Einzelbild herunterladen
 

«8. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. - BezugS-Prcis: durch den Verlag 5« P,g. monatlich, durch die Nost » Mk. «O Pfg. viertel,ahrlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

RDMOO Avonnenten.

Slnzeigcn-Prcist

Die einspaltige Petitzcile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Anzeigen

U-. 176.

~Z -i für die »tbe.,d-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Margen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. - Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

-ANNNyMe uächsterschcinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.__

Fernsprecher No. 52.

Sonntag» den 13. April.

Fernsprecher No. 52.

1900.

ggjr* Des Osterfestes msge» erfcheitil die «achste Ausga be am Dienstag Uttchmttlag.

Volitifche Uelrerftcht.

Das schöne Wort: „Freude dieser Stadt bedeut^ Friede sei ihr kUt Geläutei" trifft diesmal ans den Klang der Osterglocken -eider nicht allenthalben zu. - Aber wir haben uns m den letzten Ären daran gewöhnt, daß am Osterfesttag, inst, wie es uns in mi Osterspaziergang im „Faust" erzählt wird, „ein Gc,prach von Krieg und Kriegsgeschrei" an der Tagesordnung ist. Vor drei wahren brach gerade am Osterfest der griechlsch-turkr,che Krieg aus, welcher zu einer vernichtenden Niederlage Griechenlands führte, und vor 2 Jahren brach wieder am Osterfest der spam,ch-amer,kanische Knea aus der mit der völligen Niederlage Spaniens endete, aber den Amerikanern ein Geschenk in den Schooß warf, das sich als Danaergeschenk entpuppte: die Philippinen. Im vorigen ^ahre ließ sich das Osterfest dagegen besonders friedlich an, denn die Welt stand damals im Zeichen der Vorbereitungen zu der Haager Friedcnskonferenz. Diese Konferenz hielt freilich nicht, was sie zu versprechen schien, und sic hat cs nicht verhindern können, daß das Osterfest diesmal im Zeichen des südafrikanischen Krieges und daß die Welt allenthalben unter einer starken Depression steht, denn noch weiß Niemand, welche Verwickelungen dieser Krieg rm Gesolge haben kann. , „ o c r .

Die Hoffnung der Engländer, daß ihre Truppen das Osterfest in Pretoria begehen wurden, hat sich als eine trugerifche er­wiesen, und der englische Oberbefehlshaber Lord Roberts wurde vielleicht etwas darum geben, wenn er cs nicht in Bloemfontciir zu feiern brauchte. Besagter Ort, nach dem vordem das Sehnen der Engländer stand, scheint sich jetzt zu einer Art Hohle des Löwen zu entwickeln, zu der mehr «puren hinein als heraus fuhren. Die letzten schweren Schlappen, welche die Engländer erlitten haben, haben ihren verfrühten Siegcsübermnth sichtlich gedämpft. Der bisherige Verlauf des Burenkriegcs zeigt ein wcchselvolles Geschick, aber als noch wcchselvoller hat sich diesem Kriege gegenüber die öffentliche Meinung gezeigt. Vor dem Beginn des Krieges hielt die überwiegende Mehrheit der öffentlichen Meinnng de» baldigen Sieg der Engländer für eine ausgemachte Sache und Diejenigen, welche, wie wir, den Ausgang des Krieges als durchaus zweifelhaft hinstellten und die außerordentliche Widerstandskraft der Buren betonten, mußten sich sogar den Vorwurf der Phantasterei znziehen.

Als dann die gewaftigen Siege der Buren die Welt in «taimcii setzten, schlug fast überall der Skepticismns in fein Gegcntheil um, uiw die Meiste» sahen bereits die völlige Veriiichtung Englands als eine Frage der nächsten Zeit an. Und als sich dann wieder das Kriegsglück wandte, und die Kapitulation Cronjes und der Ruckzug der Buren aus Natal folgte, da schwenkte ein großer Theil der Presse wiederum um und sah die Buren bereits völlig zu Paaren getrieben. Aber auch diese Ansicht hat sich als irrig erwiesen. In jedem Kriege wechseln Gluck und Unglück, und bei der Beurtbeilung der Aussichten eines Krieges muß man sich größere Zurücklialtung auferlegen, als cs dem Bnrenkriege gegenüber bisher zumeist ge­schehen ist. Was uns betrifft, so haben wir bisher keinen Anlaß, je von Anfang an festgehaltene Hoffnung aufzugcbcn. daß cs den Lsren durch einen bis aufs Aeußerste getriebenen, hartnäckigen -Lwerstand gelingen werde, die Engländer so zu ermüden und zu 'chadwen, daß sie doch noch einen halbwegs erträglichen rneden zu erzielen vermögen.

, Das Schicksal der Philippinen, an die wir rm Eingang

E «Schicksal der Philippinen, an die wir rm i-nngai unseres Artikels erinnerten, sollte die Engländer davor warnen, i ^fahren des Guerilla-Kriegs, dein sic sich jetzt in Südafri gcgennbersehen, zu unterschätzen. Bald zwei Jahre kämpfen t.. Amerikaner auf den Philippinen mit wechselndem Glück gegen die «lnaeborenen, welche doch den Buren weder an kriegerischer ^chutzstit noch an der Beherrschung aller modernen Hülfsmittcl Krieges gleichkommen. Aber trotz aller Anstrengungen haben

die Amcrikaner bisher keinerlei nachhaltige Erfolge erzielt, sodaß sic sich in dieser Woche gezwungen gesehen haben, den bisherigen Ober- bcscblshaber auf den Philippinen, Otis, abznberufen. Das gleiche Mittel haben auch die Engländer schon wiederholt im süd­afrikanischen Krieg versucht, und so hat auch erst jetzt wieder General Gatacre daran glauben müssen. Abu mit der Abberufung lcistungsunfähiger oder vom Pech verfolgter Heerführer ist wenig gcthaist wenn man nicht bessere dafür hinzuschicken hat.

reitbiße Oster» begeht man tu Paris, denn das große Er- etgnitz ist endlich herangenaht. Am Samstag ist die Weltaus­stell uug in Paris eröffnet worden und der „stille" Samstag ist dort zu einem lauten geworden. Das Kabinett Waldeck- Rousseau kann erleichtert ausrufen: Es ist erreicht! Die nationalistischen Gegner des Kabinetts haben gethan, was rn ihren Kräften stand, um das Kabinett diesen Tag nicht mehr erleben zu lassen. Aber das Kabinett hat Glück gehabt und es ist ihm ge­lungen. alle Angriffe der Gegner siegreich abzuschlagen, sodaß sein Bestand jebt wenigstens bis zum Ende der Osterferien, vielleicht aber gar bis zuni Ende der Weltausstellnng gesichert sein durfte. Damit würde das Kabinett Waldeck-Rousseau aber nach den beschei­denen französischen Begriffen in die Kategorie der Dauerkabinette aufrucken. , , . , ,.

Ob das österreichische Kabinett Korber einen solchen Rang erreichen wird, steht dahin, denn die Ausgleichs-Aktion ist in letzter Zeit sichtlich in einen bedenklichen und bedrohlichen Still­stand gerochen, und unter den Tschechen scheint die Neigung zum

Die Deutschen Oesterreichs betrachten Franz Josef nach Berlin als

Frieden geringer zu werden.

die Reise des Kaisers „.,, -- ~ . . ..

eine Förderung ihrer Sache, denn ste meinen, sowohl der Kaiser als auch der öüerreichische Minister des Aeußercn würden in Berlin darüber aufgeklärt werden, welche Folgen eine deutsch-feindliche Politik in Oesterreich auf die Dauer haben müßte. Wie dem auch sei, jedenfalls ist der Herrscher des uns befreundeten und ver­bündeten Reiches in Deutschland des herzlichsten Empfanges sicher.

Ans Stadl «nd Land.

Wiesbaden, 15. April.

- Grschichtokalkndri-. 15. April. 1822: Einäscherung von Patras durch die Türken. 1797: * Louis Adolphe Thiers zu Marseille, französischer Staatsmann. 1770: * Tb. Kolokotroms, berühmter griechischer Kriegsheld (der Alte von Morea). 1764: ch Marquise de Pompadour, die Maitresse Ludwigs des XV. 1745: Gefecht bei Pfnffenhoffen, Sieg der Oesterreicher über Franzosen und Bayern. 1719: ff Marquise v. Maintenon, die heimliche Gemahlin Ludwigs XIV. 1695: f Christoph Arnold in Sommer­feld bei Leipzig, ein als Astronom berühmter Bauer. 1679:

* Katharina I.,'Kaiserin von Rußland. 16o9: ff Simon Dach in Königsberg, Liederdichter (Acnnchcn von Tharau). 1220: ch Adolf I., Erzbischof von Köln. 1205: Schlacht bei Adrianopel, Sieg der Bulgaren über Kaiser Balduin I. 1191: Heinrich VI. durch Papst Cölestin III. zum Kaiser gekrönt. 1143: Belehnung Albrechts des Bäreil zu Halberstadt mit der Nordmark. — 16. Avril. 1897: Griechische Truppen, überschreiten die macedonisch-thessalische Grenze, Angriff der türkischen Stationen bei Beirakli, Kodmo, Perdika, Solosmene, Uelecko. 1897: f Professor Viktor Tilgner in Wien, berühmter Bildhauer. 1878: P Rafael Kühner zii Hannover, hervorragender Philolog. 1871: Kaiser Wilhelm vollzieht die Verfassungsnrknnde für das Deutsche Reich. 1866: Attentat auf Kaiser Alexander II. durch Karakasow. 1817:

* Dr. v. Delbrück, ehemaliger preußischer Staatsiniuistcr. 1813: Einnahme von Thor» durch Bussen und Preußen, 1809: Sieg der Oesterreicher über die Franzosen bei Pardenone und Sactle. 1799: Sieg Napoleons über die Türken am Berg Tabor. 1788: ch Georg Graf von Buffon, berühmter französischer Naturforscher. 1767:

* Karl Julius Weber zu Langenburg, Verfasser des DcmokritoS.

— Kofnachrichten. Gestern um 12 Uhr 55 Minuten trafen Ihre Durchlaucht die Prinzessin Elisabeth zu Wied und Ihre Durchlaucht die Prinzessin Luise zu Wied auf dem Rhern- bahnhof ein und begaben sich in Begleitung ihrer Damen in die Nicolasstraße, um ihre hiesige Zahnärztin, Fräulein vr. Anna v. Doemming, zu konsultiren.

— MattsiiUa-Thriitrr. An den beiden Osterfeiertagen finden folgende Vcraiistaltuugen statt: Vormittags 110» Uhr: Matinöe (Konzert und Vorstellung), bei welcher ein Theil des Artisten» 'ersonals im Kostüm mitwirkt; das Entree dafür beträgt 20 Pf.

üe Nachmittags- und Abendvorstellungen finden in gewohnter Weise zu bekannten Eintrittspreisen statt. Am ersten Ostertage verabschiedet sich das diesmalige bekanntlich ausgezeichnete Künstler- Ensemble; wer noch nicht Gelegenheit hatte, die berühmten Tyroler Sänger Egger-Nieser, den brillanten Instrumental-Virtuosen Luigi Dell' Oro, Gilletts wunderbar dressirte Hunde zu sehe» bezw. zu hören, der sollte einen Besuch unseres beliebten Varietes nicht versäumen. — Hierbei sei ein kleines Vorkommniß verzeichnet: Am vergangenen Donnerstag ließen sich zwei Engländer nach der Vorführung der dressirten Hunde hinter die Coulissen führen und boten dem Dresseur für den auf den Schlittenschellen „Die letzte Rose" spielenden Hund anfänglich 10,000, sodann 15,000 Mk., falls er ihn verkaufen wolle; der Artist erklärte, daß ihm das Thier für keinen Preis feil sei. — Am zweiten Ostertag tritt ein gänzlich neues Ensemble auf, das Nähere hierüber ist aus dem Jnseraten- theil ersichtlich.

— Ue«e Apothvlre. Herr Apotheker Müller hat in sehr günstiger Lage für den südwestlichen Stadtthcil Wiesbadens seine von der Kgl. Regierung neu koilzessionirte Apotheke, Gerichts- und Oranienstraße-Ecke, unter dem Namen „Kronen-Apotheke" eröffnet. Es ist dadurch einem längst bestandenen Bedürfniß für die Be­völkerung dieses Stadttheils Rechnung getragen worden. Die Aus­stattung Per Geschäftsräume entspricht allen praktischen und modernen Anforderungen.

— Ktrrftkknsse. Der zur Vertheilung gelangte Rechnungs­abschluß der „Sterbekasse des Wiesbadener Beamten- Verein" pro 1899 zeigt wiederum ein stetiges Anwachsen dieser für den Beamtenstand so überaus wohlthätigen Einrichtung, welche bei eintretendem Sterbefall unverzüglich über die ersten, oft großen Schwierigkeiten hinweghilft. Das fest angelegte Kapital der sicher fnndirten Kasse beträgt z. Z. 67,000 Mk. Die Versicherung kann von 100—1000 Mk. zn festen Prämiensätzen abgeschlossen werden. Die Auszahlung der Versicherungssumme erfolgt sofort nach dem Ableben der versicherten Person. Wegen der Aufnahmeberechtigung verweisen wir auf die heutige Annonce.

— KontrsU-Vrrsmnmlmigen. Zu denselben haben zu erscheinen: Dienstag, den 17. April 1900, Vormittags 8 Uhr: sämmtliche Mannschaften aus Dotzheim. Nachmittags 2 Uhr: sämmtliche Mannschaften ans Anringen, Bierstadt und Breckenheim. Die Konkroll-Versammlnngen finden im Hof der Artillerie-Kaserne, Rheinstraße 47, statt.

o.Ktrajsen-Ueubauteu.Von den Straßenbahn- und Straßen- Neubauten in der Wilhelm- und Taunusstraße ist trotz aller Klagen über deren langsamen Fortgang heute doch etwas Erfreuliches zu berichten. Die' Asphaltirung des Kaiser Friedrich-Platzes ist vollendet und die Arbeiten in der Wilhelmstraße, insbesondere die Herstellung des Holzpflasters der Fahrbahn, sind sowcU gediehen, daß gestern der Kaiser Friedrich-Platz und der Ueberaang in die Wilhelmstraße und nach dem Kursaalplatz für Fuhrwerke wieder freigegebe» wurde. Für den Verkehr aus der inneren Stadt nach der Wilhelm- und Sonnenbergcrstraße, nach und von dem Kurhaus wie dem Kgl. Theater ist dies von großem Vortheil. Die Kutscher und Fnhrwerksbcsitzer, welche bisher nut- unter große Umwege machen mußten, werden denselben am meisten zu schätzen wissen. ' Der Gleisbau ist in der Taunusstraße bis zur Ecke der Röderstraße fertig gestellt und die Betonirungsarbeiten sind bis zur Geisberystraße gediehen, sodaß direkt nach den Feier­tagen in der Taunnsstraße mit dem Aufträgen des Stampfasphalts begonneil werden kann. Dazu sind bereits alle Vorbereitungen ge­troffen. Daß die Betonirungsarbeiten gestern ruhten, hat seinen Grund darin, daß die betreffenden Arbeiter, die meist von auswärts sind, da sie am Charfreitag nicht arbeiten konnten, bereits am Donnerstag sich in ihre Hcimath begeben haben, um die Feiertage bei ihren Familien zn verleben. Nach Ostern finden die Arbeiten eine nachdrückliche Fortsetzung von zwei Seiten, von der Geisberg- und der Taunus­straße aus. Für die betheiligtcn Ingenieure besteht kein Zweifel darüber, daß der Straßenzug von der Wilhelm- bis zur Geisbe>m- straße bis zum I. Mai fertig gestellt, und das schöne Bild, das derselbe

Famulus

Faust;

»agner:

(Nachdruck verboten.)

Osterspaziergang.

(Frei nach Goethe.)

Faust: Vom Eise befreit sind schon lange die Bäche, Doch des Frühlings holder belebender Blick Zeigt sich noch wenig, ist Zukunftsmusik.

Frau Sonne, noch leidend an Körperschwache, Zieht sich zumeist hinter Wolken zurück, kagner: O möchte mit diesen Ostertagen Das Lenzcsalück nun anfcrstch'n.

Das trübe Wetter, das Unbehagen,

Die Influenza zn Ende gch'n.

O liebe Sonne, scheine doch wieder!

Zeige Dein strahlendes Angesicht,

Lächle beglückend, erwärmend hernieder.

Verjage das böse Bazillengeziicht I O lieber Himmel, am Ostermorgen Leg' dauernd ab dein öde« Grau,

Verscheuche die Wolken und uns die Sorgen, Kleide dich festlich in herrliches Blaul

Oft * * *

ln Ich gäb' was drum, wenn ich nur wüßt',

Ein nr der lex Hei»ze Schicksal ist?

^ nb e rer: Jst's denn immer noch nicht ex Am der vielgenannten lex,

Die die Kunst bringt in Couilex Mit dem Abhub ärgsten — Schmutzes?

Fort mit diesem Mißgewächs,

Das gleich einer bösen Hex'

Machte alle Kunst perplex!

Fort mit diesem schwarzen Klecks!

Freuen kan» sich solchen Flecks, solcher KunstbedrückungS-lex Ei» sw ,, ut bet prüde Sittcnfexl Ein Vi.V*? t: Ich glaube sie ist abgethan!

Erster t: Jetzt kommt die Flottenvorlag dran. Burger: Ich hoffe, daß diese genehmigt wird.

Zweiter: Ich hoffe und wünsche, daß Ihr irrt!

Die Flotte kommt uns viel zu thencr.

Denkt dran wie hoch schon jetzt die Steuer!

Dritter: Doch blühen Handel und Jndustrie Jetzt wie noch selten oder nie!

Vierter: Die Lasten sind schwer, das ist wohl wahr,

Doch denkt an Krug und Kriegsgefahr!

Die Steuern noch immer weniger drücken.

Als wenn die Feinde ins Land uns rücken.

Als wenn infolge unserer Schwäche,

Wir müssen eines Krieges Zeche Mit Geld und Gut und B.ut bezahlet!!

Das soll man sich immer vor Angen malen!

* . *

*

Karl: Hast Du auch gestern an mich gedacht?

Paula: Den ganzen Tag und in der Nacht,

Als ich war eingeschlafen kaum.

Erschienst Du mir so lieb im Traum!

Frau Müller: Wer sind denn die?

Herr Müller: Ich kenne ste nicht, doch da? ist klar:

Die Beiden sind ein Liebespaar:

Haben vielleicht verlobt sich heute,

Zu Ostern gicbt es imnier viel' Bräute.

Schau, wie die Beiden zärtlich sind.

Wie sie ihn anblickt, das hübsche Kind!

Frau Müller: So schweige doch still! Was geht's Dich an? Herr Müller: Hab' ich dach meine Freude dran!

Fräulein Müller: Ach, wer doch auch schon so weit war!

S ch habe vorhin bemerkt, wie Er ich erlaubte, ihr einen Kuß zu stehlen;

Ste glaubten sich auf dem W^ «bei».

Herr Müller: So manchmal, wenn die Worte fehlen,

Da stellt ein Kuß zur rechten Zeit sich ein.

* * *

Ein Bürger: Nichts Bess'rcS weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen, Als ein Gespräch von Krieg et eetera,

Wenn drüben, in Südafrika,

Die Völker auf einander schlagen.

Man schimpft ans England und sein Heer,

Freut sich der neu'sten Burenstcge

E in

Ein

51IX

Und wünscht, daß noch mit jedem Tage mehr

John Bull verdiente Prügel kriege!

Zweiter: Lord Roberts rief zu früh Viktoria!

Er lvird noch lange warten müssen,

Bis er als Sieger in Pretoria Die Flagge Großbritanniens kann hissen. Dritter: Ich hoffe, es gelingt ihm nie!

Trotz seinen großen Söldnerschaaren Und trotz Lord Kitcheners Strategie Treibt er die Buren nicht zu Paaren.

Vierter: Ach würde Frieden doch geschlossen!

Die armen Kämpfer thnn mir leid;

Blut ist schon viel zu viel geflossen In diesem unglücklichen Streit!

* * *

jrndelwitz: Hatten Baron auch Influenza? Strudelwitz: Leider, leider! in höchster Potenza!

Lag zehn Tage fiebernd im Neste!

Husten, Rheuma, Schüttelfröste!

Hais-, Genick- und Schädelweh,

Zipperlein in großer Zeh!

Mattigkeit, ganz allgemeine!

Schwere Elefantenbcinel

Schnurrbart schlapp trotz Schnnrrbartbindel

Abgebüßt so manche Sünde!

Schmerzen manchmal unverschämt!

Schneidigkeit total gelähmt!

Glieder wie zerbläut, zerstückelt!

Medizin geschluckt! Gewickelt!

Fasten müssen, welche Qual!

Ganze Sache höchst fatal! grudelwitz: Aber jetzt doch ganz auf Damm? Strudel Witz: Ja, jetzt wieder flott und stramm l

S era nun wieder feurig schlägt, eist sich wieder mächtig regt!

Augen wieder voller Glanz!

Schnurrbart kühn, voll Eleganz!

Cigarette, Schnepfe, Sett,

Mies wieder trefflich schmeckt!

Bin jetzt wieder Schwerenöther,

Nicht mehr kranker Wackelpeter! V. W.