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fceIte 2. 4. April ls©0.

Wieskadener Tagblatt (Morgen-Ausgave^. Verlag: Lauggasse 27 .

48. Zahrgaug. No. LS«.

Inventur) die Anwesenheit des Haudlungsgehülfen unentbehrlich ist, im Auge zu behalten haben. In jedem Falle muh der Hand- mngsgehülfe den Prinzipal in höflicher Weise um Gestattung der freien Zeit angehen und muß sich, falls er eigenmächtig und namentlich länger fortbleibt, als die Umstände es gestatten, auf eine sofortige Entlassung ohne einen Anspruch auf Gehaltszahlung gefaßt machen."

o. Knrhans-Nruba«. Zur Besichtigung der Absteckung der Flächen für den Kurhaus-Neubau, die projektirtcn Terrassen und den Konzertplatz hatten sich die Mitglieder der Stadtverordneten-Ver- sammlung und des Magistrats gestern Nachmittag hinter dem Kur­hause versammelt. Die Absteckung war nach den von der dazu bestellten Kommission festgestelltcn und imWiesbadener Tagblatt" No. 148 vom 29. März d. I. mitgetheilten Grundsätzen erfolgt und wurde von Herrn Stadtbaumeister Genzmcr erläutert. Die ganze Besichtigung hatte einen rein informatorischen Charakter. Mit der­selben war zwar keine parlamentarische Berathung verknüpft, doch regte sie zu einem sehr lebhaften Gedankenaustausch unter den Mitgliedern der beiden Kollegien an, der wohl demnächst in den Sitzungen deutlicher zum Ausdruck kommen wird. So viel war jedoch zu bemerken, daß die Gegner einer größeren Zurückrückung durch die Absteckung erst recht nicht bekehrt worden sind. Die Fläche des Konzertplatzes, die bis auf etwa 10 Meter an die Hintere Brücke heranreicht, wurde im Allgemeinen als etwas zu reichlich bemessen und dieErhöhung desFußbodcus des Erdgeschosses um etwa 3 Meter über demjenigen des jetzigen Gebäudes vielfach als zu weitgehend erachtet. Ein wunder Punkt scheint auch in dem allzu nahen Heranrücken des Gebäudes an die Sonnenbergerstraße zu liegen. Doch das sind nur Andeutungen und von berufener Stelle wird man wohl nächstens Näheres über die Eindrücke, welche die Absteckung gemacht hat, hören.

Der neue Hahnnbergang in der Richtung der Goethe- und Lessingstratze istZertiggestellt und vom 1. April d. Js. ab dem allgemeinen Verkehr übergeben worden, während von diesem Zeit­punkte ab der alte Bahnübergang in der verlängerten Albrecht- straße beseitigt, bezw. für den Verkehr gesperrt ist.

Keine Frankfurter Pfrrdelotterie. Dem landwirth- 'chaftlichcn Verein waren diesmal beim Nachsuchen um die Ge­nehmigung der Frühjahrs-Pferdemarktlotterie vom Ministerium Abgaben auferlegt worden, die er nicht erschwingen zu können glaubt«. Schließlich fand eine Einigung dahin statt, daß 3600 Mk. jur Prämrirung inländischer, den Markt besuchender Pferdezüchter ju verwenden seien. Die definitive Genehmigung ist aber bis heute Koch nicht erfolgt und da ist es nicht mehr möglich, die Loose bis zum Marktbeginn zu drucken, zu stempeln und vor allen Dingen M verkaufen, sodaß die Lotterie diesmal ausfallen wird. Die Stadt Frankfurt variiert dadurch 12,000 Mk. Stempelsteuer, die Pferdezüchter 9600 Mk., die Pferdehändler büßen den Absatz von 450 Pferden ein, ebenso erleiden viele Geschäfte und einzelne Per­sonen nicht unbedeutende Verluste.

Unter Alknholograminen versteht man, nach der Magdeburger Zeitung", die in froher Feststimmung bei Hochzeits­mahlen, Kindtaufen, überhaupt bei jeder fidelen Gesellschaft ent­stehenden schriftlichen Grüße und Gedichte an ferne Bekannte, Ver­wandte und Freunde, niedergeschrieben auf Tisch- oder Speisekarten, Etiketten von Wein- oder Sektflaschen re. Die Bezeichnung Alkohologramme ist von alten Studenten erfunden worden und noch nicht in den Wortschatz der postamtlichen Verseudungs-

S egenstände übergegangen, weshalb auch die Post bisher die llkohologramme nicht weiterbefördert hat. Im Interesse der sidelen Menschheit hat sich nun das genannte Blatt an Staats­sekretär v. Podbielski gewandt, und dieser hat eine zusagende Ant­wort gegeben, die wir im Auszug mittheilen: 1. Die in froher

t estlaune aufTisch-und Speisekar teure, geschriebenen rüße dürfen von den Postanstalten picht zurück­gewiesen werden. 2. Es ist zweckmäßig, die Alkohologramme gleich als Briefe zu frankiren, das heißt mit einer 10- oder 30-Pfciinigmarke, da ein Alkohologramm in Größe und Stärke des Papiers selten mit einer amtlich gelieferten Postkarte übereinstimmt; 'es ist also nicht als Postkarte aufzugcben.

-n. Gin merkwürdiger chemischer Stoff, an dem auch der Liebhaber kleiner chemischer Experimente seine Freude haben kann, ist das unterschwefligsaure Natron. Dieses Salz ist jedem Photographen wohl bekannt, da es die Eigenschaft besitzt, das auf der photographischen Platte befindliche Chlorsilber zu lösen und das »orhandene Äitd zu fixiren. Zeder Kandidat der Chemie muß sich darauf gefaßt machen, in seiner Prüfung einige auf das nnter- schwcfligsaure Natron bezügliche Fragen beantworten zu müssen. Die chemischen Eigenschaften des Stoffes sind vielseitig und inter- Mant. Wenn man eine Lösung daraus mit einem in Wasser löslichen Silbcrsalze.z. B. salpetersaurem Silber (Höllenstein), zusammenbringt, s» entsteht bei genauer Berechnung der beiderseitigen Menge ein dicker, weißer Niederschlag. Nach wenigen Sekunden nimnst 'dieser 4ine blaßgelbe Färbung an, dann wird er schnell chromgelb, dann goldgelb, im nächsten Augenblick geht er in das noch tiefere Gelb ves Antimon über, wird dann orange, weiter rothorange wie Zod-

S uecksilber, kastanienbraun und endlich schwarz. Ist dieser erstaun­te Farbenwechsel beendet, so besteht der Niederschlag aus reinem Schwefelsilber. Der für das Auge schöne und wunderbare Vor­gang ist zwar in der Chemie durchaus nicht einzig in seiner Art, 'aber bei diesem Experiment so auffallend, wie sonst nur selten. Der Werth des unterschwefligsauren Natrons in der praktischen Chemie wird von Tag zu Tag wichtiger, z. B. dient es dazu, mit ver­blüffender Schnelligkeit den Gehalt eines Stoffes an Kupfer zu bestimmen. In der Industrie bietet es die Grundlage zur künst­lichen Färbung der Metalle.

> Zwangs-Versteigerung. Bei der gestern Nachmittag im

jBathhause zu Biebrich erfolgtenZwangsversteiaerung der den Karl Gärtner Eheleuten daselbst gehörigen, ander Waldstraße gelegenen ,Immobilien wurde von Herrn Rechtsanwalt Dr. Wesen er Hierselbst Namens einer Frau Scholl, geborenen Wiegand, m Lorch a. Nh. auf das GasthausZum Burggraf" das Höchstgebot mit 90,000 Mk. eingelegt. Auf die übrigen Immobilien, insbesondere den Cirkusbau, geschah kein Gebot. _________

* Aus der

Der bisher am Amtsgericht Rüdes heim als Hütfsrichter beschäftigt gewesene Herr Gcrichts- mssessor Karl Rinn ist dem Amtsgerichte zu Ehringshausen ,Überwiesen worden. In Homburg hatte Herr Hauptmann v. Lüttwitz im Offizier-Kasino das Unglück, mit einem Sporn im «inoleumbcleg des Fußbodens hängen zu bleiben, wodurch er zu Fall kam und das Wadenbein brach. Herr Gerichtsassessor Stenk- choff aus Hannover ist als Amtsrichter an das Amtsgericht zu Usingen versetzt. Herr Lehrer Albert Baum zu Mensfelden ist znm 1. Mai 1900 nach Limburg, Herr Lehrer Friedrich Lotz -von Limburg nach Rennerod und Herr Lehrer Heinrich Garthe zu Rennerod nach Limburg versetzt worden. Zwischen Diez und Zollhaus soll in diesem Jahre noch tclcphonis>ie Ver­bindung hcrgestellt werden. In Langen sch walbach wurde «ine Windhose am Montag Mittag beobachtet; dieselbe hat unter .Anderem im Garten desHotel Metropole" die großen Lebens­bäume umaelegt nndStroh, Holzrc. hoch in die Luft emporgewirbclt. Die Aufnahme-Prüfung für die Präparanden-Austalt in

t ontaba ur finvet den 24. April (Dienstag nach weißen Sonntag) tt. Die Meldungen zu dieser Prüfung sind an den Herrn minardirektor vr. Schäfer vor dem 8. April einzuschicken. n Landbriefträgcr Schneider in Niedcrbrechen feierte am 1. April sein 2b.jähriges Dicnstjubitäum. In Laurenburg «ierte der Bahnwärter Eller sein 25-jährigcs Dienstjubiläum. Usingen wird vom 1. April n. I. Garnison erhalten; höchst wahrscheinlich Kavallerie. DerHochofcndirektor derF riedrich- Wilhelm Hütte", Karl Flauun, hat sich erschossen. Seine Ber- Mltmjfe waren durchaus geordnete. Flamm hatte den dieser Tage

> explodirten Hochofen derHenrichshütte" bei Hattingen erbaut. Der Unfall, bei dem 6 Arbeiter den Tod fanden, soll derart auf ihn eingewirkt haben, daß er zum Revolver griff. Zn Freien­diez trug sich ein bedauerlicher Unglücksfall zu. Ein Zunge sprang von einer Mauer herunter, und zwar so mmeschickt dem unten­stehenden 11-jährigen Sohn des Fuhrmanns I. Wagner auf den Kopf, daß das Kind bewußtlos vom Platz nach Haus getragen werden mußte. Wahrscheinlich hat cs eine Gehirnerschütterung davongetragen. In Kaste l stürzte bei der Ausladung eines Sandschiffs am'Rhcin- quai ein Theil des Ausladekrahns herab und durchschoß das Schiff, welches sofort sank. Die Mannschaft konnte sich retten. Die Maurergesellen in Biebrich verlangen eine Lohnerhöhung auf 48 Pfg. pro Stunde. Bei Nichtbewilligung soll am nächsten Saiustag an allen Baustellen die Arbeit niedergelegt werden. In Schierstein feierte Herr Lehrer Reuter sein 25-jähriges Dienst­jubiläum.

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Kleine Chronik»

Aus Schmetz a. d. Weichsel, 3. April, wird gemeldet: Wie dasKreisblatt" meldet, ist ein Kassenbote aus Culm nach Unter­schlagung von 11,000 Mk. flüchtig geworden.

In Hirschberg in Schlesien wurde der nach der Mordthat an seiner Schwester und Mutter flüchtige wahnsinnige Kaufmann Giersberg verhaftet.

Als der Wächter Dix von der Riesenbaude im Riesengebirg vom Begräbniß seiner Frau in Aupa heimkehrte, wurde er'beim Aufstieg durch den Riesengrund von einer Schneelawine ver­schüttet und getödtet.

In Frankfurt a. M. wurden imZahre1553 einige Sch weine hin gerichtet, weil sie ei» in der Wiege liegendes Kind in Sachsenhausen angefreffen hatten.

Ein seltener Taufakt ist in einem Schwimmbade zu Hannover vollzogen worden. Es hatten sich einige 30 Personen, Frauen und Männer einer Glaubensgemeinschaft der Wiedertäufer, mit ihrem Prediger eingestrichen. Die Taufe wurde an 13 Personen in allen Altersstufen vollzogen. Unter diesen befand sich auch eine alte, etwa 65-jährige Frau. Der Prediger hielt eine Ansprache, worauf er sich mit den Täuflingen, die sich ihrer entbehr­lichsten Kleider entledigt hatten (Herren behielten Hemd und Hose, Frauen Hemd und Unterrock an), in den Baderanm für Nicht­schwimmer begab. Bei den Worten:Ich taufe Euch nach Eurem Glaubensbekenntnisse," nahm er jede Person einzeln und tauchte sie nach rückwärts unter.

Der Pferdeknecht Martin Moll iu M ysl o w itz hatte kürzlich in betrunkenem Zustand einem ihm anvertrauten Pferde einen Bündel

E en an den Schweif gebunden und dasselbe dann in Brand gesetzt.

aS Pferd erlitt infolge dessen entsetzliche Brandwunden, erholte sich aber wider Erwarten schnell wieder und wurde schließlich voll­ständig gesund. Moll hatte sich wegen seiner rohen That vor dem Myslowitzer Schöffengericht zu verantworten. Mit Rücksicht darauf, daß die That des Moll ein besonders schwerer Rohheitsakt war, erkannte das Gericht gegen denselben, dem Antrag der Staats­anwaltschaft entsprechend, unter Versagung mildernder Umstände, derKattow. Ztg." zufolge, auf ein Jahr Gefängniß und verfügte die sofortige Verhaftung des Verurtheilten. (Wegen der Thicr- quälerei allein hätte nach unserem Strafgesetzbuch der rohe Kerl leider nicht so hoch bestraft werden können. Die mit der Quälcxei zugleich begangene böswillige Sachbeschädigung erklärt die Hohe des Strafmaße?. D. R.)

In einem Züricher Blatte lesen wir folgende Anzeige:Ver­loren. Freitag Morgen früh in der Rämistraße (ungefähr Gegend des kantonalen Physik- und Physiologiegebäudes) ein goldener Kneifer, ein schwarzer Hut und Stock. Gefl. Anmeldungen find unter Chiffre J. B. 882 ins Berichlhays zu richten." Dem Ver­nehmen nach soll der Aufgeber der Annonce am folgenden Morgen unter der von ihm angegevenen Chiffre einen Brief erhalten haben, des Inhalts:Ra, hören Sie mal, Sie müssen aber einen Riesen­brand gehabt haben! Wie ist denn heute Jyr Kater?"

Mit acht Millionen Mark versichert ist ein Diamant aus den Kimberley-Minen, der im Juwelier-Pavillon der Pariser Weltausstellung zu sehen fein wird. Dieser außergewöhnlich große Stein, der einen Namen bisher noch nicht erhalten hat, den man aber vielleicht The rogue öeeil nennen wird, soll schöner sein, als die bekannten DiamantenLe Regent",Schah",Groß-Mogul" und selbst als derKohinoor", der 1851 auf der Londoner Aus­stellung zu sehen war. Der Kimberley-Digmant wird in einem Glasschrank ausgestellt werden, her am Tage ständig von vier Aufsehern bewacht und Nachts tu die Tiefe verlockt wird, ähnlich wie cs bei ,Le Regent im Pariser Louvre geschieht.

Die größte amerikanische Bierbrauerei ist schon seit längerer Zeit die von Auhanser-Busch in Saint LouiS in Missouri. Daneben nimmt in Chicago und Milwaukee, das fast ausschließlich von Deutschen bewohnt wird, die Bierindustrie gewaltigen Auf­schwung. Die Zahl der Brauereien in Chicago ist, nach einem Bericht derIllustration", in den letzten Zähren von 22 auf 42 gestiegen, zugleich wurde dort eine Brauer-Akademie errichtet, in der außer den allgemeinen Wissenschaften Chemie, Physik und Mathematik Alles theoretisch und praktisch gelehrt wird, was auf die Anlage, die Einrichtung und den Betrieb der Brauereien Bezug hat, insbesondere die neuesten Entdeckungen auf dem Gebiete der Mikroorganismen und des Gährungsprozesses.

Eine Inschrift des Portugiesen Diego Cam, der im Jahre 1484 zur Entdeckung neuer Länder an den westlichen Küsten Afrikas auszog, ist jetzt, nach derVoss. Ztg.", von einem eng­lischen Missionar wieder aufgcfunden worden. Sie ist am linken User des Congo stromaufwärts an der Mündung des Popo auf Felsen eingegraben und bezeichnet den Punkt, bis zu dem der alte Forscher vorgedrungen war.

Ein Preis von 100,600 Francs ist von einem Pariser Sportsmau für die Erfindung eines lenkbaren Luftschiffs innerhalb der nächsten 5 Jahre ausgesetzt worden.

Sport.

* Eine für Radfahrer wichtige Entscheidung hat die

oberste Instanz gefällt. Früher wurden bekanntlich zuweilen Rad­fahrer, welche sogenannteStraßenpassanteu" mit ihrem Rad an- fuhren, bestraft. Diese Praxis war in der letzten Zeit zwar von den Gerichten zumeist außer Uebung gesetzt worden, es fehlte aber an einem Schutz der Radfahrer gegenüber den ihnen häufig den Weg versperrenden Fußgängern. Diesen Schutz hat nunmehr das Gericht den Radfahrern zugebilligt, indem es einen Schneider­gesellen zu zwei Monaten Gefänaniß verurtheilte, der durch unvorsichtiges Ueberschreiten der Friedrichstraße an der Ecke der Leipzigerstrabe einen in mittlerem Renntempo fahrenden Nadler gefährdet hatte. Der Vertheidiger gab sich alle er­denkliche Mühe, für seinen Klienten lediglich eine Geldstrafe zu erwirken. Er führte aus, daß, wenn auch zuzugeben sei, daß die Straßen in erster Linie für die Radfahrer vorhanden sind, doch auch de» Nichtradfahrern die Passage zustande. Der Angeklagte habe zweifellos fahrlässig gehandelt. Aber cs sei doch zu berück­sichtigen, daß er ans einer Streikversammlung kam und eiligst nach Hause gelangen wollte, weil ihm mitgetheilt worden war, seine Frau sei im Begriff, ihn mit dem siebenten Kinde zu beschenken. Er sei daher über die Straße geeilt, ohne in gebührender Weise dein Radfahrer auszuweichen. Der Gerichtshof hielt alte diese Einwände für nicht stichhaltig. Es sei Pflicht der Fußgänger, die Straße» für die Radfahrer freizulnssen, oder doch, falls ein Ueberschreiten der Straßen unumgänglich uöthig sei, die nöthiaen Vorsichtsmaßregeln (Klingeln, Rufen re.) zu treffen, sodaß die Radfahrer aus das ihnen drohende Hinderniß rechtzeitig aufnierksam gemacht würden. Diese elementaren Vorsichtsmaßregeln habe der Angeklagte aber völlig außer Acht gelassen, und nur dem Umstand, daß der Radfahrer und sein Rad bei dem Zusammeu- stoß heil davongekonunen seien, habe er da« verhaltnißmäßig niedrige Strafmaß zu danken. Sonst hätte das Gericht angesichts der immer mehr überlmndnehmendcn Rücksichtslosigkeit, ja Rohheit der Fußgänger gegenüber den Radfahrern auf eine weit höhere Strafe erkannt. (Bert. Tagebt.)

Aus dem Gerichtssaal.

* Auch ohne lex Kein;«! In Breslau fand am Dienstag eine Verhandlung statt, die, unter dem Gesichtswinkel der lex Hemze betrachtet, ein besonderes Interesse bietet. Es handelte, sich um die Berufung gegen ein schöffengerichtliches Erkenntniß, durch welches die Inhaberin einer Buchhandlung wegen Ausstellung eines Probe­heftes von Pierre Louys Aphrodite mit Illustrationen von A. Calbert auf Grund des § 184 des Strafgesetzbuchs zu 100 Mk. Geldstrafe verurtheilt worden war. Einige von den Illustrationen hatte das Schöffengericht als unzüchtig im Sinne des angeführten Paragraphen erachtet, obwohl Professor Jrmann von der Kgl. Kunstschule als Sachverständiger begutachtet hatte, daß die ' fraglichen Abbildungen künstlerische Aktstudien seien, die für den Gebildeten als schamverletzend nicht zu qelten hätten. Vor dem Berufungsgericht gab derselbe Sachverständige sein Gutachten in dem gleichen Sinne ab. Gleichwohl gelangte der Gerichtshof zur Verwerfung der Berufung der Angeklagten, indem er sowohl objektiv in den inkriminirten Illustrationen den Thatbestand des 8 184 St.-G.-B. erfüllt sah, als auch dafür hielt, daß der Angeklagten das Bewußtsein von dem unzüchtigen Charakter der Bilder inne­gewohnt habe!

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Der Krieg in Südafrika.

Kapstadt, 2. April. Das TransportschiffChicago" mit einem Theil des Corps der australischen Buschmänner und mit Pferden,, Maulthicren und Betriebsmaterial für die Rhodes'sche Eisenbahn ging nach Beira in See. Auch viel Kriegsmaterial und Proviant wird nach Beira geschafft.

Simonstowu, 2. April. Die Sterblichkeit unter den gefangenen Buren nimmt in besorgnißerregender Weise zu. Heute wurden wieder fünf Buren beerdigt. Die Behörden sind eifrig bemüht, der Krankheiten Herr zu werden. Ein anderes Transportschiff ist eingetroffen, das größere Bequemlichkeiten bietet. Die Zahl der in Simonstown und Greeupoint erkrankten Buren beläuft sich auf 20 gefährliche Kranke, 40 ernstlich Kranke und bei 60 nehmen die Erkrankiingen an Fieber und Masern einen gewöhn­lichen Verlauf.

Mn englischer Offizier über die Leitung der eng­lische» Truppen vor Lndqsmitst. lieber die Gefechte am Tugela giebt ein britischer Offizier, der unter General Buller mit- gefochten hat, in einer Londoner Wochenschrift eine eingehende Schilderung. Er schreibt u. A.:Ladysmith ist schließlich entsetzt worden, wir sind, uns dem blinden Zufall überlassend, an der Hügelkette hin und her marschirt, die das Nordufer des Tugela bilden, haben den Fluß an allen unmöglichen Punkten zu über­schreiten versucht und jedesmal schwere Verluste bei diesen Ver­suchen erlitten. Das ist eine genaue Beschreibung des zehn­wöchentlichen Feldzuges an dem Tugela. Niemand kannte den Grund, oder nahm sich die Mühe, ihn zu entdecken. Als Beispiel für diese erhabene Gleichgültigkeit dürfte es dienen, daß General Buller keine Ahnung davon hatte, daß der Hlaugwani-Berg auf der südlichen Seite des Flusses liegt, bis er bei drei verschiedenen Versuchen fehlgegangen war. Und doch hielt er sich Wochen lang innerhalb einer Entfernung von drei oder vier Meilen von dem Hügel auf, und in der Schlacht von Colcnsoe dehnte sich sogar sein rechter Flügel bis an den Fluß desselben aus. Was die Strategie anbetrifft, so glänzte sie durch Abwesenheit. Die Truppen marschirten heruin, und wenn ein Hügel oder Schützengraben sich vor ihnen zeigte, so erhielten sie den Befehl zum Angriff. Manchmal hatten die Angriffe Erfolg, manchmal nicht; wenn der Angriff nach schweren Verlusten gelungen war, so kam es häufig vor, daß die gewonnene Stellung für werthlos befunden und wieder geräumt wurde. Das ist die blinde Narrheit, mit der wir geführt wurden, und der schließliche Erfolg ist mehr dem guten Glück, als dem guten Konimando zu verdanken. Aber hätte nicht Lord Roberts' Sieg einen großen Theil der Buren bewogen, zur Veriheidigung ihres eigenen Landes zu eilen, so würden wir niemals einen Erfolg erzielt haben und Ladysmith wäre gefallen. Die Buren hatten nicht Truppen, um eine lange Defensivpofition zu besetzen, und uns eine ihrer starken Stellungen nach der anderen in die Hände." Besonders scharf geht der Offizier mit dein General Hart ins Gericht.

Eine Wafienknndgrdnug in Form von Snmpnthie- postkarten, welche an Präsident Paul Krüger nach Pretoria ver­sandt werden, ist soeben ins Werk gesetzt. Der Unmuth des deutschen Volkes über die gezwungene Neutralität des Reiches macht sich hier auf dieser buntfarbigen Postkarte, die vomDeutschen Michel" in Leipzig herausgegeben ist, in ein paar schlagenden Versen Luft und die vielen Tausende dieser kleinen Blätter sollen dem Präsidenten Krüger und seinem braven Heldenvolk, den Buren, sagen, daß in Deutschland das Gerechtigkeitsgefühl noch nicht erstorben ist, sondern daß wir, treu, wenn auch ohnmächtig, zu den Bedrängten stehen. Der Text der Karte lautet: Ob auch das Deutsche Reich neutral, Das deutsche Volk fühlt mit Transvaal! Und steht trotz Englands Werbung heute Ob Krieg, ob Sieg, auf Burenseite! Auch hätt' es gerne kampf­bereit Den brit'schen Räuber mit verbläut. Ja, konntet Ihr uns Siege melden, Wie freuten wir uns mit Euch Helden! Ein deutscher Mann verleugnet nie Die echte Burensympathie, Schickt d'rum Ohm Paul dies kleine Blatt, Daß er Beweis in Händen hat. Mit deutschem Gruß (folgt Adresse). Da die Karte jetzt allenthalben zu haben ist, wrrd die Post in den nächsten Tagen viele Tausende dieser Karten befördern müssen. Vom Herausgeber wird ein Theil des Ertrags zum Besten der Buren abgeführt; es ist daher eine allseitige Berheiligung schon aus diesem Grunde wünschenswcrth. Sollten diese Sympathie-Karlen irqcndwo noch nicht zu haben sein, so können sie vom Verlag Deutscher Michel", Leipzig, 12 Stück für 1 Mark franco bezogen werden. Die Sympathie-Karte stellt ein hübsches, kleines Bildchen vor.

Kehle Nachrichten.

Darmftadt, 3. April. Der Großherzog von Hessen ist heute von Kiel hierher zurückgekehrt. Er reist am Donnerstag nach Capri, wo sich die Großher'zogin noch immer befindet.

Uoiksmirthsch östliche».

Geldmarkt. Coursbericht der Frankfurter Effekten- Societät vom 3. April, Abends 5V» Uhr. Credit-Actien 234.70, Disconto - Commandit 192.50, Staatsbbahn 135., Lombarden 28., Gotthardbahu-Actieu 141.90, Centralbahn., Nordost­bahn 91.80, Unionbahn. Laurahütte 282.60, Bochumer 279.40, Gclsenkirchener, Harpener 238.25, Italiener 94.40, Dresdener Bank., Darmstädter Bank, Berliner Handels-Gesellschaft ., Hibernia , 3-proc. Portugiesen 26.30, Northern Shares

., Türkcn-Loose. Tendenz: still.

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