Witsbsitemr TmliM.
«8. Jahrgang.
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Uo. 108 .
Fernsprecher No. 52
Dienstag, den 6. Mär;.
Fernsprecher No. 52.
1900 .
Morgen-Ausgabe«
Der Krieg in Südafrika.
Die Koodoosrand-Furth aur Modder River.
Beistchcnd bringen wir unscrn Lesern eine Illustration von der Koodoosrand-Furth am Modder River, wo die Buren unter dem tapferen General Cronje ein grausames Schicksal crer.lt hat. Don mehr als zehnfacher Uebermacht umringt und beschossen, blieb ihnen weiter nichts übrig als die Kapitulation, tue am 27. Februar stattgefunden hat. — Daß die Uebergabe Cronjes so rasch erfolgte lag zunächst an der groben Uebermacht des Feindes, dann wohl auch an den Terraiiwerhältnisscn. Die Buren konnten sich nicht
genügend gegen das Artillerieseuer der Engländer decken; -—
ge hatten sich, nachdem ihr Lager in Brand geschossen war, bis dicht an die beiden Flustufer zurückgezogen; aus unserer Illustration kann sich der Leser ein anschauliches Bild von der Situation machen, in welcher sich das unglückliche Burenhccr mit seinem tapferen General befand. Allmählich ansteigende, ziemlich kahle Ufer umsäumcn den Modder River, der um die jetzige Jahreszeit fast ganz ausgetrockiret ist. Im Hintergrund sehen wir den steilen Felsen des Paardeberg, aus dem di- Buren den Engländern ihren ersten Widerstand entgegensetzten. Der Weg bis Bloem- fontein wird den Engländern für den Fall, das; sie ihre Hauptmacht nunmehr dahin lenken, durchaus kein leichter sein Von der Koodoosrand-Furth bis zur Hauptstadt des Landes sind noch über 100 Kilometer; der Marsch geht dann durch eine hcideartige Wüste, auf der zur jetzigen Jahreszeit die fürchterlichsten Stürme wehen, die das Vordringen für Mensch und Thier unmöglich machen.
* * *
A Kapstadt. 2. März. Cronje und seine Mannschaften gefangen und Ladysmity entsetzt, was Wunder, daß sich' hier'Jedermann in einem wilden Tcumel der Begeisterung befindet. Es hat bereits geheißen. Bloem- fontcin befinde sich im Besitze der Engländer, twch war das Gerücht unbegründet. Im Allgemeinen ist man hier jetzt geneigt, an die baldige Beendigung des Krieges zu glauben, denn von dem Burcnhcere, das mitunter auf nicht weniger als 120.000 Mann geschätzt wurde, -issen sich jetzt nur kleine Haufen Nachweisen, und fast scheint 5, als hatten die Engländer allenthalben mir mit Gespenstern gekämpft.
Cronje erklärte soeben, in MagersfoutelN niemals mehr als 4000 Mann besessen zu haben. General Albrccht gab allerdings 6000 Mann an, doch bezog fiel, die Zahl der crsteren offenbar auf die Streitkrciste, die ihn, zur Zeit der Schlacht bei Magers- - fontern zur Verfügung standen. Das Heer, das man den Engländern nun entgegcnstellen wird, kann kaum aus mchr als 40,000 Mann bestehen, und sollte dasselbe gc- cheilt werden müssen, um Bullcr und Roberts zugleich zu bekämpfen, so dürfte das Ende des Widerstandes der Buren nicht mehr fern sein. — lieber den Zustand des Cr»nj-e'schen Lagers und die Uebergabe schreibt ein Korrespondent Folgendes: Nachdem Cronje mit General Roberts die Einzelheiten der Kapitulation erledigt hatte, wurde der Befehl in das Lager gesandt, daß die Mannschaften nach Kommandos znsamincntreten und unter Hinterlassung ihrer Waffen und Munition mit ihren Habseligkeiten in das englische Lager überführt werden sollten. Es war überraschend, mit welcher Schnelligkeit sie gehorchteil,
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,jch mit ihren Decken, Kochtopfe,i und sonstigem Krenipcl beluden and die Gewehre auf einen Haufen warfen, der zusehends Immer größer wurde. Wie es die Buren in dem Lager so lange auszuhalten vermochten, ist nnbegrekstich. Der Gestank, der von Hunderten von Pferden und Schlachtvichleichen ausging, war ent- fttzlich. Ueberall lagen todte Thicre oder Theile solcher, die von den Granaten umhergeschleudert worden waren, und mitten darunter befand sich hier und da eine Menschenleiche. die aus der Nacht
gewährt und ihnen ihr Trinklvasser geliefert hatte, sah ich
Hunderte von scheußlich aufgeblähten Thierleibcrn, denn der Wasserstaild war nicht tief genug, um sie fortznschwemmem Sammt- liche Wagen waren zertrümmert, weil man die Holztheile für die Feuer benöthigt hatte, und von Proviant gab es kerne Spur. Die verhältnißmäßig geringe Zahl von Todten und Verwundeten ,n Cronjes Lager erklärt sich dadurch, daß dasselbe ans zahllosen unterirdischen Gängen und Erdlöchern bestand, in denen die Belagerten vollständig sicher waren, wenn nichts gerade erne Granate zufällig in die eine oder die andere ktcine Oeffnung fiel. Gewehrfeuer war fast ganz wirkungslos. — Die Frauen mit ihren Kindern im Lager erklärten, sich selber geweigert zu haben, von dem ihnen von Lord Roberts aiigcbotencn freien Abzug Gebrauch zu machen, weil sic in der Stunde der Gefahr bei ihren'Männern bleiben wollten. Sie scheinen aber außerdem den
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bei Abrahamskraal ein. Er hielt eine Ansprache an das Burew- hcer und ermahnte es, an Majuba zu denken luid Croh zu befreien. — Der „Standard" meldet ans Kapstadt voll 8. März: Die Aufständischen in Griqualand, welche durch ‘ hundert holländische Farmer aus dem Bezirk Prressa verstärkt wurden, besetzten Kenhardt, 100 Meilen westlich v«n Pkiesha. bewegen sich jetzt südostwärts auf Banwyks-Blei W, wo .
Bvrrathc von Lebensmitteln befinden. Die Eingeborenen in jettet Gegend sollen sich unruhig verhalten.
Külfstrnpprn dcv Kotonjern. Dem Biircau Laffan wird ans Ko r o n t o gemeldet, Chamberlain habe kürzlich bei dem General» gouvernenr von Canada, Lord Minto, angefragt, wie viele Kanadier für den Dienst in Südafrika zu Hüven waren, im Falle die englischen Truppen, welche j . '
anderswo verwendet werden müßten.
jetzt in Südafrika sind, Lo '
lord Minto
vor der Kapttulatwn stammte, und daher noch mcht begraben werden konnte. Fm Fluß selber, der den Buren solchen Schutz
Engländern nicht getraut zu haben, denn während viele von ihnen bei der Uebergabe in Weinkrämpfe verfielen und laut um Gnade und Barmherzigkeit schrieen, als sie in die Nahe der Engländer kamen, waren sie offenbar grenzenlos erstaunt, als sie vemahmen.
ramen, waren vsscnvcic uuujuuu» i*. vv...».,......,
daß ihre Männer nicht erschossen werden, wurden und sie selbst nach ihren Farmen zurückkehrcn könnten. Die eliglischen Gefangenen in Cronjes Lager waren vorzüglich behandelt worden.
erb. London, 5. März. Die „Times" melden aus Ostfon- tein vom 2. d. M.: Die Stellungen des Femdes sind nicht genau bekannt. Bewegliche Kommandos tauchen rings um die britischen Truppen aus. Wir erwarten der Abrahmskraal, dreißig Meilen östlich von Paardeberg, auf Widerstand zu stoßen, wo Joubert angeblich eine Streitmacht aus der gesammten Macht von Ladvsmith 'mit den Nordost-Freistaattruppen ziisammenzieht. - Stehn traf am 27. vorigen Monats Morgens im Burcnlager
Aus Knust und Kebeu.
b. Frankfurter Kchanfpielhan», 4. März. Das dreiaktige Drama „Kain" des in hiesiger Stadt ansässigen Miigen Schrift-
irarren aunctcu '»iiuiy. ----- nach den Aktschlüssen
mehrfach hervorgerufen; er kann mit der Aufnahme fernes Werkes mehr wie zufrieden sein. Das dicke Ende aber — die Kritik — kommt nach. Und wer da nicht unter allen Umstanden darauf einqeschworen ist, daß die Aufgabe der Kunst nicht in der Schilde- runa des „Wahren, Guten, Schönen", vielmehr tu der Wiedergabe des Häßlichen sei, der kann sich den jubelnden Freunden des Autors nicht znqesellen. Das Stück ist schon, in Berlin undfiii München aufaefuhrt worden; damals setzte es einige Ohnmächten im Publikum, wie die Tobsucht des Helden auf der Bühne sich so lieblich ent- . hüllte. — Unter der Voraussetzung, daß der Verfasser vom Standpunkt des Psychiaters aus seinen Helden durchaus richtig gestaltet, denkeil wir uns das Stück als Anschauungsunterricht für erne Hörerschaft junger Mediziner für sehr lehrreich und nützlich. Unser Theater ist nun aber einmal nicht für ein Parterre -L-tndlrendcr der psychiatrischen Krankheiten geschaffen, und so stößt uns die Schilderung des Größenwahnsinns durch drei Akte durch entschieden ab. Talent hat der junge Ailtor, das ist ganz unzweifelhaft; aber mit feinem „Kain" befindet er sich auf Irrwegen die wir seiner Jugend zu gute halten und uns der schönen Hoffnung hingeben, recht bald' auf a n d e r e ri B n h n e n dies Talent bcthätigt zu finden. — Die Ausführung war gut; Herr Bauer, der die schwierige Auf- «abe hatte, einen Menschen darzustellen, der sich von Anfang an im Zustand krankhafter geistiger Uebererregiiiig befindet, und diese Geisteserkrankung bis zur Tobsucht zu steigern hat, setzte sein ganzes Können an die Aufgabe und hatte, neben dem Dichter, den Haupterfolg. Die anderen vier Mitwirkenden hatten die schwere Doppelstellung, mit einem Irrsinnigen sprechen und verkehren zu sollen, als wüßten und merkten sie nichts von dieser -Tollheit. Sre wurden dieser schweren Zumuthung des Autors nach Möglichkeit gerecht.
* Krankfnrter Stadtthrater. (Spiekplan.) Opernhaus. Dienstag, den 6. März: „Das goldene Kreuz", hierauf ^Sergißmeinnicht". Mittwoch, den 7.: .Der fliegende Holländer".
Donnerstag, den 8., zum ersten Mal: „Dre Puppe . Freitag, den 9.: Geschlossen. Samstag, den 10., einmaliges Gastspiel des Hofopernsängers Herrn Ernst Krauß vom Hosthcater rn Berlin: »Siegfried . (Siegfried: Herr Ernst Krauß.) Sonntag, den 11., Nachmittags 3‘/2 Uhr: „Trompeter von Säkkingen"; Abends 7 Uhr: „Die Puppe". Montag, ^den 12., ^ Festvorstcllung |u Ehren des
21. Kongresses ... . Schaustzielhaus.
der'Hnfeland-Gesellschcift: „Der Äärenhauter".- aus. Dienstag, den 6. März: „Karn". Mittwoch, den'?.: '„Minna von Barnhelm". Donnerstag, den 8.: „Wenn wir Todten erwachen". Freitag, den 9.: „Othello". Samstag, den 10.: „Talisman". Sonntag, den 11., Nachmittags 37- Uhr: »äugend von heute". Abends 7 Uhr, zum ersten Mal: „Hedda Gabler von Henrik Ibsen. Montag, den 12.: „Kain".
s. Krüssel, 3. Marz. Ende Februar oder Anfang Marz jeden Jahres sind dre belgischen Städte der Schauplatz unbeschreiblich wüster und ärgerlicher Scenen. Um diese Zeit ziehen nämlich die in das militärpflichtige Alter eingetretenen jungen Leute das Loos, und nachdem dies geschehen ist, wird es von jedem der Rekruten, einerlei, ob er sich „heraus"- oder „heremgeloost', hat, als erne strenge Pflicht angesehen. W in der heHmml.chen Werse zu
Jünaling in Begleitung vorr Verwandten und Bekannten beiderlei Geschlechts so viele Wirthschaften wie möglich besucht, wobei dem Bier und dem Schnaps fleißig zugesprochen wird. Auf dlese Welse gelangt natürlich die ganze Gesellschaft sehr bald in.emen sehr an- geheiterten Zustand, und nunmehr beginnt das elgentllche Vergnügen. Entweder in offenen Droschken oder Arm rn Arm zu Fuß durch- ziehen die betrunkerien Männer und Werber in Gruppen von oft 20 Personen die Stadt, fortwährend Lieder von einem mitunter so skandalösen Inhalt singend oder vielmehr brüllmd, daß den anständigen jungen Mädchen auf der Straße die Röthe der Scham ms Gesicht steigt. Bis spät in die Nacht hinein hört man das widerliche Gejohle der zirletzt meist total betrunkenen Kerle und ihres schamlosen Anhanges, und dieses von der Polizei geduldete Treiben dauert in der Regel eine ganze Woche lang. Daß hierbei auch ernstere Ausschreitungen, vor Allem Messeraffarren und gröbliche Verletzungen des offent- lichen Anstandes, Vorkommen, ist bei dem Bildungsgrade und dem rohen Charakter dieser Leute selbstverständlich, und die Zeitungen wissen daher auch jedes Jahr von zahlreichen Excessen derselben zu berichten. Ein ganz besonders charakteristischer Vorfall dieser Art «eignete sich gestern in der Vorstadt St. Gilles. Dort fuhren
habe, nachdem er mit dem Kabinett konserirt, geantwortet. 12,000 kanadische Freiwillige wrirden für Südafrika zu haben sein, außerdem eine genügende Anzchl, tmi die, englischen Garnisonen von Halifax, Esguimalt und Bermuda zu ersetzen Der „Daily Mail" wird aus Sidney telegraphrrt, der Premierminister von Neu-SüdwaleS, Lyne, habe vor wenigen Tagen ern Telegramm von Chamberlain erhalten, welches als vertraulico be- zeichnet war und das Ersuchen enthielt, Lyne möge den Inhalt des Telegramms den Premiers der übrigen austrarrsch?n Kolonreen mittbeilen und darauf hätten die Kabinette aller Kolomeen den Inhalt der Depesche Chamberlains in geheimen Sitzungen erwogen. Lyne habe zugegeben, daß die Depesche von ernstester Bedeutung sei und Chamberlain telegraphisch um Erlanbrnb gefragt den Inhalt bekannt machen zu dürfen. Chamberlarn habe geantwortet, er werde das Kriegsministeriwn deswegen befragen.
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in einem offenen Wageir 12 Jünglinge spaziercm von denen sich einer im kompleten Adamskostüm befand. Zwei Polizisten, die dem Skandale ein Ende machen wollte», wurden furchtbar verprügelt und erst, als denselben vier Kollegen zur Hülfe eilten, fluchtete sich die ganze Bande in eine Wirthschaft. Dort entstand zwischen den Rekruten und den Schutzleute» eine förmliche Schlacht, an der sin, a»ch 10 hinzu- gckouimene Weiber mit größten Wuth betheiligten, und das Gefecht hörte erst dann ans, als die Beamten, von denen mehrere von dm Megären ernstlich durch Bisse verwundet ivordm waren energisch von der blanken Waffe Gebrauch machten Jetzt gelang es ihnen auch endlich, sich des noch immer ga^lich nnbekleideten Kerls zil bemächtigen, trotz seines verzweifelten Widerstandes. Sre banden ihm Hände nnd Füße, warfen ihm eure Decke um und trans- portirten ihir auf einem Handivagcir nach dem Polizeibureau. Die hiesige Presse ist natürlich über diese und ähnliche Scenen tief entrüstet, aber ihre Entrüstung wird es nicht verhindern, daß derartige Scenen sich im nächsten Jahre einfach wiederholen wcrdm. Eine gründliche Aenderung in diesem für das ganze Land tief beschämenden Unwesen wird nicht eher eintreten, als bis «e Regierung sich endlich entschließt, den Unfug einfach zu verbieten
ei-c.D cn.v.fiAi hitrrh2itrühren.
und "dieses Verbot auch energisch 'durchzuführm. ~ ‘ n, 3. März. Seit drei Ta
s. Antwerpen, 3. Marz.' Seit drei Tagen sind die A»^ werpener noch einmal so stolz auf ihre Vaterstadt. Sre sagerisich nämlich jetzt, daß der Antwcrpener Karneval emzig auf der Welt dastehe, da man nach den dreiKarnevalstagen allem von der Place de Meir 147 große Wagen Konfetti weagefahren hätte. Das find nun allerdings ca. 1470 Hektoliter und das ist rn der That sehr viel, indessen läßt sich ans diesein unsinnigen Koiifettiwechn auch der Schluß ziehen, daß den guten Antwerpenern das TcNmt, um sich auch einmal auf eine andere Art ein bischen zu ainüfiren feh.r. Bon Huinor uild Witz war bei dein ganzen Karneval that,Mich kaum eine Spur zu finden, derselbe war so recht eigentlich ettt Fest mr die niederen und niedersten Klassm, dre sich alleMirM « # Manier sehr viel Vergnügen machtem Und> was düs Konfettiwerfen anbelangt, so haben sich hierbei selbst Mt Meldete Herren einzelnen Damen gegenüber rn einer Weise benommen, die man nicht anders denn als überaus roh und PÄethast bezeichnen kann. Wir möchten Niemand rathen, sich riach Antwerpen zu begeben, um sich den „berühmten" hiesigen Karneval, der am 4. UW 25. d. Mts. seine Fortsetzung findet, emmal anzusehen. Die Enttäuschung würde eine gar zu grausame seiv^
