«s. Jahrgang.
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N» 186.
Fernsprecher No. 52.
Sonntag, den 22. April.
Fernsprecher No. 52.
1900.
Morgen «Ausgabe»
Iürr Wcrr irnö Juni
auf das
„Wiesbadener Tagblatt"
ZN abonniren, findet sich Gelegenheit im Verlag Langgasse 27, bei den Ausgabestellen, den Zweig-Expeditionen in den Nachbarorten und fämmtlichen deutschen Reichspostanstalten.
Politische Uebersicht.
Am Dienstag tritt der Reichstag wieder zur Fortsetzung seiner Berathungen zusammen, und der politische Kampf nimmt nach der kurzen, aber wohlthätigen Osterpause des Waffenstillstandes wieder seinen Fortgang. Das Hauptstück des politischen Kampfes wird zunächst die Flottenvorlage bilden, welche sich der Entscheidung mit Riesenschritten nähert. Am Mittwoch bereits tritt die Budgetkommission zusammen, und es wird sich nunmehr in Bälde zeigen, welche Gestalt das Kompromiß hat, welches allem Anschein nach vom Centrum vorbereitet worden ist und dnrch das eine Verständigung über die Deckungsfrage herbeigeführt werden soll. Daß das Centrum seine hülf- ceiche Hand zur Durchdringung der Flottenvorlage bieten wird, darüber kann angesichts der radikal veränderten Haltung ber Centrumspresse kaum noch ein Zweffel sein. Wie die Parteiverhältnisse im Reichstag liegen, ist die Regierung auf die Mithülfe des Ccntrums bei der Flottenverstärkung angewiesen und das Centrum zögert nicht, diese günstige Lage für die Stärkung seiner Position und für die Verfolgung anderweitiger Pläne auszunutzen, auf die es mehr Werth legt, als auf die Neigung für oder gegen die Abneigung gegen die Flolteuverstärkung. Freilich, ivenn das Centrum die Absicht haben sollte, seinen Wechsel für die Mitwirkung bei der Flottenverstürkung schon bei dem Enl- scheidungskampf um die lox Heinze zu präsentiren, so könnte es leicht gewärtigen, daß ihm dieser Wechsel protcstirt wird. Denn angesichts der mächtig angewachsenen Bewegung gegen die lex Heinze dürften die Negierungen schwerlich geneigt sein, diesem von der Reichslagsmehrheit znrechtgestutzten Gesetzentwurf ihre Sanktion zu geben, wenn es überhaupt noch, was vielfach bezweifelt wird, zur Fortsetzung der jäh unterbrochenen dritten Lesung dieser Vorlage kommen sollte. Im Gegensatz zur lex Heinze haben sich bei der Fleischbesch a u v o r l a g e die Chancen eines Kromprvmisses zwischen der Regierung und der Rcichstagsmehrheit verstärkt, während diese Kompromißverhandlungen andererseits zu einer scharfen Fehde zwischen der Leitung der konservativen Partei und der des Bundes der Landwirthe geführt haben.
Reben diesen Haupt- und Kardinalfragen der inneren Politik steht der angekündigte Besuch des Kaisers Franz Josef nach wie vor im Vordergrund des politischen Interesses, wenn auch bemerkenswerther Weise die Debatte über diese Reise vorwiegend von der ausländischen Presse geführt wird, welche sich über diese Reise weit intensiver „unfern Kopf" zerbricht, als wir selber. Wir in Deutschland haben keinen Anlaß, in diesem Besuch etwas Anderes zu sehen, als eine Bekundung, daß das Dreibundverhältniß in derselben Weise forlbesteht wie bisher, wobei wir uns in Deutschland stets vor Augen halten
müssen, daß bei allen Vortheilen, welche der Dreibund für unsere internationale Stellung bedeutet, diese Vortheile für die beiden anderen betheiiiglcn Länder jedenfalls eher größer als geringer sind. Deshalb kann uns der Unwille, den die tschechische Presse über die Reise des Kaisers Franz Josef zur Schau trägt, kalt lassen, denn wir können es den verantwortlichen Männern in Oesterreich- Ungarn überlassen, den wahren Werth dieses Unwillens ebenso wie den des Dreibunds richtig einzuschätzen. Mit demselben Gleichmuth können wir die Kundgebungen des franzosenfreundiichen Theils der italienischen Presse registriren, welche diesen Anlaß zu der alten Klage benutzt hat, daß der Dreibund Italien nicht gebracht habe, was die italienischen Optimisten sich davon versprochen haben. Die Mehrzahl der Italiener hat es zum Schluß doch noch stets vorgezogen, gleichberechtigtes Mitglied des Dreibunds als der Vasall Frankreichs zu sein.
Unterdeß hat man auch in Italien eine neue und dringendere Sorge bekommen, nämlich den neuesten Konflikt mit den Vereinigten Staaten, der sich aus dem Streik der italienischen Arbeiter bei den Wasserwerken von Nem-Iork ergeben hat. Die Drohung der Vereinigten Staaten, die unbequemen und unbotmäßigen italienischen Arbeiter auszuweisen, hat zu einem diplomatischen Protest Italiens geführt, der aber schwerlich ernstere Folgen haben wird. Denn aus Anlaß von Unruhen italienischer Arbeiter in den Vereinigten Staaten sind schon mehrfach ähnliche Konflikte zwischen den beiden Staaten entstanden, die jedoch bisher noch stets friedlich beigelegt worden sind, obwohl sie sich manchmal bedrohlich genug anließen. Auch dem neuerdings ausgebrochenen Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Pforte braucht man keine ernstere Bedeutung beizulegen. Denn nachdem die Vereinigten Staaten der Pforte, welche sich weigert, die amerikanischen Missionare für die bei. den armenischen Wirren erlittenen Schäden zu entschädigen, mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen gedroht haben, dürfte sich die Pforte eines Besseren besinnen und den spröden Geldbeutel ziehen.
Auch das Verhältniß der Vereinigten Staaten zu England hat sich merklich verschlechtert, da bei den „amerikanischen Vettern" die Stimmung zu Gunsten der Buren reißende Fortschritte macht. So kann England allgemach als seinen „einzigenFreund" Portugal bezeichnen, welches ihm durch die Erlaubniß des Durchzugs britischer Truppen durch Mosambique wirksam zu Hülse gekommen ist. Aber auch in Portugal macht sich eine mächtige Bewegung gegen die Politik der Regierung geltend, welche den Engländern gegenüber den Buren kurzsichtiger Weise Handlangerdienste leistet.DieNachgiebigkeitderportugiesischenRegieruiigistinletzter Zeit die einzige Freude gewesen, welche die Engländer auf dem südafrikanischen Kriegsschauplatz erlebt haben. Denn im Nebligen haben die Engländer in letzter Zeit nichts als Mißerfolge erlebt und mit der Abberufung unfähiger Heerführer sind keine Erfolge zu erzielen, so lange man nicht bessere an ihre Stelle zu setzen hat. Es ist auch wenig geeignet, die melancholische Stimmung der Engländer zu verbessern, daß der Emir von Afghanistan neuerdings rebellisch wird und den Engländern die ohnehin zweifelhafte Freundschaft aufzukündigen droht. Allgemach verstärkt sich in England die Furcht, daß man, was man in Afrika vielleicht gewinnt, in Asien weil über den Preis wird bezahlen müssen.
Ans Stadt und Land.
Wiesbaden, 22. April.
— Geschichtskalrnder, 22. April. 1896: ch Löon Say zu Paris, französi>cher Staatsmann. 1868: Vermählung Königs Umberto 1. von Italien mit Margherita Prinzeß von Savoyen. 1852: * Erbgroßherzog Wilhelm von Luxemburg. 1848: Gefecht bei Adeluau in Posen gegen polnische Insurgenten. 1819: * Friedrich v. Bodenstedt zu Peine. 1809: Sieg der Franzosen über die Oesterreicher bei Eggmiihl. 1745: Frieden zu Füßen zwischen Bayern und Oesterreich. 1724: * Immanuel Kant zu Königsberg. 1592: ch Bartolom. Ammanati, der Erbauer de" kunstvollen Arnobrücke zu Florenz. 1418: Schluß des Konstanzer Kouzils. 1073: f Papst Alexander II. 536: f Papst Agapetus I.
o. Ke. Majestät der König der Belgier, welcher sich auf einige Tage nach seiner Hauptstadt Brüssel begeben hatte, ist gestern Nachmittag zur Fortsetzung seiner Kur bei Herrn Prof. Dr. Pagenstecher hierher zurückgekehrt und hat wieder im Hotel „Wilhelma" Wohnung genommen.
— Der erste Sonntag nach Ostern führt den lateinischen
Namen „Quasimodogeniti“ nach der Ersten Epistel St. Petri Kap. 2 Vers 2: „Und seid gierig nach der vernünftigen lautern Milch, als die jetzt geborenen Kindlein, auf daß ihr dnrch diesÄbe zunehmet." Dieser Vers wurde als Stück der Liturgie beim Beginn der Messe (lateinisch) gesungen. — Er wird auch Weißer Sonntag genannt, weil an ihm in der alten Kirche die in der Osternacht Getauften zum letzten Mal das weiße Taufkleid trugen.
— Kurhaus. Am Samstag der nächsten Woche, den 28. April, wird eineZan ber-Soiräe des ausgezeichneten Prestidigktateurs Herrn Rudolph Mcunier-Selar und Gemahlin im Weißen Saale des Kurhauses stattfinden. — Das Berliner Philharmonische Orchester unter Leitung des K. u. K. Hof- und Hofopern- Kapellmeisters Dr. Hans Richter hat am 19. April in Posen seine Konzertreise begonnen. Gestern konzertirte dasselbe in Breslau mit großartigem Erfolge. Bekanntlich wird das berühmte Orchester mit Dr. Hans Richter bereits Sonntag, den 13. Mai, im hiesigen Kursaale ein Konzert veranstalten. Anmeldungen zu Plätzen nimmt die Kurverwaltung entgegen. — Das erste große Gartenfest der Kurverwaltung findet Mittwoch, den 9. Mai, statt. — Morgen Sonntag, Abends8Uhr, findet im Knrhauseein Solisten- Konzert der Kurkapelle statt. In demselben werden Herr Konzertmeister Jrmer den ersten Satz des Militär-Konzertes für Violine von Lipinski und .Herr Danncberg den Carnaval ruase, Bravour-Variationen für Flöte von Cinrdi zum Vortrag bringen. Außerdem zeichnet sich das Konzert durch ein sehr gewäbltes Orchester-Programm aus. Beethoven ist mit der Ouvertüre Nr. 3 zu „Lenore", Mendelssohn mit dem Hochzeitsmarsch, Wagner mit dem Vorspiel zu „Lohengrin" und Mozart mit Ouvertüre zu „Don Juan" vertreten. Ein besonderes Eintrittsgeld wird nicht erhoben, doch sind alle Kurhauskarten beim Eintritt vorznzeigen.
— Frauenhülfe des Eoangelilchlrirchlichen Hiilfs- uerein». Im Anschluß an die Thütigkeit des das ganze Gebiet der Evangelischen Kirche in Preußen umfassenden Evangelischkirchlichen Hülfsvereins soll nun in unserem Bezirk auch die Frauen hülfe dieses Vereins organisirt werden, wozu Ihre Majestät die Kaiserin besondere Anregung gegeben hat. Dnrch diese Organisation soll eine größere Betheiligung evangelischer Frauen und Jungfrauen an den Liebcsarbeiten in dem Bezirk, Errichtung und Förderung von Diakonissenstationen besonders auf dem Lande, von Kleinkinderschulcn und ähnlichen Arbeiten zur Beseitigung von Schäden des Volkslebens angestredt werden. Die konstittnrende Versammlung soll am nächsten Mittwoch, dm 25. April. Nachmittags 4 Uhr, in dem Wahlsaale des Nathhauses (Nr. 16, ebener Erde) abgehalten werden und sind evangelische Frauen und Jungfrauen der Stadt hierzu frenndlichst eingcladen.
- JnderStenographieschulesprachHerrDr.Specht
über Schul- und Fachstenographie. Redner führte etwa Folgendes aus: Der Hanptvertrcter der Fachstcnographie ist der Stolzeaner De. Steinbrink; er sagt, die Schulschrift sei in so guten Händen (und damit meint er Bäckler), daß er sich der Pflege der Fachstenographie zuwenden könne. In den deutschen Parlamenten seien etwa 100 Kammerstenographen thätig. Wenn von diesen in der
Ans Knr»kl und Leben.
* Wiesbadener Knnstfät- (Luisenstraßc 9).
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Reu aus-
t- Kollektion Hermann Rüdisühli (Schüler von Arnold tzöcklin): „Ersehnte Stunde". Piratenburg. „Sommerzeit Ge-
v-iprbftftimmuua . ..Eichen am See .
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wittcraüzug", '.Seegestade", „HerbMimmung", .Eichen am See". „Oktobcrslimmnng". „Villa sola“, „Sommerabmd „Spatsommer- abcnd", „Wiescnbächlein", „Tannenpartle" . L-Patabcnd „Abend an, Weiher". „Mythologisches Eiland", v Sanken: „Lanbgang im Herbst", „Sommerabend". M. Block: „Paravent .
* Kunstsalc», Kangrr (Taunusstraße 6). Ku ausgestellt:
f erm «rerrer- Abeildstnnmung an der unteren Elbe , „Regenin, iiiung an der "unteren Elbe", „Regenstimmung" (fla ndr. Küste). * Ibsen» ..Nora" in doppelter Kesart. Im neuesten Lest des Littcrärischen Echo" lesen wir: „Lltterarischen Kreisen fft es erinnerlich oder doch bekannt, daß Ibsens heute ineistgegebeiies Schaiisptel in Deutschland vor 20 fahren noch mit eiumi sogenannte» „versöhnlichen" Schluß gegeben wurde, derart, daß Nora in der letzten Sccnc sich entschließ^ doch der ihrem Gatten zu bleiben — um ihrer Kinder willen. Die erlte AuMü"ng bes Stückes mit dem richtigen Schluß fand am 3. Marz 14*0_m München statt: Marie Ramlo — die jetz,gc Frau Conrad-Ra,i>Io spielte die Titelrolle, in der sie seitdem zahllose Male gefeiert wurde. In Norddcutschland war man zuerst von dem „unbefriedigenden Ausgang zurückgeschrcckt wenigstens spielte H°dw,g Sstemann-Mabe das Stuck in der ersten Zeit mit dem abgeanderten Schluß. Dieter lautete: Nora: Daß ein Zusammenleben zwtschcn uns Beiden eine Ehe werden könnte. Lebe wohll (Will gehen.) Helmer: Sinn denn — gehe! (Faßt sie am Arm.) " Aber erst sollst Du Deine Kinder zum letzten Mal sehen I — Nora: Laß mich losl Ich will sie nicht'sehen! Ich kann cs nicht! — Leittier' Du sollst sie sehenI (Ocffnet die Thür und sagt leise) Siebst Du; dort schlafen sie so sorglos und ruhig. Morgen, wenn sie erwachen und rufen nach ihrer Mutter, dann sind sie — nnitter- lss — Nora (bebend): Mutterlos —l — Helmer: Wie Du es
gewesen bist. — Nora: Mutterlos! (Kämpft innerlich, läßt die Reisetasche fallen und sagt): O. ich versündige niich gegen mich selbst, aber ich kann sic nicht verlassen. (Sinkt halb nieder vor die Thür.) — Helmer (freudig, aber leise): Nora! — Eine „Nora", die sich dazu entschließt, mit dem „fremden Manne" weiter zu Hansen, müßte uns eine „fremde Frau" werden. Die Tendenz, die Ibsen dem Drama als Grundlage gegeben hat, das Unhaltbare einer auf Zwang und geistiger Unfreiheit beruhenden Ehe, würde bei einem solchen Schlüsse all absurdum geführt.
* Eine Frau, die mit ihrer Kästlichllcit Iiokettirte,
war die Herzogin von Orleans, die Mutter des Regenten voll Orleans, der Frankreich während der Unmündigkeit Ludwigs XV. regierte. Sie schrieb über ihr eigenes Aussehen und ihre Manieren folgendermaßen: „Bon meiner frühesten Jugend an wußte ich, wie gewöhnlich mein Aussehen war, und ich liebte es nicht, daß die Leute mich aufmerksam ansahc». Ich gab niemals etwas ans Toilette, denn Diamanten und Putz hätten sicherlich die Aufmerksamkeit erregt. Eines Tages lachte die Gräfin Soissons herzlich über mich. Sie fragte niich nämlich, warum ich niemals den Kopf wendete, wenn ich beim Spiegel vorbeiging, wie jede Andere es that. Ich antwortete: „Weil ich zu viel Eigenliebe habe, ui» den Anblick meiner eigenen Häßlichkeit zu ertragen". Ich muß in meiner Jugend sehr häßlich gewesen sein, ich hatte kleine zwinkernde Augen, eine kurze Stupsnase und lange dicke Lippen. Meine ganze Physiognomie war durchaus nicht anziehend. Mein Gesicht war breit, mit dicken Backen, und meine Figur war klein und untersetzt, kurz, ich war eine sehr häßliche Person. Wenn ich nicht eine so gute Sinnesart gehabt hätte, würde Niemand mich ertragen haben. Vielleicht gab es auf der ganzen Erde nicht ein zweites Paar so häßlicher Hände, wie ich sie hatte. Der König sagte mir das oft und brachte mich dadurch zum Lache», denn ich war mir meiner großen Häßlichkeit ganz bewußt und entschlossen, immer zuerst darüber zu lachen. Da« gelang mir sehr gut, obgleich ich gestehe» muß, daß es mir häufig Anlaß zuni Lachen gab. Was mich überraschte, war, daß irgend Jemand sich in mich verlieben konnte.
Ich war offenbar die häßlichste Frau am französischen Hof, und doch wor ich erst »cunzchn Jahre alt bei meiner Heirathl Ich fragte meinen Gatten oft, ob meine Blicke ihn nicht abstießen, und was er in mir sah, um sich in mich zu verlieben. Auf nieine Frage habe ich nie eine befriedigende Antwort erhalten, aber es scheint mir, daß andere Eigenschaften trotz mangelnder Schönheit ihn angezogen haben.
* Verschiedene MMHrilungen. Im Karlsruher Hoftheater soll, wie das „Berl. Tagebl." berichtet, am 29. April eine Neiieinstildirung von Goethes „Götz von Berlichingcn" in Sccnc gehen, der zum ersten Mal an Stelle der ans den Bühnen gangbaren abgeschwächten Theaterbcarbeitung von 1804 der alte klassische Götz von 1773, nach der ersten Druckausgabe dieses Jahres, zu Grunde liegen wird.
Wir lesen im „Berliner Börsen-Courier": Vor einiger Zeit verlautete, Siegfried Wagner, der sein eigener „Librettist" ist. arbeite an einem Musikdrama, das die Geschichte Conradins, des letzten Hohenstaufen, behandelt. Wie nunmehr bekannt wird, hat Siegfried Wagner diesen Stoff vorläufig anfgegeben und sich einein Thema zugcwcndet, das der Geschichte der französischen Revolution entnommen ist.
Die Jliternationale astronomische Gesellschaft wird ihre 18. ordentliche Versammlung in der Zeit vom 8. bis 11. August d. I. in Heidelberg abhalten.
August Bungert hat sein Musikdrama „Na usi kaa" vollendet. Es wird wahrscheinlich im Dresdener Hoftheater seine Erstaufführung erleben.
In Carnuntum, der ehemaligen römischen Festung nn Noricum, stieß man auf ein vollständiges Waffen- und Verpflegungsmagazin von äußerst solider Bauart. In den Räumen fand man einen sehr reichen Vorrath römischer Waffen, im Ganzen 1037 Stück, unter denen sich auch Bruchstücke des Schiencn- panzers (lorioa aegmentata) befanden, sowie Vorräthe von Gerste, Erbsen, Hirse rc. Zugleich wurden hier auch wichtige Inschriften gefunden, die aber noch nicht vollständig entziffert und gedeutet sind.
