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«8. Jahrgang.

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Verlag: Langgasse 27.

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Abend «Mussali©.

(Nachdruck verboten.)

Der südafrikanische Krieg und die Friedensgeseüschaften.

Vorschläge zur Bildung eines neuen Vereins.*)

1 .

Nachstehendes sind die wesentlichsten Abschnitte aus dem Normal-Statut der „Deutschen Friedensgesell.

schüft".

8 1. Der Zweck der „Deutschen Friedensgesell- schast" ist, die Idee der friedlichen Verstäudigung zwischen den Völkern in immer weiteren Kreisen zur Geltung zu bringen.

Z 2. Als Mittel zur Erreichung dieses Zwecks dienen:

1. Veranstaltung öffentlicher Vorträge.

2. Thunlichste Einwirkung auf die öffentliche Meinung durch die Presse,

3. Anlegung und Benützung einer Büchersammlung,

4. Verbreitung von einschlägigen Flugblättern und Druck­schriften, . .

5. Gemeinsames Abonnement von Friedenszeitnngen, sowie zeitweilige Zusammenkünfte der Mitglieder zu gegen­seitigem Gedankenaustausch,

6. Beschickung der Kongresse. „ .

§ 3. Mitglied der Gesellschaft kann Jeder werden, der sich tm Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befindet und seinen Beitritt beim Vorstand schriftlich oder mündlich anmeldet.

Der jährliche Beitrag beträgt mindestens 1 Mk.

(Anmerkung des Schreibers: Dieser Paragraph ist eigentlich recht unmenschlich. Man braucht ja solche Leute gerade nicht in den Vorstand zu wählen I)

8 4. Der Vorstand ist berechtigt, Mitglieder auszuschließen, welche beharrlich ihren Pflichten gegen die Gesellschaft nicht Nach­kommen oder die Zwecke der Gesellschaft schädigen. Gegen den Beschluß des Vorstaildes steht dem betroffeneirMitgliede die Berufung än die nächste Jahresversammlung zu.

_ . 8.5. Jedes Mitglied einer Ortsgruppe ist dadurch von selbst Mitglied der „Deutschen Friedensgesellschaft". Die Beiträge der Mitglieder der Ortsgruppen sind an den Vorstand derselben zu entrichten; die Hälfte der eingegangenen Beiträge hat der Vorstand der Ortsgruppe an den Vorstand der „Deutschen Fricdensgesellschnft" abzuführen, während er die andere Halste sür örtliche Zwecke ver­wenden kann.

Es folge» dann noch weitere 10 Paragraphen, welche mehr die innere Organisation und Führung des Vereins betreffen und von keiner Wichtigkeit für die Beurtheilung des praktischen Werthes desselben sind.

Dieses sind also, wie gesagt, die wesentlichsten Satzungen der Fricdensgesellschafl.

Die Meinungen über die Aussichten derselben, als Friedensvermittlerin, gehen noch immer himmelweit aus" einander. So viel aber steht fest: obwohl die Stiftung des Vereins doch schon einer entlegenen Zeit angehört, hat er noch keinen bemerkbaren Einfluß auf die kriegerischen Ver­wickelungen unserer Zeit im Interesse des Friedens zu äußern vermocht. Wenn das Wehen eines Friedcnslüftchens sich im vergangenen Jahre bemerkbar machte, so hatte das mehr feine eigenen, besonderen Ursachen und scheint heute auch schon wieder ganz erstorben zu sein.

Die Mitglieder der Friedensgesellschaft, freilich, stärken Men Muth an dem Anblick der in letzter Zeit erreichten Ausdehnung derselben. Wir wollen das gern zugeben: der ^ nt nun ""ch in Deutschland viele neue Ortsgruppen beschaffen und manches Herz für die große Aufgabe ge­wonnen; doch das geht gewöhnlich so mit dem Eifer für bas Gemüth bewegende, ideale Sache; wenn aber erst ?or Rei; der Neuheit abgethan ist und das Unternehmen aus welchen Gründen nicht recht voran kommt, so verliert IT wJr ^ nieder das allgemeine Interesse. Halten wir k » ~" em cm dem heutigen Können der Friedensgescllschaft , südafrikanische Krieg bot schon seit langer Zeit me Gelegenheit zur Entfaltung einer umsichtigen, thatkraftigcn nnedcusagilation. Jahre lang schwebten die Differenzen.

lnn0 h"ttc sich der Streit zugespitzt. Die ganze ffitlv te WAt, außerhalb Englands, glaubt, den Beweis der können, daß das britische Reich mit

„uw ^ 110 dieses Kriegs ein schweres Unrecht begehe.

.demokratischen Verfassung Englands lag die Ent- M??" 0 darüber bei dem Volk - einer Nation, die sich brüstet, fair play zu lieben, und daß Recht und LAigke, unter seiner Flagge überall in der Welt hoch- ains, fiw v"' süchtige britische Stimmen erhoben sich die Sache des Friedens und der Gerechtigkeit; 5l:i ® oI . E war schon seit alten Tagen durch die der britischen m ? 'üngster Zeit auch durch die Mehrzahl hinsichtlich des BurenvolkS so irre- ‘ ° r ^ C n' ^ne einzige, von tönenden Phrasen sosent sie die Haltung der Buren zu charaktcrisiren ntni k °der Entstellung der Thatsacher. I -ohende Re de Chamberlains genügte, um der gerechteren

i>r ist einen! Manuskript des Herrn Heinrich

Üande ? e ' lt P°mmcn, welcher sich mit diesem Gcgcn-

am r buchst und nebenbei gewissermaßen als Antwort auf die ^terßn,^- ^I.bwses Jahre« von Chamberlain im britischen näckst^?,n ^baltene Rede auJufasicn ist. Die Schrift >vird dem­nächst tm Druck erscheinen. Anmerkung der Red.

in England unvorsichtig genug ist, in der Ocffentlichkeit darauf hiuznweisen, daß die britische Regierung den Krieg provozirt habe und daß man die traurigen Folgen dieser Provokation ihr selbst und nicht dem Feind nur anrcchnen dürfe, ist kaum noch seines Lebens sicher. Daß dieser Krieg entstehen und die Verhältnisse so aus­arten konnten, bildet gewissermaßen eine Anklage gegen die Thätigkeit der Friedensvercinigung. Welche Entschuldigung sie auch Vorbringen mag: wir stehen vor der Thalsache, daß ein Krieg nicht verhindert ivorden ist, den eine Friedens­gesellschaft hätte verhindern können. Wir haben ein Recht zu fragen, warum das nicht geschah?

Ich denke mir, daß diese ganze Friedensbewegung, und gar erst die Friedensvcrmittelung, mehr wie ein Geschäft betrieben sein wollen, wenn sie Erfolg haben sollen. Grund­bedingung ist daher auch, daß man sich hierbei mindestens über seine. Mittel und Pflichten völlig klar werde. Sah die Friedensvereinignng ihre Aufgaben von dem Stand­punkte an, so hatte sie es in dem vorliegenden

Falle mit drei Faktoren zu thun: 1. mit dem Buren­volke; 2. mit der Politik beS Ministeriums Salisbury und 3. mit dem britischen Volke. Das Bnrenvolk mag mit diesem Krieg im Recht sein; zu gleicher Zeit aber entwickelte cs doch eine verhängnißvolle Starrköpfigkeit, und das war ein großer, politischer Fehler. Sache einer wachsamen

Friedens-Gesellschaft wäre es gewesen, die alte Erfahrung zu beherzigen, wonach die Vorbeugcmittel auch den besten Kur verfahren vorzuziehen sind. Die Friedens-Gesellschaft war in der Lage, dem Präsidenten Krüger und, falls . nölhig, auch noch seinem Volke direkt zu erklären, daß sie gerne bereit sei, ihren Einfluß in England im Interesse des Friedens und der Gerechtigkeit geltend zu machen, dem Transvaal aber doch den Rath geben müsse, die Dinge nicht mehr, als unbedingt uöthig sei, auf die Spitze zu treiben, weil ein solches Verfahren denn doch schließlich ernste Tage sür die Republik mit sich bringen könne und das Fricdens- werk erschwere. Ob der Einspruch die nöthige Wirkung gehabt hätte oder nicht, darauf kam es dann weniger an; die Gesellschaft würde sich aber damit das britische Volk zum Freunde geniacht und später bessere Aussichten gehabt haben, von ihm gehört zu werden. Ferner ging die ganze Agitation wesentlich von den Niederlanden und von Deutschland, also von Parteien aus, welche bei dem Britcnvolke starke im Verdacht der Jnteresfirtheit stehen. Dieser Umstand gereichte der Friedensvermittelung auch nicht zum Nutzen. Sodann wurde das diskutirbare Material, welches den Beweis des britischerseits begangenen Unrechts hätte bringen können, nicht in der Weise und Form geboten, die uöthig gewesen wären, um die größere Masse des britischen Volkes zu be­lehren. Durch alle diese und andere Mängel aber hat die Friedensvereinignng nicht nur den Frieden zwischen England und Transvaal nicht zu Stande gebracht, sondern sogar noch mehr Unheil gestiftet; sie hat durch ihre ausgebreitete Agitation wesentlich dazu beigetragen, eine starke nationale Verfeindung zwischen England und den germanischen Völkern des Kontinents zu Wege zu bringen, welche diesen weder zum Nutzen gereicht, noch auch den Wünschen der deutschen Politik entspricht. Der Brite kennt heute kein anderes Gefühl mehr in dieser Angelegenheit, als die Entrüstung über die Moral­predigten des Auslandes. Mit der Vorgeschichte nicht genügend vertraut, rechnet er einzig und allein mit der Ansicht, daß ihm Kompensation für all das Ungemach zu geben sei, welches die Buren durch ihren Einfall in britisches Gebiet dem britischen Reiche bereiteten. Sollten sich also die Verhältnisse aus dem Kriegsschauplatz nicht noch in letzter Stunde für die Buren günstiger gestalten, so kann auch der geplante neue Appell an das Gerechtigkeitsgefühl der Briten keinen Erfolg haben, wenn die Ermahnung nicht etwa durch den Vorschlag der Unabhangigkeilserklürung des Minendisiriktes von Johannesburg oder Preisgebung des­selben an England unterstützt werden kann. Dieses märe vielleicht noch ein Mittel, der auf die gänzliche Annexion der beiden Republiken abzielenden Politik Chamberlains nochmals Schach zu bieten.

Man kann also die Sache wenden und drehen, wie man will: in dem gegenwärtigen Fall lag wirklich eine Frage vor, an welcher die Friedensgesellschaslen ihre wahre Kraft erproben und zeigen konnten. Hat der Verein nun trotz solcher günstigen Chancen nichts ausgcrichtet, so ist immer­hin die Untersuchung am Platze, ob die der Thätigkeit der Vereinigung zu Grunde liegende Methode überhaupt lebenS- frisch genug ist, um in absehbarer Zeit überhaupt einen durchschlagenden Erfolg zu verbürgen. Ich bezweifle dies. Ich hatte früher niemals Gelegenheit, mich mit den Satzungen des Vereins bekannt zu machen. Erst durch die Güte des Vorsitzenden der hiesigen Ortsgruppe der Deutschen Friedensgesellschast, des Herrn Grafen v. Bothmer. kam ich in jüngster Zeit in den Besitz der Statuten. Aus den­selben wurde mir klar, daß die Begründer des Vereins den ganzen Schwerpunkt ihres Plans auf die Belehrung und Ermahnung der Völker legen. Wie ein Samenkorn, war.

die Herzen der Menschen zu senken, und ihm Zeit zu geben, sich zu dem so ersehnten, herrlichen Baum zu entwickeln. Ein direktes, thatkräftiges Eingreifen in die politischen Ver­wickelungen ward von den edlen Männern weder gesucht noch gewünscht. Sie wählten die weniger Wellen treibende Methode der Belehrung und des Gedankenaustauschs. Eine solche Richtung mag ja an und für sich sehr korrekt sein; nur ist, wie die Erfahrung zeigt, auf den so sehr er­wünschten, baldigen Erfolg an der Hand einer solchen kalten, vornehmen Agitation nicht zu rechnen. Und das ist eben das Bedauerliche an der Sache. (Fortsetzung folgt.)

Kenisches Reich.

Centrum und Vatikan.

L. Kerlin, 6. April.

Ob die Audienz des Grafen Ballestrem beim Papste, von der besonders scharfsichtige Leute behaupten, daß sie viel bedeute, wirklich mehr als ein ccrcmonieller Akt gewesen ist, darüber wird mm: nach Belieben hin und her reden können, ohne daß man es zu unterscheiden vermöchte. Graf Ballestrcm ist Geheimkämmcrer des Papstes, und hiernach ist es nur natürlich, daß er bei seiner Anwesenheit in Nom im Vatikan empfangen wird. Immerhin hat man ein Recht dazu, der Reise des Neichstagspräsidcnten nach Rom seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. Sie hat sich unmittelbar an die Vertagung des Reichstags geknüpft, und selbst wenn sie, unwahrscheinlicher Weise, nur zur Erholung angetreten worden sein sollte, so würde es in der Natur der Dinge liegen, daß polilische Rückwirkungen sich cinstellen können. Der Privatmann und der klerikale Politiker im Grafen Ballcslrcm sind doch schließlich keine getrennten Persönlichkeiten. Nun hat vor mehreren Wochen der „Osservator Romano" in ziemlich lebhafter Weise auf das Centrum eingeredet, daß es die Floltenvoclage mit freund­licheren Augen ansehen möge. Diese Stellungnahme hat dem Centrnm so mißfallen, daß einige klerikale Blätter den aussichtslosen Versuch unternahmen, den Artikel des päpst­lichen Blattes ungefähr in sein Gcgcnthcil zu verkehren, jedenfalls aber ihm alle Bedeutung für die Entschließungen des Centrums abzusprechen. Es scheint denn aber doch, als ob das Ceutrum mit einiger Begier darauf wartet, vom Vatikan bestätigt zu erhalten, daß seine Taktik gegenüber der Flottenvorlage als angemessen gewürdigt wird. Im Vatikan mag man ebenso wie in klerikalen Führerkreisen der nicht unbegründeten Meinung sein, daß sich hier die Ge­legenheit zu einem günstigen politischen Handelsgeschäft dar­bietet, und wer die Haltung des Centrmns während der letzten Wochen sorgfältig prüft, dem kann cs kaum zweifel­haft sein, wohin die Reise gehen soll. Wollten die „Aus­schlaggebenden" die Flollcnvorlage verwerfen, so hätten sie cs längst mit aller Deutlichkeit gesagt. Wollten sie schon jetzt erklären, daß sie sic annehmcn werden, so würden sie sich selber nur das Konzept verderben. Daher dieser Zwischen- znstand des bedingten Wollens und der scheinbar schweren Bedenken; daher jetzt vielleicht eine Verstä nvigung im Vatikan und mit dem Vatikan über die weiteren Schachzüge, diedem Ceutrum zu größerem Einfluß verhelfen sollen.Gewiß,es istnur ein „Viel­leicht", und man braucht die mögliche Einwirkung des Vatikans auf die Entschließungen des Cenlrnms nicht zu überschätzen. In solchen Fragen der inneren Politik muß das Centrum allein wissen, was es zu thun hat, und es kann sich höchstens vergewissern, daß es der vatikanischen Politik nicht in die Quere kommt. Aber, wie mau die Gcsammtsituation auch betrachtet, sic zeigt von allen Seiten vermehrte Symptome der Wahrscheinlichkeit, daß die Flottenvvrlage zuletzt durch­gehen wird, freilich nicht in ihrem jetzigen Umfang und ihrer jetzigen Form.

Socialpolitisches.

Neber Verkürzungen der Arbeitszeit, die nicht durch die Arbeiter erzwungen, sondern durch die Arbeitgeber freiwillig gewährt worden sind, ist aus Aachen und Jena zu berichten: In Aachen hat der neugegründete „Arbeitgeber-Verband der Textilindustrie", dem 54 der bedeutendsten Fabrikanten an­gehören, soeben beschlossen, in allen dortigen Tuchfabriken die zehnstündige Arbeitszeit einzuführen und am Samstag allgemein schon um 5'/- Uhr die Webereien zu schließen. Es kommen bei dieser Maßnahme zwischen 10,000 und 11,000 Arbeiter in Betracht, lieber den sehr interessanten Vorgang in Jena berichtet die „Social-Praxis" das Folgende: Auf Anregung des Arbeileransschusses hat die Geschäftsleitung der Optischen Werkstätte von C. Zeiß in Jena bei ihren Arbeitern eine Abstimmung über die Frage veranstaltet: Wer traut sich zu und ist zu gleicher Zeit gewillt, in der (von neun) auf acht Stunden verkürzten Arbeitszeit bei Lohn oder Accord dasselbe zu leisten wie bei der bisherigen neunstündigen Arbeitszeit? Es stimmten 614 für den Achtstundentag, 105 dagegen, 21 Zettel waren unbeschrieben uitd 5 ungültig. Der beschlossene Achtstunden­tag ist am 1. April eingeführt worden. Dafür fallen die seitherigen Frühstücks- und Vesperpausen weg, die eine