden, 25. April.
Abermals etwas von Schwindlern.
(London Cor re spon dent“ 70 a St. Georges Road, Beigravia, London, S. W. Der „London Korrespondent" erscheint wöchentlich und kostet im Abonnement für 3 Monate 6 Mk. Zusendung unter Streifband." —
Was muß das für ein stolzes Blatt sein, das einmal wöchentlich erscheint und trotzdem 6 Mk. im Vierteljahr kostet, denkt der Uneingeweihte. Der „London Correspondcnt" besteht aber nur aus vier Seiten, die zusammen ungefähr so groß sind wie eine „Tagblatt"-Seite. Der Inhalt wird dann gewiß hochinteressant sein! O ja, das ist er, insofern nämlich, als man daraus lernen kann, wie man Denen, die nicht alle werden, auf die bequemste Weise von der Welt das Geld aus der Tasche angelt. Der schlechtgedruckte kleine Wisch enthält Vakanzen, cs werden darinnen kaufmännische Stellen angezeigt, welche in England, in der Schweiz, in Frankreich, in China, in Amerika, in Südafrika, kurz überall im Ausland zu besetzen sind, natürlich immer gegen ungeheures Gehalt und so weiter.
Sticht Einxm so eine Prtma-Stelle in die Augen, so muß er sich zunächst an den „London Correspondcnt" wenden wegen der Adresse, und der scheert nun, abgesehen von dem über die Maßen theueren Abonnement des „Vakanzcn"-Zcttels, sein Schäfchen. Die Auskunft kostet Geld, jeder Brief mindestens 2 Mk., die im Voraus einzuzahlcn sind. Zu einem Engagement führt das natürlich nicht. Uebrigens ist der „London
Correspondcnt", auch ein seltsames, aber unzweifelhaft den modernen Bedürfnissen entsprechendes Auskunftsbüreau. Er giebt Auskunft über Alles, selbst über Lebensgenuß, Lebensweisheit und über Licenz-Heirath — immer von Fachmännern. Auch hier ist das Miudesthonorar für einen Brief 2 Mk. — Die „Welt- Korrespondenz", die an gleicher Stelle etablirt ist, ist in erster Linie ein Versandtgeschäft, das an Jedermann jede Waare gegen Voreinzahluug des Betrags versendet. Das sagt genug. Der Umstand, daß die verschiedenen Offerten gedruckt sind, beweist, daß auch hier der
Bauernfang ziemlichen Erfolg hat. Humoristisch ist e«, womit der „London Correspondcnt" den Engländerhaß des „Deutschen Reichs- Anzeigers" und der Deutschen überhaupt beweisen will: „Warnte doch der „Reichs-Anzeiger"", heißt cs, „im Dezember vorigen Jahres vor einem Mann, der in London wohnen sollte, welcher aber schon seit 3 Jahren in der Schweiz ansässig ist. Der „Reichs-Anzeiger"
Ans Kunst und Leben.
m * * RunftauvfteUung. In der Kunstausstellung von I. Aktuaryus, Fricdrichstraße 10, sind derzeit eine große Anzahl hervorragender Gemälde ausgestellt, nämlich die folgenden: Ä. Weiß- d'f: »Algerisches Mädchen", Prof. Osw. Achenbach-Düsseldorf: »Flnßlnndschaft", Leon Richct-Paris: „Environs de Compiegne“, Verboeckhovcn-Brüsscl: „Schafe", Prof. Christ. Mali- Mmchen: „Sommertag", Julius Scheuerer-Plaucgg: „Geflügclhof", Froh Er„st Zimmermann - München: „Dudelsackpfeifer", Prof.
«vfftz-Minchen: „Kartoffelschälerin", Ed. Schleich iun.- »"ochcn: „Dachauer Moor", W. Löwith-Münchcu: „Ein guter jstropstn, A. Höffler-Frankfurt a. M.: „Soumierlandschafl", Frauke-München: „Lustige Gesellschaft", W. Veltcu-Munchen: stvornehmer Besuch", Alfred Seiscrt-Müuchcn: „Kinder des Früh- lmgs , Marie Mul-München: „Rosen in Vase", A.Knoop-München: Konzert". „Toast", „Schachspieler", „Der Maler", „Der Dichter", st" Aierk-Müuchen: „Gemogelt", Emina v.Müllcr-Munchen: „Obcr- Mnsches Mädchen", Ton! Aron-München: „Tyrolerin", S. Sedlicky- N,, Neu: „Lustige Gesellschaft", A. Stciuicke-Düsseldorf: „Land- Mll.' üenbicf: 2 Empire-Bilder rc. rc. Der Inhaber des unter orr Mma G. Franke Rachf. bisher Ellenbogengnffe 14 betriebenen TJsgoidercigeschäfts hat beiVerlegung desselben gach den bedeutend »ÜÜe n . Räumlichkeiten Friedrichstraße 10, nächst der Wilhelm- 1? mit der Vergolde«! eine Kunsthandlung feineren Stils ver- k“:' #cn und bringt die vorverzcichnete Kollektion guter, zum Theil «'ö^ragender Werke der bildenden Kunst zur Ausstellung. Die Besichtigung ist unentgeltlich, ohne jeden Kaufzwang, schi d THümmel als priuuldorettt. Der aus ver-
Memscheid
„ Prozessen bekannte Pfarrer a. D. Wilhelm Thümmcl
i.^mscheid) hat sich am Montag an der Friedrich Wilhelms- ^"'versttät zu Berlin als Privatdoccnt für Kirchengeschichte und praktische Theologie habilitirt. Aus Anlaß seiner im Auditorium gehaltenen Antrittsvorlesung hatten sich mehrere Hervorraaende Gelehrte eingefundcn. Pfarrer Thümmel, der weder in
seiner äußeren Erscheinung, noch in seiner Vortragsweise an den streitbaren Rcmschcider Pfarrer erinnert, vermied auch in seinem Vorträge Alles, was auf sein Lieblingsthema: „Der Kampf des Protestantismus gegen das Papstthum" hindeutet. Er sprach über den Parochialzwnng. Er halte Kirchen für dringend nothwcndtg, aber nicht die Kirche sei der Tempel Gottes, sondern der Mensch, die menschliche Seele. Und an dem Gerüst, an dem Tempel unter Mitwirkung von Kunst und Wissenschaft aufbauen zu helfen, betrachte er als seine heiligste Pflicht. (Lebhafter akademischer Beifall.) — Der derzeitige Dekan der theologischen Fakultät, Professor D. Kaftan, begrüßte hierauf den neuen Priootdocettten im Namen der Berliner Universität und der theologischen Fakultät. 8. E.
* Ialiniirztr-Kongrrst. Am 22. April fand in Berlin int „Savoy-Hotel" die 10. Generalversammlung des Bercinsbundes deutscher Zahnärzte statt; vertreten waren 20 Vereine mit 50 Dclc- girtcn. Als Vertreter des preußischen Kultusministers wohnte Herr Geheimer Ministerialrath Dr. Kirchner der Sitzung bei. Derselbe überbrachle den Zahnärzten die Sympathie der Regierung und hob hervor, daß in Preußen dieses Jahr 24,000 Mk. für zahnärztliche Institute im Etat vorgesehen seien (int Vorjahr 6000), daß ferner da« zahnärztliche Institut in Breslau als zweites etatmäßiges (lieben Berlin) angenommen wurde und wünscht derVersammlungbesten Erfolg. Nach dem Jahresbericht (Refer.: Herr l)r. Kirchner-Königsberg)
und dem Kassenbericht (Referent: Herr HofzahnatZt Livpold-Rostock) wurde über die Maturität als Vorbildung zum Studium der Zahn- Heilkunde und über die Aenderung der Studien- und Prüfungsordnung (Referent: Herr Dr. med. Cohn-Berlin) gesprochen. Es wurde die Maturität als Vorbildung cinstiinmig anerkannt, auch eine Aendernngder Prüfungsordnung als erforderlich bezeichnet und betont, daß u. A. der Nachlveis über Auscultation und Percussion, über einen chirnrgischeit Kurs und den Besuch einer Klinik für Hautkrankheiten nothwendig sei. Die Regelung der Promotion für Zahnärzte, die vvlt Allen als äußerst ungünstig bezeichnet wurde, soll erst nach Erlangung der Maturität in Angriff genommen werden. Daraus wurden innere Angelegenheiten des Bundes berathen, die Gründung
ging sogar so weit, daß er, weil er keinen Namen wußte, vor einer Hausnummer warnte." Ob der „Reichs-Anzeiger" nicht den oder die Herausgeber des „Correspondcnt" im Auge hatte, als er vor einem Sd)windler in London warnte? — Auf ein Inserat: „Dar« lehcn werden besorgt rc. von Otto Hoffmaun, Berlin".wandte sich ein Leser unseres Blattes an diesen Herrn. Bald darauf hatte er eine hektographirte Postkarte in der Hand, in welcher auf einem mit gleicher Post abgegangenen Nachnahmebrief hitr» gewiesen und dem Adressaten ans Herz gelegt wurde, diesen Brief, der für ihn von unschätzbarem Wcrthe sej, mit 3 Mk. 30 Pf. cinzulöscn. ' Der Mann löste den Brief ein und hatte einen gelben Zettel vor sich: „Offerten-Blatt für den Geldmarkt und Darlehens-Verkehr". Dieses Offertenblatt ver-, zeichnete eine Anzahl Geschäftsleute und mit welcher Art von Geschäften sich dieselben vorzugsweise beschäftigen, ob mit Hypotheken, ob mit Darlehen für Kaittioncn rc. rc. Ans dieser Anzahl gleichgestimmter Seelen konnte sich nun der DarlehcnSsuchende eine herausluchen. Ein Josef Christenheit, Berlins., gewann, vielleicht ob seines empfehlenden Namens, das Vertrauen des Herrn. Er wandte sich an denselben und erhielt nun einen hektographirte» Prospekt, in welchem die Art der Geschäftsabwicklung geschildert und vor Allem verlangt wurde, daß der Geldsuchende zunächst 2 Mk. cinzahle, ohne welche ein Antrag auf Darlehen nid)t in Bearbeitung genommen werden könne. Der Geldsuchende war in diesem Fall so klug, auf weitere Fortsetzung des Geschäfts zu verzichten, aber 3 Mk. 80 Pf. hatte ihn der Spaß ohne verschiedene Groschenmarken immerhin schon gekostet. — Es ist den Zeitungen ganz unmöglich, jedes Inserat ä la Otto Hoffman» darauf hin zu prüfen, ob cs von einem reellen Geschäftsmann aufgegeben worden ist oder nicht, es ist das schließlich auch nicht ihre Sache. Das Publikum muß sich hier selber schützen und darf niemals irgend eine Zahlung an einen beliebigen Unbekannten machen, ehe derselbe etwas geleistet hat.
Zulassung von Civilsupernumerarcu zur Ausbildung und Verwendung bet Königlichen Polizeiue»waltu«g«,t.
Durch Allerhöchste Ordre ist genehmigt, daß bei den Königlichen Polizeiverwaltungen außerhalb Berlins zur Ausbildung und zur demnächstigen Verwendung in Büreandiätar- und in Sekretärstellen, soweit diese Stellen nid)t für Militäranwärter Vorbehalten sind, Civilsupernnmerare zugclassen werden. In Ausführung dieser Ordre hat der Minister des Innern bestintmt, daß das Civilsupernumerariat bei de» Königlichen Polizeiverwaltungen in der Regel drei Jahre dauern soll. Es sollen zu ihm nur solche Personen zugelassen werden, die die preußische Staatszugehörigkeit besitzen, durch Zeugniß eines in Preußen beamteten Arztes ihre körperliche Brauchbarkeit zum Dienst naäiweisen und durch Zeugniß der Ortspolizeibehörde den Nachweis führen, daß sie drei Jahre lang nnd eventuell noch darüber hinaus standesgemäßen Lebensuuterhalt haben werden. Ferner müssen die Bewerber das 18. Lebensjahr vollendet und das 25. niäit überschritten haben, unbcsd)oltcn sein, die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst besitzen und ihrer Militärpflicht genügt haben. In letzterer Hinsicht soll es aber auch genügen, wenn die Bewerber sich zum Eintritt in einen Truppcn- thcil gemeldet haben, einstweilen aber zurückgestellt sind. In einzelnen Fällen kann von diesem Nachweis bei der Notirung abgesehen werden. Die Meldung der Bewerber ist bei dem Leiter derjenigen Königlichen Polizeivcrwaltung anzubringen, bei der die Ableistung des Civilsnpernnmerariats gewünscht wird. Das Civil- supcrnnmerariat hat den Zweck, neben den Militäranwärtern hinreichend geeignete Personen für die Stellen der etatsmäßigen Polizcibüreaudiätare und demnächst Polizeisekretäre heranzubilden. Vor der Beförderung in eine ctatsmäßige Polizeibüreaudiätarstelle ist von den Civilsupernumeraren eine Prüfung nach den dieserhalb bestehenden und sväter ergehenden Bcstimniungen abzulegeu.
einer Kranken- und Sterbekasse der wirthschaftlichen Kommission (Dr. Geist-Jacobi-Frankfnrt, Paulsou-Frankfurt, Dr. Kaldeweg- Stuttgart, Köhler-Darmstadt) überwiese». Die Revision der Statuten und die Wahlen nahmen den Rest der 10-stündigen Sitzung ein.
* Durch zarten Teint zeichnen fid) bekanntlich die schlanken Ladies Englands ans und doch braucht eine Engländerin künstliche Verschönerungsmittel nicht in dem Maß, wie das Hei uns geschieht.
töttglnttbenn verschönt ihre Haut durch das natürlichste Mittel, durchWaffer, das sie niäit ganz kalt anwendet, sondern abgcstaitden gebraucht, besonders wenn es hart ist. Sic fiigt ihm Ammoniak oder Borax bei zur Erzetlgung einer samntetartigcn Weichheit. Besonders aber vermeidet sie die Anwendung ganz kalten Wassers bc> erhltzteni Gesicht. Statt unserer harteit Handtücher dient ihr P 1 Waschen und Trocknet: weicher Flanell oder überhaupt weiches Tuch. Die Gewöhnung der cnglijdicn Damen, sich regelmäßig auch vor dem Schlafengehen zu waschen, dient nicht nur der Pflege der .Haut, sondern and) der Begünstigung eines sanften ruhigen. Schlafes.
* Nerfchiedene Mittheiluugrn. Die Nad)richt,der „Deutsche Buhnenverein" habe beschlossen, sein Schiedsgericht anfzu- lüfen, ist, wie das „Reue Wiener Tagblatt" mittheilt, dahin zu berichtigen, daß nur der obligatorische Charakter des Schiedsgerichtes aufgehoben wurde und auch dieser Beschluß ttoch kein endgültiger ist. Erst in der im herbst stattfindendcn Delegirten- versanimlung wird das entscheidende Wort gesprochen werden.
Die Vereinigten Staute» exportiren neben anderen Kleinigkeiten, wie Eisen, Fleisch, Maschinen und getrockneten Äepfeln, auch gehörige Quantitäten von künstlichen Zähltet,, einzeln oder zu prächtigen Gebissen vereinigt. Das Jahr 1897 08 ergab einen Export in biefem Artikel im Werth von 260,000 Mk., von betten für 104,000 Mk. nach Frankreich, bau Lande der eitelsten Frauen, für 60,000 Mk. nad> England und für 56,000 Btk. nach Deutsch- land wandelten. Früher muß die Welt noch eitler gewesen sein, b i nn A'chr zeigte einen Export von 360,000 Mk.
oder 100.000 Mk. mehr.
