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*8. Jahrgang.

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N«. m

Fern spreche? N». 52.

Freitag, den 6. April.

Fernsprecher No. 58

1900 .

Aus Stadt und Land.

Das Luftschiff des Grafe» Zeppelin.

In der letzten Zeit ist wieder oft die Rede von dem Luftschiff des Grafen Zeppelin, welches bei Eintritt der besseren Witterung seine Fliegbersuche auf dem Bodensee beginnen soll. Nur noch Kleinigkeiten fehlen an der Ausrüstung, dann sott der .Koloß seine Reise durch die Lüfte antreten. Ein Koloß ist das Luftschiff im vollen Sinn des Wortes. Um dies unfern Lesern recht klar zu

veranschaulichen, haben wir dasselbe neben einige andere Bauwerke Eingestellt, die allgemein als außerordentlich stattliche be- i ilu-S , . kolkte cs auch keine geringe Anstrengung, das «uttfdotff bei seinem 200 Centner schweren Gewicht aufrecht ymzusteUen (es war noch nicht mit Gas angefüllt), so fiel uns di^e Arbeit bei dem PanzerschiffWörth", das mehr als das Tauscnd- sache wiegt, bedeutend schwieriger. Die Kaiser Wilhelm-Gedächtniß- nrche lassen wir an ihrem Platz stehen und stellen, nachdem wir noch Andrees Ballon und den Uebungs-Fesselballon der Militär- ^nstschlffer-Abtheilung herbeiqeholt haben, unsere Betrachtungen an dem Riesenwerk des Grafen Zeppelin au. Erläuternd zu dem über­

raschenden Anblick bemerken wir kurz Folgendes: Die Länge des Zcppclin'schen Luftschiffes beträgt 125 Meter, des Linienschiffes Wörth" 108, die Höhe der Gedächtnißkirche 113, des Fesselballons 28 und der Durchmesser von Andröes Ballon 20 Meter. Wie zierlich nimmt sich selbst unser großes Linienschiff neben dem Luftschiff ans. Trotzdem hofft Graf Zeppelin und mit ihm eine Reihe von Autoritäten ans dem Gebiete der Aeronautik das Beste von dem Gelingen des Unternehmens. Das Innere der aus Aluminium be­stehenden Außenhaut des Luftschiffes ist mit 11 einzelnen mit Wasser­stoff gefüllten Ballons ausgerüstet, die den Auftrieb bewerkstelligen sollen. Alle Spantcn, Längs- und Querverbände sind ans Aluminium hergestellt. An den Seiten des 12 Meter im Durchschnitt messenden

cylinderförmigen Ballons sind je 2 Propeller angebracht, die die Vorwärtsbewegung bewirken sollen. An der untereir Seite an einem leichten Mctallgcrüst sind 2 Gondeln angebracht, von denen aus die Motoren dirrgirt werden. Für die Steuerung nach rechts und links sorgen 2 flossenähnliche Ruder oben und unten aru Hintcrtlieil, nach oben und unten wird die Steuerung durch Ver­legung des Schwerpunktes bewirkt, wodurch sich gleichzeitig die Läge der Längsachse des Luftschiffes nach oben und unten ver­ändert. Hoffen wir von denr Luftschiffe des Grafen Zeppelin, daß ihm ein glücklicheres Schicksal beschieden sei als seinen Vorgängern.

Wiesbaden. 6. April. Bezirks-Angelegenheiten.

o» den letzten Sitzungen des Landesausschnsses wurden folgende Beschlüsse von allgemeinem Interesse gefaßt: Es soll dem am 18. April zusammentretcnden Kommunal-Landtag vorgcschlagen werden, eine Bezirkssteuer von 37a pCt. wie tut Vorjahr zu genehmigen. Für Vicuialwege wurden folgenden Gemeinden Be­schüsse bewilligt: im Kreise Biedenkopf: Frohnhausen b. B. 375, Gladenbach 400, Steinperf 765, Crumbach 2000, Simmersbach 200, Frankenbach 810, Bellnhausen 2325 Mk.; im Dillkreise: Tringeg- stein 675, Oberndorf 367, Nenderoth 899, Fellerdilln 473, Eisemroth 393, Merkenbach 320, Herborn 3200 Mk.; im Oberwesterwaldkreise: Marienbcrg 2130, Zinhain !200,

Unnau 3720, Lnckenbach 4350, Todtenberg 260, Löhnfeld 150, Fehl-Ritzhausen 270, Marienberg 840; ini Kreise Westerburg: Heilberscheid 3000, Wallmerod 20M, Putschbach 1650, Weroth 675, Hundsangen 1440, Westerburg 1225, Elsoff 136, Niederroßbach 150; im Unterwesterwaldkreise: Montabaur, Wirzenborn, Reckcnthal, Bladernheim, erste Rate für die Straße durch das Gelbnchthal, 10,000, Hillscheid 343, Schenkelberg 317; im Oberlahnkreise: Löhn- bcrg 4400, Niedershausen 3275, Dillhausen 5250, Odersbach 257, Villmar 700, Laubuseschbach 750, Ennerich 336, Hofen 187, Probbach 3900; im Kreise Limburg: Langendernbach 760, Hangen­meilingen 440, Frickhofen 1125, Eschhofen 740, Schwickers­hausen 200, Steinbach 1500, Dorchheim 860; im Kreise Unterlatm: Dienetbal 1400, Winden 500, Sulzbach 460, Zimmer­schied 3650, Gückingen 5600; Kreis St. Goarshausen: Paters­berg 1600, Nievern 3200, Filsen 650, Dachsen hausen 270, St. Goars­hausen 1433; im Nheingaukrcise: Preßberg 22,380: im Landkreise Wiesbaden: Frauenstein 6000, Wallau 2230, Medenbach 1230, Weilbach 380, Rambach 487; im Kreise Usingen: Anspach 1920, Obernhain 712, Westerfeld 450, Haffelbach 280, Naunstadt 325, Altweilnau 360, für den Vicinalweg von Anspach nach der Weil- straße erste Rate 7000; im Obertannuskreisc: Neuenhain 3540, Eppenhain 240; im UntertaunuskreiseNiedergladbach-Obergladbach- Hausen 2. Rate 25,000, Wehen 500, Hennethal 16,800, Strinz-Margarethä 10,780, Michelbach-Kettenbach 7000, Nieder­libbach 400, Idstein 537, Engenhahn 1600, Huppert 3850; im Kreise Höchst: Nicderhofheim 1200, Zeilsheim 450; im Land­kreise Franffurt: Eschersheim 3705, Heddernheim 666 Mk. AuS der ständischen Hülfskasse wird der Molkerei-Genossenschaft zu Wölferlingen ein Darlehen von 1500 Mk. gegen 3 pCt. Zinsen und 10 pCt. Tilgung bewilligt, sofern Kreis oder Gemeinde Sicherheit leisten. Der Genieinde Hölzenhausen wird zur Melioration der Viehweide ein Darlehen von 3500 Mk. gegen 2 pCt. Zinsen und 5 pCt. Tilgung, der Gemeinde Wilsbach zur Deckung von Wegebankosten ein Darlehen von 8000 Mk. gegen 3 pCt. Zinsen und 10 pCt. Tilgung, der Gemeinde Dahlheim zur Anlage einer Wasserleitung ein Darlehen von 6000 Mk. gegen 2 pCt. Zinsen und 10 pCt. Tilgung gewährt. Bezüglich der Ver­längerung der Kerkerbachbahn von Heckholzhausen nach Mengerskirchen wird beschlossen, dem Kommunallandtag zu empfehlen, von jeder Bedingung darüber, wie die Grunderwerbs- kosten für die Bahnstrecke aufgebracht werden, als Voraussetzung der Hingabe des bewilligten Darlehens von 250;000 Mk. für die Verlängerung der Bahn nach Mengerskirchen abzusehen. Aus dem Meliorationsfonds wird der Gemeinde Weiden­kahn ein Darlehen von 300 Mk. zur Anschaffung einer Biehwaage und der Genieinde Gönnern zu den ans 3200 Mk. veranschlagten Nestkosten der Regu'irung des Gansbachs 337- PCt. Zuschuß bewilligt. Ans der 'Nassanischen Brand- kassc wurden folgende Prämien und Darlehen zugesagt: Genieinde Niederscheld 800 Mk. Prämie, Bölsberg 100 Pr. und ISO Darlehen, Langenbach 150 Pr., Salzburg 60 Pr., Bannberscheid 50 Pr., Eitelborn 600 Pr., Neuhäusel 600 Pr., 5000 D., Ransbach 450 Pr., Siershahn 300 Pr., 800 D., Steinen 450 Pr., Eschenau 300 Pr., Mensfelden 450 Pr., 1000 D., Obcrbreche» 150 Pr., Attenhausen 600 Pr., 8000 D., Flacht 400 Pr., 3000 D., Kalkofen 100 Pr., 700 D., Nievern 400 Pr., 800 D., Steckenroth 50 Pr.

Grschichtslralender. 6. April. 1896: f Ferdinand Gumpert zu Berlin, beliebter Liederkouipoilist. 1884: ch Emanucl Geibel zu Lübeck. 1819: Sieg der Ungarn über Jellachich bei Jsaszeg. 1844: ch Franz Prinz von Hobenzollern-Hechingen zu Wien, herv. österr. Heerführer m den Napoleon. Kriegen. 1839: * Fritz Krastel in Mannheim, herv. Mitglied des Wiener Hofburg- theaters. 1766: * Wilhelm v. Kobell zu Mannheim, herv. Schlachteiiinaler. 1765: * Karl Felix, König von Sardinien. >528: ch Albrecht Dürer z» Nürnberg, der. deutscher Maler und

Aus Kunst und Leben.

,*KnnstsaI»»l Kangev (Taunusstraße 6). Da durch un­vorhergesehene Verzögerung die Ausstellung des Karlsrnber Künstlcr- Bnndes erst zu den Osterfeicrtagen eröffnet werden kann, siiid von gestern ab auf acht Tage nachstehende Gemälde znr Aufstellung qe- miigt: Professor Phil. Frank-Berlin:Kornfeld",Apriliuorgen", .Frühlingstag",Herbst",Der rotheBaum",Birkenwald",Vor- kruliling . Hans Völcker-Wiesbadcn: aiißer dem seit Sonntag ans-

(ist) Ay.},,»« " J. ll *' v 11 U | 11 /V lll f ff ivl lllllvll Ulli 'üll ll; , ff i\J l»l wU llllilv l t

."% nat nm Abend",Blühende Wiese". Frau Hanna ^ * E »Blau und Gelb" (Stillleben),Goldlack".

der nliiHnifi'! Gesellschafter-. Von der Verschlossenheit und 4 ,V»- a Schwerfälligkeit Ibsens erzählte Brandes

n Bo"rag ein Geschichtchen. In, Jahre 1891 wollte Schriftsteller und Kunstfrenndc sich das 8"^ WEN üerciten, Ibsen zu Ehren ein Muhl zu veranstalten.

. toe , r , ^Üd cs wagen, ihn cinzuladen. Endlich n^-vsi^w-^nc?^ürschoben. Ibsen machte Schwierigkeiten, ließ ^ et Theilnehmer geben und stieß sich zuletzt an - at ' ü)m unbekannten Dame, bis nian ihm ein- . tr aw e 12 m r? ö , or Zahrzchntc» in ihre Tante verliebt gewesen. Das Gastmahl kam schließlich zu Stande. Als aber Ibsen watzriiahm, daß statt der angesagten nenn Gäste deren zwanzig an, ihn harrten, schien auch der letzte Rest seiner Laune verflogen, ^r begrüßte Niemanden, sprach kein Wort und machte stch wortlosan

leinen Fisch. Anfdie Festrede Brandes' hatte er nur die kurze Bemerkung, daß dies ein Trinkspruch sei, gegen welchen sich sehr viele Ein­

wendungen machen ließen, die er aber jetzt nicht machen wolle, und als ihm eine geistvolle, junge Schauspielerin den Dank der Schau­spielkunst kür die von ihni geschaffenen Rolle» zum Ausdruck brachte.

schnaiizte er sie an: er schreibe überhaupt keineRollen", und cs fei ihni noch nie eingefallen, während des Schaffens seiner Stücke auch nur fünf Minuten an einen Schauspieler oder eine Schau­spielerin zu denke». In diesem Stimmungston wurde das Fest­mahl beendet. Beim Fortgehei, aber sprach Ibsen zu Brandes mit einem Ausdruck knurriger Behaglichkeit:Es kam ja weit besser, als ich vcrmiithete, das war ja ein recht schönes Mittagsmahl!" Und auch die Zurückgebliebene» gaben ihrer Ueberzcugnng Ausdruck, daß es eine schöne Ilnterhalluiig gewesen sei.

v. 7. Eine FledermanohLhle in Indien. In der Gegend der Stadt Mulmcin in Ober-Birma, fast an der chinesische» Grenze, befinden sich einige Höhlen, die für den Naturforscher eine große Merkwürdigkeit btetcn Sie befinden sich in einem ans Kalkstein bestehenden Hügcl von etwa 75 Bieter Höhe und sind sehr tief. In ihr Inneres elnzildringcn ist schwierig, weil der ganze Boden init Fledermaus-Exkrcmcnten bedeckt ist. Dian könnte allerdings kaum wissen, wie cs einem Menschen ergehen würde, der bis in das Innerste der Höhle hinein vorzndringen wagte, denn die Höhlen sind von Millionen und Milliarden von Fledermäusen bewohnt, mit denen eine Begegnung in der dunklen Grotte nicht gerade zu den Aiiiichmlichkcitc» gehören dürfte. Man braucht auch gar nicht so weit zu gehen, denn die Flcdcrinäuje lassen sich auch sonst be­obachten, da sie allabendlich mit der nntcrgehendcn Sonne aus- flicgen. Sobald das Tagesgestirn den Horizont berührt, sicht man die ganze Bevölkerung der Höhlen answandern, um auf Nabrungserwerb auszugehe». Zugleich samineln sich andere Thiere um den Platz, Falken und andere Raubvögel, die den Fledermäusen aufpaffcn, »in sic ihrerseits zu verzehren. Schon bevor die Zeit da ist, sieht inan die Falken den Eingang znr Höhle belauern, bereit, sich sofort auf die Fledermäuse z» stürzen. Sic brauchen auch nicht lange zu warten, und ihre Hoffnung wird niemals getäuscht. Zuerst verlassen einige einzelne Fledermäuse die Höhle, aber nnr der unerfahrene Raubvogel wird sich schon dann zu einem Angriff

verleiten lassen, da die Bcntc mit ihre», schnellen und stoßartigen Flntterflug anch dem geschicktesten Falken leicht entgeht. Bald aber wird die Zabl der Flederinäuse größer und entwickelt sich zu einem wirklichen Strom. Nicht mehr zu 2, 5 oder 10 verlassen sie das Berginnere, sondern in einer ganzen Wolke. Immer dichter und schwärzer wird der Strom und er­gießt sich 10 Minuten lang »nausbörlich aus dem Inneren ms Freie. Während dieser 10 Minuten hat der lebendige Strom von Fledermäusen wenigstens eine Breite von 3 Metern und eine ebenso große Tiefe, und er gleicht, von Weitem gesehen, dem Rauch eine« riesigen Schornsteins, der von einem heftigen Wind hin- und berbcwcgt wird. Nun beginnt auch das fesselnde Schauspiel des Angriffs der Raubvögel. Die Flederinäuse in ihrem hastigen Fluge, dicht aneinander gedrängt, hindern einander gegen­seitig mit ihren Flügeln, einige verlieren das Gleichgewicht und falle» zu Boden, wo sie sofort vo,l ihrem Feinde ergriffen werden. Andere Falken sieht man sich geradezu in die lebendige Wolke hinein stürze», rechts und links Schnabelhicbe austheilend, sic können dann sicher sei», eine gewisse Anzahl von Thieren »iederznschlngcn, deren sie sich nachher bemächtigen könne». Der Natur­forscher, der einc der Fledermäuse an sich bringen will, braucht es nur ähnlich zu machen, wie deren andere Gegner. Er stellt sich an den Eingang der Höhle und schlägt mit einem Stock geradezu in die heransströmende Masse hinein. Die große Mehr­zahl der Höhlenbewohner gehört zu der Art dlxetinomn» plieatn», die in Brasilien nahe Verwandte besitzt. Anßerdeni sind aber noch andere Fledermäuse in den Höhle» vorhanden, die von der Wissen­schaft noch nicht stndirt worden und sehr schwer zu fangen sind- Seit etwa 20 Jahren lvcrden die Höhlen von Mulmein von der nämlichen FledcrmaiiS-Kolonie bewohnt, sie beginnt sich aber zu vermindein, nicht mir durch die Angriffe der Raubvögel, sonder» anch durch freiwillige Auswanderung, da die Jndnstrie die Höhlen zur Gewinnung des Fledermaus-Guanos mit Beschlag belegt hilt^