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Donnerstag, 8. April 1915.
Abend-Ausgabe.
Nr. 162. ♦ 63. Jahrgangs
kjeldenleben — Helöentod.
In den großen Kriegen erwachen die Heldeiriugen- oen. Tausende und Abertausende setzten ^ ihr Leben aufs Spiel, ohne mit der Wimper zu zucken: __ Bei Attacken auf den Feind, beim Ausharre» im Schützengraben, auf Patrouillen, auf Erkundungsflügen und bei zahlreichen anderen Gelegenheiten zeigt sich der Mannesmut in seiner vollen Größe. Nicht zu vergessen der Helden, die auf Kriegsschiffen, Torpedobooten und auf der neuesten maritimen Waffe, dem Unterseeboot, ständig dem Tode ins Auge sehen!
Die dankbare Mit- und Nachwelt gedenkt aller der Helden, die sich im Dienste des Vaterlandes bewährt und zu einem erheblichen Teil geopfert haben, mit Liebe und Wehmut. Aber die Taten der meisten von ihnen erringen in der Geschichte ihres Volkes keinen besonderen Platz — weil eben der Helden zu viele sind. Nur an die Persönlichkeiten e i n- z e l n e r tapferen Soldaten und Offiziere knüpft sich ein besonderes persönliches Gedenken; ihre Namen und Kriegserfolge prägen sich dem Volke ein, erwerben große und berechtigte Popularität. Irgend eine hervorragende Tat ist es, die sich der Bevölkerung einprägt und dein Helden R u h-m und Ehre bringt über Krieg und Tod hinaus.
Im jetzigen Weltkrieg ist die Zahl der stillen Heiden L e g i o n. Ihrer wird das Vaterland in unauslöschlicher Dankbarkeit gedenken. Aber auch jetzt heben sich einzelne Helden besonders inarkant hervor, und ihr , Name wird in der Geschichte fortlüben. Der Name Otto Weddigen wird ein Ruhmesblatt bleiben in her Geschichte Deutschlands und der deutschen Marine. Ein tiefes Weh durchzuckte die Herzen aller Deutschen, als sie von der überfälligkeit des Unterseeboots „TT 29" hörten, das der Kapitänleutncmt Weddigen kommandierte, und als nunmehr durch die Mitteilung des Ehsfs der Admiralstabes die traurige Gewißheit gegeben zu sein scheint, daß Weddigen mit seinem Fahrzeug und seiner ganzen Besatzung ein Opfer des Seekrieges geworden ist. Reben H i n d e n- burg und dem Kommandanten der „Emden" von Müller hatte sich Weddigen die größte Volkstümlichkeit errangen, als er mit seinem früheren Boot „U 9" drei große englische Kreuzer und später noch ein viertes Kriegsschiff der verhaßten Gegner und eine große Anzahl von Handelsschiffen in den Grund zu bohren ver- mochte. Es waren kühne seemännische Taten, die schließlich ein anderer unserer tapferen Seedegen auch vollführt hätte, wenn ihm das Glück hold gewesen wäre. Aber mit Recht sahen Armee und Volk in dem heldenhaften Seeoffizier Weddigen die Verkörperung der deutschen Soldaten- und Seemannstugenden, und darum wurde er geehrt und bewundert, und darum wurde der Tag, als die Kunde von seinem Tode zu uns drang, zu einem Trauertage für Deutschland.
Weddigen — der Typus, das leuchtende Vor. b ild des deutschen Seeoffiziers und Seemanns- helden! Voller Tatendrang, brennend vor Begierde, dem Feinde vernichtende Schläge zu versetzen, gleichzeifig aber mit Ruhe und Besonnenheit den richtigen Moment erspähend, nach vollbrachter Tat ahne Ruhmredigkeit, schlicht und bescheiden, dem Feinde gegenüber ritterlich und vornehm — so zeigt sich uns der Seeoffizier -Otto Weddigen, dessen sterbliche Überreste nun die Wien Fluten decken. Sein Andenken wird im deutschen Volke weiter leben, die Geschichte und vielleicht später auch die Sage werden einen Ruhmeskranz um seinen, Namen weben. Uns aber bleibt der Trost und die stolze Gewißheit, daß es in der -deutschen Armee und in der deutschen Flotte noch viele Weddigens geben wird. Nene Rächer für Otto Weddigen, neue Helden sind auf dem Plan!
Ein« wertere Vermutung über die Vernichtung des
17 29".
Berlin, 7. Avril. (Ktr. Mn.) Auch der Marinesachver- ständige der „Deutschen Tagesztg." findet das Schweigen der englischen Press« und der englischen Admiralität sehr auffällig und glaubt, daß eS nicht ein Zufall fei, sondern daß oms gutem Grunde die näheren Umstände der Vernichtung des Bootes geheim gehalten wurden. Er vermutet nämlich, das Boot sei überrascht worden, als es gerade die Besatzung eines Dampfers rettete, und es sei in seiner zeitweilig hilflosen oder behinderten Lage von einem englischen Schiff angegriffen und mit leichter Mühe vernichtet worden.
Weitere Berliner Preffcstimmen.
Berlin, 8. April. (Ktr. Bln.) Zu Weddigens Ende sagt pie „Tägliche Rundschau": Der Bettust des Tauchbootes „II 89" trifft uns materiell gar nicht. Wir werden so viele Tauchboote haben, als wir brauchen und wollen: Es ist nicht um das Schiff, es ist um die Männer, daß wir trauern, denn sie waren von unseren allerbestem.
In der „Post" wird gesagt: Weddigen war unser bahnbrechender und vorbildlicher Seeheld. Der Name dieses erfolgreichen, und ruhmvollen Unterfeebootsführers wird weiter leuchten und in der Geschichte dieses Krieges unvergessen dastehen und stets mit unseren Unterseebooten verknüpft bleiben. Sein Andenken wird am besten gewahrt weiden, wenn -unsere Seeleute in seinem Geiste fortsahren, ihm nachzueifern.
Der Name Weddigen, so führt die „Boffische Zeitung" aus, ist mit unverlöschlichen Zügen in jedes deutsche Herz eingetragen. Diesem Rainen ein Denkmal zu fetzen, nicht ein Denkmal, das vor Vergessenheit schützen soll, sondern um dem Zeichen unserer tiefen Ergriffenheit Ausdruck zu vetteihen, ist heute der Wunsch von vielen. Unser Verlag gab die Anregung zu est-sr Weddigen - Gedächtnisstiftung, cm der er sich mit dem Bettage von 3909 M. beteiligt.
Oie Wachsamkeit ver V-voote.
Der nachfolgende Brief des Kapitäns eines schwedischen Dampfers an seinen in der Schweiz lebenden alten Freund wird von der „Voff. Zig." veröffentlicht:
Es wird Dich sicherlich interessieren, etwas über meine letzte Fahrt von Brasilien nach Europa zu hören. Deutschland kann stolz sein auf seine kühnen Unter feeboots- bewohner. Ende Februar langten wir- mit dem Schiff vor dem englischen Kanal an, ohne etwas von dem Unterfeebootskrieg gegen England und Frankreich zu ahnen, da wir keine drahtlose Telegraphie an Bord hatten. Eine hohe westliche Dünung schob den Kasten fast von selbst in den Kanal hinein. Da wir seit mehreren Tagen keine astronomischen Beobachtungen gehabt hatten, fehnttn wir mit Spannung den Sonnenaufgang herbei, weil wir uns vor dem Eingang des Kanals schätzten. Der Tag begann zu grauen. Anstatt der lieben Sonne tauchte im Osten von uns dem Anschein nach ein m ä ch- tiger Walfisch mit seinem dicken Böskopf aus der Meerestiefe empor. „Eine Harpune hat der Kerl im Rücken", rief mtt der zweite Offizier nach, als ich ins Navigationszimmer eilte. „Ein Seeteufel mtt einem Knast auf dem Buckel ist es", scherzte ich, als ich wieder die Kommandobrücke betrat. Dabei dachte ich rwch gar nicht an ein Unterseeboot, hatte ich doch ein solches noch nie gesehen. Bald ging an der vermeiittlichen Harpune die deutsche Kriegsflagge hoch. Ganz von selbst hemmten wir die Fahrt und zeigten unsere Flagge und das Unterscheidungssignal. Auf weiteres Vettangen des 77-Bootes gaben wir durch Signalflaggen unseren Abgangs- und Bestimmungshafen sowie den Inhalt der Ladung au. Von dem Heimatshafen des Dampfers überzeugte sich der Kommandant des Unterseebootes selbst durch Anfahren unseres Schiffes, da er in großen goldenen Buchstaben am Heck zu lesen ist. Da nun unsere Ladung, bestehend aus Kaffee, für ein nenttales Land bestimmt war, ging vom Tauchboot das Signal hoch: „Sie können Ihre Reise ßorffetzen." Das war ziemlich in der Mitte des Kanals, südöstlich von Kap L i z a r d.
Ein zweites deutsches Unterseeboot trafen wir zwischen Plymouth und der Insel Wight, dem ich auf Vettangen die Schiffspapiere an Bord brachte. Nach Durchsicht derselben erklärte mir der Kommandant in meiner Landessprache: „Knen wollen wir den Kaffee nicht versalzen. Fahren Sie mtt Gott. Ich wünsche Ihnen eine glückliche Reise." Ein Glas Wein besiegelte den Abschied. Während wir mit Volldampf weiterfuhren, tauchten die kühnen deutschen Blaujacken wieder in die Tiefe.
Zwischen G r i g S t o n und Dover tauchte zum drittenmal auf dieser kurzen Sttccke ein deutsches Unterseeboot auf, dessen Kommandant ließ uns ebenfalls die liebenswürditzfte Behandlung zuteil wetten, und wir konnten binnen kurzem unsere Reife forffetzen.
Bei Dover, im Bereich der Festungsgeschütze, wurden wir endlich von einem englischenTorpedojäger angehalten und einer scharfen Untersuchung der Ladung und Schiffspapiere unterworfen. DaS Auftreten des englischen Offiziers mutz ich geradezu als schroff uwd mißachtend bezeichnen. Ich freue mich noch heute, daß ich vorsichtig genug gewesen war, wenigstens meine Mannschaft rechtzeitig zu warnen, den Engländern nichts von den deutschen Unterseebooten zu verraten. Als sich endlich der britische Offizier die Frage erlaubte, ob wir etwas von den deutschen Seehunden bemerkt hätten (wie er sich spötttfch ausdrückte), war ich nicht faul, und gab ihm die Antwort, „daß ich nicht dazu berufen sei, Landesverrat an meinen Freunden zu begehen", worauf der Frechdachs mtt sagte, seine Regierung sei bereit, mir 50 Pfund für jede Mitteilung über Aufenthalt und Bewegung feindlicher Kriegsschiffe in englischen Gewässern zu zahlen. Entrüstet wies ich den Lockspeiseverkünder zurück. Mit der Hand nach der Tür zeigend, schleuderte ich ihm die Worte ins Gesicht: „Schämen Sie sich Ihres Standes als Offizier. Einem alten Schweden, der ich bin, eine solche Tat zuzumuten!" Mit diesem Bescheid war er abgeblitzt. Auch bei meinen Offizieren und Mannschaften hatten sich die Briten trotz allerlei Versprechungen vergebens bemüht, irgend etwas auszukundfchaften. Tie deutschen Offiziere haben dagegen an uns keine Frage oder Bemerkung über den Feind gemacht. Das nenne ich gentieumnlikc.
In der Nordsee wurden wir nochmals von einem deutschen I7-Boot angehalten, das nach Abfertigung mit VolLanipf über Wasser in der Richtung nach der englischen
Küste weiterfuhr.
Ein italienisches Lob unserer „II-Boote".
Die deuffchen Unterseeboote bespricht A. Cipolla in Gazzetta bei Popolo" vom 2. April wie folgt: Was Deutschland während des Krieges sich mit feiner neuen Unterseebootswaffe geschaffen hat, ist 'ein moralisches und techni-c sches Wunder. Das ältere Unterseeboot, das zu Kriegsbeginn als eine Hiffswaffe mit begrenzten Zwecken galt, abhängig von unterstützenden Schiffen war und den Kampf und Tod in Luft und Licht ersehnenden Mannschaften Widerwillen einflößte, ist binnen kurzem zur Hauptwaffe geworden. Die kämpfende Marin« Deutschlands ging erfolgreich 4 Meter unter das Wasser. Der Kaiser gcw den Anstoß, indem er Konstrukteure und Mowrmaschinenfabrikanten zu Verbesserungen cknregte. Und nun wutte eine Flottille von großen« schnellen Unterseebooten mit weitem Aktions-s r a d i u s geschaffen, die als unsichtbare Waffe dem englischen Handel gefährlich wutte, und zugleich die Umbildung der Mannschaften für diese Zwecke vollzogen. Die Engländer« die mit bitteren Gefühlen oft genug die Kraft und unerschöpflichen Hilfsquellen ihres Gegners feststellten, legen zwar der Wirksamkeit der neuen deutschen Unterseebootflotte nicht übermäßige Bedeutung bei. Aber das Jammern über die Verletzung des Völkerrechts bei jedem Schiffsvettuft verringert natürlich die zukünftigen Gefahren nicht. Denn diese müssen, je stärker die Schiffszahl, je besser Konstruktion und Organisation wird, je weiter die Tätigkeit sich erstteckt, um so mehr wachsen. Und ein wirksames Mittel zu ihrer Bekämpfung gibt es einstweilen nicht.
Vas Steigen der Versicherungsraten in England.
London, 7. April. (Ktr. Bln.) Lloyds erhöhte die Ber- stcherungsgebühren für Handelsdampfer feit dem 31. März um 60 Prozent.
Zwei Harwich-Dampfer überfällig.
Kopenhagen, 6. April. Zwei englische Frachtdampfer den Harwich-Linie, die am Dienstag aus Sheerneß nach Kopenhagen abgefahren waren, sind überfällig und mutmaßlich! in der Nordsee to-rpediett worden.
Näheres zur Versenkung der „Acautha".
London, 7. Apttl. (Fr. Z.) Der Kapitän- der „Acantha", die auf der Höhe der Farne-Jnfel (Nottsee) torpediert wurdq. glaubt, daß sein Schfff von „17 10" gestellt worden fei. Dis „Acantha" hatte eure Ladung Fische an Bott im Werte von 700 Pfund. Das Unterseeboot habe den Angttff mit Gewehrfeuer begonnen. Nachdem das Schiff während einer halben Stunde zu cnffliehen versucht hatte, wurde es durch ein« Granate getroffen und schöpfte Wasser. Die Besatzung vettieß dann sofott das Schiff, worauf es torpediert wurde.
Der Fall der „Belridge".
W. T.-B. Christiania, 7. Apttl. (Nichtamtlich.) Die von norwegischen Zeitungen gebrachte Mitteilung, daß das norwegische Auswärtige Amt in Sähe der „Belridge" ein Gutachten abgegeben habe, ist, wie dem Vertteter des Wolfs- schen Telegraphen-Bureaus mitgcteilt Witt, unrichtig; ebensowenig stammt die Mitteilung norwegischer Blätter, daß die norwegische Regierung beabsichtige, die Angelegenheit der deutschen Regierung zu übermitteln, von amtlicher Seite.
ver Schwindel mit dem Rammen der v-voote.
W. T.-B. Amsterdam, 7. April. (Nichtamtlich) „Allge- meen Handelsblad" berichtet: Heute wutte das „Harwich- boot" im Dock in Rotterdam untersucht. Dabei ergab sich, daß nicht einmal die Farbe des SchiffsbodenS beschädigt war. Daraus ergibt sich, daß der frühere Vettcht, womuh das Schiff ein Unterseeboot gerammt haben soll, auf reiner Phantasie beruht.
Jur Versenkung der „Zalaba" und »Flquila".
Aufregung auf den Kanareu.
Genf, 6. April. (H. C.) Die Lyoner Blätter melden aus Madrid: Die Nachricht von der Versenkung der englffchen Dampfer „F a l a b a" und „A q u i l a", die mtt Lebens- mittelnfürLasPalmas beladen waren, rief unter der Bevölkerung der kanarischen Inseln große Auftegnng hervor. Als bekannt wutte, daß ein deutsches Unterseeboot einen englischen Dampfer, der, mit Bananen beladen, von LasPalmas ton, in der Nähe von Liverpool versentt habe, steigerte sich die Auftegung noch. Die spanische Regierung hat das K a n o n e n b o o t „L a y a" und den K r e u z e r „C a t a-> l o n a" zur Überwachung des Hafens von Las Palmas entsandt.
Eine Eapserkeilsprämie für unsere H-kselden.
Berliu, 7. April. Dem Reichsmarineamt ist folgendes Schreiben des Präsidenten der Königl. Eisenbahndirektion in Danzig zngegangen: Aus den reichen Spenden der Effen- bahn-Hauptwerkstätte Danzig und der Eisenbahnbaukolonne in Mlawa steht ein Betrag von 1000 M. zu meiner Verfügung. Es gereicht mir zur besonderen Freude, diese Summe nach Wunsch der Spender als T a p f e r k e i t s p r ä m i e an Unter- seebootsmannschaften stiften zu können. Das Reichsmarineamt hat die Spende dankend angenommen.
Des Urämervolkes wirkliches Uriegsziel.
Die Vernichtung aller kontinentalen Konkurrenz'. Englands HandelSweltherrschaft.
Eine für die Denkart in England geradezu thpffche englische Äußerung über Englands wirkliches Kriegs» zrel teilt die in Santiago de Chile erscheinende „Gaceta mttitar" vom 30. Dezember vorigen Jahres wie folgt mit;
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