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ifsliaiViifr Tsgblatt.

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Mo tl!i.R». »s. Donnerstag, de» 8. März. Fernsprecher No. 58. 1900.

Morgen-Ausgabe.

Aus Stadt und Land.

Wiesbaden. 8. März.

Der städtische Hanshalts-Etat für 1900.1901.

Nach der abgeschlossenen Rechnung für 1898/99 ist ein verfüg­barer Ueberschuß von 70,541 Mk. 8 Pf. verblieben, welcher je zur Hälfte dem NeupslasterungSfondS und dem Schulhausbnufonds über­wiesen wurde. Auch das Rechnungsjahr 1899 wird — wie sich schon jetzt bestimmt übersehen läßt — mit einem Ueberschuß ab- schließen. Veranlaßt wird derselbe hauptsächlich dadurch, daß die direkte Gemeindesteuer etwa 50,000 Mk., die Acciseabgabe etwa

38,000 Mk. und die Umsatzsteuer die außergewöhnliche Mehr­einnahme von etwa 85,000 Mk. ergeben wird, ein Beweis von dem überaus regen Bcsttzwcchsel im laufenden Jahre. Diesen zu erwartenden Mehreinnahmen stehen allerdings auch Mehrausgaben gegenüber, so bei der Gebäudeunterhaltung, der Straßenreinigung, der Straßcnunterhaltung und der Armenverwaltung, welche eben zum Thcil auch wieder durch Mindcrausgabcn ausgeglichen werden. In dem neuen Etat für 1900 sind wiederum als Zuwendungen für den Neupflastcrungsfonds 90,000 Mk. und für den Schulhaus­baufonds ebenfalls 90,000 Mk., weiter wie im Vorjahre 60,000 Mk. zum gelegentlichen Ankauf von Grundstücken bezw. von Flächen j Straßenanlagen vorgesehen. Der Ncnpflasterungsfonds hat En.. 1899 nur noch 157,809 Mk. verfügbar, womit die Kosten der Holz- Pflasterung des oberen Thciles der Wilhelm- und derNeuasphaltirung der Taunusstraße mit Stampfasphalt bestritten werden müssen, und es ist dringend nothwendig, diesem Fonds größere Beträge zu über­weisen. Aehnlich steht es mit den, Schulhausbaufonds': für diesen sind nur noch 207,423 Mk. verfügbar und hieraus, sowie aus weiteren Zuweisungen müssen die restlichen Baukosten für den Töchterschulnenbau am Markt, für den Umbau der Schule in der Luisenstraße und für die neue Südschule gedeckt werden, wohin­gegen die Baukosten für eine zlveite Realschule aus Anleihen:itteln gedeckt werden müssen. Erhebliche Mittel haben vorgesehen werden müssen für d,c Unterhaltung der städtischen Gebäude, näm­lich 118,160 Mk. (gegen 66,270 Mk. in 1899), und zwar darunter 64,745 Mk. an einmaligen Aufwendungen; diese betreffen haupt­sächlich das Rathhaus (10,645 Mk.), Theater (19,400 Mk.), ferner mehrere Schulen, u. A. Reuanstrich der Schule in der Lchrstraße, Neroberg-Restauration, Fischzucht-Anstalt ec. Weiter hat der Zu­schuß zum Krankenhause mit 123,650 Mk. (gegen 71,728 Mk. im Vorjahre) vorgesehen werden müssen, und zwar theils wegen größerer Unterhaltungsarbeiten an den Gebäuden, theils wegen Beschaffung von Inventar. Zum ersten Mal erscheinen die e r h o h tcn Ko st e n der Straßenrcinigung mit 50,000 Mk. und der Kehricht- abfnhr mit 7300 Mk. Für die H o ch b a u a b t h e i l u n g sind im ordentlichen Etat nur die Mittel für kleinere Arbeiten, u. A. die Erweiterung des Plattenbelags am Kaiser Friedrich-Denkmal, für eine einfache Einfriedigung des Bismarck-Denkmals und für die Umgestaltung des freien Platzes vor der neuen Schule am Markt und vor der Marktkirche, eingestellt. Für die Straßenbau - AbtHeilung sind u. A. die Kosten für eine zweite Dampfwalze, weiter vermehrte Kosten für Strabenunterhaltung re. vorgesehen. Für alle größeren Straßennenpflasterungen müssen die Mittel aus dem Neupflasterungsfonds entnommen werden. Für das Kanalbau- wcscn find gegen das Vorjahr erhöhte Mittel nicht eingestellt worden. Al« Steuer an den Kommunalocrband sind gegen das Vorjahr 20,500 Mk. mehr vorgesehen, nachdem eine Erhöhung von 2 pCt. auf 3'/- pCt. eingetreten ist. Der Ertrag aus Grundbesitz ist gegen da« Vorjahr um rund 87,000 Mk. gestiegen, davon 76,000 Mk. als Pachtgeld des „Adler" und dem Hause Webergasse 58. wogegen die Zinsen von dem Kaufgeld für die vor­erwähnten beiden Besitzungen mit 76,800 Mk. und für die Unter­haltung des „Adler", sowie für die Brandvcrsichcrung 5000 Mk. vorgesehen sind. Der Ertrag der direkten Gcnieindestcuer ist gegen das Vorjahr um 130,000 Mk., der Reinertrag der Äccise um 85M) Mk. und der Ertrag der Umsatzsteuer um

60.000 Mk. höher vorgesehen, von dem letzteren Betrage speziell

35.000 Mk. als Ertrag der Erhöhung der Umsatzsteuer für un­bebaute Grundstücke nnt Bauplatzwerth von 1 auf 2 pCt Als Ablieferungen aus den Ueberschüffen des Gaswerks sind 250,000 Mk. und de« Wasserwerks 230,000 Mk. vorgesehen. Bei diesem Abschluß des Etats hat, wie bereits erwähnt, die Steuererhebung bei dem bisherigen Procentsatz (90 pCt. der Einkommen- und 112"- pCt. der Rcalsteuern) verbleiben können, auch ist es gelungen, wiederuni einen Dispositionsfonds der Stadtverordneten-Versammlung in Höhe von 95,000 Mk. vorzusehcn, um darauf im Laufe des Jahres hcrvortretendc dringende Ausgaben verweisen zu können Im außerordentlichen Etat sind zur Deckung von Kauf- geldern für Grundstücke und Gebäude, Baukosten für bas Schlacht­haus, die Neubauten an der Neugasse, Markt,niterkcllerung,

35,000 Mk. zur Deckung der Kosten der Jdeenkonkurrenz für den Kurhausneubau und zu weiteren Vorarbeiten für den elben 861,600 Mk. für dieWeitersührung der Neuknnalisation, 1.500,000 Mk. zur Erweiterung des Wasserwerks und 900,000 Mk. zur Erweiterung des Elektricitätswerks, zusammen 5,096,800 Mk. vorgesehen Unter Berücksichtigung der aus früheren Anleihen noch zur Verfügung stehenden Mitteln werden rund 3,300.000 Mk. aus einer neuen Anleihe zu decken sein. Der Etat der orventlichen Verwaltung schließt mit 5,589,443 Mk. 80 Pf. Einnahmen und 5.339 443 Mk. 80 Pf. Ausgabe, verbleibt ein Ueberschuß als Betriebsfonds der Stadtkasse mit 200,000 Mk. Als Ertrag der Einkommen- und Realsteuern sind 2,233,000 Mk., zuzüglich der zur Erstattung kommenden Beträge mit 16,000 Mk, und 500 Mk Wanderlagersteuer 2,250, OOOMk. eingestellt. — Inder Straßenbau- AbtheilungsindfolgendeNeuanlagen vorgesehen: Bordsteinlegung

S n» Kaiser Friedrich-Ring, Ostseitc, zwischen Rhein- und Dotzheimer- aße, 900 Mk., Trottoir mit Bordsteinen vor dem Schloß bis zur uhlaasse 1500 Mk., Gußasphaltirung der unteren Schützenhofstraße W00 Mk., Pflasterung des Droschken Halteplatzes in der Viktoria- TU, desgleichen in der Rheinstraße zwischen Adolf- und Montzstraße 2400 Mk.. Herstellung erhöhter Trottoirs mit Bordsteinen ,n dem alteren Stadttheil (Fünfeck) zwischen Wilhelm-, Taunus-, Röder-, Schwalbacher- und Rhcinstraße 23,600 Mk., Unibau der Fahrbahn und der Trottoirs in der Ludwig­straße 7500 Mk., Erneuerung des Trottoirs in der Rosenstraße Bordstein mit Mosaikpflaster, 6000 Mk., Verbesserung des Trottoirs m der Adlerstraße von Haus No. 10 bis 28 3330 Mk., Herstellung von Mosackpflaster mit Bordsteinen auf der Südseite der Parkstraßc zwischen Erath- und Bodenstedtstraße 14,000 Mk., Verbesserung der Trottoirs und Rinnen in der Stiftstrabe 5500 Mk., Ausbau

1 der verlängerten Dclaspöcstraße 25,600 Mk. Als Beiträge zu Straßenbanten. deren Kosten den Anliegern nicht allein zur Last fallen, sind vorgesehen: für den Ausbau des Rings zwischen Moritz- nnd Schiersteinerstraße 9000 Mk.. desgl. der' Reitallee daselbst 11,200 Mk.. theilweiser Ausbau der Scerobenstraßc 7000 Mk., dcsgl. des Luxemburger Platzes 5000 Mk., Ausbau der Dorkstraße, längs der Schule 2300 Mk., desgl. des Blücherplatzes, der Roon- und der Uorkstraße 5000 Mk., desgl. der Wcißcnburgstraße 5000 Mk., deSgl. der Dreispitze am Rondel 5500 Mk. o.

— Grfchichtskalender. 8. März. 1897: f Emil Rittershaus zu Barmen, beliebter lyrischer Dichter. 1897: f Dr. Peter Bradkc zu Gießem Professor für Sanskrit an der Gicßener Universität. 1897: ch Sanitätsrath Dr. Ernst Brand in Stettin, Begründer der Hydrotherapie bei Typhus. 1897: Kampfe zwischen Türken und Cyristen um Herakleion auf Kreta am 8. und 9. 1876: ch Frau Colet, französische Dichterin. 1873: Ersteigung des Cotopaxi, des höchsten Vulkans der Erde, durch Stiibcl. 1841: ch Christoph August Tiedge zu Dresden, Dichter, Verfasser des Lehrgedicht? „Urania". 1823: * Graf Gyula Audrassy zu Volosca, österreich. Staatsmann. 1804: * Alban Clark, berühmter Fabrikant von Fernrohren.

— Uortrag. Dem „Lehre^men-Verein für Wiesbaden" ist es gelungen, die zweite Vorsitzende des „Allgemeinen deutschen Lehrerinnen-Vereins", Frau Marie Loeper-Houselle, zu einem Vortrag am 9. März zu gewinnen. Diese Nachricht wird von den zahlreichen Verehrerinnen der Redncrin, die auch die Herausgeberin der weitverbreiteten Zeitschrift „Die Lehrerin" ist, mit großer Freude begrüßt werden, und wir hoffen, auch in weiteren Kreilcn unserer Stadt wird der Vortrag „lieber die Bildung der Mutter" lebhaftes Interesse finden. Der Zutritt ist unentgeltlich, auch für Nlchtimtalieder, die als Gäste eingesührt werden können. Wir verweisen auf die Anzeige in vorliegender Nummer.

o. KtraHenbakn-Ueubnuten. Die nnt den Straßenbahn- Neubauten in der W i l h e l m str a ß e zusammenhängenden Straßen­regulirungsarbeiten nehmen, soweit sie nicht von der Witterung abhängen, einen rasche» Fortgang. Doch die Haupt­arbeiten stehen noch aus. Die Wilhclmstraße wird in ihrem oberen Theile förmlich umgewälzt, der Fahrdanim wird, um das Gefälle zu vermindern und zugleich gleichmäßiger zu gestalten, aus der ganzen Strecke bis zum Kaiser Friedrich-Platz erhöht, zum Theil bis zu 20 om, wodurch das Straßenbtld entschieden gewinnen wird. Daß dies nicht ohne zeitweilige gänzliche Unterbrechung des Ver­kehrs daselbst zu machen ist, liegt auf der Hand. Das städtische Bauamt möchte, da es ohne Klagen Seitens des Publikums doch nicht abgcht, die Arbeiten am liebsten im städtischen Bauhof aus­führen und in einer Nacht fertig auftragen. Aber das geht leider nicht; doch wird es sicherlich Alles thun, um die an dieser Stelle freilich doppelt empfindliche Verkehrsstörung auf das aller- mindeste Maß zu beschränken, und das Publikum wird seinerseits ein Einsehen haben und sich in das Unvermeidliche fügen. Jedenfalls werden die Arbeiten so beschleunigt, daß sie bis zum Beginn der „hohen Saison" beendet sein werden. Sie würden, wäre das Wetter nur nicht gar so ungünstig, schon jetzt weiter gediehen sein. Doch bei Frost können die Betonirungsarbeiten, welche bei der Straßenbefestignng eine Hauptrolle spielen, un­möglich ausgeführt werden. Hier haben die Ingenieure der Stadt sowohl wie der „Süddeutschen Eisenbahngesellschaft" eine sehr schwierige Aufgabe zu lösen. Große Schwierig­keiten bietet vor Allem die Ausführung der Weichen in der vorderen Tauuusstraße unter möglichster Ausrechterhaltung des Straßenbahnverkebrs. Durch die Ueberführung der Sonnenberger Linie in bie verlängerte Langgaffc gestaltet sich' diese Weichen» nlagc sehr komplizirt. In der Wilhelmslraße wird neben den zwei durch­gehenden Gleisen auf die Länge des Kaiser Friedrich-Platzes ein dritte« Gleis zur Aufstellung von Theater- und Kurhaus-Wagen erbaut. Die Ecke der Wilhelm- und Sonnenbergcrstraße wird zweck« Erleichterung des Verkehrs daselbst so weit abgestumpft, daß eine platzartige Erweiterung entsteh!, auf welcher ein sogenanntes Jnseltrottoir errichtet wird, eine Art Zufluchtsstätte für Fußgänger innnttcn der Verkehrswogen. — Die Lieferungen und Arbeiten zur Erneuerung der Fahrdammdecken der Taunus-und oberen Wilhelm­straße sind bereits vergeben, und zwar die des Stampfasphalts für bte TaunuSstraße an die „Deutsche Asphalt-Gesellschaft" zu Hannover und die des Holzpflasters für die obere Wilhelmstraße an die Firma Guido Rüttgers zu Wien, vertreten durch Pflaster­meister Hock zu Mainz, und die Betonirungsarbeiten an die Firma Ort u. Bind hier. Alle diese Firmen haben bereits größere Arbeiten zur Zufriedenheit des Stadtbauamts hier ausgeführt.

— Gustav Frritag-Denlnnnl. Bekanntlich hat sich das ntereffe für unser Gustav Freytag-Denkmal bereits durch reiche eiträge aus allen Gauen Deutschlands, ja selbst aus dem Aus­lande bethätigt. Nunmehr erging ein Aufruf a» unsere Mitbürger, auch ihrerseits zu dem würdigen Zweck beizusteuern, indem das Comitö in diesen Tagen folgenden Aufruf versenden ließ: „Der vor einem Jahre von uns versandte Aufruf zur Errichtung eines Gustav Frcytag-Denkmals hat in allen deutschen Landen und weit über seine Grenzen hinaus den lebhaftesten Anklang gefunden. Der Gedanke, die lebensvolle Persönlichkeit des Dichters rm Bilde der Nachwelt zu überliefern, wurde von allen Seiten mit Freude begrüßt. Nachdem bereits Hunderte, welche nicht Bürger dieser Stadt sind, sich durch die Thatsache, daß das Denkinal in Wies­baden errichtet werden soll, nicht abhalten ließen, uns namhafte Spenden für das Denkmal zugehen zu lassen, werden unsere Mit­bürger cs sicherlich als ihre Ehrenpflicht erachten, für die Errichtung dieses Denkmals,, welches unserer Stadt zur Ehre und Zierde ge­reichen soll, ihrerseits opferwillig einzutreten und nicht hinter den von außerhalb gespendeten Beiträgen znrnckzubleiben. Wir bitten, den Betrag,, den Sie dem würdigen Zweck gütigst zuwenden wollen, auf beiliegender Postkarte einzuzeichnen. Ueber die Beiträge werden wir in hiesigen und auswärtigen Zeitungen dankend ouittiren." — Wir freuen uns, mittheilen zu können, daß hierauf zahlreiche und bedeutende Zuwendungen gezeichnet wurden und mit jedem Post­gange weiter eingchen. Eine diesbezügliche Beitragsliste werden wrr demnächst veröffentlichen.

- - ArkriterMoynunsrn «nd Lungenheilstätte«. Ge­

legentlich des Provmzial-Landtags für die Provinz Hessen-Nassau veranstaltete der Vorstand des „Verein für Förderung des Arbeiter- Wohnungswesens und verwandte Bestrebungen" in Gemeinschaft mit mehreren Casseler Herren in Cassel eine Besprechung über die Bestrebungen des Vereins für Förderung des Arbeiter-Wohnungs­wesens in der Provinz Hessen-Nassau und über Bestrebungen zur Bekämpfung der Schwindsuchtsgefahr. An der Besprechung, die ,m Sitzungssaal des Ständehauses stattfand, nahmen Theil der Oberprafident Graf Zedlitz-Trützschler, der Regierungspräsident

Trott zu Solz, der Landesdirektor und Vorsitzende der Lande«- vcrsichernngsanstalt Hessen-Nassau, Freiherr Rieocsel zu Eisenbach, zahlreich- Mitglieder des Provtnzial-Landtags, die Vorstände de? Casseler Bauvereinc u. A. Unter de», Vorsitz der Herren Charte»

t allgarten von Frankfurt a. M. und Samtatsrath Dr. Endeinann.

icebürgermeistcr der Stadt Cassel, berichtete zuerst Herr v>. Stein als Schriftführer des Vereins über die Ziele de« Verein« für Förderung des Arbeiter-Wohnungswesens, der nach dem Muster des Rheinischen Vereins eine provinzielle Ceniral-AuskunftSsteSe für das Arbeiter-Wohnungswesens, sowie für alleArbeiter-WohlfahrtS, Unternehmungen und Einrichtungen schaffen wolle. Der Verein zählt bereits mehrere Städte, Kreisausschüsse, Bauvereine, gemeinnützige und Arbeitervereine und zahlreiche Industrielle mit einer Gcsammt- jadresbeitragssnmme von etwa 2500 Mk. zu seinen Mitgliedern. Er werde im April seine öffentliche Thätigkcit mit einer Versammlun, tn Frankfurt a. M. beginnen, in der in mehreren großen Referate, die Grundfragen des Arbeiterwohnungswesens behandelt werde, sollen, lieber den zweiten Punkt der Besprechung referirte Her RegierungSassessor Schulin. Wie unsere Provinz die erste VolkS- lungenheilstätte eingerichtet hätte, so stehe sie heute au der Spi­der preußischen Provinzen in der Zahl der Lungenheilstätten. I? Laufe dieses Jahres wurden so viel Betten zur Verfügung stehe, daß 1300 Lungenkranke jährlich verpflegt werden könnten. Damit wä, vorläufig in dieser Richtung dem Bedürfnisse genügt. Nothwendig bliebe dagegen noch die Beschaffung von Mitteln zu VorbeugungS- maßregeln, zur Unterstützung der Familienangehörigen der in den Heilstätten Untergebrachten und zur Fürsorge für die aus den Heil­stätten Entlassenen. Nach lebhafter Debatte, an der sich vor Allem der Herr Oberpräsident und Herr Landesrath Dr. Schröder von der Landesversichcruiigsanstalt bctheiliqtcn, wurde ein Comit« gewählt, das in Verbindung mit den schon bestehenden die gleichen Ziüe verfolgenden Vereinen zu Wiesbaden und Frankfurt die Vor­arbeiten für ein praktisches Vorgehen auf dem Gebiete der Be­kämpfung der Schwindsuchtsgefahr in Angriff nehmen sollte. Auf der Aprilversammlung in Frankfurt a. M. sollten diese Fragen i« Anschluß an die Wohnungsfrage weiter verhandelt werden.

— Der Frauenbund zum Wohls alleinstehender Mädchen und Frauen in Frankfurt a. M., ein Verein, der ausgezeichnete Ziele verfolgt, hat seinen dritten Jahresbericht heransgegeben. Bei dem allgemeinen Interesse, da« diese gute Sache für sich in Anspruch nehmen darf, ist es angebracht, etwas Näheres aus diesem Bericht mitzutheilen. Der Besuch des Heims war ei« recht guter, die Zahl der Heimbewohnerinnen betrug im Ganzen 217. Um zu zeigen, welche Bcrufsarten und Glaubensbekenntnisse im Heim des Frauenbundes vertreten sind, gicbt der Bericht beispiels­weise eine Aufzählung der Pensionärinnen am 1. Dezember. GS befanden sich an diesem Tage 49 Pensionärinnen im Hause' 14 Komptoristinnen, 11 Verkäuferinnen, 6 Modistinnen, 5 schnei.' derinnen, 4 Handelsschülerinnen, 3 Telephonistinnen, 2 Krankem Pflegerinnen, 1 Blumeubinderin, 1 Kinderfräulein, 4 Stelleiisuchende. Den Glaubensbekenntnissen nach setzen sich diese zusammc» aus 37 Evangelischen, 19 Katholiken, 1 Israelitin und 1 Mennonitin. Da» Bctriebsjahr 1899 schließt mit einem Geivinn von 760 Mk. 96 Pf., gegen 635 Mk. 32 Pf. in 1898 ab. Im Laufe des Jahres fanden zweimal größere gesellige Vereinigungen an Sonntag-Nachmittagen statt. Die jungen Mädchen hatten mit vielem Eifer kleinere Theaterstückchen und musikalische Scherze einstndirt, welche Mt- wirkenden und Zuschauern Freude bereiteten, den Pensionärinnen aber schon wochenlang vorher harmlose Zerstreuung nach der Arbeit gewährten. An Weihnachten beschcerte der Bund diesmal 38 Pen­sionärinnen. Ein Thcil der jungen Mädchen, die Verwandte oder Freunde in der näheren Umgebung haben, bringen meist die Feier­tage immer bei diesen zu. Um den jungen Mädchen das Stellen­suchen zu erleichtern, hat der Bund mit dem „Kaufmännischen Verein weiblicher Angestellter" folgendes Abkommen getroffen: Er zahlt einen jährlichen Beitrag von lO Mk., für welchen der betreffende Verein seinen Pensionärinnen die kostenfreie Beiiiitznng seiner Stellenverniittelung gewährt. Mit Geiiugthuung kann der Bund am Schluß dieses Jahres feststellen, daß die Anstalt sich wieder günstig weiter entwickelt hat. Gleichzeitig spricht aber der Band auch sein Bedauern darüber ans, daß der Frauenbund und seine Ziele und Zwecke immer noch nicht genug bekannt sind. Er richtet daher die dringende Bitte an Mitglieder und Gönner, neue Freunde und Mitglieder für ihn zu werben, und das Heim, das Viele noch nicht kennen, persönlich in Augenschein zu nehmen. Den VorstandS- damcn, die auf schriftliche Anmeldung jeder Zeit zur Stelle sind, wird es stets zur Frende gereichen, das Heim zu zeigen und jede gewünschte Auskunft zu crtheilen.

— GrflngrlruHt. Unter dem Protektorat Sr. Durchlaucht des Prinzen von Ratlbor hat sich in unserer Stadt ein „Verein der Geflügelzüchter und Vogclfrcunde" gebildet. Der Pcrcin will sein Bestreben in erster Linie dahin richten, reine Hühnerrasten zu züchten und zu verbreiten, überhaupt die Liebhaberei für die Zucht reinrassigen Nntzgeflügcls zu erwecken. Ist e« doch eine bekannte Thatsache, an die man aber nicht oft genug erinnern kann, daß aus Deutschland jedes Jahr enorme Summen (über 120 Millionen Mark) für Geflügel und Eier in das Anstand fließen, Summen, die mit Leichtigkeit dem Lande erhalten bleiben könnten, wenn die Geflügelzucht bei uns in rationeller Weise betrieben würde, und erst die allgemein verbreitete irrige Ansicht, die Geflügelzucht sei ein unrentables Geschäft, ausgerottet würde. Der Verein bezweett weiter, alle unsere nützlichen Vögel zu schützen, deren Einfangen zu verhüten und dieselben während des Winters, wenn nöthig, durch Anbringen von Futterstellen vor ihrem Untergang zu bewahren. Bei die,em Bestreben, den Fluren, Gärten und Anlagen unserer schönen Knrstadt die lieblichen Sänger zu erhalten, darf der Verein wohl auf die Sympnthieen und die Unterstützung der weitesten Kreise rechnen. Für den Verein macht sich schon ein großes Interesse kund, er besitzt bereits ein größeres Jnoeiitar, u. A. eine große Kollektion von Ausstellungskästgen, sodaß wohl der Perwirklichuug seiner Absicht, in diesem Jahr in unserer Stadt eine allgemeine Geflügel-Ausstellung zu veranstalten, keine größeren Schwierigkeiten mehr entgegenstehen. Dem jungen „Verein der Gefli^elzuchter und Vogelfreunde" wünschen wir ein kräftiges Blühen

— Unfall. Der Parquetbodenleger Reinhard Ritter ist gestern Nachmittag in einer Villa am Neuberg von einer Leiter gestürzt. Er hat bedeutende Quetschungen der rechten Hand er­litten. sodaß wahrscheinlich das erste Glied des Mittelftngers am- putirt werden muß. _

O Dom

Nhkin, 6. März, wiederum, wie alljäi

_ Auch in diesem Winter fallen ... jährlich, zahlreiche unserer schönsten Walnujb

bäume der Art zum Opfer. Das Holz der Bäum« wandert vorzugsweise in Fabriken, um in denselben zu Gcwehrschasten ver­arbeitet zu werden. Obwohl ja die Bäume ziemlich hoch bezahlt