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Verlag Langsasse 21

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Sonntag, 11. April 1915.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 167. - 63. Jahrgang.

Oer Urieg.

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Erfolgs der deutschen Südarmee.

2130 neue Gefangene.

W.T.-B. Wien, 10. April. (Nichtamtlich.) Amtlich wird Verlautbart vom 10. April, mittags: Im Wald­gebirge kam es gestern in den Waldabschnitten öst­lich des Uzsok er Passes zu heftigen Kämpfen. Deutsche Truppen eroberten nördlich Pucholka eine seit 5. Februar viel umstrittene und von den Russen hartnäckig verteidigte Höhenstellung. Ein Oberst und über 1000 Mann wurden bei diesem Angriff ge­fangen genommen und den Russen auch 15 Maschinen­gewehre entrissen. _

Im Oportale und im Qucllgcbiet des Strhj scheiterten gleichzeitig heftige feindliche Angriffe an unseren und den deutschen Stellungen unter schweren Verlusten bcä' Gegners.

Der gestrige Tag brachte uns insgesamt 2150 Ge­fangene ein.

Die sonstige Lage ist unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Gcueralstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

5ven ksedins Eindrücke an der Rarpathenfront.

W- T.-B. Wien, 10. April. (Nichtamtlich.) Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Sven Hedin ist von

seiner einwöchigen Reise an die Front im Bereiche der vier­ten Armee an den Standort des Armeeoberkommandos zu- rückgekehrt. Er besuchte die Truppen in den vordersten Stel­lungen und besichtigte auch die Truppeneinrichtungen der Armee mit besonderem Interesse. Der Forschungsreisende brachte von der Front die besten Eindrücke mit und äußerte sich namentlich über dib wahrgenormnene Für­sorge für Verwundete, Kranke, sowie über die V e r - pflegung in Worten wahrer Bewunderung. Sven Hedin begibt sich morgen aufs neue an die Front.

Tisza an der Front.

W. T.-B- Budapest, 10. April. (Nichtamtlich.) Einem bereits früher gefaßten Plane gemäß, verbrachte Minister­präsident Tisza den gestrigen Tag im Hauptquartier. Auf der Rückreise weikte der Ministerpräsident Tisza heute in X Wien, von wor er am Abend nach Budapest zurückkehrte.

Hindenburg über sein Heer.

Das Urteil des Feldmarschalls über die Russen.

Br. Rom, 10. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Der im Hauptquartier des Feldmarschalls v. Hinden» burg weilende bekannte italienische Publizist Caba- sino-Renüa veröffentlicht eine Unterredung mit Hin den bürg. Glauben Sie mir, sagte der Feld­marschall, es ist für mich eine wahre Herzens­freude, an der Spitze eines solchen Heeres zu stehen. Jeder Soldat ist im Kampfe ein Held. Dann ist der Geist ber Truppen wunderbar, bei den

Generalen, wie bei dem letzten Musketier. Das Herr­lichste aber sind meine Flieger. Was diese leisten, grenzt einfach an Wunder.

Über Deutschlands Feinde sagte Hrndenburg: Wer kann im Ernste an die famosen Millionen Kitcheners glauben, und wenn schon, so wären es nicht Soldaten, sondern beliebige Menschen, die man in Uniform gesteckt hat. Um ein Heer zu schaffen, fehlt es den Engländern an Ausbildung und Führung, an Offizieren und Unteroffizieren. Was die Russen betrifft, so schießt die Artillerie gut, verschleudert aber ungeheuer viel Munition. Die Infanterie ist tüchtig, aber die Kavallerie taugt nichts. Die Russen schlagen sich zwar gut, aber ihre Disziplin beruht nicht wie bei uns auf Intelligenz und Moral, sondern auf blindem Gehorsam. Die Russen haben im japanischen Krieg viel gelernt und sind namentlich im Schützengraben-kamps erfahren. Vor ihrer numeri­schen Übermacht braucht niemand bange zu sein, die Zahl entscheidet nicht über den Sieg. Bei Tannen­berg waren sie dreimal st ä r k e r als wir, aber es half ihnen doch nichts. Übrigens halben wir viele unzweifelhafte Anzeichen, daß die Russen bereits mürbe sind, und daß das Kriegs roh- material auszugehen beginnt. Aus der Art und Weise, wie sich die Russen schlagen, ersieht man, daß es nicht mehr lange dauern kann. Sie haben, so spießt Hindeuburg, sich' überzeugt, daß unser Heer sich nicht schlagen läßt. Wir uns schlagen lassen, ausgeschlossen, ausgeschlossen! Ein Anzeichen für die Stimmung in Petersburg.

Br Genf, 10. April. (Eig. Draht bericht. Ktr. Bln.) Eine in Paris erscheinende russische Zeitung schreibt, sie hätte einen Bericht aus P e t e r s b u r g erhellten, der sich mit der S t i m- m u n g in den v e r s ch i e d e n e n S ch i ch t e n der russischen Gesellschaft beschäftigt. Das Blatt schreibt: Wir sind mit Rück­sicht auf die Vorschriften der Pariser Zensurbehörd e zu unserem Bedauern der -Möglichkeit beraubt, auch nur einen Teil dieses Berichts in unserer Zeitung wiederzugeben.

Der russische Bericht.

W. T.-B. Petersburg, 10. April. (Nichtamtlich) Mittei­lungen des Generalstabs: An der Front westlich des N j em e n fanden Ereignisse von untergeordneter Bedeutung statt. In den Karpathen wiesen unsere Truppen zahlreiche Gegen­angriffe der Deutschen und Österreicher zurück und rückten weiter vor. Wir haben jetzt den ganzen Haupt­kamm in einer Ausdehnung von 110 Werst von Reghetow bis nach Ewolosade in unseren Händen, bis aus die Höhe 909 südlich von Wolanischowa. Im Laufe des 7. April machten wir 1200 Gefangene. Auf den übrigen Abschnitten aus der ganzen Front ist k e i n e r l e i wesentliche Veränderung.

Die Behandlung der Juden in Rußland.

Br. Berlin, 10. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der B. Z." wird berichtet, der Kommandant der Festung Kron­stadt habe den Gouverneuren von Petersburg und W i b o r g befohlen, daß allen I ud e n der Aufenthatt in den

zu seinem Festnngsgebict gehörigen Tatschen zu verbieten ist. Hiernach sind alle Juden von dem Aufenthalt in den be­liebten Badeorten ausgeschlossen, die am finnischen Meerbusen und cm der finnischen Küste gelegen sind.

französische Erfindungen über Oesterreich.

Geradezu furchtbar ist die Verantwortlich­keit, welche die Pariser und die ihr folgende Provinzial­presse -Frankreichs in der augenblicklichen Kriegslage auf sich ladet, so schreibt dieKöln. Volksztg.". Über alle in Frank­reich erfundenen Nachrichten-, Verschleierungen und Verheim­lichungen kann natürlich die Allgemeinheit nicht auf dem laufenden gehalten werden. Aber das, was der Pariser Figaro" in seiner Ausgabe vom 5. April 1915 seinen gläu­bigen Lesern zu bieten sich erkühnt, soll nicht verschwiegen werden. Wörtlich schreibt das Watt:In Österreich-Ungarn ist es in den Städten Wien, Prag, Brünn und Pest zu bedenk­lichen Volksaufständen gekommen. Besonders Wien bietet ein hochernstes Bild. Die Tage vom 24. und 25. März waren geradezu tragisch. In den Vorstädten Mariahilf und Josephstadt kam es zum Barrikadenb< ku. ES bedurfte eines Aufgebots von 2000 Gendarmen, -um den greifen Kaifcr Franz Joseph in dem von ihm bewohnten Schloß z-u Schönbrunn vor der Volkswut zu schützen. Bei den blutigen Kämpfen gab es zahlreiche Tote und Verwundete. An allen Häusern hingen Anschläge:Wir wollen den Frieden. Nieder mit dem Kriege!" Zur Steuerung der Hungers­not ermächtigte der Kaiser, drei Viertel des Bestandes des berühmten Schönbrunner Tiergarterrs abzuschlachten. Alle Löwen, Tiger, Panther und sämtliche Insassen der Aquarien wurden geopfert."

«-

Ein österreichisch-ungarischer Fliegerangriff auf Montenegro.

Br. Kopenhagen, 10. April. (Eig. Drahwericht. Ktr. Bln.) DieTimes" meldet ans Petersburg: Österreichische Flieger unternahmen zu Ostern einen Vorstoß gegen Podgoritza; sie warfen 19 Bomben, von denen 12 trafen. Gegen 50 Personen wurden getötet, zablreichc verletzt. Gleichzeitig wurde Antr- vari durch österreichische Flieger bombardiert, die LL Bomben mit gutem Erfolge abwarfen.

Der Handelskrieg gegen England.

Die englischen Schisfsverluste durch die D-Voot- vlockade.

Wieviel die englische Admiralität eingcsteht.

W. T.-B. London, 10. April. (Nichtamtlich.) Die Admi­ralität teilt mit: Seit Erklärung der Unterseeblockade am

18. Februar sind 37 britische Handelsschiffe und 6 Fischerfahrzeuge durch Kreuzer, Minen und II-- Boote zum Sinken gebracht worden. Die gesamte Ton­nage der versenkten Handelsschiffe beträgt 10 967 und dev versenkten Fischerfahrzeuge 1203 Bruttotonnen. In dieser Zeit kamerr an und fuhren ab 100-194 Schiffe, von über 300 Tonnen Gehalt. Für die einzelnen Wochen stellen sich

Weiler nichts?

An allen Straßenecken Steh'n die Leute und recken Die Hälse.

Neue Depcfchen!

Was gibt's?"

Ein paar lumpige Breschen Im französischen Schützengraben Gewehre Und Munition erbeutet. Zweihundert Gefangene gemacht.Weiter Nichts!"

Nichts weiter?" so klingt es enttäuscht und verwundert. Znm Teufel mit euremWeiter nichts!"

Verdammt!" ein verwundeter Feldgrauer fpricht's Flammenden Auges und glühenden Gesichts,

Ich fluche sonst nicht, bei meiner Ehr!

Aber bei solchem Lästerreden

Kann man wahrhaftig nicht still sein und beten!

Nichts weiter? Wär's mit dem Maul zu macheri.

So stünden wohl besser unsere Sachen;

Dann könnte man alle die Helden brauchen,

Die sonst zu nichts als zum Schwätzen taugen.

Wem das nicht langt, was wir Feldgrauen schaffen.

Der soll doch nicht Telegramme begaffen.

Der soll in die Gräben, hinaus in die Schlacht,

Und soll es uns zeigen, vne man's macht.

Wer aber nicht taugt, vor den Feind zu treten-,

Der soll auch von solchen Dingen nicht reden!"

Er räuspert und spuckt, der wackere Streiter,

Und humpelt an seiner Krücke weiter.

So müßt es all' den Nörglern geschehen,

Denen die Dinge zu langsam gehen.

Jawohl! An die Front mit den Zungenhelden,

Woll'n sehen, was dann die Depeschen melden!

(Dieses Gedicht, das weiteste Verbreitung verdient, ist herDömitzer Zeitung" entnommen.)

Onkel Fritz.

Skizze von M. W. Sophar.

Ihr müßt es mir erlauben!"

Aber bedenke -doch, Georg, du bist unser Einziger."

Das geht auch anderen Eltern so."

Du weißt, wie wir dich lieben."

Macht es mir doch nicht gar zu schwer! Vater, Mutter, auch ich liebe euch von Herzen, aber"

Du bist noch nicht achtzehn ..."

Ihr habt mir erlaubt, Offizier zu werden. Damals, als noch niemand an Krieg dachte."

Ja, das war etwas ganz anderes."

Liebste Mutter! Dieser Einwand ist Frauenlogik! Ver­zeih! Darin muß mir Vater unbedingt beipflichten."

Ich kann dir niemals beisftmmen, deiner Mutter gegen­über den überlegenen zu spielen."

Darum handelt es sich auch gar nicht. Als ihr mir eure Zustimmung gabt, die militärische Laufbahn zu wählen, wolltet ihr Mick doch keinen Parademann werden lassen. Daß in meinem Beruf ernstlichere Pflichten an mich herantreten würden, hattest du, Vater, doch sicherlich .in Erwägung ge­zogen-"

Ich sehe, mein Junge, du hast allerdings die Logik auf deiner Seite. Dem zagenden Mutterherzen mutzt du indes Zugeständnisse machen. Bleibe noch ein halbes Jahr bei uns!"

Vater, soll ich müßig zufehen, wie sich meine Miffchüler freudig einsetzen?! Willi Lindemann hat schon das Eiserne Kreuz!"

Ist eS das, was dich hinaustrcibt?"

Ihr macht es mir geradezu unmöglich, niich in den Grenzen zu halten, die nur kindliche Ehrfurcht vorschreiben! Du, Väter, hast mich frühzeitig gelehrt, unser Deutschland zu lieben, und jetzt, wo es sich um seine Existenzfrage handelt, kannst du mich für so oberflächlich halten, nur nach Orden zu schielen? Glaubst du mir nicht, daß Mich mein Pflichtge-

! fühl drängt, meinen Freunden, die längst hinausgezogen sind,

schleunigst zu folgen? Glaubst du, daß ich mich nicht schämte, als einziger Primaner zurückgeblieben zu sein?"

Deine zarte Gesundheit war eine hinlängliche Ent­schuldigung."

War es, Mutter! Ich fühle mich aber jetzt kräftig gcnuW. Jeder Tag, den ich länger säume, nagt mir an der Seele. Was soll ich denn, nachdem ich mein Maburum längst hinter mir habe, hier noch treiben?! Ich muß etwas tun und waS ist natürlicher, als daß ich mich stelle?!"

Du könntest dich zur Sanitätskolonne melden."

Als späterer Offizier?"

Muß es denn gerade der Beruf sein?"

Gewiß. Heute bin ich mehr als je dazu entschlossen. Ihr könnt eure Einwilligung nicht zurückziehen. Also erlaubt auch, daß ich mich morgen- früh melde."

So warte noch acht Tage, Georg."

'Das hast du mir schon vor einem Monat gesagt, Mutter. Bedenke, daß wenigstens sechs Wochen zur Ausbildung ge­braucht werden. Die kostbarste Zeit geht verloren. Der Krieg wird beendet sein, ehe ich a-usmarschiere."

Leider sieht cs nicht so aus, als ob lvir bald Frieden hätten."

Gerade darum, Vater. Soll es später etwa heißen, der Leutnant Georg Burger hat hübsch vorsichtig abgewartet, bis wir mit den Feinden fertig waren? Ich flehe dich noch ein- mal an, laß mich hinaus ich weiß nicht, was sonst ge-, schieht."

So rege dich doch nicht wieder so asitf, Georg. Auf toemge Tage kann -es doch nicht ankommen."

Genau so hast du schon vor Wochen gesprochen, Mutter. Ich halte es nicht langer aus."

Die Eltern schweigen.

Wohl sieht der Vater ein, wie recht der junge Patriot hat. Die Rücksicht auf seine leidende Gattin läßt ihn aber selbst den Stolz unterdrücken, den er bei den Worten des Sohnes cnipfindet. Er malt sich die Folgen für seine Frau aus, wenn- dem Jungen etwas zustotzen fällte.