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Zreitag, 9. April 1915.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 163. . 63. Jahrgang.
Oer Urieg.
Die Zahl der von uns bisher erbeuteten Geschütze.
W.T.-B. Berlin, 8. April. (Nichtamtlich.) Nach den Feststellungen zu Anfang des Monats März belief sich die Gesamtzahl der bis dahin erbeuteten Geschütze aus 5510. Im einzelnen trugen dazu bei: Belgien etwa 3300 (Feld- und schwere), Frankreich etwa 1300, Rußland etwa 850, E n g l a n d etwa 60. Mehrere Hundert dieser Geschütze sind im Laufe des Krieges bei der Firma Krupp und in anderen Fabriken für unsere Zwecke gebrauchsfähig gemacht worden und haben uns schon mit der gleichfalls abgenommenen Menge von Munition erfreuliche Dienste geleistet. __
von den östlichen Kriegsschauplätzen. Der österreichisch-ungarische Tagesbericht. Die erfolgreiche Gsterfchiacht im Laborczatale. 10 000 Gefangene und zahlreichssttriegsmalerial.
W. T.-B. Wien, 8. April. , (Nichtamtlich.) Amtlich wird vcrlautbart vom 8. April: Die im Abschnitt der O st b e s k i d e n seit Wochen andauernden hartnäckige« Käurpse haben in der Schlacht während der Oster- t a g c ihren Höhenpunkt erreicht. Ununterbrochene russische Angriffe, hauptsächlich beiderseits des Laborczatales, wo der Gegner den größten Der! der vor P r z e m h s l sreigcwordenen Streitkräfte ein- scbte, wurden unter ganz bedeutenden Verlusten des Feindes in diesen Tagen zurück ge- schlagen. Gegenangriffe deutscher und unserer Truppen führten aus den Höhen westlich und östlich des Tales zur Eroberung mehrerer starker russischer Stellungen. Wenn auch die Kämpfe an dieser Front noch nicht ihr Ende erreicht haben, so ist doch der Erfolg der Osterschlacht, die uns 10000 u«verwundete Gefangene und zahlreiches Kriegsmaterial einbrachte, ein unbestrittener^ Östlich des Laborczatales wird im Waldgebirge in einzelnen Abschnitten heftig gekämpft.
In S ü d o st g a I i z i e n stellenweise Geschützkampf.
In Russisch-Polen und W e st g a l i z i e n verhältnismäßig Ruhe.
Der Stellvertreter des Chefs des Genrralstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Die große ttarpathenschlachl.
Keine nennenswerten Erfolge der Russen in 4 Wochen.
Große Kriegsbeute der verbündeten Truppen.
W. T.-B. Wien, 8. April. (Nichtamtlich.) Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Mitte März trat die große, nun schon seit dem 25. Januar währende Karpathen schlacht durch das Ansetzen .mächtiger russischer Massen zu einem Vorstoß über den Kar- pathenwall in eine neue Phase. Sowohl in der Duklasenke als auch im Raume zwischen Lup- k o w e r- und U z s o k e r - Paß unternahmen die Russen unaufh örliche Angriffe, indem sie fortwährend die ungeheuerlichen Kampfverluste durch hinten bereitgehaltene Ersatzformationen ersetzten und in jüngster Zeit auch die vor P r z e m y s l freige- wordcne Einschließunigsarmee in das gewaltige Ringen warfen. Den mit Nichtachtung des Menschenmaterials an der ganzen Front vorgetriebenen Angriffen waren naturgemäß Einzelerfolge beschieden, doch erzielte der nun schon in der vierten Woche währende grimmige Kampf keineswegs das Ergebnis, daß die Russen sich in den Besitz jener Stellungen hatten setzen können, aus denen sie unser Ende Januar begonnener Angriff trotz wütendster Gegenwehr und unablässiger Gegenstöße und der Ungunst des abnorm strengen Winters Vertrieben hatte. Vom Uzsoker- Paß angefangen ist der ganze ö st l i ch e Teil des Karpathenwalles, obwohl die Russen auch hier, namentlich im Oportale, heftige Angriffe Vortrieben, in unserem Besitz. Auch westlich des Uzsoker-Passes bieten ihnen unsere Truppen auf den ersten diesseitigen Kämmen und Rücken Widerstand. Im Laborcza- tale und im Gebiete der Duklasenke ist der erste Mitte März begonnene Versuch eines Durchbruchs unserer Front unter schweren russischen V e r l u st e n gescheitert. Auch das neuerliche Ansetzen eines mächtigen Vorstoßes vermochte unsere Front nicht zu durchbrechen und erst in der jüngsten Tagen bot unser Gegen st oß östlich des Laborczatales dem feindlichen Ansturm nicht nur Einhalt, sondern brachte den verbündeten Waffen einen b e - deutungsvollen Erfolg, dessen Umfang sich in der großen Zahl der Gefangenen, erbeuteten Geschützen, Maschinengewehren und Kriogs- gerät airsspricht.
Die Kämpfe in Nordpolen.
Die Unterlegenheit der Russen.
Br. Berlin, 8. April. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Über die Kämpfe in Polen berichtet der Berichterstatter des „B. T." aus deni österreichisch-ungarischen Kriegs- pressequartier: Die Ergebnisse an der Nordftont stehen gegenwärtig an Heftigkeit hinter denen an der Kar- pathensront zurück. Doch stießen während meines Aufenthalts dort die Russen unter dem Schutze ihrer, Festungsgürtel immer gegen die deutschen Stellungen vor. Einer dieser Vorstöße bei Je d n o r o w i c e an der Straße nordösüich von Praschnüsch dauerte, wie ein gefangener russischer Offizier aussagte, volle 10 Tage. Besonders furchtbar war der letzte Sturmangriff, der in der Morgenfrühe des 10. Tages von (43 bis 4 Uhr durchgehalten wurde, daun aber unter den s ch w e r st e n Verlusten für die Rüsten zusam- m e n b r a ch. Vor L o m s ch a bestrichen die Russen das Dünengelände, in dem unsere Schützenlinien sich eingegraben haben, fortgesetzt mit Infanterie- und Maschinengewehrseuer und schießen Dörfer, in denen sie unsere Reserven vermuten, in Brand. Die Festung O s s o w i e z steht unter dem Feuer der s ch w e r st e n deutschen Artillerie. In der Stadt sind ganze Häuserviertel halb eingeäschert, die zumeist außerhalb der Forts in feldmäßiger Deckung stehende schwere Festungsartillerie antwortet mit einem Bombardement der Kiefernwälder, in denen sie unsere Batterien vermuten, ohne aber auch nur eine zum Schweigen bringen zu können. Zahlreiche Angriffe machen die Rüsten aus den Wäldern von A u g u st o w und aus dem S e e n p l a t e a u vor S u w a l k i, das für sie, ähnlich wie für uns Masuren, einen natürlichen Schutz bedeutet. Wenn auch gelegentlich einer Kosakenpatrouille die Absaugung eines Wagens gelingt, so kostet doch jeder größere Vorstoß über Kras- n o p o l hinaus den Russen Massen von Toten und Gefangenen. Gleich ergebnislos bleiben ihre Versuche, aus K o w n o gegen die ostpreußische Grenze vorzudringen. Auffallend ist, daß der Feind sich auf dem ganzen nordpolnischen Doppelbogen mit seiner Artillerie als unterlegen erweist, obwohl er sich überall auf seine schwere Festungsartillerie stützen kann.
Eine Besichtigungsrcise des Erzherzogs Friedrich und des Thronfolgers im besetzten Russisch-Polen.
W. T.-B- Wien, 8. April. (Nichtamtlich.) Aus dem Armeehauptquartier wird gemeldet: Armeeoberkommandant
Erzherzog Friedrich bereiste in den letzten Tagen mir dem Erzherzog-Thronfolger Karl Franz Joseph einen Teil der von uns besetzten Gebiete Russisch-Polens. Erzherzog Friedrich spendete wiederholt den technischen Formationen für die äußerst gelungenen Wiederherstellungsarbeiten an den zerstörten Eisenbahnlinien das vollste Lob. Mit den Armee- und Etappenkommandanten besprach der Oberkominandant wichtige Fragen der neu eingeführten Militärverwaltung und wies namentlich auf die Wichtigkeit des rationellen und intensiven Anbaues der weiten Ländereien hin. Der Armeeoberkommandant machte die erfteuliche Wahrnehmung, daß es der Militärverwaltung bereits gelungen ist, alle anfänglichen Schwierigkeiten zu beheben und sich auch das Vertrauen der Bevölkerung zu erringen.
Der ungünstige Stand des russischen Handels.
W. T.-B- Paris, 8. April. (Nichtamtlich.) Der Petersburger Mitarbeiter des „Journals" meldet: Die russische
Einfuhr übersteigt ständig die Ausfuhr, so daß der Handelsverkehr immer noch zu ungunsten Rußlands ausfällt. Der Handel findet vornehmlich auf dem Seewege über Schweden und an der russisch-finnländischen Grenze statt. Zwischen 1./14. Januar und 22. Februar/11. März wurden Waren im Gesamtwerte von 6 100 000 Rubel ausgeführt gegen 192 700 000 Rubel ini Jahre 1914. Während desselben Zeitraumes betrug die Einfuhr 35 900 000 Rubel gegen 231 200 000 Rubel im Jahre 1914. Aus den Zahlen läßt sich entnehmen, wie sehr die Öffnung der Dardanellen der Balancierung des russischen Handels zugute kommen würde.
Line russisch-schwedische Konferenz wegen Finnlands?
Rußland soll den Vorschlag gemacht haben, die finnische Angelegenheit auf einer Konferenz zwischen Rußland und Schweden zu ordnen. Wir können, schreiben „Nha Dagligt Allehanda" vom 1. April, den Vorschlag nur mit Fremde begrüßen, wenn diejenigen, welche für die auswärtige Politik verantwortlich sind, den Willen und die Klugheit besitzen, die Konjunktur auszunutzen.
Pockenepidemie in Charkow.
In der Stadt wütet nach der „Rjetsch" vom 28. März eine Pockenepidemie, die außerordentlichen Umfang angenommen hat. Der Magistrat ruft zur Impfung aller Erwachsenen
und Kinder auf.
Vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Einevemonstration belgischer Schiffe in vlissingen
W.T.-B. Berlin, 8. April. (Nichtamtlich.) „B. Z." meldet aus ^Amsterdam: Am Sonntag hißten die in Vlissingen liegenden belgischen Schiffe. die £> e l- gische Flagge. Auf Befehl der Militärbehörde mußte die Flagge eingezogen werden, da das Tragen n a t i am a I e r Farben verboten ist und da vor allen Dingen Flieger in den Glauben versetzt werden können, sie befänden sich über Belgien.
Oie französischen Tagesberichte.
W. T.-B. Paris, 8. April. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht von Mittwochnachmittag. Die deutsche Abteilung, der cs gelungen war, auf das linke Astrufer südlich von D r i e - Grachten mit drei Maschinengewehren zu gelangen, wurde von belgischen Truppen angegriffen und zurückgeworfen. Östlich von Verdun machte uns ein Angriff in Richtung auf E t a i n zu Herren der Höhen 219 und 221 und der Gutshöfe Hautbois und tzopilal. In E p a r g c s gewannen wir Gelände. Wir behaupteten unsere Gewinne und machten etwa 60 Gefangene, darunter drei Offiziere. Im Walde von A i l l y und im Bois B r u l e warfen wir einen Gegenangriff zurück und erzielten erneut einige Fortschritte, ebenso im Priesterwalde. Im Ban de Sapl sprengten wir bei Fontenellc durch eine Mine feindliche Schanzarbeiten.
Amtlicher Bericht von Mittwochabend: Das Wetter
ist andauernd Zehr schlecht. Trotzdem war die Tätigkeit zwischen Mosel und Maas sehr groß. Wir behaupteten hier alle unsere Gewinne und erzielten neue Fortschritte. Östlich von Verdun eroberten wir zwei Reihen von Schützengräben. In E p a r g e s machten wir in der Nacht vom Dienstag zu Mittwoch einen bedeutenden Sprung vorwärts. Den ganzen Tag über machten die Deutschen heftige Gegenangriffe, aber sie gewannen nichts. Ihr letzter besonders starker Angriff wurde durch unser Feuer gebrochen. Ebenso blieben wir im Walde von A i l l y nach mehreren zurückgeworfenen Gegenangriffen Herren der gestern eroberten Stellungen. Wir machten ans diesem Frontteil zahlreiche Gefangene. Unter den gestern im Gebiete des Hartmannsweilerkopfes gemachten Gefangenen befinden sich Mannschaften der Garde, welche von den Deutschen infolge ihrer Schlappe vom 26. März in dieses Gebiet gebracht worden sind.
Warum die Franzosen keine Luftangriffe auf deutsche Städte unternehmen.
„Lyon Republicain" vom 3t. März schreibt: Es wird
der Rat erteilt, ebenso wie die ■ deutschen Flugzeuge französische Städte angreisen, sollten französische Flugzeuge Aachen, Köln, Elberfeld, Düsseldorf, Dortmund bombardieren. Das ist der Ruf und Wunsch eines ehrlichen Franzosen, der entrüstet und empört ist wegen dev barbarischen Mittel des Boche. Die Alliierten haben ebenso kühne und verwegene Flieger wie die Deutschen — noch nie^ mals hat aber einer eine Bombe auf die Zivilbevölkerung eines Fleckens oder einer Stadt abgeworfen. „Wir werden weder Aachen noch Köln noch Elberfeld bombardieren, weil diese Städte und ihr Gebiet von vornherein Belgien zuge- sprachen sind. Wir werden auch kein Haus in Trier, Koblenz, Mainz oder gar in Sttahburg in Brand setzen — es wäre ja eine Entheiligung, denn alle diese Städte waren französisch und sind im Begriff, es wieder zu wer- d e n." Das letztere also ist des Rätsels wirkliche Lösung. Auch das gehört also in das Kapitel vollständiger Begriffsverwirrung und Verblendung, die wir in gleicher Weise iw London. Paris und Petersburg wahrnehmen.
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In die belgische Finanzabteilung berufe».
W. T.-B. Berlin, 8. April. (Nichtamtlich.) Das „B. T." meldet aus München: Leo Bardmann, der bis vor Ausbruch des Krieges Prokurist einer größeren Bank in Paris war, wurde in die F i n a n z a b t e i l u n g des kaiserlichdeutschen Generalgouvernements in Belgien berufen.
Der Handelskrieg gegen England.
Englands Kampf auf zwei Fronten.
Stimmungsmache für die Wehrpflicht.
Br. Amsterdam, 8. April. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Die Londoner „Daily Mail" schreibt: Die englische Nation-, die schon in Frankreich einen gewalttgen Krieg zu führen hat, wird jetzt noch einen zweiten, nicht minder großen in der Türkei dazubekommen. Die Dardanellen können ohne ein Landungskorps nicht genommen werden. Selbst ioenn wir nur die Hälfte der Zahl, die v. d. Goltz aufstellte, gelten lassen, so haben die Türken 600 000 Mann- unter den Waffen. Jedes englische und französische Bataillon, das nach den Dardanellen gefübrt wird, bedeutet einen Verlust, und das gerade zn einer Zeit, wo Deutschland seine neuen Verstärkungen ins Feld führt. Wenn die Wehrpflicht jemals dringend notwendig war, dann ist sie jetzt doppelt notwendig, wo wir bestimmt auf zwei Fronten zugleich große Verlusie werden erleiden müssen.
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