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Wiesbsdkmr

*s. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezngs-PreiS: durch den Verlag SO Pfg. monatlich, durch die Post L Mk. «« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

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122. F»',sprcchcr No. 52. MiltMSch, dkU 14. Mär?.

für Auswärts 75 Pfg.

Für die Aufnahme später eingereichtcr Anzeigen zur

Fernsprecher No. 52. 1900.

Margen -Ausgabe.

Aus Zta-t und §and.

Wiesbaden, 14. März.

^ ^ Geschichtslralen-rr. 14. März. 1896: Anerkennung

der Fürsten von Bulgarien durch den Sultan. 1891: f Ludwig Wmdthorst zu Berlin. 1881: Rumänien wird Königreich. 1874: F.. v. Madlcr zu Hannover, hervorragender Astronom. 1848: llMige Zusammenstöße mit dem Militär in Berlin. 1844: Unwerto 1 ., König von Italien. 1820: * Viktor Emanuel II., von Italien. 1864: * Johann Strauß zu Wien, berühmter

Janzkomponist. 1803: PF.G.Klopstöck^der Dichtttdes„Messias", »l Hamburg. 1414: * Philipp Emaniiel Bach zu Weimar, dritter Sohn Joh. Seb. Bachs. 1369: Peter von Kastiliens Tod in der Schlacht auf dem Campo de Montiel.

° «nd Genostenschaft. In das in dem gestrigen

Abendolatt enthaltene Referat über den Vortrag des Herr» Direktors Paech-Fraiikfurt über Handwerker-Genosscuschasten hat der Druck- M«teufe eine stnnstorende Lucke gerissen. An der betreffenden Stelle fehlt das Wort Bürgschaft. Der Vortragende bezcichnete es nämlich als das beste Mittel, um auch den kleinsten Handwerkern Kredit zu verschaffen, daß die Haudwerker-Kredit-Genosseiischasten mit den Vorschußvereinen ein Abkommen träfen, wonach diese die Darlehen gewahrten und jene die Bürgschaften übernähmen.

„ „T Onter-Uortrag. Am Sonntag Abend fand im Rathhanssaal der mit Spannung erwartete Vortrag des Psycho- Physiognomen Herrn Karl Hüter statt. Der Saal war, trotz der ungünstigen Zeitwahl, bis auf den letzten Platz besetzt. Der Redner gab m kurzen Zügen, zunächst eine geschichtliche Skizze über die Entwickelung dieser eigenartigen Wissenstiaft. Bekannte Männer der Bibel, der griechifthcn Kunst und Philosophie, sowie die Größen ans der christlichen Kirchenphilosophie und -Kunst haben sich mit Physiognomik beschäftigt Delta Porta, ein Italiener, beeinflußte das mittelalterliche Kunstgewerbe durch seine symbolische Phystoa- «omlk und der größte deutsche Dichter. Wolfgang v. Goethe, war ein Freund und Förderer der Gesichtsausdruckskündc; er hat verschiedene diesbezügliche werthvolle Entdeckungen gcinacht. Viel Aufsehen erregte im vorigen Jahrhundert der Züricher Kanzclrcdner I. Caspar Lavater durch Herausgabe der bekannten phyfiognomischen Frag- «ent^ Dann traten Gall und Spurzheim mit ihren Gehirn- ,nd Schichelforschungen aus und begründeten die Phrenologie, die heute in Frankreich, England und Nordamerika als eine beachtens- werthe Wissenschaft gilt In Deutschland wurde Lavater durch Llchtcnberg und die Gall',che Lehre durch die Professoren Bock und Birchow auf ihren wissenschaftlichen Werth hin geprüft. Beide fanden jn der Phrenologie unhaltbare Grundsätze, hingegen waren beide Forfther begeisterte Anhänger der Physiognomik. Professor Virchow hat wcrthvolle Rasscnstudleil gemacht und ist zur Zeit Vorsitzender der Deut,chen Anthropolog-Gescllschaft. Durch Professor Virchow ist Redner auf den, Anthropologcn-Konqrcß 1893 in Hannover be­sonders angeregt worden, sich eingehender den phyfiognomischen Forschungen zu widmen. Damals that Virchow in den Fest- raumen des Künstler-Vereins den dcnktvürdigen Ausspruch, die bildenden Künstler möchten Mitarbeiten helfen, den großen Bau zu vollenden, zu dem die Anthropologen den Grundstein gelegt haben. Prof. Virchow erwartet in akisehbarer Zeit, daß sich die anthropologischen Forschungen, die sich noch im Aiifangsstadrum befinden, zu einer Psycho-Anthropologie entwickeln werden, einer Wissenschaft, in der in Zukunft alle menschlichen Kultur- und Wissenszweige ihren harmonischen Verbindungspuukt Hude» werden Redner war Portraitmaler und hatte auf diese Weise Gelegenheit, anschauliche phyfiognomische Studien zu treiben, und es ist ihm gelungen, ein neues System aufzustellen, das sich

t streng an die Ergebnisse der Naturforschnng hält. So wie einst rof. Blumenbach aus äußeren physiognomischcn Merkmalen die nthropologre und die Lehre von den fünf Menschenrassen

Ans Kunst und Leben.

„„ * ..De Tochter des Erasmus". Das war am Samstag Abend ein voller ein rauschender, ein ehrlicher Erfolg, den sich Ernst v. Wildcnbruch mrt seinem neuen vieraktigen Schauspiel im Berliner Schanspielhause errungen. Die Zeit Luthers ersteht vor uns, mit all ihren Erschütterungen, ihren Umwälzungen, ihren polittjchcn und geistigen Thaten. Nicht, wie er es so leicht gekonnt, hat Wildcnbruch Luther in den Mittelpunkt der Handlung gestellt, ckfti auch nicht unmittelbar in dieselbe verstochtcn, wir fühlen nur die Wirkungen, wir hören nur das Echo seines Auftretens, wir empfinden den Druck, der über den deutschen Landen, über dem, .deutschen Volke liegt, das sich sehnt nach seinem Bcsreicr, «nd nun erscheint er auf der Wcltbühne, der schlichte Mönch ans Wittenberg, und mit feierlichem Brausen bricht enie neue Epoche rm geistigen und politischen Leben des armen, geknechteten, von dem spanischen Karl beherrschten Dcutsch- lanü au: erhellend und erwärmend geht die oerheißungsoollc Morgeurothe der Reformation auf, und Deutschland wird 'wieder deutsch, es besinnt sich auf sich selbst, und in den Stürme» einer al.e stände, alle Geister erschütternden Zeit werden die Keime aciegt zu zukünftigen erhebenden ThatenI Diese Stimmung, erst schwul, dann sich erhellend, darauf durchleuchtet von den Fackeln des großen Reformators, hat Wildenbruch meisterhaft wiederaegeben. In zwei der hervorragendsten Männer jener Zeit werden uns die Strömungen der letzteren mit feinem Geist verkörpert, in Erasmus von Rotterdam und in Ulrich v. Hutten. Hier der große Gelehrte und ttefe Denker der glänzende Stilist und klugsinnigc Pädagoge, den Fürsten und Könige feiern und dessen Ruhm ganz Europa durchhallt, und dort der arme, fahrende, deutsche Ritter, dessen ganzes Eigenthum sein Lied ist, und der mit schrankenloser Be- wunderuW zu Erasmus aufsieht. Aber da vernimmt er einen neuen Sang und neuen Klang, jenen der Wittenberger Nachtigall, Luthers _ deutsche Flugschriften fallen Hutten in die Hände, einen völlig anderen Inhalt erhalt mit einem Male sern Leben, er fühlt die weltbewegend- Größe des Wittenberger Mönches,. und mit all seiner männlich starken Leidenschaft, seinem heißen Dlchterherzen wendet er sich diesem zu. Vergeblich versucht er mit erschütternden Worten. Erasmus mit sich zu ziehen, der ist ab-r nicht aus semer Studirstnbe zu locken, denn dein feinsinnigen, stillen Mann der Wissenschaft ist Vieles in der lärmenden, reforma- torischen Bewegung zuwider, vor Allem merkt Erasmus, daß ein

WnSl'lft« gol 3 be i n deutschen Volksleben emporwächst und

b'ncn Ruf ms Wanken brmgt, und der Neid spricht nun entscheide«!»

begründet, so hat .Redner die Psycho-Physiognomik begründet. Im zweiten Thcil ging Redner auf die anschaulichen experimentellen Beweisführungen über, und eine Anzahl Damen wie Herren stellten sich ihm zwecks Beurtheilung zur Verfügung. Hüter stellt drei Grnndtypen auf: das Ernahrmigs-, Ve- wegungs- und Empfiudungs - Naturell. Jedes Naturell hat bestimmtc typische Merkmale im Glieder-, Rumpf- iiiid Schädelbau. Nase, Gcsichtsform, Körperhaltung :c. Diese äußeren Merkmale decken sich vollständig mit dem inneren anatomischen und struktivcn Körperbau. Ebenfalls sind mit diesen Grnndtypen stets gewisse physiologische und psychische Eigenheiten verbunden. Geschichtlich laßt sich dies dadurch Nachweisen, daß alle Völker, in denen ein bestimmtes Naturell die Vorherischaft einnimmt, demgemäß gelebt und gehandelt haben. Die semitischen Völker neigten zum Groß­handel, die alten Römer zu Eroberungen, die Indianer zum Krieg, Jagd x. Die Bewcgunastypen waren bei diesen Völkern vor­herrschend. Bekannt ist das römische Profil mit der großen Nase dem markanten Kinn und Stirnansatz ec. Von diesen Allgen,cin- betrachtungeil ging der Vortragende zu individuellen Eigenthumlich- keiten der Einzelnen über und konstatirte bei dem einen Herrn die Anlage zu Erkrankiingen der Schleimhäute, bei einer Dame Energie und Arbeitstricb. bei einem Herrn int Vergleich 31 t einer Dame, vermöge der verschiedenen Natnranlagen, gänzlich verschiedene Körpcrproportiouen rc. Die Ausführungen wurden sammtlich als zutreffend bestätigt und wurde dem Redner am Schluß reicher Beifall gezollt. Ende März oder Anfang April wird Herr Hüter seine physiognomischcn Vorträge fortsetzcn und einen Lchrkursils anfchließen. Durch die bei ihm zu erlernende Wissenschaft wird man befähigt, jeden Menschen nach seinen An­lagen an den rechten.Platz zu bringen und die im Menschen chlummernden.unbekannten Fehler durch eigenes Hinzuthun mög­lichst zu beseitigen. Die Hutcr'scheu Vorträge haben in Künstler- und Gelehrteiikreisen stets großes Aufsehen erregt und wurden überall sehr beifällig aufgenommen.

- Mädchrichorte. Am 10. März fand die erste General­versammlung des „Vereins für Mädchcnhorte" statt, und wir ent­nehmen dem daselbst erstatteten Bericht Folgendes: Zu dem am 21 November 1898 mi „Evangelischen Gemeindehaus". Steinaasse 9 . eroffnetcu Madchenhort, der durchschnittlich von 100 Kindern besucht wird, trat Mitte Januar d. I. ein zweiter, für den der Magistrat gntlgst zwei Klassenzimmer in der Schule au der Bleichstraße fammt !?»e'!chk"ng. Heizung und Reinigung kostenfrei zur Verfügung stellte. Auch dieser Hort wird von durchschnittlich 100 Mädchen besucht. Die Auf,iahuie der Zöglinge ersolgt durch Vermittlung der Volksschulen; bei derselben werden alle Konfessionen be­rücksichtigt, entscheidend ist nur, daß die Ellern arm' und nicht in der Lage sind, ihren Kindern die nöthige Fürsorge zu wldlNen. Jn jedem Hort ist eine geprüfte Handarbeitslehrerm an- gsstellt, deren Arbeit durch freiwillige Hülfskräste iinterstützt wird. Auf Ordnung, Reinlichkeit, Gehorsam, Wahrhaftigkeit und Verträq- lichkeit wird streng gehalten: der Fleiß bcthätigt sich zuerst bei ge­wissenhafter Anfertigung der häuslichen Aufgaben, daun an Hand­arbeiten. Zwischendurch wird gesniigen und gespielt, im Winter "H dm geräumigen Gängen der Lokale, im Sommer auf den Schulhosen, .denn nachdem der Hort in der Steingasse (Nordhort) Mlt Erlaubnis; des Vorstandes der Bergkirchengemeinde eine Zeit lang den Platz um die Kirche benutzt hatte, wurde ihm, als sich Uiizutragllchkeitcn herausstclltcn, die Benutzillig des Schulhofes aus dem Schiilberg gütigst gestattet. — Im Winter erhalten die Kinder warme Milch, im Sommer Buttermilch gegen einEnkgelt voulOPf.die Woche, das jedoch in vielen Fällen erlassen werden muß, da ja gerade die Aerinsten dieser Wohlthaten am meisten bedürfe». Auf Verlangen w-rd auch ein Stück Broo gereicht. Da die Ernäbrungsfrage bei den Kindern der Klassen, aus denen die Hortzöglinge stammen, eine überaus wichtige Rolle spielt, erkennt der Vorstand mit warmem Dank dre großmurhigc linterstützung des „Franenverein" an, der das aanze lialir üinburck 12 Kindrrn freien siBiHrmstifrii fi.t«

einen

im „Tagblatt"

mit. Aber wenn der Vater nicht Hutten nnd der neuen Lehre folgen ftJul, so tmit’s bie Tocbter.

will, so thut's die Tochter, Maria, das Kleinod des Erasmus, der isamen Leben des Gelehrten. Wie ein Prinzeßchcn

Vinn »rri„n ..„s. r.... . rr... I <■ ,

Helle Stern im ein,. ......

wurde sie erzogen, von Allen verwöhnt, kalt nnd verschlossen blieb ledoch dabei ihr Gemüth nnd ihrer Unarten waren viele. Da wandelte sie die Liebe zn dem deutschen Rittersmann, zu Hutten, um, er und seine Zuneignng erfüllten das schöne Bild mit quellcndstcm Leben, sie verläßt den Vater, sie verläßt Wohl- Icben und Ucberfluß und folgt dem wandernden Sänger m Noth und Gefahren, bis sie in stürmischer Winternächt zu dem Vater zurückkchrt, um Schutz bittend für den verfolgten, den kranken Hutten — es ist zn spät. Hnttens Tod trennt'von Neuem die -vochter von dem Vater. Schwermüthig klingt so das Schauspiel ans, das uns von Anfang an in seinen Bann ge- liomnien, erschütternd und erhebend, die reife Gabe eines echten Dichters, em deutsches Stück, dessen Wirkung langnachhaltiq sein wird. — Durch Krankheit verhindert, konnte Wildenbruch 'leider nicht den innigen Dank Jener cntgegennehmen, denen er festliche Stunden bereitet, desto häufiger mußten die Mitwirkenden er­scheine». p. l

, * .Zu Kansr ist'o am drstr,,. In, preußischen Abgeordnetcn-

hans hatte Graf Lnnbiirg-Stiriim dieser Tage die monumentale Acußcrniig gethan: „Durch eine Verbilligung der Eiscnbahntarife wird im Publikum die wirthschaftlich und social schädliche Wander­lust geweckt." . Diesen Ausspruch nimmt der „Kladderadatsch" zum Anlaß, um ein bekanntes Lied aus dem „Eichendorff'scheii ins Agrarische" umzudichten:

Wem Gott will rechte Gunst erweisen.

Den schickt er niemals in die Welt.

Was nützt denn auch das öde Reisen?

Es kostet uns nur Zeit und Geld.

Wer zeitig aus dem Bett gestiegen.

Sieht auch im Dorf das Mörgeiiroth.

Wenn Städter noch im Schliimmer liegen.

Verdient er schon sein täglich Brod.

Die lieben Kälblein blökend springen,

Die Hähne krähen laut vor Lust.

Was sollt' ich nicht mit ihnen singen Aus voller Kehl' und frischer Brüst?

Den gnäd'gen Herrn lass' ich nur walten:

Der Schloß und Park und Wald und Feld So stramm in Ordnung weiß z„ halten.

Hat auch mein' Sach' auss Best' bestellt!

418 Mk. zur Verweudung auf Ferienkoloniecn eingiugen, konnten mehrere Kinder in Dörfern der Umgegend einqnartirt werden, wo sic sich m stärkender Luft bet kräftiger Kost wunder­bar erholten. Auch das Pauliiicnstift verpflegte einiae Kinder, wahrend fünf nach Kreuznach gesandt werden konnten. — Die Bemühungen um die Hebung der leider in vielen Fallen schwachen Gesundheit dieser Kinder, deren Erwcrbsfähigkcit spater doch in erster Linic von einer fluten Gesundheit abhängt, wurden durch die Bemühungen des Herrn Dr. Lugcnbühl unter* stutzt, der in edclinüthigcr Weise seine Dienste dem Hort zur Ver- fugimg stellte und die Kinder untersucht und beobachtet. Nach Rath werden dann je nachdem Lebertliran oder aubere Medikamente tm Hort verabreicht, d. h. dort selbst eingenommen, Herr vr. Roser gav freundlichst Anweisung zu solchen ortho­pädischen Uebnngcn, wie sie im Hort selbst von einer Turn- lehrerin mit den an Wirbelsäulenverkrüinmung leidenden Mädchen vorgcnomnien werden können. Mit dankbarer Ane> kennung gedenkt der

a Bericht der mannigfachen moralischen, sowie finanziellen Unter- unaen, die ihm von Seiten der Schulbehörde, des Magistrats und so er Privaten zu Theil geworden sind. Die Kosten, welche der Nordbort verursachte, konnten durch Jahresbeiträge und sonstige Spenden gedeckt werden, doch haben sich durch Erösfnniig des West­hartes die Ausgaben verdoppelt, sodaß, sollen beide Anstalten be­stehen und gedeihen, die Mildthätigkeit unsrer Mitbürger auch ferner in Anspruch genommen und vor Allem um weitere Zeich­nungen von Jahresbeiträgen gebeten werden muß.

— Kana», 12 . März. Der Verband der süddeutschen Karnevalvereine, welcher gestern im Saale des „Deutschen Hanses" dahier seine Generalversaniniluiig abhielt, hatte statuten­gemäß neben der Erledignng anderer wichtiger Punkte der Tages- Ordnung auch die Neuwahl des Vorstandes vorgenommen, und wurde Herr Karl Söhnlein aus Hanau, Bice-Präfidcnt der großen Hanauer Karnevals-Gesellschaft, zum ersten Verba,ids-Präsidenten gewählt. Außerdem gehören dem neuen Vorstand noch an, die Herrei, Schramm-Darinstadt, Forkel-Frankfurt a. M.-Sachse»hausen, Fr. Jaenlch-Frankfurt a. M„ Glücklich-Wiesbaden, Werns- Frankfnrt a. M. und Keil-Frankfurt. Der ganze Verlauf der Versammlung war ein prächtiger, es schien Alles inspirirt und be­geistert von der Grundidee des Karnevals: Vivat Narrheit, Einig­keit und Wohlthun durch Humor, und manches Band der Freund­schaft wurde geschlossen, welches das flüchtige Leben überdauern durfte. Mit stürmischem Jubel wurde der 'Vorschlag des ersten Präsidenten des Wiesbadener Karneval-Verein „Narrhalla", Herrn Glücklich, begrüßt, als Pendant zu der so herrlich verlaufenen Verbandssttziiiig in der „Walhallc? zu Wiesbaden am Sonntag, ven 17. Juni 1900, ans dem „Speierskopf" in Wiesbaden ein einziges großes Verbands-Waldfcst abzuhalte», und zwar mit Damen, damit man auch Gelegenheit fände, die bessere Hälfte des Verbandes kemien zu lernen. Vivat -oguons.

~ ! Ast.ff den Umgebung. Ans Hcrborn wird gemeldet: Im stadtl,chen Waiddistrikt Johannisberg entstand ein Waldbrand, der sich über eine ziemlich große Fläche ausdehnte und ziemlichen Schaden verursachte. — Wegen Erkrankung der beiden Geistlichen Mw wegen Mangel an Vertretung von auswärts mußten am Sonntag in Langenschwalbach die beiden Gottesdienste ans- stillen. — lieber hohe Gütcrpreise wird aus Schadeck berichtet: Bei einer kürzlich stattgehabten größeren Versteiqernnq wurden für gutes Ackerland über 1800 Mk. per Morgen erzielt. Auch dieHolz- preise sind m den benachbarten Waldungen ziemlich hohe. — Dem Krieger-Verein Holler wurde im vergangenen Jahr die Ge­nehmigung zur Führung einer Fahne ertheilt. Der Tag der Ein- weihuiig ist auf Sonntag, den 27. Mai, bestimmt. —Jn Niedcr- b reche »waren dieser Tage Herren der Königl. Eisenbahn- drrektron Frankfurt anwesend, um die Anschlüsse der zu bauende» Bahn nach Dauborn-Kirberg zu erörtern; die Herren be­gaben sich nach Oberbrechen, um daselbst die örtlichen Verhältnisse wegen der Weiterführung der Bahn nach Weyer und Münster in Augenschein zu nehmen: in Oberbrechen soll die Bahn in das bis Niederbrechen zu bauende zweite Geleise einmünden.

* Nrrpchte-ene Mitthrilungen. Durch den Brand im Gen^alstabsgebande zu Petersburg ist der schöne Knppelsaal der Bibliothek vollständig vernichtet, die übrigen Säle gelang es M..re"«,. Von der wcrthvolle,i, über 100,000 Bände starken Bibliothek durfte über die Hälfte der Bücher verbrannt sein; die berühmte Autographensammlnng ist erhalten geblieben.

Der diesjährige deutsche Journalisten, und Schrift- e i v a undet zugleich mit der Hauptversammlung der Pciisions- anstalt deutscher Journalisten und Schriftsteller »nd der General- versammlung des Deutschen Schriftsteller-Verbandes am 21 . Juni in Mainz statt.

. Karlweis Wiener Gesellschaftskomödie „Onkel Toni" hotte bei der Erst-Ailffuhrung im Kölner Stadiiheater bei vorziigliwer Darstellung einen bedeutenden Erfolg. Die vielen feinen Pointen des Dialogs übten eine zündende Wirkung.

Wie dem „Petit Journal" aus Toulon berichtet wird, ist dieser Tage dort eine neue Erfindnng des Instituts-Mitgliedes Cailletct geprüft worden. Diese Erfiiiduiig ermöglicht einer Feld­armee oder einem Bclagernngsheer die photographische Moment- Aufnahme eines großen Terrains von einem Fesselballon ans. Das Experiment wurde in Gegenwart des Erfinders »nd einer Kommission der Marinebehörde gemacht und fiel vollständig M Gunsten der Erfindung aus. Die Aufnahme geschah aus einer Hohe von 300 Meter, nahm mir wenige Sekunden in Anspruch und gab ein scharfes Bild des Terrains bis auf zehn Srimden Entfernilng, also einen Kreis von etwa 60 Kilometer Umfang. Der Apparat vollzieht die Aufnahme mit neun Platten zugleich, was das Eigenthumliche der Erfindung Cailletets aiismachl.

Eine Schule ohne Aufgaben und ohne Bücher ist in Kopenhagen begründet worden. Die Organisation schließt sich an den bekannten skandinavischen Slöjd- oder Handfertigkeit^ Unterricht an; wahrend die Knaben ihre Holzarbeiten anfertigen, werden sie mündlich im Rechnen, im Deutschen und Englischen miternchtet; so in den Elementarklassen, während später besondere Sprachftuiiden folgen. Nach Hause werden keinerlei Nnsiiaben nntgegeoen. °

Poröse Ziegelsteine. In Anbetracht der vielseitigen Ver- wcndung poroser Steine sind Uiitersuchnngen von Interesse, die in Amerika über georannte Thonziegel mit Sägeinchlzusatz aus- aefuhrt wurden. Es stellte sich, nach einer Mittheilung der „Techn. o s^h., her aus, daß man den Ziegeln vor dem Brennen bis zu soeben konnte, ohne daß sic zerfielen, daß aber oou etwa 2o pCt. eine starke Abnahme der Zug- und von etwa M vCt. an der Druckfestigkeit eintrat.