Seite 2 . S April lȟO.
Wiesbadener Tagblatt (Abend-Ausgabe). Verlag: Langgasse 27 .
4S. Jahrgang, sio. i« 7 .
reizt. Was den Ertrag einer inländischen Schaumwein
steuer anbelangt, so wird er sich auch in mäßigen Grenzen halten. Die Flotte wird also nicht auf Sekt schwimmen.
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* Kretin, 9. April. Der Kaiser hat, wie der „Lokal- Anzeiger" zuverlässig erfährt, dem kriegsgerichtlichen Erkenntlich zegen den Leutnant in der südafrikanischen Schutztruppe Prinzen sonArenberg die Bestätigung versagt. Nach unwidersprochenen Angaben war das Urtheil im Verhältniß zu der Stratthat sehr milde ausgefallen.
Kolonialdirektor v. Buchka hatte infolge der durch die Blätter verbreiteten Nachrichten über aufrührerische Bewegungen in der Kolonie Kamerun auf den 5. d. M. eine Konferenz der Plautagenbesitzer zusammcnberufeu, an der auch der Gouverneur o. Putlkamer Theil nahm, um sich über diese Dinge zu informiren und Maßregeln zur Beseitigung der vorhandenen Arbeiternoth zu treffen. Aus den Verhandlungen ergab sich, der „Natioual-Zeitung" zufolge, daß jene beunruhigenden Nachrichten vielfach übertrieben leien und daß die Gefährduiig einzelner Plantagen mehr auf lokale Ursachen und vereinzelte Vorfälle zurückzuführen seien. Die Meldungen von einem allgemeinen Aufstande seien llnbegründet. Dagegen wurde festgestellt, daß allerdings zur Zeit ein bedenklicher Mangel an Arbeitern vorhanden sei, dessen Beseitigung sich zu einer Bedingung für das Gedeihen des Plautageubäues hcraus- gestellt habe.
* Die Vergehen gegen dir Sittlichkeit von Seiten der katholischen Geistlichkeit in Bayern scheinen sich in letzter Zeit derart gehäuft zu haben, daß auch ultramontane Blätter, von einer gewissen Bangigkeit ergriffen, nicht umhin können, auf diese betrübende Erscheinung Hinzumeisen. So schreibt selbst der gut katholische „Bayrische Courier" in München: „Es ist zu viel! Irgendwo muß doch ein Grund zu finden sein für diese in letzter Zeit sich häufenden betrübendstcn Erscheinungen. Vertusche» hilft nicht mehr, sondern Aufdecken der Wirklichkeit, damit man den Gründen nachzuforschen veranlaßt ist." Der Grund ist doch sehr leicht zu finden: Das naturwidrige, gegen die göttliche Ordnung »er Dinge dekrctirte Cölibat der katholischen Geistlichkeit.
Airsland.
, * Griechenland. Der Zeitung Asty" zufolge leidet der König an einer Ohreu-Entzündung. als Folge eines Influenza- Anfalles. Er wird sich demnächst nach Wien begeben, um einen Spezialarzt zu konsultiren.
* Türkei. Die Botschafter überreichten der Pforte eine Kollektiv-Note, worin sie die einseitige Zoll-Erhöhung für undurchführbar erklären. Sie seien jedoch bereit, mit der Pforte diesbezüglich zu verhandeln, wenn die Regierungen zustimmen.
* Vereinigte Ktaate«. General Otis ist auf seinen Wunsch von dem Oberkommando auf den Philippinen enthoben. General Mac Arthur ist zu seinem Nachfolger ernannt.
Der Krieg in Südafrika.
Lord Roberts in der Klemme.
Unser Londoner ».-Korrespondent schreibt uns unterm 7. d. Mts.: Während man sich in England in zahllosen Versammlungen und in der Presse darum streitet, wie das Fell des Bären vertheilt werden soll, sobald man ihn gefangen, sitzen die wackeren Jäger in Blocmfontein zähneklappernd gewissermaßen auf einem Baume und wehren den sie bedrängenden Bären init Fußtritten ab. Die Stiefelabsätze haben sie dabei schon verloren, die Sohlen dürften bald auch noch flöten gehen, und wehe den Baumhelden, wenn es der erhofften Jagdbeute gelingt, sie bei den Beinen zu packen. Die heutigen Zeitungen melden nun schon
wieder einmal einen „Unfall", der fünf Compagnieen Infanterie zugestoßen ist, und die infolgedessen spurlos verschwunden sem sollen. Gleichzeitig sprechen sie von einein „glänzenden Erfolg", den Lord Methuen über 54, sage vierundfüufzig Buren, oder wenigstens über Angehörige des französischeu Corps der Transvaal-Armee, davongetrngen hat. Methuen telcgraphirte, er hätte vier Stunden mit den 54 Männlein gerungen, kein einziger ei ihm entwischt und seine Soldaten hätten sich heldenmüthig ge, chlagen. Dieses Vorkommniß überhaupt zum Gegenstand einer be- onderen Depesche zu machen, zeugt entweder von verblüffender kindlicher Naivität oder albernster Selbstüberhebung, und die englische Kriegs- führung ist heute noch estcuso stümperhaft, als vor dem Erscheinen Roberts' auf der Bildfläche. Besäßen die Buren nur etwa 30,000 Mann mehr als die kleine Armee, über die sie jetzt verfügen, so würde Roberts wahrscheinlich sehr bald, wenn auch nicht als Sieger, nach Pretoria gelangen. Der greise Feldmarschall war bisher, geradeso wie alle die Generale unter ihm, allzu sehr über seine Erfolge erbaut, über die er, wie z. B. anläßlich der Gefangennahme Cronjes mit seiner kleinen Schaar durch ein mehr als zehnfach überlegenes Heer, in der selbstgefälligsten Weise berichtete Alles, was er bisher leistete, war dabei eigentlich die Ansammlung einer überwältigenden Streitkraft mit
nur die Ansammlung . ...,
ihren Trains und der Einfall in ein Lauch in dem er sicher sein konnte, vor der Hand auf keinen neunenswerthen Widerstand zu
S oßen. Die Berichte über den geradezu freudigen Empfang, den im die Freistaatbürger bereiteten, sowie über den gewaltigen Eindruck,,den seine Proklamation auf dieselben machte, erscheinen nun, wo wir hören, daß die Bauern im Rücken des englischen Heeres wieder allenthalben zu den bisher versteckt gehaltenen Waffen greifen, und Roberts sogar gcnöthigt war, über Blocmfontein den Belagerungszustand zu verhangen, in recht eigenthümlichem Lichte. Daß ee größeren Burenabthcilungen möglich ist, nicht nur von den Engländern unbemerkt in demjenigen Theile des Landes
Kunst nnd Krben.
. * Restdenz-Theater. Samstag, den 7. April, Erstaufführung: .Die große Glocke". Lustspiel in 4 Akten von Oscar Blume u- ihal. Regie: Hans Manussi. Blumenthals „Große Glocke" ist hier bereits, wenn auch noch nicht durch das Rauch'scbe Ensemble, bekannt geworden. Das lustige Stück, in dem bekanntlich einem jungen Künstler dargethan wird, daß die von einer „Protektionöse" eifrig für ihn geschwungene große Glocke der Reklame keine dauernde Berühmtheit schafft — zun. Glück findet sich dann für das Opfer noch ein bescheideneres Gebiet für sein hübsches Talentchen — wirkte aber doch noch wie eine interessante Preiuicre, denn das Haus war stark gefüllt, wenn nicht ausverkauft. Der Weiße Rößl- Oscar, dem die „Große Glocke" ja auch bekannt ist, hat eben noch sein Publikum, und Autoren seines Genres werden es behalten so lange das lluterhaltungsbedürfniß den Drang nach einer wcrthvolleren, künstlerischen Erbauung übcrwicgt. Das Rauch- Ensenible that Alles, um die leichte Kost durch pikante Zulhaten den Leuten noch schniackhafter zu machen und wußte das Haus zu lebhaften Beifallsstürmen zu veranlassen. Besonders thatcn sich durch flottes und charakteristisches Spiel hervor Fräulein Ko llend t und Fräul. S chenk, die feindlichenProtcktorinnen,Herr Manus si als Konsul Gundermann und Herr Wieske als Bildhauer Bogt. Schade, daß wir diesen trefflichen Künstler auf den Herbst verlieren werden. Diese Darsteller erzielten mehrfach Beifall auf offener Scene, aber auch die andern Mitwirkenden standen tapfer auf dem Plan, so u. A. die Damen Tillmann, Krause und Ferida und die Herren Kienscherf, Widmann, Rosenow und Schuhniann.
ler ernngelische Kirche,«gesang-Verein veranstaltet.
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angerln von hier m,d die Herren Theodor Schäfer. Mitglied o»r Kurkapclle <B,°line, uud Adolf Wald (Orgel). Fräulein «locke singt: „Erbarme Dich", Arie aus der Matthauspassion von CO- Bach, „Da er geplagt und gemartert ward". Arie aus
umherzuziehen, durch den die englische Kommunikationslinie
fuhrt, sondern auch in unmittelbarer Nähe Bloenifonteins die erfolgreichste Aktivität zu entwickeln, verursachte hier in England geradezu die größte Verblüffung. Man vermuthet, daß die Pferde der Roberts'fchen Reiterei nicht länger tauglich seien und das Heer dadurch zur Untbätigkeit gezwungen werde. Soeben trafen indeß 10.000 frische Pferde in Durban ein, doch wenn die Buren unternehmend wie bisher bleiben, dürfte es ihnen vielleicht gelingen, denselben den Weg nach Bloemtontein abzuschneiden Roberts muß aber natürlich Alles aufbieten, um seine Kommunikations- lime wirksam zu schützen, was aber nur auf Kosten der ihm gegenwärtig zur Verfügung stehenden Streitkraft iuöglich wäre, falls er nicht fernere bedeutende Verstärkungen herauzuziehen vermag. General Buller, der seit dem Entsatz von Ladysmith vollständig linthatlg rn Natal verblieb, tonnte solche leicht abgcbcn. und er hatte ja auch bereits eine Division zu diesem Zweck in Durban emgeschifft. Roberts überlegte sich die Sache aber schließlich anders, sandte die Truppen wieder zu Buller zurück und sitzt nun in der Patsche. Wie hoffnungslos die Lage der Buren auch inimer sein mag, so ist das doch nur der Uebermacht ihrer Feinde, nicht aber der Tüchtigkeit des Heeres derselben und seiner Führer zuzuschreiben
* * *
wb. London, 9. April. Das „Reuter'sche Bureau" meldet aus Brandfort vom 2. d. M.: Aus dem Lager des Komman- danten Dewet bei den Wasserwerken an> Modder River ist eine vom 1. d. M. datirte Depesche eingeganac», welche besagt: Freitag Nacht erhielt Dewet die Nachricht, daß eine britische Truppe, welche seit Kurzem Tabanchu besetzt hielt, infolge des Anmarsches Oliviers von Süden her den Ort räume. Dewet beschloß, dieselbe abzufangeii, und gelangte nach einem brillanten Nachtmarsch M den Amla Kopjes bei den Wasserwerken nördlich vom Modder /wer. Dewet fand das britische Laaer ohne Vorposten friedlich Sofort brachte er eine Batterie in SteUung. jZ. Mann besetzten die strategischen Punkte rings uni die Engländer. Die Sektionen aus Kroonstad und Bloeinfontein nahmen dicht bei den Gebäuden der Babnstation und unterhalb der Drift Stellung. Als das Tageslicht weit genug vorgeschritten war, wurde das Signal gegeben. Die Geschütze begannen das englische Lager mit Shrapnels und Kartätschen zu überschürten. Es folgte eine große Verwirrung. Die englischen Arfilleristen stürzten zu den Geschützen und eilten der entfernten Stellung zu. Dies verursachte Freude bei den Mannschaften aus Wicnburg und Bethlehem. Dieselben galoppirten angesichts des Gcwehrfeuers der Engländer, welche sich von ihrer Bestürzung nicht erholten, über das offene Feld. Dewet spornte die Leute an und ritt über das freie Fe d ohne Deckung auf die Stellung der Engländer zu. Währenddessen sprengte die englische Batterie auf eine dicht von den Buren besetzte Anhöhe. Kein Schuß wurde abgegeben che die englische Artillerie auf 80 Zjards herangekommen war. Dann aber erdröhnte die Luft von dem Schall des Gcwehrfeuers. Die Bespannung der Geschütze wurde reihenweise mit der Bedienung niedergeschossen. 7 Geschütze fielen in die Hände der Freistaatbnren.
hd. London, 9. April. Aus Bloeinfontein wird vom joMril gemeldet: Der Burengeneral Lcmmer hatte 5000 Mann (?? englische Meldung) bei sich, als er die englische Kolonne unter dem Obersten Broadwood überraschte und dieser 600 ~
ivhm. Die Zahl der ihm jetzt zur Verfügung stehenden wird insgesammt auf 6000 Mann veranschlagt. — Den
Mann ab- Truppen
7:7 v — L-e» „Times"
wird aus Boshof vom 7. gemeldet: Lord Methuen begab sich heute Morgen nach Schwartkopje-Fontcin, 10 Meilen von Boshof Er fand keinen Widerstand. - Auf Befehl Lord Methuens ist General Villebois mit den übrigen Offizieren, welche bei jenem Kampf gefallen sind, beerdigt morden.
wb. Koohof, 6 April (Reuter.) Eine 'große Anzahl der von Methuen ge>nachten Gefangenen sind Franzosen. Villebois- Marcuil wurde heute mit militärischen Ehren beerdigt.
-wb. London, 8. April. Das „Reuter'sche Bureau" meldet aus Bloemfontein vom 7. d. Mts.: Der Bruder des Präsidenten Stejn, der in der Nähe von Karee gefangen genommen wurde, ist heute ,n Bloeinfontein eingetroffen. — Nach einer Meldung aus Pretoria vom 2. d. MtS. verloren die Engländer im Kampf bei den Reservoirs von Bloemfontein 11 Kanonen und 2 Waggons mit Munition.
wb. London, 8. April. Das „Reuter'sche Büreau" meldet ausBethany vom 5. April: Die gefangenen 5 Compagnieen wurden überrascht, als sie quer durch das 'Land nach Smithficld über Dewetsdorp marschirten. Di« Truppen hatten keine Kanonen. Rcddersbnrg ist von den Engländern wieder besetzt. Der Feind bedroht die englischen Verbind,ingen im Süden. — Eine weitere „Rcnter"-Dcpesche aus Aara vom 7. April er. besagt, daß der Gouverneur und seine Gemahlin voraussichtlich sich in einem Fort von Kuinassi befinden. 2 Offiziere wurden verwundet. Einzelheiten über die Empörung der Aschanti-Stämme fehlen.
bch London, 9. April. Ans Bloemfontein wird vom 6. d. Mts. gemeldet: Der Feind hat eine neue Truppenbewegung m der Gegend von Karee, 18 Meilen nördlich von Bloemfontein ausgeführt. Das Gefecht am vergangenen Mittwoch bei Mestcrs Hok hatte schlimme Folgen für uns, da die Buren dadurch in die Lage versetzt wurden, ihre Flankenbewegung zu beendigen, sodaß sie augenblicklich in einer Linie südlich von Sannabspost und öst- lich von Jagersfontein stehen. Die Eisenbahn ist zwar genügend geschützt, doch benöthigt ihre Bertheidigung einen scharfen Patrouillen- * & Die Frage des Schatzes der Freistaatler, welch- dem Aufruf Lord Roberts nachgekonliuen sind, ist dadurch erledigt worden daß dieselben als Flüchtlinge im englischen Lager Unterknuft finden' wb. London, 8. April. Das „Reuter'sche Büreau" meldet aus Simonstown vom 7. April: In vergangener Nacht sind niludestens 30 Gefangene entflohen, von denen jedoch 6 bald darauf und 3 später wieder eingefangcn wurden. Die Behörden entdeckten
einen neuen vollständigen Tunnel bis 5 Fuß vom Flußufex t
fcrnt. — Aus Bloemfontein wird vom 7. April gemeldetd, eine beträchtliche Streitmacht der Buren die Eisenbahn bedrA- welche indessen gut bewacht wird. Die englischen Vorposten Ä springsield, 8 Meilen von hier, wurden heuie von den Buren am gegriffen, welche von dem Reservoir aus vorrückten. Die Eisenbalw. brücke von Glen ist fertig. Jetzt werden Schienen gelegt. . >^7^
«b. Lon»on, 9. April. Das .Reuter'sche Büreau" meldet an, Aliwalnorth vom 7. d. M.: 7 Conipagnieen irischer Schn!;- und 2 Conipagnieen Freiwilliger kamen gestern von Ronsville hm an, gedeckt durch 2 Schwadronen Grenzreiter, welche von Braba3 entsandt waren, um de» Feind an der Vereitelung dieser Beweaunr zu verhindern. Ein Leutnant und 2 Mann von den GrenzrettÄ werden vermißt. Die Buren verloren 2 Tobte und 1 VerwundeM bä. London, 9. AprU. Aus Wepener wird vom 6. April gemeldet: Die Buren drohen die Grenze des Basuto-Landes au überschreiten. Auf Anrathen des englischen Kommandanten 8 Lagdcn hat der Basutochef den B-fehl gegeben, eine Demonstratio« an der Grenze auszuführen und sich derfteberschrcitung derGrem, Seitens der Buren zu widersetzen. ^
bä. Kerlin, 9. April. Das „Berliner Tageblatt" meldet aus London: Ein Telegramm aus Ladysmith berichtet: Ei« schottischer Farmer, welcher in der Nähe von Olivers-Hock-M wohnt,_ ist hier angekommen und hat berichtet, daß deutliche Zeichen dafür sprächen, daß die Bure» von den Bigqarsbergen ,n der Absicht heranschliche», Natal wieder zu besetzen oder' wenigstens wieder Streifzüge durch die Kolonie zu unternehmen. Der Farmer hat Buren-Abtheilungeu mit Bagage heranziehen und Zelte errichten ■— Gatacre hat sich jetzt nach Bethany zurückgezogen infolge von Instruktionen aus Bloemfontein, denen zufolge er die Verbindungslinie offen zu halten hat. Die Buren sollen in beträchtlicher «tärke Heranrücken. Ein starkes Kommando soll sogar di« Lmie von Bethany-Station besetzt haben in der Absicht, die Eisenbahnlinie zu zerstören. Es heißt, daß die Buren in diesem BeM unter dem Befehl des Generals Dewet stehen.
bä. London, 9. April. Ein Telegramm aus Springfontein vom Donnerstag meldet: Die Freistaatler von Reddersburo welche trotz ihres Untcrthanen-Eides sich wieder erheben und uut dm Buren vereinigen, haben die britische Flagge herabgerissen und die Freistaat-Farben gehißt.
wb. London, 8. April. Ein Telegrainm des Reuter'schen Korrespondenten in Leb o m bo (Swaziland) schildert die Lage des Landes als eine schreckliche. Die Regimenter der Königin (Queens Jmpis) im Swaziland metzeln die schlecht angesehenen Häuptlinge mit Familie und Gefolge massenhaft nieder.
bä. pnrio, 8. April. Das Testament des Obersten Villebois
ist gestern eröffnet worden. Der Verstorbene wünscht darin, daß er dort begraben werde, wo er stirbt. Der Bruder des Obersten, welcher sich bekanntlich nach Südafrika begeben wollte, um die Leiche nach Frankreich zu schaffen, wird infolge dessen seine Absicht aufgeben. lieber 2000 Beileids-Telegramme, darunter auch von Döroulöde, sind bei der Familie des Obersten eingetroffen. Dr. Leyds ist persönlich erschienen, um sein Beileid auszudrücken. Der Generalkonsul von Transvaal in Paris hat ebenfalls der Familie das tiefste Beileid im Namen seiner Regierung ausgesprochen.
bä. London, 8. April. Das Kriegsministerium veröffentlicht heute keine weiteren Depeschen vom Kriegsschauplatz. Im Laufe der nächsten Woche werden 26 Offiziere und eine große Menge Geschutzniaterial nach Kapstadt abgehen. Ebenso soll demnächst Eisenbahnmaterial zu Verschiffung gelangen,
bä. London, 7. April. Unter den Transportthiercn in Ladysmith ist die Lungenseuche ausgebrochen. — Der „Standard" veröffentlicht einen Aufruf, welcher alle Engländer auffordert, bei ihren Sommerreiscn Belgien zu meiden.
Ans Stadt nnd Kand.
Wiesbaden, 9. Avril.
Geschichtskalender. 9. April. 1886: f Viktor v. Scheffel Karlsruhe. 1868: Angriff der Engländer auf Magdala in effynien. 1865: Waffenstreckuna des Generals der amerikanischen Sudstaaten Lee zu Appomatox Court House. 1848: Gefecht bei Bau gegen die Dänen. 1843: > Adelina Patti zu Madrid, de
in
rühmte Sängerin. 1836: * Friedrich Graf v. Älvcnslcben zu Erx- leben. Diplomat, außerordentlicher Gesandter in Brüssel. 1801: Sieg der Engländer über die Franzosen bei Ramajeh in Egypten. 1762: * Friedrich Graf Kleist von Nollendorf, berühmter Heerführer während der Befreiungskriege. 1751: * Emanuel Schikaneder zu Regensbilrg, Lustspiel- und Operntextdichter (Zauberflött) 21. September 1812 zu Wien). 1847: ch Leopold I., Fürst von ilnhalt-Desjau, der „alte Dessauer". 1888: Sieg der Eidgenossen über die Oefterreicher bei Näfels. 1241: Mongolenschlacht bei Wahlstatt in Schlesien, Tod Heinrichs II., Herzogs von Schlesien.
gs. Uestden? - Theater. Bei der Neueinstudirnng von „Madame Sans-Genc" hat es sich gezeigt, daß das reizende, geistvolle Lustspiel wiederum seine Zugkraft ausübt. Dasselbe geht Dienstag bereits zum 18. Mal in Scene. Auch „Odette" von Sardou erzeugte das gleiche Interesse und wird am Mittwoch mit Herrn Dr. Rauch als Grafen v. Clermont-Latour und Fräulein Kollendt in der Titelrolle wieder zur Aufführung gelangen. Die Besetzung der anderen Rollen ist dieselbe geblieben. Donnerstag
hauspieis „Gekaufte Liebe" nach dem „ . , ... — Rauhonys, für die deutsche Bühne
eingerichtet und bearbeitet von Dr. Rauch, statt. Das Stück erregte bei seinen früheren hiesigen Aufführungen das größte Interesse und hat auch jetzt am Stadttheater in Regensburg starke» Erfolg gehabt.
ä. Der Vortrag, de» Karl Uenfetd, der ehemalige Gefangene des Mahdi, gestern Abend im großen Kasinosaal hielt, war, wie nicht anders zu erwarten in Anbetracht des illustren Redners,
„Christus" von Kiel und ein geistliches Lied von Otto Dorn. Herr Schäfer spielt Adagio E-Dur von J. S.Bach, Andante von Godard und Preghiera von Bazzini. Der Verein singt Chöre von Vortniausky v. WUm und ein größeres Opus mit Orgelbegleitung von Wilhelm Sturm Die Veranstaltung wird eiugcleitet und geschlossen durch Genie,,idcgesnng. Wir heben nochmals besonders hervor, daß der Emtritt frei ist und daß die Texte der Gesänge am Eingang der Krrche für 10 Pf. zu haben sind. Wir empfehlen den Besuch aufs Wärmste.
m H- L'nnlifurter Schauspielhaus, 8. April. Daß der Prophet , 1 « Vaterland doch etwas gilt, bewies die gestrige Auf- fulKiutg Don Ludwig Fuldas neuem Märcheiischwauk: „Schlaraffenland . Ware cs nicht das Werk eines beliebten und geehrten Landsmannes gewesen, das Werk eines „Hiesigen", wie es im Dialekte heißt, so wurde das Publikuni gewiß mit weniger Geduld und Liebenswürdigkeit d,e mancherlei Längen und Weitschweifigkeiten hiiigeiiomnien haben. So aber folgte es aufmerksam den flüssigen Reiulen Fuldas, und dieser Aufmerksamkeit ist es zu danken, daß das Schone und Wahre, das in des Dichters poetischem Schwanke liegt, verstanden und gewürdigt wurde. Der Beifall war nanicnt- lich nach de», sehr schonen Schlußwort, von Herrn Diegelmann vorzüglich gesprochen, warm. Die Aufführung war überhaupt gut. Bcloiiders Herr Fricke als Lehrbub „Veit" zeigte sein schönes, jugcudfrisches Talent in hervorragender Weise.
. r* ^5';l'>!iede,>e K!itt1)eiI,„.gen. Von dem alljährlichen „großen Abschub an der Kgl. Bühne sollen diesmal nicht weniger als 16 Solo-Mitglieder, der Oper und des Schauspiels betroffen wcroell. Ob man wohl etwas Besseres dafür wieder bekonunt?
»V “Ä • Ziegler lil München ist, wie die dortigen „Neuest. Nachr. melden, von Herrn v. Hülsen eingeladcn worden, der de» Mal-Festvorstellungen in Schillers „Demetrius" die „Marfa" M.W"kN. Das Genie der großen Münchener Tragödin, die wir feit Zähren an der hiesige» Kgl. Bühne nicht mehr sahen, wird jedenfalls die Festspiele noch anziehender machen und kann man ^ n . nut gratuliren, daß er für eine künstlerisch wahrscheinlich eunvaudfreic, bedeutsame Besetzung jener Rolle
.Josef,Laufs hat sein neues, umfangreiches Epus „Die Geißlerin", dem eine Geißlerfahrt nnd Judenverfolgung im alten Worms als Stoff zu Grunde liegt, soeben beendet. Es wird im Herbst als Buch erscheinen. Das bedeutsame Werk dürfte das hervorragendste unter den Epen des Dichters sein, welche durch die Schönheit ihrer Verse ebensosehr wirken, wie durch ihren großen Stiminungsgehalt und ihre außerordentlich plastische Darstellung.
Die Versammlung des Goethe-Bundes in München am 7, d. M. war von annähernd 5000 Personen besucht und gestaltet« sich zu einem Ereigniß. Als Sudernmnn über die geistige Ver- briidcrung von Nord und Süd im Zeichen Goethes sprach, erhob sich ein miniitenlnnger, begeisterter Beifall. Folgende Resolution wurde mit etwa 5000 gegen 2 Stimmen unter stürmischen Beifallskundgebungen angenommen: Die Versammelten protestiren von Neuem gegen alle offcucn und versteckten Angriffe auf die Freiheit von Kunst und Wissenschaft und bringen ihre lebhafte Zustiiumuilg zu den Bestrebungen des Goethe-Bundes zum Ausdruck, welche sie Mit allen Kräften unterstützen werden.
Eine in Dresden stattgehabte Protest-Versammlung, an der über 1000 Schriftsteller, Künstler und Kunstfreunde Dresdens theilnahmen, beschloß einstimmig, den Bundesrath zu ersuchen, dem Kunst-Paragraphen der lex Heinze die Zustimmung nicht zu cr- theilen.
Der deutsche Historikertag hat in seiner Sitzung am Samstag beschlossen, den nächsten Historikertag Ostern oder Herbst 1902 in Heidelberg abzuhalten.
Hartlebens „Erziehung zur Ehe" halte im Münchener Schauspiclhausc einen starken Erfolg. Das Stück wird in nächster Saison auch im hiesigen Residenz-Theater, wo die geistvolle Kunst Hartlebens bereits Bürgerrecht erworben, zur Ausführung gelangen.
Im Bremer Stadttheater wurde Echegarays Schauspiel „Das Brand mal" mit großem Erfolge ausgeführt.
In Altenburg ist eine Oper „Der Pulver in acher zu Nürnberg" von Philipp Bade, Lehrer an der Mannheimer Hochschule für Mu>ik, erfolgreich aufgeführt worden. In der nächsten Saison wird die Oper am Karlsruher Hoftheater in Scene gehen.
