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1, Beilage jmn lllicslmöeucr Tagblntt.

. 173. Abend-Arrsgade.

Z Heutzutage sollte man cs nicht begreifen können, L das, eS einmal eine Zeit gegeben hat. da dis Menschen * -inander haßten, weil der Eine Gott in anderer Weise ^ verehrte als der Nächste. ^

Moriz Jokai.

(10. Fortsetzung.) (Nachdruck bei boten.)

Am Hofe §u Fredeusborg.

Dem Dänische» des I!eat»s Aodt nachcrzählt von Gmik Zonns.

Nur schade, daß die Reaktion ziemlich stabil zu sein scheint. Wenn es mir nicht glückt, meine Kräfte wieder­zugewinnen, so wird meine errungene Größe bald vergessen sein, ich werde zu einem verachteten Trödel, einer Zielscheibe für'den Spott und das Gelächter der Damen Herabfinken Verdammt!" fuhr der Baron fort,diese Aerzte brüsten sich und thun groß mit ihrer Wissenschaft, und doch vermögen sie nicht einmal ein paar Nerven in Ordnung zu bringen."

Wie steht es denn mit den Rathschtägcn und An­weisungen, die dieser Geldmacher und Zauberer, Gras Saint Germain, der sich jetzt beim Prinzen Karl in Schleswig aufhält, Ihnen gegeben hat?"

Ich weiß eigentlich nicht, was ich darauf antworten soll", eutgegneie Jener;der starke Gebrauch von Vanille kräftigt und belebt mich wirklich, und nach dem Gebrauch der Tinktur, die er mir sandte, fühle ich mich ganz be­haglich; aber die Wirkung ist nicht anhaltend; ehe ich sie recht wahrnehme, liege ich wieder matt und kraftlos da."

Geduld, mein Freund", sagte der Marschall beruhigend, Sie können doch nicht verlangen, daß in einem Monat wieder aufgebant werde, was Sic in so vielen Jahren niedergerissen haben. Monsieur Saint Germain ist ein kluger und erfahrener Mann, er wird auch mit Ihren Nerven wohl fertig werden."

Hier wurde der Marschall dadurch unterbrochen, daß der Lakai Weiby eintrat und einen kleinen schmutzigen und schlecht zusammengelegten Brief auf einem Präsentirteller

brachte.

Der Bote wartet auf Antwort", meldete der Diener.

Aber ich bin nicht zu Hause, Weiby", cntgegnete der Baron ärgerlich.

Aber sagen Sie mir doch, mein lieber Breitcnau", rief von der Rath erstaunt,wo in aller Welt sind Sie doch gewesen, wo haben Sie Ihr Netz ausgcworfen, um ein solches Billet aufzufischen? kur Vien! es riecht ganz streng und ist nur mit einer Feuerzange anzufassen."

Samstag, de» 14. April.

Und doch ist es so gut, wie fünftausend Thaler, das heißt, so gut, wie diese für mich gewesen sind; denn sie sind schon lange verbraucht. Der Brief ist von der kleinen Berg, und da können Sie sich wohl den Rest denken."

Die Tochter des Bierwirths auf dem Amagertow, die so unglücklich war, Ihnen eine so große Summe zu leihen! Nun, sie ist wirklich hübsch genug, um unsere Aufmerksamkeit zu verdienen, aber wie ein Billet doux von ihr so viel Geld werth sein kann, begreife ich nicht."

Das kommt davon, daß Sie zu hochherzig sind, um eine solche scheußliche Mystifikation wie die, worauf ich an- spiclte, verstehen zu können."

Ach, jetzt scherzen Sie, Herr Baron, und lassen mich wirklich vor Scham erröthen."

Das würden Sie auch mit Recht thun können, wenn ich Ihnen wirklich Tugend und Rechtschaffenheit zutraute, Herr von der Nath. Doch, Sie können sich trösten, das fällt weder mir noch sonst Jemand ein. Sagen Sie mir", fuhr der Baron gähnend fort,Hütten Sie nicht vielleicht Lust, diese kleine Affaice für mich zu übernehmen? Sie fängt an, mir beschwerlich zu werden."

Ich bin Ihnen äußerst verbunden", cntgegnete der Marschall,aber ich gehe nie in abgelegten Kleidern."_

Ah, und das sagen Sie mit einer Energie und einem Selbstgefühl, die Ihnen wirklich gut stehen, und die minder Erfahrene wirklich hinters Licht führen könnten. Wir Beide brauchen uns indessen nicht zu verhehlen, daß es überall trotz alles betrügerischen Glanzes, trotz aller Frischheit nichts Anderes giebt, als abgelegte Kleider."

Haben Sie denn wirklich vollständig und unwiderruflich den Glauben an weibliche Treue aufgegeben?"

Ich glaube, Sie rasen, Herr Marschall", rief Jener erstaunt.Habe ich etwa in meinem ganzen Leben bei einer einzigen Gelegenheit Grund zu der Vermuthung ge­geben, daß ich jemals einen solchen Glauben oder eine solche Uebcrzeugung gehabt hätte?"

Sie haben Recht, und ich bitte Sie, meine reuige Buße für diese schändliche Insinuation anzunehmen. Aber sagen Sie mir doch, wie werden Sie sich benehmen, wenn Sie sich einmal unter dem Druck einer solchen Ueberzcugnng ver- heirathen sollen?"

Gerade wie ein Postmeister, der im Gefühl seiner Amtspflicht das reglementsmäßige Horn auf die Uniform heftet."

Schön und erhaben gesprochen", rief der Marschall Wenn ich nun wirklich, von der Schönheit der kleinen Berg verlockt, mich jener allgemeinen Fatalität unterwürfe und versuchte, in Ihre Fußstapfen zu treten, würde sie da nicht

48. Irchrgrmg. 1900.

fürchten, daß ich das Geheimniß mit den fünftausend Thalern entdecke?"

Ach nein, mein lieber Herr! Denn Alles, was Sie in dieser Beziehung hören oder erfahren könnten, würde ich für Lügen erklären. Und ich habe dafür gesorgt, daß man mir nicht beweisen kann, es sei das Gegentheil der Fall."

Da mache ich Ihnen mein Kompliment, mon ober Baron; einen tüchtigeren und gewiegteren Kavalier hätte man unmöglich zuni Gesellschafter des Kronprinzen wühlen können."

Und ich hoffe, daß Ihre Majestät die Königin-Wittwe und die hohe Herrschaft des Herrn Marschalls, der Erbprinz, mir den Dank nicht schuldig bleiben werden."

Sicherlich, Herr Baron! Ja, Sie können sich so fest darauf verlassen, als wenn Sie schon die Bestallung zu dem fettesten Stiftamtmannsposten des Landes in Händen hätten. Inzwischen wissen Sie wohl, daß es heißt:Zeige Deine Treue durch Deine Thatcn!" Und mit aller Achtung vor Ihrer Tüchtigkeit, mein theurer Freund, muß man doch zugesteben, daß der Kronprinz noch kein Zeichen gegeben hat, woraus sich schließen ließe, daß es Ihnen geglückt sei, irgend welchen Einfluß auf sein Gemüth zu erlangen."

Aber ich verspreche Ihnen, daß diese Zeichen bald sichtbar werden sollen; ja, ich schwöre Ihnen, Herr Marschall, daß ich ihn binnen Jahr und Tag ebensoweit, ja noch weiter als seinen Vater bringen werde, was doch etwas sagen will. Ich muß indessen zuvörderst Geld dazu haben und, aufrichtig gesagt, scheint es lächerlich, daß man dort, wo man nur in die Kasse hineinzugreifen braucht, so knapp damit ist." .

Um das aber mit Nutzen thun zu können, mein Herr, ist nicht wothivendig. daß die Kasse nicht leer ist, und ich versichere Sie, daß das sehr oft der Fall ist."

Non Vivu, quell« betise! rief der Baron.Dann scheert doch den Bauern viermal jährlich statt einmal das Fell ab oder, wenn das nicht genug ist. gebt doch einige Millionen Papiergeld aus, was ja sehr billig ist. Es ist unter allen Umständen weit besser, als geachtete und vor­nehme Leute unter Geldmangel leiden zu lassen; das wird dahin führen, daß das Renommee des Adels in Verfall gcräth, und wenn das erst geschieht, so verliert das König­thum seinen Schmuck und seine Stütze."

Wahrhaftig! Ich hatte nicht erwartet, so viel Staats­klugheit bei Ihnen zu finden, Herr Baron. Sie setzen mich in Erstaunen, und ehe wir es uns träumen lassen, haben wir einen zweiten Griffenfeldt."

(Fortsetzung folgt.)

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