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«8. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis r durch den Verlag 5« Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. «« Pfg. viertelfährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

2D.OGG Avormenlen.

AtNtiaen-Preisr

Aüv öcrs 2. Guavtat 1900

auf das

„Wiesbadener Tagblalt"

,u abonnire», findet sich Gelegenheit im Verlag Langgasse 27. bei den Ausgabestellen, den Zmeig-Lzpeditionen in den Nachbar­orten und fSmmtlichen deutsche» Reichspostanstaltcn.

Tbäter sind. Die Krimiualstatistik beweist, daß Berlin und Sachsen in Bezug auf Kriminalität eine bevorzugte Stellung cm- nehmcn; dagegen wartet Wcstprenßen und Bayern mit der drei­fachen Krimrnalitätsziffcr auf. Herr Oertel sollte einmal die zn- ständiqcn Gefängnisse aus persönlicher Erfahrung kennen lernen.- Abg. Oertel (kons.) meint, Nohheltcn mußten, nnt Prügeln be­straft werden und er nehme da auch nicht Nohheltcn von Pcrioncn aus gebildeten Ständen ans. Eine Bemerkung Bebels, tont Berlin wisse, auf wen die Rohheit der Denkmals-Beschadiaung tu der Sicges-Allce zurückziiführen sei, treffe auf.ihn, der jedenfalls auch zu tont Berlin gehöre, nicht zu. Viele Gesangmßgcftllschastcn hätten^ch'sür Prügelsttafe in besondereii^Fäll-n^ausgKrochen.

Auch Tolstoi, sei e»i

entschiedener Freund der Prügelstrafe

Deutscher Reichstag.

Kevli», 23. März.

Das Hans ist ungemein schwach besetzt. Auf der Tagesordnung stellt die^ dritte Lesung des Gesetzes betreffend die Patentanwälte. Ma Schmidt-Frankfurt a.M. (Soc.) meint, dieses Gesetz schaffe 2; miebevurn eine neue privileqirtc Kaste, aber er freue steh, daß wenigstens gelungen sei, einige Härten aus dein Gesetze heraus- -niebaf n Uebrigens sei ja von der Reichsreg,ernng versichert km Ä dost d r Mangel einer Patentanwaltskammer nur e.n n?an orimn sein soll -Abg. Kirsch (Cenkr.) entnimmt aus den RoK des Vorredners, hast dessen Partei für das Gesetz stimme knd erklärt das Gleiche bezüglich feiner Freunde. — Abg. Möller. Duisburg (nat.-lib.) stimmt ebenfalls für das Ge,etz und hofft, daß es gelingen möge, den Patentanwaltsstand zu aniren.- Aba Ho f m eist er (frei!. Ver.) befürchtet, daß d.e Vor,chriftcn über die theoretische Vorbildung dazu führen wurden, daß in Zu- f.,nst nur schrWenige diesemGcwerbezwclge sich zuweuden wurden, denn die Vorbiidnng sei eine zu zeitraubende. Es wurde also-,n gNanacl an Patentanwälte» zu befurchten sein. Abg. Oertel- (koist) thcilt mit, dast seine Freunde dasGetetz annrhmen, ^.wobl sie den gestern beschlossenen Zusatz, betreffs des un- niüidiaeil Verhaltens, nicht billigen könnten. Derselbe sei mindestens übcrstnssig — Abg. Lieberina n n (Antis.), dessen nenlich im Slirta" mitaetbeilten lyrischen Lieder gestern der Abg. Heine

Bestrafung der Entziehung elektrischer Kraft, wird definitiv in dritter Lesung genehmigt. Es folgen Petitionen. Zunächst wird die kürz­lich begonnene Berathnna tortgesetzt über eine Petition, betreffend Wiedereinführung der Prügelstrafe. Die Kommission beantragt Uebergang zur Tagesordnung, wogegen Abg. Oertel (tonst) Uckerweisnng als Material an den Reichskanzler beantragt. - Aba Beckh (freis. VolkSp.) verneint den Erziehungswerth von Wri aeln und betont die Gefahren einer Ueberschrcitung der richtigen

„i r ,m*cn und wenn man n-ns Messerstechereien hmwc„e ja, wolle mair denn eine Rohheit mit einer anderen Rohheit sühnen?- Ab' Limburg (kons.): Die Gegner des Antrags, zu denen,ich kam der nculichcn Rede des Herrn Gröber das Centriim Nicht rechne, behandeln die Frage zu theoretisch, sie stellen sich die Menschen nicht vor wie sie sind, sondern machen sie sich besonders zurecht. Es gicbt Subjekte, welche durch nichts Anderes als durch Prügel bestraft werden können, weil sie jeder anderen Einwirkung einer Strafe iinzugünglich sind. Herr Gröber war wohl mcht mit ganze n Herzen bei der Sache, er suchte nach Gründen gegen den Antrag Oertel. Jedenfalls gebe >cl, den Kollegen,Grober und das Centrum noch nicht ans. Es handelt sich yter nicht um eine Parteifraqe. Die Socialdemokraten dürfen mcht gehauen werden, die Anderen können tüchtig gehauen werden (Heiterkeit) Früher waren die Sachverständigen, die Anstaltsdirektoren, Swats- «nwalte, Richter, auch die freisinnigen Richter für die: Prügelstrafe. Die Mehrheit im Volke ist auch heute für die Prügelstrafe. (Wider­spruch.) Das ist eine Folge der Zunahme der Rohheiten halb­erwachsener Burschen. Ich erinnere nur an die Verstümmelung der Statuen in der Siegesalice, an die scheustlichen Verletzungen voii Frauenspersonen. Auf solche Verbrecher, macht nur die Prügel­strafe einen abschreckenden Eindruck. Eine Ver,charfung der Freiheits­strafe würde gar nichts nützen. GeWlagen sollen nur Menfchen werden, die sich selbst außerhalb der Menschenwürde stellen. Verrohend kann die Strafe nicht auf Beamte wirken, die nur ihre Pflicht thun. Man könnte ja auch einePrügelmaschinc anwenden. Die Strafe müßte dann allerdings möglichst schnell der That folgen, «chon die Möglichkeit der Prügelstrafe würde zu einer Verminderung der Roh- hciten führen. Unsere Strafgesetzgebung hat viel zu sehr auf das Individuum Rücksicht genommen. Ich ho e.dlcPrngel strafe wird sehr bald einaeführt werden, zum Nutzen derAllgememheit. (Leifall rechts.) - Abg Bebel (Soc.): Die Rechte hat gegen sociale Uebelstande nur die schärfsten Gewaltmaßrcgeln in Bereitschaft. Im Osten werden ja die Arbeiter heute schon brutal behandelt mitZuhnlfe- nahme der wunderschönen Dienstboten-Ordirnng. Die Prügelstrafe ist jetzt noch leider, nicht nur in Preußen, Disziplinarstrafe Mm, sollte sich doch mit der Freiheitsstrafe begnüge». Ich habe s. Z. 2 Monate in der Strafanstalt Pldtzensee zubringen muffen, „jd, war als schwächlicher Gefangener zur Krankenkost zugelasscn, aber trotz berfeluen war ich nach den zwei Monaten körperlich so tzerunter- Sefommeit, daß ich förmlich vor, mir erschrak. Ich wimdere mich gar nicht, daß eine ganze Reihe von Genossen die Gefängnisse als Todeskandidaten verlassen. Es ist feststehende That,ache daß sechs Jahre Zuchthaus genügen, einen Gefangenen körperlich zu rniniren. Als das Verkehrteste sur die koloniale Entwicklung hat selbst unser Kolonialdirektor v. Buchka die Einführung der Prügel­strafe in den Kolonieen bezeichnet, und da sollen wir in Deutschland ans diesen überwundenen Standpunkt, zuruckkehren? Unleugbar hat, insbesondere in den sog. höheren Schichten der Gesellschaft, in den letzten Jahrzehnte» eine Zunahme der Rohheit stattgefunden. Die ganze Umgestaltung des WirthschaftssystcmsZmsenge Zusammenleben in der Fabrik und in den Großstädten, das Sachsengangerthum, alles das hat seinen bedeutendenTheil daran. Diesen großen, l ocialen Uebel- ständcn soll man mit großen socialen Abhülfemaßregeln entgegcntretcn: statt dessen hat man für diese Zustände im preußischen Abgeordneten­hause die Socialdcmokraten verantwortlich gemacht und Ausiiahmc- maßregeln gegen sie verlangt; es ist dies sogar von einem Mit­glied dieses Hauses geschehen, das auch Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses ist. Herr Himburg hat von der Verstümmelung der Denkmäler in der Siegesallee gesprochen, das gehört nicht hierher, Ale Welt weiß ja in Berlin, wer die eigentlichen

Äbm Vach nicke (freist V-r.) betont, der Herr Vorredner, habe verschiedene Fälle von Rohheiten angeführt, wo die verhängten Strafen ganz ungenügende gewesen seien, da müsse man doch aber zuerst die Zusammenhänge kennen, um zu beurtheilen, ob nicht der Richter Anlaß gehabt haben könne, milder zu verfahren. Als Diszipliuarmittel sei die Prügelstrafe zu empfehlen. und zwar um­so mehr, als die bundesräthlichcu Vereinbarungen vom Jahre 189/ über den Strafvollzug eine ganze Reihe „anderweitig wirk,amer Disziplinarmittcl enthalten. — Abg. Grober (Centr.) bemerkt, die Prügelstrafe sei bekanntlich schon einmal aufgehoben und dann wieder eingeführt worden aus denselben Gründen, die man jetzt von den Antragstellern höre, und dann habe man sie infolge der gemachten Erfahrungen doch wieder aufhebcn müssen Das Centruin werde jedenfalls gegen ,den Antrag Oertel stimmen. Tolstoi falle aus einem Extrem ms andere Z-tzt wolle er als Strafen überhaupt nur Bambus und Todesstrafe,, dann stelle er sich ganz auf den Standpunkt von Ehina. (Heiterkeit.) Es sprechen noch die Abgeordneten W er»er (Anti,.) und v. K ardorff (ReichSP.) für den Antrag Oertel, wonach »och heftige Aus­einandersetzungen zwischen den Abgeordneten v. Kardorsf und Graf Stolberg einerseits und Bebel andererseits folgen wegen der Aeußcruug des letzteren über dw, Urheberschaft an den Verstümmclnngcn der Denkmaler in der «regeS-Allee. - Slbg. Graf Stolberg (kons.)'..„Herr Bebel hat ausgesprochen, qaiiz Berlin wisse, daß die Verstümmelung der Denkmäler in der Siegesallee von Mitgliedern höherer Stände ausaegangen sei, und aus diesem Grunde habe auch der Polizeipra,ident die -llnch- orschnngcn ciugcstellt. Herr Bebel soll die Namen privatim neunen wollen, das hilft gar nichts, entweder weiß er e wa Gewisses, dann soll er es anzeigen. oder er weiß nichts Be,tiimn cs, dann soll er nicht mit solchen Vcrninthunacn kommen, die, wie sich schon so oft beim Militäreiat gezeigt hat unrichtig find — Abg. Bebel: Ich habe solche Bereitwilligkeit gar nicht erklärt, -Aren können; ich habe nicht gesagt, daß ich die Personen kenne (Aba! rechts.) Unterstellen Sic nur doch, nicht, was ich nickt 'gesagt habe. (Zurufe rechts: Ganz Berlin soll es doch wissen.) In Berlin wird überall hermnaesprocheii, aus welchen Kreisen die Attentäter stammen, auch yave ich nicht.einmal an- :ebeutet als sei ich für die Prügelstrafe, wenn sie auf die hohenn Stände beschränkt würde. Wird sie ekngefuhrt, dann , muß ste für alle Stände gelten. Wir wissen sogar bestimmt., wurde sie ein- gesührt, so würde sie nur gegen die unteren Stande angcwendet werden! Ich habe an die Behauptung ,M Abgeordnetenhaus erinnert, daß für die zunehmende Verrohhung die Socialdemokratie Schuld wäre. Dagegen habe ich mich gewendet, und auch die » führunacn des Abg. Oertel bestätigen indirekt nur meine Aus­führungen. - Abch Graf Stolberg: Herr Bebel sagt al,o. ganz Berlin'wisse, in welchen Kreisen die Thater zu suchen fiten. Ich weiß wirklich nichts davon, meine Freunde ebenso wenig, habe lediglich das Wort ergriffe», weit ich glaubte, er hatte (ntie fc klärung, cs uns privatim zu sagen, direkt an meine Adresse aericktct. — Der Antrag Oertel wird abgelehnt und über die Petition zur Tagesorduring übergegaugen. — Die Petitionen, welche die 6 Verschärfung der Vogel,chntzgesetzgcbung fordern, ipllen nach dem Antrag der Petltlonskonuniftion dem Rcichs- kanzler zur Berücksichtigung überwiesen werden, — Abg. Beck verwendet sich nachdrücklich für den KommlssionSantrag, der von den Italienern betriebene. Wachtest und Schwalbcn- mord schreie zum Himmel. Dem unsinnigen Massenmord unsercr wichtigsten und unentbchrlicksten ZMvögel, besonders in Italien und Südösterreich, müsse endlich Einhalt gethan werden. -^>e

Abänderung des "Vogelschutz-Gesetzes von 1888 würde die beste Vorbereitung auf die immer noch ausstehende internationale Konvention über den Vogelschutz sein. Deutschland muß ferner ein Durchfuhr-Verbot für gefangene Vogel erlasscu Die barbarische Fangart des Dohnen,stegeS werde in Deut ch- land noch immer betrieben., Das Verbot des Fangeus und Erlegens von landwirthschaftlich nützlichen und von Singvögeln müsse ausgesprochen, die Strafbestiimmiiigen gegen gewerbsmäßige Vogelfänger verschärft werden. Die Verthcuernng der ^eckerbis en für die wenigen Epiknräer,, die gewisse Leckereren nicht ent­behren möchten, komme nicht in Betracht. — Abg. Graf Oriola (nationallibcral) spricht sich in demselben,Surue aus. Er habe eine große Sympathie für das italicm,che Volk, aber un- begreiftick scheine dem Deutschen das barbarische Verfahren der Jtciliener und der Südöslerreichcr gegen die deutschen Zugvogel. Ilnsere Herren Verbündeten hätten doch alle Veranlassung, den berechtigten Wünschen Deutschlands endlich etwas mehr Geneigtheit eutaeaenzubringen. — Abg. v. Salisch (kons.): Zur Hebung der Landwirthscha?t käme der Vogelschutz doch nur als ein allerkleinstes Mittel in Betracht. Für die Abschaffung des Drossclsanges mußten stdenfalls Entschädigungen gewährt werden. Der Konnn'sstonsantrag wird angenommen. Darauf vertagt sich das Haus. Schluß. 6 Uhr. Nächste Sitzung: Btoutag 1 Uhr. (Erste Lesung der Seemauns- ordnung. Dritte Le sung des Etats.)

Preußischer ZanÄtag.

Abgeordnetenhaus.

KerUn, 28. März.

Da? Abgeordnetenhaus berieth heute den Gesetzentwurf betr Maßnahmen zur Verhütung der Hochwassergefahren rn der Pfovmz Schlesien in erster Lesung und verwies die Vorlage nach längerer Debatte an eine besondere Kommission. Montag: Kleme Vorlagen, darunter Zwischenkrcdite be i Reirtengiitsgruudrrngen. _

Deuischrs Reich.

* Geriir». 24 März. Am Sonntag Mittag findet im Rathhaus- saalc di- von dem Comitü unter dem Vorsitz Sudermanns vorbe­reitete großeProtestversammluna gegen die lex Heinz- statt.

Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Das, „Kleine Journal' bleibt bei seiner Behauptung, die Quelle ,einer falschen Aus­streuungen über angebliche deutsch-englisch-amerikaniiche V c r h a n d l nn g e n wegen Südafrika sei bei eiiier Stelle des Auswärtigen Amtes zu ftichcii. Es gieot nur zwei Möglichkeiten:

Das „Kleine Journal" lügt oder ist belogen worden. Wir find höflich genug, noch der zweiten Slnnahme zu folgen, envarten aber, daß das „Kleine Journal" nunmchr ohne weitere Winkelzuge die von ihm als „Quelle" snppomrlc Stelle des „Ansivartigen Amtes unzwcideutiq bezeichne. Wir erklären es von vornherein für eine lächerliche Ausflucht, sich unter derartigen Umstanden hinter die Pflicht journalistischer Diskretion verschanzen zu wollen. Ein öffentliches Interesse, hier irgend etwas zu verschweigen, besteht nicht, also nur heraus mit der Sprache!

* Ltrategische Kahn. In dem Nachtragsetat für da« Rechnungsjahr I960 finden sich 4.800.000 Mk. zur Vcrvollstandlgilng des deutschen Eiseiilmhunctzes im Interesse der Landesvertheldigung.

Ei» Theil tziescr ReichSzuschüssc wird sür den Bahnbau Mombach- Ko st heim gefordert zum Anschluß an die Bahnlinie Frankfurt a.M.- Kastel mit fester Ueverbrückung des Rheins bei Mainz. Dieser Bauplan bildet das Ergebuiß der Erwägungen darüber, wie der in der Stadt Mainz befindliche Tunnel zwischen den beiden hier bestehenden Bahnhöfen, den täglich allein 150 Personenzuge passiren, vom Verkehr zu entlasten, bezw. wie er zu umgehen ist. Vom strategischen Standpunkte aus wurde seit längerer Zeit die Ent­lastung des genannten Tunnels gefordert, weshalb eine direkte Eisenbahn unter Umgehung dieses Tiinnels und Ueberbluckung des Rheins und des Mains gebaut werden soll. Vielleicht konnten noch einige Jahre bis zu Verwirklichung dieses Planes vergehen, aber die Verhandlungen zwischen der Militarvcrwaltimg und der Eisenbahn-Direktion zu Mainz wären s-rt Jahr und Tag un Zuge. Jetzt ist nur die Ueberbrückung des Rheins bei Mainz >ns Auge gefaßt, nicht auch di- Ueberbrückung des Mains, da die Bahn einen Anschluß an die am rechten Mainufer führende Eisenbahn von Wiesbaden beziehungsweise Kaste! nach Frankfurt a. M., nicht an die am linken Mainnfer führende Eisenbahn von Mauiz nach Frankfurt a. M. finden soll.

* Ä» de» Menst der Reichspost siud wie das „Berliner Tagebl. erfahren haben will, 840 Angestellte der Packetfahrt über­nommen worden. Die Einstellung derselben erfolgt am 1., April.

Es handelt sich durchweg um Unterbeamte die ungefähr m den­selben Bezirken wie bisher bei der Packetfahrt. ,n denen ste auch ihre Wohnung haben, im Reichspostdienst beschäftigt werden sollen. Die Abweisung der übrigen Unterbeamten, die um eine Ueber- nahnie in den ReichSpostdienst cingekommcn waren, erfolgte zumeist wegen deren körperlichen Unzulänglichkeit das „Examen, das mit den Aspiranten nngestellt wurde, bestanden hingegen alle Unterbeamten bis auf fünf, deren Zuruckmelsmig nun aus diesem Grunde erfolgte. Dahingegen bat die Postverwaltung davon absehcil müssen, Beamte der bisherigen Packetfahrt m ihren Dienst zu übernehmen. Ihre Fachausbildung entsprach nicht den Anforderungen der Postvcrwalluug. Es find ledoch einzelne bisherige Expeditionsbeamte der Packetfahrt von der Post als Unterbeamte übernommen worden, tu b zwar auf speziellen Antrag der Betreffende», die dadurch eine Einnahme-Erhöhung gegen ihre frühere Stellung erzielen. Den nunmehr von der, Post Angestellten wird ihre Dienstzeit, die sie bei der Packetfahrt ab,olvn!! haben„an­gerechnet. sodaß sie, ebenso wie die übrigen Unterbeamten der Post, nach zehnjähriger Dienstzeit ui etatsmaßlge Stellen enureten, sobald ihr" Dienstzeit bei der Packetfahrt und der Post z»samme,i diese Zahl der Jahre erreicht. ^

* Dev Fiskus, so hieß es kürzlich in Berliner Zeitungen, sei durch Iftrkaus des Grundstücks Jggerstraße 22 in Berlin Vern.retWr eines bekannten anrüchigen Balllokals geworden. Es war dann zur Entschntdiqnng des Fiskus gesagt worden, daß alle leine Be­mühungen. den Kontrakt zu ,lösen vergeblich waren, und a so nichts übrig bleibe, als den Mictlier bis zum Ablauf seines TBetlft kontrakts, der noch Jahr »nd Tag lauft, zu „dulden,. Dazu schreibt der Pächter des Lokals Folgendes: „Die l-tzrge Inhaberin des Hauses Jägcrstraße 22. die komgl. seehandlung, hat niemals den Versuch gemacht, meinen Kontrakt zu losen oder mich von demselben zu entbinden, im Gegeutheil, da ich für die fetzigen Verhältnisse eine zu hohe Miethc zahlen muß, so wollte ich, gegen eine Entschädigung, vom Kontrakt entbunden werden, was , fedoch dürrer Hand abgelehnt worden ist. Es kann wohl somit von einem „Dulden" meines Lokals in dem Hause Jägerstraße 22 feine

Rede sein." „ , r , ...

* Kamerun. Die „Post" meldet, aus Kamerun ist die

Nachricht eingetroffcn, daß die E x p e d i t i o n d c s H a u p t in a n n s v. Besser vernichtet worden sei, wobei v. Bester, sowie Hanptmann v. Jagern, vielleicht auch noch Andere niedergemctzelt worden seien. Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich diese Meldung bestätigt Ein Mißgeschick ist der Expedition jedenfalls zugestoßen. - Ucber das Schicksal der Expedition v. Besser berichtet noch die Norddeutsche Allgemeine Zeitung": Nach einem Telegramm des Gouverneurs Köhler, der zur Zeit Vertreter des GonvenreiirS v Puttkamcr in Kainerun ist, sind bei der Expedition, welche unter dem Hanptmann v. Besser zur Bestrafung der Mörder des Leutnants v. Queis und des Forschers Conran entsandt wordeii ist die sämmtlichen Offiziere, Hanptmann v. Besser, vielleicht auch v Buddeberg und v. Petersdorff und der Assistenzarzt Dr. Dittmcr, verwundet worden. Der letztere ist schwer verwundet und nach Kamerun znrückgebracht worden. Ueber die Einzelheiten der statt­gehabten Kämpfe liegen noch keine Mittheilnilgen vor. — In Kamerun selbst ist Regierungs-Assessor Frhr. v. Gagern an Hitz- schlag gestorben. _____

Ansland.

* Gesterveich-Ungarn. Ministerpräsident v. Korber er­klärte einem Abgeordneten des L-chonerer-Klubs, welcher gegen di« neue Wiener Wahlordnung Protest einlegte, daß er bedauere, diesen Protest nicht berücksichtigen gu können, und daß er g-zwu»gen ,e, das Gesetz zur Sanktion vorzulegen. Die der F°Uschrlttsparker anqchörcnden Mitglieder des Gemernderaths werden deshalb ÜM Mandate nicdcrlegen. — Einer Blattermeldung zufolge stnidte die Firma Skoda in Pilsen 45 schwere Geschütze, sowie Munition mittels Eilzugs nach Triest, welche für, die Engländer in ^udaftika bestimmt sind. Der Abgeordnete Lennsch forderte den Mmister- präfidentcn telegraphisch auf, die Sendung zu sistlren.