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«8. Jahrgang.

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Verlag: Langgasie 27.

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174. Fernsprecher No. 52. &Slt 14+ Ä |)V2 i.

Fernsprecher No. 52.

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yy» Des Kharfreitass rveger» crscheirrt die «ächste Ausgabe am Samstag Nachmittag.

Die Pariser Mettaussteilnng.

Am 14. d. M. wird das große Ereigniß sich vollziehen, dem nicht nur Paris, sondern ganz Frankreich seit Jahren theils mit überschwänglicher Hoffnung, theils mit banger Sorge entgegen sieht: die Eröffnung der Pariser Welt­ausstellung. Die jetzige Pariser Weltausstellung ist die vierte in einem verhältnißmäßig kurzen Zeitraum, denn die früheren Pariser Weltausstellungen fanden 1867, 1878 und 1889 statt; es scheint sich mithin in Frankreich zu einer Art feststehender Gewohnheit zu entwickeln, alle 11 Jahre eine Weltausstellung abzuhalten. Man muß jedenfalls den Muth der Franzosen bewundern, daß sie es wagen, in so kurzen Zeiträumen hintereinander die Völker zu diesem industriellen Weltfest einzuladen. Aber wenn die Stadt Paris auch nicht mehr das Gehirn und das Herz der Welt ist, als welches Victor Hugo sie einstmals gefeiert hat, so muß doch neidlos anerkannt werden, daß kaum eine zweite Stadt der Welt durch ihre geschichtliche Entwicklung und ihren Reichlhum, durch die Mannigfaltigkeit ihrer Genüsse und durch das überkommene Privileg des Fremdenbesuches so prädestinirt ist, als internationales Rendezvous zu dienen, wie die Hauptstadt Frankreichs.

Es gab eine Zeit, wo Paris nicht nur als die Hauptstadt Frankreichs, sondern gleichsam als die Hauptstadt der Welt galt, wo die französische Industrie, die französische Kunst und der französische Geschmack tonangebend waren und die anderen Nationen nach Paris wallfahrteten. um sich dort Belehrung und Erleuchtung zu holen. Diese 'Zeiten sind längst vorüber, und eine Weltausstellung in Paris ist des­halb heute nicht mehr das, was sie vor Jahrzehnten war. Welche Wandlungen aber auch die Stadt Paris durchgemacht hat, in einem hat sie sich nicht geändert. Paris ist und bleibt die amüsanteste Stadt der Welt, in der man sein Geld auf die bequemste und eleganteste Art loswerden kann, aber für das Geld auch etwas hat. Dieser Umstand sichert allein schon, wenigstens theilweise, das Gelingen der Aus­stellung, denn man darf sich darüber nicht hinweg­täuschen, daß das schmückende und Amüsement versprechende Beiwerk der Wellausstellungen ganz besonders in Paris, aber auch anderswo, für einen großen Theil der Besucher die Hauptsache bildet. Es ist deshalb ganz natürlich, wenn m Paris seit Monaten viel mehr von denClous" und Trics" der Weltausstellung, als von ihrem industriellen nnd künstlerischen Inhalt die Rede ist. Aber trotz des Ueberwiegcns dieses Beiwerks wird die Bedeutung der Aus­stellung nicht unterschützt werden dürfen, und man wird darauf rechnen dürfen, daß sie einen interessanten und ^enhvollen Ueberblick über die technischen und künstlerischen Leistungen in dem verflossenen Jahrhundert ermöglichen wird.

Der Eindruck der Ausstellung wird freilich in der ersten Zeit dadurch beeinträchtigt werden, daß sie sich, was nun einmal das Schicksal der meisten Ausstellungen ist, noch in einem recht unferligen Zustande befindet, wovon übrigens gerade die deutsche Ablheilung eine erfreuliche Ausnahme bildet.

Auch sonst geht die Eröffnung der Weltausstellung unter ungünstigen und wenig Glück verheißenden Sternen vor sich. Der Parteihader, der aus Anlaß der Dreyfus-Affaire seit Jahren Frankreich zerrüttet und die Volksleidenschaften zu einer kaum je gekannten Stärke entfacht hatte, ist noch heute nicht völlig vcrstumml. Roch immer zittert die Dreyfus- Affaire in den Gemülhern des französischen Volkes nach, und es fehlt in Paris noch völlig an der Feststimmung, die zu dem Gelingen einer Weltausstellung nun einmal erforderlich ist. Aber auch die äußere politische Lage ist dem Gelingen der Ausstellung wenig günstig. Als die Haager Friedenskonferenz unter allzu überschwäng­lichen Hoffnungen in Scene ging, da schmeichelte man sich in Paris damit, daß die Weltausstellung die natürliche Fortsetzung und die Krönung dieser Friedensfcier werden würde. Diese Hoffnung hat sich als eitel erwiesen. Als das Satyrspiel zur Friedenskonferenz ist unterdeß der südafrikanische Krieg gefolgt, dessen weitere Folgen noch un­übersehbar sind und der die politische Atmosphäre mit Explosivstoffen angefüllt hat. Es liegt auf der Hand, daß hierunter auch das Milieu der Pariser Weltausstellung leidet, umso mehr, als die Bureiifreundlichkeit der Franzosen, die im Grunde mehr eine Engländerfeindlichkeit ist, eine starke Spannung zwischen den beiden von je her rivalisirenden Nationen erzeugt hat.

Ihre politische Bedeutmlg erhält die Ausstellung durch die Beiheiligung Deutschlands, das sich 1878 und 1889 in­folge der politischen Spannung von den Pariser. Aus­stellungen ferngehalten hat. Inzwischen haben sich die Be­ziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, wenn sie auch keineswegs freundschaftliche geworden sind, doch unver­kennbar gebessert. Die Betheiligung Deutschlands an der Pariser Ausstellung ist die naturgemäße Antwort auf die Betheiligung Frankreichs an der Feier des Nordostsee- Kanals. Es wird uns aufrichtig freuen, wenn die Pariser Ausstellung sich auch hier alsFriedens- fest" bewähren und eine weitere Annäherung zwischen den beiden Nationen herbeiführen sollte, die bei allen tiefgehenden nationalen Differenzen doch das eine gemein haben, daß sie denselben hohen Zielen der kulturellen Ent­wicklung zustreben. Wir sind frei von Optimismus und missen wohl, daß Weltausstellungen und Friedensfeste nicht den Gang der Politik bestinlmen und daß den Festtagen die Werktage folgen. Aber wenn von der freudigen Stimmung der Feiertage stets etwas auf die Werktage hinübergerettet zu werden pflegt, wcöhalb sollte man es für völlig aus­geschlossen halten, daß durch die enge Berührung auf der Pariser Weltausstellung Manches von den Mißverständnissen und Mißstimmungen beseitigt wird, welche zwischen den beiden benachbarten Nationen bestehen?

Aus Stadt und Land.

Wiesbaden, 13. April.

Gefchichtsknlendrr. 13. April. 1897: Gefecht bei

Candia auf Kreta zwischen Kretern und Türken. 1868: Erstürmung von Magdala in Abestynien durch die Engländer. 1859: Er­stürmung der Festung Weden im Kaukasus durch die Russen. 1849: Erstürmung der Düppeler Höhen durch bayrische und sächsische Truppen. 1832: Sieg der Egyptier über die Türken bei Alexandrette in Kleinasien. 1830: * Eduard Lassen zu KSenhagen, hervorr. deutscher Liederkomponist. 1805: Erklärung Mens zur röm. deutschen und österr.-kais. Haupt- und Residenzstadt. 1799:

* Ludwig Rellstab zu Berlin, bet. Romanschriftsteller. 1796: Sieg Napoleons über die Oesterreicher bei Millesimo. 1786: * Albr. Adam zu Nördlingeu, herv. Thier- und Schlachtenmaler. 1784:

* Friedrich Graf v. Wränget zu Stettin, GeneralfeldmarschaL. 1769: Cooks Landung auf Tahiti. 1759: Sieg der Franzosen über ein preußisches Heer bei Bergen. 1743: Stiftung der ilniversttät Erlangen. 1695: t Jean de Lafontaine, der. franz. Fabeldichter. 1508: König Heinrich IV. erläßt das Edikt von Nantes.

Eyarfreitag. Mit dem Palmsonntage, dem Tage, der seinen Namen nach der Palme, dem Symbol des Frieden«, trägt, sind wir in die stille Woche eingetrcten, und der HbhepuM dieser Woche der Ein- nnd Umkehr ist uns der Charfreitag. Sein Name Char deutet auf die über den Kreuzestod des Heilands erhobene» Klagen und die Trauer der Christen an diesem Tage hin. Er heißt auch Blut-, Kreuzes-, Leidens-, Martertag. Stiller Freitag wurde er genannt, weil jeglicher Glocken- und Orgelklang verbaten war; der weißen oder grauen Bußgewänder wegen auch weißer Freitag. Die Niederländer und Engländer bezeichnen ihn als guten Freitag. Schon im vierten Jahrhundert findet sich seine Feier, die für ihn geltenden Fastgebote aber waren nach und nach sehr streng. Er wurde der größte Bußtag, ja, man dehnte das Fasten auf 40 Stunden aus, während welcher Zeit man weder Bros noch Master zu sich nehmen durfte. Diese Strenge hielt jedoch nur einige Jaiirhnndertc an. Im späteren Mittelalter nahm seine Feier ab, und jetzt verrichten die Katholiken an ihm in Gegenden, wo der kirchliche Feiertag nicht geboten, ihre Geschäfte; nur bei den Protestanten wird er noch feierlich begangen.

Kuuüsnion Knngrr (Tnunusstraße 6). Die Pölcker'schen Gemälde bleiben, che sie an die großen Kunstausstellungen in Berlin und München gehen,nur noch heute (Freiing) ausgestellt. Morgen (Samstag) ist der Overlichtsaal wegen Aufstellung der Kollektion der Karlsruher Kimstlcrbnndes geschlossen. Herr Maler Gust. Kamp­mann ist aus Karlsruhe hier eingetroffen, um das Arrangement der Ausstellung des Karlsrnlfer Künstlerbundes in Bnngers Knnst- salon persönlich zu leiten.

Gin römischer Imperator auf der Saalöurg. Wie

dasBerliner Tageblatt" hört, hat der Kaiser der Saalburg einen plastischen Schmuck zngedncht. Bor den Thoren des Kastells soll sich die überlebensgroße Bronzestatne des römischen Kaiser« Antoninus Pius erheben, in dessen Reglernngszeit nach neueren geschichtlichen Forschungen die Errichtung jenes römischen Kastells fallt. Mit der Ausführung dieses Monumentes, das der deutsche Kaiser einem römischen Imperator crrichtet, ist der Berliner Bild­hauer Johannes Götz betraut worden, der sich schon durch seine Quadriga am Kaiser Wilhelm-National-Dcnkmal und die in der Nationai-Gallerie stehendeWasserträgerin" als Meister in der Beherrschung der antiken Linie gezeigt bat. Der Künstler wurde am Sonntag vom Kaiser im Schloß empfangen und hier mit seiner interessanten Aufgabe bekannt gemacht. Der Kaiser hatte sieb durch den Direktor der königlichen Museen, Professor Kökuls v. Stradonitz, eine Reihe von Antoninus Pius-Dar- steUnngcn, Medaillen, Gemmen und Büsten, darunter eine aus der Münchener Glyptothek, vorführen lassen und legte an der Hand dieser Vorlagen dem Bildhauer Götz seine Wünsche für die Durch­führung der Statue dar. Antoninus Pius soll ähnlich der be­kannten Figur des Germanicns in römischer Kriegsrüstnng darge- stellt werden. Das Denkmal wird auf niedrigem Sockel stehen und

(Nachdruck verboten.)

Der Charfreitag.

Kulturgeschichtliche Skizze von 81. Jülich.

Woche vor Ostern, welche die vierzigtägiae Fastenzeit ab- f n i besonders dem Andenken an Christi Leiden und Tod gewidmet ist, heißt Charwoche, von der der Dichter singt:

»Sei mir gegrüßt, o stille Woche,

Voll Schwcrmuth und voll Seligkeit,

Wo von des Todes bitterin Joche Die Liebe sterbend uns befreit!

Wie ernst, mit hcil'ger Todesmahnung,

Und doch, wie gnadenreich und mild,

Doll zauberischer Frühlingsahnung Betrittst Du wieder mein Gcfild." den heißt auch noch .-.Trauerwoche" im Hinblick auf

babm a e I ä ubet unsere Sünden, welche den Tod Jesu verursacht des^stü. Quarze Woche", weil in ihr der Heiland in bte Nacht lebten w i lnb des Todes eittging,Stille Woche", weil m den untprinn* e 'r? a ® en dieser Woche der kirchliche Gebrauch der Glocken der K??'..undGroße Woche", Ucber letztere Bezeichnung sagt Woche" d^diostomus:Wenn man diese Tage dieGroße

aae 10 geschieht es nicht, als ob sie mehrere oder längere

iefdiehmCf» n k ere . Hütte, sondern weil in ihr Christus die größten reit dcs R.^irkt hat. Er hat die Menschen von der Dien»>'^- ber nottliHW^befreit und für sie das Mahl der Liebe eins Apostel Gerechtigkeit hat er genug gethan und, wl gestrichen and das wider uns geschriebene Tod:surthcll

für sie das Mahl

" wie der eil aus-

das Kreuz geheftet^ Den höllischen Fürsten- winder j.n ^^uchten hat er die Beute nnd sie selbst als Ueber- Aus dielen gütlichen Triumphe aufaeführt (Colosser 2, 14, 15). geben rpT*n* tUn ^ en verdoppeln auch Viele ihre Andachtsubungen, selbst Almosen und üben strengere Bußwcrke. Die Kaiser

werden t.Üf? Gre Achtung gegen diese Woche. Denn in derselben Gericht«!/»« ,S(nchtlichen Verhandlungen voraenonimen, und die solchen An.« bleiben verschlossen, damit die Gläubige», freibo,t dem ?P b Zwistigkeiten, diese Tage um so ungestörter

uusgetbei I Lottes widmen können. Auch Gnadenbriefe werden laßt audi nÄh n Gefangenen die Fesseln abgenommcn. Darum iweige m,s°r^'E>e Tage ehren und statt der Palmen und Oel- Der darbringen nnscrm Herrn Jesu Christo.

c mettafl der Charwoche heißt Charfreitag. Kein Tag im

ganzen Jahr hat eine höhere Bedeutnng als dieser Tag der größten Liebe, des größten Geheimnisses innigster Gemeinschaft zwischen Gott und den Menschen. Der Charfreitag ist der Tag der inneren Einkehr, der Beichte und des heiligen Abendmahls. Ihm gilt das

Dichterwort: ^ b{r Stadt ruht hehr und groß

Des Charsreitags Sabbathsstille.

In der Kirche dunklem Schoost Drängt sich dicht der Beter Fülle.

Seinen heitern Sonncklschein Barg der Himmel tief in Trauer,

Und der Wehmuth hcil'ge Schauer Ziehen in die Herzen ein."

In der evangelischen Kirche gilt der Charfreitag als der höchste Festtag des ganzen Jahres. Doch haben die schweizerifchcn Kirchen ihn erst neuerdings eingeführt, und in Schottland feiert man ihn noch heute nicht. In der katholischen Kirche wird er nur als halber Feiertag betrachtet und in Werktagsarbeiten und zum Theil geräuschvollen Polkslustbarkeiten zugebracht. Die ersten Spuren einer Feier des Charsreitags, ebenso wie die des Ostersonntags als Anferstebungstag, begegnen uns um die Mitte des zweiten Jahrhunderts in der römischen Kirche, während in Kleinasten damals noch ganz allgemein nicht nicht der Todestag Jesu, sondern der Tag seines letzten, Passah- «ahle« nnd auch dieser nicht als bewegliches Fest an einem be- stinimtei, Wochentage, sonder» nach dem mosaischen Gesetze am 14. Tage nach dem Frühlingsncmnond gefeiert wurde. Allmählich drang jedoch die römische Feier auch in Kleinasten durch und wurde von dem Konzil zu Nicäa (325) zum allgemeinen Kirchengesetz erhoben. In der alten Kirche empsingen die, welche mit ein- oder mehr­jähriger Kirchenbuße belegt waren, am Charfreitag Absolution. Man heiligte ihn durch strenges Fasten und Meiden aller Arbeit, durch Trauer verkündende Aenderungcn der Liturgie, durch «schweigen der Glocken und Orgeln, durch schwarze Bekleidung der Kirche rc.

Der Name Charfreitag stammt von de», althochdeutschen Kar, d. h. Klage. Trauer, Schmerz, und in der Thal ist für diesen hehren Feiertag keine Bezeichnung geeigneter als diese. Wo wäre eine Menschenbrust, die nicht tiefe Trauer empfände ,m Hinblick auf den gekreuzigten Heiland! Diese Trauer hat ihren Ausdruck ge­funden in zahlreichen Legenden, die sich an den Todestag des Er­lösers knüpfen. Wie rührend ist die SageChrlstusange", jener lieblichen Blume, welche sofort dem Boden entsproßtc, der am Oelberge mit einer Thränc des Herrn benetzt worden war. Von

der Passtonsbluine erzählt man, daß in ihren Blüthen die Passions- Werkzeuge (Dornenkrone, Speer, Nägel) wunderbar dargestellt sind, und daß in ihnen eine Wchmnthsthräne glänze. Auch die Dornen trauern uni den Tod des Herrn.In der Nacht, als der Herr seinen Leidensweg antrat, durchtobte tiefer Schmerz selbst die Natur. Denn als der Gottessohn bei dem wilden Dorncn- bnsche vorbeiging, da lispelte Ach! und Weh! durch dessen grüne Zweige, well er der Stirn des Heilands so tiefe Wunden reißen solltet Der Herr wandte seine» Blick zu ihm und sprach: Was kannst Du dafür, wenn rohe Hände einen Kranz von Deines! Zweigen flechten, ihn mir nufs Haupt setzen nnd mit einen, Stab die spitze» Dornen in Stirn und Schläfen treiben? Zum Zeichen Deiner Unschuld sollen die Engel Dich umkleiden mit einem weißen Blüthcnkleid heute und so oft der Gcdächtnißtag an meine Leiden wlederkehrt. Dann streckte der Herr seine Segenshand aus, und der düstere Schlehdorn schimmerte hell auf in weißer Blüthenpracht."

Als vom Kreuz herab dasEs ist vollbracht" erscholl, da steckten alle Blumen und Bäume die Köpfe zusammen und er­zählten sich von der großen gottmenschlichen That. Mächtig rauschten die Cedern des Libanon, und die Weide von Babylon lispelte leise: Ach, nun ist er hin."

Und sie senkt seitdem die Zweige,

Bleiches Laub zur Erd' herab,

Wird zur stillen Trauerweide An des lieben Heilands Grab."

Jesus neigte sein Haupt und starb. Da durchbebte ein Zittern alle Bliithen, Blätter und Zweige. Nur ein Baum, die Efpc, .ließ die Blätter ohne Leben in die Lüfte ragen, gleich, als ginge sie das nichts an." Da schlug der finstere Todesengel Astaroth mit seinem gewaltigen Schwerte in die Wurzel des mttleiblofen Baumes, daß jede Faser desselben erzitterte. Und als der Friede der Versöhiinng die Natur dnrchströmte, da war es die uiigluckliche Eive allein die noch immer zitterte und bebte, und noch jetzt lastet dieser Fluch des Entsetzens a»f ihr. Wenn rings umher tiefe Stille und Ruhe sich über Wälder nnd Auen lagern, zagt und zittert sie und heißt Zitterpappel bis aus de» heutigen Tag.

So schlingt sich um den Charfreitag noch manche fromme Sage, von der das Wort ChamissoS gilt:

ES war von uilseren Vätern mit Treue uns vermacht

Die Sage, wie die Väter sie ihnen überbracht.

Wir werden unseren Kindern vererben sie aufs Neu:

Es wechseln die Geschlechter, die Sage bleibt sich treu."