Einzelbild herunterladen
 

1. Seünge )um Wiesba-ener Tagblatt.

Uo. 190. Worserr-Ansgadr.

(18. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Girr FrLhlinAslraum.

Roman von Johannes van Aewair.

Achtes Kapitel.

Margot hatte nicht Wort gehalten, sie war nicht wieder gekommen.

Am nächsten Sonntage brachte mir mein Bursche etwas gcheimnißvoll — die Diakonissin war bereits wieder ent­lassen — ein kleines, zierlich gefaltetes Biklet.

Etwas überrascht und neugierig öffnete ich dasselbe, — es war von Margot.

Ich lächelte. — Ein rosafarbener Briefbogen, parfümirt, mit Krone und Initialen verziert und bedeckt mit den kritz- lichsten und unleserlich-genialsten Buchstaben, die man sich nur denken kann, wahren pattes äe monelie.

Mit einem: Aon ti'äs ober ami! begann derselbe und mit einem: Votre sineere amie schloß er ganz förmlich.

Meine kleine Freundin schrieb niir, daß sie mit dem besten Willen nicht zu mir gelangen könne, sic hätte es ver­geblich versucht und wäre einmal sogar deshalb über die Gartenmauer geklettert, damit sic der Cerberus (damit meinte sie den alten Portier) nicht ertappe, es hätte sie aber der Kutscher gesehen und nur auf vieles Bitten hätte er ver­sprochen, der Tante nichts zu sagen. — Sie denke aber immerfort an mich und bekäme meinetwegen viel Schelte von Madame Groß, weil sie in der Stunde immerfort versuchte, meine lange Gestalt auf ihre Bücherdeckel zu kritzeln. Sie würde gewiß eine schlechte Censur in Folge dessen erhalten, aber das wäre ihr gleichgültig. Sie hätte mir etwas sehr, sehr Wichtiges zu sagen und warte mit Ungeduld auf den Augenblick, wo sie mich sprechen könne; da sie aber selbst zu sehr überwacht würde, so möchte ich doch, sobald ich aus- gchen könnte, zwischen Bier und Fünf des Nachmittags am Institut Vorbeigehen, sie würde schon aufpassen. Dann kanien noch zwei P. 8.: Nr. 1 ich möchte Ihre schlechte Handschrift entschuldigen, aber sie schriebe unter dem Tische, und in Nr. 2 frug sie, was die schönen Blumen und Trauben in unserem Garten machten.

Ich lächelte über dieses Billet mit seinem naiven Stell­dichein und dennoch versetzte es mich in die heftigste Be­wegung. Was war es, was Margot mir Wichtiges mit- zutheilen hatte, — etwas von Adda, einen Gruß — eine Bestellung — einen Brief?! — Ach, mußte nicht Adda ebenso sehr wie ich das Bedürfniß fühlen, mir eine beruhigende, tröstende Zeile zukommen zu lassen, mußte sie nicht gelitten haben um mich, getrennt von mir, während ich auf dem Tode lagl

Es jubelte laut in mir auf, — ja, Margot hat einen Brief für mich von ihr, von der Heißgeliebten. Was war auch einfacher und natürlicher für Addas liebendes, zärtliches Herz, als daß sie mir durch Margots Vermittlung ein Lebenszeichen gab, sie mußte es ja selber fühlen, wie sehr ich mich nach einem solchen sehnte.

Hätte ich doch nur gleich dem lieben Postillon d’amonr auf seinen Brief zu antworten vermocht, hätte Margot mir nur etwas Genaueres geschrieben über das „Wichtige". Ich konnte es ja gar nicht wagen, ihr einen Brief zu senden unter den jetzigen Umständen; wie konnte ich überhaupt mit

Mittwoch» den 23. April.

einem Kinde in eine Korrespondenz treten über solche zarten Angelegenheiten! — Nein, ich mußte warten, es kam ja der Augenblick nun schnell, wo ich das Zimmer verlassen konnte — also Geduld!

Frau von Jvernois war ihrerseits wortkarg in Betreff ihrer Verwandten, auch aus Madame Heine brachte ich nichts heraus, nur kam es mir vor, als sei sie ein wenig genirt in meiner Gegenwart und als blickte sie mich bis­weilen verstohlen mitleidig an; Mister Howard war ganz unsichtbar, er war verreist.

So verging die Zeit der Genesung, — ach, sie ward mir unendlich lang, — der Boden brannte unter meinen Füßen, cs kam mir vor, als müßte ich Jedem zur Last sein im Hause. — Dazu war der Enthusiasmus, welchen der Krieg erzeugt halte, überall schnell erkaltet. Dresden wimmelte von Truppen, welche ans dem siegreichen Feldzuge heim- kehrtcn und täglich hörte ich von meinem Zimmer aus die lustigen Märsche, die Trommeln und Pfeifen der marschirenden, heimkehrcnden Regimenter.

O, wie mich das aufregte, — wie mich das hinanszog, wie ich den Tag so sehnsüchtig hcrbeiwünschle, wo auch ich wieder frei und kräftig war und hinäusziehen konnte in die weite Welt!

„Nach Berlin — nach Berlin!" rief cs in mir. — „süße, theure Adda, zu Dir, — an Deinem Herzen will ich vollends genesen!"

Und endlich kam der Tag, an welchem der Arzt mir er­laubte, zum ersten Male das Haus zu verlassen. Und so ging ich denn, das Herz klopfend vor Erwartung, die Prager Straße hinab dem Bahnhöfe zu, in dessen Nähe das be­rühmte Jnstitilt von Madame Groß lag, in der Hoffnung, Margot zu sehen und zu sprechen.

Punkt vier Uhr langte ich dort an und begann nun langsam auf dem großen, freien Platze vor demselben auf und ab zu promeniren. Ich schaute zu den Fenstern hin­auf, hinter welchen meine kleine Freundin wohnte, und guckte durch das Gitter des Gartens, der neben dem Hause lag.

Aber Niemand zeigte sich, kein Schatten bewegte sich hinter den Gardinen, keine Gestalt wurde sichtbar, Alles war so leer und still dort oben, als wäre die große Etage unbewohnt, und da, wo mir die hohe Hecke, welche sich hinter dem Gitter neidisch hinzog, einen Durchblick gestattete, sah ich nur den grünen Rasen und den reinlichen, aber menschenleeren Kiesweg zwischen den Blumenbeeten.

Minute auf Minute verging, es war beinahe halb fünf Uhr und ich gab bereits die Hoffnung auf, Margot zu sehen, als sich glücklicherweise die Thür des Instituts drüben öffnete und zu je Zwei und Zwei ein langer Zug junger Damen die Treppe herunter trippelte und sprang, um den täglichen Spaziergang zu machen, — la promenade de digestion, wie sie meine kleine Braut zu nennen pflegte, und welche stets einen ergiebige» Stoff für ihre Erzählungen bildete.

Ich erkannte Margot auf den ersten Blick und auch sic hatte mich sogleich entdeckt, sie nickte mir einmal kurz und verstohlen zu, dann aber ließ sie mit keiner Miene oder Be­wegung mehr merken, daß meine Gegenwart ihr galt. — O, diese jungen Dinger sind so schlau, als wären sie zur Jntrigue geboren!

Von Weitem — in diskreter Entfernung folgte ich nun der Pension und kam mir dabei über alle Begriffe lächer­

48. Jahrgang. 1900.

lich vor; ich erröthete wider Willen, als ich daran dachte, was die Menschen von mir denken müßten, wenn sie mein Thun gewahr würden.

Durch die Benststraße bewegte sich die lange Reihe von kurzen und langen Kleidern, von wehenden Bändern und Schleiern, eskortirt von vier Damen in dunklen Gewändern, gar ehrsam und züchtig der Bürgcrwiese zu und vertiefte sich dann in die Boskels des zoologischen Gartens.

Eine Weile folgte ich auch hierhin noch, aber ich war schon im Begriffe, meine Verfolgung als ganz aussichtslos aufzugeben, ich verzögerte schon meinen Schritt, der Abstand zwischen mir und ihnen vergrößerte sich zusehends. Ich war verstimmt und murrte in meinem Herzen, daß Alles mir quer ging, was nur irgend einen Bezug zu meiner Liebe zu Adda hatte. — „Ein wahres Fatum, — aber morgen oder übermorgen reise ich ab!" murmelte ich, da raschelte es seit­wärts in den Zweigen und plötzlich stand Margot neben mir, ganz außer Athem, mit blitzenden Augen und fliegenden Locken. Sie konnte nicht gleich sprechen, so >var sie gelaufen, mit beiden Händen bog sie die Zweige auseinander und stand in dieser grünen Nische mir zulächelnd und mit den Augen zwinkernd da.

„Aber Margot!" rief ich ganz erschrocken und doch freudig überrascht.

„Bst — still!" wisperte sie, bog sich vor und erhaschte meine Aermel, „vite, vite, koinmen Sie ganz schnell, damit uns Niemand sieht!" — Ihre Brust hob und senkte sich heftig und ihre Wangen waren noch ganz roth vor Auf­regung, doch zog sie mich schnell mit sich fort.

Ich folgte beinahe mechanisch.

„0 viel, wenn sie etwas merkten!" kicherte sie, — „habe ich nicht gut Wort gehalten, mnn ami?"

Hülle Margot es geahnt, welche lebhaften Vorwürfe diese Worte in mir machriefen! — Mein Gott, wie konnte ich doch die Kleine nur zu einem solchen Streiche verleiten, — wenn man es wüßte, wenn die Tante es erführe! — Meine Freude, sie zu sehen, wurde dadurch bedeutend gedämpft.

Schweigend eilten wir vorwärts, den einsameren Partieen des Parks zu, ich merkte es kaum, daß Margot sich un- genirt an meinen Arm hing und meine Hand drückte vor Vergnügen: sic ging kaum, sie tanzte.

Endlich konnte ich nicht mehr zurückhalten.

„Aber mein Gott. Margot, welche Thorheit begehen wir Beide!" Hub ich verlegen an.

Sie sah mir groß ins Gesicht.

„Wenn man Ihr Verschwinden nun entdeckt, und sch bin überzeugt, man vermißt Sie bereits, — welche Unannehmlich­keiten für Sie kann das nach sich ziehen, — und für mich!" fügte ich zögernd hinzu. „Mein Gott, wenn die Tante es erführe I"

Margot kicherte leise vor sich hin wie ein Vögelchen und schaute lächelnd und neckisch zu mir ans, dann lief plötzlich ein ernster Gedanke über ihre Stirn wie eine Sommerwolke und nun lachte sie wieder hell auf.

„O Monsieur, warum sperren sie mich ein, warum sperren sie mich ein, es geschieht ihnen ganz recht. — Der Sklave bricht seine Fesseln!"

Sie sprach diesen letzten Satz mit so viel drolligem Pathos, daß ich wider Willen mitlachte.

(Fortsetzung folgt.)'

&3QQO<3<3<3Q(3<3<3ÖQQQQQ<Jö QÖOQ <3QÖQ ® O&'J r»

taei-lode-Saliui Jj edd y Strohalm ’

__ MJesaa® Burgstrasse 9 ,

I. Etage.

Anfertigung

von

Strassen- u. SeseSlschafts -Toiletten

einfachster, sowie elegantester Ausführung.

speciaiität: Tailorinade - Jaquets.

Prompte Bedienung. Gediegenste Schneider-Arbeit. Moderirte Preise.

30»öi^»

Q | 9®«0©9®®300®a®®ö®98®939®00®0003000

Als besondere Specialität empfehle

Gaskocher

der bewährtesten und sparsamsten Systeme:

Junker If»ah

(Nouheit derselben: Gaskocher mit Wasserschiff und kupferner Heiss- wasserschlange, wodurch in Wirklichkeit heisses Wasser erzielt wird),

Prometheus, liodolphl,

sowie amerikan. Gaskocher „The Eagle“.

Einzelne Bratftfen, Gasherdtische mit Blcohplatten, Schnellkocbplatten, Gasplätten etc.

Heb. Adolf Weygnndt,

Special - Gesohäft für Koch- und Heiz-Einrichtungen,

Ecke Weber- nnd Saalgasse. 5264

Haarfärbemittel!

Durch frühzeitiges Ergrauen der Haare sehen viele Damen älter aus als sie in Wirklichkeit sind und wie einfach ist e«, den weihen Haaren die ursprüngliche Farbe wiederzugeben. Nur wissen c« viele mcht. Dnrcv mein Haarsarbwaffer ist es »löslich, die­selben blond, braun oder schwarz zu färbe», dabei ist da« Wasser nicht nur ganz unschädl., sondern cs iü auch zugleich ein mis- gezeichneics Mittel gegen Schuppen und HaaranSsaU, nur »Ulfe daS Haar vor dem Gebrauch mögt, rein ausgcwaschcn sei», pro Fl. 3 Mk. — Jede Dame in im Staude, sich leibst zu kärbe», kann aber auch in meinem Atelier bewirkt werden. — Einfache Frisur 1 Mk. incl. Kopfwäschen, Cbampoing 2 Mk., Mädchen uuter 16 Jahren 1 Mk. 50. Bedienung für Herrn-Kopfwaschen 50 Pk.. Färben von Haar oder Bart 1 Mk. 1886

W. Snlzbiieh, Hoffr. u. Parfümeur,

Spicgetg-isse ».

Gelbe FrWnMssctu, S »ft*VS

Gesuiidlseits-

ßinden,

I. Qualität, p. Dtzil. Mk.l.—, p. ’/a Dtzd. 60 Pf.

Irrigateure

nach Professor Esmarcli, complet mit Schlauch, Mutter- u. Clystier-Rohr

von Jtfik. 1.40 an.

\

X

Grosse Auswahl in

Suspensorien,

Clystier-

spritzen

von 50 Pf. an.

2826

Clir. Tauber, Drogenhandlung,

liircIiK«»«e M. Vvlr »>»>«»» 7t"3.