Einzelbild herunterladen
 

«8. Jahrgang«

Erscheint in zwei Ausgaben. — Beziigs-PreiS: durch den Verlag L« Pfs. monatlich, durch die Post 1 Mk. * *»o Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

R^,GGO Avonneulrrr.

Sluzeiger,-Preis t Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — isteclaruc» die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

-

für die Abend-NttSgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-SlttSgabe bis I Uhr Nachmittags. e>*V**$ir» gvmimjmv nächsterfchcincudcn Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Für die Ausnahme später eingcreichtcr Anzeigen zur

N». 124.

Fernsvrecher No. 52.

Do»merstag, den 13. März.

Fernsprecher No. 52.

ISO».

Marga^-Ausgaba.

Die ungarischen Rariaments-Affairen.

(Von unserem Korrespondenten.)

Budapest, 12. März.

Die Saat Baron Bauffys ist üppig aufgegangen. Seit mehr als einer Woche ist das ungarische Parlament, das seit dem Regime Szells eine ruhige Stätte sachlicher Arbeit gewesen, wieder der Schauplatz von Scenen und Affairen ohne Ende. Die Luft ist von Pulver- und Blutgeruch ge­schwängert und Kenner von derlei Vorfällen behaupten, daß dies erst der Anfang des Anfangs fei. Der Ausgangs­punkt der neuesten Affaire war die Hafer-Lieferuugs- Panama-Geschichle des Oppositions-Führers Ugron. Wie aber kam dieselbe an den Tag? Wer hatte ein Interesse daran, den Parlaments-Titanen Ugron zu fällen, wie man eine Eiche fällt? Sicherlich am allerwenigsten der jüdische Großhändler Paul Sandor, der durch seine Interpellation in der Handels- und Gewerbekammer dem Lande kund und zu wiffen gcthan hatte, daß der Chef der .delegationsfühigeu" Unabhängigkeits-Partei Gabriel v. Ugron sich vom Reichs-KriegSministerium mit Umgehung der Offert- Ausschreibungen einen Hafer-LieferungSvcrtrag verschafft halte, den derselbe gegen eine Provision von 20 Kr. per Meterceniner an die Firma Baruch u. Comp, übertragen ließ. Eingeweihte stellen den Ursprung dieser und der hier­mit entsprungenen Affairen folgendermaßen dar:Der nngarische Ministerpräsident war vor längerer Zeit bereits zu der Einsicht gelangt, daß die allen Mitglieder der liberalen Partei und die unler ihr neu eingetretenen „Fusionirten" auf bie Dauer nicht in Frieden mit einander leben können, und daß es zwischen ihnen durch den Einfluß der ihre Minirarbeit fortsetzenden Banffys und Tiszas über Kurz oder Lang zu einem Bruche kommen müßte. Er war daher bedacht, für diesen Fall für die nölhige Verstärkung zu sorgen und glaubte hi-"^» i" Ugron und den Seinen das erforderliche Element gesunden zu haben. Er war es, der Ugron, den Unabhängigen, dazu bewog, mit seiner Fraktion in die Delegation einzutrcten und der sie hierdurch sozusagen „regierungsfähig" ge­macht hatte, denn man hatte in Wien diese Schwenkung der Unabhängigen der gemeinsamen Basis zu sehr wohlgefällig bemerkt. Aber auch in den Reihen der übrigen Achtundvierziger hatte man sich dem täglich wachsenden Einfluß Ugrons nicht entziehen können, und Herr v. Szcll wußte ganz genau, daß, falls, wie er es plante, im Herbst Neuwahlen ausgeschrieben werden sollten, die Ugron-Fraktion, für weiche die Regierung bei den Wahlen optiren wollte, a.. ^.0 bis 40 Mann stark und jeden Moment mir Wonne bereit sein würde, an die Stelle der aus der liberalen Partei ausscheidenden Tisza- und Banffy-Gruppe zu treten, und zwar wenn ui yig, mit völliger Preisgabe ihrer übrigen Unabhängigkcits-^elleitäten. Das war bei der sichtbaren Popularität Ugrons, der als einer der weltlichen Führer der ungarländischen Katholiken gegen die calvinischen Getreuen Baron Banffys das beste Gegengewicht bot, ,

eine große Gefahr für letztere. Baron Banffy aber halte sehr bald von diesen Projekten Szells Wind bekommen, und er beschloß, die erste Mine ausflicgen zu lassen. Auch Baron Banffy bereitete Herbstwahlen im ganzen Lande vor. Einer seiner haupistüdtischen Kandidalen für das Großhändler- Viertel, den 5. Bezirk Budapests, ist Paul Sandor. So zog er denn diesen Getreuen ins Vertrauen, theilte ihm die Daten des Ugron'schen Hafer-Panama mit, und die Inter­pellation traf den siebenbürgischen Magnaten Ugron, den Sittenrichter pur oreellencs, mitten in die Brust wie eine Büchscnkngcl. Ugron merkte sofort, wer das Geschoß dirigirt hatte, und in der wilden Wuth des ersten Augenblicks schoß er in den Spalten des „Vaterland" zurück und beschuldigte seinen Erbfeind Banffy des Diebstahls von Wahlgeldern. Jndeß, der unglückliche Schütze Halle schlecht geladen, er war von der diabolische» Jnlriguenkunst des alten Tisza schmählich überlistet morden, die Diebstahlsgeschichte, die Tisza selbst ihm — Ugron — durch gefällige Zwischenträger hatte snggeriren lassen, erwies sich als eine böse Mär und Ugron stand jetzt doppelt kompromitlirt auch als Verleumder da, der selbst vor der landcsverrülherischcn Bundeögcnosseu- schaft des nngarfeindlichen „Valerlaud" nicht zurückgeschrcckt war. Nun macht Ugron, der den Boden unter seinen Füßen wanken fühlt, den letzten Versuch, der hier

zu Lande probat erscheint: durch Blut den Schmutz seiner Affairen abzumaschen. Aber auch hier ihm ein Hinderniß in der Person des Honved-Ministcrs Baron Fejervary, der sich weigert, seinen Degen mit dem Ugrons zu kreuzen, und einen militärischen Ehrenrath ver­langt hat. Es heißt, der Kaiser-König Franz Josef habe dem Baron Fejervary seine Zustimmung zu dessen Haltung telegraphisch ausgedrückt, und so triumphircn für den Moment die Bansfy-Tiszas auf allen Linien.

Aus Ktadt und KanS.

Wiesbaden. 15. März.

— Gcschichtsitniender. .15. März. 18Ö0: Internationale Arbeiterschntzkonferenz in Berlin. 1842: f Maria Cherubim, berühmter italienischer Komponist. 1830: * Paul Heyse zu Berlin, deutscher Romanschriftsteller und Novellist. 1804: Entführung des Herzogs von Enghien durch Napoleon nach Paris. 1678: ff Salvator Rosa, berühmter italienischer Maler. Dichter und Tonkünstler. 1493: Heimkehr Christoph Kolumbus’ von seiner ersten Entdeckungs­reise. 1392: f Eberhard II., der Rauschebart. 44: Ermordung Julius Casars.

— Der „Wiesbadener Wilitiir-Nerekn" hielt am vorigen Samstag in feinem Bereinslokal „Zur Kroucnhalle" die Jahrcs- Generalversammlung ab. In einer zündenden Ansprache begrüßte der 1. Vorsitzende, Herr Leutnant der Landwehr Schiink, die zahl­reich Erschienenen, gab alsdann einen kurzen Rückblick über die Vercinsthätigkcit im letzten Jahre, ermahnte die Mitglieder, auch im neuen Jahre treu zur Fahne zu halten und die edlen Ziele des ,Verein« stets fördern zu helfen. Mit einem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser schloß er seine mit großem Beifall aus- genommene Rede. Aus den verschiedenen Berichten sei Folgendes erwähnt: Der Verein zählt heute 942 Mitglieder. Die Kranken­gelder betrugen 3286 Mk. 55 Pf. An Sterbe-Unterstützungen wurden in 7 Fällen je 509 Alk. gleich 3500 Mk. verausgabt, desgleichen an sonstigen Unterstütziiiiae» 180 Mk. Die Vereinskasse schließt ab mit einem Bestand von 21,382 Mk. 62 Pf. Die Vereinsbibliothek hat sich ebenfalls bereichert und erfreut sich einer regen Jnanspruch-

Ans Kunst und Keden.

' Verloren gegangene technische Fertigkeiten. So

lehr wir auch auf die modernen Errungenschaften der Technik stolz lein können, so muß doch zugegeben werden, daß wir in mancher Beziehung auf technischem Gebiete durch die Leistungen der Alten geradezu beschämt werden und gestehen müssen, daß dieselben uns m Vielem weit voran waren und Leistungen vollbrachten, die uns heute in ihrer Vollendung geradezu unbegreiflich erscheinen. Ab­gesehen von dem hierfür beispielsweise fälschlich als Beweis an­geführten „guten Mörtel der alten Bauhandwerker, der heute noch so vortrefflich festhält", während doch eben nur die lange Zeit ganz allmählich die feste Verbindung des den Mörtel dar­stellenden kicselsauren Kalkes bewirkt, und unsere Bauwerke nach Jahrtausenden vielleicht ebenso hinsichtlich ihres trefflich festen Mörtels von unseren Nachkommen angestaunt werden mögen, so sind doch eine ganze Menge antiker technischer Leistungen vor­handen, die in der That in ihrer Vortrefflichkcit von uns nicht er­reicht werden. Dies gilt z. B„ so schreibt das Patentbürcau von <§. F Reichelt in Berlin, von den Anstrich- und Malerfarben des Allerthums, wie wir sic bei den egyptischcn Gräberfunden, in Pompejy und an anderen Stellen ihrer noch heute unveränderten Frische wegen mit Recht anstaunen. Die übliche Redensart „des konservirenden südlichen Klimas" kann über die Thatfache nicht hinwegbelsen. Auch von den mittelalterlichen Meistern der Malerei gilt das von den Farben Gesagte: Die Werke Raphaels, des Michel Angela, Rubens z. B. sind heute in ihrer Farben- harmome noch unverändert, während unsere modernen Gemälde kaum 50 bis 60 Jahre aushalten. — Der Schriftsteller Suetonius berichtet von einem Glasmacher zur Zeit des Kaisers Tiberius, welcher dem letzteren einen Glaspokal überreichte, der trotz ganz geringer Glasstärke, auf den Boden geworfen, nicht zerbrach — wir haben also hier schon die Erfindung des von uns heute noch mcht wieder ganz erreichten sogenannten Hartglases. Aber nicht illein unzerbrechlich, sondern auch biegsam und elastisch wie Horn »ll das Werk des römischen Glaskünstlcrs gewesen sein, dem edoch seine Erfindung schlechten Lohn einbrachte, indem ihn der kaffer hinrichten ließ, „weil seine Erfindung die Goldschmiede chädiaen könnte." — So nahm der Meister sein Gedeimnrß mit «s Grab. — Die Rezepte der furchtbar wirkenden, keine Spur hinterlassenden ff-" der Locusta und der Borghia sind — glück­licher Weise — ebenfalls verloren gegangen; das griechische Feuer mt ebenfalls eine technische Größe der Alten. Die Geigen eine«

Stradivari, eines Amati und anderer alter Meister sind heute trotz aller Bemühungen nnnachahmbar; Holz, Lack, Bauart sind von den Modernen auf das Peinlichste untersucht und nachgeahmt morden, aber da? Geheimniß der alten Meister verräth sich beim Spielen dieser Nachahmungen durchaus nicht. — Ebenso ging verloren die Kunst, Kupfer zu Härten und wie Stahl anziilafsen; die Gräber der alten Mexikaner enthielten solche kupferne Schwerter, die den berühmten Damascenerklingen völlig ebenbürtig sind. Als ein solches technisches Rätbsel des Alterthums muß auch der „Essig" betrachtet werben, mit dem Hannibal hei seinem Zuge über die Alpen die hinderlichen Felsblöcke weggeätzt haben soll. Hier an unseren Essig denken zu wollen, ist einfach wider­sinnig, obgleich die Mär jedes Jahr in jeder Schule von Neuem aufgctischt wird. Wahrscheinlich war es auch ein Spicng- "'fttel, d's zufällig die Bezeichnung „Essig" tragen mochte, gerade wie die moniere des Mittelalters das Schießpulver „Kraut" nannten, woraus man dann nach Jahrtausenden auch so merk­würdige Schlüsse wie über Hannibals „Essig" machen dürfte. — Und so dürste noch Manches gewesen sein, was überhaupt spurlos vorübergegangen und von uns heute noch nicht erreicht, oder, wenn wiederersnndeii, jedenfalls mit sehr komplizirteii Mitteln erzielt wurde, während die Alten höchstwahrscheinlich auf sehr einfache Weise zu ihren oft so volleiidelen Resultaten kamen.

* Geschäft und Vergnügen. Die amerikanischen Millionäre sind sowohl wegen ihrer Wohlthätigkeit, als auch ihrer Ertra- vaganzen halber merkwürdig Nach beiden Richtungen ist der zu Anfang der sechziger Jahre in Philadelphia verstorbene Fiiianz- mann Görard hervorzuhebcn, dessen Lebenslauf überdies ein er­schütterndes Beispiel menschlicher Tragik bildet. Einer französischen Familie enkstannnend, halte er sich mit 23 Jahren verheirathet und versucht, in Rem-Jork für seine Frau und ein der Ehe entsprossenes Kind den Lebensunterhalt zu finden. Vergeblich sah er sich jedoch mehrere Monate nach Arbeit um, bald gericlh er mit den Seinen in das größte Elend, und als er einst nach mehrtägiger Abwesenheit heimkehrte, fand er Frau und Kind verhungertI Er verließ gebeugt die Stätte seines Elends »nd wandte'sich nach Philadelphia, wo er bei einem Kaufmann eine Stelle fand. Durch eisernen Fleiß und ängstliche Sparsamkeit legte er den Grundstock zu seinem Vermögen; jedem Vergnügen abhold, lebte er zurück­gezogen wie ein Einsiedler. Als er Millionen erworben batte, ver­wandte er das Geld ausschließlich zu Wohlthätigkeitszwecken. Für seine Gesinnnngsweise mag der folgende Vorfall zeugen: Sein erster Buchhalter theilte ihm eines 'Tages mit. daß er sich ver.

nähme. Vorstehende Zahlen ergeben einen Beweis, daß auch in» abgelanfcnen Jahr der Verein einen Stillstand nicht zu ver­zeichnen hat sondern fortwährend in der Zunahme begriffen ist. Die Neuwahl des Vorstandes ergab als erfreuliches Zeichen die Wiederwahl fast sämmtlichcr Mitglieder, und zwar: Leutnant der Landwehr Schlink 1. Vorsitzender,

Karl Stauch 2. Vorsitzender, Anton Hofmann 1. Schriftführer, Emil Lang 1. Kassirer, Karl Mayer 2. Schriftführer, Ehr. Jung 2. Kassirer. Beisitzer: Fritz Reichert, Ph. Lieber, Job. Bastian, Rud. Mayer, Adolf Barth, Jean Diefenbach, Aug. Boschcck, Ehr. Kern und A. Geißler. Letzterer wurde an Stelle des ausacschiedenen Lt. der Reserve Henrich als Beisitzer neu gewählt. Das Ehrengericht setzt sich zusammen aus de» Kameraden Lt. Henrich, A. Hofmann, Karl Mayer, Bastian, R. Mayer, Geißler, L. Schmidt, Dinges, Preiß, Lipp, Brodt und Wirth. Als Rechnungsprüfer fungiren Clamor Meyer, Georg Lieglein »nd Laux, als Vertrauensmänner die Kameraden Roßmann, Klempke, Müller II., Stephan, C. Baumann und Herborn. Die Wahl der Fahnenträger fiel auf Jakob Fischer und Dengler, diejenige der Fahncnbegleitcr ans Fr. Blum, Jmmel, Stephan und Dillenocraer. Die Inventar-Kommission besteht ans den Kameraden Kern, Tomasowski und Tricbert. Zn Delegirtcn wurden gewählt: die Kameraden Dr. Hehner, Lt. Henrich, Stauch, Reichert,' R. Mayer, Herbst. Diefenbach, Steinmetz, Lieglein und Wirth. Die Vcrcinsfestlichkciten, wie Stiftungsfest, Weihnachts­feier, KaiftrsgeburtslagSseier und Maskenball, finden nickt mehr, wie seither, im Kath. VereinshauS, sondern in der „Walhalla" statt. — Möge dem Verein vergönnt sein, am Schluffe des neuen Jahres ebenso befriedigend berichten zu können, wie auch im ver­flossenen Jahre.

— Fechtsport. Unter Leitung des Gaufechtwarts Herrn Emil Dörner aus Wiesbadcn fand am Sonntag, den II. März, "i dcr Ktingerschnle zu Frankfurt a. Mt. der erste diesjährige Bör­se chter tag des Gauvcrbands mittclrhcinischcr FcchtklübS statt. Derselbe war von den Vorfechtcrn und Fechtmeistern fast sämmtlicher Ganvereine gut besucht. Von besonderem Interesse für die Fechter war das erste Dcbnt des vor kurzer Zeit von dem Frankfurter

§ ^echtkiub „Hermania" gewonnenen italienischen Fechtmeisters ranccsco Tagliabo, welcher sich nicht nur als hervorragender Lehrer der edlen Fechtkunst, sondern auch als ein vortrefflicher, praktischer Fechter erwies. Meister Tagliabo unterrichtete in Florett, loser Mensur und im leichten österreichischen Säbel der italienischen Schule. Die Fechtmeister A. Kobbö vom „Wiesbadener Fechtklub", Schranth von Daniistadt und Schwally von Offenbach erthcilien Lektion ui der französischen Schule. Mit dcni Resultat des Tages war man sehr zufrieden. Der nächste Vorfechtcrtag wird in Wies­baden abgehalten, zu welchem ebcnfallß Meister Tagliabo erscheinen wird, um gemeinsam mit den dcntschcn Fechtmeistern zum Wohls der edlen Fechtkunst zu wirke».

— Gin Mostkuriofmn. Wer Drucksache!' deren Einzel­gewicht zwischen 100 und 250 Gramm beträgt, t». halb seines Wohnorts mit der Post verschicken will, thnt gut, die Versendung im geschlossene» Couvert (Ortsbrief), nicht aber im offeneil (Druck­sache) vorzunehmen, denn das Porto für einen Ortsbricf bis zum Gewicht von 250 Granun beträgt 5 Pf., während eine Drucksache von 100—250 Gramm Gewicht im Orts- wie im Rcichsverkehr 10 Pf. Porto kostet.

— Gine für alte Fernsprecht!,eiinrhmer wichtige Neuerung, welche noch nicht bekannt geivorden ist, ist durch das Rcichspostamt cingesübrt worden. Die neue Feriisprech-Gebührcn- ordnung hat für Gespräche, die zwischen naht mehr als 100 Kilo­meter von einander entfernten Orten gehalten werden, bekanntlich den ncueil Satz von 50 Pfennigen eingeführt. Man würde sich daher ohne Weiteres den Gebührensatz für die einzelnen Orte berechnen können, wenn die Entferniingcn, wie bisher, m der Luftlinie gemessen würde». Das ist aber nicht der Fall. Um die Zahl der verschiedenen in Frage kommenden Entfernungen möglichst

S p mache», ist vielmehr das ganze Reichsgebiet in sogenannte adratc cliigetheilt, die eine Seitenlange von 2 Meilen haben. Die in jedem Taxquadrate liegenden Orte gelten alsdann von den in einem anderen Taxquadrate befindlichen sämintlich gleich weit entfernt. Die Größe der Entfernungen ist durch eine Linie gebildet,

heirathet habe und wegen der gesteigerten Bedürfnisse sich aenöthigt sehe, um eine Gehaltsaufbesscrung zu bitten. Geraro schlug die Bitte mit der Motivirung ab, daß die Tbätig- keit des Beamten infolge seiner Berhcirathnng geringer werden würde, eine Erhöhung des Gehaltes daher gegen alle Geschäfts- Prinzipien sei. Der gekränkte Beamte schickte sich an, das Gemach zu verlassen, Görard aber rief ihm nach, er möge sich Abends auf einen Teller Suppe einfinden. Der Buchhalter stellte sich zur be­stimmten Stunde ein, um den Chef nicht zu erzürnen. Als er seine Serviette entfaltete, fiel ein Brief in den Teller, der Beamte las seinen Namen und als er den Umschlag geöffnet hatte, entnahm er ihm eine Anweisung auf 50,000 DollarsI Zitternd vor Freude fragte er feinen Chef, warum er Um, Mittags die Gehaltsaufbesse­rung verweigert habe und ihn jetzt mit einem so großen Geschenk beglücke? Görard erwiderte: „Die Gehaltsaufbesserung ist eine Gcschäftssache; ich habe Ihnen den Grund der Weigerung an- gegevc», aber was dem Geschäftsmann verwehrt ist, kann den Privat­mann nicht hindern, einem treuen Gehülfen ein kleines HochzcitS- geschenk mit seinen Glückwünschen darznbriuge»." — Görard erreichte ein hohes Alter. Testamentarisch vermachte er seinen Park der Stadt, mit der Verfügung, daß kein Geistlicher, welchem Vckenntniß er immer angehöcen möge, ihn betreten dürft. Vergebens hatte er einst nach einem Priester gesucht, der unentgeltlich dem Begräbniß seiner verhungerten Familienmitglieder assistirt hätte.

* Gin Niesenprojekt. Ein amerikanisches Konsortium hat

der Intendanz der Hoftheater in Wien den Vorschlag gemacht, ihm die Hebung des Gebäudes der Hofoper um zehn Meter über das gegenwärtige Niveau zu gestatten. Das Konsortium soll sich ver­pflichtet haben, diese Riesenarbeit innerhalb zweier Monate unent­geltlich zu vollführen, und will niit einer bedeutenden Kaution (man spricht von 20,000,000 Doll.) für das Gelingen der Arbeit und für die Einhaltung des Termines haften. Einen Begriff von der Großartigkeit dieses Projektes kann sich nur Derjenige machen, der den großen Komplex kennt, den die 1861 bis 1869 nach Pläne» von Vandermüll und Siccardsburg erbaute Wiener Hofoper ein- ninnnt, die unterhalb des Bühnenrauines bis zwanzig Meter tief in den Grund geht. Wie bekannt, sind Vandermüll und Siccards- dnrg ff.willig in den Tod gegangen, aus Verzweiflung darüber, daß da- Werk in seinen Dimensionen nach der Höhe mißlungen. Das Mißverhältniß trat umso augenfälliger hervor, als dem Opern­hause gegenüber der hochragende „Heinrichshof" entstanden ist. Es wäre intercssaiit. wenn die amerikanische Balltechnik den Fehler repariren würde, der die Wiener Künstler in den Tod getrieben bat.