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«s. Jahrgang.

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184. Fernsprecher No. 52. KüMstttg, dkN 21. April. _»erusprecher N» 52. 1900.

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§für Wni urrö Airni

auf das

,/Wiesbadener Tagblatt"

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(Nachdruck verboten.)

Der französische Mittellandkanal.

Unser Pariser «-.-Korrespondent schreibt uns:

Während sonst hier die^ geringfügigsten Angelegenheiten

endlosen und geräuschvollen Debatten Anlaß gebe», ist am 10. ds. in aller Stille und fast ohne Diskussion in der Kammer ein Gesetz­entwurf von weittragendster nationaler und niternatlonnler Be- dentuna angenommen worden. Dieser Gesetzentwurf birgt in Jemen Paragraphen die Sicherung des Baues eines Kanals, der die Marne mit der Saöne verbindet, also indirekt, da einerseits Marne und Seine, andererseits Saöne und Rhone. bereits bis zum Meere schiffbar sind, die Herstellung eines das ganze Land von der Nordsee, dem Aermelkanal und dem Atlantischen Ocean bis zum Mittelländischen Meer durch,chneidcuden Wasserweges. Das bisher noch fehlende Stück drescs französischen Mittellandkanals" soll in sechs Jahren vollendet sein und wird 23 Millionen Francs kosten, von welchen die Handelskammer von Saint-Dizier, als örtlich am meisten an dem Unternehmen betdeiligt, fünf Millionen zu schießt, die ihr aus dem Ertrag einer mäßigen Kanalgebühr, die von der Benutzung der betreffenden Strecke erhoben werden wird, zurückzuzahlen find. Die übrigen Kanäle und Flußläufe Frankreichs stnd bekanntlich >ur ' bte Schiffahrt vollkommen abgabenfrei. Die Marne ist aufwärts bis St. Dizier schiffbar; die Saöne aufwärts bis nahe bei Lewul. Wenn die beschlossene Ausführung der Erganznngsstrecke vollendet und mit weiteren Opfern die ganze Kanalstraße vertieft und verbreitert sein wird, können Güter von Nantes, Brest, Havre, Dünkirchen, voii Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam auf dem Wasserwege nach Marseille gelangen und umgekehrt. Waaren, für welche die Eisenbahufracht zu theuer wäre, brauchen also nicht mehr den Seeweg um Gibraltar zu nehmen. Der austeiordentliche Nutzen des Kanals für den Handel und die Industrie rst einleuchtend. Auch seine strategische Bedeutmig ist nicht M unter­schätzen, da er es ermöglicht, Proviant und Kriegsbedarf aller Art, während die Eisenbahnen für den Truppentransport ganz nut Be­schlag belegt sind, ja auch Torpedo- und Kanonenboote von einem Meere bis zu nuderen zu befördern oder »ach Bedarf auch zur Unterstützung der verschanzten Lager nn Innern, zur Ber. theidigunq von Paris, Lyon, Lille, Chalons-sur-Marne und sonstiger 9 an den schiffbaren Wasserlaufcn gelegenen Platze

zu verwenden. Der Kanal besitzt den Werth einer neumFlotliUe da er die Ausnutzbarkeit der vorhandenen verdoppelt. Es verdient beuierkt zu werden, daß. sobald die Regierung auf die strategische Wichtigkeit des Projekts hingewiesen hatte, ielbst die extremsteii Oppositionsparteien kein Wort der Einwendung gegen dasselbe hatten. Republikaner und Monarchisten Liberale und Sociaksten Gemäßigte und Radikale, Antisemiten und Israeliten — sobald die Sicherheit des Vaterlands in Betracht konimen, werfen ste ihre Parteierwagungeii bei Seite und schaaren sich einmüthigumdie Regierung. Wenn man sich er­innert dah m Deutschland die Krieasoerwaltunä ebenfalls die Hove Wichtigkeit des preußischen Mittellandkanals betont hat und daß dennoch eine parlamentarische Mehrheit, gebildet aus denjenigen Kreisen, ans denen die meisten Offiziere hervorgehen, auf Grund von wirthschaftlichen Partei- und Sonderinteressen das Kanal- Projekt verworfen hat, so kann man unbefangener Weise nicht um­hin, zu gestehen, daß das französische Parlament, das man so gern der Korruption zu beschuldigen liebt, sich rn dieser Frage als sehr uneigennützig und nur ans Gemeinwohl denkend gezeigt hat.

(Nachdruck verboten.)

Acht, Raum und Zeit.

Erst vor 225 Jahren wurde gelegentlich der Beobachtung der vier größeren Jupitcrmonde von dem dänischen Astronomen Olaf Römer ermittelt, daß das Licht zur Durchdringung des Raumes Zeit nöthig hat. Die Geschwindigkeit des Lichtes ist allerdings eine ungeheure; sie beträgt rund 40,000 Meile» in der Sekunde. Auf Erden giebt cs keine zwei Punkte, die von einander 40,000 Meilen entfernt wären. Die längste Linie ist die des Aequators mit 5480 Meilen. Zur Zurücklegung dieses Weges würde das Licht, wenn der Strahl eine kreisförmige Bahn beschreiben könnte, etwa 14 />o oder ungefähr den 7. Theil einer Sekunde nöthig haben. Die sogenannte Reise um die Welt, d. h. um die Erde, die ein Wanderer bei einem täglichen Marsch von 10 Meilen in 540 Tagen vollenden würde, dürfte mithin das Licht in V» Sekunde zurücklcgen. Könnte von unser»! Standort aus in geradliniger Richtung eine Oessnung, ein Bohrloch, durch den Mittelpunkt der Erde bis zu den Gegen­füßlern geführt werden, so würde das Licht diesen etwa 1719 Meilen laugen Weg. d. h. den Durchmesser der Erde, in rund Sekunde durchdringen. Der 25. Theil einer Sekunde, selbst der 7. Theil einer solchen wäre nicht viel mehr als ein Augenblick; er bietet aber so wenig Zeit, daß man sagen möchte, einer solchen bedürfe das Licht zur Zurück­legung des Weges zwischen zwei Punkten auf Erden überhaupt nicht.

Anders verhält sich die Sache hinsichtlich der Entferuungen der Erde vom Monde, von der Sonne, von den Planeten und den Fixsternen. Der mittlere Abstand des Mondes von »ns beträgt

50.000 Meilen. Das von diesem ausgehende und, wie bei den Planeten, nur erborgte Licht braucht 17* Sekunde Zeit, um den Weg bis zur Erde zurückzulegen. 1'/« Sekunde Zeit läßt sich schon fassen. Die Sonne, ein selbstleuchtender Körper, hat im Mittel eine Ent- /ernuna von 20 Millionen Meilen. Der von ihr ausgehende L.cht-

(Nachdruck verboten.)

Innenansicht des großen Aussiellnngs- Darastes in Poris.

Zu den hervorragendsten Bauten auf der Pariser Welt­ausstellung gehört der große Ausstellungs-Palast, welcher unweit des Haupteingangs auf dem rechten Ufer der Seine in der Nähe der Brücke Alexander III. liegt. Es ist ein imposanter, hoch­gewölbter, in Eisenkonstruktion mit Glasüberdachung ausgeführter Bau, der dazu dient, die verschiedenen Hauptausstcllungs- Arrangements in sich aufzunchmen.

Wir geben unseren Lesern beistehend eine innere Ansicht dieses Palastes, aus welchem die enormen räumlichen Verhältnisse deutlich

Aus Stadt und Kand.

Wiesbaden. 21. April.

— Grfchichtshalrndcr. 21. April. 1897: f Domeniko Berti zu Rom, ehemaliger italienischer Minister. 1796: Sieg Bonapartes bei Mondovi. 1782: *Friedr. Fröbel zu Oberweißbach, Begründer der Kindergärten. 1736: f Prinz Eugen von Savoyen. 1729: * Katharina II. von Rußland zu Stettin, geb. Prinzeß von Anhalt-Zerbst. 1552: j Petrus Apianus zu Ingolstadt, hcrvorr. Astronom und Geograph. 1521: Schlacht bei Villalar. 1488: * Ulrich von Hutten zu Steckelberg bei Fulda. 1450: Gründung der Universität Barcelona. 1190:'Einzug der Kreuzfahrer unter Kaiser Friedrich I. in Alaschehr. 1142: f Peter Abälard, hervort. Scholastiker und Theoiog. 1109: Anselm von Canterbury,

hcrvorr. scholastischer Philosoph.

hervorgehen. Der Palast soll die Ansstellung überdauern und in den späteren Jahren Ausstellungen der verschiedensten Art in sich anfnehmen. Unsere Innenansicht ist von dem Punkt ausgenommen, an welchem sich der Beschauer, sobald er den Haupteingang des Palastes betreten hat, befindet. Zur Rechten und zur Linken ziehen sich, in halber Höhe der Wände, gelegene, große Gallericen hin, die sich im Hintergrund vereinigen, woselbst zwei große Frei­treppen rechts und links zu dem Fond hinauffühlen, in welchem sich ein großer Konzertsaal befindet. Der ganze Bau gereicht der Ausstellung zur außerordentlichen Zierde und ist so geräumig an­gelegt. daß beispielsweise während der Weltausstellung in demselben ein Concours Hippique stattsinden kann.

— Städtische Volksschule». In den heutigen „Slintlichen Anzeigen des Wiesbadener Tngblatts" befindet sich eine Bekannt­machung des Schuliuspektors Herrn Rinkel, auf welche wir die Aufmerksamkeit der Interessenten hierdurch besonders lenken möchten. Sie betrifft das neue Schuljahr und die Meldungen neuer Schüler für unsere Volksschulen. Im Hinblick auf die Wichtigkeit eines ge­ordneten Schulbetriebes ist eine genaue Beachtung der Vorschrrflen dringend geboten.

— Straff-»bahn Mtevbaden-Grchruheim. Aus Erben­de im, 18. April, wird der „Kl. Presse" geschrieben: Heute fand hier die Vornahme der laudespolizeilichen Vorprüfung der pro» jektirten Straßenbahn Wiesbadcn-Erbenheim statt. Es waren hierzu die Vertreter der Regierung, Eisenbahn, Post, der Stadt Wies»

strahl hat rund 87- Minuten Zeit nöthig, um bis zur Erde zu dringen. Planet Jupiter ist je nach dem Orte seiner Bahn im Mittel 100 Millionen Meilen von der Erde entfernt. Das von ihm ausgehende Licht gelangt daher erst in 41 2, s Minuten durch den Sehnerv zum Gehirn des Menschen. Neptun ist ungefähr 600 Millionen Meilen weit von uns. Der Lichtstrahl dieses Planeten kann daher erst in 4 Stunden und 10 Minuten zu uns konimen. Von dem Augenblick an also, da er von der Oberfläche des fernen Weltkörpers ausging, hat er ohne Ruhe und Rast während 250 Minuten in jeder Sekunde 40,000 Meilen durcheilt, bis er im Fernrohr für das Auge des Menscheu ein schwacher Schimmer wurde. Es sei betont, daß wir mithin den Neptun so sehe», wie er vor 250 Minuten war.

Wenden wir uns den Fixsternen zu. Der nächste dieser selbst- leuchtenden, also eigene« Licht besitzenden und entsendenden Welt­körper ist Alpha in dem in unserer Gegend nicht sichtbaren Bild des Centaur. Die Astronomen haben berechnet, daß die Entfernung jenes Sternes von uns nur 4,1 Lichtjahre beträgt. Das dieser Schwester unserer Sonne entströmende Licht hat also 40>o Jahre Zeit nöthig. um den Weg bis zur Erde zurückznlegen. 4,1 Jahre --- 129.297,600 Sekunden. Die Entfernung des Sternes beträgt mithin 129.297.600 mal 40,000 -- 5,171,904.000.000Mcilen. Der gelb­liche Prokyon, der jetztAbendS 9 Uhr am westsüdwestlichen Himniel steht, ist 8,2 Lichtjahre weit; sein Licht kann also erst in 87>° Jahren zu uns gelange». Die helle Wega, die jetzt des Abend« den nord­östlichen Himmel schmückt, ist 16,3 Lichtjahre entfernt, d.h. ihr Licht gelangt erst in 167,» Jahre» zur Erde. Der jetzt Abends 9 Uhr noch sichtbare Sirius ist 17 Lichtjahre weit von uns. 17 Jahre --- 536,112,000 Sekunde». Die Entfernung des Sternes beträgt mithin 536,112,000 mal 40,000 --- 21,444,480.000.000 Meilen. Im Bilde des Schwanes schimmert ein Stern mit einem Abstande von 25,2 Lichtjahren. Danach braucht der von dieser Sonne ausgehende Lichtstrahl

25*'io Jahre Zeit, um den Weg bis zur Erde zurückzulegen. 25,2 Jahre = 794,707,200 Sekunden. Der Abstand beträgt daher 794,707,200 mal 40,000 --- 81,788,288,000.000 Meilen. Von einem Sterne im Löwen hat man die Entfernung mit 70 Lichtjahren be­rechnet. Das Licht dieses Weltkörpcrs gebraucht also 70 Jahre Zeit, nm den Raum bis zur Erde zu durchdringen. 70 Jahre —

2.207.520.000 Sekunden. Der Abstand beträgt duhcr2,207,520,000 mal

40.000 — 88,300,800,000,000 Meilen. Manche Sterne der Milchstraße stnd 5000 Lichtjahre weit. Den im jetzigen Augenblick von dort auS- gehendcnLichtstrahl würden wir demnach erst nach 5000Jahren erblicken. 5000 Jahre aber sind = 157,680,000,000 Sekunden. Die Ent­fernung beträgt also 157,680,000,000x40,000 = 6,307,200,000,000,000 Meilen. Viele Weltkörper sind noch weiter entfernt. Wenn aber die Sternkundigen ihre Ricsen-Fernrohre nach einem 5000 Lichtjahr* entfernten Stern richten, so sehen sie ihn, wie er sich vor 5000 Jahren zeigte, und wenn sie sein Spektrum aufnehmen, so finden ste nicht das jetzige, sondern ein früheres, dasjenige, das er vor 6000 Jahren hatte. Vor 5000 Jahren! Was kann in einer so langen, langen Zeit an und mit jenem Weltkörpcr nicht Alles geschehen scm?! Es kann dort mittlerweile eine Umwälzung statt- gcfundcn haben, er kann mit einer anderen Sonne znsammen- gestoßen, zusammcngerannt, er kann verloscht, er kann heute von einer solchen Beschaffenheit sein, die das Spektrum erst nach 5000 Jahren offenbart.

Das Licht braucht Zeit, um den Raum z» durcheilen. Für Entfernungen zwischen zwei Punkten auf Erden ist jene so winzig, daß sie kauin in Betracht kommt. Aber bei Abständen im endlosen Weltenraum, wo nach Millionen. Billionen. Trillionen von Meilen gerechnet werden muß, spielt die an sich ja unfaßbare Geschwindig­keit des Lichts eine lehr bedeutsame Rolle. Letzteres läßt uns den Weltkörper sehen, nicht wie er ist, sondern wie er war vor 100 oder vor 1000 oder vor 5000 und noch mehr Jahren. vr. K.