Einzelbild herunterladen
 

Niksba

*8. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezngs-PrelS: durch den Verlag s« Pf-, monatlich, durch die Post 1 Mk. «o Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

RV,OOO Abonnenten.

Anzeigen-PreiSr

^einspaltige Pctitzeile für locale Anzeigen *■> Pfg-, für auswärtige Anzeige» 25 Pfq. — Reclameu die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

für die Abend.Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Marge,,-SluSgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingcreichter Aureiacn rur nachsterschcinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen._ * ä 0 ä

U0. 126 . Fernsprecher No. 52. _ FretNlg, dkN 16 . MäkZ. Fernsprecher No. 58. 1960 .

Morggevi-Aiiisgah®.

Friedens-Aussichten.

Unser Londoner n.-Korrespondcnt schreibt uns: Die Aussichten auf Wiederherstellung des Friedens sind heute noch dieselben als im Oktober, d. h. unmittelbar nach Aus­bruch des Krieges. Bedingungsloses Ergeben und Ein­verleibung der beiden Buren-Republiken in das britische Reich waren die englischen Friedensvorschläge, von dem Tage an sogar, an dem Chamberlain die Verhandlungen mit dem Transvaal abbrach und Präsident Krüger mit­theilte, er würde fortab andere Saiten anfziehen und ihm binnen acht Tagen Forderungen übermitteln, die ihn seine Unnachgiebigkeit bitter bereuen lassen dürften. Sobald die Bürger, die Zwecklosigkeit des blutigen Ringens mit der unendlich überlegenen und unerschöpflichen eng­lischen Söldnerschaar cinsehend, verzweifelnd diq Waffen niederwcrfen und ihrer nationalen Selbständigkeit ade sagen werden, dann kehrt der Friede wieder. Krüger wie Stejn sind sich dessen voll bewußt gewesen, als sie der englischen Regierung soeben Friedensvorfchläge machten. Unannnehmbar, wie deren Forderungen vor dem Krieg waren, sind sie es auch heute noch, wenigstens für ein Volk, dessen Math und Widerstandskraft nicht völlig gebrochen und dessen Nationalgefühl nicht gänzlich verschwunden ist. Und dennoch, wenn Krüger in seinem religiösen Fanatismus nicht zu verblendet ist. um das Hoffnungslose weiterer Menschenopfer einzusehen, müßte er seinen Einfluß jetzt aufbieten, um die Bürger zu veranlassen, sich in das Unvermeidliche zu fügen. In ihrerkindlichen Naivität dürften sie sich leicht überreden lassen, daß Gott ihr Geschick nun einmal gewollt habe, und um seinet­willen werden sie vielleicht schließlich auch noch bewundernd zu dem Ehrenmann Nhodes, als einem der göttlichen Werk­zeuge zur Bestrafung sündiger Buren auf Erden, empor­blicken. Ganz besonderes Gewicht legt man jetzt hier immer auf die Thatsache, daß der Transvaal den Krieg begann, anstatt fein säuberlich zu warten, bis die Engländer ganz kampfbereit waren. Dabei giebt man sich indeß den An­schein, als hätte man bis zum letzten Augenblick gar nicht an die Möglichkeit von Feindseligkeiten gedacht. Zum Be­weis wird nach wie vor der unvorbereitete Zustand des Heeres angeführt, obwohl wir doch wissen, daß dieser nur mit der kindischen Unterschätzung der Wehr­kraft der Buren zusammcnhing. Aber ganz ab­gesehen davon, bedarf es doch nur eines Blickes in die Berichte über die vorjährigen Parlamentsverhand­lungen, sowie in die Spalten der Negierungspresse, um uns hinlänglich über die englische Heuchelei aufzuklärcn. Die „Limes" z. B. sprachen im vorigen Sommer, als einer der Versuche des Transvaals zur friedlichen Einigung mit Eng- tznd fehlgeschlagen war, von „glücklichem Entkommen", Mäh.e als ob die Einigungsvorschläge gefährliche Klippen ge­

wesen wären, um die der Steuermann Chamberlain das Slaats- schiff herumzusteuern hatte. Gleichzeitig verhöhnte die „gelbe Presse" der Kapkolonie, die Mr. Rhodes und seine Kapitalisten- cligue thatsächlich gekauft hatte und noch, wie heule, von eignen „geeigneten" Redakteuren leiten ließ, den Präsidenten Krüger, weil er feige versuchte, einem offenen Konflikt aus dem Wege zu gehen. Als dann der Krieg begann, jubelte die Kriegspartei ganz unverhohlen. Freilich ließ sie während der vier Monate englischen „Mißgeschickes" die langen Ohren ziemlich traurig hängen, doch zur Zeit triumphirt sie wieder. Die „Times" aber schrieben soeben: „Welch ein Glück, daß der Oranje-Freistaat die große Schmierigkeit aus dem Weg räumte, die für uns durch seine Neutralität entstanden wäre." Einen größeren Gefallen hätte Stejn den Engländern aller­dings kaum thun können, als mit dem Transvaal gemein­same Sache zu machen. Zwei Fliegen mit einem Schlage gefangen! Welch einen glorreichen Frieden das geben wird, wenn sie erst ganz todt sein werden!

Meuchelmord an 5000 harmlosen Madagassen.

, Unter dem Titel «Die verbrecherische Kolonisation" beginnt der radikal-socialistischc Dcputirte Paul Viquö d'Octon, ein ehemaliger Schiffsarzt, Enthüllungen über die französische Aktion in Madagaskar zu veröffentlichen, die recht traurige Ergänzungen zu dem bringen dürften, was man bisher schon über die Campagnen des Generals Galliöni erfuhr. Der erste dieser Artikel der „Revue des 9Temteä" ' ift einer Spezial-Expedition de? Majors Görard, Chefs des Generalstabs der Truppen in Madagaskar, gewidmet, die seiner Zeit als eine besondere Hetdcnthat gefeiert und belohnt wurde. Nach der Verkündigung des französischen Protektorats im Jahre 1895 beschloß der Generalstab, die Gegend zwischen Jmberna und dem Meer von Mozambique zu unterwerfen, die von Sakalaven bewohnt wird. Die 1000 Mann starke Ex pedition unter Führung Görards ging von Jmberna aus na»i Westen durch den Distrikt von Betsirira nach dem Quellgebiet des Tsiribihine, um dann dessen Lauf bis ans Meer von Mozambique zu folgen. Die Einivohner unterwarfen sich überall ohne Wider­stand und die Expedition nahte sich bereits dem Meer von Mozam­bique, wo das Kanonenboot „La Surprise" ihre Ankunft erwartete. Da der Tsiribihincfluß 100 Kilometer aufwärts schiffbar ist, vcr- anlaßte der Kapitän der „Surprise" den Vertreter der „Uessagsriss maritimsa" in Murundawe, Herr» Samat, dem Major Görard entgegen zu gehen. Samat, der seit vielen Jahren in Madagaskar ansässig ist, kennt Land und Leute, und lebte selbst in Blutsbruderschaft mit dem Häuptling des Bezirks von Ambike, dem „König" Touöre. Samat wurde von Touvre äußerst frcnndllch empfangen und die ganze Bevölkerung bereitete sich znn, fröhlichen Empfang der Expedition Görards vor. Alle Häuptlinge der Umgegend strömten herbei: man tanzte, sang und musizirte nach landesüblicher Art.

Am 29. August kam die Nachricht, daß Görard nur noch wenige Stunden entfernt sei. Samat und der Schtffsfühnrich Blot gingen ihm entgegen, ihre Diener und Gepäck zuversichtlich in Ambike zurücklassend. Sie beeilten sich, den Major Görard über die friedliche Stimmung des Landes zu belehren. Der Major that, als ob er nicht verstanden habe; er bedeutete den Schiffsfähnrich, daß er am nächsten Morgen am Angriff Theil zu nehmen habe. Der General Galliöni hatte in Jmcra mit einem Hauptschlag be­gonnen; der Major Görard wollte seine Besitzergreifung ebenfalls durch einen Hauptschlag bekräftigen. Blot und Samat protestirten; sie glaubten an ein Mrßverständniß. Aber der Major wiederholte

(Nachdruck verboten.)

Das Ueilchen.

Kulturgeschichtliche Skizze von Ludwig E. Stein.

Das Eis zergeht, der Schnee zerrinnt. Dann grünt es über ein Weilchen,

Und leise singt der laue Wind:

„Wacht auf, wacht auf, ihr Veilchen I"

Zu dem trauten Boten des Lenzes aus dem großen Reiche der Kinder Floras gehört neben dem weißen Schnee­glöckchen, den bunten Primeln und dem blauen Leberblümchen auch das liebliche Veilchen, das von Alters her als das Symbol des eigentlichen Frühlingsbeginnes betrachtet und daher überall mit Freuden begrüßt wird. Wie noch heute die Jugend hinauszieht, um die ersten Veilchen zu suchen und als Frühlingsboten zu begrüßen, so sah das Volk in früheren Jahrhunderten im ersten Veilchen den Meldebrief des Sommers. Mit Jubel wurde es an einer Stange aufgesteckt — „vor vlol stand üf einer Stangen“ —, ins Dorf getragen und mit Sang und Klang von Alt und Jung umtanzt. Namentlich war diese Sitte in Oesterreich weit verbreitet. Hier wurde das Veilchen vom schönsten und sittsamsten Mädchen gepflückt, man brachte es im Triumph in das Dorf, sang Maienlieder und führte Tänze auf.

Eine lebendige Schilderung von solchen Veilchenfesten tzeben uns zwei alte Handschriften; wir lassen von der einen eine Strophe in neuhochdeutscher Sprache folgen:

Urlaub hat der Winter,

Reif und auch der kalte Schnee I Uns kommt ein linder Sommer,

Man sieht den Anger und den KI-- Gar sommerlich bestellet.

Ihr Ritter und Ihr Frauen,

Ihr sollt auf des Maren Plan Die ersten Veilchen schauen.

Der alte Brauch des Umtanzens des ersten Veilchens führte in den Tagen Ottos des Fröhlichen in der Umgegend öon Wien zu einem Streit zwischen Nithart Fuchs und den Bäuern. Ersterer, der Hofnarr Herzog Ottos, hatte nämlich in einem Jahre das erste Veilchen gefunden und war,

nachdem er es mit seinem Hute bedeckt, an den Hof geeilt, um seinen Fürsten zum Frühlingsfeste zu holen. Der Hof kam, allein unter dem Hute fand sich infolge eines Schaber­nacks der Bauern kein Veilchen mehr, sondern etwas ganz, ganz Anderes, fund so fiel der arme Nithart in Ungnade und ward zum „Bauernfcind".

Wenn wir auch heutzutage das Aufflnden der ersten Veilchen nicht mehr durch öffentliche Feste feiern, so hat doch die Werthschätzung der kleinen violetten Blüthe, bereit Extrakt die Mohammedaner über alle Genüsse der Schöpfung stellen, eher zu- als abgcuommen. Veilchen waren die Licblingsblumen der einst auf Frankreichs unbeständigem Throne sitzenden Bourbonen. König Ludwig XVI. hatte sie gänzlich in sein Herz geschlossen. Auch im Leben Napoleons I. spielte» sie eine wichtige Rolle. Als Joscphine Beauharnais im Jahre 1795 den berühmten General Napoleon kennen lernte, trug sie statt der Brillanten einen duftigen Veilchen­kranz auf dem Haupte. Der gefeierte Held des Tages lenkte seine Blicke auf die schöne Wittwe, die am 9. März 1796 seine Gattin wurde. An ihrem Hochzeitstage trug sie ein Veilchensträußchen in der Hand und bat thronenden Auges ihren Gatten: „Laß mich an diesem Tage der Hochzeit nur Veilchen tragen, und Du, mein lieber Gemahl, bringe mir an diesem Ehren- und Freudentage stets nur Veilchen zum Geschenke dar." Nie hat Napoleon diese Bitte vergessen. Aber während er von Stufe zu Stufe emporstieg, verdunkelte sich allmählich der Glücksstern seiner Gemahlin. Die kinder­lose Ehe der beiden Galten wurde geschieden, und Marie Luise, die Tochter des Kaisers von Oesterreich, wurde Napoleons Gemahlin. Diese Wendung ihres Schicksals war der unglücklichen Joscphine durch die Veilchen gewisser­maßen prophezeit worden. Am 8. März 1808 lag nämlich der übliche Veilchenstrauß nicht in ihrem Zimmer; denn der Gärtner, der sonst dafür zu sorgen hatte, war Tags vorher gestorben, und Napoleon wollte kleine Blumen aus dem Garten, dessen Hüter eine Leiche war. In großer Hast eilte er durch alle Straßen und Gassen seiner Residenz, um für seine Gemahlin einen Veilchenstrauß zu erstehen.

seine» Befehl in einem Tone, der jede Widerrede ausschloß. Außer­dem ließ er die Beiden bewachen, um zu verhindern, daß sic in die Stadt zuruckkehrtcn und die Bevölkerung warnten. Einen Augen­blick später traf der König Touvre selbst ein. um den Major zu begrüßen. Görard lehnte cs ab, ihn zu empfangen; er ließ dem armen Teufel antworten: „Ich werde meine Befehle selbst nach Eurer Hauptstadt tragen."

cm MNu ^ der Nacht erhielten die französischen Truppen Marschbefehl. Sie schlugen sich unter großer Stille durch das Ge­hölz, das Ambike umgiebt; die Artillerie besetzte einen Hügel, von wo sie im Nothfall das ganze Dorf zusammcnschießen konnte. Mi Tagesanbruch drang man von sechs Seiten gleichzeitig in die schlafende Stadt; die Scnegalschützen stürzen sich auf die Häuser. Das Morden beginnt. Ohne Mißtrauen überfallen, ohne die Möglichkeit eines Widerstandes ist die gaiize Bevölkerung den Reihen der französischen Bajonette preisgegebeu; was in der ersten Stunde nicht getödtct ist, versucht zu fliehen; von unseren schwarzen Compagnieen umzingelt, rennen sie wie wahnsiuuih, von Blut triefend aus frischen Wunden, immer wieder gegen die waffenstarrcndeil, unbarmherzigen Reihen, von Neuem ge­troffen und über ihre todteil Kameraden hinstürzcud. Der König Teuere, alle Honoratioren, alle Einwohner fielen an diesem Morgen unter den Schüssen unserer Soldaten. Die hatten Befehl, nur die Männer zu tobten; aber Niemand hielt zurück und berauscht vom Blute schonten sie keine Frau und ke> Kind. Selbst die Träger und Diener des Herrn Samat theilten, das Schicksal aller Einwohner. Als es Heller Tag geworden war Pich die Stadt nur noch einem schrecklichen Blutgcsilde, in dem Franzosen herumirrten, müde vom Uebcrmaße der Schießerei." Eine gewisse Zahl unter ihnen fühlte, so fügt Vignö hinzu, Scham und Widerwillen. „Beim Appell fehlte Keiner von denUnseriqen. Man ruhte sich aus, man aß, kein Jubelqesang feierte den Sieg. Den Boden bedeckte eine rothe, feuchte Masse, und am Nachmittag ent­stieg ihm leichter Nebel: das war der Dampf des Blutes von5<M Opfern."

Die, „Gazette officielle" meldet aber nur: „Der König Toutzre, seine Minister und zwei Häuptlinge sind in dem Kampfe gefallen; fünfhundert Gefangene gericthen in nnscre Hände. In Wahrheit ist kein einziger Eingeborener lebend entkommen." Die Gceneltdat Görards empörte natürlich die ganze Umgegend und führte eint Reihe Feindseligkeiten Seitens der Eingeborenen herbei, die bisher keinerlei Absicht eines Widerstandes gegeii die französische Macht geäußert hatten. In Frankreich versuchte man die Schandthat zu vertuschen, durch Ordensverleihungen und Avancements an die Augenzeugen. Der Major Görard wurde zum OberstlcntnaÄ befördert.

Aus Stadt und Fand.

Wiesbaden. 16. März.

— Grschlchtskalender. 16. März. 1889: Untergang zweier deutscher Kriegsschiffe im Hafen von Apia. 1888: Feierliche Bei­setzung Kaiser Wilhelms 1. 1865: Sieg der Nordamerikaner im« die Südstaaten bei Aocrysboro. 1856: * Prinz Napoleon (LulU), Sohn Napoleons 111. 1843: Demoliruna des Polizcigebäüdes in München. 1816: Wilhelm von Nassau-Oranien zum König der Niederlande ausgerufen. 1814: Friedrich Friesens Tod bei La Lobbe, deutscher Patriot und Mitbegründer der deutschen Turn­kunst. 1813: Preußens Kriegserklärung an Napoleon. 1792: Er­mordung des schwedischen Königs Gustav 111. auf einem Masken» balle zu Stockholm. 1750: *KarolincHerschel, Kometenentdeckerist. 1072: f Adalbert, Erzbischof von Hamburg und Bremen, zu Goslar.

o. Personal-^iachrichten. Herrn Droschkenbesitzer Georg Kelschcnbach hier ist die Erlaubniß zur Anlegung des ihm ver­liehenen bulgarischen silbernen Verdienstkreuzes erthcilt worden.

Schließlich fand er auch das Gesuchte und eilte freude« strahlend nach Hause. Aber kaum hatte Josephine den Strauß ans seiner Hand empfangen und an ihre Lippen gedrückt, da wurde sie leichenblaß, und einer Ohnmacht nahe, stammelte sie: „Fort, fort! Die Blumen bringen den Tod, sie blühten auf einem Grabe." Und ihre Vermuthung hatte sie nicht betrogen; denn die angestellten Nachforschungen ergaben, daß der verhängnißvolle Veilchenstrauß von einem Veilchenstocke stammte, den Josephine einst selber auf das Grab Ludwigs XVII. gepflanzt hatte.

In neuerer Zeit ist das Veilchen bekanntlich die Licb- lingsblume der Kaiserin Eugenie gewesen. Als Kind sah man die kleine Eugenie selten ohne ein paar Veilchen im Haar oder ein Veilchenbouquet im Gürtel. Auch als sie erwachsen war, zeigte sie sich niemals ohne diese Blume, und als sie Kaiserin und Beherrscherin der Mode wurde, war überall das Symbol der Napoleoniden zu sehen. Man trug Veilchen im Knopfloch, auf den Hüten und Balltoiletten. Lange Zeit war Violett die Modefarbe und Veilchenextrakt das Lieblingsparfüm der vornehmen Damenwelt.

Auch im preußischen Herrscherhause hat das Veilchen, von den alten Persern als „Rosenprophet" bezeichnet, eine historische Bedeutung. Friedrich Wilhelm III. liebte es, das Bild seiner unvergeßlichen Luise mit frischen Veilchen umkränzt zu sehen. Kaiser Wilhelm I. wurde selbst im Winter der Teller, auf dem sein zweites Frühstück servirt lag, mit Veilchen umkränzt. Der Dulder auf dem preußischen Königsthrone, Friedrich III., liebte die Veilchen ganz be­sonders, und in den unvergeßlichen Frühlingstagen des Jahres 1888 wurden dem todtkranken Kaiser von nah und fern Veilchen gesandt, damit er sich am Gerüche und Anblicke seiner Lieblingsblume erquicke. Von Goethe wird erzählt, daß er fast immer Veilchensamen bei sich trug, den er auf seinen Spaziergängen ausstreute. Er pries den lieblichen Frühlingsboten als Symbol der Bescheidenheit:

»Ein Veilchen auf der Wiese stand

Gebückt in sich und unbekannt:

Es war ein herzig's Veilchen."